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Montag, 27. April 2015

Kings Of Convenience, Esch, 26.04.15

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Konzert: Kings Of Convenience
Ort: Rockhal (Club), Esch
Datum: 26.04.2015
Dauer: gut 60 min Konzert, knapp 45 min Interview
Zuschauer: vielleicht 450 (ausverkauft)



Musikjournalisten liebten es, wenn etwas grundlegend Neues auftauche. Das habe die Kings Of Convenience rund um die Veröffentlichung des Debütalbums Quiet is the new loud so interessant für die Musikpresse gemacht. Die Rockjournalisten hätten zwar die Abkehr vom Lauten gehasst, der Rest der Presse habe es aber gemocht und dem norwegischen Duo einen netten Empfang bereitet. Ich bin Parajournalist, daher gilt diese Weisheit von Erlend Øye nur bedingt für mich. Ich sehe gerne Bands immer wieder, wenn sie sich einmal bewährt haben. Musikalisch habe ich mich in den letzten 25 Jahren keinen Millimeter aus meiner Twee-Pop und Shoegaze-Welt wegbewegt, neue Veranstaltungsformen wie diese, mit der die Bergener Rocker auf Tour sind, begeistern mich aber sehr.

Bevor Erland und Partner Eirik Glambek Bøe ihr Debüt-Album spielten, saßen die beiden Norweger auf einem Sofa auf der Bühne und beantworteten Fragen des Journalisten Ørjan Nilsson, der ein Buch über sie geschrieben hat. 20 Minuten Interview, dann die A-Seite, eine Pause, wieder einige Fragen und die B-Seite, dieser Abend hat schrecklich viel Spaß gemacht!

Eirik und Erland erzählten Geschichten rund um die Entstehung der Band und deren erste Jahre. Bevor sie die KoC gründeten, spielten sie in der Rockgruppe Skog, die bei einem Talentwettbewerb einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Ein Kritiker schrieb hinterher, man habe nicht genau gewußt, ob das spaßig oder ernst gemeint gewesen sei. Erland gab uns den Tipp "stay funny until the age of 22". Es bringe nichts, vorher Songs über die Schwierigkeiten des Lebens zu schreiben, weil es später, wenn die Probleme wirklich schlimm werden, dann keine Steigerungsmöglichkeiten mehr gebe. Überhaupt vermittelten die beiden eine Menge Weisheiten. Allerdings schränkte der Mann mit der Oma-Frisur dies auch ein wenig ein. "We were very good at faking wisdom!"

Daß ihr leises Konzept aufgehe, hätten sie bei einem frühen Konzert in München erlebt. Am Anfang konnten sie nicht viel touren, da Eirik anderthalb Jahre unter einem selbst diagnostizierten Burnout gelitten habe. Sie seien damals schon die "Kings Of Cancellation" genannt worden. In München habe es aber ein Konzert gegeben und da sei das Publikum wahnsinnig leise gewesen. Das Leise sei da also in der Musik angekommen. Der deutsche Rolling Stone habe etwa zu der Zeit geurteilt, "the music was good but it's a little bit schmalbrüstig!" Musiker oder Bands wie Simon & Garfunkel, Belle & Sebastian und Jonie Mitchell seien auch schmalbrüstig, sagte Erland. Wobei das bei weiblichen Musikern ein unglückliches Bild sei.

Eirik und Erland erzählten von den Aufnahmen des Debüts bei Ken Nelson, dem Produzenten der ersten beiden Coldplay-Alben, in Liverpool. Liverpool sei wie Bergen. Die Stadt biete keinerlei Ablenkungen, keine schönen Plätze oder Restaurants. Sie konnten also in Ruhe arbeiten. Ein Zuschauer aus Liverpool protestierte heftig, war aber einigermaßen zufrieden, als Erland sagte, er möge den FC Liverpool (weil der Soundmann Man United Fan ist und miese Laune habe, wenn die gegen Everton verlören - oder so). Als sie später von einem Lied (Summer on the Westhill) erzählten, das Eirik auf einer Fahrt von Glasgow nach Newcastle geschrieben habe und sie sicherheitshalber nachfragten, ob denn auch jemand aus Newcastle da sei, meldete sich eine Frau. "Wie ist es denn in Newcastle heutzutage so?" - "Shit!", sagte der Mann aus Liverpool. 

