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Samstag, 6. Mai 2017

Esben And The Witch, Köln, 22.04.17

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Konzert: Esben And The Witch
Ort: Underdog Recordstore & artheater, Köln
Datum: 22.04.2017
Dauer: 16 min & knapp 80 min
Zuschauer: ca. 200 bis 250 (artheater)



Als ich Esben And The Witch 2011 zum ersten Mal im Gebäude 9 in Köln sah, war ich nicht komplett überzeugt. Man hörte Sängerin Rachel zu wenig und es fehlte eine ganze Menge Düsternis in der Liveversion der Musik des wichtigsten Vertreters des Genres Nightmare Pop. Bei zwei Konzerten danach (u.a. wieder im Gebäude 9) war das anders, seitdem fresse ich der Band aus Brighton, die mittlerweile in Berlin lebt, aus der Hand. Daß ich eines ihrer Konzerte der kurzen Deutschland-Tour sehen musste, war klar. Nur welches nicht. Trotz des Parteitags der widerlichen AfD blieb eigentlich nur der Samstag, was den Vorteil hatte, auch gleich noch das kurze akustische Konzert der Briten vor dem Underdog Recordstore zu sehen. Der Auftritt auf der Ritterstraße fand im Rahmen des Record Store Days statt. Die drei Bandmitglieder saßen dazu auf Stühlen auf der Straße, von Plattenkäufern (und deren Kinder) umzingelt und spielten unverstärkt vier ihrer Stücke. Auch wenn es so leise war und Konzentration erforderte - und über Köln Hubschrauber schwebten, war Rachels Stimme enorm eindrucksvoll!

Leider dauerte das Underdog-Konzert nur eine gute Viertelstunde - das erste Lied am Abend war fast gleich lang. Aber es war wundervoll! Vor allem zeigte es die Bandbreite der Band. Drei der vier Lieder (Dig your fingers in, The fall of Glorieta Mountain und den Marching song) spielten sie am Abend noch einmal. Der Marching song war abends gleich, die beiden anderen komplett anders arrangiert, also vor allem verstärkt und wuchtig und wirkten dadurch wie komplett andere Stücke.

Schön war auch, daß die drei Musiker sich mit dem Gitarrendienst abwechselten. Neben der akustischen Gitarre kam nur noch ein kleiner Synthesizer zum Einsatz. Und Rachels Wahnsinns-Stimme!



Setlist Esben And The Witch, Underdog Recordstore, Köln:

01: Dig your fingers in
02: They use your smiles to bury you
03: The fall od Glorieta Mountain
04: Marching song


Am Abend mussten wir nach Ehrenfeld. EATW spielten im artheater, in dem zur Zeit eine ganze Menge spannender Konzerte stattfinden. Erst sah es nicht so aus, als lockte die Band viel mehr Zuschauer als zuletzt 2014 im Gebäude 9 (da waren gerade mal 140 gekommen). Doch irgendwo waren wohl noch ein paar Busse angekommen, als es um halb neun losging, war der Saal ziemlich voll.

Das erste Stück Sylvan ist so etwas wie die Wave-Version einer Rockoper. In uneklig. Das Lied dauerte gut elf Minuten und war atemberaubend gut! Danach spielten die Esbens Marking the heart of a serpant. Damit waren gut 20 Minuten des Konzerts schon vorbei - und die A-Seite der aktuellen Platte Older terrors abgehakt. Meinetwegen hätten die beiden Lieder auch jeweils 20 Minuten dauern dürfen, sie boten die perfekte Stimmung, um sich in ihnen fallenzulassen. Das ist natürlich eine widerliche Musikjournalisten-Floskel, beschreibt es aber leider ganz gut. Die Musik der Brightoner ist perfekt als Soundtrack für Fahrten über isländische Lava-Landschaften oder durch die Eifel. Bei Marking the heart of a serpant gibt es in der Mitte einen Wahnsinns-Bruch, die zweite Hälfte ist eigentlich ein eigenes Lied, Wave-Opera eben. Wobei diese zweite Hälfte schon fast nach Metal klingt, auch wenn ich da kein Experte bin, weil mein Leben komplett ohne stattgefunden hat.



