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Dienstag, 14. Juni 2011

Francis International Airport, Barcelona, 28.05.11

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Konzerte: Francis International Airport
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona

Datum: 28.05.2011

Zuschauer: so um die 100

Dauer: 40 Minuten?


War schon lustig, als Francis International Airport für das Primavera bestätigt wurden - die seit Monaten gekauften Karten für das wohl beste Gr0ßfestival unter der Sonne rechtfertigten ihren Erwerb aber sowieso. Aber wie oft sieht man schon eine Band aus der Heimat in Barcelona?

Das dürften sich etliche andere Wiener auch gedacht haben, jedenfalls kannte ich wesentlich mehr Österreicher als noch letztes Jahr, die den Weg auf sich genommen hatten. Diese waren dann samstags um zehn wohl auch mehrheitlich vor der Adidas Stage zu finden, einer kleinen Bühne am Meer und relativ abgelegen von der Hauptroute des Geländes. Keine Ahnung, welche Idee genau hinter dieser eigenen Stage steckte und nach welchen Kriterien die Slots vergeben wurden, schade allerdings, dass man verheißungsvolle Talente an einer wenig attraktiven Stelle konzentriert. Sonst schafft es das Festival doch auch, weniger bekannte Bands stimmig in den Zeitplan zu integrieren und die Slots generell sehr fair zu vergeben.

Tontechnikern und Security-Personal war das alles sowieso egal, sie feierten sich umarmend das Führungstor durch Messi im gerade laufenden Champions League-Finale. Dieses war wiederum dem FIA-Kopf Markus Zahradnicek wurscht, er zeigte dem Publikum anerkennend Daumen hoch: "No soccer for you, guys!"

Dafür gabs gleich mal Monsters, letzes Jahr die erste Single des neuen Albums gewesen und sinnvollerweise auch repräsentativ für dieses mit seiner höheren Professionalität, neuen (teilweise dezidiert genannten) Einflüssen und glatterem Sound. Ein sehr schönes Video gibts auch zu diesem Song:

Francis International Airport - Monsters from siluh records on Vimeo.


Allerdings gefällt mir ehrlich gesagt, nach kurzer anfänglicher Begeisterung für In the Woods, der Erstling We are jealous, we are glass wieder besser, diese Fülle an Liebhab-Songs und der verträumte, tiefmelancholische Klangfluss spielen einfach (zumindest in Österreich) in einer eigenen Liga. Umso bedauerlicher, dass Francis International Airport seit vielen Monaten von diesem Werk nur einen einzigen Song spielen - Words on Logs.

Das neue Album dürfte aber zumindest international deutlich mehr Beachtung finden, was auch der Auftritt am Primavera beweist. Insofern zahlt sich der neue Weg wohl aus, Änderungen gab es allerdings auch in der Bandfamilie: Keyboarder Georg Tran, der seit dem neuen Album mitwerkt, fehlte zumindest in Barcelona, an seiner Stelle spielte wieder ein Mädchen. Ob es das gleiche war wie aus der Anfangszeit der Band, weiß ich nicht, sie machte ihre Sache jedenfalls gut.

Nach dem Ausflug auf das Debütalbum wurde wieder der Vorwärtsgang eingelegt und City of Fog dargeboten, ein wunderschönes Stück Musik (mit Feet of Clay mein liebstes von den neuen), zwei betrunkene Spanier hüpften dazu durch die Gegend, bis sie schließlich wieder den Weg weg von der Bühne (hin zur Fußballleinwand?) fanden.

Ansonsten tat sich nicht wahnsinnig viel, außer dass eine fette Nebelanlage ihr Können unter Beweis stellte und der Security das seine ebenso, indem er Fotografen, die sich am Bühnenrand zur Stabilisierung abstützten, von dort wegscheuchte. Wieso? Keine Ahnung, Platz wäre genug gewesen.

