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Samstag, 5. Juni 2010

June Madrona & Christina Antipa u.v.a., Paris, 04.06.10

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Konzert: June Madrona & Christina Antipa & Kacey Johansing & Honeycomb & Gaspar Klaus & Ladybug & Eilinora

Ort: eine Wohnung irgendwo in Paris, "Le Bain Show"
Datum: 04.06.2010
Zuschauer: um die 50


Keine Oliver Peel Session, aber erneut ein Konzert in einer Privatwohnung, ganz in der Nähe eines ungemein kultigen Clubs: die Location Les Bains Douches ist vor allem dadurch bekannt geworden, daß hier Joy Division ihr erstes und einziges Konzert in Paris gespielt haben. Am 18 Dezember 1979 war das und es soll äußerst denkwürdig gewesen sein. Leider hatte ich damals keine Zeit zu kommen, ich musste die Grundschulbank drücken. Über 30 Jahre später spielt in dieser Ecke von Paris erneut die Musik und diesmal bin ich mit dabei. Es gilt Abschied von June Madrona & Christian Antipa zu nehmen, die uns in Paris sehr ans Herz gewachsen sind. Nach einer mehrwöchigen Tour, die sie neben Frankreich auch durch Deutschland (June Madrona) und Spanien (June Madrona & Christina Antipa) geführt hat, geht es für die Amerikaner übermorgen zurück in die Vereinigten Staaten. Einmal noch haben sie uns mit ihren melancholischen und intimen Folksongs verzaubert und mit einem Auge lachen und mit dem anderen weinen lassen. Hach herrlich, diesen talentierten Menschen zuzusehen- und zu hören! Obendrein sind sie noch sehr natürlich und liebenswürdig. Molly werde ich besonders vermissen. Die Cellistin von June Madrona ist so knuffig, daß ich sie am liebsten den ganzen Abend geherzt hätte. Aber sie musste ja spielen, mit ihrer dreiköpfigen Band und auch solo. Vor dem Set mit der Band trug sie ganz alleine zwei dramatisch inszenierte Lieder vor und sang schön wie eine Nachtigall. Und dann gab es natürlich noch den Auftritt von Christina Antipa, der ich in meiner Euphorie schon einmal zu erkennen gegeben hatte, daß ich ihr neues Album lieber möge als das ähnlich gelagerte You Are Free von Cat Power, was sie als das schönste Kompliment bezeichnete, daß sie je bekommen hatte. Nun ja, schleimen kann ich halt, so bin ich schon durchs Abi und mein Staatsexamen gekommen. Haha, ich Witzbold! Aber ich meine das bei Christina Antipa auch so, ich bin wirklich vollkommen begeistert von dieser sehnsuchtsvoll- traurigen Stimme und den kleinen feinen Folksongs, die sie immer ganz lässig aus dem Ärmel schüttelt. Eine meiner Sängerinnen des Jahres, jetzt schon! Aber es gab nicht nur die etwas ausgedehnteren Auftritte von Christian Antipa und June Madrona (jeweils etwa 5 Titel) sondern auch Minisets von solch tollen Musikern wie Flowers From The Man Who Shot Your Cousin, Ladybug und Eilinora, die alle 2 Lieder performen durften. Etwa 40 bis 50 Leute tummelten sich auf dem Fußboden, um bei Salaten, Quiches, Bier und Wein die Konzerte zu genießen. Der Abend wurde richtig lang und ausgedehnt und nach kurzen Pausen, die man wegen der Hitze draußen vor der Wohnungstüre verbrachte, ging es noch munter weiter. Vincent Moon (La Blogotheque) höchstpersönlich kam plötzlich reingeschneit, denn er wollte die Auftritte von Kacey Johansing (zusammen mit Honeycomb) und Gaspar Claus nicht verpassen. Mit der Kalifornierin mit der souligen Stimme möchte er demnächst gerne filmen, mit dem Cellisten Gaspar Claus hat er dies bereits getan. Gaspard spielte ein einziges instrumentales Lied, daß es aber in sich hatte. Die Wirkung seiner Fiedelkünste waren fast als hypnotisch zu beschreiben! Gegen halb zwei zogen wir Leine und waren ziemlich traurig, von June Madrona und Christina Antipa Abschied nehmen zu müssen. Wir haben ihnen aber angedroht, ihre Einladung anzunehmen und tatsächlich nach Olympia, Washington und Sacramento, Kalifornien zu kommen, um bei ihnen zu pennen. Die werden sich noch wundern, wir scherzen nicht mit so etwas!

