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Montag, 11. Februar 2013

Conor Oberst, Paris, 02.02.13

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Konzert: Conor Oberst (Simon Felice)
Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 02.02.2013
Zuschauer: etwa 550, ausverkauft
Konzertdauer: fast 2 Stunden nur Conor



Conor Oberst bzw. Bright Eyes war wichtig in meiner späten musikalischen Sozialisierung. Nachdem ich in der ersten Phase mit Bands wie Kraftwerk, New Order, den Pet Shop Boys, aber auch solch unsäglichen Dingen wie Italo Disco und kommerziellem Spät-New Wave großgeworden- und mit etwa 16   in meiner Indiedisco auf Gruppen wie die Ramones, Violet Femmes, und The Clash gestoßen bin, gab es etwa 2004/2005 eine neue wichtige Phase. Post Punk und New Wave feierten mit Acts wie Interpol, Franz Ferdinand und Bloc Party ein Revival und auch Folk Music kam zurück. Die wichtigsten Player in jener Zeit u.a.: Devandra Banhart ("der Diwäntra ist was ganz Besonderes", wie Karl Lagerfeld immer sagt), Joanna Newsom, Elliot Smith und... Bright Eyes.

Folk habe ich als Kind und als Jugendlicher gehasst, das war was für meine ältere Schwester. Die war damals nämlich in der Friedensbewegung aktiv, ist auf Demos gegangen und fand die Grünen toll. Allein den Look dieser Ökos fand ich schlimm und die peacige Musik erst recht.


Das hat sich Anfang der 2000 er Jahre grundlegend geändert. Angewidert von meinem drögen Jurastudium und den meisten meiner abstoßend  fleißigen und konservativen Kommilitonen (aus dieser Zeit stammt wohl meine Babor Jacken Phobie), fand ich plötzlich gefallen an den Hippies und ihrer Musik. Sandy Denny hat mich mit ihrer wahnsinnig traurigen Stimme fasziniert und auch der tiefmelancholische Nick Drake. Aber das waren eben klassische Vertreter des Genres, nun brauchte es neue Identifikationspersonen. Die fand ich in Elliott Smith, dessen posthum erschienenes Album From A Basement On The Hill ich rauf und runter hörte und eben Bright Eyes mit seinem genialen Doppelschlag I'm Wide Awake, It's Morning und Digital Ash In A Digital Urn. Die beiden Scheiben halfen mir wirklich aus einer schweren persönlichen und gesundheitlichen Krise heraus, waren Licht am Ende des Tunnels. Was gab es da nicht für Hits drauf! Lua, We Are Nowhere And It's Now, First Day Of My Life, Take It Easy (Love Nothing), Easy/Lucky/Free, göttlich. Die weinerliche Stimme, aber auch das feine Händchen für packende Melodien von Conor hatten es mir total angetan. Der riesige Hype in deutschen Musikmagazinen störte mich nicht weiter, er war eben auch gerechtfertigt. 2005 dann mein erstes Liveerlebnis, das ebenfalls sehr positiv ausfiel. Beim Festival im französischen Belfort folgte gleich Konzert Nummer zwei und erneute Begeisterung.

 

In der Folge sah ich Conor noch mehrfach und erlebte nie ein schlechtes Konzert. Allerdings fiel immer stärker auf, daß er zuviel trank und deshalb zu gewissen Formschwankungen neigte. Jedes Jahr verebbte die Euphorie von 2004/2005 ein wenig mehr und auch die folgenden Alben rissen, wenngleich sie alle sehr odentlich ausfielen, mich nicht mehr ganz so vom Hocker wie damals.

2011 dann das letzte Konzert von Bright Eyes, das mir in guter, aber nicht absolut euphorischer Erinnerung geblieben ist.  

Tja und dann haut Conor, nun unter seinem eigenen Namen startend (und auch ohne die Mystic Valley Band), so einen gewaltigen Hammer raus! Ich kam zwar viel zu spät im Café de la Danse an, war aber augenblicklich elektrisiert. Da war Schwung drin! Da war Feuer drin! Die Melodien sprudelten nur so heraus und Conor sang ganz ausgezeichnet und voller Inbrunst. Wahnsinnig beherzt griff er in die Saiten seiner Akustischen, hatte auch gute Musiker mit auf der Bühne, die ihn hervorragend unterstützten. At The Bottom Of Everything war ein Knaller!

Zu blöd jedoch, daß ich schon Perlen wie First Day und Lenders In The Temple verpasst hatte, aber ich konnte ja auch nichts dafür, daß sie hier schon mit dem Hauptact um 20 Uhr 20 begonnen hatten. 


Zum Trost sah die Blondine neben mir scharf aus. Hatte mich irgendwie schon immer gewundert, daß Conor so eine Anziehungskraft auf die Mädchen ausübt, aber irgendwas an ihm muss die Frauen heiß machen. Seine viel zu lang gewordenen Haare sind es sicherlich nicht. Wahrscheinlich eher die Augen, seinem treuen Dackelblick kann man einfach nur schwer widerstehen. Sei's drum, wenn der Frauenanteil den Männeranteil bei Konzerten übersteigt, ist mir das immer genehm.


