Mittwoch, 23. September 2015

Saisonabschluss im Café Nun, Karlsruhe, 19.09.15

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Konzert: Dad Rocks! & Black Oak
Ort: Café Nun in Karlsruhe
Datum: 19. September 2015
Dauer: 50 min + 60 min
Zuschauer: etwa 90


Als Ende letzten Jahres das Team des Café Nun bekannt gab, dass es in Zukunft keine Konzerte mehr veranstalten möchte, war mir sehr schwer ums Herz. War es doch so etwas wie eine Konzertheimat für mich hier in Karlsruhe. Die Überdeckung der musikalischen Geschmäcker und der Veranstaltungsansatz waren für mich so wunderbar (und natürlich auch bequem!). Ich habe dort viele meiner heutigen Lieblingsbands zum ersten Mal erlebt und damit auch einige der schönsten Konzerte der letzten Jahre geschenkt bekommen. Es gab zu dem Zeitpunkt das Versprechen, noch eine richtige Abschiedsparty zu machen und das letzte reguläre Konzert mit Pretty Mery K. im Januar 2015. Im Sommer schließlich erfuhr ich, dass ich mir den 19. September frei halten sollte und später - während des alinae lumr Festival - dass es im Nun ein Wiedersehen mit Geert van de Velde und Thijs Kuijken geben würde und zwar mit der brandneuen Band Black Oak. Außerdem würde Snævar Njáll Albertsson aka Dad Rocks! aufspielen.

 

Schon im Vorfeld fand ich diese Auswahl stimmig, wenngleich ich mit der "Mann mit Gitarre" Fraktion normalerweise etwas fremdele. Aber Dad Rocks! vertritt eine klare Creative-Commons-Position, die mir sehr nahe liegt und passte irgendwie damit besonders gut an diesen Schnittpunkt von Ort und Zeit. Und sowohl Geert als auch Thijs gehören zum Urgestein der Nun-Konzerte. Das Doppelkonzert begann Snævar schließlich mit dem Titel Funemployment. Neben dem irgendwie besonders passenden Thema des Textes und seiner besonderen Art zu reimen fiel mir wieder auf, wie sehr ich sein fingerpicking bewundere. Fast durfte seine Gitarre kunstvoller mitsingen als seine Stimme.


Und das offene Teilen und dadurch kreative Vermehren seiner Kunst bekam einen ganz besonders persönlichen Anstrich, als er nach dem eigenen Song Manged die aus dem Nun-Nachwuchs-Umfeld stammende zugehörige Bearbeitung Dream Away vom Album Year of the Fan vortrug. Die Gedanken eines Kindes in denen schon ganz viel von dem steckt, was uns auch als Erwachsene nicht los lassen wird.


Auch eine dritte Eigenart, dass sehr lyrische Melodien mitunter mit einem beißend ironischen Text unterlegt sind, zeigte sich spätestens beim Song Take care. Snævar nahm sich ausgiebig Zeit für Ansagen und geriet beim Lied Downaging ins Lachen bei der Zeile ... failed the test (es geht darum, ein Mädchen auszuziehen) und schob hinterher - das sei leider ganz genau so passiert und erntete dafür natürlich große Erheiterung. Fast konnte er selbst vor lachen nicht weitersingen. DAS sei ihm nun doch etwas peinlich ...


Als wir ihn am Ende des vorbereiteten Sets nicht gern gehen lassen wollten, bedankte er sich dafür mit einem depressing last song  der sehr klare Worte dafür findet, wie mit alten Leuten (oder überhaupt Leuten, die nicht so finanzstark sind) umgegangen wird. Damit endete ein Konzert bei dem wohl kein Herz ungerührt geblieben war.

Setlist:
01: Funemployment
02: Boots
03: Horse (cover?)
04: Managed
05: Dream away
06: Take care
07: Downaging
08: Old man
09: Rants

10: Senior Home (Z) 


Nach einem sehr schnellen Umbau standen anschließend Geert van der Velde (The Black Atlantic) und Thijs Kuijken (I am Oak) auf der Bühne mit E-Gitarre und akustischer Gitarre und hatten als Überraschung eine Frau an den Tasten dabei: Esther Postma (ex-Calgary Woods). Auch besonders und überraschend war, dass sie uns im Wesentlichen ganz neues und noch unveröffentlichtes Material der neu gegründeten Band Black Oak mitgebracht hatten. So schlugen sie die Brücke aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit mit dem Nuncafé in die Zukunft, was gleich auf mehreren Ebenen wunderbar passte.


