Montag, 4. März 2013

Between the Beats Festival, Lörrach, 02.03.13

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Konzerte: Garda, Esben and the Witch, The Whip
Ort: Burghof in Lörrach
Datum: 02.03.2013 (dritter Tag des Between the Beats Festivals)
Zuschauer: etwa 250
Konzertdauer:  45 min, 60 min,  60 min 


Im Moment fühle ich mich manchmal als würde ich aus einem langen Schlaf erwachen. Überall gibt es diese tollen Festivals und wenn man die Enthusiasten dahinter sieht, dann glaubt man wieder an das Gute im Menschen. 

Oder ist es wirklich so, dass es das bis vor kurzem so nicht gab?

In Lörrach war es dieses Jahr wohl tatsächlich der erste Versuch, den zentral gelegenen Veranstaltungsort Burghof für so ein Festival zu nutzen. Ich hatte mir nach Bekanntgabe vorgestellt, mir in den ersten Frühlingstagen ein paar Tage frei zu nehmen und mir tagsüber wandernd oder Bilder in Basel ansehend abends noch das tolle Lineup zu gönnen. Dann blieb von dem ganzen schönen Plan nur noch der Samstag übrig. Und den wollte ich dann auch unbedingt wahrnehmen - einerseits um Garda wieder einmal live zu sehen und andererseits, um diesen Veranstaltungsort kennen zu lernen. Ich hatte schon so lange über Plänen, Übernachtungsangeboten und Zugverbindungen verbracht - das musste doch für etwas gut gewesen sein!


Mein spontaner erste Gedanke beim Betreten des Burghofs war dann: was für ein wunderschöner Veranstaltungsort! Zwei etwas getrennte aber ineinander verwobene Räume mit zwei Bühnen. Der Raum in seiner Gesamtheit sehr einladend und anheimelnd und doch repräsentativ. Platz zum stehen, sitzen und lümmeln. Ein langer Bartresen mit freundlicher Bedienung. In modernen Häusern findet sich das leider sooo selten. Dafür von mir volle Punktzahl! Dazu sehr sympathische Festivalorganisatoren, die vor allen Konzerten selbst ein paar nette Worte gefunden haben und faire Preise für Eintritt und Getränke. 



Es gab außerdem konkrete Anfangszeiten für alle Bands. Und dieser Plan wurde sehr genau einghalten. Dazu ein wirklich sehr, sehr gutes Lineup.


Zu Garda waren wir am Anfang (gegen 19:30 Uhr) etwa 50 Zuhörer am Schluss vielleicht um die 100. Das Set durfte nur genau 45 min dauern, aber diese Zeit nutzten die Dresdner um sich in bester Weise zu präsentieren.

Garda waren an diesem Abend zu sechst auf der Bühne. 
Kai Lehmann (akustische Gitarre und Gesang) hatte

Frank Heim an Gitarre und Steelgitarre
Lars Hiller  an Gitarren
Cornelia Mothes  an Tasten und mit Gesang
Karsten Pretschner  am Bass
Ronny Wunderwald  am Schlagwerk




um sich geschart. Ich hatte sie zuletzt vor 11 langen Monaten in Karlsruhe gesehen, wo sie gerade frisch auf Tour für die damals neue Platte "A heart of a pro" gegangen waren. Alles war noch ganz frisch und ziemlich aufregend. Im Vergleich dazu wirkten sie in Lörrach souveräner und hervorragend aufeinander eingestellt. Das Set begann eher ruhig. Aber schon im zweiten Song folgte der erste Gefühlsausbruch, bei dem die ganze Truppe einstimmte und die Pauke treibt und dessen Schnipsel mir noch am nächsten Tag als Ohrwurm nachging: All that we need is a promise not to cut ourselves up, cut ourselves up...  


Dann folgte schon das innige Gallows mit einem Piano-Intro zum dahinschmelzen. Bei Vessels wurde es dann wieder etwas schneller - fast schon upbeat im Kontext von Garda. Und in Maps & Maths wippte das innerliche Tanzbein mit. Black ist geprägt durch den typischen Klang der Steelgitarre und einem fast bluesiges Outro, das sich dann aber unversehens doch zu ziemlich extrovertiertem Krach hin aufbaut. Ganz dramatisch und geheimnisvoll begann das Stück 00:00 mit Becken, die von einem Bogen gestrichen werden. Hinzu trat die akustische Gitarre und wenig später die Stimme von Kai Lehmann. Dann das Piano ganz minimalistisch. Erst später löste sich diese Spannung etwas und weitere Stimmen und Instrumente dürfen hinzutreten. Vielleicht mein liebstes Lied überhaupt.

