Samstag, 2. Februar 2008

Findlay Brown, Paris, 01.02.08

0 Kommentare

Konzert: Findlay Brown
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 01.02.2008
Zuschauer: gab es leider nicht sehr viele



Am 12. September vergangenen Jahres feierte meine Frau Geburtstag. Auch Philippe, der Konzert-Junkie war geladen. Er war nicht der einzige Musiknarr, der auf der Gästeliste stand, es gab auch noch eine ganze Reihe ähnlich süchtiger Menschen, die aber fast alle erschienen. Nur Philippe kam in Kalamitäten: "Ähh, Cécile, ich würde ja gerne kommen, aber Findlay Brown spielt heute abend im Divan Du Monde, das bringt mich in eine Konfliktsituation", ließ er per e-mail wissen. - "Na dann geh' halt eben zu dem Konzert, wenn Du hinterher noch Lust hast, kannst Du ja immer noch vorbeischauen", richteten wir ihm aus. Und so geschah es dann auch, die wandelnde Musik-Enzyklopädie tigerte zu Findlay, ließ sich aber tatsächlich im Anschluß noch bei uns blicken. Fein, fein, so war jeder zufrieden...


"Ich verehre Findlay Brown, aber wie Du ja weißt, habe ich den schon letztes Jahr im Divan Du Monde gesehen, also gehe ich heute zu dem gleichzeitig in der Flèche d'or spielenden Levy, wir sehen uns dann wohl nicht". Schade, Philippe hatte mir schriftlich einen Korb gegeben, jetzt wo ich endlich auch mal zu Herrn Brown wollte! Umso größer war meine Überraschung den Mitvierziger in der Maroquinerie anzutreffen. Der Terminplan wurde geändert, Levy trat in der Flèche d'or erst später auf und mein Freund hatte plötzlich auch wieder Zeit für den englischen Singer/Songwriter. Wie so oft war er wieder früher erschienen und bekam im Gegensatz zu mir noch das gesamte Set der Franzosen von Revolver mit. "Wie die Zombies und die waren großartig schwärmte er". Stimmt, das was ich noch gehört hatte, klang wirklich ein wenig nach der stets unterschätzten Kappelle aus den 60-70er Jahren. Die drei Jungs von Revolver boten wunderbar harmonische Chorgesänge und erfreuten damit die Herzen der samt und sonders auf dem Boden sitzenden Pariser. Aber auch was danach kam, war stark. This Is The Kit ist das Pseudonym, das sich die niedliche Engländerin Kate Stables gegeben hat. Die leicht hippiesk gekleidete junge Frau, die momentan in Paris lebt, erschien aber nicht alleine. Mitgebracht hatte sie Jeese D Vernon, einen schüchtern wirkenden jungen Mann, der Kopf der Band Morningstar ist. Die Beiden harmonierten gut zusammen, sie spielte Gitarre, oder Banjo, er ebenfalls Gitarre und oft die Percussions. Besonders die Stimme von Kate hatte es mir angetan, sie erinnerte ein wenig an Dawn Mc Carthy von den Faun Faibles, die zusammen mit Bonnie Prince Billy 2006 ein wundervolles Album eingespielt hatte. Dem Set wirkte auch manchmal etwas Experimentelles an, es wurde aber nie schwer verdaulich. Im Genteil, der Charme und die Wärme der hübschen Lieder verzauberte mich auf Anhieb. This Is The Kit muß ich unbedingt im Auge behalten, bald soll auch das erste Album erscheinen.

Setlist This Is The Kit, La Maroquinerie, Paris:

01: She Does
02: One Of These Socks
03: Birchwood Beaker
04: We Need Our Knees
05: Krülle Bol
06: Two Wooden Spoons
07: With Her Wheels Again
08: In The Pines
09: Creeping Up Our Shins

