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Mittwoch, 23. September 2015

Saisonabschluss im Café Nun, Karlsruhe, 19.09.15

2 Kommentare

Konzert: Dad Rocks! & Black Oak
Ort: Café Nun in Karlsruhe
Datum: 19. September 2015
Dauer: 50 min + 60 min
Zuschauer: etwa 90


Als Ende letzten Jahres das Team des Café Nun bekannt gab, dass es in Zukunft keine Konzerte mehr veranstalten möchte, war mir sehr schwer ums Herz. War es doch so etwas wie eine Konzertheimat für mich hier in Karlsruhe. Die Überdeckung der musikalischen Geschmäcker und der Veranstaltungsansatz waren für mich so wunderbar (und natürlich auch bequem!). Ich habe dort viele meiner heutigen Lieblingsbands zum ersten Mal erlebt und damit auch einige der schönsten Konzerte der letzten Jahre geschenkt bekommen. Es gab zu dem Zeitpunkt das Versprechen, noch eine richtige Abschiedsparty zu machen und das letzte reguläre Konzert mit Pretty Mery K. im Januar 2015. Im Sommer schließlich erfuhr ich, dass ich mir den 19. September frei halten sollte und später - während des alinae lumr Festival - dass es im Nun ein Wiedersehen mit Geert van de Velde und Thijs Kuijken geben würde und zwar mit der brandneuen Band Black Oak. Außerdem würde Snævar Njáll Albertsson aka Dad Rocks! aufspielen.

 

Schon im Vorfeld fand ich diese Auswahl stimmig, wenngleich ich mit der "Mann mit Gitarre" Fraktion normalerweise etwas fremdele. Aber Dad Rocks! vertritt eine klare Creative-Commons-Position, die mir sehr nahe liegt und passte irgendwie damit besonders gut an diesen Schnittpunkt von Ort und Zeit. Und sowohl Geert als auch Thijs gehören zum Urgestein der Nun-Konzerte. Das Doppelkonzert begann Snævar schließlich mit dem Titel Funemployment. Neben dem irgendwie besonders passenden Thema des Textes und seiner besonderen Art zu reimen fiel mir wieder auf, wie sehr ich sein fingerpicking bewundere. Fast durfte seine Gitarre kunstvoller mitsingen als seine Stimme.


Und das offene Teilen und dadurch kreative Vermehren seiner Kunst bekam einen ganz besonders persönlichen Anstrich, als er nach dem eigenen Song Manged die aus dem Nun-Nachwuchs-Umfeld stammende zugehörige Bearbeitung Dream Away vom Album Year of the Fan vortrug. Die Gedanken eines Kindes in denen schon ganz viel von dem steckt, was uns auch als Erwachsene nicht los lassen wird.


Auch eine dritte Eigenart, dass sehr lyrische Melodien mitunter mit einem beißend ironischen Text unterlegt sind, zeigte sich spätestens beim Song Take care. Snævar nahm sich ausgiebig Zeit für Ansagen und geriet beim Lied Downaging ins Lachen bei der Zeile ... failed the test (es geht darum, ein Mädchen auszuziehen) und schob hinterher - das sei leider ganz genau so passiert und erntete dafür natürlich große Erheiterung. Fast konnte er selbst vor lachen nicht weitersingen. DAS sei ihm nun doch etwas peinlich ...


Als wir ihn am Ende des vorbereiteten Sets nicht gern gehen lassen wollten, bedankte er sich dafür mit einem depressing last song  der sehr klare Worte dafür findet, wie mit alten Leuten (oder überhaupt Leuten, die nicht so finanzstark sind) umgegangen wird. Damit endete ein Konzert bei dem wohl kein Herz ungerührt geblieben war.

Setlist:
01: Funemployment
02: Boots
03: Horse (cover?)
04: Managed
05: Dream away
06: Take care
07: Downaging
08: Old man
09: Rants

10: Senior Home (Z) 


Nach einem sehr schnellen Umbau standen anschließend Geert van der Velde (The Black Atlantic) und Thijs Kuijken (I am Oak) auf der Bühne mit E-Gitarre und akustischer Gitarre und hatten als Überraschung eine Frau an den Tasten dabei: Esther Postma (ex-Calgary Woods). Auch besonders und überraschend war, dass sie uns im Wesentlichen ganz neues und noch unveröffentlichtes Material der neu gegründeten Band Black Oak mitgebracht hatten. So schlugen sie die Brücke aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit mit dem Nuncafé in die Zukunft, was gleich auf mehreren Ebenen wunderbar passte.


