Freitag, 3. April 2009

Metallica, Paris, 02.04.09

18 Kommentare

Konzert: Metallica (Machine Head)

Ort: POPB, Paris-Bercy
Datum: 02.04.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ziemlich genau 2 Stunden (nur Metallica)




Als Jugendlicher wurde ich vom Electropop Fan zum Heavy. Ein Junge aus Dortmund hatte mich mit dem Virus infiziert. Er war neu in unserer ländlichen Gegend und ging auf das gleiche Gymnasium wie ich. Wir freundeten uns an und irgendwann trafen wir uns jeden Tag bei ihm zu Hause. In seinem Zimmer hatte er eine stattliche Sammlung an Heavy Metal Platten auf Vinyl, die er mir mit großem Vergnügen vorstellte. Er grinste immer ganz diabolisch, wenn er die Platten aus den unglaublich hässlichen Covern zog, auf denen Monster in ekligen Farben abgebildet waren. Ich glaube er hatte ein diebisches Vergnügen dabei, mich mit dem Stoff zu versauen. Meine Lieblingsband waren damals die Pet Shop Boys, ich mochte aber auch Kraftwerk, Michael Jackson und sogar diese unsägliche schlechte Italo Disko Musik. Ich merkte schon innerlich, daß ich ziemlich schwülstige Pop Kacke höre, aber dieses Metallerzeug war mir am Anfang doch zu heftig. Dieses Verbotene und Gemeine am Heavy- Kram faszinierte mich aber schließlich doch immer mehr. Außerdem drängte auch mein neuer Freund darauf, daß ich mir mal eine ordentliche Plattensammlung zulege und endlich den poppigen Kram entsorge. "Wir müssen erwachsen werden meinte er, "richtige Männer!" Und zu diesem Prozeß gehörten natürlich...klar, auch Alkohol und Weiber! Gesoffen habe ich schon ziemlich bald in rauen Mengen, aber bei den Frauen waren wir beide noch recht unbedarft, wir waren ja gerade erst 15! Ich hatte allerdings schon ein paar Erfahrungen gemacht, mit denen ich ihm gegenüber prahlte. Natürlich habe ich alles schilllernder und dramatischer dargestellt als es war, aber er war trotzdem beeindruckt. Wir einigten uns darauf, daß ich sein Berater in Weibersachen sein soll und er mein Musikexperte. Das Problem war bloß, daß er scheiße aussah und auch ein wenig verklemmt im Umgang mit dem anderen Geschlecht war. Deshalb bekamen wir es bei unseren Ausflügen ins örtliche Freibad nie hin, zwei Mädchen mit in seine Bude zu schleppen.

Also glotzten wir schließlich in seinem Zimmer Pornos, die er von irgendeinem zwielichtigen Bekannten bekommen hatte. Scheußliche 70 er- Jahre Teile, bei denen mir heute noch die Kotze hochkommt, wenn ich daran denke. Und dazu lief immer Heavy Metal bis zum Anschlag...

Sein Geschmack war bei den Langhaarbands breit gefächert und er spielte mir mit einer Engelsgeduld alle möglichen Platten vor, die alle gleich stupide klangen. Metallica ragten aber für mich heraus. Da war etwas weniger vom Teufel die Rede als bei den anderen, der Schlagzeugrhythmus gefiel mir und vor allem war der Geang viel besser als bei Iron Maiden und Co. Irgendwie trockener , direkter, satter. Wenig Schnörkel und vor allem kein Lipstick wie bei Schwuchteln wie Europe, die aufgrund ihres enormen kommerziellen Erfolges immer mehr Bands beeinflussten, was dazu führte, daß Heavy Metal Mitte der 80 er poppiger und kitschiger als die Pet Shop Boys wurde...