Es gab recht sparsame Ansagen - wohl um die Zeit für die Musik zu sparen und diese für Garda sprechen zu lassen.

Ich war nach dem Konzert jedenfalls sehr, sehr froh, dass ich mir diese Gelegenheit nicht hatte entgehen lassen, diese Band wieder einmal live zu sehen.


Setlist Garda:

Upper/lower water course (ahoap)
Oh Euphoria my dear (ahoap)
Gallows (ahoap)
A heart of a pro (ahoap)
Vessels (ahoap)
Maps & Maths (dtd)
The City is ours (dtd)
Black (ahoap)
00:00 (ahoap)

(dtd) = Album "Die, technique, die" von 2008
(ahoap) = Album "A heart of a pro" von 2012

 

Aus unserem Archiv:

Garda in Karlsruhe, 20. April 2012
Garda in Paris,  15. Oktober 2008




Als zweite Band des Abends ab 20:30 Uhr spielten Esben and the Witch auf der großen Bühne. Die große Bühne für die große Band - dabei sind das ja nur drei Leute und es gab nur wenig aufzubauen. Ein überschaubares Schlagzeug mit Keyboard daneben und zwei Mikrophständer. Halbe Kinder warteten ganz aufgeregt am Bühnenrand, dass das Konzert beginnen würde. 
Dann betraten

Rachel Davies (Gitarre und Gesang) und
Daniel Copeman mit Thomas Fisher (Gitarren, Keyboard, Schlagzeug)


die Bühne und alle Fans waren es hochzufrieden. Ganz verzückt schauten und hörten die meisten zu. Die Bühne war die meiste Zeit sehr, sehr dunkel. Das unterstützte die düstere Stimmung der Musik. Mir selbst gefiel es noch weniger als auf CD, denn live fand ich es eher noch langweiliger als auf der Konserve. Es war auch zu laut (Ohrstöpsle unumgänglich).  Dazu kam, dass Rachel sehr häufig zu tief sang und ich das nicht gut leiden mag, wenn man den Ton nicht trifft. Einziges Highlight für mich war The fall of Glorieta mountain.




Setlist Esben and the witch:

 
Iceland Spar (sins)
Slow wave (sins)
Marching song (cries)
Lucia, at the precipice (cries, bonus)
When that head splits (sins)
Eumenides (cries)
Despair (sins)
Yellow wood (sins)
Deathwaltz (sins)
The fall of Glorieta Mountain (sins)
Smashed to pieces in the still of the night (sins)

(cries)= Album "Violet Cries" 2011
(sins)= Album "Wash the Sins Not Only the Face" 2013


Aus unserem Archiv:

Esben and the witch in Paris, 21. Februar 2011 
Esben and the witch in Köln, 13. Februar 2011
Esben and the witch in Paris, 14. November 2010

Den Kehraus gaben The Whip. Eigentlich hatte ich Mitte der 90er Jahre aufgehört tanzen zu gehen als Techno Einzug in die Disco hielt, weil ich diese Art von Musik nicht verknusen konnte und bis heute nicht wirklich für Musik halte.

Dafür hat mir das Set eigentlich ganz schön viel Spaß gemacht. Zwei Gründe sprachen in meinem Herzen nämlich für diese Truppe: 

1) eine wahnsinnig tolle Schlagzeugerin und damit ein lebendiger Beat - ich habe ihr die ganze Stunde ganz fasziniert zugeschaut.

2) die Band brachte wirklich alle zum tanzen und es war ein großer Spaß, das mit anzusehen. Die gute Laune war förmlich mit Händen zu fassen.



Die Organisatoren zogen ein positives Fazit der drei Tage und gelobten, auch im kommenden Jahr ein Between the Beats auf die Beine zu stellen. Ich freu mich schon darauf. 

Würde mir aber einen abendlichen Bus nach dem Festival nach Freiburg wünschen.

Hier ein Interview, um die Personen hinter dem Festival etwas besser kennen zu lernen.