Danach kam eines der Nachmittags-Lieder, Dig your fingers in. Rachels Gesang unterschied sich nicht viel von der gehauchten Version am Nachmittag. Aber die lauteren Instrumente und vor allem das Schlagzeug erzeugten einen ganz anderen Song. Danach kam ein zweites Lied vom vorletzten Album (No dog) und dann ein neues Lied (Dull gret heißt das wohl).

Das wunderschöne The fall of Glorieta Mountain stellte mitten im Set einen der Ruhepunkte dar, mit akustischer Gitarre und ganz wenig sonst. Danach folgte wieder so ein Monster vom neuen Album (The wolf's sun), es ist ganz erstaunlich, wie viel Abwechslung eine Band, die auf dem Papier irgendwann eintönig klingen müsste, mit ihren wenigen Mitteln erzeugen kann. Obwohl das Konzert 80 Minuten dauerte, kam es mir vor, als sei gerade eine Dreiviertelstunde vorbei, als das letzte Stück The jungle vorbei war. 


Zur Zugabe kam der Schlagzeuger nicht zurück. Rachel und ihr Gitarrist spielten den Marching song in einer der nachmittäglichen sehr ähnlichen Version. 

Oh, war das gut!


Setlist Esben And The Witch, artheater, Köln:

01: Sylvan
02: Marking the heart of a serpant
03: Dig your fingers in
04: No dog
05: Dull gret
06: The fall of Glorieta Mountain
07: The wolf's sun
08: The jungle

09: Marching song (Z) 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Esben & The Witch, Köln, 19.10.14
- Esben & The Witch, Esch-sur-Alzette, 08.05.13
- Esben & The Witch, Lörrach, 02.03.13
- Esben & The Witch, Paris, 21.02.11
- Esben & The Witch, Köln, 13.02.11



Donnerstag, 20. April 2017

Jens Lekman, Köln, 19.04.17

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Konzert: Jens Lekman
Ort: Artheater Köln
Datum: 19.04.2017
Dauer: Jens Lekman gut 80 min, Joe Scholes knapp 30 min
Zuschauer: 200 vielleicht



Anfang Februar saß ich in einem Zug, als mich ein Freund anrief und fragte, ob ich im April mit zu Jens Lekman nach Köln kommen wolle, dann kaufe er für mich ein Ticket mit. Natürlich wollte ich, der schwedische Sänger ist schließlich viel zu selten in Deutschland. Und er ist toll! Wir waren beide überzeugt, daß das Konzert schnell ausverkauft sein würde, daher schien Eile geboten. Daß mir das später Terminprobleme bereiten würde, wusste ich da noch nicht*, es war aber auch egal. Jens Lekman! 

Zuletzt hatte ich Jens Lekman (mit Band) 2013 beim wundervollen End Of The Road Festival in England gesehen. Er spielte damals auf der Pfauen-Bühne, die nicht nur eines der Viecher als Dekoelement am Bühnenaufbau hatte, die Wiese vor der Bühne war das Wohnzimmer von zig der Angebervögel. Im Artheater war das Publikum normaler.

Das Konzert begann mit einem kurzen Programm eines Singer/Songwriters, der mit einem Lied You look so guilty begann und sich dann als Joe Scholes "straight outta Köln-Nippes" vorstellte. Supportbands straight outta nähere Umgebung sind gerade während der Woche oft lästig, Joe Scholes' Musik war aber unterhaltsam und gefiel mir gut. Vor allem passte sie zum Hauptprogramm, denn auch Joe erzählte Geschichten in seinen Liedern, in denen - wie in A good man ("ist autobiographisch") - es nicht immer gut für ihn lief. Neben eigenen Liedern seiner Debütplatte Songbook vol. II (produziert von Ekki Maas) spielte Joe zwei Smokey Robinson Cover, weil er die Musik des Amerikanes verehre.

