Freitag, 8. April 2016

Tellison, Oxford, 06.04.16


Konzert: Tellison, Muncie Girls und Beckoning fair ones
Ort:  Wheatsheaf in Oxford
Datum: 6. April 2016
Dauer: 60 min + 30 min + 25 min
Zuschauer: etwa 60


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Bei dienstlichen Terminen in Oxford, die alle paar Jahre mal wieder anstehen, ist der abendliche Konzertbesuch inzwischen zur schönen Tradition geworden. Diesmal war es ein bisschen schade, dass die zwei attraktivsten Angebote auf den gleichen Abend fielen. Aber da ich mir am ersten frühlingshaften Tag in Oxford gleich mal diverse riesige Blasen erwandert hatte bei einem etwas eiligen Spaziergang nach Binsey (zum Rabbit Hole aus Alice im Wunderland), war die Wahl dann doch überraschend einfach. Das Wheatsheaf lag nur 10 min zu Fuß von meinem Quartier, während ich zum anderen Gig etwa 25-30 min hätte einplanen müssen.


Wo der Pub liegt, hatte ich mir am ersten Abend auch schon einmal genau angesehen. Immerhin musste man eine ziemlich dunkle Gasse finden. Aber dann hingen an der Tür die richtigen Plakate und ich fühlte mich gut vorbereitet. Außerdem hattte ich am Mittwoch auch noch die Running order erfragen können.  Eine Anfangszeit von 20:00 Uhr ist ja nicht sehr aussagekräftig. Tatsächlich war es (lt. Auskunft) so gemeint: 8:00 Einlass, 8:30 Beckoning fair ones, 9:15 Muncie girls, 10:00 Tellison. 


Als ich zwanzig nach acht ankam, war der Pub gut gefüllt, aber ich konnte keine Bühne finden. Von wegen gut vorbereitet - mir wurde doch ein wenig panisch! Ein paar Leute, die ich für Raucher hielt, weil sie vor der Tür warteten, konnte ich aber fragen (drin war es etwas zu laut dafür) und sie halfen mir auch sofort auf die Sprünge: ja das wäre über dem Pub, aber der Einlass hatte noch nicht begonnen, weshalb sie hier in der Kälte ständen. Ich sag dazu mal nichts, zumal das eigentlich auch der einzige kleine Orga-Patzer war.


Beckoning fair ones starteten nämlich nur wenige Minuten später fast pünktlich. Sie waren zu viert auf der Bühne: der Sänger Niall spielte auch Gitarre, Lindsey hatte den Bass im Griff, Pete stand mit den Synths ganz zentral und so, dass er Niall sehen konnte und Sam schaffte sich über das Set ganz schön ordentlich an den Drums. Immerhin waren schon etwa 30 Leute für die erste Band des Abends gekommen, was vielleicht daran lag dass sie aus Oxford sind. Und mit den 30 Leuten wirkte es auch locker aber angenehm gefüllt.


Der Sound der Band war dunkel und kraftvoll. Immer wider spielten Synthies gegen die Gitarre an und der schottische (?) Sänger hatte eine sehr markante Stimme. Mein besonderse Entzücken galt der Frau am Bass, die cool und professionell ihren Part ablieferte. Aus der Setlist kannte ich vorher nur Elgin, weil das der einzige online verfügbare Song ist. Vielleicht lag es daran, dass dieser als besonders eingängig aus dem Set herausstand.


Setlist:
01: Red Cab
02: Mojito
03: Elgin
04: Justified Winner
05: Ex Machine
06: Billy



Mein Weg danach führte an den Merchstand, wo der Tellisonsänger saß und einen total vergnügten Eindruck machte. Es gab einen runden Kuchen mit dem Plattencover von The wages of fear (2011) als Icing. Und mir wurde prompt ein Stück angeboten. Das fühlte sich irgendwie sehr sympatisch an. Wer das Kunststück wohl liebevoll zubereitet hatte?


Wieder super im Zeitplan ging es nach zwar viele Dinge bewegenden aber in Summe sehr effektivem Umbau weiter mit den Muncie girls aus Exeter. Zu dritt auf der Bühne machen sie Punk - für meine Ohren leider etwas zu laut für den kleinen Schuppen, aber ansonsten ganz nach meinem Herzen. Im Vergleich zu dem dunklen Set dafür fiel es besonders auf, wie upbeat die Musik war, obwohl auch die Texte nicht mit Ärger und Problemen sparten. Die rockige Sängerin  Lande Hekt hatte eine Stimme ganz nach meinem Geschmack - und spielte den Bass, yeah! Ich musste sehr an She makes war denken, auch wenn die Musik gar nicht so ähnlich ist. Aber die Attitüde! Ganz nach meinem Gusto. Leider wurde sie mitunter überstimmt von den Gitarre und Drums mit Dean McMullen und Luke Ellis