Es wurde sehr hymnisch und innig. Die Stimme von Geert kann das glaube ich auch nicht anders. Sie ist sehr markant und wurde von der tieferen Stimme von Thijs wunderbar geerdet. Aber auch die dritte, die Frauenstimme ergänzte eine herrlich passende Farbe im Mix. Es folgte eine Stunde ganz erhöhter Aufmerksamkeit, die jedoch im Rückblick für mich keine klaren Konturen hinterließ. Ich denke, wir waren alle zusammen in einem parallelen Universum zu Gast. Voller Liebe und Schönheit - mit viel Lachen gewürzt. Das Publikum war sehr, sehr aufmerksam und enthusiastisch im Applaus. Alle trugen wird diese Menschen und ihre Musik auf unseren inneren Händen.


Als Zugaben erhielten wir die Tracks ihrer Split-EP und damit noch einmal die Verankerung in dem was war. Herzlichst verabschiedeten wir die Künstler und die Organisatoren mit Applaus und wer mochte, hat anschließend noch viele Stunden im Nun gesessen und geplauscht über das war war und was vielleicht sein wird. Mir blieb im Rückblick der etwas traurige Beigeschmack, erst ein bisschen zu spät auf den Trichter gekommen zu sein und so doch so einige Abende verpasst zu haben mit mir sehr am Herzen liegenden Künstlern. Und dass obwohl ich ja 2008 zufällig schon einmal in unserer Heidelberger Zeit aufmerksam geworden war und es ab April 2009 sehr bequem gewesen wäre. Ich kann mich dafür also nur selbst an der Nase zupfen...


Setlist:
01: Thaw
02: The Grain
03: Gallop
04: Hunker
05: Melee
06: Whirl
07: Rove
08: When The Night Is All I See

09: Fracture (Z) 
10: How Long? (Z)


Aus unserem Archiv:
The Black Atlantic, Storkow, 21.08.15
The Black Atlantic, Karlsruhe, 24.01.13
The Black Atlantic, Düsseldorf, 07.10.12
The Black Atlantic, Köln, 28.01.12
The Black Atlantic, Paris, 06.06.10

Dad Rocks!, Dresden, 01.09.12  

Wunderbarste Bilder von Martin Gommel.

Meine Konzertbesuche  im Nun
03.06.08 Audrey (Anfahrt aus Heidelberg!)
16.03.11 Rue Royale
08.07.11 My Bubba

17.11.11 Sea + Air
24.01.12 Rue Royale & The Black Atlantic
23.02.12 Brokof
20.04.12 Garda & Old Seed
09.08.12 Sóley
05.10.12 Home of the lame
07.11.12 Binoculers & Nicolai Schorr
21.12.12 Max und Laura Braun
22.02.13 Pascal Pinon
12.04.13 Troy von Balthazar
02.05.13 Evening Hymns
11.05.13 Mire Kay
14.06.13 Allie
25.07.13 Lingby & (Frère de Song)
28.09.13 BRTHR & Old Seed
18:01.14 Rue Royale
22.03.14 September Leaves & Plumes
04.04.14 Adam Evald, Big Fox
24.05.14 Adam Evald, Albin & Solander
17.10.14 Florian Ostertag
16.01.15 Pretty Mery K. 


Leider verpasst und nachträglich sehr bedauert:
18.10.10 Garda & Green Apple Sea
29.09.10 September Leaves
06.09.10 Rue Royale
19.06.10 Daniel Benjamin
22.05.10 Talking to Turtles
19.12.09 The Gentle Lurch
30.10.09 September Leaves
17.10.08 Lingby & Garda
15.09.08 Clara Luzia

 


Sonntag, 9. September 2012

Sound of Bronkow Festival Tag 2, Dresden, 01.09.2012

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Sound of Bronkow Festival - zweiter Tag
Ort: Dresden (Societätstheater)
Datum: 1. 9. 2012 14:00 - 2:30 Uhr
Zuhörer: 100-200


Nach der Erfahrung 2011 wäre ich wahrscheinlich zum Sound of Bronkow 2012 gefahren ganz unabhängig davon, ob ich dort auf Bands treffen würde, die ich schon kannte und schätzte oder immer schon einmal gern sehen wollte. Aber es schadet natürlich beim vorfreuen auch nicht, beides zu haben. Für den 1. September freute ich mich ganz besonders auf ein Wiedersehen mit September Leaves und Sea+Air. Ich war sehr neugierig, erstmals zu erleben wie Sons of Noel and Adrian sich präsentieren und Dropout Patrol hatte ich mir schon als CD Direkt Einkauf vorgemerkt. Zusätzlich klangen Masha Qrella, Die Heiterkeit und Kid Kopphausen für mich vielversprechend.