Kurze Zeit später wurde bei Lua auch der Frauenanteil auf der Bühne erhöht. Die Geigerin Simi Stone war alles andere als eine Quotenfrau, wenngleich mir ihre Stimme nur recht gut (Note 2-), aber nicht überragend gut gefiel. Die Blondine von den Mynabirds, die auf der letzten Tour von Bright Eyes Keyboard gespielt hatte, wäre mir gesanglich lieber gewesen, aber eine tolle Ausstrahlung hatte sie, diese Simi. Conor immer fest im Blick, zwitscherte sie solo einige Zeilen von Lua und später auch noch bei ein paar anderen Liedern mit. Die Luft brannte zwischen den beiden, wenn man das mal so flach ausdrücken darf.


Noch ein wenig später stieß dann auch bei Make War Simon Felice, der in meiner Abwesenheit das Vorprogramm bestritten hatte, mit hinzu. Ein cooler Typ, der sich auch für unwiderstehlich hielt, mit seinem herben Cowboy Gesang aber auch unter Beweis stellte, daß er ein Guter ist. Ohnehin seltsam, daß seine in den US of A so hochgelobte Band The Felice Brothers nie in Paris aufgetreten ist.


 


Aber zurück zu Conor. Der erzähte von den Freuden des Elternwerdens, obwohl er diese Erfahrung nie selbst gemacht hat und trug auch einen Song zu diesem Thema vor, You Are Your Mothers Child. Ein einfühlsames, sehr reduziertes Stück, das aber nicht mein absoluter Liebling im Set war. Das waren eher Shell Games- ("here it comes that heavy love"), natürlich Lua mit dem entzückenden Violinenspiel von Simi, die mitreißende Mitsingnummer Laura Laurent und das sphärische An Attempt To Tip, das fast ein wenig postrockig und nur wenig folkig klang. Conor ist eben auf keine bestimmten Stil festgelegt und bekannte auch, daß er Folkmusik bis zu seinem 20 Lebensjahr für doof ("stupid") gehalten habe, fügte jedoch trocken hinzu: "well, there is some good stuff." Dann grinste er und schmetterte mit Simi und Simon Felice ("two lovely creatures" wie er die beiden immer nannte) Make War, bevor mit Waste Of Paint dann leider Schluss war und ein ganz herausragendes Konzert beendet wurde.






 
Conor ließ sich später noch oben an der Bar blicken, unterhielt sich ganz relaxt mit den Fans, nahm die Leute (nicht nur die Frauen, auch mich!) in den Arm und ließ sich bereitwillig abknipsen.

Mit einem super Gefühl im Bach machte ich mich dann auf den Weg zur Metro und pfiff Lua vor mich hin: "Cause what is so simple in the moonlight by the morning never is"...

Setlist Conor Oberst, Café de la Danse, Paris:

01: The Big Picture
02: First Day Of My Life
03: Arienette
04: Cape Canaveral
05: Going For The Gold
06: Lenders In The Temple
07: Classic Cars
08: Ladder Song
09: Night At Lake Unknown
10: At The Bottom Of Everything
11: White Shoes
12: You Are Your Mother's Cild
13: Shell Games
14: Lua
15: Map Of The World (Monsters Of Folk)
16: Laura Laurent
17: Breezy

18: An Attempt To Tip
19: Make War
20: Waste Of Paint



Montag, 11. Juli 2011

Bright Eyes, Wien, 05.07.11

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Konzert: Bright Eyes (Jenny and Johnny & Two Gallants)
Ort: Arena Open Air, Wien
Datum: 05.07.2011
Zuschauer: voll, etwa 3000
Konzertdauer: Bright Eyes 130 Minuten


Als Conor Oberst samt Musikerschaft die Bühne des Arena-Geländes betrat, klang der Regen langsam ab, der Himmel brach auf und warmes Sonnenlicht der letzte Strahlen tauchte alles in ein tolles Licht.

Klingt kitschig, war es auch, passt außerdem ganz gut zu Bright Eyes. Falls Herr Oberst samt (dieser) Band zur Zeit seine letzte Tour bestreitet, dann war dieser Abend ein würdiger Abschied.

Zuerst waren aber mal die Kalifornier von Two Gallants dran, eine Zweimannband mit der interessanten Besetzung Gesang/Schlagzeug.

Mit einigen großartigen Auftritten haben sich die beiden in Wien eine durchaus beachtliche Fangemeinde erspielt, die Tatsache, dass sie auf Conor Obersts Label Saddle Creek gesigned sind, dürfte zusätzlich den Ausschlag für die Entscheidung des Veranstalters, eine weitere Vorband zu engagieren, gegeben haben.

Diese Rechnung sollte aufgehen, Two Gallants spielten sich und das Publikum in einen kleinen Rausch, am Ende der 50 Minuten setzte es heftigen Jubel. Ob Jenny and Johnny dieser Vorlage nahekommen konnten?

Das Pärchen Jenny Lewis und Jonathan Rice bot recht netten, countryesken Folkpop (reichlich beliebig kategorisiert, ich weiß), der irgendwie nicht zu überzeugen wusste. Mich nicht und die meisten anderen auch nicht. Jedenfalls war auf dem überdachten Balkon und der angeschlossenen Bar defintiv mehr los, als vor der Bühne - auch weil es zu regnen begonnen hatte.