Setlist Joe Scholes, Artheater, Köln:

01: You look so guilty
02: Ballerina Valerie
03: The love I saw in you was just a mirage (Smokey Robinson Cover)
04: The life I know
05: A good man
06: Jam in Amsterdam
07: The composer (Smokey Robinson Cover)
08: Perfect

Das Artheater hat eine lustige Bühne, die auf beiden Seiten noch etwas Platz bietet. Man kann also auf einer Höhe mit der Band stehen, wenn man das denn will. Da der Backstage-Bereich hinter dem Zuschauerraum ist, kam Jens Lekmans Band durchs Publikum Richtung Bühne, um sich aber erst einmal an den Rand zu stellen, das erste Lied spielte der Schwede nämlich alleine. Wir hatten aber natürlich schon vorher am Bühnenaufbau gesehen, daß es eine echte Band geben werde. Bei seinem letzten Besuch im Rheinland (2011 in Düsseldorf - das letzte Köln-Konzert war vor neun Jahren!) hatte Jens nur einen Schlagzeuger dabei. Damals kam sehr viel (Elektronisches) vom Band, heute war die Besetzung Schlagzeug, Gitarre, Bass und Keyboard, und alle Posten neben Jens waren weiblich besetzt (auch der am Mischpult). 

To know your mission war das erste Stück; wie so oft begann also ein Konzert mit dem ersten Lied der aktuellen Platte (Life will see you now). Jens begleitete sich auf seiner winzigen Gitarre, die so etwas wie eine Mischung aus akustischer Gitarre und Ukulele ist. Das Lied war irre lang und sehr schön. Danach kamen Jens' Bandkolleginnen auf die Bühne, Julia (Schlagzeug), Hannah (Bass) und Emily (Keyboard). Ich glaube nicht, daß eine der drei beim End Of The Road dabei gewesen ist, bin aber nicht sicher.

Mit Band spielte Jens Lekman gleich die nächsten beiden Lieder der Platte, Evening prayer mit sehr lustigem Beat, obwohl an dem Lied sonst nichts lustig ist. Aber dieses Bittersüße ist ja so typisch für Jens Lekman. Und genau diese Tatsache spielte eine Rolle bei Lied drei der Platte und des Konzerts. Vor 13 Jahren sei er mit einer Freundin mit Liebeskummer durch einen Park in Malmö gegangen. An einem Riesenrad hatte er sie gefragt, ob sie das Rad kurzschließen könne. Beide konnten das nicht. Sie bat ihn, wenn er jemals ein Lied darüber schreiben würde, solle es nicht eines seiner traurigen Stücke sein. Es habe 13 Jahre gedauert, bis er die Episode in einem fröhlichen Song habe umsetzen können.

Auch die nächsten beiden Lieder stammten vom neuen Album (das ich bisher viel zu selten gehört habe). Bei Postcard #17 legte Jens die Gitarre weg und bediente seinen kleinen Synthie. Am Ende des Lieds hob er das ganze Dings mit Gestell hoch in die Luft, warum auch immer. Aber es sah schön aus und ist eine ähnlich lustige Geste wie sein Luftglockenspiel-Spiel, das er früher gerne eingebaut hat.

Das erste ältere Stück war dann I know what love isn't ("from a very cynical time in my life"). I know... ging am Ende in einen wilden Discobeat über, Jens zog seine Jacke aus und alle außer der Schlagzeugerin (hihi, doofer Job!) tanzten plötzlich kräftig rum. Dieser Tanzübergang führte zum wundervollen How we met, the long version, einem meiner aktuellen Jens-Lekman-Lieblinge. Die beiden Lieder alt und neu passen perfekt zusammen und wirkten wie eines. Und weil das so gut klappte, gab es so etwas danach gleich noch einmal: What's the perfume that you wear ging (inhaltlich passend) in Sipping on the sweet nectar über. Medleys sind ja eher Bigband-Standard, diese beiden Mini-Medleys gefielen mir aber ausgezeichnet! 

What's the perfume... hatte übrigens noch andere Folgen. Weil Jens darin den Duft des Parfums so genau beschreibt, hat er es nachbrauen lassen und verkauft es jetzt als Merch-Artikel (riecht nach Zitrone, Kardamon, schwarzem Pfeffer, Ingwer, Lavendel und Jasmin). 