In Kürze Fotos und Videos von Uschi!

Fiume Night 04 _ Gaspar Claus _ Tokyo, february 2009 from vincent moon / temporary areas on Vimeo.



Donnerstag, 13. Mai 2010

Christina Antipa & June Madrona, Paris, 11.05.10

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Konzert: Christina Antipa & June Madrona
Ort: Le Pop In, Paris
Datum: 11.05.10
Zuschauer: viele, etwa 100 in der Spitze
Konzertdauer: Christina Antipa etwa 45 Minuten, June Madrona ungefähr 1 Stunde


Was für ein Line-Up! Zwei hervorragende Künstler aus dem Hause Waterhouse Records gratis im Pop In, was will man mehr? Vor allem, wenn es sich um Musiker handelt, die bei uns auch jeweils schon eine tolle Oliver Peel Session absolviert haben.



June Madrona sind großartig, sehr kommunikativ und stimmungsvoll, Star des Abends war für mich aber ganz klar die junge Kalifornierin Christina Antipa! Mit ihren äußerst warmherzigen, authentischen und berührenden Folksongs schoss sie mir Pfeile durchs Herz. Und diese Stimme! So sanft, so zärtlich, so bewegend. Dem Goldkehlchen von Laura Marlings sehr ähnlich, aber irgendwie noch schöner. Ich war hingerissen von Christina, hätte ihr die ganze Nacht zuhören können. Ihr Gesang spendet soviel Trost, sendet soviel Liebe aus, ist so wundervoll. Was für ein Talent! Und sie ändert abend für abend die Setlist, performt ständig andere Songs. Vergangene Woche hatte ich sie im International gesehen, war dann am Samstag in der glücklichen Lage, sie in unserem Wohnzimmer willkommen zu heißen und heute zum dritten Mal dabei und werde deshalb von mal zu mal mit der Sängerin vertrauter. Sie ist etwas ganz Besonderes, soviel muss klar sein. Innerhalb einer Woche hat sie sich in die Liste meiner 10 Lieblingssängerinnen gespielt. Dabei kenne ich ihre Musik eigentlich schon seit einem Jahr, nachdem ich mir beim Festival in La Villette im Mai 2009 am Stand von Waterhouse Records zwei ihrer CDs zugelegt hatte. Mit ihrem neuen Werk The Royal We macht sie aber einen ganz gewaltigen Satz nach vorne. Ihre Stimme ist präziser und nuancenreicher, das Gitarrespiel professioneller, die Produktion besser und die Songs packender und markanter. Der Seelentröster Beautiful Places allein rechtfertigt schon den Kauf des Machwerkes mit den Händen auf dem hübschen Cover. Diesen Hit hat sie glücklicherweise heute gemeinsam mit dem Bassisten Erwan Broussine auch gespielt, aber ansonsten gab es mit Here's Your Ghost nur noch einen einzigen Song des neuen Silberlings. Die Kalifornierin ist ihrer Zeit schon wieder voraus und spielte ansonsten auschließlich neues, atemberaubend schönes Material (One Little Bird, etc.).

Ihr seht an meiner Schwärmerei bereits, daß ich der Frau verfallen bin. Dazu stehe ich! Ihr Songmaterial gefällt mir bereits jetzt besser als die Lieder von Cat Power in ihrer besten Phase, die sie meines Erachtens mit dem Album You Are Free erreicht hat. Wenn es irgendeine Gerechtigkeit auf der Welt gäbe, dann würde sich The Royal We von Christina Antipa auch besser verkaufen als I Speak Because I Can von Laura Marling. Und Stammleser von uns wissen, wie sehr ich auf Laura Marling stehe!

Fortsetzung folgt ...

Setlist June Madrona, le Pop In, Paris:

01: Our Friends
02: Boundaries
03: Roll On Columbia
04: An Early Spring
05: The Western Flight
06: Tinnitus
07: Tent Caterpillars
08: Lion Talk
09: Sea Of Cortez
10: Come Over
11: Bobby Scarecrow
12: David's Appartment
13: Santa Fe
14: Cascadian Summer
15: Wolf Dream

Links:

- Kurzer, aber sehr feiner Hinweis auf dem Klienicum zum neuen Album von Christina Antipa, klick!
- Hier geht es zum gutgemachten Blog von Christina Antipa
- Oliver Peel Session mit Christina Antipa, inzwischen mit neuen Videos von Uschi angereichert. Klick!