Es wurde sehr hymnisch und innig. Die Stimme von Geert kann das glaube ich auch nicht anders. Sie ist sehr markant und wurde von der tieferen Stimme von Thijs wunderbar geerdet. Aber auch die dritte, die Frauenstimme ergänzte eine herrlich passende Farbe im Mix. Es folgte eine Stunde ganz erhöhter Aufmerksamkeit, die jedoch im Rückblick für mich keine klaren Konturen hinterließ. Ich denke, wir waren alle zusammen in einem parallelen Universum zu Gast. Voller Liebe und Schönheit - mit viel Lachen gewürzt. Das Publikum war sehr, sehr aufmerksam und enthusiastisch im Applaus. Alle trugen wird diese Menschen und ihre Musik auf unseren inneren Händen.


Als Zugaben erhielten wir die Tracks ihrer Split-EP und damit noch einmal die Verankerung in dem was war. Herzlichst verabschiedeten wir die Künstler und die Organisatoren mit Applaus und wer mochte, hat anschließend noch viele Stunden im Nun gesessen und geplauscht über das war war und was vielleicht sein wird. Mir blieb im Rückblick der etwas traurige Beigeschmack, erst ein bisschen zu spät auf den Trichter gekommen zu sein und so doch so einige Abende verpasst zu haben mit mir sehr am Herzen liegenden Künstlern. Und dass obwohl ich ja 2008 zufällig schon einmal in unserer Heidelberger Zeit aufmerksam geworden war und es ab April 2009 sehr bequem gewesen wäre. Ich kann mich dafür also nur selbst an der Nase zupfen...


Setlist:
01: Thaw
02: The Grain
03: Gallop
04: Hunker
05: Melee
06: Whirl
07: Rove
08: When The Night Is All I See

09: Fracture (Z) 
10: How Long? (Z)


Aus unserem Archiv:
The Black Atlantic, Storkow, 21.08.15
The Black Atlantic, Karlsruhe, 24.01.13
The Black Atlantic, Düsseldorf, 07.10.12
The Black Atlantic, Köln, 28.01.12
The Black Atlantic, Paris, 06.06.10

Dad Rocks!, Dresden, 01.09.12  

Wunderbarste Bilder von Martin Gommel.

Meine Konzertbesuche  im Nun
03.06.08 Audrey (Anfahrt aus Heidelberg!)
16.03.11 Rue Royale
08.07.11 My Bubba

17.11.11 Sea + Air
24.01.12 Rue Royale & The Black Atlantic
23.02.12 Brokof
20.04.12 Garda & Old Seed
09.08.12 Sóley
05.10.12 Home of the lame
07.11.12 Binoculers & Nicolai Schorr
21.12.12 Max und Laura Braun
22.02.13 Pascal Pinon
12.04.13 Troy von Balthazar
02.05.13 Evening Hymns
11.05.13 Mire Kay
14.06.13 Allie
25.07.13 Lingby & (Frère de Song)
28.09.13 BRTHR & Old Seed
18:01.14 Rue Royale
22.03.14 September Leaves & Plumes
04.04.14 Adam Evald, Big Fox
24.05.14 Adam Evald, Albin & Solander
17.10.14 Florian Ostertag
16.01.15 Pretty Mery K. 


Leider verpasst und nachträglich sehr bedauert:
18.10.10 Garda & Green Apple Sea
29.09.10 September Leaves
06.09.10 Rue Royale
19.06.10 Daniel Benjamin
22.05.10 Talking to Turtles
19.12.09 The Gentle Lurch
30.10.09 September Leaves
17.10.08 Lingby & Garda
15.09.08 Clara Luzia

 


Dienstag, 22. September 2015

Mercury Rev, Incubate Festival Tilburg, 18.09.2015, Schouwburg Tilburg,

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Konzert: Mercury Rev
Ort: Tilburg
Datum: 18.09.2015
Dauer: 105min
Zuschauer: 800


Der Abend im Dezember 1991 wird mir immer in Erinnerung bleiben. Der Tipp des besten Freundes "hör mal rein, klingt wie Pink Floyd" erweiterte meinen damaligen musikalischen Horizont um ein Vielfaches. Mercury Rev spielten damals zwar das wohl schlechteste Konzert unserer jetzt fast 25jährigen Beziehung, trotzdem war es ein Meilenstein. 