Gegen Ende hin gefielen mir die beiden Engländer und ihre Band zwar schon besser, dennoch war ich ganz froh, als sie das Feld räumten. Vielleicht bietet sich mal die Chance, in einem anderen Ambiente eins ihrer Konzerte neu zu erleben, an diesem Abend hatten Jenny and Johnny aber eher den Charakter einer Hintergrunduntermalung.

Zurück an den Anfang: Zu der etwas entrückten Stimme aus dem Off zu Firewall kamen Bright Eyes auf die Bühne, was ihnen entgegenschlug waren gewaltige Vorschusslorbeeren. Zu lange waren die Amerikaner nicht mehr in Wien gewesen, das merkte man deutlich.

Anfangs war Conor Oberst allerdings noch nicht sehr auf Interaktion mit dem Publikum aus, auch wenn besonders das ältere Four winds enthusiastisch aufgenommen wurde. Er antwortete auf seine Weise: War es auf der gesamten Europa-Tour bislang (sehr zum Missfallen der meisten Fans) ausgespart worden, schüttelte er völlig überraschend We are nowhere and it's now aus dem Ärmel. Was für eine schöne Geste! Dabei hatte ich die Hoffnung, meinen Lieblingssong beim Konzert zu hören, nach Betrachtung der in den Wochen zuvor gespielten Setlists, schon aufgegeben. Aber jetzt flatterte er doch, der yellow bird und verbreitete eine grandios fragile Stimmung. Glück und Gänsehaut - "I don't know if it's true, but I keep it for good luck."

Die folgenden zwei Songs, das live sehr überzeugende Lover I don't have to love und die derzeitige Single Shell Games (für die Gleiches gilt) setzten diese Stimmung fort, dann folgte aber eine Länge-Phase, in der Intensität und Größe der Darbietung etwas abnahmen. War egal, hinter mir lieferten sich der Verkäufer des Würstelstandes und der Crêpes-Bäcker eine interessante Auseinandersetzung, ihr Wienerisch ließ meine Gedanken zum Lua-Cover der Neigungsgruppe Sex, Gewalt & Gute Laune abtreiben...



Es dauerte allerdings nicht lange, bis Bright Eyes den Faden wieder fanden, Conor Oberst wagte sich an immer längere Geschichten und freute sich sichtlich über die Freude und die Konzentration, die das Publikum an den Tag legte.
Insgesamt war beinahe kein Unterschied zwischen der Rezeption alter und neuer Songs feststellbar, alte Klassiker wurden ebenso mitgesungen, wie das neue Material verinnerlicht wurde. Man hatte ein wenig das Gefühl, Conor Oberst könne fast nichts Neues bieten, so gut kannten alle ihn und sein Werk.

Konnte er aber: Nachdem mit dem Ladder Song der reguläre Teil des Konzerts zu Ende gegangen war, zog er eine verblüffende, beinahe befremdliche Show ab. Jeder Musiker wurde eigens vorgestellt und durfte ein kleine Solo zum Besten geben. So weit, so gewöhnlich. Nur die Art, wie Mr. Oberst das tat, erinnerte wahlweise an Stadionrock und die großen Egos von Hip Hop-Superstars: "All the way from fucking Kuhdorf, in the flash....", shoutete er und führte dabei komische Tänzelbewegungen vor.
Ob da wohl eine gewaltige Portion Ironie dahinter steckte? Weiß man bei ihm nie, aber gerade das macht diese interessante Persönlichkeit ja (mit) aus!

Die folgenden Zugaben unterstrichen jedenfalls die unantastbare Bedeutung dieses Musikers: Das schon erwähnte Lua war darunter, mit der immanenten Frage nach der Kluft zwischen Abend und Morgen. Würde man am nächsten Morgen auch noch so angetan von diesem Konzert sein? "Aufd Nacht is immer alles leiwand...", dolmetschte die genannte Neigungsgruppe, leiwand fand ichs am nächsten Morgen auch noch.

Vor allem auch wegen der letzten zwei Songs, die nach einem gemeinsam mit Jenny and Johnny performten Gillian Welch-Cover dran kamen: Das epische Road to joy und One for you, one for me.

"One for the people, one for the parliament. One for the weary, one for the malcontent. One for the master, one for the protégé. One for you, and one for me."
In der Tat war an diesem Abend für jeden was dabei. Für den Fan der ersten Stunde, für Neulinge, für Romantiker und für alte Rocker, für Melancholiker und für lebensfrohe Naturen. Wie es eine Freundin ausdrückte: "Tanzen, lachen, weinen - alles dabei."

Sollte dieser Abend wirklich eine Abschiedsvorstellung gewesen sein, dann darf man sich einerseits glücklich schätzen, dem beigewohnt zu haben, andererseits ist eine große Portion Wehmut angesagt. Die Bühne, von der Conor Oberst abtreten will, wird so einen Ausnahmemenschen nicht so schnell wiederfinden... Wien sagt danke!

