Samstag, 6. November 2010

Festival des Inrocks 2. Tag, 05.11.10

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Konzert: Festival des Inrocks 2. Tag mit Carl Barât, The Drums, Free Energy, Surfer Blood

Ort: La Cigale

Datum: 05.11.10

Zuschauer: ausverkauft



Carl kam, sah und siegte! Wow, so ein famoses Konzert hatte ich dem ex- bzw. wider Libertines- Mann gar nicht zugetraut! Die Stimmung war famos und orgasmische Höhepunkte der Begeisterung wurden vor allem bei Abfackeln der Libertines und Dirty Pretty Things Hits erreicht. Aber auch das neue Solomaterial war gar nicht übel. Den jungen Mädels im Publikum war es eh egal, was gespielt wurde. Für sie war spannender, daß sich Carl im Laufe der Show immer mehr entblätterte. Erst fiel das blaue elegante Sacko, dann das erste Shirt und am Ende rockte der Brite nur noch im knappen Muskelhemdchen.

Der Konzertgenuss wurde mir persönlich dadurch versüßt, daß ich neben einer bildhübschen, schönbeinigen Österreicherin stand, die ich vor einem Jahr nach einem Gig von Peter Doherty kennengelernt und seitdem nicht mehr gesehen hatte. 23 Jahr, blondes Haar, hach die Jugend von heute...

Die restlichen Konzerte waren leider Grütze. Free Energy habe ich mir erspart, Surfer Blood klangen unerträglich happy (das deprimiert mich immer zutiefst) und beliebig und die Stimme des babybackigen Sängers erinnerte mich an den verfluchten Brandon "The Killers" Flowers. The Drums am Ende waren nahezu unerträglich. Der blonde Sänger mit dem Pisspott-Harrschnitt nervte mit seinem Gehampel à la Ian Curtis gewaltig, seine Stimme war gräßlich und den rumhopsenden Bassisten hätte ich am liebsten eigenhändig von der Bühne gezogen. Eine schauderhafte Band!

Setlist Carl Barât, La Cigale, Paris:

01: Je Regrette, Je Regrette
02: Run With The Boys
03: Man Who Would Be King (The Libertines)
04: Carve My Name
05: She' Something
06: Deadwood (Dirty Pretty Things)
07: The Magus
08: So Long, My Lover
09: Up The Bracket (The Libertines)
10: The Fall
11: What Have I Done
12: Death On The Stairs (The Libertines)
13: Bang Bang You're Dead (Dirty Pretty Things)
14: Don't Look Back Into The Sun (The Libertines)

Setlist The Drums, La Cigale, Paris

01: Best Friend
02: Submarine
03: Book Of Stories
04: Make You Mine
05: Let's Go Surfing
06: Me And The Moon
07: Fun In My Life
08: We Tried
09: Forever And Ever Amen
10: Skipping Town
11: The Future
12: Down By The Water


Aus unserem Archiv:

The Drums, Paris, 25.02.10
Surfer Blood, Brüssel, 16.05.10
Carl Barât, Köln, 31.10.10





Konzertankündigung Beach Fossils

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Konzertankündigung: Beach Fossils

Orte & Daten: siehe unten


Freunde, die beim kürzlichen Konzert in Paris dabei waren, berichten sehr positiv über die Amis Beach Fossils. Dustin und John kommen, wie sollte es auch anders sein, aus Brooklyn und klingen so ähnlich wie ihre Topfreunde bei MySpace, sprich Wild Nothing und The Pains Of Being Pure At Heart. Melodisch-melancholischer Gitarrenpop ist angesagt. Fans in Deutschland können sich nun ein Bild von den Qualitäten von Beach Fossils machen.

Ausgewählte Konzerttermine Beach Fossils (ohne Gewähr):

06.11.2010: Indra: Hamburg*
07.11.2010: Bang Bang Club; Berlin
08.11.2010: King Georg, Köln
09.11.2010: Charlatan, Gent
11.11.2010: Vera, Groningen
12.11.2010: DBS, Utrecht
13.11.2010: London Calling @ Paradiso, Amsterdam,
15.11.2010: AB, Brüssel

* in Hamburg gab es wohl einen Locationwechsel. Bitte informiert euch beim Veranstalter.