Mehr Fotos von This Is The Kit

Es war schon gegen 22 Uhr (spät für Pariser Verhältniss, wo es normalerweise um 21 Uhr mit der Hauptgruppe losgeht), als sich ein großgewachsener, junger Mann in schwarzen Skinny-Jeans dem Publikum vorstellte. Es handelte sich um Findlay Brown, einen Burschen, der verblüffende Ähnlichkeit mit dem jungen Elvis Presley (als er noch schlank war) hatte. Diese Gesichtsform und die nach hinten gekämmten Haare, Wahnsinn, als stünde der Sohn des King vor einem! Musikalisch war das aber zum Glück näher an Nick Drake, als an der Legende aus Memphis dran, vor allem zu Beginn, als der Sänger einige Lieder ganz alleine an der Gitarre vortrug. Andächtig schaute das nach wie vor auf den Stufen und dem Boden sitzende Publikum Richtung Bühne und schmachtete vor sich hin. Ein durchgängig ruhiger Liederabend wurde es aber dennoch nicht. Dafür sorgte die vierköpfige Band, die nach drei Liedern erschien und die Lautstärke deutlich erhöhte. Darunter war auch eine blonde Keyboarderin, die Findlay auf amüsante Weise vorstellte. "Sie ist Serbin, zumindest zum Teil. Zum anderen Teil ist sie Kroatin und das ist ihre bessere Hälfte!" Der melancholische Kerl hatte also auch Humor und schüchtern wie ein Nick Drake wirkte er schon gar nicht. Einmal forderte er sogar die Leute auf, ein bißchen mehr mitzugehen. "Hey, come on, I know you can to this better than that". Vielleicht lag die Zurückhaltung bei den Besuchern daran, daß so einige neue Titel gespielt wurden, die dann auf der zweiten CD des Engländers zu finden sein werden. "In meiner Heimat bringe ich die neuen Sachen schon eine ganze Weile, ich hoffe ich überfordere Euch nicht damit", schilderte der Crooner fast entschuldigend. Das war allerdings wirklich nicht das Problem, denn die unveröffentlichten Stücke schienen mir auch überwiegend sehr gelungen. Natürlich aber waren "alte" Perlen wie "Separated By The Sea", "I Will" und "Come Home", die allesamt am Anfang gebracht wurden, vertrauter und eingängiger. Vom Debüt stammte auch eines der Highlights des Abends nämlich das entfernt an The Coral erinnernde "Losing The Will To Survive". Ganz egal, ob neue oder alte Lieder, eins wurde jedenfalls deutlich: Der Mann hat jede Menge Talent! Seine psychedelischen, klassisch arrangierten Kompositionen wirkten zeitlos und bestens gewappnet, den Hörer auch noch in etlichen Jahren zu erfreuen, dann wenn schon andere gehypte Bands längst in der Versenkung verschwunden sind. Deshalb war es auch kein Problem, daß ich persönlich Findlay erst später als Philippe erlebt habe. Der Künstler, der am Ende zur Überraschung aller auch noch eine Zugabe mitten im Publikum gab, wird uns zum Glück noch eine ganze Weile erhalten bleiben, da bin ich mir sicher!

Setlist Findlay Brown, Maroquinerie, Paris:

01: Separated By The Sea
02: Come Home
03: I Will
04: Love Will Find You
05: All That I Have
06: That's Right
07: Nobody Cared
08: I Had A Dream
09: Losing The Will To Survive
10: Don't You Know I Love You

11: Mystery Train
12: Down Among The Dead Men





Levy, Paris, 01.02.08

0 Kommentare

Konzert: Levy
Ort: La Flèche D'or, Paris
Datum: 01.02.2008
Zuschauer: so einige



Nach dem gelungen, aber recht kurzen Konzert von Findlay Brown in der Maroquinerie (Bericht morgen hier!), erschien es realistisch, Clubhopping zu betreiben und gleich im Anschluß in die relativ nah gelegene Flèche d'or zu hasten.
Mein Freund Philippe hatte natürlich wieder den totalen Überblick. Er hatte mittags schon in dem Laden angerufen und in Erfahrung gebracht, daß Levy in der Flèche als letzter angesetzt sei. Mit seinem Auftritt dort, sei also gegen 23 Uhr 15 zu rechnen. Mir mußten uns sputen, um nichts zu verpassen. Also legten wir den Turbo ein und erreichten im Laufschritt pünktlich den szenigen Laden. Dort war der rote Vorhang noch geschlossen, wie immer zwischen den einzelnen Acts. Lediglich CDs am Merchandising - Stand deuteten auf den bevorstehenden Auftritt der amerikanischen Band Levy hin. Keine 5 Minuten später ging wie von Zauberhang der Vorhang auf und zum Vorschein kamen 5 Musiker mittleren Alters (für Rockstarverhältnisse, also um die 25-30), die gleich flott loslegten. In der Flèche d'or haben die Künstler selten die Möglichkeit zu trödeln, in der Regel sind am gleichen Abend 4 Bands angesetzt, so daß die einzelnen Konzerte jeweils recht kurz sind. Allerdings ist der Eintritt frei, eine feine Sache, zumal sich hier im letzten Jahr schon namhafte Bands wie die Blood Red Shoes, die Good Shoes, oder iliketrains die Klinke in die Hand gaben! Heute also Levy als letzte Gruppe (die Formierungen vorher sagten mir nichts, aber ich war ja zu diesem Zeitpunkt eh in der Maroquinerie), bevor im Anschluß ein DJ Techno-Musik auflegte. Aber auch das Set, daß die Amerikaner brachten, war durchaus tanzbar. Von einer Ballade abgesehen, die circa zur Mitte des Gigs gespielt wurde, wurde nie das Tempo herausgenommen.