Circa nach einem Jahr zog mein Freund wieder zurück ins Ruhrgebiet. Er war saufroh, aus der kaffigen Ecke wieder zu verschwinden und wir hörten nie mehr voneinander. Meine Lust auf Heavy Metal schwand wie sie gekommen war. Inzwischen gab es CD Player und da lief wieder Kram aus den Charts, inzwischen aber auch die Smiths, Pixies, Violent Femmes und die Ramones. Ein neuer Virus hatte mich gepackt: der Indie Rock und die Altenative Sparte. Zu Beginn meines Studiums war aber die Zeit für Grunge Bands wie Nirvana und Pearl Jam gekommen und in diese Phase fiel auch das sogenannte schwarze Album von Metallica. Ein geiles Werk, auf der es sogar mit Nothing Else Matters und The Unforgiven Balladen gab, die jedem gefielen, auch wenn einige hartgesottenen Fans damals Probeme hatten, dies zuzugeben. Die Typen, die den Harten raushängen ließen, sprachen lieber von Enter Sandman, Sad But True und Wherever I May Roam. Aber alles war stark auf diesem Album, die Balladen und die wuchtigen Stücke. Das schwarze Album lief deshalb oft in meiner Studentenbude, bis irgendwann Blur und Oasis in mein Leben traten und Metallica wieder out waren. Die Burschen hatten ohnehin eine schwache Phase in den Neunzigern, lieferten mit Load und Reload nur noch Mittelmaß ab. Sie waren reich und satt, ohne Biss und Inspiration.

Erst 2003 hörte man wieder von Metallica, als St. Anger erschien und später auch als ein hochinteresanter Dokufilm namens Some Kind Of Monster herauskam, in dem die enormen Spannungen zwischen Ulrich und Hetfield thematisiert wurden, die den kollektiven Gang zum Psychiater nötig machten. Zudem hatte James Hetfield starke Alkoholprobleme und musste sich deshalb monatelang therapieren lassen.

2008 kam dann das aktuelle Album Death Magnetic, zu dem es natürlich wieder eine ausgedehnte Tour gab, die sich bis ins aktuelle Jahr 2009 erstreckt. Die beiden Konzerttermine in Paris Bercy kamen früh in den Handel und waren ruck zuck ausverkauft. Die Pariser Hardrockfans, aber auch Anhänger aus der ganzen Welt, wollten sehen, was die alten Säcke - die vier Burschen sind mittlerweile Mitte 40 und haben alle mehrer Kinder - noch auf dem Kasten haben. Heavy Metal ist Hochleistungssport, da scheint es nicht abwegig, daß man in diesem Bereich früher zum Rentner wird als Songer/Songwriter wie Bob Dylan und Leonhard Cohen, die wahrscheinlich bis an ihr Lebensende Konzerte geben werden. Kein Wunder, daß man immer wieder liest, daß die Schulter von Lars Ulrich zwickt und zwackt...

Und nun April 2009. Ich begab mich am zweiten Tag nach Paris-Bercy. Vorbei an zahlreichen Schwarzhändlern und Fans, die noch vor dem Eingang draußen rumlungerten, marschierte ich zielstrebig in die riesige Allzweckhalle. Ins Palais Omnisport komme ich recht selten zu Rockkonzerten, öfter war ich für das im November stattfindende, hochklassig besetzte, Tennisturnier hier. Tennis ist neben dem Rock'n Roll meine große Leidenschaft und ich war da heute abend nicht der Einzige, denn Drummer Lars Ulrich kommt aus einer tennisbegeisterten dänischen Familie. Sein Vater war Profi und er selbst einer der besten Junioren des Landes. Wäre Lars nicht mit dem Heavy Metal- Virus infiziert worden, hätte er vielleicht eine glänzende Karriere im weißen Sport gemacht und möglicherweis dort, wo heute sein imposantes Schlagzeugset aufgebaut war, um Punkte und Siege gekämpft.

Für mich kein Zufall, dieser Zusammenhang zwischen Tennis und der Hardrock Musik, denn für beides braucht man den sogenannten Killerinstinkt. Wer seinen Gegner nicht ein kleines bißchen hasst und ihn förmlich wegschießen will, kann es zu nichts bringen. Tenniscracks sind charakterstarke Indivualisten, Sturköpfe, Egozocker, keine Teamplayer. Auch Ulrich ist aus diesem Holz geschnitzt. Ein Ehrgeizling sondergleichen, der immer der Beste sein will und dafür beinhart arbeitet. Aber alleine am Schlagzeug kann man nun einmal keinen Hardrock spielen und nur deshalb suchte er eine Band, die er per Annonce zusammen mit dem heißblütigen Gitarristen James Hetfield 1981 auf die Beine stellte. Die ganze Bandgeschichte mitsamt dem tragischen Tod des ersten Bassisten Cliff Burton muß ich hier jetzt nicht skizzieren, die kennt eh jeder. Wichtig erschient mir aber, daß es die zwei Querköpfe Ulrich und Hetfield trotz aller Differenzen und Spannungen, die sich ergaben, geschafft haben, sich immer wieder zusammenzuraufen. Deshalb spielen sie im Jahre 2009, 28 Jahre nach der Bandgründung immer noch Konzerte, haben trotz der ganzen Kohle die sie verdient haben immer noch Biss und Feuer.