Samstag, 1. Mai 2010

June Madrona, Paris, 30.04.10

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Konzert: June Madrona

Ort: Le Vieux Léon, Paris
Datum: 30.04.2010

Zuschauer: 40-50 oder so

Konzertdauer: 45-50 Minuten oder so




Hurra, June Madrona sind zurück in Paris! Der sympathische Dreier (1 Mädchen, 2 Jungen) aus Olympia, Washington, war seit der Oliver Peel Session vom 03.04.2010 ohne Unterlass auf Achse. Vor allem in Deutschland sind sie ausgiebig durch Clubs, Bars und Cafés getingelt und haben unter anderem im Münchner Kafé Kult Station gemacht. Besonders cool war allerdings, daß sie kürzlich bei Karo eine Home Show absolviert haben. Ihr erinnert euch, die tolle Sängerin aus Würzburg war letztes Jahr Stargast bei einer wunderbaren Oliver Peel Session. Die Indie-Welt ist halt eben klein, da sieht man es wieder! Aber daß ist auch gut so, das durchbricht die Anonymität und so enstehen Bekanntschaften und vielleicht sogar langfristig richtige Freundschaften. Ross, der Sänger von June Madrona, hat nun bereits zum zweiten Male angeboten, meine Frau ud mich bei ihm zu beherbergen, falls wir einmal in Olympia, Washington sein sollten. Er muss aufpassen, was er da sagt, ich bin tatsächlich in der Lage bei ihm an der amerikanischen Westküste aufzukreuzen! Noch spannender wäre es aber, im Elternhaus von Molly, der süß schüchternen Cellistin, zu übernachten. Die Gute kommt nämlich aus Alaska und ihre Eltern wohnen immer noch dort. Warm eingepackt ist das sicherlich ein unglaubliches Naturerlebnis, also mich würd's reizen!

Nun sind wir aber erst einmal wie gehabt in der laut Franzosen schönsten Stadt der Welt. Bei jeder Gelegenheit lassen die Pariser so ganz nebenbei diese Floskel fallen. Man müsste mal den Penner fragen, den ich auf meiner Anreise zum Konzert im U -Bahn Schacht gleich neben der Mülltone gesehen habe. Würde er auch sagen: Paris ist die schönste Stadt der Welt? Ich hege leise Zweifel. Die französische Metropole ist höllisch teuer und das schafft soziale Ungleichheiten. Gut, daß die Drinks in der Kneipe Le Vieux Léon, dem heutigen Austragungsort für Pariser Verhältnisse erschwinglich sind, so daß hier viele junge, studentische Leute vorbeischauen. Die meisten kommen nicht unbedingt für Konzerte, sondern zum trinken, plaudern oder essen. Womit wir sofort bei einem Hauptproblem des heutigen Abends wären: Die Geräuschkulisse war eindeutig zu hoch! In (fast) jeder Ecke wurde ohne Unterlaß geschnattert und dies obwohl June Madrona schon längst angefangen hatten. Sänger Roos hatte trotz seiner enorm festen Stimme Probleme, sich verständlich zu machen. Aber er, Polly und Banjospieler Sean sind Profis und wild plapperndes Publikum gewöhnt. Sie ließen sich nichts anmerken und spielten ihr Set konzentriert durch.



Dieses ähnelte weitgehend dem der Oliver Peel Session, wurde an einigen wenigen Stellen etwas abgewandelt. Einer meiner Lieblingssongs, The Sea Of Cortez war auch heute wieder vertreten. Er handelt von dem See zwischen Kalifornien und Mexiko und wird auch "Gulf of California" genannt. Er gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. Ich stelle mir die Landschaft dort unbeschreiblich schön vor und die Musik von June Madrona passt auch glänzend zur Natur, denn alles bei ihnen klingt unglaublich organisch, geerdert und warm. Selten hat man es mit solch authentischen Musikern zu tun, die Texte sind oft autobiografisch und ersetzen (O-Ton Ross) wohl auch die ein oder andere Sitzung beim Psychiater. Schön, daß sie sich uns mitteilen, zumindest denjenigen, die zugehört haben und das waren leider nicht alle im Raume. Bei dem schmissigen Stück Santa Fe sangen die drei Amis aber mit solcher Inbrunst, daß selbst die nervigsten Plappermäuler für eine Weile innehielten und die Augen auf die improvisierte Bühne richteten.

Auch wenn die Bedingungen heute nicht ideal waren: Konzerte von und mit June Madrona sind immer dufte!