Alles wirkte frisch, melodiös und Laune machend. Wenn da bloß nicht der etwas fade Beigeschmack des déjà-entendu gewesen wäre! Woher kenne ich die Gitarrenriffs?, fragte ich mich nachdem ich ein paar Songs gehört hatte? Und die Stimme, wonach klingt die? - Klarer Fall, daß war eindeutig der Sound der Strokes (vor allem bei "King James"), dieses treibende Element und diese wehleidige in der Stimme! Kein Wunder, wie die Band um Herrn Casablancas, stammen Levy aus Brooklyn, New York. Und wenn nicht gerade die Strokes als Blaupause dienten, dann war es Morrissey. Deshalb kühlte sich meine anfängliche Begeisterung ziemlich rasch ab. Von einer eigenen Handschrift, die die Band von der Masse der Gitarrenbands absetzen würde, merkte ich nicht sonderlich viel. Insofern kann ich auch die von Tim "Ash" Wheeler geäußerte Begeisterung über die New Yorker nicht ganz nachvollziehen. Wem es allerdings nichts ausmacht, daß Levy nicht sonderlich originell sind, empfehle ich einen Konzertbesuch auf jeden Fall. Kurzweilig und fetzig sind sie allemal. Am 9. Februar 2008 besteht in Eindhoven die Gelegenheit dazu und am 12. Februar tritt das Quintett um Sänger, Songwriter und Namensgeber James Levy im Grünen Jäger in Hamburg auf.

Eine (auf Grund der Kürze des Auftritts nicht allzu lange) Setlist von Levy gab es übrigens nicht, aber natürlich wurden im Wechsel Lieder der beiden bisher erschienen Alben "Rotten Love (2005) und "Glorious" (2007) gespielt.



Freitag, 1. Februar 2008

The Enemy, Köln, 30.01.08

1 Kommentare

Konzert: The Enemy

Ort: Gebäude 9 Köln
Datum: 30.01.2008
Zuschauer: gut besucht aber nicht ausverkauft


Jetzt geht wieder alles von vorne los. 2008. Das erste Konzert des Jahres, das eigentlich schon letztes Jahr hätte stattfinden sollen. Das eigentlich schon vor 2 Wochen hätte stattfinden sollen. Das gestern abend stattfand. The Enemy, diese kleine junge britische Band aus Coventry spielte endlich im Gebäude 9.


Nach zweimaligem Absagen der Tour gab es nun keine Ausreden mehr. Keine Viruserkrankung, keine anderen Auftrittsverpflichtungen. Der Kontinent wartete lang genug und muss endlich bedient werden. Und das wurde er.

Die Frage, die ich mir seit dem ersten CD Durchlauf von “We’ll live and die in these towns” gestellt habe, ist: Sind The Enemy nur ein 2007er Hype des NME (Breakthrough Act 2007) oder überleben sie auch in 2008. Der Abend beantwortete die Frage mit einem klaren: ja, sie überleben auch die nächsten Jahre!

Im Gebäude 9 war noch Platz. Es war gut besucht, aber nicht rappelvoll. Klar, vielen passt ein Neuansetzungstermin nicht in den Kalender, erst recht, wenn es der zweite innerhalb weniger Tage ist. Und auch klar, wegen der Kurzfristigkeit ist es schwer, Werbung zu lancieren und die Bude richtig voll zu bekommen. Denn The Enemy sind noch nicht The Police. Wie komm ich da jetzt drauf? Egal!