Feuer ist ein gutes Stichwort, denn trotz des glimpflich verlaufenen Unfalls, den James Hetfield bei einem Konzert im kanadischen Montreal einmal erlitten hatte, gehören die in die Höhe schießenden Flammen bei zwei oder drei Liedern zum Spektakel dazu. Videoleinwände gibt es aber nicht mehr, darauf haben Metallica keinen Bock mehr, sie wollen so mehr Intimität schaffen. Und das gelingt ihnen auch verblüffend gut, vor allem deshalb, weil sie die rechteckige Bühne zur Death Magnetic Tour in der Mitte der jeweiligen Stadien platzieren, so daß jeder das Gefühl hat, nah dran zu sein.

Schon als ich die scheußliche Vorgruppe Machine Head sehe, fällt mir der Bühnenaufbau positiv auf. Das Ganze erinnert an einen Boxring, der von einem gleißenden Licht erhellt wird. Toll, das gefällt mir schon einmal sehr gut!

Zum Glück verziehen sich auch die langmähnigen Machine Head relativ bald, nachdem sie kein noch so dummes Metallerklischee ausgelassen hatten (das ständige "Ey you Motherfucker!", die Gestik und Mimik, einfach alles) und nun warten alle gespannt auf den Einmarsch der Helden. Ganz wie bei einem Boxkampf wird der Zugang durch einen abgesperrten Gang gewährleistet, durch den die Gladiatoren einmarschieren. Aber zunächst sieht man da keinen einmarschieren, obwohl es bereits 21 Uhr ist, eigentlich Startzeit der Hauptgruppe in Bercy. Auch das ist clever, denn es ist ja auch irgendwie uncool, pünktlich zu erscheinen. Moderne Helden der Rockkultur lassen ein wenig auf sich warten, damit man heiß auf sie wird! Die 20 Minuten Verspätung sind miteinkalkuliert, sie sind Teil eines minutiös ausgetüftelten Spektakles, bei dem Lars Ulrich die Fäden zieht. Es ist abgemachte Sache, daß kein Metallica Konzert länger als zwei Stunden dauern soll und dementsprechend ausgeklügelt ist die Setlist. Die wird seit ein paar Jahren immer etwas abgewandelt, weil die Band es satt hatte, jeden Abend "the same shit as usual" (O-Ton Lars U.) zu spielen. Ulrich bestimmt was gespielt wird, er schreibt die Setlist und teilt sie erst einen halbe Stunde vor Konzertbeginn an die Bandmitglieder aus.

Der Anfang mit That Was Just Your Life scheint aber immer gleich zu sein. Zunächst ist es dunkel und nur einzelne Lichtlein und Feuerzeuge erhellen das Stadion, dann startet die beindruckende Lasershow. Nicht jedermanns Sache, aber die hier ist wirklich besonders spektakulär! Die Lichtstrahlen werden durch die riesigen Särge abgefeuert, die sich wie von der Unterseite eines Ufos von der Hallendecke erstrecken. Die Särge werden im Laufe des Konzertes auch von Zeit zu Zeit nach unten gefahren, so daß man den Eindruck hat sie würden den Bandmitgliedern auf die Köpfe fallen. Lars Ulrich sitzt in der Mitte, sein Drumset wird sich unmerklich um 360 Grad drehen, so daß jeder ihn einmal frontal sieht. Die anderen wandern auf der Bühne hin und her und lassen sich in jeder Ecke mal blicken, auch das ein Effekt, um den Fans näher zu sein und jeden einmal mit seiner Präsenz zu beglücken.