Der damals noch schwergewichtige Frontman eilte während der ausufernden Songs zur Bars um neue Drinks zu ordern, das Luxor stand im Bühnennebel und entdampfte danach auf die kalte Straße. Die Zeiten änderten sich, Jonathan spielte zeitweise bei den Flaming Lips Gitarre, David Baker konsumierte wohl auch härtere Dinge als Drinks und verließ die Band. Der Sound wurde melodischer und "normale" Songstrukturen rückten stärker in den Vordergrund. Deserter`s Songs wurde Platte des Jahres im NME und alles schien perfekt. 

Leider konnten sich Mercury Rev aber danach nicht mehr in der oberen Liga halten. Obwohl sie live ständig tolle Konzerte gaben waren die Abstände zwischen den Platten einfach zu groß. Immer wieder starteten sie neu und verloren an Kraft. Die letzte CD aus dem Jahr 2008 war für mich das erste Desaster seit ihrer Gründung, sie sollten sich Jahre nicht davon erholen. Umso erstaunlicher dann die Ankündigung des Incubate Festivals in Tilburg: "Mercury Rev mit Orchester im Theatersaal". 

Mit gemischten Gefühlen fuhr ich Freitag in die Niederlande. Würde mich die Band nochmals bezaubern oder ist es das letzte Aufeinandertreffen ?. Der Saal leuchtet beim Betreten in samtigen Rot. Auf der Bühne links ein echtes Orchester, rechts die Band, getrennt durch eine Plexiglaswand. Das Konzert beginnt mit einem Solo für die Streicher, zunächst scheint es ein klassisches Stück zum Auftakt zu sein, doch dann hört man es heraus: Es ist Neil Youngs "A man needs a maid". Jonathan und Grasshopper betreten die Bühne und mein kippenvel (holl. für Gänsehaut) ist sofort aktiviert. Beide wie immer stilvoll gekleidet, drei weitere Musiker an Bass, Keyboard (Querflöte) und Schlagzeug ergänzen den Sound.

Es geht los, und ich merke: Jahre habe ich keine Songs mehr von Mercury Rev gehört. Was für ein Fehler. "The funny bird" eröffnet, die Streicher rasen, Carwash Hair direkt danach in einer ruhigeren Version als früher aber immer noch genau so anmutig. Jonathan erzählt, er erzählt unglaublich viel an diesem Abend. Über Freundschaft, die Probleme in der Band, die Familien, die Kindheit. Alles scheint an diesem Abend von ihnen abzufallen, es ist ihr Abend, das Orchester macht sie und ihre Songs perfekt. 



Er wirkt entwaffnend ehrlich wenn er sagt, dieses Angebot hätte ihr komplettes Jahr gerettet. Von der neuen CD werden nur wenige Songs gespielt, auch sie klingen hervorragend. Er spricht von der Zeit mit den Flaming Lips im Kleinbus und ohne Geld, von Gespenstergeschichten ihrer Kindheit in den Catskill Mountains und wie ihr Sound daraus entstanden ist. Daher folgt auch "Love yer brain" von den Lips, und die Kracher "Holes" und "Opus 40". Letzteres in einer unfassbaren Version mit krachigen Gitarren, einem Irren am Schlagzeug und Streichern die einfach weiterspielen bis Schluss ist. 

Ich würde jedem wünschen dieses Konzert würde auf DVD veröffentlicht, so ein Genuss darf nicht nur mit einem Theater geteilt werden. Die Noten sind geschrieben, vielleicht gibt es ja in Zukunft öfter eine Gelegenheit so aufzutreten.



Zur fälligen Zugabe muss Jonathan dann nochmals weiter ausholen. Er erzählt die traurige Geschichte als ihm jemand durch einen Anruf mitteilte, das sein Freund Mark Linkous gestorben sei. Mark war der geniale und leider auch verrückte Leader der Band Sparklehorse, die ich leider nur einmal erleben durfte. Damals spielte Linkous das komplette Set mit einem Gips im Rollstuhl, bevor er zu den Zugaben ohne Gips auf die Bühne schlenderte. Zu seinen Ehren spielt die Band daher seinen Song "Sea of Teeth". Und Jonathan singt den Text seines toten Freundes als hätte er ihn verfasst : "Can you feel the wind ? Of his soul upon your skin..Oh can you feel the wind ?"

