Sonntag, 10. April 2016

Weezer - Amsterdam - 08.04.2016


Konzert: Weezer
Ort: Amsterdam - Heineken Music Hall
Datum: 08.04.2016
Dauer: 75min
Zuschauer: ca.2500



Die Vorfreude war groß. Weezer auf "unserem" Kontinent. Das hat Seltenheitswert. Sänger Rivers Cuomo würde seine latente Flugangst in der Reihe seiner zahllosen Neurosen wohl eher in die hinteren Ränge verbannen, für Fans der Band in Europa war das Problem aber immer elementar.

Und so blieb mir 21 Jahre lang nur die schwache Erinnerung an einen kalten Abend in Köln 1995, wo Weezer damals als dritte Band weit nach Mitternacht im Luxor die Bühne betraten und nach ca. 35 Minuten wieder verschwanden.

Für die Band war die Konzentration auf die USA dem Erfolg nicht abträglich, im Gegenteil. Durch fast jährliche Tourneen und konstante Hits (trotz manch schwächerem Album) wurden bis heute dort allein mehr als 10 Millionen CD`s verkauft. 


Es kann halt nicht jeder Quarterback oder Cheerleaderin werden. Die Musik von Weezer als Sammelbecken für alle vermeintlichen Nerds und Verlierer hatte immer wieder neuen Zulauf. Rivers Markenzeichen war schon immer der "König der Nerds". Seit dem ersten (blauen) Album trat er mit Hornbrille und unmöglichen Klamotten auf, stilisierte seine Welt in den Videos der Band weiter und war trotzdem noch so clever dazu die zeitloseste Musik zu spielen die möglich war.

Eine Mischung aus Poser-Rock (Kiss) und den Melodien der Beach Boys als Teenie Pop zu verpacken hatte vor ihm noch keiner geschafft. Da auch keine Band das Erbe wirklich antreten wollte, machten sie einfach immer weiter. Variiert wurde am Sound wenig und wenn, gingen die Verkaufszahlen meist schnell abwärts.  

Jetzt also Amsterdam, immer eine Reise wert – vor allem im Frühjahr, und die Heineken Music Hall sprach auch nicht gegen einen Besuch. Hier finden nach den Konzerten immer noch nette After-Show Partys für alle statt. Das alles in einem museumsartigem Raum mit riesiger hoher Decke . Ein netter Zug im Vergleich zu manch deutscher Halle, wo man schon mit der Zugabe von der freundlichen Security aus dem Laden gedrängt wird. 



Als Support wurden Dinosaur Pile-Up verpflichtet, vermutlich deshalb, weil sie selber Weezer als Vorbilder in Interviews nannten. Das reicht aber leider nicht, wenn das eigene Songmaterial mehr als mau ausfällt. Eine lasche Nirvana-Kopie die wenig zu bieten hat.

Danach wird fleißig umgebaut, das Weezer –W- glüht und unter dem Mikro werden Unmengen von riesigen Zetteln für Rivers festgeklebt. Die neuen Texte sitzen wohl noch nicht so richtig, oder einfach eine weitere Schrulligkeit des Meisters. Um mich herum tratscht halb Europa: Spanier, Italiener sind in Klassenstärke auszumachen, ich bin wohl nicht der einzige der auf Tour-Entzug der Band war. 

Das Licht geht aus und die vier betreten die Bühne. Schnell wird klar, der Sound ist heute erschreckend schwach. Außerdem steht Brian Bell an der Gitarre konstant im Dunkeln, kann aber auch Absicht sein. Viel mehr passiert sowieso nicht. Rivers wirkt extrem fahrig. Andere Auftritte im Netz aus 2015 sehen da ganz anders aus, ich musste nach dem Konzert direkt mal nachsehen.  

Trotz des besonderen Abends, die Band hat vorher nur 2 Konzerte in England gespielt, und einer tollen Setlist will einfach der Funke nicht überspringen. Es gibt viel aus dem "blauen" Album, die Befürchtung dies könnte ein Album-Release Konzert werden, bleibt aus. Doch sind gerade die neuen Stücke fast die Highlights des Abends. Das neue "weisse" Album ist auch wirklich gelungen, im Vergleich zu manchem Vorgänger.



"Do you wanna get High" und "L.A. Girlz" sind jetzt nicht gerade originelle neue Songtitel, aber das hatten wir ja schon. Viel schlimmer ist, wie schlontzig mit dem alten Material umgegangen wird. Kraftlose Versionen gibt es da zu hören, aber am meisten liegt es an Rivers selber. Das sein Gitarrenspiel wie eine Mischung aus Autismus und Brian Wilson ausschaut ist Masche, die meiste Arbeit überlässt er sowieso dem "Schattenmann" Bell, aber die Gesten wirken müde.


Das ist besonders schade, da die Setlist wirklich kaum Wünsche offen lässt. "My name is Jonas" und "El Scorcho" schon früh im Set. Ein tolles "Cleopatra" von der vorletzten CD und "Undone" vor der Zugabe, "Beverly Hills" und natürlich "Buddy Holly" als Rausschmeißer. Nach 75 Minuten ist Schluss und ich bin erstmal enttäuscht. Etwas mehr Schwung und Freude hätte ich mir außerhalb des üblichen US-Tourplans erhofft, aber vielleicht war ich da auch der Einzige. 

Viele verließen die Halle mit glücklicheren Gesichtern als ich, vielleicht auch froh, die Band überhaupt noch einmal gesehen zu haben. Ob das für mich reicht, nochmal so eine Reise zu unternehmen kann ich noch nicht beantworten.


1 Kommentare :

Nico hat gesagt…

Interesting read! Thanks for posting this. Minor detail, the amount of visitors was around 4200. Which surprised me a lot.

 

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