Und Präsenz die hat er , der gute James Hetfield! Sein Charisma ist unbeschreiblich , mit seiner unfassbar druckvollen Nörgelstimme durchdringt er spielend das gesamte Stadion. Er sieht besser aus denn je, die langen Haare der Anfangsphase sind schon längst ab und sein Körper ist drahtig und muskulös. Mit seinem beindruckend tätowierten Bizeps könnte er einen Löwen erdrücken. Über sein enges schwarzes T-Shirt spannt sich ein klitzekleines Bäuchlein, aber für einen Mitte 4o Jährigen ist er blendend in Form. Was mir besonders an ihm auffällt sind seine stechend blauen Augen. Durch die Linse meiner Kamera kann ich sie gut erkennen. Trotz der Aggressivität, die er in seine Riffs und seine Performance legt, wirkt sein Blick fast gutmütig. Man merkt daß hinter dem beinharten Kerl ein sensibler (seine Eltern sind beide früh an Krebs gestorben) und intelligenter Mensch steckt, der haargenau weiß, daß es im Heavy Metal viel Posertum gibt. Er hat eigentlich nicht mehr viel Bock, diese ganzen Spielchen mitzumachen. Er hält sich mit Schimpfwörtern zurück, lässt Ausdrücke wie "motherfucker" und "fucking" meistens stecken. Viel lieber beschwört er das Band zwischen den Fans und Metallica, spricht von Liebe und Respekt und daß Musik, die Kraft hat, über schwere Phasen des Lebens hinwegzutrösten. Da wirkt er dann schon fast wie ein Prediger und natürlich weiß er, daß er damit die Corporate Identity beschwört. Metallica ist eine Weltmarke, einem Konzern nicht unähnlich. Ein Unternehmen das 100 Millionen Alben verkauft hat und in dem sogar ein eigener Physiotherapeut seinen Platz hat.

Trotzdem wirkt er, der sich wie Ulrich gerne per Privatjet einfliegen lässt, noch authentisch, ich nehme ihm seine Sprüche von der "Metallica Family" eher ab, als einem Michael "REM" Stipe seinen verbalen Protest gegen die damalige Busch Regierung.


Neben Hetfield ist natürlich Kirk Hammett mit seinen legendären Gitarrensoli die auffälligste Gestalt auf der Bühne. Er hat noch viel mehr Haare auf dem Kopf als Ulrich und Hetfield zusammen, obwohl er auch schon seit 1983 dabei ist und Mitte vierzig ist. Er ist mit Sicherheit der Eitelste der vier, selbst seine Augen sind geschminkt. Seine Bewegungen sind elegant und geschmeidig, er besticht durch Leichtfüßigkeit und beweist, daß die heute teilweise verpönten Gitarensoli immer noch nicht ganz out sind, selbst wenn es Leute gibt, die gar nicht darauf können...

Eher selten sehe ich den (relativ) neuen Bassiten Robert Trujillo, der im Jahre 2003 dazugestoßen ist. Die Position des Bassisten ist die Heikelste bei den Kaliforniern. Seit dem tragischen Tod von Cliff Burton im Jahre 1986 gab es mehrfach Wechsel und das Album St. Anger von 2003 wurde sogar im Studio vom Produzenten Bob Rock eingespielt. Robert passt aber gut in die Gruppe, er hat Erfahrung, ist Teamplayer und mit seinen langen Haaren und der lustigen Mimik sieht er auch markant aus.

Aber wie steht es um den "Boss" Lars Ulrich? - Nun der ist zwar mathematisch gesehen im Mittelpunkt der Bühne, aber logischwerweise auch am weitesten von den Fans entfernt. Und da er sitzt, sieht man sein Gesicht nicht so oft. Er ist sich dessen bewußt und es ist mit Sicherheit kein Zufall, daß er immer mal wieder zwischen zwei Songs aufsteht, etwas trinkt und ein wenig rumläuft, um ein paar Sätze an das Publikum zu richten, fast so wie ein Bela bei den Ärzten. Haare hat er nicht mehr allzuviel auf dem Kopf, der Däne leidet deutlich sichtbar unter fortschreitendem Haarausfall und er hat er sich auch konsequenterweise dazu entschlossen, die Matte, die er hinten noch eine Zeit lang hatte, abzurasieren. Er wirkt auffallend mager, fast ausgezehrt. Dick war er nie, aber er hatte damals vollere Wangen und mehr auf den Rippen. Ein Leichtgewicht, dem man rein äußerlich gar nicht zutrauen würde, daß er wie ein Geistesgestörter zwei Stunden trommeln kann! Sein Spiel ist präzise, satt und trocken und man hat bei jedem Hieb das Gefühl, daß er Peitschenschläge austeilen würde!

Was ist zu den einzelen Songs zu sagen? Nun, der Opener That Was Just Your Life vom neuen Album kam schon ziemlich gut, aber das nächste Lied was so richtig abräumte war One, von And Justice For all (1988).
Der Klassiker wurde schon an den ersten Riffs erkannt. Ein Lied, das für Metallica -Verhältnisse ziemlich schleppend startet, gegen Ende aber einen wahren Donnerhagel aus Riffs und Paukenschlägen abfeuert. Nach wie vor der helle Wahnsinn!