Danach beendet ein kraftvolles und elegisches "Dark is rising" das emotionalste Konzert seit Jahren. Es war kein reines Best of..wie viele erwartet hatten, auch keine sentimentale Rückschau oder eine peinliche Aufführung in neuem Gewand. Es war einfach nur perfekt. 




Hoffen wir, das die ersten Eindrücke der guten, neuen Songs sich auf der CD Bewahrheiten und es wieder einen neuen, diesmal besseren Start in die nächsten Jahre gibt. Mercury Rev sind im Herbst auf Clubtour in Deutschland zu sehen. 

Wer schon lange keine Mercury Rev Platte mehr gehört hat sollte, wie ich seit 3 Tagen, einfach nochmal in sich gehen und seine Lieblingsscheibe auflegen. Bei mir läuft Yerself is steam aus dem Jahr 1991 seitdem wieder ständig. 

Aus unserem Archiv:
Mercury Rev, Barcelona, 28.05.11



Montag, 21. September 2015

Apples in Space, Adorf, 20.09.15

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Konzert: Apples in Space
Ort: Scala Adorf
Datum: 20. September 2015
Dauer: 75 min
Zuschauer: 20



Eine verträumte Band entstieg dem Tourbus am Nachmittag vor der Scala und freute sich über Apples in cake (and tea). Die Sonne begrüßte unsere Gäste und Adorf zeigte sich trotz herbstlicher Temperaturen von der sommerlichen Seite, so gut es eben an einem 20. September in dieser Gegend geht. Nach den Fotos aus Karlsruhe hatte ich mich entschieden, die Band ebenfalls das große Besteck auflegen und spielen zu lassen. Da die Tour ihren Tribut zollte und Erkältungen die Stimmen ankratzten, haben wir Mixer, alle Kabel und sonstigen technischen Raffinessen zusammengesucht und ein gut verstärktes Set aufgebaut. Lustig zu beobachten, wie dabei eine Hand in die andere greift und in all dem Gewirr und Gewimmel Phil Haußmann schon in der Setlist oder in neuen Melodien träumt.



Ich hatte das selbstbetitelte Album von Apples in Space sehr oft gehört, seit der Termin für das heutige Konzert stand. Phil und Julie Mehlum haben dies noch zu zweit eingespielt und schon diese Stücke machen beim Hören soviel Spaß - was würde aus den Songs erst werden mit Bass- und Schlagzeug-Begleitung. Apples in Space sind nach Aussagen von Phil mittlerweile eine echte vierköpfige Band, sie haben Janusz Hüsges am Bass und Jonathan Sieweck als leisesten Schlagzeuger Deutschlands an den Drums als vollwertige Mitglieder integriert. Wenn man die vier so spielen sieht, wie sie einander beobachten, Zeichen geben und sich in Spielfreude verlieren, so meint man, es sei schon immer so gewesen. Doch das Konzert ist dramaturgisch so aufgebaut, dass Janusz und Jonathan ihre Pause bekommen und Phil mit Julie einige - sehr intensive - Titel allein bestreiten. 



Hier haben sich zwei Menschen gefunden, die ihre engen Bande auf die Bühne bringen und dabei eine Innigkeit verbreiten, die sich als Kokon um das Publikum legt und es in ihren Bann zieht. Es reihen sich Lieder ihres Debütalbums wie auch zwei neue, während der Tour entstandene Songs während des Abends aneinander. Ganz besonders sind Paper Town und Ophelia’s Song aus dem Hamlet am Berliner Ensemble, wo Phil und Julie regelmäßig mit auf der Bühne stehen. Mit November und All My Things kommen die beiden erwähnten neuen Lieder, bevor das Konzert viel zu schnell zu Ende geht. 



Aber ohne Zugaben geht in der Scala keine und keiner von der Bühne und damit bekommen Janusz und Jonathan noch eine Pause. My Love Is A Bullet schreit förmlich nach Quentin Tarantino - Bildern und zu Whiskey In A Tea Cup werden noch einmal alle vier das Haus unter Strom setzen. 



Da es Sonntag ist, leert sich die Scala früher als sonst und am Ende sitzen wir zu acht in der Runde und die Band jammt noch ein bisschen auf neuen Melodien und vertauschten Instrumenten. In den Köpfen kreisen schon die Ideen für eine neue EP und ein neues Album im nächsten Jahr. Ich hoffe sehr darauf, denn was wir heute hier erleben durften, waren Spielfreude, Leidenschaft und wunderschöne Songideen. Bei der nächsten Releasetour stehen die Türen der Scala weit offen für Apples in Space.