Freitag, 5. November 2010

Festival des Inrocks 1. Tag, 04.11.10

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Konzert: Festival des Inrocks, erster Tag mit Beach House, Midlake, Anna Calvi, Espen & The Witch und anderen

Ort: La Cigale & La Boule Noire, Paris
Datum:04.11.2010
Zuschauer: jeweils ausverkaufte Locations
Konzertdauer: Konzerte von 18 Uhr bis Mitternacht


Wenn Al Qaida gestern eine Bombe auf die Pariser Cigale geworfen hätte, wäre ein Großteil der Pariser Indieszene ausgelöscht worden. Alle waren sie da: Musiker, Labelleute, Journalisten Fotografen, Blogger, Fans. Das alljährlich im November in Paris und anderen Städten Frankreichs stattfindene Festival des Inrocks ist eines der ganz großen Highlights des Musikjahres. Ich liebe die Atmosphäre, die Stimmung, das ganze Drumherum. Man trifft so viele bekannte Gesichter, in der Regel nette, fachkundige Freaks, die ebenfalls den ganzen Tag nur an das Eine denken (und ich meine jetzt nicht Sex oder Fußball). Aber wie waren die Konzerte? Hielten sie, was sie versprachen? Auf Grund des Zeitdrucks (gleich geht schon der zweite Festivaltag los) kann ich zunächst nur ganz kurz resumieren.

John Grant: Habe ich bewusst ausgelassen. Ein Mädchen im Forum des Veranstalters Les Inrocks brachte das Problem auf den Punkt "Ich dachte jeden Moment, jetzt würde der Kerl anfangen, Candle In The Wind zu singen. Will heißen: John Grant klingt nach Elton John und Billy Joel. Igitt!

The Acorn: Die Kanadier mit dem deutschstämmigen Sänger wurden als erst aufs Publikum gehetzt. Leider habe ich sie verpasst.

Esben & The Witch: Ein Konzert (Foto rechts) in der kleinen Boule Noire. Düster, tribalisch, okkultisch, dämonisch, spannungsgeladen. Definitiv eine Band, die ich mir noch einmal bei einem "richtigen" Konzert ansehen muss!

Beach House: Für mich die Enttäschung des Tages. Ausgerechnet beim Hit Norway war der Sound beschissen und auch sonst war das Ganze nicht perfekt ausbalanciert. Victoria mühte sich zwar nach Kräften, wirbelte wieder ihr Haar wild durch die Luft und hopste wie ein Känguruh, aber ihre Stimme war heute nicht gut geölt. Leider nur gehobenes Mittelmaß.

Midlake: Das beste Konzert des Tages. Die Texaner haben mich bisher immer auf CD restlos überzeugt, aber live fehlte stets ein Tick Dynamik. In der Cigale boten sie aber ihre famosen Lieder (Roscoe, Head Home) in einer deutlichen rockigeren Version und schafften es so, das Publikum mitzureißen. Einen umfeierten Gastauftritt hate Jason Lytle von Granddaddy (Am 180).

Setlist Midlake, La Cigale, Paris:

01: Fairest Way (neu)
02: Children Of The Ground
03: Winter Dies
04: My Young Bride
05: Roscoe
06: Core Of Nature
07: Dawn Has Arrived (neu)
08: Am 180 (Grandaddy)
09: Head Home

10: Branches


Anna Calvi:

Auf die zierliche Blondine mit dem Dutt muss man aufpassen. Die elegante Frau hat Potential. Ihr Konzert in der restlos überfüllten Boule Noire, das sie zusammen mit einem Drummer und einer Harmoniumspielerin bestritt, war aber zu kurz (nur 5 oder 6 Lieder), um voll auf seine Kosten zu kommen. Kürzlich hatte sie bereits im Vorprogramm von Grinderman für postive Schlagzeilen gesorgt. Wir werden sicherlich noch so einiges von ihr hören, Anna hat ein feuriges Temperament und eine kraftvolle Stimme...



Tame Impala, Köln, 04.11.10

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Konzert: Tame Impala (& My Bee's Garden)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 04.11.2010
Zuschauer: nicht ausverkauft, vielleicht 3/4 voll
Dauer: Tame Impala knapp 70 min, My Bee's Garden 25 min


[Warnung] Wer euphorisch vom Tame Impala-Konzert zurückkommt oder sich wahnsinnig auf die Band aus Australien freut, sollte vielleicht besser hier weiterlesen. Ich gehöre nämlich nicht zur ersten Gruppe.

Vor etlichen Jahren habe ich einmal erlebt, wie ein Australier eine Ratte totgetreten hat - barfuß. Seitdem gehören Aussies mit nackten Füßen für mich in die gleiche Kategorie wie Batman oder Uma Thurman, sie sind Superhelden. Als gleich zwei davon die Bühne des Gebäude 9 betraten (also Australier, nicht Uma Thurmans), konnte eigentlich nichts schiefgehen. Aber offenbar gibt es zwischen dem Treten von Pedalen und Ratten Unterschiede, die heutigen hatten in meinen Ohren nämlich nichts Heldenhaftes, ich fand das Konzert der sehr gehypten Tame Impala äußerst langweilig, in Phasen sogar scheußlich.