Setlist June Madrona, Le Vieux Léon, Paris:

01: Our Friends
02: Boundaries
03: Early Spring
04: Sea Of Cortez
05: Lion Talk
06: Santa Fe
07: The Western Flight
08: Tinnitus
09: Come Over
10: Tent Caterpillar
11: Perseus



Montag, 5. April 2010

June Madrona & Mia Doi Todd, Paris, 03.04.10

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Konzert: June Madrona & Mia Doi Todd

Ort: ein Wohnzimmer irgendwo in Paris, Oliver Peel Session # 21
Datum: 03.04.2010 Zuschauer: um die vierzig
Konzertdauer: June Madrona 65 Minuten, Mia Doi Todd 45-50 Minuten



Erstklassige Künstler, aufmerksame und begeisterungsfähige Zuschauer, ein schmackhaftes Buffet aus Quiches und Sandwiches und ein Kater, der auch wieder seinen Senf (bzw. sein "Miau!") dazugeben mußte. Die Oliver Peel Session # 21 lief erneut wie am Schnürchen. Hinter dem Vergnügen steckte aber auch eine ganze Menge Arbeit, Aufregung, Organisation und Kommunikation. Ohne die tatkräftige Hilfe meiner Frau, die Unterstützung von Erwan und Morgan von Waterhouse Records, die June Madrona für mich an Land gezogen hatten und Simone White, die auf meinen Wunsch hin eine Empfehlungsmail an ihre Freundin Mia Doi Todd geschickt hatte, wäre diese Session nicht möglich gewesen.

Mein Dank geht an alle, die dabei waren und mitgeholfen haben, daß das Ganze ein rauschendes Fest wurde. Merci, thank you, danke schön!

Wer es ausführlicher wünscht:

Die Oliver Peel Session mit June Madrona war ausnahmsweise langfristig geplant. Erfreulicherweise harmoniere ich mit Erwan Broussine, seines Zeichens Chef des glänzenden Labels Waterhouse Records, sehr gut. Wir haben einen ähnlichen, sprich augezeichneten, Musikgeschmack und vertrauen uns gegenseitig. Er war es, der mir June Madrona zugeschustert hatte. Nie würde er mir einen miesen Künstler für eine Session empfehlen, weil er einfach nur mit guten Musikern zusammenarbeitet. Das Risiko eines Flops ist dementsprechend gering. Der Künstlerkatalog von Waterhouse ist mit etlichen Delikatessen bestückt. Mein Freund von Rockerparis würde zwar fragen: "Sind die Künstler bekannt?" (diese überaus nervige Frage stellt er immer, wahrscheinlich um mich zu ärgern, oder weil für ihn bekannt gleichbedeutend mit gut ist, was natürlich überhaupt nicht zutrift), aber ich könnte ihm souverän antworten: "Bekannt nicht, aber extrem gut!" Genau wie Pollyanna, die wir auch schon im Wohnzimer hatten, oder Christina Antipa, die am 8. Mai kommen wird. Kernband von Waterhouse Records sind aber ohne Zweifel June Madrona. Sie haben die meisten CDs herausgebracht, sind am aktivsten und waren schon auf der ganzen Welt unterwegs. Cool, daß sie am heutigen 3. April bei uns zu Gast waren!