Das schönste Lied des Abends war wieder ein altes: Black cab. Alle drei Frauen sangen den Refrain mit Jens, das Lied war perfekt. Ein kleiner Schönheitsfehler war die laut redende Frau mit den Ohrstöpseln im Publikum, die ziemlich schreien musste, um ihrer Freundin spannende Dinge erzählen zu können. Mit Ohrstöpseln muß man eben 33 dB lauter reden als ohne (ist Physik; kannste nichts dran machen). Sie erwähnte das aber auch gleich am Anfang während eines der ersten Lieder. Wir seien ja schließlich nicht zum CD-Hören da, da gehöre das eben dazu.

Ein weiteres neues Lied beendete das Hauptprogramm, Dandelion seed. Bis auf Our first fight und How can I tell him hatte Jens Lekman damit alles von Life will see you now gespielt. Weil danach das Zugabe-Ritual nicht recht funktionieren wollte - die Band stand eben direkt neben der Bühne - kamen die vier Musiker nach wenigen Sekunden zurück und spielten zwei Lieblinge, The opposite of Hallelujah (mit Glockenspiel-Intro - leider aber vom Keyboard) und A postcard to Nina ("yours truly Jens Lekman").

Neun Jahre hatten eine ganze Menge Nachholbedarf erzeugt, wir klatschten sehr lange nach jedem Lied, besonders lang nach I know... / How we met..., "ihr mögt das? - That makes me so happy!" Also kam Jens zurück, diesmal alleine und noch einmal für drei Lieder. Das erste war A man walks into a bar. Bevor er das begonnen hatte, riefen Leute Liedwünsche. Ich traue mich sowas nie, hätte mir Shirin aber wohl auch gewünscht (und Every little hair knows your name und And I remember every kiss und und und).

Shirin sei ein guter Wunsch, den erfülle er. Und nach Shirin spielte Jens noch das nächste schönste Lied des Abends, Pocketful of money mit uns als Chor (wobei ich es bei lautlosem Singen belassen habe, besser ist besser).

Mein bisher liebstes Jens Lekman Konzert war wohl das vor neun Jahren in Frankfurt (das mit den Schlüsseln um den Hals). Aber das heute war kaum weniger toll und verdiente einen deutlich weniger abgehetzten Bericht.  


Setlist Jens Lekman, Artheater, Köln:

01: To know your mission (Jens Lekman solo)
02: Evening prayer
03: Hotwire the ferris wheel
04: Postcard #17
05: Wedding in Finistère
06: I know what love isn't
07: How we met, the long version
08: What's the perfume that you wear
09: Sipping on the sweet nectar
10: Black cab
11: Dandelion seed

12: The opposite of Hallelujah (Z)
13: A postcard to Nina (Z)

14: A man walks into a bar (Jens Lekman solo) (Z)
15: Shirin (Jens Lekman solo) (Z)
16: Pocketful of money (Jens Lekman solo) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Jens Lekman, Larmer Tree Gardens, 01.09.13
- Jens Lekman, Frankfurt, 01.12.12
- Jens Lekman, Düsseldorf, 15.10.11
- Jens Lekman, Frankfurt, 24.02.08


* an diesem Mittwoch wollte ich auch Japandroids in Hamburg sehen, die ich nicht in Köln gucken kann, weil sie da zeitgleich mit The Jesus and Mary Chain (Darmstadt) spielen, die ich wiederum nicht in Köln ansehen möchte (LMH). Also muß ich zu Japandroids nach Frankfurt fahren, was bedeutet, daß ich Esben and the Witch nicht wie gewünscht in Wiesbaden am Sonntag sondern in Köln am Samstag sehen muß. Und ja, das ist mein Hobby.




Montag, 13. April 2015

Lingby, Köln, 11.04.15

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Konzert: Lingby
Ort: Artheater, Köln (Ehrenfeld Hopping)
Datum: 11.04.2015
Dauer: etwa 75 min
Zuschauer: ca. 150



Es war ein Heimspiel. Da spielen Fußballmannschaften ja auch (meist) groß auf. Und das Publikum ist besonders euphorisch. Daß mein zweites Konzert der Twist-and-Turn-Tour der tollen Lingby so großartig war, lag aber in erster Linie an der Band, ihren phänomenalen Songs und der Art, wie sie die live spielt. Auch ohne die herrlichen Jubelszenen bei den ersten Takten von Liedern wie Two oder Like a stone wäre der Abend wundervoll gewesen. Aber die Begeisterung der Zuschauer, die ich so vermutlich noch nie außerhalb Englands erlebt habe, war die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