Mit Amnesiacs ("it's gonna be a great, great deal for all of us") endete dann das Konzert, dem zwei Sachen fehlten, die einander halt ein wenig gegenseitig bedingen: ganz große Momente und Leute. Und so freuten sich die Österreicher alle über ein hübsches, gewohnt gutes Konzert ihrer Wiener Lieblingsband, die wenigen Anwesenden ohne Vorkenntnisse dürften aber wenig Bleibendes mitgenommen haben. Ein Umstand, der weniger der Band, als eher den Menschen, die das Konzept der adidas-Talentbühne entworfen haben, anzulasten ist. Ein Auftritt um sechs auf der Pitchfork oder auf der ATP hätte den Franziskanern wohl einen größeren Gefallen getan...

Aber gut, mit dem Sziget Festival in Budapest steht ja schon bald die nächste Großveranstaltung für FIA an und vielleicht läufts dort besser. Zu wünschen wäre es der Truppe unbedingt. Zumindest besteht die Gefahr, dass gleichzeitig einer der Budapester Vereine im CL-Finale spielt, dort nicht. Diesbezüglich muss man sich auch bei Auftritten in Österreich eher keine Sorgen machen. No soccer for you, guys!

Setlist Francis International Airport, Barcelona:

01: Monsters
02: Feet of Clay
03: Words on Logs
04: City of Fog
05: Celluloid
06: Bug
07: Solaris
08: Amnesiacs

Aus unserem Archiv:
Francis International Airport, Wien, 02.02.11
Francis International Airport, Offenbach, 27.04.11

Die Fotos stammen von Erik Luyten. Hartelijk dank!

Freitag, 29. April 2011

Francis International Airport, Offenbach, 27.04.11

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Konzert: Francis International Airport
Ort: Hafen 2, Offenbach
Datum: 27.04.2011
Zuschauer: weniger als 30


Flughafen im Bootshafen: Francis International Airport in Offenbach

von Ursula von neulich als ich dachte

Das Hafen 2 in Offenbach ist eigentlich ausgesprochen nett -- und das sage sogar ich als gebürtige Frankfurterin. Man kann im Sommer auf der Wiese liegen, Industrieromantik genießen und in den Main schauen, Kuchen essen, Bier trinken und hinterher die eine oder andere Indieband ansehen - und das alles, nachdem man sein Auto direkt vor dem Gelände geparkt hat. Wie Christoph und sein Kommentator Roland allerdings bereits feststellten, leidet das Hafen 2 an einem Problem sicherlich nicht: Überfüllung.

Als wir gestern Abend vorfuhren, um uns die junge österreichische Band Francis International Airport anzusehen, war also bereits klar, dass keine Menschenmassen auflaufen würden. Dennoch bangten wir im kleinen Konzertsaal ein wenig, ob die Zuschauerzahl noch die Dreißigermarke knacken würde. Sie tat es nicht. Dafür haben Francis International Airport als rein männliche Band aber einen anderen Vorteil: Gut 80 % des Publikums bestanden nämlich aus jungen Frauen, die auch nach dem Konzert noch lange blieben, um sich Poster signieren zu lassen und mit der Band zu sprechen.

Aber zurück zum Konzert: Etwas enttäuscht war die Band wohl schon über die geringe Zahl der Besucher, begrüßt wurden wir nämlich - durchaus freundlich - mit "Hallo, wie schön, dass es einige von euch hierher geschafft haben!". Einige Lieder später gab Sänger Markus Zahradnicek dann allerdings zu, dass die Band vor einiger Zeit bereits in Frankfurt aufgetreten sei, "es war aber keiner da!" -- dagegen mag dann Offenbach ein regelrechtes Erfolgserlebnis gewesen sein.

Leider gab es keine sichtbaren Setlisten, und so kann ich zur Songauswahl nur sagen, dass die Band Verschiedenes aus den beiden Alben "We Are Jealous. We Are Glass." und "In The Woods" spielte, und dass die besten Lieder - live wie auf CD - "Amnesiacs" und "Words On Logs" waren. Die Frage, ob denn jemand die Band schon kenne, beantwortete das Publikum mit verlegenem Schweigen, ich bin aber recht sicher, dass außer uns und der sehr begeisterten Dame vor uns sicherlich auch sonst vielen der Gäste das Songmaterial bereits bekannt war.