Die Stimmung war erwartungsvoll und gut. Neugierde lag in der Luft und ich war gespannt. Dabei standen meine Vorzeichen gar nicht so günstig. Eine aufkommende Halsentzündung, die mich durch den Tag schleppen ließ, das Wetter eher zum daheim bleiben anstatt sich ins Auto zu setzen und nach Köln zu fahren, liessen mich kurz zweifeln. Aber ich konnte mich aufraffen. Und das war gut so.

Um kurz nach zehn legten The Enemy grandios vor. “Away from here” war der Opener, der die Richtung vorgab. Die nächsten Songs wurden ohne Unterbrechung runtergebrettert. Das Tempo war atemberaubend. Wenn die CD-Konserve ein Fahrrad ist, dann war es live das Space Shuttle mit March 3. Keine Atempausen. Keine Ruhe auf der Bühne. Extreme Lautstärke im Raum. Waren die drei Jungs auf der Flucht? Es fühlte sich so an.

Dieses Wahnsinnstempo, das bei den rockigen Nummern gut funktionierte, zerstörte aber leider Sachen wie “We’ll live and die in these towns” oder das wunderbare “Happy Birthday Jane”, dass mich auch live stark an Oasis “Little James” erinnert. Hier wäre ein bischen weniger mehr gewesen. Die Melancholie ging verloren, auch wenn Sänger Tom Clarke für “Happy Birthday Jane” zur Akkustikgitarre griff. (Es scheint also immer noch so zu sein, dass ein wie-auch-immer aussehender Akkustikgitarrenpart zu einer britischen Konzertshow gehört wie das Aschenkreuz zu Aschermittwoch.) Doch hier und heute hätten sie es sich sparen können. Es ging gnadenlos unter. Hätte man mehr draus machen können. Genau wie die fürs Publikum prädestinierten Mitgröllparts in “You’re not alone” oder “Aggro”, die so schnell runtergerissen wurde, dass die ersten Reihen nicht den Hauch einer Chance bekamen.


Apropos Tom Clarke. Dieser, eher klein von Statur, hat tatsächlich schon alle grossen Gesten drauf, die man an Liam Gallagher so liebt. Arrogant wirkender, leicht abgehakter Schlendergang, provozierender Gesichtsausdruck. Very british und so typisch british working class, dieses spezielle Lebensgefühl zwischen Fussball und Bier, diese Mischung aus Stolz und Verzweifelung. Irgendwo zwischen The Jam und Oasis, irgendwo zwischen Mitgröhlpop und grossen Melodien. An den Trainingsjacken von Adidas und Fila erkennt man sie alle, die britischen Lads der Post Oasis Ära. Also kein Zufall, dass dies das Bühnenoutfit von The Enemy war.

Nach 45 Minuten war dann unspektakulär Schluss. Eine kurze, letzte Ansage, die, wie alle “Thank you’s” oder “This is…”, in den ersten bzw. letzten Takten der Songs unterging, noch einmal für drei Minuten alles geben, und dann runter von der Bühne. Es wurde alles gesagt bzw. gespielt was es zu spielen gibt. Licht an. Schluss.

“Warum nicht noch eine Coverversion als Zugabe, wenn das eigene Material durch ist?”, könnte man fragen. Wir hätten es verdient gehabt, und die schwedische Vorband (gar nicht mal so schlecht), machte es mit “Police on my back” doch hervorragend vor?

Haben wir aber nicht. Das Gebäude 9 akzeptierte relativ klaglos. “Die haben halt nicht mehr”, schienen alle zu denken. So richtig unzufrieden war niemand. Dafür waren die letzten 45 Minuten zu intensiv, zu beeindruckend.

Last exit The Enemy. Das war für gut eine Woche das letzte musikalische Kontrastprogramm dieser Stadt zum Karneval. Und es war ein gutes!

“Ich hab’ne Zwiebel auf dem Kopf ich bin ein Döner!” Alaaf!

