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Mittwoch, 23. Januar 2013

Tellavision & Touchy Mob, Paris, 17.01.13

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Konzert: Tellavision & Touchy Mob
Ort: Le Pop In Paris
Zuschauer: etwa 50
Konzertdauer: jeweils rund 40 Minuten


Gemischtes deutsches Doppel im Pariser Pop In! Tellavision und Touchy Mob aus Hamburg beehrten heute bei eisigen Temperaturen den kultigen Kellerclub, in dem schon so viele Asse gespielt haben. Selbst David Talking Heads Byrne wurde hier gesichtet, allerdings nur als Zuschauer.



Heute fehlten aber die Promis und auch der Ansturm des "normalen" Publikums hielt sich leider in Grenzen. Eine kleine teutonische Community, die Touchy Mob und Tellavision von deutschen Konzerten und Musikmagazinen her kannte, und ein paar Studenten aus der ganzen Welt hatten sich aber hier unten zusammengefunden und erlebten musikalisch faszinierende Momente.




Touchy Mob allein hatte mehr Ideen zu bieten, als 10 gehypte englische Newcomerbands zusammen. Der Bursche mit dem wallenden Bart, dem Mönchhaarschnitt und der üppigen Brustbehaarung war als Erster ins Rennen gegangen und zeigte mit Hilfe seiner Gitarre und einem kleinen Keyboard, welch kreativer Kopf in ihm steckt. Mittels der modernen Looptechnik erschuf er spannende Soundlandschaften, die stilistisch nicht so leicht zu verorten waren. Das war eine Art Lofi-Folk gemischt mit Dance Music mit einer leicht jazzig/soulgen Note. Deshalb musste ich manchmal auch an James Blake denken, obwohl die Musik von Ludwig Plath (so sein bürgerlicher Name) so viel packender und genießbarer war als die des Briten. Seine Stimme begeisterte mich ungemein. Wohlige Assoziationen zu Robin "Fleet Foxes" Pecknold, Justin "Bon Iver" Vernon oder Ben "Band Of Horses" Bridwell stiegen in meiner müden Matschbirne (ich war morgens um 6 Uhr mit dem Zug aus Düsseldorf angereist, allerdings nicht mit dem TEE) auf und sorgten für ungeahnte Glückgefühle.

Das Publikum genoß und schwieg, was Ludwig ein wenig irritierte, ihm war das deutlich zu ruhig. Er verbuchte das dann aber ironisch unter "it's Paris law" und versprach "some appropriate songs" zu bringen. 




Und wie passend diese Songs waren! Sie enstammten teilweise des durch crowfunding finanzierten Splitalbums namens "Cake Split 12", waren Cover oder früheres Material.

Man höre nur Stones, wie wahnsinnig lässig, sonnengeflutet und anziehend das klingt! Sanfte Chorgesänge, ein fast karibisch anmutendes Feeling, eine famose Falsettstimme, gute Texte, ein umwerfender Track.


Ähnlich toll Sexy Yirls (kein Tipffehler!), der uns in Grizzlybearsche Traumwelten unter Wasser entführte und ebenfalls durch seine Relaxtheit, aber auch durch Themen- und Stimmungswechsel begeisterte.

Total verblüffend, was Touchy Mob aus Crooked Lust von den Bowerbirds machte. Aus dem erdigen Folksong wurde eine glitzernde Dancefloornummer mit Dubstep Elementen und einer mitreißenden Beschleunigung gegen Ende.

Folkiges zum Abschluß. Wedding Band war von einer himmlischen Melancholie durchzogen und zeigte Touchy Mob als verletztlichen Cowboy. Der Wahnsinn!



Ich hätte noch stundenlang zuhören können, aber nun stand ja auch noch eine Dame auf dem Programm. Fee heißt sie und nennt sich auf der Bühne Tellavision. Sie entpuppte sich als temperamentvolles Mädel mit viel Feuer und Hingabe, moserte allerdings ab und zu über die neuerlich eingeführte Lautstärkebegrenzung auf 95 Dezibel. Gerne hätte sie lauter aufgespielt, aber das ging halt eben nicht.



Ihr Stimme kraftvoll und leicht bluesig. Sie erinnerte an die sehr frühe PJ Harvey.