Als ich gegen 16 Uhr die Haustüre aufstieß, saßen sie schon auf unserem Sofa und tranken ein Tässchen Tee. Meine Frau hatte die Sympathen hereingelassen, während ich noch letzte Einkäufe getätigt hatte. Bepackt mit Bierpacks und Softdrinks mußte ich erst einmal die Tasche abstellen, um sie zur Begrüßung zu umarmen. Bei Molly, der Cellistin und einzigen Frau der Rasselbande, machte ich das besonders gerne. Küßchen rechts, Küßchen links, ihr war das noch nicht so vertraut. Auch Ross der Sänger begrüßete mich mit Schmatzern auf die Wange (hat der Knabe etwa südfranzösische Wurzeln? Mein Schwiegervater vom Mittelmeer macht das nämlich auch immer so), während Sean, der Banjospieler es bei einem freundlichen Händedruck beließ. Hemmschwellen gab es keine und das Eis zwischen uns war schnell gebrochen. Wir verstanden uns auf Anhieb. Völlig unkomplizierte, herzliche und kommunikative Leute, die drei Musiker von June Madrona. So wünscht man sich das! Natürlich war wie immer unser Kater das erste Gesprächsthema und ich konnte stolz erzählen, daß es sich bei d'Artagan um eine Rasskatze, genauer um eine Ragdoll handelt. Da schmunzelten alle. "A Ragdoll?"- "Ja, das ist englisch und heißt so viel wie Lumpenpuppe." Die Rasse wurde erstmals in Kalifornien gezüchtet. Und Kalifornien liegt an der Westküste Amerikas, genau wie Olympia, Washington, wo June Madrona herkommen. Eine musikhistorisch wichtige Gegend, denn es handelt sich um die Wiege des Grunge, der hier und im nicht allzuweit entfernten Seattle seinen Ursprung nahm. Kurt Cobain soll die meisten Songs von Nevermind hier geschrieben haben. Zudem gilt die Gegend als Brutstätte der "Riot Grrrl" Frauen-Punk Bewegung mit den Aushängeschildern Bikini Kill und Sleater-Kinney Auch das famose kleine Label K Records ist hier beheimatet und zählt oder zählte solch großartigen Musiker wie Beck, The Gossip (damals hatten sie das "the" noch im Namen), Jeremy Jay, Kimya Dawson, Modest Mouse, Rose Melberg (auf dem Foto oben), The Softies oder Tender Forever zu seinen Artisten. Wikipedia rechnet auch die Sängerin Mirah zu den wichtigen Persönlichkeiten Olympias und ich denke June Madrona hätten auch hier ihren Eintrag längst verdient.

Diese wollten aber erst einmal eine Runde um den Eiffelturm drehen, schließlich gehört das zum Pflichtprogramm jedes guten Touristen. Weit zu latschten brauchten sie dafür nicht, denn das Eisenmonstrum ist nur etwa 10 Minuten von uns entfernt. Ich selbst ging nicht mit, denn ich mußte noch einmal in den Supermarkt, weil wir nicht genug Bier und Cola hatten.

Um 17 Uhr 30 waren Molly, Sean und Ross zurück und kurze Zeit später klingelte es an der Tür. Es war... Mia Doi Todd (auf dem Foto)!! Im Gegensatz zur Verpflichtung von June Madrona war das mit Mia eine ganz spontane Geschichte.Ich hatte sie drei Tage zuvor im Espace B gesehen und sie einfach gefragt, ob sie nicht Lust hätte, eine Wohnzimmer- Session bei uns zu spielen. Am Donnerstag hatte ich aber nichts mehr von ihr gehört, bevor ich mir dann am Freitag mittag ein Herz fasste und sie einfach auf ihrem Handy (sie hatte mir tatsächlich ihre Nummer gegeben!) anrief. Eine ablehnende Antwort erwartend, war ich völlig verdutzt, als sie mit freundlicher Stimme in die Muschel flüsterte: "Oh yes, I would like to come an play." Und da saß sie nun auf unserem Sofa und nahm sofort Kontakt zu ihren Landsleuten von June Madrona auf. Wahnsinn!

In der Folge tröpfelten auch die Gäste so langsam ein und gegen 18 Uhr 30 waren zwischen 35 bis 40 Personen in unserer guten Stube. Es konnte also gleich losgehen! Aufregung pur! Zumal auch einige neue Gesichter dabei waren, die zusammen mit ihren geladenen Freunden gekommen waren. Kurz vor Start waren plötzlich alle fast wie auf Kommando mucksmäuschenstill. Sie hatten wohl bemerkt, daß die Band ihre Plätze eingenommen hatte und ich zur kurzen Begrüßungsrede ansetzen wollte. Ein paar knappe Sätzchen von mir zu dem sympathischen amerikanischen Dreier und von nun an hatte Sänger Ross das Wort. Ein ungemein kommunikativer, energischer und weltoffener Bursche, der zu jedem einzelnen Lied eine Erklärung oder gar Anekdote parat hatte. "Half of June Madron's shows are about talking and tuning the guitars", äußerte er schmunzelnd. und traf damit den Nagel auf den Kopf. Schade bloß, daß ich nicht alles verstand, da Ross sehr viel und sehr schnell sprach. Das erste Lied Tent Caterpillar drehte sich um Schmetterlingsraupen, aber ich weiß nicht genau was es damit auf sich hatte. Mit The Western Flight kam dann gleich schon ein Highlight des Sets. Es ging thematisch darum, daß viele Freunde der Band das Städtchen Olympia verlassen, um andernorts ihr Glück zu versuchen. Bei einer Freundin von Ross, die nach L. A. gezogen war, ging das gar nicht gut: "I just heard that she died on the freeway, ... made me think of the night we almosted kissed" Trauerarbeit in einem wunderschönen melancholischen Lied und nicht zu Unrecht merkte Ross an, daß ihre Konzerte Therapiesitzungen ähneln würden, wobei wir (die Zuschauer) die Rolle des Phsychiaters einnähmen und er auf der Couch läge. Die Realität sah aber anders aus, Ross tobte über die improvisierte Bühne und unsere dicke Katze saß auf der Couch, genauer gesagt auf Sandra's Schoß!