von Frank von Pretty-Paracetamol



Donnerstag, 31. Januar 2008

The Woodentops, Paris, 30.01.08

0 Kommentare

Konzert: The Woodentops

Ort: New Morning, Paris
Datum: 30.01.2008
Zuschauer: mittlere Füllung



Mein Plan war ambitioniert und stellte sich letztendlich als nicht machbar heraus: Ich wollte mir zunächst die alten Rough Trade- Legenden The Woodentops im Jazzcafé New Morning ansehen, um dann anschließend zu meinen Lieblingen Kim Novak in die Flèche D'or zu eilen, die dort als dritte Band angesetzt waren. Dieses Clubhopping schien mir durchaus realisierbar, weil das Ticket für die Woodentops als Anfangszeit 19 Uhr 30 auswies. Nun gucke ich normalerweise auf die Entrittskarten ja noch nicht einmal mehr drauf,
weil ich weiß, daß die Hauptgruppe eh immer erst gegen 21 Uhr beginnt, ganz egal was da auf den Ticks geschrieben steht. Gestern aber hoffte ich, daß die Vorgruppe Jake Ziah wirklich um 19 Uhr 30 starten würde und die Woodentops dann gegen 20 Uhr 30. Pustekuchen! Die Bluesmusiker von Jake Ziah ließen sich viel Zeit und legten erst gegen 21 Uhr 30 los, Kim Novak konnte ich somit abschreiben! Die Enttäuschung darüber legte sich aber, als die Engländer The Woodentops ihre ersten Songs schmetterten. Es war inzwischen fast 23 Uhr und es sollte ein langer Abend werden. Allerdings ein sehr gelungener...

Wer sie nicht kennt: The Woodentops sind eine britische Band, die ihre Glanzzeiten in den 1980er Jahren hatten und bei den Musikkritikern hochangesehen waren. Unter Vertrag standen sie bei dem renomierten Label Rough Trade und waren somit Kollegen von The Smith und vielen anderen glänzenden Bands. Allerdings habe ich damals persönlich so gut wie nichts von der Formierung um Sänger, Gitarrist und Songwriter Rolo Mc Ginty mitbekommen. Stattdessen hörten ich und Christoph (allerdings erst Ende der 80er, Anfang der 90er) ähnliche Bands wie The Fall, The Smith, Pixies, Violent Femmes und die B 52s und zwar meistens in unserem Lieblingsclub Logo in Koblenz. An diesen Laden und die tolle Zeit, die wir dort als Heranwachsende verbrachten, mußte ich gestern oft denken. Damals habe ich zum ersten Mal Pogo getanzt und fand das alles sehr spannend und aufregend. Die Hochphase des Post-Punk Ende der 70er hatten wir ja verpasst, aber wir bekamen zumindest mit Verspätung in der Provinz eine Idee davon, wie geil das wohl gewesen sein mag, wenn Bands wie Joy Division, oder die Gang Of Four in London auftraten. Mein Bekannter Etienne, ein Franzose jenseits der vierzig, mit dem ich gestern im New Morning war, konnte mir von diesen glorreichen Zeiten auch so einiges erzählen. Er hatte etliche Kultbands der New Wave und Post Punk Ära noch live in Paris miterlebt. Insofern war das wirklich eine Art Zeitreise gestern, äußerst kultig und irgendwie auch grotesk. Umringt von alten Säcken (ich nehme mich da nicht aus!) der Pariser Bohemien- Szene tanzte ich zu den oft aggressiven und ungemein zackigen Klängen der Woodentops kräftig ab. Es war ein Heidenspaß dem "Giftzwerg" Rolo McGinty zuzusehen, wie er mit seiner Gitarre in meiner unmittelbaren Nähe am Bühnenrand einheizte und etliche Punk Posen brachte. Erschienen war er zunächst mit einer dunklen Sonnenbrille, bevor diese und seine Jacke fielen und er den aufgeheizten Fans so manche irre Blicke zuwarf. Seine Gestik hatte etwas gemein Sadistisches und allein wie er seine Gitarre hielt (wie ein Gewehr) war völlig abgefahren und sehenswert. Sehenswert war auch die schüchterne, aber mit einem bezaubernden Lächeln ausgestattete neue Keyboarderin Aine o'Keeffe und die anderen Bandmitglieder, als da wären Simon Mawby, ein alterslos wirkender Typ an der Gitarre, Frank de Freitas am Bass und der dynamische Benny Staples am Schlagzeug. Letzgenannter hieb auch desöfteren auf eine Kuhglocke ein und gab so dem Sound eine groovig- funkige (und manchmal auch regelrecht tropikalische) Note. Sein Spiel war extrem trocken, schnell und zackig. Tanzen war Pflicht und man konnte sich regelrecht in einen Rausch steigern, weil den Klängen auch etwas Tribalisches anhaftete. Kurzum es war saucool! Seit der Gang Of Four hat mich keine alte Band, die auf die Bühne zurückgekehrt ist, mehr in ihren Bann gezogen. Ein wahres Feuerwerk treibender, packender Songs wurde abgefackelt, darunter frühere Singleauskoppelungen wie "It Will Come", "Good Thing" (Top 30 in England) und "You Make Me Feel". Publikum und Band amüsierten sich glänzend und die Oldies auf der Bühne hatten gar keine Lust, ihr Set schnell und lustlos runterzunudeln. Stattdessen spielten sie ein äußerst ausgedehntes, aber nie langweiliges Programm, das sich über satte 100 (!) Minuten erstreckte. Und als Zugabe gab es tatsächlich noch das während des Konzertes ständig von Fans geforderte Stück "Love Train" und auch zwei weitere Titel, "Shout" und "Travelling Man".