Setlist Bright Eyes, Wien, 05.07.2011:

01: Firewall
02: Jejune stars
03: Take it easy (Love nothing)
04: Four winds
05: Bowl of oranges
06: Something vague
07: We are nowhere and it's now
08: Lover I don't have to love
09: Shell games
10: Approximate sunlight
11: Arc of time (Time code)
12: Falling out of love at this volume
13: Triple spiral
14: Cartoon blues
15: Beginner's mind
16: Landlocked blues
17: Hot knives
18: Poison oak
19: The calendar hung itself
20: Ladder song

21: Lua (Z)
22: Wrecking ball (Gillian Welch-Cover) (Z)
23: Road to joy (Z)
24: One for you, one for me (Z)

Aus unserem Archiv:

Bright Eyes, Köln, 21.06.11
Bright Eyes, Wiesbaden, 20.06.07
Bright Eyes, Paris, 30.03.07
Conor Oberst And The Mystic Valley Band, Paris, 13.09.08
Conor Oberst And The Mystic Valley Band, Köln, 11.09.08

Vielen Dank für die Fotos an Christoph!

Donnerstag, 23. Juni 2011

Bright Eyes, Paris, 22.06.11

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Konzert: Bright Eyes (Jenny and Johnny)
Ort: Théatre de L'Alhambra
Datum: 22.06.2011
Zuschauer: geschätzte 500, nicht ausverkauft
Konzertdauer: fast 2 Stunden


Conor Oberst und seine zahlreichen Bandmitglieder (insgesamt standen 7 Musiker auf der Bühne) boten in Paris ein fetziges und abwechlunsgreiches Set und ließen Wehmut ob des baldigen Endes von Bright Eyes aufkommen.

Ungewohnt rockig und noisig auftrumpfend, und gleich mit zwei Schlagzeugern im Rücken, gab Conor gleich von Beginn an Vollgas und nahm lediglich bei der den offiziellen Teil abschließenden Pianoballade Ladder Song den Fuß vom Pedal.

Fast zwei Stunden lang wurden Songs quer durch den Garten des opulenten Repertoires des Womanizers (die vielen süßen Mädchen im Publikum sprechen hierfür Bände!) aus Nebraska performt, wobei der Schwerpunkt auf den letzten Output The People's Key gelegt wurde (ein mieses Album wie mein Konzertnachbar Erwan meinte, der lieber das Frühwerk mag). Mit dem neuen Werk nicht vertraut, waren die Highlights für mich folglich Stücke wie das bildhübsche, äußerst komplexe No One Would Riot For Less (Album Cassadaga), bei dem Conor insbesonders die Songzeile "you know war, it has no heart" laut greinend und herzerweichend intonierte und Old Soul Song (Wide Awake...), bei dem Nate Walcott mit seiner feinen Trompete wohligste Gefühle bei mir auslöste. Klasse auch Something Vague von Fevers & Mirrors und Jejeune Stars, das mit Sicherheit packendste Lied vom aktuellen Album, zu dem richtig die Post abging. Saturierte Gitarren, zwei galoppierende Schlagzeuge und dazu ein mit teuflicher Inbrunst singender Conor Oberst, selten hatte man Bright Eeyes mit soviel Pfeffer und Schwung erlebt! In einigen Szenen drehte sich der Sänger aus Omaha sogar mehrfach im Kreis, oder aber er machte Abstecher zu den Drummern und heizte ihnen wie verrückt ein.

Auf keinen Fall unterschlagen, sollten wir aber Laura Burhenn. Schon beim countryesken Four Winds (zweites Stück des Sets) orgelte sich die hübsche Blondine ins Rampenlicht und bei einem von ihr am Akkordeon vorgetragenen Lied stand die Backgroundsängerin sogar ganz im Vordergrund. Ein sexy Weibsbild, das auch ohne üppige Oberweite (große Brüste sind völlig überschätzt, die Busengröße bei Frauen ohnehin zweitrangig) viel weiblichen Charme in die Herrenrunde brachte. Eine Herrenrunde, in der der Produzent und Gitarrist Mige Moogis fast ein wenig unterging, weil man ihn hinter Laura kaum sah, vor allem wenn er Pedal Steel im Sitzen spielte.

Alles in allem ein wirklich überzeugendes Konzert, bei dem die Kommunikation mit dem Publikum allerdings nicht im Vordergrund stand. Meistens beschränkte sich Conor auf ein kurzes knappes "merci" und nur bei der Vorstellung seiner Band im Zugabenteil wurde er deutlich gesprächiger und ausschweifender. Lange und ausgiebig wurde jeder einzelne Musiker namentlich erwähnt und auch auf die Herkunft (Los Angeles/Omaha, Portland etc.) bzw. den aktuellen Wohnort wurde hingewiesen. Laura Burhenn spielt übrigens in einer Band names Mynabirds, "check them out", wie Mister Oberst augenzwinkernd empfahl. Witzig auch, daß Conor die Gegend in Nebraska, wo er herkommt, als absolut uninteressant bezeichnete, es sei denn man wolle wissen, wo sein Freund Mike Moogis geboren sei...

Ein klein wenig rumnörgeln muss ich allerdings hinsichtlich des Zugabenteils. Statt Road To Joy ("make some noise!") und One For You One For Me (ein eher mißratenes, fast plattes Stück) hätte ich mir viel lieber Lua, First Day of My Life oder We Are Nowhere And It's Now gewünscht, das sind und bleiben meine Lieblinge im Katalog. Cool allerdings, daß Gold Mine Gutted als erste Zugabe gebracht wurde, denn Digital Ash In A Digital Urn war auch ein phänomenales Album.