Lingby spielten das letzte Konzert ihrer kurzen Deutschland-Tour zur neuen Platte im Rahmen des Ehrenfeld Hoppings im Artheater. Als ich ankam, spielte Eva Bardo gerade die letzten anderthalb Stücke ihres Support-Sets. Klavier und eine Stimme, die mich an CocoRosie erinnerte - das gefiel mir gut. Leider bekam ich nur ein halbes ihrer eigenen Lieder mit, das zweite war ein Erdmöbel-Cover. Ihr sei nach Schreien, sagte die Sängerin.

Als die Hauptgruppe bereits um 20:45 Uhr auf die Bühne kam, war der Saal ziemlich gut gefüllt. Es hätten zwar noch ein paar mehr reingepasst, mehr Stimmung hätte es aber auch nicht geben können. Die, die da waren, ließen das Konzert wie eines im Gloria oder größer klingen. Daß das eine angemessene Reaktion auf die Musik der Band ist, habe ich zuletzt wieder in Offenbach erlebt. Mit jedem Konzert überzeugen mich Lingby mehr, bei jedem Auftritt entdecke ich neue Perlen in ihrem Programm.


Die ersten Lieder spielte die Band dicht auf dicht. Manchmal gingen Titel in einander über. Dieses Stilmittel passte wundervoll zur Musik. Wenn die Lingbys nicht so schrecklich sympathisch wären und vor allem die Ansagen von Sänger Willi Dück nicht so unterhaltsam wären, könnte ich mir auch Konzerte der fünf Kölner ganz ohne Pause zwischendurch gut vorstellen.


Untermalt wurden die Stücke der Band von Lichtanimationen von Till Beutling von Klangfiguren. Die wie eine zweidimesionale Lasershow aussehenden Animationen wechselten von Lied zu Lied. Das passte immer wieder sehr gut zu den Stücken. Bei der letzten Zugabe Count the stars gab es zwar nichts zu zählen, es war aber ein Mond hinter der Band zu sehen, der irgendwann wie eine Lautsprechermembran im Takt vibrierte. Auch wenn sie nichts direkt mit den Titeln zu tun hatten (oder ich es nicht kapiert habe), bereicherten die Animationen die Musik, obwohl das irgendwie Quatsch ist, weil es ja schon nicht mehr besser ging.

Lingby spielten vor allem Stücke der neuen Platte Twist and turn. Aber weil sie die Lieder bereits vor einer Weile geschrieben haben, existiert mittlerweile eine neue Song-Generation. Die vier neuen Lieder MHmm, Under cover, Trading sides und Tired eyes hatte ich schon in Offenbach kennengelernt. Sie unterscheiden sich qualitativ in nichts von den begeisternden großen Geschwistern.


Mich begeistern an Lingby verschiedene Dinge: die spannenden Melodien, die hervorragend harmonierenden Stimmen und die besondere Instrumentierung. Auch mit Keyboards, E-Gitarre, Schlagzeug und Bass wäre es schon sehr gut, die Blechbläser-Breitseiten geben den Stücken aber eine besondere Tiefe. Wenn die beiden Schwestern Carmen und Judith mit Jagd- oder Flügelhorn oder Posaune einsetzen, entsteht das, was Lingby auf ihrer Seite als Orchestral Pop bezeichnen. Ich kenne nicht viele Bands, die das so meisterhaft wie bei Like a stone, House of glass, Two oder wie sie alle heißen beherrschen.


Songs wie Like a stone wurden frenetisch gefeiert. Wie toll das für Musiker sein muß, wenn das Werk die Anerkennung bekommt, die es verdient. Like a stone ist (obwohl auf Twist and turn) älter und schon lange ein Liebling. Trotzdem ist es das beste Lied des Jahres. Und Shows wie diese werden Ende des Jahres auch ganz sicher in meiner Konzertbestenliste sein. 

Lingby heißt die Band. Bitte merken und verbreiten!

