Samstag, 19. Januar 2008

Iron & Wine, Paris, 19.01.08

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Konzert: Iron & Wine

Ort: Le Divan Du Monde, Paris
Datum: 19.01.2008
Zuschauer: complet (ausverkauft!)


"Es wird großartig, verprochen!" - Bloggerkollege Eike kam schon vor mir in den Genuß eines Iron & Wine Konzertes und stimmte mich schon einmal mental auf den heutigen Abend ein. Sam Beam und seine Truppen hatten nämlich vor Paris in Deutschland gastiert und dort in einer Dachauer Kirche ein mit Sicherheit großartiges Konzert gegeben. Keine Sekunde zweifelte ich an Eike's Voraussagung, aber daß es dermaßen gelungen werden würde, übertraf dann doch meine kühnsten Erwartungen!

Aber mal hübsch der Reihe nach...

Der Abend begann außerordentlich pünktlich mit der talentierten Amerikanerin Eleni Mandell, auf die ich dank..., na klar, Eike gestoßen bin. Als ich um 20 Uhr 15 den proppevollen Saal betrat, hatte die Dame schon seit einigen Minuten losgelegt. Man sagte mir, daß sie seit circa einer Viertel Stunde zugange sei. Schade um die verpassten Momente, aber zum Glück bekam sie vom Divan Du Monde das Recht eingeräumt, noch ein paar Ihrer hübschen Kompositionen alleine an der Gitarre vorzutragen. Mir fiel auf, daß das Ganze im Gegensatz zu dem gelungen Album... weniger im Jazz beheimatet war. Was mir zu Ohren kam, war vielmehr ziemlich eindeutig dem Genre Folk zuzuordnen. Insofern eine interessante Erfahrung, genannte Unterschiede zwischen CD ("Miracle Of Five") und Live-Performance festzustellen. Die Kalifornierin (sie lebt in L.A., die Glückliche!) überzeugte aber nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch einem natürlich-charmanten Wesen und sehr ordentlichen Französischkenntnissen. Bekannte von mir wollten gar erfahren haben, daß sie in inzwischen in Paris lebe. Dies bestritt die Folkeuse aber auf meine nach nach dem Konzert gestellte Nachfrage hin. Sie sei zwar für ein paar Wochen in der französischen Metropole zu Gast, danach gehe es aber wieder zurück in die USA. Sozusagen als Gastgeschenk hatte sie vorher auch ein nagelneues Lied zum Besten gegeben und zudem darf ich sie erneut erleben, wenn sie für die Franzosen Hey Hey My My Ende des Monats in der Maroquinerie eröffnen wird. Darauf freue ich mich...

Service: Eleni Mandell im Video:
- Girls
- Afternoon

Ebenso pünktlich wie Eleni legte Sam Beam los. Genau um 21 Uhr startete er in ein vorzügliches Set, welches insgesamt stattliche 90 Minuten dauern sollte. Da sage noch einmal jemand, für sein Geld bekäme man heutzutage nichts mehr geboten! Zunächst konnte ich neben ihm nur eine schmale blonde Sängerin ausmachen (Sarah Beam, seine Schwester), die sich auch an der Violine und den Percussions auszeichnete. Schon beim nächsten Lied aber stießen weitere Musiker hinzu, insgesamt teilten sich 7 Musiker die Bühne, den Chef miteinberechnet. Dieser fiel sofort durch seinen langen Rauschebart auf, was ihm einen sanftmütigen, aber auch eigenbrötlerischen Eindruck verlieh. Ich fragte mich spontan, warum eigentlich bärtige Musiker oft so begnadet sind, verließ aber schnell die Äußerlichkeiten und konzentrierte mich stattdessen auf seine wunderschöne Stimme. Von seinen Alben ist mir natürlich bekannt, daß der Mann ein butterweiches Gesangesorgan hat, daß er aber live noch viel besser klingen würde, verblüffte mich dann doch. Selten habe ich jemanden so unangestrengt engelsgleich schönste Lieder intonieren gehört! Es war von Anfang bis Ende ein Hörgenuß! Auch die Band, die an Kontrabass, Piano, Hammondorgel, Xylophon, Geige, etc. agierte, war bestens eingestimmt (hochkarätige Musiker von Calexico, Lambchop, etc.). Da wurde nichts forciert und jede Note getroffen, so daß sich die Instrumente wie Zahnräder ineinander fügten. Die Tatsache, daß im Divan Du Monde die Lautstärke auf 92 Dezibel (herzlich wenig!) beschränkt ist, störte nicht im Geringsten. Die Arrangements von Sam Beam benötigten keine Wucht, um zu wirken, vielleicht war es sogar besser, die Klänge und den wundervollen Gesang leise zu genießen. Ganz herzallerliebst war auch die Stimme der blonden Sarah Beam, die aber leider recht selten zum Einsatze kam.