Ebenfalls stark ist das nachfolgende Broken Beat and Scarred, aber es kommt nicht ganz an den Klassiker Sad But True vom schwarzen Album ran,
bei dem die Meute im Chor "hey!, hey!, hey!" mitschreit. Verbrüderungsszenen finden statt und es wird gemeinsam geheadbangt und laut mitgesungen "I'm your dream, make you real, I'm your eyes when you must steal, I'm your pain when you can't feel, sad but true." Die Stimme von Hetfield hallt durch Bercy und Ulrich knallt drauf wie in seinen besten Tagen. Geil!!

Im Grunde genommen zieht fast jedes Lied gleich gut, aber ein paar Nummern ragen dennoch heraus. Master Of Puppets gehört auf jeden Fall dazu. Hetfield knurrt anfangs wie ein bissiger Hund und dann wird aus allen Rohren gefeuert. Das Tempo ist höllisch, es ist fast wie bei einem Bombenangriff! "Come crawling faster obey your master your life burns faster obey your master" und dann immer wieder im Chor: "Master! Master! Master!" Bei den Gitarrensoli wird die Melodie mitgesungen. Irgendwie merkt man, daß der Song aus den 80ern stammt, heute würde man das Ganze sicherlich anders aufbauen. Witzig dabei ist auch die dreckige JR- Lache von Hetfield.

Bei Fight Fire With Fire kommen wie auf Knopfdruck wieder Flammen aus dem Boden geschossen, bevor zum ersten und einzigen Male das Tempo gedrosselt wird. Jetzt ist nämlich kuscheln angesagt: Nothing Else Matters gefallt auch den Mädchen, die hier allerdings in der Minderzahl sind. Danach wird zum Finale geblasen.Und was für ein Finale da kommt: Enter Sandman schlägt ein wie eine Bombe und mischt die verschwitzte Meute noch einmal ganz gewaltig auf! Dem Aufruf zum Mitsingen ("sing it loud!") wird bereitwillig gefolgt und das Stück wird komplett ausgekostet, einen solchen Kracher will man nicht einfach hinrotzen, da wird die Trickkiste so richtig weit aufgemacht, man setzt immer wieder neu an, heitzt ein, reizt das Stück bis zum Geht-nich- mehr aus. Ein smash hit will schließlich gehegt und gepflegt werden. Es ist aber auch wirklich ein Kracher der Superlative, der die Wucht hat, einen ungespitzt in den Boden zu rammen! Ein psychedelischer Höllenritt, bei dem man so richtig die wilde Sau rauslassen kann. Die begeisterten Zuschauer erleben ein Finale, das an Intensität und Dynamik kaum zu überbieten ist! Episch!

Einzig und allein Enter Sandman hätte schon den Ticketpreis gerechtfertigt, aber es gibt nach einer kurzen Pause noch einen Nachschlag. Zunächst kommt der weißblonde Sänger der uralten Band Saxon auf die Bühne, um gemeinsam mit Metallica den eigenen Song Motorcylce Man zu performen, dann gibt es noch Hit The Lights, bevor mit dem uralten Seek & Destroy klassisch und erwartungsgemäß abgeschlossen wird. Band und Publikum mobilisieren letzte Kräfte, keifen gleichermaßen aus voller Brust Seek And Destroy. Riesige schwarze Ballons steigen in die Höhe und landen irgendwann auf den Köpfen der Leute, die sich um die Dinger schlagen. Trotzdem bleibt alles äußerst friedlich. In einer Szene wollen zwei Typen unbedingt den Ballon haben, reißen von beiden Seiten bis dem Plastikteil die Luft entweicht. Anfangs gucken sie grimmig, lachen anschließend aber über ihre eigene Dämlichkeit. Bassist Robert dreht sich unterdessen mitsamt Gitarre wie ein Hammerwerfer um die eigene Achse. Das ihm dabei nicht kotzübel wird und er auch nicht auf die Bühne reiern muß, wundert mich heute noch...


"Metallica fucking loves Paris" greint Hetfield ganz Profi und die Liebe beruht auf Gegenseitigkeit. Die alten Säcke haben ein Konzert der Superlative geboten, an das sich alle hier noch sehr lange erinnern werden! Und auch ich kann nicht leugnen, daß mich das Hardrockfieber wieder gepackt hat. Aber eigentlich geht es weniger um Heavy Metal, als vielmehr um die Band Metallica selbst. Die Typen sind immer noch unfassbar stark drauf, bissig wie scharf gemachte Pitbulls und feuriger als jede Flamme, die heute aus dem Boden geschossen kam! In die Särge von der Deko müssen sie sich noch lange nicht legen!