Es war also mit bekannten Gesichtern zu rechnen. Aber der Tag begann mit einem unerwarteten Wiedersehen mit Christian aus Göttingen der mich dort im Hostel so nett umsorgt hatte (*). Ich glaube, wir fanden es beide sehr witzig, uns ausgerechnet in Dresden zu treffen!

Im Publikum gab es außer Musikern vom Setup auch Sea of Love und George Jephson (zusammen mit Thos Henley ist er Oh Othello) und zum Sonntag Abend waren auch Garda aus der Schweiz zurück.

Der Samstag hatte 14 Uhr ohne mich mit Sebastian Witte begonnen. Für September Leaves waren gegen 15 Uhr etwa 60 Leute im Garten versammelt.

Er wirkte auf mich etwas angespannt. Es gab auch keine Trompete und kein Bogenspiel auf der Gitarre. Aber er präsentierte musikalisch wieder sehr frisch und neu ein grooviges ''Like a monarch'' mit abgefahrenen loops, eine ziemliche Schunkelversion von ''Chocolate stars'' und ein nicht enden wollendes ''everything is ok'' (in ''Distance is a monster''). Schließlich war eines meiner liebsten Lieder ''Mapletree'' ein schöner Schluss eines etwas zu kurzen Sets. Ich hatte das Gefühl, dass er das Publikum im Garten ganz für sich gewinnen konnte und es war ein sehr schöner Tagesauftakt für mich.
Nach kurzer Umbaupause nahm ein weiterer Herr mit Gitarre die Bühne in Besitz: Dad rocks! aus Island (Snævar Njáll Albertsson lebt jetzt in Dänemark und singt auch bei der Band Mimas). Er hatte seine Setliste auf die Gitarre geklebt und berichtete uns, dass er nun 4 Wochen mit dem Zug zu Konzerten fahren würde. Seine Lieder und sein Auftreten waren geerdet und ehrlich und handeln von alltäglichem. Damit hatte er mich im Handumdrehen. Seine Singstimme schaffte außerdem eine beeindruckende Höhe. Er veröffentlicht seine Lieder unter Creative Commons, um künstlerische Auseinandersetzung damit zu ermöglichen. Das Publikum wollte ihn nicht gern gehen lassen. Als er als zweite Zugabe spaßeshalber nur noch ein Metallica cover anbieten wollte, gab es auf Zuruf ''One''... Das gab einen besonders fröhlichen Abschied. Ich kann nur empfehlen, sich ein Konzert in der Nähe nicht entgehen zu lassen.

Tourdaten:
09.9. Bonn, das Nyx
10.9. Lüttich, L'an Vert
11.9. Mainz, Schon Schön
12.9. Zürich, Bar Rossi
13.9. Lyon, Périscope
14.9. Nyon, La parenthèse
15.9. Delémont, Collège
16.9. Porrentruy, Houseshow
18.9. Münster, Teilchen & Beschleuiger
20.9. Hamburg, Hasenschaukel
24.9. Paris, tbc
25.9. Rennes, House show
26.9. Lille, La Malterie

The Coloradas sind Roy Davis and Bernie Nye. In Dresden war es an diesem Tag aber Roy solo. Zu der Musik stellt man sich Squaredance und gute Laune vor. Damit war das Prinzip "Mann mit Gitarre" durch drei Vertreter sehr weit gespannt gewesen und sehr deutlich geworden, was selbst in dieser Verkürzung und kondensierten Form alles möglich ist. Die Performance machte gute Laune und es wirkte so, als ob er selbst auch Spaß am Konzert und am ganzen Festival hatte.