Hinsichtlich der gespielten Lieder bestachen insbesondere gleich der Opener "Trapeze Swinger", im Anschluß dann Lovesong Of The Buzzard" und "On Your Wings" , und "Sodom, South Georgia" aber im Grunde genommen war es fast unmöglich Höhepunkte herauszupicken, dermaßen ausgeglichen gestaltete sich das gesamte Programm. Nach Rund 80 Minuten verabschiedete sich die Band mit einem aufrichtigen Lächeln von den Fans und erntete den verdienten tosenden Applaus. Danach gab es noch zwei Betthupferl (darunter das traumhafte "Resurrection Fern") zum Abschluß und das rauschende Fest für die Sinne war beendet. 90 Minuten glänzender Musik lagen hinter mir und die Meinung meiner Freunde und Bekannten stimmten 100% mit meiner Auffassung überein. "C'était fabuleux!" - Das war fabelhaft! Eike hatte Recht behalten.

Setlist Iron & Wine, Paris, Le Divan Du Monde:

01: Trapeze Swinger
02: Lovesong Of The Buzzard
03: On Your Wings
04: Peace Beneath The City
05: Innocent Bones
06: House By The Sea
07: The Devil Never Sleeps
08: White Tooth Man
09: Weary Memory
10: Upward Over The Mountains
11: Carousel
12: Cinder And Smoke
13: Boy With A Coin
14: Sodom South Georgia
15: Wolves
16: Flightless Bird, American Mouth

17: Resurrection Fern (Z)
18: ?

Konzerttermine Iron & Wine: (nicht verpassen!!)

20.01.2008: Fabrik, Hamburg
26.01.2008: Kulturkirche, Köln
27.01. 2008: Paradiso, Amsterdam
28.01.2008: Mousonturm, Frankfurt
29.01.2008: Forum, Bielefeld
30.01.2008: Berlin, Passionskirche





The Rodeo, Paris, 18.01.08

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Konzert: The Rodeo

Ort: La Bellevilloise (la Halle aux Oliviers)
Datum: 18.01.2008
Zuschauer: gut besuchtes Café/Restaurant


Selbst alte Konzerthasen wie ich können in einer Metropole wie Paris noch Neues entdecken. So landete ich heute statt in meiner geliebten Maroquinerie zum ersten Mal im gleich nebenan gelegenen Café/Restaurant/Konzertsaal La Bellevilloise. Ich war dem Lockruf von The Rodeo gefolgt, einem Projekt der Hopper- Sängerin Dorothée, das immer eigenständiger wird und bald auch die erste EP mit sieben Titeln ausbrütet.

Seitdem ich Dorothée und ihre rauhe Stimme bei einem Konzert von Hopper im Vorprogramm von den Two Gallants und den Cold War Kids kennen-und liebengelernt habe, bin ich der dunkelhaarigen jungen Frau auf den Fersen. Immer, wenn sie in einem Club in Paris auftritt, bin ich dabei. Meistens begegnete ich der französischen Folksängerin in der Flèche d'or, aber heute zur Einweihung des neuen Cafés in der Halle des Oliviers, war The Rodeo in der Bellevilloise als Stargast auserkoren. Gelegenheit für mich, den hübsch restaurierten Saal zu bestaunen, in dem man auf stilvollen Eisenstühlen an Holztischen ansprechend aussehende Speisen verköstigen kann. Die Location hat etwas von einem Wintergarten im arabischen Stil. So findet man dort typisch marokanische Lämpchen und an manchen Tischen plüschige Kissen. Witzigerweise handelte es sich bei den Pflanzen, die über den ganzen Raum verstreut aufgestellt waren, aber nicht um Oliven -, sondern um Orangenbäumchen. Der Name Halle des Oliviers (Olivier= Olivenbaum) passte also nicht mehr so ganz...