Und auch, wenn das Publikum erstens klein und zweitens (aus erstens bedingt) nicht sonderlich laut war, hätte man sich durchaus über seine zweite Zugabe gefreut - oder über eine erste, die mehr als ein Lied umfasst hätte. Aber dazu hatte die Band dann leider keine Lust mehr. Vielleicht spielen sie beim nächsten Besuch im Rhein Main Gebiet ja wieder woanders, es gibt ja noch zahlreiche weitere Städte, und dorthin kommen dann doppelt so viele Leute ... zu wünschen wäre es den Österreichern.

Links:

- Francis International Airport, Wien, 02.02.11



Freitag, 4. Februar 2011

Francis International Airport & Diver, Wien, 02.02.11

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Konzert: Francis International Airport & Diver
Ort: WUK, Wien
Datum: 02.02.11
Zuschauer: mindestens 350

Dass es mir Anliegen ist, Francis International Airport auch den werten Lesern aus Köln und Paris ans Herz zu legen, dürfte in meinen Jahresbestenlisten durchgeklungen sein. Hier wird dieses mit einem Bericht des gestrigen Abends fortgesetzt, der einerseits ein wenig enttäuschte, andererseits auch neue Seiten der Melancholiker hervorkehrte und vor toller Kulisse stattfand.

Aber der Reihe nach: Die Agentur
ink.music hatte den Auftritt kurzfristig vom Foyer in den Hauptsaal des WUK verlegt, da er etwa eine Woche zuvor ausverkauft war. Schnelle Zungen behaupten gar, der Besuch europäischer Berufskollegen bei Österreichs größter Indie-Agentur hätte bei der Redimensionierung der Publikumskapazitäten eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Völlig egal eigentlich, man durfte sich auf den möglicherweise größten Auftritt von Francis International Airport in Wien freuen.

Als Support hatte man
Diver angekündigt, ebenfalls lokale Musiker, von denen ich zwar noch nie was gehört hatte, die aber sehr hübsche Songs darboten und dafür vom ausgesprochen gut gelaunten Publikum viel Applaus ernteten und das Wohlgefallen dazu nutzten, ihre soeben erschienene „selbst genähte“ EP No Release zu bewerben. Also der Ausdruck „einfach gestrickte Songs“ ist mir ja geläufig, was man unter einem genähten Tonträger versteht kann ich leider nicht berichten, da die EP nach dem Konzert ratzfatz ausverkauft war und mir nicht mal ein Blick auf das edle Teil vergönnt war.

Seis drum, vermutlich wird man noch öfter von Diver hören, die harmonisch sanften Songs erinnerten stark an eine Band, die in Form eines Covers auch gewürdigt wurde: an die
Kings of Convenience.

Publikumsdichte und Enthusiasmus in selbigem stiegen erwartungsgemäß mit Beginn der Hauptattraktion des Abends, die Verlegung in den Saal schien sich angesichts der mehreren hundert Besucher ausgezahlt zu haben.
Standesgemäß wurde das Set mit dem aktuellen Album-Opener
All Your Lines End In Me eröffnet, bevor gleich als zweiter Song mein Lieblingssong der neuen Platte gespielt wurde, Feet of Clay nämlich. Leider zeigte sich bereits hier, dass die Akustik und der Sound größerer Locations der Musik nicht wirklich zuträglich ist. Ist natürlich völlig subjektiv und man kann es den Herren von FIA auch nicht verdenken, dass sie vor größerem Publikum spielen wollen. Aber für mich jedenfalls nimmt der fast gezwungenermaßen breitere Sound viel von dem, was ich an dieser Band lieb gewonnen habe, er wirkt der brüchigen Stimme eines Markus Zahradnicek weite Strecken entgegen und lässt das gesamte Instrumentarium weniger fragil und zart klingen, als es auf dem Album der Fall ist. Und klar: das neue Album In the Woods baut generell auf wesentlich kräftigere Klangfarben auf, als es beim Erstling We are Jealous, we are Glass der Fall war. Man zitiert nunmehr andere Einflüsse (Grizzly Bear, Beach House) als zuvor (Death Cab for Cutie, The Shins) und hat viel, viel Geld aus privaten Ersparnissen in ein professionelles Studio gesteckt, um das Ergebnis möglichst perfekt klingen zu lassen. Und dennoch besaßen die drei Auftritte der Band, die ich im Herbst allesamt in kleineren Räumen gesehen hatte, genau die erwähnten Attribute.