Long live Metallica. Metallica forever!!!!!!




Setlist Metallica, POPB, Paris Bercy 02/04/09:

01: That Was Just Your Life
02: The Ende Of The Line
03: The Four Horseman
04: Holier Than You
05: One
06: Broken, Beat And Scarred
07: My Apocalypse
08: Sad But True
09: Bleeding Me
10: All Nightmare Long
11: The Day That Never Comes
12: Master Of Puppets
13: Fight Fire With Fire
14: Nothing Else Matters
15: Enter Sandman

16: Motorcycle Man (Saxon Cover)*
17: Hit The Lights
18: Seek & Destroy

*In Paris gab es heute als Zugabe auch ein Lied von der Band Saxon, welches zusammen mit deren Sänger performt wurde: Metallica hatten Saxon zu Beginn ihrer Karriere einmal supportet. Dies war der Dank.

Pour nos lecteurs français:

Un concert énorme! Quelle tuerie! J'ai reçu une giffle momumentale! Lars Ulrich, James Hetfield et consorts ont montré que c'est toujours Metallica qui domine le Heavy Metal. Malgré leur age ils n'ont jamais été aussi frais, dynamique et puissant. Un rouleau compressuer qui ecrase tout sur son passage. En plus il y avait la meilleure lumière que j'ai jamais vu, des lasers, des effets pyrotechniques et à la fin des ballons noires gigantesques. Un très beau spectacle donc et une ambiance de folie...

Links:

- Mehr Fotos von Metallica hier
- Fotos von der gigantischen Lightshow hier
- Fotos von den Fans und der Atmosphäre hier
- Short Review and lot of great pics and a video on rockerparis
- Videos, Metallica live Paris Bercy 02/04/09: Sad But True,
Fight Fire With Fire
- Nothing Else Matters, Bercy 01/04/09, und hier das Allerschärfste in ziemlich guter Qualität Damage Inc




Donnerstag, 2. April 2009

Kaki King & The Konki Duet, Paris, 01.04.09

2 Kommentare

Konzert: Kaki King (The Konki Duet)
Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 01.04.2009
Zuschauer: volle Hütte
Konzertdauer: The Konki Duet 30 Minuten, Kaki King satte 110 Minuten



Der langmähnige Schlagzeuger von Kaki King ist zweifelsohne der Metallerfraktion zuzurechen. Die langen Haare, die Mimik und dann auch noch das T-Shirt von Van Halen!

"Ja, stimmt, ich bin Fan von Black Sabbath, AC/DC, Iron Maiden usw.", sagt er nach dem grandiosen Konzert am Merchandising Stand, als ihn eine Zuschauerin auf sein Shirt anspricht. Was er wohl von Metallica hält? Bestimmt eine Menge! Trotzdem wage ich es nicht, ihn damit zu konfrontieren, daß ich für das heutige Konzert im Nouveau Casino kurzerhand mein Ticket für Metallica verkauft habe. Er wird mich wahrscheinlich für verrückt erklären, mir sagen ich hätte eine Vollmeise. Dann käme er aber in Interessenkonflikte, denn schließlich hat er ja erstens selbst heute gespielt und zweitens kann er ja wohl schlecht in Gegenwart von Kaki King, die gleich dabeneben steht, behaupten, daß es heute anderswo ein spannenderes Konzert gab als dieses hier!

Der Abend fing schon gut an, denn mit The Konki Duet wurde eine vorzügliche Vorgruppe präsentiert. Erst neulich habe ich (hier!) über die drei Pariserinnen mit den drei Nationalitäten gesprochen. Die klassisch ausgebildete Violinistin Tamara (Tam) stammt aus Russland, die Keyboarderin Kumi aus Japan und Zoe, die Gitarristin, aus Frankreich. Seit ein paar Jahren musizieren sie zusammen und haben sich in der Indieszene dank ihrer Kreativität und Eigenständigkeit einen glänzenden Ruf erworben. Ihre ersten zwei Alben Il Fait Tout Gris und Mountain Mouton sind restlos ausverkauft und man muss warten, bis sie noch einmal neu aufgelegt werden. Aber selbst das ist nicht sicher. Sicher ist hingegen, daß es bald ein drittes Album geben wird und davon stammten auch fast sämtliche Stücke des rund 30 minütigen, knackigen Sets.