Die drei Musiker vorne gaben ihr Allerbestes. Ross sang mit immenser Inbrunst, während Molly gefühlvoll den Geigenbogen durch ihr Cello zog und auch herrliche Backgroundgesänge beisteuerte. Sean schließlich ließ sein Banjo pluckern und spielte auch vereinzelt auf einer Ukulele. Genauer gesagt einer Bariton Ukulele aus Hawaii. Um Hawaii ging es aber bei keinem Song der Amis, sondern immer eher um Gegenden in ihrer Nähe. Nachdem sie den Ohrpiepssong Tinnitus ("what's that in french ? acouphène, ah ok") abgefeuert hatten und dabei in der Tat ohrenbetäubend laut wurden (meine Güte, hat dieser Ross eine feste und durchdringende Stimme!), performten sie das Stück The Sea Of Cortez, in dem es um den See zwischen Kalifornien und Mexico ging. "A beautiful place" wie die Kalifornierin Mia Doi Todd anmerkte. Auch bei Coeur d'Alene handelte es sich um einen Titel, der sich mit einer Landschaft auseinandersetzte. "Coeur d'Alene is a city in Idaho", wurden wir aufgeklärt und erfuhren auch daß es dort eine See gleichen Namens gibt. Bei einer Recherche im Internet erfuhr ich darüber hinaus, daß sich auch ein in Idaho ansäßiger Indianerstamm Coeur d'Alene nennt.

Gegen Ende des gut einstündigen Sets, das mit herzerwärmenden Lagerfeuersongs mit Cellobegleitung gespickt war, wurden auch die Zuschauer einbezogen. Nicht, daß sie vorher passiv waren, im Gegenteil, sie bekamen von der Band Komplimente dafür daß sie so lange klatschten, was in Amerika eher selten der Fall sei. Zu Sante Fe sollten wir aber nicht nur klatschen, sondern auch mitsingen und zwar den Refrain "Sante Fe, Santa Fe, all the way to Santa Fe." Irgendwann hörte man den Singalong aus dreißig Kehlen. Wow, was für eine Stimmung! Aber sie hatte noch nicht ihren Höhepunkt erreicht, denn zum abschließenden Wolf Dream wurden die Gäste von Sean in die Kunst des Glas-zum-Singen-Bringens eingewiesen. Ganz ausführlich erklärte er, wie man durch Reiben des Randes des gefüllten Glases dieses als Vibrationsinstrument benutzen kann. Das Publikum begriff schnell und die paar Auserwählten machten ihre Sache prima. Ross zog es irgendwann sogar mitten ins Publikum und er marschierte mit Klampfe unter dem Arm plötzlich Richtung Schlafzimmer sang aber aus der Entfernung munter weiter. Ein fulminanter Abschluß eines grandiosen Konzertes! Nun haben June Madrona endgültig einen Wikipedia Eintrag als wichtige Persönlichkeiten von Olympia verdient.

Nach soviel Feuereifer war nun die Zeit für ruhigere Töne gekommen. Die zarte Folksängerin Mia Doi Todd schnappte sich ihre Akustische und trat nach vorne. Ich sagte sie kurz an, obwohl ich der Meinung war, daß man die Dame eigentlich nicht mehr großartig vorzustellen braucht. Die kennt doch jeder, oder etwa nicht? Irrtum, Kenner des Werkes der Kalifornierin waren im Auditorium in der Minderheit und einige sprachen hinterher von einer tollen Entdeckung. Ich selbst war vor ein paar Jahren auf ihr düster-melancholisches Lied The Way (vom 2005 er Album Manzanita) gestoßen und hatte Blut geleckt. Dieses mysteriöse Element, diese Schwermut, das war ganz nach meinem Geschmack! Es sollte aber lange dauern, bis ich in den Genuß eines Liveerlebnisses kam. Erst im November 2008 durfte ich an den süßen Früchten ihrer schmackhaften Livelieder naschen. Das war in der Pariser Flèche d'or und fand vor maximal 30 Zuschauern statt. Heute waren wir definitiv mehr und vor allen Dingen waren die Zuhörer konzentrierter und leiser als damals.