Anscheinend war es ihr erstes Konzert in Oxford. Sie waren zuvor zehn Tage mit Tellison unterwegs gewesen, um ihr erstes Album unter die Leute zu bringen und die Chemie zwischen den Bands schien gut zu stimmen. Als ich mich mit Lande nach dem Konzert noch unterhielt, erzählte sie mir, dass sie das schon lange geplant hatten und es immer nicht klappen wollte. Und sie wären doppelt glücklich, dass es nun gepasst hatte und gleichzeitig ein wenig traurig, dass es schon wieder vorbei ist. In Deutschland sind sie viel unterwegs, weil ihr Label Uncle M in Münster das gut für sie macht. Und tatsächlich geht es schon bald wieder über den Kanal (Daten unten).

Setlist:
01: Respect
02: Gone with the wind
03: Everyday
04: Railroad
05: Balloon
06: Learn in school
07: Gas mark 4



Wieder gab es einen echt schnellen Umbau und vier Mann Tellison standen auf der Bühne. Henry Danowski, Stephen Davidson, Peter Phillips und Andrew Tickell - schon etwas gestandener im Alter als die zwei Supportbands. Zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug sind ja relativ standard. Die Musik war extrem tanzbar und dabei oft rhythmisch interessant. Ich erinnerte mich daran, was mir an Billy Talent mal so gefallen hat, nur dass hier auch noch intelligente Texte dazukamen. Das, was dann dem Abend das Sahnehäubchen aufsetzte, waren die eingängigen Refrains und der tighte Satzgesang (drei Stimmen), der mitunter hymnisch wirkte. Es wurde viel vom 2015er Album Hope Fading Nightly gespielt.

I was just a boy when I met you musste ich bei der dritten Wiederholung schon ungeübt mitgegrölen. In Rooky of the year wurde es dann auch nachdenklich und fast melancholisch. Wenngleich solche Zeilen wie: take comfort they wont make it too schon auch etwas schwarzhumorig rüberkommen (also grad recht für mich). Bei der Zeile There are more things in heaven schwiegen die Gitarren für inbrünstigen Gesang. Die Jungs hatten uns echt gekriegt und verstanden ihr Handwerk!



Gegen Ende des Sets gab es ein Lied über einen Zahnarzt (jedenfalls wurde es so angesagt und es ging im Text auch um Zähne) mit der Zeile My teeth are breaking but my heart is aching for you. Man kann das für Reim dich oder ich freß dich halten oder (innerlich grinsend) für genial. Viele im Publikum waren da textsicher dabei.


Ein bisschen plötzlich kam dann für mich das Ende, denn wenn man in Deutschland das letzte Lied ankündigt, heißt das ja nur - das letzte Lied vor den Zugaben. Und bei der Begeisterung musste es ja Zugaben geben! Aber es war mit dem letzten Ton 23 Uhr, die Band sagte tschüß, ging von der Bühne und das Publikum strömte hinaus fast wie bei einer Evakuierungsübung. Nun gut. Ich nahm mir noch zwei CDs zum unschlagbaren Preis mit nach Hause und behalte einen sehr besonderen irgendwie sehr englischen Abend im Gedächtnis.


Setlist:
01: Helix & Ferman
02: Edith
03: Boy
04: New York New York New York
05: Rookie of the Year
06: Horses
07: My Marengo
08: Say Silence
09: Freud links the teeth and the heart
10: Wrecker
11: Orion
12: Letter to the Team (after another imperfect season)
13: Tact is dead
14: Collarbone
15: Hanover start clapping
16: Tsundoku
17: Get on


Tourdaten Muncie Girls in Deutschland:
17.04. Underground, Köln
18.04. Kesselhaus, Schlachthof Wiesbaden
19.04. Unter Deck, München
20.04. Universum, Stuttgart
21.04. Schweinfurt
22.04. Uncle M Fest 2016, Berlin
23.04. Uncle M Fest 2016, Münster

14.05. Klownhouse Fest 2016, Kiel
15.05. Klownhouse Fest 2016, Kiel
19.05. Freizeitzentrum West (FZW), Dortmund, Germany

15.07. Lady Fest 2016, Mannheim
17.07. Bochum Total 2016 



English version:
It is nice to work in a profession where being guest at the university in Oxford is part of my dayjob. Moreover, it has become a tradition to fill my evenings in this town full of possibilities with as many gigs as possible. This time it was a pity though that the two to me most attractive line-ups fell on the same evening. But since - as a result of a  somewhat hasty walk to Binsey (egged on by the wonderful spring weather) - I had a fair amount of quite nasty blisters in the end my choice was surprisingly simple. The Wheatsheaf was just a 10 min walk from my quarters while for the other gig about 25-30 min of walking distance down Cowley road where just definitely too much that day.