Setlist Lingby, Artheater, Köln:

01: Swans 
02: This takes me out 
03: MHmm (neu) 
04: Under cover (neu) 
05: Be still 
06: House of glass 
07: Impatience 
08: Trading sides (neu) 
09: If anything 
10: Two 
11: Tired eyes (neu) 
12: Longing 
13: Like a stone 

14: Forgiveness (Z) 
15: Twist and turn (Z)
16: Count the stars (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Lingby, Offenbach, 01.04.15
- Lingby, Offenbach, 07.08.14
- Lingby, Köln, 12.04.14
- Lingby, Karlsruhe, 25.07.13
- Lingby, Köln, 14.02.12



Mittwoch, 26. März 2014

Hundreds, Köln, 20.03.14

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Konzert: Hundreds, DNKL
Ort: ARTheater, Köln
Datum: 20.03.2014
Dauer: DNKL ca. 25 Minuten, Hundreds ca. 90 Minuten
Zuschauer: ca. 120 (ausverkauft)






Ach, was kam ich mir am Donnerstag schlau vor! Von Frankfurt wollte ich nach der Arbeit direkt nach Köln-Ehrenfeld fahren, um dort die Hamburger Band Hundreds zu sehen, aber meine Kamera lag noch daheim in Montabaur. Kein Problem, ich schrieb schnell meinem Freund eine SMS, er möge die Kamera bitte einpacken, und dachte, die Sache sei erledigt.

Das war aber ein Trugschluss, denn als ich kurz, nachdem wir Plätze in der ersten Reihe des winzigen Konzertsaals im ARTheater ergattert hatten, ein Bild von der herumliegenden Setliste machen wollte, ließ sich die Kamera nicht anschalten - der Akku war nämlich zwar frisch geladen, aber ich hatte ihn daheim offenbar nicht zurück in die Kamera geschoben. Folglich gab es dann doch nur Handyfotos.


Um kurz nach 8 Uhr erklommen dann zunächst nicht Hundreds, sondern die dreiköpfige schwedische Band DNKL die Bühne. Die sehr jung aussehenden Musiker haben für Hundreds einen Remix gemacht, so lernte man sich kennen, und nun sind sie deren Vorband - wobei der Kölner Auftritt nach eigenen Angaben ihr dritter überhaupt war. Das Trio machte melodischen Synthie-Pop mit leisem Gesang, für mich als alten Depeche Mode-Fan durchaus angenehm. Die Single "Hunt" wurde als einzige mit Titel angesagt, beim späteren Recherchieren stellte ich dann feste, dass es der Song immerhin bereits geschafft hat, vom britischen "Guardian" vorgestellt zu werden. Die Band verwies am Ende des Sets darauf, dass man am Merchandise-Stand ihre CD kaufen könne, die jedoch nur zwei Titel enthielt. 


Hundreds, also das Geschwisterpaar Eva und Philip Milner, hatte ich bereits zweimal live gesehen, einmal beim Maifeld Derby und später nochmals in der Frankfurter Brotfabrik. Damals gab es von den beiden nur ihr Debütalbum, mit dem sie sehr ausgiebig auf Tour waren, nun erschien vor wenigen Tagen das Nachfolgealbum "Aftermath". Diese zeichnet sich anders als der Vorgänger "Hundreds" durch eine "natürlicher" klingende Instrumentierung aus - neben Synthesizern und Evas Stimme hört man nun auch häufig Bläser, Streicher oder auch Backgroundgesang. 

Wir warteten also gespannt, ob Hundreds die winzige Bühne vielleicht mit einer stark erweiterten Band erklimmen würden, tatsächlich hatte das Duo aber nur einen Zusatzmusiker dabei, der sich hauptsächlich um die Percussion kümmerte. Der Rest der Instrumente kommt also live nach wie vor aus dem Synthesizer, aber wer weiß: Hundreds touren nun ja sicherlich wieder länger, und vielleicht ändert sich das Live-Lineup ja im Lauf der Zeit noch, denn möglicherweise stehen im Laufe des Jahres ja auch noch größere Hallen auf dem Plan.