Vorzüglich gleich schon der Opener Daylight, den man auch auf dem Player auf der MySpace Seite der Mädels anhören kann. Liebliche Chorgesänge, eine sentimentale Geige und der charmante französische Akzent der Japanerin Kumi, zauberten gleich eine prima Atmosphäre in das Nouveau Casino. The Konki Duet werden wirklich immer besser, die zarte Melancholie im Stile von Stereolab und die herrlich gegen den Strich gebürsteten Arrangements gefallen mir ausgezeichnet. Sie vermischen unglaublich gekonnt Stile wie New Wave, Indie Pop und Noise und versehen ihn mit dem unwiderstehlichen French Touch.

Kracher des Abends war interessanterweise ein Instrumentalstück. Le Riff (bei MySpace als Demo zu genießen) ist ein hochdramatischer, postrockiger Schocker der allerersten Kategorie!

Bekannt sind The Konki Duet aber auch für ihre originellen Coverversionen. Sie haben bereits Fade To Grey von Visage und No One Knows von den Queens Of The Stone Age neu interpretiert und glänzten heute mit einer anderen tollen Coverversion. Diesmal handelte es sich um Savoir Faire (Video hier!) von Family Fodder, einem kultigen Klassiker des New Wave Genres. Familly Fodder waren eine Post Punk Girl Gruppe der frühen 80er Jahre, in der auch die französischen Sängerin Dominique sang. Ich kannte vorher noch nicht einmal das Original, war aber von dem Cover gleich angetan.

Der Abschluß dann wieder vom künftigen Album und wenn es so gut wird, wie die heutigen Kostproben, dann wird es ein Leckerbissen für Fans des schrägen Indiepops. Klasse!

Setlist The Konki Duet (merci à Tam!):

01: Daylight Song
02: Isolée
03: Ensemble
04: Nothing But Love
05: Sand & Salt
06: Le Riff
07: Savoir Faire (Family Fodder)
08: Pain & Trash
09: L'Esprit de la Ruche

Nun war Kaki King an der Reihe. Ein aus ihrem Namen - Katherine Elizabeth King - zusammengesetzter Begriff, der nicht unbedingt an eine weibliche Künstlerin denken lässt. Auch optisch hat sie etwas Knabenhaftes. Kurze Haare, Blue Jeans und ein schlichtes schwarzes Top, mehr braucht sie nicht, um gut auszusehen. Ich glaube sie ist eine Art Lesbenikone. Ich weiß es aber nicht genau und es ist mir auch egal, denn ich bin gekommen, um ihre vielgelobte experimentelle und innovative Gitarrenmusik live zu erleben, sonst nichts.