Die Zuschauer waren trotz dieser Lücken in der Setlist hochzufrieden und die Leute in den ersten Reihen kamen auch noch in den Genuß, sich die Hand in Fußballer-Manier von Conor abklatschen zu lassen.

Nach der Show hatte Herr Oberst aber keinen Bock mehr auf Fankontakt. Eine halbe Stunde nach dem Konzert eilte er mit seiner Freundin im Arm und Kapuze über dem Kopf nach draußen und machte deutlich, daß er in Ruhe gelassen werde wolle, was eine Spanierin, die mit ihrer (geschätzt) 15 Jährigen Tochter gekommen war geflissentlich ignorierte und ihm wie ein Hündchen hinterherlief. Strange! Mike Moogis war da schon deutlich gesprächiger. Ohne, daß ich großartig auf Konversation machte, erzählte er mir und einer guten Freundin gutgelaunt ein wenig vom Leben auf der Tour, davon daß das Konzert am Vortag in Köln sehr wild und toll gewesen sei und er jede Menge Musik produziere. Und dann drückte er mich am Ende sogar noch ungefragt gegen seine Brust (free hugs!). Wirklich ein netter Kerl!

Achso, die Vorgruppe: Jenny und Johnny waren toll, sehr melodiös, Laune machend und ab und zu (bei den Balladen) auf die Tränendrüse drückend. Jenny Lewis ist sexy und hat eine famose Countrystimme, Johnny, Jonathan, Rice witzig, sehr cool und ebenfalls mit guter Stimme ausgestattet. Bester Track: Switchblade. Eine prima Einleitung in den Abend!



Setlist Bright Eyes, Théatre de L'Alhambra, Paris:


01: At The Bottom
02: Four Winds
03: Jejeune Stars
04: Take It Easy
05: Shell Games
06: Approximate Sunlight
07: Falling Out Of Love
08: Cartoon Blues
09: No One Would Riot For Less
10: Bowl Of Oranges
11: Something Vague
12: Lover
13: Hot Knives
14: Poison Oak
15: Old Soul Song
16: Calendar Hung Itself
17: Another Travelling Song
18: Ladder Song

19: Gold Mine Gutted
20: Road To Joy
21: One For You, One For Me

Aus unserem Archiv*:

Bright Eyes, Köln, 21.06.11
Bright Eyes, Wiesbaden, 20.06.07
Bright Eyes, Paris, 30.03.07
Conor Oberst And The Mystic Valley Band, Paris, 13.09.08
Conor Oberst And The Mystic Valley Band, Köln, 11.09.08


* insgesamt habe ich Bright Eyes letztlich vier Mal live gesehen. Vor Existenz des Konzerttagebuchs noch beim Festival in Belfort und in der Pariser Maroquinerie am 8. März 2005 (mit Rilo Kiley, einer Band, in der Jenny Lewis ebenfalls schon aktiv war).





Mittwoch, 22. Juni 2011

Bright Eyes, Köln, 21.06.11

3 Kommentare

Konzert: Bright Eyes

Ort: E-Werk, Köln
Datum: 21.06.11
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: fast 2 Stunden


von Dirk von Platten vor Gericht

Der erdrutschartige Preisverfall der Tickets des ausverkauften Konzerts von Bright Eyes im Kölner E-Werk ermöglichte es dem Konzerttagebuch gleich 3 Reporter zur Berichterstattung zu nur einem von zwei Deutschland-Konzerten zu entsenden – für 7 Euro satt deren ursprünglichen 75,-. Gleich 3 Reporter waren auch notwendig, um Christoph, der zeitgleich bei Cage The Elephant weilte, standesgemäß zu vertreten: Florian sollte sich um die Blitze kümmern (und tat dies sowohl im Konzertsaal, als auch auf der Autobahn), Volker war für die Setliste verantwortlich (und gestand bereits nach 2 Titeln, dass nun alle Songs vom neuen Album, die er namentlich kennt, gespielt seien) und an mir blieb die Aufgabe des Berichts hängen.

Neben Conor Oberst betraten 5 (zwischenzeitlich 6) weitere Musiker gegen 21 Uhr die Bühne, auf der links und rechts ca. 2,50 m große Objekte zu sehen waren, von denen man nicht sicher sagen konnte, ob es sich um gigantische Muscheln aus Stoff, futuristische Bushaltestellen oder Teile eines übergroßen BHs handelte. Schön anzusehen - wie übrigens auch die restliche, sehr opulente Light-Show - waren diese, in unterschiedlichen Farbtönen changierenden Objekte auf jeden Fall. Im Hintergrund thronte eine große LED-Wand, die Oberst durchaus den Veranstaltern des nächsten Eurovision Song Contests in Aserbaidschan zur Verfügung stellen könnte.

Zu Bright Eyes zählten an diesem Abend neben Conor Oberst (Gesang, Gitarre, Keyboards), Mike Moogis (Pedal Steel Guitar, Gitarre) und Nate Walcott (Orgel, Trompete, Posaune) noch ein Bassist, eine Keyboarderin und ein, teilweise sogar zwei Schlagzeuger. Diese beiden sorgten bereits beim ersten Titel „Firewall“ für einen äußerst druckvollen Start. Die sich anschließenden „Haile Selassie“ und „Take It Easy“ wurden äußerst rockig und laut dargeboten, wovon nicht nur viele Konzertbesucher nachher einhellig sprachen, sondern auch noch die Ohren am nächsten Tag rauschender Weise bekundeten. Bei „Jejune Stars“, das regelrecht heavy dargeboten wurde, meine ich sogar bei einem meiner Begleiter den „Teufelsgruß“ richtig Bühne erspäht zu haben – vielleicht war es aber auch nur die hoch gehaltene Kamera.