Mia begann im Stehen und erklärte vorab: "This is a song for Oliver." Ich fühlte mich wie vom Blitz getroffen und rätselte vor Aufregung über eine Minute lang, was sie denn da überhaupt sang. Erst als ich mich halbwegs beruhigt hatte und aufmerksamer hinhörte, fiel es mir wie Schuppen von den Haaren: "Klar, das war Who Knows Where The Time Goes von Sandy Denny! Ich hatte der Todd im Vorfeld gesteckt, daß ich großer Fan der ehemaligen Sängerin von Fairport Convention sei und ihr Cover in der Fleche d'or damals sehr genossen hatte. Also spielte sie es erneut und tat mir damit einen großen Gefallen. Hach, wäre Sandy doch noch am Leben! (sie starb tragisch mit 31 nach einem Treppensturz) Aber zum Glück gibt es ja auch heute noch Ausnahmetalente wie eben Mia Doi Todd und die treten das Erben klassischer Folksängerinnen wie Joni Mitchell, Judee Sill, Vashti Bunjan und auch eben jener Sandy Denny würdevoll an.

Nachdem die letzte Note des Evergreens verklungen war, wollte Mia ihr Konzert im Sitzen fortführen. Aber auf dem Stühlchen saß schon unser dicker Kater und der dachte gar nicht daran, seinen Platz zu räumen. Die Sängerin versuchte vergeblich ihn vom Stuhl zu kippen, denn der Schlaumeier hielt sich mit seinen scharfen Krallen gut fest. Erst als Mia ihre Hände zu Hilfe nahm und ihn ein wenig unsanft herunterwarf, konnte sie sitzenderweise weitermachen. Alle schmunzelten. Wieder einmal hatte d'Artagnan seinen kurzen Auftritt und er schien mächtig stolz, aber auch ein wenig gekränkt, daß er verscheucht worden war. Doi Todd spielte nun Summer Lover und brachte das entsprechende Feeling mit Hilfe von ein paar kurzen, warmen Gitarrengriffen ins Haus. Filigran und mühelos ihr elegantes Spiel, bildschön der Gesang. Prädikat: Champions League in der Kategorie weibliche Folksängerin! Wer das nicht checkte, dem war nicht zu helfen. Aber ich hatte glücklicherweise doch so einige Leute angefixt, denn Mia verkaufte hinterher alle 9 Exemplare ihres 2008 er Werkes Gea und hätte locker noch 5 mehr absetzen können! Verdient hatte sie sich das durch ihr traumhaftes Konzert, das mit dem sonnigen Paraty (eine Stadt in Brasilien, gelegen an der Costa Verde und von Mia als Paradies auf Erden besungen ) und dem geheimnisvollen River Of Life ( auch yes song betitelt und sie sang auch: "yes, yes, yes, und für die Franzosen oui, oui,oui") weiterging. Danach kam mit Sleepless Nights einer meiner Lieblinsgslieder der Künstlerin. Wenn man will eine Art Hit, wobei die Amerikanerin nicht nach schnellen Charterfolgen schielt und stattdessen ihren Fokus auf ein ausgefeiltes Songwriting und ihe herrliche Stimme legt. Aber auch gegen kunstvoll inszenierte Videos hat sie nichts einzuwenden. Das Stück Open Your Heart wurde von Kultregisseur Michel Gondry (Clips für die White Stripes, Björk, Radiohead und so viele andere) eindrucksvoll mit laufenden Bildern hinterlegt und sorgt dafür, daß die Frau endlich mal etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt. Eigentlich hätte sie es nach 7 hervorragenden Alben ja eh längst verdient, daß sie in größeren Locations spielt. Sie ist nicht nur musikalisch herausragend, sondern obendrein noch blitzgescheit (Yale Absolventin) und sehr sprachbegabt. Spielend meisterte sie die schwierige Prüfung, den Piaf Klassiker La Vie En Rose in einem sehr ordentlichen Französisch vorzutragen und auch das sentimentale spanische Gracias a la vida (Violeta Parra) flutschte wie geschmiert. Mein Lieblingslied ihres etwa 50 minütigen Sets war aber Rising Tide. Hier kam ihre Stimme einfach am Besten zur Geltung und ich mochte auch ihr Guitarpicking und den Text ("can we fix it with our love can we rise above").