Wie auch immer, mich interessierte ohnehin in erster Linie das musikalische Programm. Circa gegen 21 Uhr schnappte sich Dorothée ihre Gitarre und begann mit ihrem Set. Ein Set, das ich so langsam schon ziemlich gut kenne, weil es sich um mein viertes The Rodeo-Konzert handelte, welches aber heute glücklicherweise etwas länger als üblich dauerte (am Ende hatte die Französin circa. 50 Minuten gespielt). Das früh gebrachte "I'm Rude" ist deshalb auch schon so etwas wie ein Klassiker, gleichzeitig aber auch die persönliche Beschreibung von Dorothée hinsichtlich ihrer eigenen Persönlichkeit. "Baby, I'm rude..., aren't you" kann man gleich eingangs auf ihrer MySpace Seite lesen. Hinter dieser rauhen Schale und dem oft motzigen Gesichtsausdruck versteckt sich aber eine sensible Künstlerin, die einen auch samtweich und mit viel Liebe umgarnen kann. Der Song "Your Love Is Huge" ist hierfür der beste Beweis. "Your love is huge, I can share it with you, if you want", heißt es da auf recht simple Beweise. Hinter diesen scheinbar naiven Balladen stecken aber regelmäßig tiefgründigere Aussagen voller Melancholie und Wärme.

Und Dorothée ist bei The Rodeo nie durchgängig alleine auf der Bühne. Je nach Gelegenheit wird sie von mehreren männlichen Bandmitgliedern unterstützt (the John Waynes), heute allerdings nur von einem Musiker (François), der ab der Mitte des Konzertes die gefühlvollen Violine-Parts beisteuerte und auch Ukulele spielte. Die beiden harmonieren gut zusammen, aber im Vordergrund bleibt natürlich immer die Dame. Diese konnte stolz verkünden, daß demnächst endlich ihre erste EP erscheinen wird, ein Werk mit sieben Titeln, von dem es natürlich heute so einige Kostproben gab. Das schunkelnde "People Know" dürfte mit Sicherheit auch darauf enthalten sein, genau wie mein persönlicher Favorit "Winterlands". Dieser traurig-schöne Schmachtfetzen ist übrigens dermaßen gelungen, daß er auch prompt auf dem Sampler "Les Filles Sont Folk" gelandet ist. Er findet sich dort in bester Gesellschaft neben Titeln von u.a. Alela Diane und Stephanie Dosen. Ebenfalls ein Highlight war "High Resolution World", welches als Zugabe gespielt wurde. Dem teils mampfenden, trinkenden, oder mitklatschenden Publikum gefiel es übrigens auch so gut, daß Dorothée noch zwei Bonustracks auspacken mußte. Die Künstlerin war zu Recht gerührt und verkündete zu meiner Freude auch noch, daß sie wiederkommen wird und zwar am 9.März ins Nouveau Casino, im Vorprogramm der ebenfalls vorzüglichen Nina Nastasia. Der Termin ist bereits jetzt schon rot in meinem Kalender eingetragen!

Ein Interview, welches ich im Anschluß mit der Sängerin geführt habe, wird in Kürze hier veröffentlicht werden. Eine faustdicke Überraschung war schon dabei: sie wird wahrscheinlich bei dem glänzenden Festival South By Southwest im texanischen Austin auftreten! Dies ist aber noch nicht bestätigt, deshalb bitte ich, diese Information auch noch nicht weiterzutragen. Ich wünsche es ihr auf jeden Fall, denn in Texas wimmelt es nur so vor Talentsichtern!

Link: unbedingt das Video von I'm Rude" angucken




Immaculate Machine, Frankfurt, 18.01.07

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Konzert: Immaculate Machine
Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 18.01.2007
Zuschauer: vielleicht 80, also recht voll


Auch wenn meine musikalischen Reflexe nicht so leicht vorhersehbar wären (Kanada, Sängerin, Mint Records = Lieblingsgruppe), hätte mich Immaculate Machine begeistert. Die Band aus Victoria habe ich (Asche usw.) erst über die New Pornographers kennengelernt, bei denen Sängerin Kathryn Calder als Gast auftritt (sie ist die Nichte von New Pornographer A. C. Newman). Daß so kurz nach den New Pornographers jetzt auch Kathryns Hauptgruppe in Deutschland auftritt, war ein schöner Start in dieses Konzertjahr.

Natürlich war es nicht sonderlich überraschend, daß die Kanadier in einem kleinen Club auftreten, das ist aber in Frankfurt alles andere als tragisch, weil es da einige
schöne kleine Läden gibt. Das Bett ist einer von denen, mitten in Sachsenhausen zwischen Apfelweinkneipen gelegen und äußerst pragmatisch aufgebaut: hinten seitlich ist der Eingang zum recheckigen Raum, an dessen einem Ende die Theke und am anderen die Bühne ist.