Anschließend erklang „Four Winds“ regelrecht Country entschlackt, dafür verpassten uns Bright Eyes mit dem anschließenden „Cleanse Song“ eine regelrechte Tennessee-Ohrfeige. Aber Cowboyhut drüber, denn es sollte der einzige Ausritt in diese Gefilde bilden. Danach folgte mit „Something Vague“, das die junge Dame zu Oberst Rechten mit dem Akkordeon begleitete, der erste Song aus der Frühgeschichte der Band (aus „Fevers & Mirrors“). Mit „Falling Out Of Love At This Volume“ und „Cartoon Blues“ streuten Bright Eyes auch zwei unbekanntere Titel in die erste Hälfte des Abends, ein, die ansonsten von Songs des aktuellen Album „The People’s Key“ dominiert wurde.

Im zweiten Teil des Sets, bei dem mindestens ein halbes Dutzend Songs an einem Stück mit fließenden Übergängen dargeboten wurde, so dass die Besucher weder Zeit hatten Luft zu holen, noch ihre Begeisterung kund zu tun, waren einige ältere Perlen versteckt. Darunter „Padraic My Prince“ von „Letting Off The Happiness“ (1998) oder „The Calendar Hung Itself“ bei dem erneut der zweite Schlagzeuger dafür sorgte, dass man sich verwundert nach den restlichen Mitgliedern der Cold Steel Drummers umsah.

Conor Oberst, der an diesem Abend weder den weinerlichen, äußerst emotionalen Jammerlappen noch den gereiften, Folk-affinen Singer/Songwriter gab (wie ich ihn 2000 bzw. 2007 erlebte), sondern den wortkargen Rocker gab, bestritt den letzten Song des Abends („Ladder Song“) allein am E-Piano.

Nach einigen Minuten kamen die übrigen Musiker, die bis zum Beginn der Zugaben deutlich im Schatten von Oberst standen, zurück auf die Bühne und eröffneten den finalen Teil der Show mit einem langatmigen, instrumentalen Intro zu „Gold Mine Gutted“. Die Wiederkehr auf die Bühne hatte vermutlich so lange gedauert, da sich die Musiker wohl erst auf die Zugaben einigen mussten, denn die Setliste zeigte später, dass dort nur Fragezeichen standen. Es folgten noch „Lover I Don’t Have To Love“ und das obligatorische „Road To Joy“ mit seinem Freude schöner Götterfunken - Zitat und der herrlichen Textzeile „Well I could have been a famous singer, If I had someone else's voice, but failure's always sounded better, lets fuck it up boys, make some noise! “. Diesen Wunsch erfüllte ihm das Kölner Publikum nach einem tollen Konzertabend.

Aber vielleicht hatte Conor Oberst auf noch mehr Begeisterung gesetzt, denn das auf der Setliste befindliche „One For You, One For Me“ wurde nicht mehr angestimmt.


Setlist Bright Eyes, E-Werk, Köln:

1. Firewall
2. Haile Selassie
3. Take It Easy (Love Nothing)
4. Jejune Stars
5. Four Winds
6. Cleanse Song
7. Something Vague
8. Shell Games
9. Approximate Sunlight
10. Falling Out Of Love At This Volume
11. Cartoon Blues
12. Beginner’s Mind
13. Landlocked Blues
14. Hot Knives
15. Attempt To Tip The Scales
16. Padraic My Prince
17. Poison Oak
18. The Calendar Hung Itself
19. Ladder Song

20. Gold Mine Gutted (Z)
21. Lover I Dopn’t Have To Love (Z)
22. Road To Joy (Z)

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Mittwoch, 20. Juni 2007

Bright Eyes, Wiesbaden, 19.06.07

21 Kommentare
Konzert: Bright Eyes
Ort: Schlachthof Wiesbaden

Datum: 19.06.2007

Zuschauer: nicht ausverkauft


Ich muß mich erst einmal outen: Ich bin kein großer Bright Eyes Fan, dafür habe ich mich bisher viel zu wenig mit Conor Obersts Musik beschäftigt. Große Neugierde und die Angst, etwas zu verpassen (wie schon das Kölner Konzert des Amerikaners) siegten aber über meine enorme Müdigkeit und ließen mich nach Wiesbaden fahren. Im Internet des Schlachthofs (so heißt der Veranstaltungsort, ich kaufe Fleisch nicht direkt beim Erzeuger) stand, daß das Konzert pünktlich um neun beginne und es keine Vorgruppe gebe.