Les concerts de la semaine à Paris du 4 au 10 mars 2013

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Les concerts de la semaine à Paris du 4 au 10 mars 2013

 
Bon, en gros tout est complet cette semaine, c'est pour cela que je vous conseille vivement de lire mon agenda concert regulièrement, haha! Les chanceux qui ont toute de suite pris leurs places pour Antony and The Johnsons (photo) à Pleyel vont certainement vivre un très beau concert!

04.03.2013: Iceage, Espace B, complet
04.03.2013: The Sea & Cake, La Maroquinerie
04.03.2013: Jake Bugg, Trabendo >> déplacé au Trianon, complet
05.03.2013: Local Natives, Trabendo, complet
05.03.2013: Björk, le Zénith, complet
05.03.2013: Stereophonic, showcase au Studio SFR, invitations à retirer sur place à 10 h le 1/03/2013, complet
06.03.2013: Biffy Clyro, Bataclan, complet
06.03.2013: Chateau Marmont, Nouveau Casino
06.03.2013: Hyphen Hyphen, le 104
06.03.2013: Booka Shade, La Gaité Lyrique
06.03.2013: Viking Dress, Folks, Zéro, International
06.03.2013: Antony And The Johnsons, Salle Pleyel, complet
07.03.2013: The Lumineneers, Le Trianon, complet
07.03.2013: U.V. Pop, Espace B 
07.03.2013: Showcase Wolves & Moones @ La Fabrique Balades Sonores
07.03.2013: Christopher Owens & Drenge, (Race Horses: annulé), Flèche d'or
08.03.2013: Björk, Le Zénith, complet
08.03.2013: San Cisco, Espace B
08.03.2013: Everything Everything, La Flèche d'or
08.03.2013: Coco Rosie, Salle Pleyel, complet
09.03.2013: Butterclock & Off Love, Espace B 



Sea + Air, Darmstadt, 03.03.13

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Konzert: Sea + Air (Bedroom Disco)
Ort: Oetinger Villa, Darmstadt
Datum: 03.03.2013
Zuschauer: 120 bis 150*
Dauer: knapp 85 min



Der 03.03.13 muß einer der ereignislosesten Tage der letzten Jahre sein. Weil ich auf der Hinfahrt nach Darmstadt nicht recht wusste, auf welche Musik ich gerade Lust hätte (mein iPod war wie ein voller Kleiderschrank, in dem nichts anzuziehen hängt), blieb das Radio. DLF geht schließlich immer - außer auf der A3 auf Höhe von Wiesbaden. Es blieb SWR 3 und deren 19 Uhr Nachrichten. Und die waren (ungekürzt und in dieser Reihenfolge):

1) Auslosung DFB Pokal
2) Ergebnisse Fußball-Bundesliga
3) Ergebnisse 2. Liga
4) die Volksabstimmung in der Schweiz
5) Proteste gegen den Mauerabriss in Berlin
6) Stabhochsprung bei der Leichtathletik Hallen-EM
7) Wetter

Kein Euro, kein Syrien, kein Italien, keine Verdi-Streiks, ein offenbar vollkommen langweiliger Tag.

Und was macht man an langweiligen Tagen? Ich gehe dann zu einem Konzert. Heute war das Sea + Air im Rahmen der Darmstädter Bedroom Disco. Mit Sea + Air, dem Paar Eleni und Daniel, verbinde ich bisher eine einzige Konzerterfahrung - und die war etwa genau das Gegenteil der heutigen Nachrichtenlage. Das Konzert im Blue Shell in Köln war musikalisch toll und eine großartigen Ansammlung von schrecklich charmanten Pannen. Der Abend machte mir enorm viel Spaß! Und wenn mir eine Band live Freude bereitet, möchte ich sie gerne wiedersehen.

Gestern kam das mail, daß ich einen Platz für das Bedroom Disco Konzert des Duos gewonnen hätte. Als Ersatz-Wohnzimmer wurde die Oetinger-Villa in Darmstadt angekündigt, von der ich bisher nur gehört hatte. Die Villa, die offenbar zur Uni gehört und studentisch selbstverwaltet ist, war schon ganz gut gefüllt, als ich ankam. Wir sollten Kissen mitbringen, stand im Bestätigungsmail. In der großen Halle im Erdgeschoß mit holzvertäfelten Wänden und großem Kamin war schnell kein Platz mehr unbesetzt. Wenn jemand rauswollte, um Getränke zu kaufen, erinnerte mich das vorsichtige Durchqueren des Raums an Die Vögel.