01: The Brigde between two shores
02: The old man & the country
03: Johanna's Waltz
04: Elsk meg i morgen fren forbannelse
05: Paper Town
06: Ophelia's Song
07: Vespa
08: The biggest lie
09: I was the moon
10: November
11: All my things
12: The house is empty now
13: Farewell little world

14: My love is a bullet (Z)
15: The never read letter (Z)
16: Whiskey in a tea cup (Z)





Sources:
Video: The Old Man And The Country
Video: Paper Town
Apples in Space Webseite

Aus unserem Archiv:
Apples in Space, Karlsruhe, 13.09.2015
Apples in Space, Köln, 03.03.2015
Apples in Space, München, 10.04.2013


Sufjan Stevens - Colosseum Theater, Essen, 19.09.2015

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Konzert: Sufjan Stevens
Ort: Essen
Datum: 19.09.2015
Dauer: 125 min.
Zuschauer: 2.000



Sufjan Stevens Welt scheint ein Paralleluniversum zu sein. Einer der Geister im Showbiz, die einfach unberechenbar bleiben und nicht für den schnellen Erfolg komponieren oder spielen. Vieles was er bisher veröffentlicht hat war mutig, vieles schräg, nicht alles war gut. Doch gerade das macht ihn aus. 

Ein Künstler im wahren Sinne des Wortes. Stevens füllt nun zum zweiten Mal das Collosseum in Essen bis auf den letzten Platz. Eine wirklich schöne, umgebaute Fabrikhalle die immerhin 2.000 Leuten Platz bietet. Die letzte Show war ein wilder, bunter Ritt der alle begeisterte. Doch die Fans wissen das Stevens, wie vielleicht sonst nur noch die Eels, seinen Liedern bei jeder Tour immer wieder neues abverlangt. 

Nicht umsonst wird die Halle sonst eher für Musicalabende gebucht. Ein Drama soll heute hier aufgeführt werden und es wird eine große Oper. Dazu sind Hipster aller Länder zusammengekommen, schöne Menschen und besonders viele Spanier und Niederländer sind zu hören. Die aktuelle Tour durch Europa ist kurz und vielen ist wohl ein Konzert zu wenig. 

Dann geht es endlich los. Und es startet wie ein leiser Rausch, wie eine Ouvertüre. Drei ganz ruhige Songs eröffnen den Zyklus, darunter das unsagbar schöne "Should have known better" der aktuellen Platte. Die Lichtshow ist gewaltig, die Spots kreisen durch das Auditorium wie sonst nur bei Stadionkonzerten, allerdings nur über den Musikern. Auf der in Streben geteilten Leinwand laufen dazu parallel Videos und geben das Motto des Abends vor. Einzeln Bruchstücke, ergeben sie zusammen doch ein klares Bild. Genauso wie Stevens seine Kindheit und die Beziehung der Eltern auf seiner neuen CD umschreibt. 



Im weiteren folgen immer mehr neue Songs, fast alle bekommen gegen Ende ein elektronisches Gewand. Tanzbar wirken sie, aber immer ist nur ein Ansatz erkennbar. Die Band spielt weitestgehend im Dunkeln, ist für die Zuschauer leider kaum zu erkennen, aber sie leistet perfekte Arbeit. Unzählige Instrumente werden gespielt und getauscht, Stevens spielt abwechselnd am Piano, Keyboard oder der Gitarre. Dazu seine etwas kindliche, aber glasklare Stimme. Überhaupt der Sound, öfter wünschte man sich hier Konzerte.

Es gibt keine Ansagen, keine Unterbrechungen in diesen ersten 95 Minuten. Das ist anstrengend, es erfordert höchste Aufmerksamkeit denn man möchte ja nichts verpassen. Ein normales Konzert ist es nicht. Einzelne ältere Lieder werden eingestreut, kaum auszumachen in des Königs neuen Kleidern. Immer öfter bricht sich jetzt die Elektronik Bahn und übernimmt den Rhythmus. Die Versionen werden länger, das Licht wieder dunkler und die Stimmung düster. "Vesuvius" und "I want to be well" deuten das Ende an, das Publikum gefesselt während der Lieder möchte jetzt gerne mehr teilhaben an der Show, etwas "echtes" von ihrem Künstler hören oder sehen. Die Perfektion wird kurzzeitig zum Fluch. 