Heute war der Lichtblick (apropos: die Lichttechnik war gewohnt großartig, FIA haben da einen hervorragenden Mann in der zweiten Reihe) in dieser Hinsicht Words on Logs, der einzige Song des alten Albums, der aktuell auf Konzerten zu hören ist. Auch der ist schon mal besser, ergreifender rübergekommen, stellte aber für mich dennoch das Highlight dar.

Weiter ging es mit neuerem Material, viel Anklang im Publikum fand – nach kurzen technischen Schwierigkeiten - besonders Amnesiacs, das mit „It’s gonna be a great great deal for all of us“ eine Textzeile aufweist, die – quasi ein aufgelegter Elfmeter – von einer Mehrzahl der Kritiker als Statement in ihre Rezensionen aufgenommen wurde. Vom heutigen Abend ließe sich allerdings eher Words on Logs zitieren: „What happened last night, I can’t remember?

Gut, stimmt eigentlich nicht, ich habe das alles noch ziemlich gut im Kopf, auch die Setlist: Es folgte sehr bald die Single
Monsters, von der es übrigens ein ganz hervorragendes Video gibt, und dessen Popularität sich in hoher Publikumsbeteiligung niederschlug.

Ein Cover von
The Cure und zwar Lovesong wurde dann zum Besten gegeben, welches mir wirklich gut gefiel und der Menge im Saal ebenso. „You make me feel like I’m whole again…
Wer sich an Parallelen zwischen
Zahradnicek und Robert Smith versuchen wollte, täte dies jedenfalls nicht völlig zu unrecht.
Bug stellte daraufhin den Schlusspunkt des regulären Sets dar, allzu lange zwangen die Franziskaner das Publikum aber dann nicht dazu, ihre überwältigenden Begeisterungsstürme durchzuhalten und standen rasch wieder auf der Bühne.

City of Fog, einer meiner anderen aktuellen Lieblinge, war somit Zugabe #1, erfüllte leider auch nicht ganz meine Erwartungen, meine Lieblingsstelle (nach gut 55 Sekunden, wers wissen will) fiel leider auch nicht so aus, wie ich sie im Herbst schon gehört hatte. versuchen

Scheint außer mir nicht großartig jemanden gestört zu haben, den Zuneigungsbekundungen der Besucher nach zu schließen, hat man es bei
Francis International Airport endgültig mit den Indie-Helden der Stadt zu tun.

Und so ging ein Konzert zu Ende, das auf der einen Seite großen Spaß machte, schließlich waren Menschen auf und vor der Bühne gleichermaßen voneinander angetan, andererseits mich zumindest mit einer Spur von Enttäuschung zurückließ. Ich will ja eigentlich auch gar nicht, dass das jetzt hochdramatisch klingt, ich kann mich ja auch sehr darüber freuen, dass die Band stetig bekannter und beliebter wird. Jedenfalls war der Auftritt nicht ganz nach meinem Geschmack, ich freue mich schon wieder auf kleinere Auftritte.
Und bis es soweit ist, darf weiterhin die Plattenspielernadel meine kaputtgeliebte
We are Jealous, we are Glass bearbeiten…

Setlist Francis International Airport, WUK, Wien:

01: All Your Lines End In Me
02: Feet of Clay
03: Words On Logs
04: Art of
Unlearning
05: Solaris
06: Amnesiacs
07: Pipeland
08: Monsters
09: Cure-Cover
10: Bug

11: City of Fog (Z)
12: Celluloid (Z)


Francis International Airport kommen übrigens im Frühjahr auch nach Deutschland, Holland und Belgien. Ausgewählte Termine:



19.04.11: Druckluft, Oberhausen
21.04.11: JOC, Ieper (BE)
22.04.11: Melkweg, Amsterdam
23.04.11: Lido, Berlin
24.04.11: Astra Stube, Hamburg
27.04.11: Hafen 2, Offenbach
06.05.11: Atomic Café, München

Bei den Fotos handelt es sich um Archivfotos von Patrick, aufgenommen im Haus der Musik letzten Oktober. Danke Patrick!


 

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