Was soll ich sagen? Ich schwebte am Ende Richtung siebter Himmel und wollte am liebsten nicht mehr von meiner Wolke runter. Mia Doi Todd hat in unserem Wohnzimmer gespielt, ich kann es immer noch nicht glauben! Was für ein unglaublicher 3. April!

Setlist June Madrona, Oliver Peel Session # 21, Paris:

01: Tent Caterpillars
02: The Western Flight
03: Tinnitus
04: The Sea Of Cortez
05: Our Friends
06: Coeur d'Alene
07: David's Apartment
08:
Cascadia Summer
09: Inside Your Body
10: Santa Fe
11: Wolf Dream


Setlist Mia Doi Todd, Oliver Peel Session # 21, Paris:

o1: Where Does The Time Go (Sandy Denny)
02: Summer Lover
03: Paraty
04: River Of Life
05: Sleepless Nights
06: La Vie En Rose (Edith Piaf)
07: Rising Tide
08: Open Your Heart
09: All My City
10: Gracias A La Vida (Violeta Parra)
11: La Havana
12: What If We Do?
13: In The End





Links:

- English review & Pictures by Rockerparis, klick!
- die gleichen Acts im Espace B, drei Tage zuvor, klick!
- jede Menge Fotos von dieser Session mit June Madrona und Mia Doi Todd, klick!
- Videos dieser Session bei Amazingbands, klick!
- Merci beaucoup à amazingbands pour les superbes vidéos!






Donnerstag, 1. April 2010

June Madrona & Mia Doi Todd, Paris, 31.03.10

3 Kommentare

Konzert: June Madrona & Mia Doi Todd

Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 31.03.2010
Zuschauer: 50-60
Konzertdauer: June Madrona etwa 40 Minuten, Mia Doi Todd etwa 1 Stunde


Himmlisch, phantastisch, großartig! Und zwar beide Acts! Bei June Madrona rissen zwar permanent die Gitarrensaiten, aber dennoch (oder gerade deshalb) kamen sie gut rüber. Authentisch, sympathisch und mit vielen guten Songs vom neuen Album Lions Of Cascadia im Gepäck. vorgetragen von einem Sänger (Ross), der wie der tolle Colin Meloy von den Decemberists klingt.

Mia Doi Todd spielte mich danach fast besinnungslos. Was für ein Talent diese Frau hat! Diese warme, melancholische, nuancenreiche Stimme, dieses hochelegante Gitarrenspiel, diese Ausstrahlung! Und hat sich auch noch den Mut La Vie En Rose von der legendären Eidth Piaf vorzutragen und besteht diese schwierige Prüfung mit fast perfektem Akzent

June Madrona (heute ein Trio mit dem Sänger Ross, dem Banjospieler Sean und der netten Cellistin Molly) aus Olympia, Washington (nicht dem Washington DC von Obama, wie Sänger Ross erklärte, sondern North West, was er viel besser fand als damals, als es hieß: Washington DC, Amtssitz von George W. Bush) sehe ich am Samstag wieder, denn stehen sie nämlich bei mir auf der Matte. Cool, was? Der Termin erscheint sogar auf ihrer Homepage: Oliver Peel Session!

Die große Frage ist aber: Kommt Mia Doi Todd auch??? Gefragt habe ich sie und sie ist auch noch in Paris. Festlegen wollte sie sich aber noch nicht. Für mich wäre es natürlich ein Traum, wenn sie bei uns auflaufen würde, aber wollen wir mal das Bärenfell nicht verteilen, bevor der Bär erlegt ist. Wobei Mia natürlich kein Bär ist. Obwohl? Ein Koala-Weibchen vielleicht. Die sind ja sehr süß!

Setlist June Madrona, Espace B, Paris:

01: Tinnitus
02: The Western Flight
03: Bobby Scarecrow
04: Coeur d'Alene
05: David's Appartment
06: Boundaries
07: Our Friends
08: Lion Talk
09: Game Over
10: Juanita
11: Perseus


Setlist Mia Doi Todd, Espace B, Paris:

01: Summer Lover
02: Paraty
03: All my city
04: Open Your Heart
05: Rising Tide
06: Gracias A La Vida
07: River Of Life
08: Sleepless Nights
09: My Room Is White
10: La Vie En Rose (Edith Piaf)
11: What If We Do?
12: Baby Bird
13: I Gave You My Home
14: La Havanna

Eilmeldung: Mia Doi Todd kommt zur Oliver Peel Session !!




 

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