"Blue Bucket of Gold" bildet den Schlussakkord, und er dauert zu lange. 15 Minuten quält sich der Song in einer Mischung aus gekonnter Sigur Ros Emotionalität und zutiefst nervigem Krautrock. Stevens geht hier zu weit, überschätzt sein Publikum oder fordert es extra heraus. Wer kann es wissen. Natürlich ist der Applaus trotzdem riesig, als das Licht zum ersten Mal den Saal erleuchtet. Zu gut waren die ersten 80 Minuten. 



Erst jetzt wirkt Stevens gelöst, lacht und winkt ins Publikum. Ein toller Twist dann bei den Zugaben. Hier spielt die Band in gleißendem, weißen Licht sonst sperrige Songs im einfachen Gewand des Folk. Die genaue Umkehrung des ersten Sets. Das ist fabelhaft und bietet Raum für abendliche Songwechsel. Heute spielt er unter anderem "The Dress looks nice on you" und "Chicago". 

Stevens kündigt seine famose Band an und bezeichnet sich und die anderen als "..hardest working Band in Showbiz". Er sagt es als Witz, doch die Kunst dahinter wird genauso aussehen. 

Natürlich ist es leichter jedes Jahr Hauptstadtfestivals mit seiner Best of..Show zu beglücken. Echte Kunst kommt von können und oft auch von zwanghaftem müssen. Sufjan Stevens Show ist live nichts anderes als echte Kunst. Vielleicht wird er deshalb als Musiker auch nie ein Weltstar. Die Zuschauer heute wissen aber, er hat ein Kunstwerk für sie geschaffen. Auch wenn es nur für einen Abend war. 

Aus unserem Archiv:
Sufjan Stevens, Barcelona, 26.05.11
Sufjan Stevens, Berlin, 07.05.11
Sufjan Stevens, Köln, 10.11.06
Sufjan Stevens, Paris, 09.11.06



Les concerts de la semaine à Paris du 21 au 27 septembre 2015

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Les concerts de la semaine à Paris du 21 au 27 septembre 2015

Agenda de concert bien rempli cette semaine et j'ai super hâte de revoir French For Rabbits de la Nouvelle-Zélande qui avaient joué deux sublimes Oliver Peel Sessions dans le passé. Première partie Own Eeerie, jeune duo de Paris de talent qui avait également brillé lors de mes sessions !


21.09.2015: Kevin Morby et Ryley Walker, Point Ephémère, complet
21.09.2015: Fête d'ouverture de French Touch à partir de 16h30, concert de Coming Soon à 19H
22.09.2015: Beirut, Le Zénith
21.09.2015: Petite Noir, Badaboum
22.09.2015: The Octopus Project et Splash Wave, Petit Bain 
22.09.2015: Hooton Tennis Club et Happyness, La Mécanique Ondulatoire
23.09.2015: Half Moon Run, Point Ephémère
23.09.2015: Barbarie Boxon, Pop In 
23.09.2015: Kwamie Liv, Les Etoiles
23.09.2015: Louise Lhermitte et Isa Sompare et Jeff Mailfert at Le Reservoir 
23.09.2015: The Apartments, La Gaité Lyrique
23.09.2015: The Notwist et Aloa Input, Le Trabendo
23.09.2015: French For Rabbits et Own Eerie, L'Espace B
23.09.2015: Michelle Blades et Malvina Meinier @ La Plage de Glazart pour les 4 ans de Midnight Special Records
24.09.2015: Django, Django, Casino de Paris
24.09.2015: Céline Tolosa à la Cantine du Petit Bai, entrée libre
24.09.2015: Morrissey, Olympia, complet
25.09.2015: Os Noctambulos, Vague, Espace B
25.09.2015: Robi, Jeanne Added et plein d'autres; Le Plan, Ris-Orangis
25.09.2015: Manuel Bienvenu, Les Voûtes
25.09.2015: The Dove & The Wolf, Galérie Houard
26.09.2015: This Is The Kit, Square Maurcie Gardette, Paris 11
26.09.2015: Disco Doom, We Insist !, Appletop et plein d'autres, La Flèche d'or
26.09.2015: Youth Lagoon et Ariel Ariel, Café de la Danse
26.09.2015: Festival Maison Sauvage et Camilla Sparksss, Giant Swan, Use et plein d'autres, Petit Bain
27.09. et 28.09.2015: Crosby, Stills & Nash, Olympia 



 

Konzerttagebuch © 2010

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