Ohnehin kommt sie bei Männern und Frauen gleichermaßen gut an, denn sie hat hübsche, charismatische Züge und eine kesse und sehr lässige Art. In einer besonders witzigen Szene knutschte sie einen französischen Fotografen von der Bühne aus ab, da der Kerl sie für ein Postershooting gekonnt in Szene gesetzt hatte. Sie räkelt sich auf dem Bild auf einem Laken, gleich neben ihr liegt ihre heißgeliebte Gitarre. Als sie ihn herzt, johlen ein paar Mädels und rufen entzückt: "You are so sexy!" Die Künstlerin winkte aber ab und ließ sich nicht weiter aus dem Konzept bringen. In der Regel war sie sowieso eher schweigsam und ruhig, sowohl während der Titel (logisch, die waren ja fast alle instrumental!) als auch dazwischen. Wenn sie aber mal etwas erzählte, hatte sie einen trockenen Humor. Sarkozy würde sie persönlich ausweisen, wenn sie ein bestimmtes Lied, daß die Leute von You Tube her kennen, nicht spielen würde, alberte sie herum und hatte die Lacher auf ihrer Seite. Ansonsten war es aber eher eine düstere und melancholische Angelegenheit. Ihre Lieder sind durchtränkt von Schwermut und geimnisvoller Mystik und wirken wie der Soundtrack zu einem spannenden Film, der in der amerikanischen Wüste spielt. Shoegaze nennt sie ihren Stil auf ihrer MySpace Seite, aber es nicht der gleiche Shoegaze wie wir ihn von den Engländern My Bloody Valentine kennen. Ihr Sound trägt eine amerikanische Gewürznote, was auch noch dadurch unterstrichen wird, das sie ihr erstes Stück an der Pedalsteelgitarre vorträgt. Vermutlich handelt es sich um den Track Gay Sons Of Lesbian Mothers, sicher bin ich mir da nicht, da ich mit ihrer Diskografie, welche 4 CDs und 2 EPs umfasst, noch nicht vertraut bin. Es ist schon verblüffend, was sie da so anstellt, man könnte fast meinen, es handele sich um Zauberei. Sie benutzt eine spezielle Loopsampler- Technik, so ähnlich wie das auch Entertainment For The Braindead macht, die ihr alle aus der Oliver Peel Session kennt. Die Pedal Steel Gitarre kommt insgesamt bei zwei Liedern zum Einsatz, beim Opener und bei der Zugabe. Ansonsten wechselt sie zwischen verschiedenen E-Gitarren und der Akustischen hin und her und zeigt den verblüfften Zuschauern jeweils ganz erstaunliche Techniken. Sie zupft, hämmert, streichelt, reißt, pocht, klopft und schrammelt, was das Zeug hält und beweist, daß man eine Gitarre sogar fast als Schlagzeug einsetzen kann. Eigentlich kein Wunder, schließlich hat sie als junges Mädchen zunächst als Drummerin begonnen. Ein Riesentalent, diese Katherine Elizabet und das sage ich, obwohl ich ihre technischen Fertigkeiten gar nicht so gut einzuverschätzen vermag, weil ich selbst kein Instrument spiele. Dave Grohl von den Foo Fighters hält aber auch ganz große Stücke auf sie und lobt sie über den grünen Klee. Und der muß es ja schließlich wissen oder sagt er das nur, weil er mit ihr ins Bett will? - Ich glaube kaum! Er hat sie sogar mit auf Tournee genommen und auch sonst ist Kaki King schon viel rumgekommen und hat mit anderen Künstlern zusammengearbeitet -und performt. Für Tegan und Sara steuerte sie beispielsweise schon ein paar Riffs zu deren Album The Con bei und wenn Kaki King singt, dann klingt es fast auch ein wenig wie bei den Zwillingen. Gesungene Stücke bleiben aber heute ganz klar die Ausnahme, insgesamt setzt sie nur bei drei Stücken ihre zarte Stimme ein. Sie lässt lieber ihre Instrumente sprechen und wird dabei auch bestens von ihren beiden männlichen Begleitmusikern unterstützt. Der blonde Kerl spielt hierbei ein ganz seltsames Instrument, ich glaube man nennt es Flügelhorn. Es erzeugt sehr interesante Töne, die optimal zur dichten, knisternden Atmosphäre, die an Postrockbands wie Tortoise und Slint erinnert, passt. Noch auffälliger ist aber der Drummer, der hochvariabel zu Werke geht. Er kann draufprügeln wie ein Heavy Metal Musiker, beherrscht aber auch die filigraneren Behandlungsweisen. Kaki King ist von ihm so begeistert, daß sie nach einem Stück ausruft: "This is like drummig orgasm, so amazing!" Ihre beiden Jungs hat sie sowieso ins Herz geschlossen, gerührt schildert sie, daß sie seit sieben Wochen mit ihnen durch ganz Europa (inklusive Deutschland ) unterwegs war und sie fast ein Familienersatz für sie geworden sind. Um das Schnulzige ihrer Worte etwas zu parodieren, sagt sie dann fast entschuldigend:"Ich musste das einfach mal loswerden und Paris schien mir der richtige Ort zu sein, um Gefühle zu zeigen. Im coolen London, wo wir morgen spielen werden, hätten sich die Leute wahrscheinlich lustig gemacht, so nach dem Motto: "Oh, was ist denn hier los, das Mädchen zeigt Gefühle!?"...

Und mit dem Londoner Konzert endete dann auch schließlich ihre Europatournee. Ich bin sicher, daß alle, die sie live erlebt haben, von ihrem Talent und ihrem charismatischen Wesen beeindruckt waren.

Sie scheut übrigens auch den Kontakt zu den Fans nicht und signierte heute in Paris auch noch bereitwillig Autogramme.


See you soon Kaki King! You are amazing!

Links:

- Mehr Fotos vom Konki Duet hier
- Mehr Fotos von Kaki King hier
- Kaki King im Video: Playing With Pink Noise. Da kann man wunderbar die Verwendung der Giatrre als Percussioninstrument sehen; Life Being What It Is live
. Da singt sie dann auch einmal...










 

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