Ein großer Kulturschock war danach das Konzert von Die Heiterkeit im Saal. Die drei Damen aus Hamburg stellten ihre Musik sehr unterkühlt und spröde (fast eintönig) vor. Der markant tiefen Stimme hörte ich gern zu, aber es dauerte 30 min bis beim nachstimmen tatsächlich mal ein Lächeln über das Gesicht huschte. Es gab auch keine Zwischenansagen. Als live-Erlebnis haben sich dich Damen für mich nicht wirklich empfohlen.
Setliste, Die Heiterkeit, Dresden:
Alle Menschen
Alles ist so neu und aufregend
Hauptquartier
Die Liebe eines Volkes
Heiterkeit
Romeo
Alle Wege
Für den nächstbesten Dandy
Lane
Komm in meine Arme
Solange es Euch gut geht
Auf dem Gipfel des Erfolgs



Es ging anschließend in der kleinen Bühme mit William Morgan weiter, vielleicht DIE positivste Überraschung für mich im Festival. Er stammt aus Sydney und lebt seit einigen Monaten in London. Er gehört wie Nigel Wright zum Label Butterfly Collectors und hatte für sein Set in Dresden auch Unterstützung durch Clay Dean am Bass, der mit Nigel Wright tourt. Außerdem einen deutschen Drummer. In seinen expressivsten und emotionalsten Nummern erinnerte er mich an Muse. Er hat eine unglaubliche Stimme und Ausstrahlung und alle sollten sich unbedingt diesen noch sehr jungen Mann merken. Zwischendurch machte er sehr sympatische Ansagen zu seinen Liedern und es wechselte zwischen Stücken solo und mit Bandunterstützung. Wie sollte man auch solchen Worten widerstehen können: "you will fall for me or I will fall"? Im direkten Vergleich zu Nigel Wright würde ich sogar sagen, dass William Morgan für mich der überzeugendere Musiker war. Trotz der jungen Jahre wirkte seine Musik rund und reif und es gab musikalisch nichts zu wünschen.

Setlist, William Morgan, Dresden:
Your face
coping fine
shooting star
the painter
Into my arms
The floods
Fall
Tasti's Song
Morning theft
Where do you keep
Pulse




Nach diesem Set ging es im Saal weiter mit Sons of Noel and Adrian aus Brighton, die an diesem Abend neun Musiker auf die Bühne brachten: drei Gitarren, Cello, Bass, Schlagwerk, Klarinette und Trompete. Ich kannte Emma Gatrill. Sie hatte noch ein weitere Frau dabei und die beiden Damen machten mir besonders viel Freude. Es gab sehr viel zu sehen (inklusive Tanzeinlagen trotz der Enge auf der Bühne) und es ist ihnen garantiert gelungen, auf Jahre hin alle bösen Geister auszutreiben. Musikalisch war es eher anspruchsvoll und schwer einzuordnen. Ich würde aber immer wieder gern eine Stunde mit diesen Musikern verbringen und mich von ihnen überraschen lassen. Leider waren sie so spät zu Ende, dass ich den größten Teil des Konzertes von Sea+Air im Foyer schon verpasst hatte und Masha Qrella auf der kleinen Bühne (die gewartet hat) war dafür leider an diesem Tag kein Ersatz. Sie spielt ihr Set so rockig und rotzig, dass von der Musik nichts übrig blieb außer Schlagzeug. Nach vier Liedern habe ich es aufgegeben. Auch Kid Kopphausen hatten wohl einen riesigen Saal im Kopf und ich fühlte mich nur niedergebrüllt und kann eigentlich nichts berichten, weil ich geflohen bin.


Als wunderbaren Tagesausklang gab es aber noch Dropout patrol im Thalia Kino 1:30 (etwa 50 min). Sie spielten und präsentierten sich unglaublich sympatisch und in sich ruhend. Es wurde viel gelacht und zwischen Schlagzeuger und Jana Sotzko die Bälle zugeworfen. Die Stimme und Singhaltung erinnerten mich mitunter an die jungen Rainbirds (die ich immer noch sehr liebe). Ein wunderschönes Konzert und ein wunderbarer Ausklang des Tages. Hier also eine dicke Empfehlung, sich ein Konzert zu gönnen.

Tourdaten:
12.10. Chemnitz - AC17
13.10. Netschkau - Borwaerk
14.10. Karlsruhe - Halle 14
15.10. Marburg - Baari-Bar
16.10. Liege (BE) - Le Garage
17.10. Brüssel (BE) - Mme Moustache
18.10. Trier - Villa Wuller
19.10. Köln - Klub Genau

(*) http://meinzuhausemeinblog.blogspot.de/2012/05/rue-royale-gottingen-280512.html




 

Konzerttagebuch © 2010

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