Das Interview war enorm unterhaltsam. Und informativ! Daß das dritte Album zum Beispiel QUIET IS the new loud heißen sollte, wusste ich nicht. Es kam nicht dazu, das schien der Plattenfirma nicht ganz geheuer zu sein. Der Name (ohne Großbuchstaben) für die erste Platte war Erland im August 1999 eingefallen. "Da war das Wetter gut." Eirik hatte stattdessen Quality sleep als Titel vorgeschlagen. Das wusste er aber nicht mehr (sagte er).

Zwischen diesem Interview spielten die Kings das Album. Ab und zu fragten sie ab, wie ein Lied heiße. Ab und zu erklärten sie etwas. Aus der A-Seite ragte natürlich das wundervolle I don't know what I can save from you hervor! Live kommt die herrliche Gitarrenmelodie viel besser zur Geltung als auf Platte. Sie hätten erst lernen müssen, wie ihre Sorte Musik, die gar nicht leicht live zu spielen sei, richtig klingen würde. Ihr Soundmann ("Glory, glory, Man United!") habe damals die richtige Technik dafür entwickelt (mit Mikros in den Gitarren). Und ja, die Gitarren kommen auf dem Album viel weniger klar durch. Eingespielt habe man die Lieder im Studio in Livesituationen. Ken Nelson habe keine Zaubertricks angewandt.

Während der zweiten Fragerunde durfte sich auch das Publikum beteiligen. Einer der Zuschauer wollte wissen, was es mit der alternativen Version der ersten Platte auf sich habe, die noch Kings Of Convenience geheißen und zum Teil andere Lieder umfasst habe. Erland erklärte euphorisch, daß man eines von denen, die es nicht auf Quiet... geschafft hätten, als Zugabe spielen könne. Sie müssten es dann nur vorher schnell proben. Eirik wirkte begeistert!

Nachdem sie die zweite Seite gespielt hatten, nahm der Haupt-Sänger aber doch seine Gitarre mit nach hinten. Sie kamen zurück und stimmten Days I had with you an, zum ersten mal seit 15 Jahren. "Nein, vor acht Jahren habt ihr es in Glasgow gespielt." Unterschätzt niemals Konzertgänger, liebe Bands...

Zum Schluß - man wollte und sollte ja hinterher noch Bücher signieren - kam ein späteres Lied, Cayman Islands. Und dann lange anhaltender Jubel des internationalen Publikums. Alle anderen Konzerte waren innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft, nur Luxemburg nicht. Viele (wie ich) hatten den Umweg über Esch gewählt, um diesen Abend zu erleben. "We play to the United Nations."

Setlist Kings Of Convenience, Rockhal, Esch-Sur-Alzette:

A-Seite:
01: Winning a battle, losing the war
02: Toxic girl
03: Singing softly to me
04: I don't know what I can save you from
05: Failure
06: The weight of my words


[Pause]

B-Seite:
07: The girl from back then
08: Leaning against the wall
09: Little kids
10: Summer on the Westhill
11: The passenger
12: Parallel lines


13: Days I had with you (Z)
14: Cayman Islands (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Kings Of Convenience, Barcelona, 02.06.12
- Kings Of Convenience, Dortmund, 09.10.09

Foto: Konserve (es herrschte strenges Fotoverbot. Grob sehen die beiden Musiker aber noch genauso aus).