Wie komme ich jetzt von Die Vögel auf Sea + Air, ohne Witze über komische Vögel zu machen? Wohl gar nicht. Also weiter ohne eleganten Übergang, was mir besonders unangenehm ist, weil mit Linus Volkmann von der intro jemand, das Vorprogramm bestritt, der Geld mit elegantem Formulieren verdient. Er mache das, weil es mit der eigenen Band (Bum Khun Cha Youth) nicht funktioniert habe. Statt aus seinem aktuellen Buch Kein Schlaf bis Langenselbold zu lesen, erzählte er vom Auftrag des Verlegers, eine Homestory über Sea + Air zu verfassen, über diesen Typen, der aussehe wie Luigi von Super Mario und einem schlanken R2D2 mit Perücke. Das war kurzweilig und schnell vorbei. Nach 15, höchstens 20 Minuten fragte er die Gastgeber "wie lange muß ich, um das Geld zu bekommen?", es reichte offenbar, ich hätte gerne noch etwas mehr gehört.

Für Sea + Air war bereits aufgebaut. Eleni und Daniel brauchen zwar nicht viele Instrumente, um ihren besonderen Sound zu erzeugen, ihr wichtigstes Element ist allerdings ein Cembalo, das sie auch live nicht durch Keyboards (oder eine iPhone App) ersetzen. Das barocke Tasteninstrument macht nicht nur viel her, es füllte die Bühne, die an einer der kurzen Seiten des Raums aufgebaut war, auch gut aus. Eleni hatte zwar auch ein Keyboard dabei, das kam allerdings nur bei ein, zwei Stücken zum Einsatz (The sea after a storm).

Daniel Benjamin, der ein ärmelloses T-Shirt trug, spielt vor allem Gitarre. Da Sea + Air Sea + Air und nicht Sea + Air + Air heißt, müssen die beiden Musiker auch Schlagzeug spielen. Das sah dann so aus, daß vor allem er gleichzeitig Gitarre und Schlagzeug spielte. Bei Do animals cry spielte Eleni mit der rechten Hand Cembalo, mit der linken trommelte sie über Kreuz! Bei Mery Street, dem Lied, dessen Anfang mich an Red Rain erinnert, spielte ihr Mann sogar streberhaft Cembalo, Gitarre und Schlagzeug. 

Das Cembalo könnte man auch für Angeberei oder Strebertum halten, es ist aber alles andere als das. Die dadurch erzeugten Melodien sind zwar ein wenig versponnen, sie machen aber den besonderen Pfiff vieler der Stücke aus. You don't care about me ist ein schönes Beispiel dafür. Wie wundervoll da doch dieses antike Instrument aufblüht!

Das Konzert war weit weniger chaotisch als das vor sechs Monaten in Köln. Aber ganz ohne geht es wohl nicht (juchuu!). Da flogen mal Drumsticks hin und her, um dann beim nächsten Lied zu fehlen. Dann scheiterte der sorgsam mit Uh-Uh-Gesang erzeugte Übergang zwischen Yeah I know und Safe from harm dadurch verpatzt, daß Daniel mit dem Stimmen der Gitarre noch nicht durch war, als Eleni zum neuen Stück ansetzen wollte - herrlich!

Nach einer guten Stunde und einer schönen Bandansage "Informationen für Konzertbesucher", spielten Eleni und Daniel noch zwei Zugaben (eine mir unbekannte mit Mitmach-Teil - wir sollten rhythmisch mit unseren Schlüsseln rasseln - und dem wundervollen akustischen Duett You are) endete das Konzert nach fast anderthalb Stunden. Es ist ohnehin sinnvoll, Künstler unmittelbar nach dem Konzert zu unterstützen, indem man Merch kauft oder - wie bei der Bedroom Disco - die Gage in den Sammelkorb gibt, nach solchen Abenden geschieht dies aber noch eine Portion lieber!

Setlist Sea + Air, Bedroom Disco, Darmstadt:

01: Take me for a ride
02: You & I
03: Do animals cry?
04: Mery Street
05: You don't care about me
06: Yeah I know
07: Safe from harm
08: Dirty love
09: The sea after a storm
10: Heart of a rainbow

11: ? (Z)
12: You are (Z)


Links:

- Sea + Air, Köln, 24.10.12

Bilder folgen!

* ich kann doch nicht schätzen


Sonntag, 3. März 2013

Sophie Hunger, Tollhaus, 01.03.13

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Konzert: Sophie Hunger
Ort: Tollhaus in Karlsruhe
Datum: 01.03.2013 
Zuschauer:etwa 800
Konzertdauer:  110 Minuten 


Es wurde Zeit für eine Begnung mit Sophie Hunger. Man lese sich nur mal ganz unten die Liste der besprochenen Konzerte hier im Blog durch! Und tatsächlich hätte ich sie schon 2010 in Karlsruhe erleben können (wenn ich damals schon das Konzerttagebuch gelesen hätte!) ...

Als ich die Jungs von Meursault nach unserem Wohnzimmerkonzert zurück ließ war ich etwas verlegen darum, ihnen die Musik der Schweizerin zu beschreiben. Als Einordnung half immerhin: sie ist Headlinerin bei einem Festival wo auch The Notwist headlinen (sagte ich schon, dass die drei Schotten ganz arge The Notwist Fanboys sind?) Im Konzert dachte ich dann, vielleicht hätte ihnen ein Vergleich mit Adele geholfen? 


Dann kam aber als nächste Frage: wieso findet Frau Hunger eigentlich nicht auch so im Radio statt wie Adele? 

Die Karlsruher jedenfalls brauchten keine Radioreklame. Sie füllten auch so das Tollhaus fast an den Rand.

Und schon beim ankommen spürte ich, hier waren alle vorfreudig und alle Altersklassen waren vertreten. Es gab auch für alle Temperamente Plätze: zum stehen vor der Bühne, zum stehen am Rand, zum sitzen so erhöht, dass man die Bühne trotzdem gut sieht oder zum sitzen am Tisch etwas vom Geschehen entfernt. Es war recht spät Einlass und das Konzert begann nicht ganz pünktlich. Aber als gegen 20:45 Uhr die fünf Musiker ihre Plätze einnahmen gab es bereits den ersten tosenden Applaus. Der Abend begann mit einigen nachdenklichen und ruhigen Stücken. Sophie Hunger am Flügel (für mich etwas versteckt) und dann vorn mit Gitarre. Ich stand ziemlich genau neben dem Strubbelkopf am Klavier und hatte damit auch einen guten Blick auf die Mimik und Gestik von Frau Hunger wenn sie vorn stand.


Während des ersten Blocks gab es zunächst keine Ansagen - vielleicht gab es auch nicht so viel zu erklären für ein Publikum, was sie ja längst kannte. Musikalisch stand sie zwar klar im Zentrum, aber mir fiel angenehm auf, wie sehr sie von ihren Mitmusikern getragen wird und was sie sich da für Multitalente zusammengesucht hat. Singen z.B. konnten sie alle auch toll. Das war wohl auch mein innerer Höhepunkt, sie vierstimmig singen zu hören mit ganz sparsamer Schlagzeugunterstützung. Aber auch laut und voller Power beeindruckten sie mich nachhaltig. Im Laufe des Abends wurden die Rollen an den Instrumenten ziemlich bunt gemischt und getauscht. Sehr gut gefiel mir die eigentlich einfache und sparsame Bühnendekoration, die sehr wandelbar war. Es passte einfach perfekt.

Als Sophie Hunger ihre Sprachlosigkeit überwunden hatte, gab es sehr sympathische Ansagen und einige wenige Versuche, die vielsprachigen Texte auf Verständlichkeit hin abzuklopfen. Ich selbst fand es sehr eindrucksvoll, wie viele Sprachen sie für ihre Lieder benutzt und wie man ihr jedes der Lieder abkauft - egal in welcher Sprache es ist. Und ja, schweizerisches Deutsch klingt von ihr gesungen wie zum singen gemacht (und beim Erzählen dann zu Hause vor den schottischen Gästen fanden sie das beneidenswert und für sich selbst unvorstellbar, sich in so vielen Sprachen ausdrücken zu können).