Bei den beiden früheren Konzerten hatte Eva stets einen asymmetrischen Overall und ein Cape getragen, außerdem war sie immer barfuß gewesen. Auch an diesem Abend blieb sie barfüßig*, trug aber nun ein schwarzes Kleid mit weißen Umsäumungen. Das bekamen wir aber erst nach dem instrumentalen Intro zu sehen, das Philip und der unbekannte Zusatzmusiker allein spielten, erst dann betrat Eva die Bühne - ich erinnerte mich, dass das bei früheren Konzerten auch schon so abgelaufen war.

Die Bühne des ARTheaters war mit aufrecht stehenden Neonröhren dekoriert, die jeweils mit einem schwarzen Stoff überzogen worden waren. Zu einigen Songs gab es zusätzlich Projektionen, etwa Kisten bei "Happy Virus", in dessen Refrain ja von "happy little boxes" die Rede ist. Dazu kamen Evas Tanzeinlagen, die sich gegenüber den vorangegangenen Auftritten stilistisch nicht sehr verändert haben, wobei ich glaube, dass jeder Song seine eigene Choreographie hat.


Die Setliste dieses Abends, den Eva als "Record Release Party" bezeichnete, wurde selbstverständlich, vor allem in der ersten Hälfte, von "Aftermath" bestimmt. Altbekanntes wurde auch gespielt, aber häufig neu interpretiert dargeboten, so klang etwa "Fighter" deutlich anders als auf dem ersten Album. Später sang Philip bei "Grab the Sunset" mit - ich konnte mich nicht erinnern, das bereits in der Vergangenheit erlebt zu haben. Die neuen Songs "Rabbits on the Roof" und "Please Rewind" hatten wir, obwohl sie erst auf "Aftermath" veröffentlicht wurde, auch bei früheren Konzertbesuchen bereits live gehört.

Die Kommunikation mit dem Publikum fiel wie gewohnt freundlich, aber eher spärlich aus. Lediglich, als sich vor "Happy Virus" zeigte, dass irgendetwas nicht richtig angeschlossen war, erklärte Philip kurz "Ich muss da was nachsehen" und unterbrach so den Ablauf. Eva fragte ins Publikum "Hm, hat vielleicht jemand eine Frage?", worauf prompt "Seit wann kann Philip sprechen?" zurück kam. Eva entgegnete: "Weiß ich nicht so genau, mit mir spricht er auch nicht so viel!" und Philip ergänzte: "Ich rede nur, wenn es ein Problem gibt." Diese ließ sich aber zum Glück durch ein weiteres Abtauchen hinter den Synthesizerschrank beheben.


Als letzte Songs kündigte Eva noch zwei ruhigere Songs an, nämlich "Foam Born", eine Komposition von Touchy Mob - den ich nur deshalb kenne, weil er in der Brotfabrik im Vorprogramm von Hundreds aufgetreten war - und "Stones". 

Nach dem regulären Set gab es noch zwei Zugaben, insgesamt drei Songs vom ersten Album. Zunächst wurden "Song For A Sailor" und "Let's Write The Streets" dargeboten, dann kehrten Eva und Philip noch für "Little Heart" zurück.

Auch mit ihrem neuen Album wussten Hundreds live zu überzeugen, was auch das restliche Publikum so zu sehen schien, denn es gab viel Applaus und "Circus" wurde mit dem Zwischenruf "Wunderbar!" bedacht. Trotz der weiten Entfernung von Köln zu Hamburg schienen auch viele Bekannte der Musiker anwesend zu sein, denn diese wurden vor und nach dem Auftritt von einigen, vor allem auch älteren Gästen umarmt.

Ich werde Hundreds in etwa zwei Monaten beim Maifeld Derby wiedersehen und bin schon gespannt, was es dann zu sehen und hören gibt.

Setliste Hundreds, ARTheater, Köln:

Intro
Aftermath
Fighter
Beehive
Circus
Ten Headed Beast
Our Past
Please Rewind
Rabbits On The Roof
Happy Virus
Grab The Sunset
Foam Born
Stones

Song For A Sailor
Let's Write The Streets

Little Heart

* Im TV Noir-Interview erklärte Eva, dass sie immer barfuß auftritt, weil sie sonst das Gefühl hat, umzukippen, wenn sie die Augen schließt.

Links:
- aus unserem Archiv:
- Hundreds, Maifeld Derby, 21.05.11
- Hundreds, Frankfurt, 14.11.11

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht




 

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