Um zwanzig nach zehn (der Saal war da mittlerweile gut gefüllt), stiegen die Musiker auf die kleine Bühne. Immaculate Machine ist keine von diesen kanadischen Kollektivbands, sie hat nur drei Mitglieder und die fest. Gitarrist Brooke Gallupe hat eine kanadische Holzfällerfrisur (im Nacken zu lang) (ich weiß, daß ich nicht klischeefrei bin), Schlagzeuger Luke Kozlowski einen Vollbart (auch sehr kanadisch) und Keyboarderin Kathryn eines der wundervollsten Lächeln in der Musikszene - aber wir waren ja hauptsächlich wegen der Musik da...

Das Set begann mit "Dear confessor" von der aktuellen Platte "Fables". Das, was mich an der Band so fasziniert, sind die übereinander gelegten Stimmen. Die meisten
Gesangsparts übernehmen Brooke und Kathryn, die beide tolle Stimmen haben, die aber eben auch vor allem ganz wunderbar zusammen klingen. Luke, der Schlagzeuger, singt aber auch viel, meist zwar Background-Elemente aber auch gut identifizierbar. Und auch sein Gesang hermoniert fabelhaft mit seinen Kollegen. Noch besser ist allerdings sein Schlagzeug-Spiel. Es war sehr lustig, ihm dabei zuzusehen, weil seine Bewegungen so aussahen, als hätte er sich den Hals verrenkt. Hatte er aber wohl nicht. Außerdem erinnerte mich Luke an Marshall aus Alias, nur eben mit Vollbart. Einen besseren Vergleich hatte aber Kathryn später.

Ein paar frühe Highlights waren "C'mon sea legs" und vor allem das folgende "Broken ship". Wäre ich bis dahin nicht schon hin und weg gewesen, wäre ich spätestens beim Sprachwechsel von Englisch zu Französisch fällig gewesen. Das Lied ist auf der EP "Les uns mais pas les autres" bereits als "Bateau brisé" erschienen, ich hatte aber nicht erhofft, daß Immaculate Machine eine (oder zumindest eine halbe)
französische Version eines ihrer Lieder spielten. Es war großartig, aber das muß ich wohl nicht betonen...

Ein weiteres Highlight für mich war "Phone no." von der ersten Mint Platte "Ones and zeros" von 2005. Auch schön das Zombies Cover "Time of the season". Irgendeines der letzten Stücke enthielt ein längeres Schlagzeugsolo, bei dem sich Luke besonders ins Zeug legte. Kathryn fragte uns danach, ob er uns nicht auch an das Tier aus der Sesamstraße erinnere. Aus dem Publikum kam dann, daß Tier aus der Muppetshow sei. Die Keyboarderin entschuldigte sich für den Fehler, worauf jemand zurückbrüllte, daß das Tier in beidem auftrete. Brooke beobachtete das und kommentierte: "That's how barfights start. I've seen this before, Barfights on Sesamestreet and Muppetshow!"

Ich bin ziemlich sicher, daß das Konzert in meiner Jahres-Top-15 aufgetaucht wäre, wenn es bloß drei Wochen früher stattgefunden hätte. Auf Platte sind Immaculate Machine grandios, keine Frage. Aber auch live haben sie mich überzeugt, eben weil
alle drei singen können. Schade war nur, daß es im Saal (ui, im Raum, meine ich) oft laut und unruhig war. Bei den lauteren Lieder störte das die Band sicher nicht, mich schon, weil ein paar Leute in meiner Nähe sich laut unterhielten. Bei "Blinding light", einem leisen Lied, das sie nach Kathryns Ansage nicht oft spielen, hat es offenbar auch die Sängerin kräftig genervt, denn sie sagte hinterher, es sei viel geredet worden, sie habe aber nur "Scheiße" verstanden.

"Jarhand" beendete nach einer knappen Stunde das Konzert. Die Band verschwand in der Art Besenkammer, die seitlich der Bühne abgeht, denn wie auch das Blue Shell in Köln bietet das Bett keine echte Chance für Musiker, vor den Zugaben zu verschwinden. In dem Kämmerchen hielten sie es auch nicht lange aus und kamen schnell zurück, um mit "So cynical" einen anderen großen Hit zu spielen. Anschließend folgte das Beach Boys Cover "Good vibrations" und zum Schluß mein derzeitiger Liebling "Old flame". Eine großartige Band! Die übrigens auch großartiges Merchandising hat. Es gab zwar kein Vinyl, dafür aber einen Edelstahl-Flachmann mit Bandlogo. Wow!