Um neun war ich dann auch vor dem Schlachthof, der sich langsam füllte. Das Gebäude hat zwei Konzertsäle: Einen kleinen, in dem ich vor ein paar Jahren einmal Klee gesehen habe, und einen großen, langen, schlauchförmigen Raum, der vor allem luftig ist, was im Sommer ja nicht so verkehrt ist. Der große Saal sollte aber Dienstag bei weitem nicht voll sein, man hatte überall bequem Platz. Durch mehrere Tageslichter war es im Raum noch taghell, auch, als dann gegen halb zehn die zu Conor gehörenden Musiker auf die Bühne kamen. Das Publikum hatte während der Zeit vorher bei jedem auftauchenden Roadie, der noch mal eine der Gitarren stimmen wollte, geklatscht. Eine schrecklich nervende Sache, finde ich. Als ob durch diese unglaublich subtile und pfiffige Idee Künstler früher auftreten würden. Das gehört verboten, so wie rhythmisches Klatschen und ähnlich unerträgliche Unsitten.

Was da um halb neun auftrat, schien mir halb Omaha zu sein. Conor Oberst hatte eine Streichergruppe (zwei Celli und eine Violine), Bass, zweite Gitarre, Schlagzeug, Keyboard, Flöte, Percussion und Schlagzeug mitgebracht, elf Musiker standen also auf der Bühne, wenn ich mich nicht verzähle. Ich hatte zwar bei Oliver schon gelesen, daß auch in Paris Streicher dabei waren, hatte aber kein Rundfunkorchester erwartet. A propos Erwartungen: Ich wußte nicht recht, was da auf mich zukommen würde. Die beiden Pole erschienen vorher Malcolm Middleton auf der einen und Sufjan Stevens auf der anderen Seite zu sein, also die ruhige Singer/Songwriter-Nummer oder eben die vielen Instrumente und der entsprechend dickere Sound. Es war der Sufjan-Pol - und der noch ausgeprägter.

Das Eröffnungsstück kannte ich gleich: "Clairaudients" von der aktuellen CD. Überhaupt bestand das Set des Abends hauptsächlich aus Liedern von "Cassadaga". Von den zahlreichen Vorgängeralben spielte die Band vor den Zugaben nur einige wenige Lieder ("I won't ever be happy again", "The calendar hung itself" oder "I believe in symmetry"). Was die meisten vorgetragenen Lieder gemeinsam hatten, war das bombastische Arrangement. Während des Großteils des Konzerts kamen alle anwesenden Musiker zum Einsatz, nur bei den "zurückgenommeneren" Stücken spielte Conor nur mit spärlicher Begleitung. Wie wenig der ganze Auftritt mit einem spartanischen Singer/Songwriter zu tun hatte, zeigt sich alleine schon im durchgestylten Outfit der Band. Alle Musiker trugen weiße Sachen, Conor Oberst weiße Hose und weißes Hemd (Christina: Das ist eine Welle!). Nur der Gitarrist hatte einen weißen Kaputzenpulli mit schwarzen Punkten an.

Durch den bombastischen Klang wirkte die Musik überwältigend. Zumindest auf mich als Wenigkenner. Ob Hardcore Bright Eyes Fans, dem viel abgewinnen konnten, kann ich nicht beurteilen, ich war allerdings oft beeindruckt, manchmal sogar ansatzweise ergriffen. So richtig einschätzbar war das Publikum für mich nicht. Natürlich gab es nach den Liedern Applaus, der war aber sicher nie ausufernd. Oft sah man Leute hin und herwippend. Also keine Ahnung, wie es der Allgemeinheit gefallen haben mag.

Nach einer guten Stunde, dreizehn Liedern (auf der offiziellen Setliste standen zehn, ich bin aber sicher, daß vor "Lime Tree" noch ein, mir nicht bekanntes Lied gespielt wurde) und spärlichen Ansagen (u.a. der Erwähnung einer Reise nach Kuba, aber "nicht in den Guantanamo-Teil, denn dann wäre er ja nicht zurückgekommen, sondern in den Teil, in dem man Zigarren rauchen und an Cognac nippen kann") endete das Konzert. Nach sehr kurzer Pause kam eine kleine Besetzung wieder, um die drei Lieder der Zugabe zu spielen, u.a. das grandiose "First day of my life". Die Zugaben dauerten sicher 25 Minuten und waren ein hörenswerter Abschluß.

Ich bereue es überhaupt nicht, meine Müdigkeit ignoriert zu haben, um das Konzert zu sehen. Es war ein hochinteressantes Erlebnis. Aber es wunderte mich auch nicht, wenn es einige schrecklich fanden.

Setlist Bright Eyes Wiesbaden:

01: Clairaudients - Kill or be killed
02: Hot knives
03: Four winds
04: I won't ever be happy again
05: Middleman
06: Cleanse Song
07: If the brakeman turns my way
08: No one would riot for less
09: Make a plan to love me
10: The calendar hung itself
11: ???
12: Lime Tree
13: I believe in symmetry

14: First day of my life (Z)
15: Stray dog freedom (Z)
16: At the bottom of everything (Z)



Samstag, 31. März 2007

Bright Eyes & Malcolm Middleton, Paris, 30.03.07

1 Kommentare
Konzert: Bright Eyes & Malcolm Middleton
Datum: 30.03.2007
Ort: Café de la danse, Paris
Zuschauer: ausverkauft