Setlist The Woodentops, New Morning, Paris:

01: It Will Come
02: Plenty
03: Hear Me James
04: Everything Brakes
05: Conversations
06: Spotlight
07: Give It Time
08: Good Thing
09: Get It On
10: A Pact
11: Stay Out Of The Light
12: You Make Me Feel
13: Last Time
14: Why
15: Move Me
16: Stop This Car

17: Love Train (Z)
18: Shout (Z)
19: Travelling Man (Z)

Konzertdauer (Woodentops) : gut 100 (!) Minuten





Mittwoch, 30. Januar 2008

Cocoon, Paris, 29.01.08

2 Kommentare

Konzert: Cocoon
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 29.01.2008
Zuschauer: seit langem ausverkauft!



Zunächst einmal dieses hier:


"Happy Birthday to you, Happy Birthday to you, Happy Birthday lieber Christoph, Happy Birthday to you!"

Hast Dich gut gehalten alter Blogger-Partner! Deine 37 Jahre sind man Dir gar nicht an, man könnte Dich glatt auf,...ähem, nun sagen wir...35 1/2 schätzen! Ehrlich! Nun gut, kann ja nicht jeder so jung aussehen wie ich, mit meinem vollen Haar und dem flachen Bauch (die zweite Aussage ist gelogen!). Ich setze Dir hiermit die Blooger-Geburtstagskrone auf! Und wenn wir nicht von einem wütenden Musiker erschlagen werden, der uns seine Gitarre über die Rübe zieht, oder uns nicht ein Künstler hinterrücks erschießt, über den wir schlecht berichtet haben, dann sehen wir auch noch die 4 vorne bei der Altersangabe. Sei Dir darüber im Klaren, daß Du vor mir 40 wirst. So!

"My Friends All Died In A Plane Crash"

Nein, nein, ich rede nicht von mir, meine Freunde sind ja keinesfalls alle bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Der Beweis: Christoph ist quitschfidel, wenn auch inzwischen ziemlich alt. Ich zitiere vielmehr einen der desillusioniertesten Albumtitel des Jahres 2007, der sich mit "We Were Dead Before The Ship Even Sank" von Modest Mouse einen harten Zweifampf in dieser zynischen Kategorie lieferte. Dieser Albumveröffentlichung vorausgegangen war allerdings die erste EP von Cocoon, "From Panda Mountains". Und Panda ist auch schon das richtige Stichwort. Irgendwie dreht sich bei dem französischen Duo Mark und Morgane (schrecklicher Name für ein hübsches Mädchen!) nämlich alles um dieses Tierchen. Beispiele gefällig? - Die Rubrik "Influences" auf ihrer MySpace Seite ziert...natürlich...ein Panda Bär! - Die Tournee 2008, die sie durch ganz Frankreich und halb Belgien (allerdings vorerst nicht Deutschland) führen wird, heißt...klar: Panda Tour! Und auf dem Album - Cover, das heute mittels eines Projektors an die Wand gestrahlt wurde, sieht man...? Na? - Falsch! Keinen Panda, sondern eine Katze! "Wir mögen halt eben Tiere", sagten sie im Laufe des Konzertes irgendwann ganz lapidar. Anscheinend auch in Plüschform. Was tummelte sich nicht alles da vorne auf der Bühne. Eine Ratte, ein Äffchen, ein Igel, (aber natürlich auch ein Panda!)) allesamt vor Morgane's Piano, bzw. an ihrem Mikrofonständer und ein...hmm, Eichhörnchen (war das eins?) auf Mark's Gitarre und ...klar auch ein kleiner Panda auf seiner Ukulele. Anscheinend kriegen sie jetzt auch von Fans die Viecher geschenkt, so daß sie wohl am Ende der Tour nicht mehr wissen, wohin das flauschige Zeug soll. Stolz, aber auch belustigt, zeigte Mark gegen Mitte des Konzertes auch einmal hoch, was sie wieder Schönes bekommen hatten. Aber jetzt Schluß mit den Tierchen! Kommen wir zur Musik!