Nach 60 min sollte die Show schon vorbei sein (also gegen 21.45 Uhr). Das galt natürlich nicht. Wie erwartet gab es einen Zugabenteil. Insgesamt drei extra Stücke waren wohl auch dafür vorbereitet. Aber auch danach ließen die Karlsruher noch nicht locker und die Musiker ließen sich zu einem zweiten Zugabenblock bitten - wieder mit drei Stücken. Danach hätte ich eigentlich gewettet, dass nun wirklich Schluß ist, aber es gab noch ein Stück als dritte Zugabe. Alles in allem war der Zugabenteil noch einmal 50 min lang.  

Sophie Hunger bedankte sich sehr gerührt. Es sei doch ein Wahnsinn, wenn man in ein fremdes Land kommt in diese mittelgroßen Städte und dort warten 800 fremde Leute sehnsüchtig auf das Konzert. Sie könne das noch immer nicht recht fassen. Und morgen in Ulm wäre das wieder so...



Tourdaten:

03.03.    Gloria     Köln        Sold Out
06.03.    Treibhaus     Innsbruck       
07.03.    Treibhaus     Innsbruck       
08.03.    Caprices Festival     Cran-Montana       
10.03.    Arge Kultur     Salzburg       
11.03.    Atelier Babylon     Bratislava       
12.03.    Archa Theater     Prague       
13.03.    Posthof     Linz       
15.03.    Kofmehl     Solothurn       
16.03.    Kiff     Aarau       
22.03.    Beausobre     Morges        Sold Out
23.03.    Salzhaus     Brugg       
28.03.    Kammgarn     Schaffhausen       
29.03.    Volkshaus     Biel/Bienne       
30.03.    Chollerhalle     Zug       
11.04.    Garage     Saarbrücken       
12.04.    PopSalon Festival     Osnabrück       
13.04.    Move On Up     Wolfsburg       
14.04.    Kulturtage     Oldenburg       
20.04.    Theaterhaus     Stuttgart           
02.05.    Muffathalle     München       
03.05.    Orpheum     Graz       
02.06.    Maifeld Derby Festival     Mannheim       
05.06.    Le Trianon     Paris   
13.06.    B-Sides     Luzern / Kriens       
04.07.    Stand'été     Moutier       
19.07.    Gurten Festival     Bern        Sold Out
28.07.    Greenville     Berlin       
09.08.    Haldern Pop     Rees Haldern        Sold Out
10.08.    Kunst!Palast     Bonn



aus unserem Archiv:

Sophie Hunger in Berlin am 19.02. 2013 (Markus)
Sophie Hunger in Paris am 29.01. 2013 (Oliver)
Sophie Hunger in Berlin am 19.11. 2012 (Markus)
Sophie Hunger in Paris am 10.11. 2012 (Oliver, franz./deutsch)
Sophie Hunger in Paris am 09.03. 2012 (Oliver) 
Sophie Hunger in Paris am 06.12. 2010 (Oliver)
Sophie Hunger in Haldern am 14.08. 2010 (Christoph)
Sophie Hunger in Paris am 02.06. 2010 (Oliver)
Sophie Hunger in Köln am 29.09. 2009 (Christoph)
Sophie Hunger in Köln am 09.05. 2009 (Christoph) 
Sophie Hunger in Paris am 23.03. 2009 (Oliver)




Post Punk Revival mit Savages, The KVB und Motorama, Paris 2013

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Konzerte: Savages, The KVB, Motorama
Orte: Le Nouveau Casino, La Mécanique Ondulatoire, La Maroquinerie 
Daten: 23/02/2013; 13/02/2013; 25/02/2013
Zuschauer: jeweils ausverkauft
Konzertdauer: jeweils in etwa eine Stunde

Wer glaubte, das Post Punk Revival sei schon wieder beendet, täuscht sich. In den frühen 2000 er Jahren durch Bands wie Interpol, Yeah Yeah Yeahs oder The Rapture losgetreten, und in den Jahren um 2005 auf seinem Höhepunkt (Bloc Party, Maximo Park, Kaiser Chiefs) angelangt, verlief sich die Bewegung in den letzten Jahren mehr und mehr im Sande. Viele Bands hörten auf (The Rakes, The Long Blondes, The Dead 60s, The Cooper Temple Clause), entwickelten sich in eine andere Richtung, oder liefen ihren einstigen Erfolgen hinterher.
Inzwischen sind aber andere Gruppen hinzugestoßen, die weiterhin in der Tradition von Joy Divsion, der Gang Of Four, oder Siouxsie and The Banshees komponieren. The XX und ihr Minimalsound wäre zu nennen, aber auch Warpaint, The Horros, Wu Lyf oder The Soft Moon.