Wären vorher mit My Bee's Garden nicht ganz tolle Franzosen aufgetreten, hätte ich die Fahrt nach Köln sehr bereut.

So fing es nämlich an: gegen neun war der Saal noch leer, zumindest vorne. Hinten, zur Kneipe hin, schienen schon viele zu stehen, von da kam nämlich unfassbarer Lärm. Bloggerkollege Oliver hatte mir von den Franzosen vorgeschwärmt, mich aber auch gewarnt, daß sie ohne zwei Musiker (u.a. das Schlagzeug) nach Deutschland kämen. Wären die dabei gewesen, wäre es vielleicht einfacher gewesen, gegen den Krach anzuspielen, so hörte man immer etwas vom Hintergrund, was nervig war.

My Bee's Garden stammen aus Paris und sind ein Projekt von Melody Prochet. Live wurde die Frau mit dem wundervollen Namen von Maude Nadal und Jérôme Pichon (siehe Kommentar) unterstützt. Melody und Maude singen und spielen Keyboard, nein falsch, Melody spielt etwas unendlich Cooleres, ein Omnichord. Jérôme begann mit E-Gitarre und sorgte für die Shoegaze-Note der Musik. Die ersten Lieder erinnerten mich aber trotz der Gitarre vor allem an Au Revoire Simone. Die zarten Stimmen der beiden Sängerinnen ergänzen sich sehr gut, nur ganz selten, eigentlich zu selten für meinen Geschmack kam auch Jérôme zu Gesangseinsätzen.

Eine Besonderheit im Set war das von ihnen regelmäßig gespielte My Bloody Valentine Cover Only shallow gegen Ende, das ich nicht erkannt hätte, weil My Bee's Garden es ganz und gar abgespeckt spielten, eigentlich nur mit Schellen als Instrumentierung, wundervoll! Ach, der ganze (kurze) Auftritt war wirklich toll!

Mit Abstand am besten gefiel mir aber, wie Maude und Melody synchron mitwippten. Ganze Lieder lang trippelten sie nicht nur im Takt, sie hoben auch gleichzeitig rechtes bzw. linkes Bein!

Setlist My Bee's Garden, Gebäude 9, Köln:

01: Bud and Deanie
02: All off a sudden
03: Favorite lion
04: Sailor mood
05: Lone wolf's home
06: Only shallow (My Bloody Valentine Cover)
07: Hunt the sleepers
08: New age ballad
09: Single finger

Das waren dann auch die neun besten Lieder des Abends. Nachdem My Bee's Garden abgeräumt hatten, betraten die vier Australier, die gerade in aller Munde sind, die Bühne. Tame Impala sind Kevin Parker (Gesang und Gitarre), Dominic Simper (Gitarre), Nic Allbrook (Bass) und Jay Watson (Schlagzeug). Kevin und Dominic stellten sich rechts und links an den Rand, die beiden anderen standen hinten in der Mitte, ein merkwürdiger Bühnenaufbau.

Sänger Kevin hatte ein eindrucksvolles Brett mit Effekten vor seinen nackten Füßen aufgebaut. Hätte mich der Blick auf den Fuß nicht immer wieder abgeschreckt, wäre es durchaus faszinierend gewesen, ihm beim Bedienen der Pedale zuzusehen. Auch der zweite Gitarrist spielte barfuß, die beiden anderen waren zunächst angezogen.

Mit Rock der späten 60er Jahre kann ich nicht viel anfangen, allerdings beschäftige ich mich damit mangels Interesse auch gar nicht. Mag
also sein, daß Tame Impala so klingen, wie das viele Kritiker schreiben, nämlich so, als kämen sie aus einer Zeitkapsel aus eben jener Epoche. Das wird schon stimmen, beurteilen kann ich es nicht. Für mich sind Referenzen eigentlich wenig relevant, wenn ich Musik zum ersten Mal höre und beurteilen möchte, also habe ich Tame Impala auf mich wirken lassen. Mein erstes Urteil war allerdings schnell gefällt, ich langweilte mich; die psychedelischen Melodien und der sanfte Gesang von Kevin packten mich überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, nach drei Liedern war ich so weit, gehen zu wollen.