Setlist Immaculate Machine, Frankfurt:

01: Dear confessor
02: Death of a rockstar
03: On / off
04: C'mon sea legs
05: Broken ship
06: Roman statues
07: Nothing ever happens
08: Phone no.
09: Small talk
10: Time of the season (The Zombies Cover)
11: No such thing as the future
12: Blinding light
13: Invention '77
14: Jarhand

15: So cynical (Z)
16: Good vibrations (Beach Boys Cover) (Z)
17: Old flame (Z)



Freitag, 18. Januar 2008

The Hoosiers, Paris, 17.01.08

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Konzert: The Hoosiers

Ort: La Maroquinerie, Paris (Inrocks Indie Club)
Datum: 17.01.2008
Zuschauer: gut gefüllt, aber wohl nicht ganz ausverkauft


Aus dem Konzertteil des britischen NME:

The Hoosiers

February:

11: Bristol Academy - Sold Out
15: Liverpool Carling Academy - Sold Out
17 Preston 53 Degrees - Sold Out
25 Newcastle Academy - Sold Out
28 Manchester Academy - Sold Out

March:
01: Oxford Academy - Sold Out
02: Norwich UEA - Sold Out
04: London Shepherds Bush Empire - Sold Out
05: London Shepherds Bush Empire - Extra Date Added Due To Demand
09: Northhampton Roadmender - Sold Out
10: Cambridge Corn Exchange - Sold Out
11: Portsmouth Pyramid - Sold Out
14: Exeter University - Sold Out

Dress Code: Optional, Fancy Dress Preferred!
The Number 1 Album "The Hoosiers & The The Trick to Life" Out Now

Unglaublich, oder? - Fast alle Termine in Großbritannien ausverkauft, das Album ging bis auf eins, 1 000 000 Profilaufrufe bei Myspace, haben wir es hier etwa mit einer neuen englischen Sensation zu tun? The Hoosiers, kennt die denn jemand in Deutschland, oder Frankreich?? Und was meinen die damit: "Fancy Dress Preferred?". Sind wohl Witzbolde, oder wie?

Also, die Geschichte mit dem Fancy Dress ist schon einmal nicht bis Paris durchgesickert. Was auch immer damit gemeint war, in der Maroquinerie erschienen alle normal angezogen. Allerdings auch sehr zahlreich, möglicherweise war schon der erste Inrocks Indie Club ausverkauft. Ursache für den Anstrom war aber eher ein Heißhunger auf Konzerte nach mehrerer Wochen Feiertag bedingten Entzuges als die angesetzten Bands. So versammelte sich denn auch schon recht frühzeitig ein größeres Grüppchen an Konzertjunkies in dem szenigen Kellerverlies. Alle meine Freunde waren da, sowohl Philippe, als auch Filmer Stéphane in seinem ersten Einsatz im neuen Jahr, Starfotograf Robert Gil und etliche andere. Auch lokale Bandprominenz zog es nach Menilmontant, Olivier Jourdan von den Huspuppies war zugegen, natürlich die Mädels von Plastiscines, die aufstrebenden Go Go Charlton (klingen nach den Smiths und den Go-Betweens), Sheraff und so weiter.