Savages (Photo Gilles B, merci) aus England scheinen mir in der Tat eine Mischung aus Joy Division der Gang Of Four und Siouxsie Sioux zu sein. Zumindest würden sie gerne so klingen. Die vierköpfige Girlgroup, angeführt von der androgynen Französin Camille Berthomier (John et Jehn) spielten am 23. Februar vor ausverkauften Haus im Nouveau Casino und waren so bemüht und so krampfhaft "dark and mean", daß es schon fast lächerlich wirkte. Camille ließ stimmlich demonstrativ Siouxsie Sioux raushängen, klang dabei aber eher nach einen gescheiterten Blues Sängerin als der New Wave Ikone. Mit ausladenden Armbewegungen schien sie Aerobic auf der Bühne zu betreiben, guckte saumäßig grimmig und keifte in ihre Mikro. Ihre weibliche Begleitband machte hierzu ordentlich Dampf und viel Krach, wirkte aber wie eine ambitionierte Schülerinnenband auf mich. Das war wirklich viel Lärm um nicht viel, wenngleich mir grundsätzlich der Gitarrensound und der knarzige Bass zusagte. Dummerweise gab es aber keinen einzigen Song der hängenblieb und so war das Ganze mehr Pose als sonst was. Die üppigen Vorschusslorbeeren waren Savages definitiv nicht wert.




Interessanter scheinen mir da The KVB aus England zu sein. Kölner kommen beim Erklingen des Namens immer sofort auf die Assoziation Kölner Verkehrsbetriebe, aber die sind hier sicherlich nicht gemeint. Stattdessen reden wir von einem enorm jungen, gemischten Duos, bestehend aus Kat Day (Keyboards) und Klaus von Barrel (Gitarre, Gesang, Keyboard). Die beiden spielten im gut gefüllten Gewölbekeller la Mécanique Ondulatoire und wussten durch ein paar beeindruckende Passagen zu gefallen. Ihr Sound ist hypnotisch, verhallt, psychedelisch und höllisch laut, die kreierte Atmospähre düster und gefahrverheißend. Zwar erfinden sie im Grunde genommen auch nicht viel Neues, klingen vielmehr wie eine Kreuzung aus Joy Divison, My Bloody Valentine und A Place To Bury Strangers, aber Tracks wie Shadows sind schon faszinierend. Die Mischung aus den feuerspeienden Gitarren,den treibenden Beats und der Grabesstimme von.. ließ mich jedenfalls nicht kalt und trieb meine  Puls nach oben. Allerdings standen zwei Spanierinnen vor mir, die trotz des gewaltigen Lärms ohne Unterlass plauderten.

So war der Genuß leider nicht ungestört und dies obwohl ich ganz weit vorne stand.


Schön aber, daß The KVB bei ihren Songs variierten. Da gab es elektronischere Stücke wie Never Enough, psychdelisch verhallte Sachen wie Leaning und eben die Noisekeule wie bei Shadows.


Von The KVB werden wir deshalb sicherlich noch öfter hören und nicht nur im Zusammenhang mit dem Kölner Nahverkehr. Das neue Album Immaterial Visions ist gerade erst erscheinen und dürfte in Indie Kreisen für Aufmerksamkeit sorgen.


 

Abschließend möchte ich hier auch noch kurz Motorama erwähnen. Die russische Band performte wie berichtet am 25. Februar in der ausverkauften Maroquinerie und zeigte, daß man auch völlig bombastfrei und ohne bleiernde Monotonie und Düsternis Post Punk spielen kann. Die Mischung aus den unverschämt flotten Ryhthmen und den herrlichen Melodien ging voll in die Beine und bestätigte meine äußerst gute Meinung der Truppe aus Rostov-On-Don.

 Unter dem Strich kann man sicherlich sagen, daß das Post Punk Revival noch gute Tage vor sich hat. The Cure, Joy Division, Siouxsie Sioux und Wire werden nach wie vor unzählige junge Gruppen in den kommenden Jahren beinflussen.



 

Konzerttagebuch © 2010

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