On my first night in Oxford I already had done my research about the whereabouts of the Wheatsheaf. I had to find and follow a small and rather dark alley. But the poster on the door was right and so I felt well prepared. Also my question about the running order finally was answerd. The plan for the evening was: 8:00 doors, 8:30 Beckoning fair ones, 9:15 Muncie girls, 10:00 Tellison.

When I arrived at eight twenty, the pub was crowded, but I could not find any stage. My well-prepared-feeling evaporated with a puff and I was switching to a little panic! Fortunately I could turn to a couple of people who I took for smokers, because they were waiting at the door (it would have been a bit too loud to ask in the pub) and they could help me indeed: yes that gig would be above the pub, but doors were not open yet, which is why they stood here in the cold. So much about running orders for indie-music ... But I must say this was the only deviation from the plan.

Namely, Beckoning fair ones started their show a few minutes later, almost on time. They were four on stage: the singer Niall also played guitar, Lindsey handled the bass, Pete at the synths was centrally located and so that he could see Niall; Sam resided pretty neatly over drums. As many as 30 people were present for the first band of the night, perhaps because they were from Oxford. And with these the room felt pleasantly filled.

The band's sound was dark and powerful. Again and again synths played against the guitar and the Scottish (?) Singer had a very distinctive voice. My special delight was the woman with the bass who played her part really cool and professionally. From the setlist I only knew the song Elgin, because that is the only online available song. Perhaps it was because of this that it stood out as a particularly catchy one from the set.

After the first set a had a look at the merch where the Tellison singer sat and seemed to feel pretty happy. There was a round cake with the album cover of The wages of fear (2011) as icing of which I was offered a piece. This cake kind of felt very sympathetic. Who had it so lovingly prepared?

Again super on schedule - even if a lot of things had to be moved around - the evening continued with the Muncie girls from Exeter. The three on stage made punk - to my ears a bit too loud for the small venue, but otherwise all the way to my liking. Compared to the dark set before it felt particularly upbeat, although the texts were not sparing with anger and problems. The singer Lande Hekt had a rock voice very much to my liking - and played the bass, yeah! I had to think about She makes war, even if the music is not really similar. But the attitude! Truely to my taste. Unfortunately, her voice was sometimes drowned by the guitar and drums played by Dean McMullen and Luke Ellis.

Apparently it was their first concert in Oxford. The previous ten days they had been touring with Tellison to bring their first album to the people and the chemistry between the bands seemed too good to be true. When having a small chat after the concert Lande told me that they had been planning to tour together for a long time. And they were doubly happy that finally all had fitted and also a little sad that it's over already. In Germany, they travel a lot, because their label Uncle M in Münster makes them. And indeed they will soon be back (t)here (dates above).

Again there was a really fast conversion and the four Tellison men took the stage: Henry Danowski, Stephen Davidson, Peter Phillips and Andrew Tickell - already somewhat older than the two support bands. Two guitars, bass and drums are indeed a relatively standard set up. The music was extremely danceable while often rhythmically interesting. I remembered why some time ago I so liked Billy Talent, except that on top there were these very intelligent lyrics. The icing were the catchy choruses and tight vocal harmonies (three voices), which sometimes were almost anthemic. Many songs from the 2015er album Hope Fading Nightly were on the setlist.

I had to sing on top of my lungs "I was just a boy when I met you" (though unpracticed and not a boy) at the third repeat. Later Rooky of the year was thoughtful and almost melancholic. While such lines as: Take comfort they wont make it too come across as just the right amount of black humour for me. During There are more things in heaven the guitars were silent for fervent vocals. The boys had got us and understood their craft genuinely!

Towards the end of the set, there was a song about a dentist (at least it was announced as that and in the text there were teeth) with the line My teeth are breaking but my heart is aching for you. One can think that to be a bit awkward a rhyme (in German we say Rhyme or I'll eat you up) or think of it  (internally grinning) as being totally awesome. The audience went with it like a charme.

To me the end came a bit sudden, because if you announce the last song in Germany, that is indeed only the last song before the encores. And with this enthusiastic audience encores were a given! But with the last tone of the set it had turned 23:00, the band said goodbye, went off stage and the audience streamed out almost like during a fire drill. Well - so that was that. Fortunately I could take two CDs at an unbeatable price from the merch table as reminder to a wonderful evening.


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