Ein erlesenes Programm stand heute an, auf das ich mich schon seit langem gefreut hatte. Nach zwei Jahren Pause gab es nämlich endlich ein Wiedersehen mit Conor Oberst aka Bright Eyes. Damals hatte er mich mit dem unglaublichen Doppelschlag, den beiden gleichzeitig veröffentlichten Alben "Digital ash in a digital urn" und vor allem "I'm wide awake it's morning" völlig in seinen Bann gezogen. Schmachtliedern wie "First day of my life" oder "Lua" war ich schlichtweg verfallen. Köstlich diese unwiderstehliche Mischung aus Indierock, Country und Folk! Seitdem sich der junge Amerikaner aber zurückgezogen hat, um an seinem neuen Album zu arbeiten, hatte ich die beiden tollen Werke jedoch erst einmal zur Seite gelegt, um mich nicht zu satt an ihnen zu hören. Heute war ich besonders darauf gespannt, wie die alten Stücke jetzt auf mich wirken und natürlich, was die neuen so können...

Vorher hatte aber der fabelhafte Ex-Arab Strap Mann Malcolm Middleton seinen (zu) kurzen Auftritt. Auch hier handelte es sich um ein Wiedersehen, allerdings um ein unverhofft schnelles. Am 28.11.2006 hatte ich den Rotschopf zusammen mit seinem Partner Aidan nämlich das letzte Mal gesehen, als Arab Strap ihr viel beweintes Abschiedskonzert gaben. Kaum waren die Tränen getrocknet, zog es den Schotten also wieder auf die Bühne. Und ganz allein war er auch heute nicht, er hatte zur Unterstützung eine mehrköpfige Band mitgebracht, darunter eine blonde Streicherin, die auch bei einigen Stücken mitsang. Als ich - eigentlich pünktlich um 20 Uhr - das Café de la danse betrat, ertönte bereits "Break my heart", der Hit vom guten Vorgängeralbum "Into the woods". Der Rest stammte zum Großteil vom aktuellen Longplayer "A brighter beat", einem sehr vielversprechenden Werk, das in der Fachpresse häufig als poppiger und optimistischer als von dem Schotten gewohnt, beschrieben wird. Hmm, na ja, der Opener der neuen CD heißt "We're all gonna die", wenn der Titel Programm sein sollte, dann muß man den Optimismus wohl etwas zwischen den Zeilen suchen...

Leider bekam ich nur circa vier Lieder mit, die aber alle überzeugend klangen. Im Mai muß ich mir Malcolm noch einmal ganz alleine in Paris angucken, das dürfte sich auf jeden Fall lohnen!

In der Pause schaute ich mich ein wenig um und stellte fest, daß das Café de la Danse irgendetwas von einem Schultheater hat. Cécile verglich es eher mit einem Amphitheater, nur nicht rund angeordnet. Amüsanterweise gab Conor später Cécile Recht: "Der Raum erinnert mich irgendwie an einen Vorlesungssaal an der Uni, damals als ich noch an der University of Nebraska Biologie studiert habe." (Man muß wissen, daß die Franzosen die Vorlesungssäle Amphitheater nennen). Dafür erntete der Mann aus Omaha auch prompt das Gelächter "seiner Studenten".

Zuvor hatte der Amerikaner sein Set mit "Four winds" der ersten Single vom neuen Album "Cassadaga" begonnen. Der Song scheint mir ein guter Vorgeschmack auf den bald erscheinenden Longplayer zu sein, denn hier dominieren wieder einmal folkig-rockige Klänge, wie im übrigen bei den meisten der neuen Liedern, die gespielt wurden. Logischerweise kannte ich die leider noch nicht, aber ich bin mir sicher, daß mir auch das neue Album gefallen wird. Toll waren natürlich wieder die Kracher vom Album "I'm wide awake, it's morning", vor allem "Old soul song" und natürlich "First day of my life", das heute stärker instrumentiert vorgetragen wurde. Conor hatte eine fünfköpfige Band mitgebracht, darunter einen Streicher, einen Trompeter und eine junge Dame am Schlagzeug, die die witzige Eigenart hatte, die Schlagstöcke weit oben zu fassen. Das änderte aber nichts an ihrer tollen Peformance, sie gab so richtig Gas!

Wie man überhaupt sagen muß, daß Bright Eyes live immer wesentlich rockiger rüberkommen als auf den Alben. Die Konzerte der Band sind eben keine "Liederabende" sondern folkige Indie-Rock Gigs. Auffällig war, daß die meisten Songs in ziemlich langen Versionen gespielt wurden. So zählte ich nur 10 Lieder bei einer Spielzeit von immerhin 80 Minuten. Besonders witzig war, daß ein Lied mit der Songzeile "Lady please don't call me a fool" gleich mehrfach neu angestimmt wurde. Mit "Soulsinger in a session band" wurde das offizielle Set beschlossen, bevor es noch eine, allerdings ebenfalls lange, Zugabe gab.


Bright Eyes möchte ich dieses Jahr noch mehrfach sehen, um zu erfahren, was die neuen Titel so mit mir anstellen, wenn ich sie erst einmal richtig kenne!

Setlist Bright Eyes:

01: Four winds
02: We are nowhere and it's now
03: Old soul song
04: Black comedy
05: Middleman
06: First day of my life
07: Cartoon blues
08: Cleanse song
09: Yellow Datsun
10: Make war
11: Soul singer

12: June on the west coast (Z)

von Oliver


 

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