Donnerstag, 7. Juni 2012

Kings Of Convenience, Barcelona, 02.06.12

1 Kommentare

Konzert: Kings Of Convenience
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 02.06.2012
Zuschauer: viele Tausend
Dauer: 75 min


Ich denke, es lag an der Björk-Absage, daß einige der Bühnenansetzungen des Primavera Festivals (vorsichtig ausgedrückt) mutig waren. Am deutlichsten wurde das bei den Kings Of Convenience auf der San Miguel Hauptbühne. Zwar war für eine komplette Band aufgebaut, die ersten neun Lieder lang standen aber nur Erlend Øye und Eirik Glambek Bøe mit ihren Gitarren auf der riesigen Fläche. Da die beiden Norweger oft gerne nah beieinander standen, wurde die Größe der Bühne noch absurder. Ich wußte, was mich erwartet, ich habe die Platten des Duos und habe sie es auch schon einmal live gesehen. Auch wenn das Primavera Publikum insgesamt gut vorbereitet schien, glaube ich, daß es viele überraschte, wie lofi Eirik und Erlend auftreten. Die Simon & Garfunkel Assoziationen, die sich mir einstellten, sind sicher nicht Resultat meiner großen Phantasie, sie liegen auf der Hand. Dazu Erlends wehende Locken, die zigtausend Zuschauer, der Auftritt entbehrte nicht einer großen Komik!

Die beiden spielten mit der Situation, baten die Menschen auf der Wiese hinten zu winken (was durch babylonische Sprachverwirrung auch die Zuschauer vorne ausrasten ließ). Ich bin sehr sicher, daß die Kings Of Convenience aus Norwegen großes Publikum* gewohnt sind. Auch wenn wir Mitteleuropäer viele skandinavische Bands bei uns erleben, wissen wir in den wenigsten Fällen, wie groß die in ihrer Heimat sind. Daß Kent zum Beispiel vor 20.000 Zuschauern spielen, hatte ich nicht geahnt, bevor ich das erfahren habe. Es würde mich also nicht wundern, wenn auch die Kings Of Convenience in Norwegen vor ähnlich großen Menschenmengen aufspielen. Sie wirkten jedenfalls extrem lässig und souverän. Das allerdings kann auch an ihrer Musik liegen...

Mit Boat behind kam die Band und es wurde ein wenig lauter und schmissiger. Es lag aber nicht nur daran, daß das Stück das beste des Konzerts war, Boat behind ist ein schönes Beispiel für die großen Songwriter Qualitäten des Duos aus Bergen. Natürlich könnte auch dieses Lied die Titelmelodie einer 70er Jahre Kreuzfahrt-Soap sein, aber es würde sie alleine deshalb sehenswert machen!

Ob die Macher es ironisch fanden, die Kings Of Convenience zur besten Zeit auf die größte Bühne anzusetzen oder diese Idee aus Verlegenheit entstanden ist, weiß ich nicht. Ich mag die Band, ich mag ihre langsame Musik, besser gepasst hätten sie aber in einen anderen Rahmen.

Setlist Kings Of Convenience, Primavera Sound Festival, Barcelona:

01: My ship isn't pretty
02: Cayman Islands
03: Love is no big truth
04: Me in you
05: 24 - 25
06: I don't know what I can save from you
07: Failure
08: Homesick
09: Mrs. Cold
10: Boat behind
11: Rule my world
12: Misread
13: I'd rather dance with you


* siehe auch hier


Samstag, 10. Oktober 2009

Kings Of Convenience, Dortmund, 09.10.09

2 Kommentare

Konzert: Kings Of Convenience
Ort: Konzerthaus Dortmund (Pop Abo)
Datum: 09.10.2009
Zuschauer: muß ich nachrechnen, es war jedenfalls schon lange ausverkauft (Ebay-Preise 50 €)
Dauer: vermutlich 110 min


Musik toll, Band toll, Konzerthaus toll, Publikum toll, Sound toll... Rest großer Mist! Dazu nachher mehr.

Setlist Kings Of Convenience, Konzerthaus Dortmund (noch lückenhaft; wird besser...):

01: My ship isn't pretty*
02: 24-25*
03: Me in you
04: Second to numb
05: Power of not knowing
06: I don't know what I can save you from
07: Singing softly to me
08:
Little kids
09: Stay out of trouble
10: Freedom and it's owner
11: Mrs. Cold
12: Rule my world
13: Peacetime resistance
14: Misread
15: Toxic girl
16: Boat behind

17: Homesick (Z)
18: Renegade (Z)
19: I'd rather dance with you (Z)

20: Cayman Islands (Z)


* danke an den Kommentierer!



 

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