Ansonsten war das aber musikalisch eher weniger Polly Jean und vielmehr eine Mischung aus Likke Li, Zola Jesus, Fever Ray. Allerdings kein simpler Aufguss, sondern eine doch sehr eigene, selbst gebastelte Geschichte einer jungen Frau, die keine stilistischen Scheuklappen oder Berührungsängste kannte.

Alles bei ihr klang sinnlich, schwarz, mysteriös. Eine Art Soundtrack zu einem futurischten Horrorfilm, 

Man höre beispielsweise Million, ebenfalls ein Track von dem Splitalbum. Da sampelte und loopte Tellavision was das Zeug hielt, gab dem synthetischen Song die richtige Würze aber vor allem mit ihrer markanten Stimme.



Toll war auch Permanent von der EP We Love The Omniscient Narrator. Ein synthetischer Song mit dem für Tellavision so typischen repetetiven Trommelrhythmus, warmen Keyboardpassagen und einer knisternden Atmosphäre.


















Gegen Ende wurde die junge Wahlhamburgerin immer angrifsslustiger und gesellte sich auch immer wieder unters Publikum.


Knapp 40 unterhaltsame Minuten ging das so, dann war endgültig Schluß.



Die Künstler aus der Hansestadt hatten mehr als überzeugt und sich für höhere Aufgaben (will heißen: größere Locations) empfohlen. Ich traue den Beiden noch eine ganze Menge zu!

Setlist Touchy Mob

01: Black Ostsee
02: Just A Track (Efdemin)
03: Stones
04: Sexy Yirls
05: Suicide Song (Loudon Wainwright III)
06: Crooked Lust (Bowerbirds)
07: Wedding Band

Setlist Tellavision

01: The One Another
02: Permanent
03: Million
04: Sub Species
05: 15 Miles
06: Cruel Kids
07: Haters You Love
08: Betony

Tourdaten Touchy Mob & Tellavision:

23.01.2013: Le 7 (7) Café, Metz
24.01.2013: Hall Of Fame, Kleine Zaal, Tilburg, Holland
25.02.2013: Eulenfreunde Festival, Jena
26.02.2013: Club Stereo, Nürnberg
29.01.2013: Café KOZ, Frankfurt
30.01.2013: Cairo, Würzburg
31.01.2013: La Catrina, Zürich
01.02.2013: Oya Bar Kafé, St. Gallen
02.02.2013: La Paranthèse, Nyon
03.02.2013: Unknown venue, Darmstadt
05.02.2013: Häll, Heidelberg
06.02.2013: Gleis 22, Münster
07.02.2013: Berghain Kantine, Berlin
08.02.2013: Horns Erben, Leipzig
09.02.2013: Franz Mehlhose, Erfurt
12.02.2013: Societaetstheater, Gutmannsaal, Dresden











Dienstag, 15. November 2011

Hundreds, Frankfurt, 14.11.11

1 Kommentare

Konzert: Hundreds
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 14.11.2011


Alles voller Mädchen: Hundreds in der Frankfurter Brotfabrik
von Ursula von neulich als ich dachte

"So bekommt man also diese Brotfabrik voll", dachte ich mir gestern Abend überrascht, als wir beinahe pünktlich zum Konzert des deutschen Elektroduos Hundreds eintrafen. Momentan finden mehr und mehr Konzerte in diesem Konzertsaal im abgelegenen Hausen statt, und egal, ob ich dieses Jahr nun bei Dear Reader, Dan Mangan oder Gruff Rhys war: Die Zuschauerzahl schwankte stets nur zwischen "peinlich leer" und "sind ja doch noch einige gekommen". Gut, von gequetschter Enge konnte man gestern - zum Glück - immer noch nicht sprechen, aber so voll hatte ich den Raum noch nie erlebt.