Ich blieb und hörte weiter zu. Die Stücke wirkten auf mich beliebig, es blieb nichts hängen. Weil dann auch die Musiker aussahen, als langweilten sie sich genauso, verstärkte das den Effekt des egalen Zuhörens noch weiter. Natürlich bin ich als jemand, der mit 60er Rock, Psychedelic-Rock, Blues und ähnlichen Dingen nichts anfangen kann, nicht der Richtige, ein Konzert von Tame Impala neutral beurteilen zu können. Aber ich habe auch eine große musikalische Neugierde und Toleranz, beides half hier nichts.

Richtig scheußlich wurde es gegen Ende, als Tame Impala
Remember me coverten. Das Original ist Teufelswerk, das Cover nicht viel besser. Nein, eine neue Lieblingsband habe ich hier nicht gefunden.

Ach, aber eines war dann trotzdem extrem toll: auch wenn das
Synchrontanzen der beiden Französinnen schon bemerkenswert war, kam die beste Konzertszene meines Lebens erst bei den langweiligen Aussies. Der Bassist der Band folgte irgendwann dem Beispiel seines Schlagzeugers und zog sein T-Shirt aus. Während einer kurzen Instrumental-Gefrickel-Pause hockte er sich auf den Bühnenboden, nahm die Wasserflasche und wusch seinen nackten Oberkörper! Warum? Keine Ahnung! Ich habe aber so meine Zweifel, daß der Musiker aus einer großen australischen Stadt stammt.

Setlist Tame Impala, Gebäude 9, Köln:

01: It's not meant to be
02: Solitude is bliss
03: Why won't you make up your mind
04: Alter ego
05: Lucidity
06: Expectation
07: Synth interlude
08: Desire be, desire go
09: Sundown syndrome
10: Reprise
11: Remember me (Blue Boy Cover)
12: Skeleton tiger / Half full glass of wine




Donnerstag, 4. November 2010

Anika & Dag för Dag, Paris, 03.11.10

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Konzert: Anika & Dag för Dag (Screaming Females)

Ort: Le Divan Du Monde
Datum: 03.11.2010
Zuschauer: mittlere Raumauslastung



Da sieht man mal wie schlaftrunken ich von den vielen Konzerten und durchgemachten Nächten bin!

Ich Trottel bringe es doch tatsächlich fertig, in die Boule Noire zu latschen, mir mein Ticket abreissen zu lassen, mit Vorfreude im Bauch Richtung Konzertsaal zu gehen, nur um dann darauf aufmerksam gemacht zu werden, daß mein Festivalpass erst ab dem 4. November gültig ist! Der Kartenabreisser hat eine geschlagene Viertelstunde gebraucht, um ihn wieder zu finden.

Nix also mit School Of Seven Bells, sondern Rückzug auf die Straße. Was tun? Nach Hause fahren? Nö, kommt gar nicht in die Tüte! Zufällig hatte ich mitbekommen, daß im gleich um die Ecke liegenden Divan Du Monde auch ein Konzertabend läuft. Glücklicherweise kenne ich die Veranstalter und die lassen mich prompt gratis eintreten. Weil ich Konzertblogger bin wohlgemerkt, nicht weil ich so nett gucke.

Drinnen sind die Screaming Females bereits mit ihrem Programm durch. Der Zuschauerandrang hält sich in recht engen Grenzen, was auch damit zu tun hat, daß im November unzählige gute Konzerte gleichzeitig stattfinden. Egal, so hat man Luft zum Atmen. Die Schweden Dag för Dag stehen nun an. Schon beim ersten Song sieht man, wie wild die drauf sind! Das Geschwister-Pärchen Sarah und Jacob Snavely (begleitet von dem Drummer Chuck Bukowski) rockt ab wie Hölle! Sarah ist besonders aufgestachelt, sie spielt barfuß und reißt ihren Fuß wie eine Ballettänzerin nach oben, performt aber dennoch auf einem Bein lässig weiter. Saucool! Der Sound ist garagig, melodiös und treibend, die Schweden denken nicht im Traum daran, ruhigen Folk-Pop wie ihre zahlreichen Landsleute zu spielen. Als Referenzen schießen mir die Kills, die Handsome Furs oder Joe Gideon and The Shark in den Kopf, aber was die Skandinavier hier treiben, ist dennoch eigen. Neben der Gitarre und dem Bass gehören auch vereinzelt eine Geige und eine Trommel zum Instrumentarium dazu. Die gespielten Lieder kenne ich nicht, aber das macht nichts, das Material ist catchy genug, um mich gut zu entertainen. Sarah erzählt in einer Szene irgend etwas von ihrer Schwangerschaft, aber ich kapiere nicht so recht, ob sie zur Zeit schwanger ist, oder schwanger war. Hinterher sagt man mir, daß sie bereits Mutter geworden ist (ob das stimmt?) und deshalb wieder volle Pulle losrocken kann. Wenn das Kind nach der Mami kommt, dann wird es ein Temperamentsbündel!

