Dienstag, 16. August 2011

Haldern Pop, 2. Festivaltag, 12.08.11


Konzert: Haldern Pop, 2. Festivaltag mit Matthew & The Atlas, Josh T. Pearson, Dry The River, Gibstert zu Knyphausen und vielen anderen

Ort: Haldern Pop Bar, Spiegelzelt und Hauptbühne, Rees-Haldern, Niederrhein
Zuschauer: ausverkauftes Festival und allerorten viele Leute


Hatte ich erwähnt, daß mir ein übler Jetlag in den alten Knochen steckte? Dass ich seit vier Wochen nicht mehr in meinem eigenen Bett geschlafen hatte, ich inzwischen biblische 40 Jahre alt bin und für Festivals eigentlich nicht mehr genügend Kondition habe?

Darauf war am Freitag, dem 12. Agust 2011 geschissen! Dann war ich eben müde, ausgelaugt und durch den Wind, die ersten Bands, die in der gemütlichen Haldern Pop Bar auftraten, wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen! Freilich rächte sich mein Ehrgeiz am Ende, denn den feinen Erased Tapes Special Abend im Spiegelzelt musste ich platt wie eine Flunder absagen, obwohl ich liebend gerne den feinfühligen Pianisten Nils Frahm und seine Labelkollegen, darunter die sublime Cellistin Anne Müller, erlebt hätte. 0 Uhr 45 war mir dann doch zu spät.

Aber rollen wir den Tag doch am besten chronologisch auf.

Zunächst brauchte ich Espresso und zwar in rauen Mengen. Fündig wurde ich beim Szeneitaliener in Bocholt (ja, so was gibt's da, Bocholt ist hip!), wo ich gleich zwei doppelte ("doppio" für Kenner) bestellte und so langsam wieder Mensch wurde. Dann war aber Zeit, nach Haldern aufzubrechen und Christoph und ich fuhren in den Ortskern, wo sich die inzwischen gut etablierte Haldern Pop Bar befindet. Die Schlangen vor der Tür waren gegen 12 Uhr/12 Uhr 30 bereits enorm, obwohl der Regen bereits jetzt viele Häupter benetzte. Glücklicherweise war ich als Presse akkreditiert und konnte mich deshalb vordrängeln. Viel von dem Konzert von Matthew & The Atlas sah ich dennoch nicht, da meine Vorderleute mich längemäßig deutlich überragten und die Bar proppenvoll war. Einige pfiffige Zeitgenossen hatten sich auf Stühle oder das Fensterbrett gestellt, um auch mit den eigenen Augen zu sehen, wer da vorne so schön sang. Es waren Matthew and The Atlas, fünf junge Menschen aus England, die mit Banjo und Akkordeon antraten und mit Lindsay West auch eine junge Frau in ihren Reihen hatten. Lindsay konnte ich allerdings nicht erkennen, da sie auf einem Stühlchen saß.

Die junge Band gehört zur neuen englischen Folkszene, in der Mumford & Sons die Leitwölfe, aber bei weitem nicht die eiizigen mit Herblut, Charme und Talent sind. Ein junger Musiker, der bei Mumford & Sons in Diensten steht, war es allerdings, der die Bewegung zusammen mit ein paar anderen ins Rollen gebracht hat. Die Rede ist von Ben Lovett, der im Jahre 2006 begann, in einem West Londoner Club monatliche Folkabende zu organisieren und schon sehr bald aufstrebenden Stars wie Noah & The Whale, Laura Marling, JJ Pistolet, Peggy Sue etc. eine Plattform bot. Communion war geboren und wurde im Jahre 2009 sogar ein Label, auf dem unter anderem Nathaniel Rateliff, Ben Howard (waren Donnerstag im Spiegelzelt), Marucs Foster und eben die uns an dieser Stelle interessierenden Matthew And The Atlas veröffentlichen.

Matthew und seine Mitstreiter machten ihrem Label Communion am heutigen Tage keine Schande, sondern vertraten es äußerst würdig. Die Stimmug in der Haldern Pop Bar hätte nicht besser sein können. Grund hierfür waren die ungemein eingängigen (aber nicht platten!) Melodien, die tollen Singalong Parts und nicht zuletzt die wahnsinnige Reibeisenstimme von Matthew, die neben Marcus Mumford auch ab udn zu an Bon Iver erinnerte.

Das Konzert entwickelte sich zu einem kleinen Trimuphzug, Titel wie I Will Remain, Within The Rose, In Winter oder Beneath The Sea wurden begeistert aufgenommen. Matthew and The Atlas fanden genau die richtige Mischung zwischen herzerwärmenden Balladen und schmissigen Gassenhauern. Besonders der Song Within The Rose hatte es mir ganz außerordentlich angetan. Ich bekam ihn in den nächsten Tagen nicht mehr aus dem Ohr: "ohohohoho, you 'll find me in the morning hidden within the rose, down beneath the great lake... my grandfather did ask me: "did you know what you have done?", diese Songfetzen schwirren mir noch heute durch den Schädel. Himmlisch wie sich hier die Stimmen ergänzen, auf der einen Seite die brüchige Stimme von Matthew, auf der anderen das liebliche Kehlche von Lindsay. Ein Lied, das einen Schwärmen lässt und bei weitem nicht die einzige Perle im feinen Repertoire der Band war. Logisch also, daß etliche EPs nach dem Konzert einen neuen Besitzer fanden und viele von dem besten Konzert des Tages sprachen.

Für mich hatte dieses aber trotz geteilter Begeisterung für Matthew And The Atlas der bärtige Texaner Josh T. Pearson abgeliefert. Denn der Bursche hat nicht nur einen großen Schwanz ("eigene Aussage"), sondern jede Menge unfassbar nahegehender Lieder.

Zu diesem Konzert und zu den anderen am Mittwoch mehr...





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