Und noch etwas fiel beim Blick auf die Zuschauer sofort auf: Junge Frauen waren heute ganz klar in der Mehrheit und stellten etwa zwei Drittel der Zuschauer(innen) dar. Während die "Vorband", der Solokünstler Touchy Mob, auftrat, quakten alle noch munter durcheinander, was nicht sonderlich schlimm war: Der extrem bärtige, extrem topfschnittige Künstler beeindruckte eigentlich nur durch den Kontrast zwischen seiner Optik (definitiv ein Folkmusiker) und seiner Musik (Synthesizergefrickel). Seine Lieder wirkten dabei so, als würde er sie soeben spontan komponieren. Lustig war allerdings die Selbstvorstellung: "Hallo, ich bin Touchy Mob und schlafe bei Hundreds im Bus!"

Hundreds selbst hatte ich dieses Jahr - damals glaube ich, ohne ihr Album zu kennen - bereits beim Maifeld-Derby gesehen und war angenehm überrascht von der gleichermaßen so "unkühlen" Elektromusik gewesen. Oft haben Synthesizer-lastige Bands in meinen Augen das Problem, dass ihre Musik live einfach sehr distanziert wirkt (um noch einen Link zu setzen: Ladytron wären ein Paradebeispiel) - bei Hundreds ist das nicht so.

Zu Beginn war vieles ähnlich wie beim Maifeld-Auftritt: Phillip eröffnete zunächst allein das Konzert mit „Intro“ (einer langgestreckten Variation von „Walking On Rails“) zu Evas gesampelter Stimme, dann betrat seine Schwester persönlich die Bühne und trug den gleichen, asymmetrischen Overall (Ob sie von denen wohl eine ganze Kleiderstange voll hat?) und darüber ihr gefaltetes Kapuzencape, das sie nach den ersten paar Liedern fortwarf. Philipp blieb hinter seinen Instrumenten und überließ die Publikumsbespaßung Eva. Allerdings waren die Geschwister Milner dieses Mal allein auf der Bühne: In Mannheim hatten sie zwei Schlagzeuger dabei gehabt. Hinter der Bühne wurden verschiedene Muster und geometrische Formen auf die Wand projiziert.

Vielleicht wegen der optischen Ähnlichkeit war ich zu Beginn des Auftritts ein wenig skeptisch: Die sicherlich einstudierten Barfußtänze kannte ich ja nun bereits, und da Hundreds erst ein Album veröffentlicht haben, war auch klar, dass die Setliste ähnlich sein würde. Musste man das wirklich zweimal sehen?

Man musste, denn dieser Abend entwickelte schon bald seinen eigenen Reiz: Dadurch, dass ich das Album mittlerweile recht gut kannte, konnte ich auch erkennen, dass die Live-Versionen verschiedener Lieder anders waren als auf Platte - zum Beispiel wurde „Grab The Sunset“ deutlich länger und beatlastiger dargeboten. Dann war da noch das intensiv (und schweigend) lauschende Publikum und die über die Begeisterung sichtlich gerührte Band. Live konnte man außerdem nochmals feststellen, dass Frau Milner wirklich gut singen kann. Und schließlich wurden mit "Please Rewind" und "Rabbits To The Roof" auch zwei Songs gespielt, die sich nicht auf dem Debütalbum befinden.

Bei der ersten Zugabe kam Eva zunächst allein auf die Bühne und nahm den bis dahin verwaisten zweiten Synthesizerplatz ein - so begleitete sie sich zu "Winding Road" selbst. Sehr schön war auch der Moment, als sich am Ende des als Piano-Ballade dargebotenen "Little Heart" Bruder und Schwester kurz gegenseitig ansangen.

Als nach der zweiten Zugabe endgültig Schluss war, konnte man sich am Merchandise-Stand unter anderem - etwa drei Wochen vor dem Verkaufsstart - das neue Hundreds-Werk kaufen - bei dem es sich allerdings lediglich um Remixe und Coverversionen der Lieder vom Debütalbum handelt, die unter anderem Get Well Soon, Bodi Bill und Touchy Mob aufgenommen haben.

Setlist Hundreds, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Intro
02: Please Rewind
03: Wait For My Raccoon
04: Machine
05: Fighter
06: I Love My Harbour
07: Rabbits To The Roof
08: Song For A Sailor
09: Happy Virus
10: Let's Write The Streets

11: Winding Road (Z)
12: Grab The Sunset (Z)

13: Little Heart (Z)




 

Konzerttagebuch © 2010

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