Zum letzten Song machen die Snavelys noch einmal die allerletzten Kräfte frei. Die Haare von Sarah fliegen wie bei Heavy Metal Musikern durch die Luft und zusammen mit Jacob hüpft sie meterhoch im Gleichklang. Abgefahren! Mein Freund Michael kauft hinterher ihre CD Boo, die beim Haldern Pop-Label erschienen ist.

Setlist Dag för Dag, Le Divan du Monde, Paris:

01: Light on your feet
02: Cry cry (?)
03: Hands an knees
04: ?
05: Hearts and bones
06: Boxed in pine
07: In hiding
08: Animal
09: Traffic jam
10: Ring me, Elise

Exkurs: Dag för Dag, Albumkritik Boo bei Plattentest. de , klick!

Haldern Pop ist auch das Stichwort beim letzten Act des Abends. Die Deutsch- Engländerin Anika, erzählte mir nach ihrem Konzert, daß sie seit 10 Jahren für das schöne Festival am Niederrhein helfenderweise tätig ist und von der Arbeit am Kassenhäuschen bis hin zur Betreuung im Backstage-Bereich schon alle Jobs gemacht hat. Anika pendelt zwischen Berlin und Bristol und hat kürzlich ihr erstes selbstbetiteltes Album auf den Markt gebracht. Songs von diesem Werk, in den meisten Fällen ungewöhnliche Cover, performt sie auch beim heutigen Konzert. Ganz in schwarz gekleidet, erscheint die bildhübsche Blondine auf der Bühne und wird musikalisch von einer mehrköpfigen Rhythmustruppe begleitet. Ihre Musik ist extrem düster, trist, monoton. Und genau diese Tristesse ist es, die mich fasziniert! Sie erinnert mich an die Anfänge von Joy Division aber auch an die Young Marble Giants. Kein Gramm Zucker wird dem minimalistischem Sound hinzugemischt, alles ist karg, nüchtern, deprimierend. Toll, ich liebe das! Anika bewegt sich keinen Zentimeter auf der Bühne. Wie angewurzelt murmelt sie die Texte ins Mikro (es ist mehr ein Sprechen als ein Singen) und wirkt dabei wie eine moderne Nico. Von Lied zu Lied bin ich mehr begeistert. Vor allem das Cover von Masters Of War ist der Hammer! Ich verbringe eine ganz tolle Zeit, bin hingerissen vom kühlen Charisma der Blondine und den gemeinen Bassläufen, die viele Songs begleiten. Selbst die Drummachine erinnert an She's Lost Control von Joy Division. Joy Division, immer wieder Joy Division*, tausende aktuelle Bands versuchen den Stil der Kultband zu reproduzieren. Aber so gut wie Anika hat es in den letzten Jahren kaum jemand hinbekommen, die suizidäre Atmosphäre von Manchester in die Neuzeit und andere Städte zu übertragen. Anika hat ihr Album mit den Leutchen von Beak aufgenommen. Dahinter steckt unter anderem Geoff Barrow, Mastermind von Portishead. Kein Wunder, daß das Resultat so überzeugend geworden ist!

Kurzum: Anika ist granatenhaft toll! Eine spitzenmäßige Neuentdeckung! Und sie hat seltsamerweise noch nie in Deutschland gespielt...

Was für ein feiner Konzertabend, bestimmt besser als der ursprünglich angedachte in der Boule Noire. Die Leute, die bei School Of Seven Bells dabei waren, äußern sich nämlich hinterher sehr enttäuscht. Meine Verpenntheit hat also doch manchmal gute Nebeneffekte!

Setlist Anika, Le Divan du Monde, Paris:

01: Terry
02: End of the world
03: No one's there
04: He hit me
05: Yang Yang
06: Go to sleep
07: Masters of war
08: Love buzz
09: Officer officer
10: Sadness hides the sun

Setlist Screaming Females, Le Divan du Monde, Paris, klick!


* man könnte natürlich auch andere Bands von Factory nennen, zum Beispiel A Certain Ratio, Cabaret Voltaire und The Durutti Column. Ansonsten Sucide, Blondie oder Throbbing Gristle. Aber lassen wir am besten das Namedropping...




 

Konzerttagebuch © 2010

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