Logischerweise begann alles mit dem Titel "Take Off". Klar, bevor das Flugzeug abstürzt, muß es ja erst einmal starten! Aber was sang Mark denn da mit herzerweichender Stimme? : "Well I wish that I could land" und: "The Take Off is sometimes hard, I dream Of A Bodyguard". - Das stimmte nachdenklich, aber ganz so todernst ist das bei Cocoon nicht, manchmal sogar ganz im Gegenteil. Hier darf gelacht, gesummt, geklatscht und gleich von dem zweiten Lied "On My Way" auch mitgesungen werden. Und sogar auf den Boden durfte (sollte) man sich setzen, das sei "sehr hippie" (O-Ton Mark) und außerdem sei dieser sauber. So leisteten dann auch alle dieser Aufforderung Folge und machten es sich bequem , um andächtig dem berührenden Stück "Cliffhanger" zu lauschen. Dieses hatte definitiv nichts mit Silvester Stallone zu tun, sondern mit einem Bergsteiger, der wohl beim Aufstieg seine Zehen verloren hatte. Tragisch, aber das Lied war wirklich wunderschön mit seinen hineingesampelten Streicherpassagen. Danach wurde es vulgär, zumindest dem Titel nach zu urteilen. "I don't Give A Shit" von ihrer eingangs erwähnten EP war an der Reihe. Die beiden Musiker wirkten allerdings so nett und wohlerzogen, daß es ihnen fast peinlich schien, diese Wörter auszusprechen, genau wie Mark später förmlich errötete als er den Ausdruck "Bitch" in einem anderen Song ("Seesaw") benutzte. Aber es muß ja nicht jeder Künstler aggressiv und versaut sein. Die beiden sind nun einmal so wie sie sind. Liebenswürdig, aufmerksam, höflich. Mark würde den perfekten Schwiegersohn abgeben, aber stille Wasser sind ja oft tief...

Und das Publikum? Na, das war schwer angetan, schließlich waren ja auch nur nette und liebenswürdige Leute da, von der alten Ziege, die sich von meiner Knipserei gestört fühlte mal abgesehen. Die Stimmung hätte feierlicher nicht sein können. Der Franzose würde sagen, daß sie "Bon enfant" (gutes Kind) war. Wunderschön auch, daß alle bei "Hey Ya" dem OutKast Cover mitsangen. Ja, ja, richtig gelesen, OutKast! Eine Folk-Band wie Cocoon covert Hip Hop Lieder, wäre ja auch zu einfach gewesen, Klassiker des eigenen Genres zu verwursten! Später mußte auch ein moderner Soul-Klassiker dran glauben: "Rehab". Erstaunlich wie viele Bands sich schon an der Amy Winehouse Nummer versucht haben. Art Brut und die 1990s haben das schon eingebunden, jetzt also auch die Franzosen. Allerdings glaube ich nicht, daß sie irgendwann im Leben mal eine "Rehab" brauchen werden...

So ging es noch eine ganze Weile munter weiter, das Publikum durfte mal einen sterbenden Dinosaurier nachmachen ("Paperboat"), über Weichnachten mitlästern ("Christmas Song"), oder zu "Tell Me" (I Hate Birds) mitschluchzen. Hach, es war herrlich! Kein Wunder, daß die beiden am Schluß zweimal wieder rausgeklatscht wurden, um vielumjubelte Zugaben zu geben. Und am Ende stand dann...klar das an die Wand geworfene Bild eines... Pandas...


Setlist Cocoon, La Maroquinerie, Paris:

01: Take Off
02: On My Way
03: Cliffhanger
04: I Don't Give A Shit
05: Hummingbird
06: Microwave
07: Hey Ya (Outcast Cover)
08: Paper Boat
09: Christmas Song
10: Seesaw
11: Vultures
12: Superheroe
13: Rehab (Amy Winehouse Cover)
14: Tell Me
15: Chupee

16: Baby Seal (Z)
17: Oklahoma (Z)

18: Owls (Z)

Konzertdauer: 75 Minuten.





 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates