Mittwoch, 17. August 2011

Josh T. Pearson, Haldern Pop Festival, 12.08.11


Konzert: Josh T. Pearson

Ort: Haldern Pop Bar, Rees-Haldern
Datum: 12.08.2011
Zuschauer: volle Bar, nicht jeder kam rein





Den bärtigen Texaner Josh T. Pearson hatte ich schon am Donnerstag Abend im Spiegelzelt getroffen. Ziemlich müde und ausgezehrt stand der hagere und baumlange Mann da, berichtete, daß er gerade aus Oslo gekommen sei und nach Haldern sofort in die Bretagne zur Route Du Rock aufbrechen werde. Er habe 2011 unzählige Konzerte gespielt und sei nun reichlich platt.

Sein smarter Manager Peter, der immer dabei ist, schien hingegen relativ frisch und berichtete, daß er sich auf den morgigen Tag freue, weil dann Warpaint auftreten würden, die er kürzlich kennen- und liebengelernt hatte (die Musik, nicht die Mädchen. Obwohl?...).

Glücklicherweise machte Josh aber bei seinem Auftritt in der proppevollen Haldern Pop Bar am Freitag aber noch einmal letzte Kraftreserven frei. Und er war zu Scherzen aufgelegt und dies nicht zu knapp! "Ich habe einen großen Schwanz!", oder "du bist doch verrückt", mit deutschen Satzfetzen wusste er großzügig zu dienen. Kein Wunder, hatte er doch eine Weile in Berlin gelebt und war zudem auch mit einer deutschen Frau verheiratet. Das Ende dieser Beziehung hat er kreativ genutzt und in tottraurigen Songs verarbeitet, die er heute auf atemberaubend intime Weise einem verzauberten Publikum zum Besten gab. Er ließ emotional die Hosen runter, freilich nur im übertragenen Sinne, denn die enge gerade geschnittene schwarze Hose blieb an und die Größe seines besten Stücks mussten die Frauen sich deshalb vor dem geistigen Auge vorstellen.

Die Größe seines Talentes und seiner Songwriterkunst dürften eh immenser sein, als sein Schniedelwoods. Ein wahrer Sternenhagel ging hernieder als in diesem Frühjahr das erste Soloalbum des ehemaligen Lift To Experience Sängers erschien. Mojo, Q, Uncut, alle renommierten Magazine waren sich einig, daß der Texaner ein veritables Meisterwerk veröffentlicht hatte. Der Künstler selbst hingegen äußerte sich oft irritiert hinsichtlich seiner Platte: "diese Lieder sind so traurig, daß ich sie eigentlich nie wieder hören will", soll er gesagt haben. Gut für uns, daß er sie trotzdem spielt. Sweetheart I Ain't Your Christ, Woman When I've Raised Hell (heuer gespielt für eine Zuschuerin namens Franzsika), Sorry With A Song, ein Stück war schöner als das andere und nur Hartgesottene konnten sich ein innerliches Schluchzen verkneifen. Sensationell wie Pearson die Inbrunst, Lautstärke und Intensität variierte. Mal zupfte er nur ganz sanft an den Saiten seiner Gitarre, mal ließ er seine langen Finger so schnell fliegen, daß seine Klampfe perlte wie ein frisch geöffneter Champagner. Er war in der Lage mit Stimme und Akustischer jede gewünschte Emotion auszudrücken. Vom winselnden Greinen bis zur barschen Anklage war alles dabei. Pearson versteht es immer wieder aufs Beste, seine Zuhörer zu fesseln und sie auf seine Reise durch sein Gefühlsleben mitzunehmen, Haldern machte da keine Ausnahme. Mir persönlich ging das wahnsinnig unter die Haut, auch deshalb, weil ich mich mit den Stücken bereits beschäftigt und den Amerikaner schon mehrfach live gesehen hatte. Wenn er da bei Sorry With A Song um Verzeihung bitte ("but please accept my humble song") dann ist das schon ein Frontalaufgriff auf die Tränendrüse, jedoch ohne Kitsch und schmalzige Attitüde. Man fragt sich ohnehin, was er falsch gemacht haben kann in seiner Beziehung. Wenn man ihn so sieht, ist es schwer vorstellbar, daß er mal ausrastet oder böswillig wird (du bist so gemein!") und er hat zudem ein solch entwaffnendes Lächeln, daß man ihm fast jeden Unsinn verzeiht.

Auch den Witz über die Deutschen ("how do you get 50 germans out of a swimming pool? you just go to the edge of the pool and say very loudly: please get out of the pool now!") nahm ihm niemand übel, schließlich traf der Kalauer ja die Sache auf den Punkt.

"Toll, klasse, prima", diese von Josh am Ende auf deutsch in die Runde geworfenen Vokabeln beschrieben das Abgelieferte ziemlich gut, das Konzert war in der Tat toll und dürfte sich auch in ein paar CD Verkäufe umgemünzt haben. Es sei denn die Leute sind vorgegangen wie ihnen Pearson das vorschlug: "you can give me the money and download this shit for free!"...

Setlist Josh T. Pearson, Haldern Pop Bar, Haldern Festival 2011:

01: Sweetheart I Ain't Your Christ
02: Woman, When I've Raised Hell...
03: Sorry With A Song
04: Country Dumb
05: The Singer To The Crowd (Thousand Cover)




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