Sie alle sahen...ein recht scheußliches Konzert! Zumindest was die Hoosiers betrifft. Wer auf mainstreamlastigen Radiopop mit eunuchenhaft hoher Stimme im Stile von Mika, oder den Scissor Sisters steht, kam mit Sicherheit auf seine Kosten, alle anderen aber (und das war wohl ein recht großer Teil) fanden es größtenteils grauenhaft. Dabei war die Stimmung gar nicht mal so schlecht, zumindest Freunde gezuckerten Pops hatten ein breites Grinsen im Gesicht. Und bei einigen Liedern, vor allem bei "Cops And Robbers" und der Hitsingle "Worried About Ray" (nicht zu verwechseln mit "It's A Shame About Ray" von den Lemonheads!) ging sogar der ganze Saal gut mit. Ansonsten überwog aber bei Leuten mit gutem Geschmack ein Gefühl der Abneigung. Vor allem bei denjenigen, die hinsichtlich des Lebensalters die 3 vorne recht weit hinten gelassen haben. Klang das nicht irgendwie nach ELO?- Doch, irgendwie schon und auch nach anderen Bands aus den 80ern (Supertramp?), deren Platten man mit Sicherheit damals gekauft hat, mit denen man sich aber heutzutage nicht mehr allzugern schmückt. Wenn man eine zeitgenössische Gruppe nennen möchte, die so ähnlich wie die Hoosiers klingt, wird man bei The Feeling fündig. Auch diese haben sich, kommerziell ziemlich erfolgreich, an Formierungen oder Künstlern an den 80ern angelehnt, die man lieber vergessen möchte. Beispiel gefällig? - Wer kennt noch Billy Joel? Auch so eine Heulboje aus dem Jahrzent des schlechten Geschmacks, der damals omnipräsent war. Und ausgerechnet diesen Schmalzbubi gruben die Hoosiers prompt wieder aus. "We Didn't Start The Fire" hieß die Scheußlichkeit, die ich glücklicherweise fast vergessen hatte, an die ich aber bei der zweiten Zugabe (der offizielle Teil war nach kurzen 40 Minuten gelaufen) der Hoosiers wieder erinnert wurde. O.k., o.k., es haben sich auch schon Bands mit Niveau an grausamen Songs bedient und diese gecovert. Ich erinnere mich da insbesondere an Arab Strap, die allen Ernstes "It's A Heartache" von Bonnie Tyler verwurstet haben, oder Rio en Medios Version von "Staying Alive". Der Unterschied bestand aber darin, daß es sich ganz offensichtlich um gewollt- komische Einlagen handelte, während ich mir da gestern in der Maroquinerie nicht so sicher war...

Um auch mal etwas Positives zu sagen. Die Hoosiers sind ausgeprochen nette und symphatische Kerle. Der kleingewachsene ( dafür aber sehr durchtranierte) Sänger Irwin Sparkes hat darüber hinaus durchaus Charisma und Bühnenpräsenz und spricht sogar ein paar Brocken französisch. Optisch handelt es sich bei ihm um ein Kreuzung aus Schauspieler Ben Stiller und Mehmet Scholl, was ja auch schon einmal bemerkenswert ist. Mit seinen witzigen Grimassen brachte er mich dann auch manchmal zum Schmunzeln und auch der schwedische Bassist Martin Skarendahl und Drummer Alfonso Sharlando hatten ein gewinnendes Wesen. Dieser Sympathiebonus allein wird aber freilich nicht dazu führen, daß ich mir ihr Debütalbum "The Trick To Life" zulege. Die Hoosiers werden dies auf Grund ihrer großen Erfolge in England (auch zwei ihrer Singles platzierten sich schon in den Top Ten) verkraften können.

Anzumerken ist noch, daß die Vorgruppen zu gefallen wußten. Die extrem jungen Kid Bombardos aus Bordeaux (ich glaube der Drummer ist erst 15!) spielten flotten, melodieverliebten Indie-Rock im Stile der Strokes und die nicht wesentlich älteren Pariser Dodoz (nicht zu verwechseln mit den Kaliforniern Dodos) unterhielten mich ansprechend mit knackigem Garagen-Punk à la Yeah Yeah Yeahs. Sogar ein kleiner Hit fiel dabei ab. Als die kleine Rockröhre Géraldine, die für den Gesang verantwortlich ist, "I hate Boys" schmetterte (das Lied heißt eigentlich "Do You Like Boys"), ging in den vorderen Reihen ordentlich der Punk ab!





Dienstag, 15. Januar 2008

Robyn, MIT, Does It Offend You, Yeah?, Köln, 14.01.08

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Konzert: Robyn, MIT, Does It Offend You, Yeah? (Intro Intim)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 14.10.2008
Zuschauer: knallvoll


Zugegebenermaßen war es mehr Neugierde als Begeisterung für die Bands des Abends, die mich ein Ticket für diesen Intro Intim Abend kaufen ließen. Vor allem die in England gerade gehypten Does It Offend You, Yeah? aus Reading hatten mich interessiert, aber auch die Schwedin Robyn, die bisher vollkommen an mir vorbeigegangen ist, obwohl sie wohl in diversen Jahrescharts vertreten ist.

Das Gebäude 9 wirkte proppenvoll. Es gab zwar eine Abendkasse, drinnen sah es aber so aus, als wäre es restlos ausverkauft. Diese konzertlose Zeit hat wohl viele Leute genervt...

Los ging es gleich mit dem (in meinen Augen) namhaftesten Programmpunkt des Abends, mit Does It Offend You, Yeah? Die Band besteht aus vier Musikern, einem Schlagzeuger, einem Keyboarder einem ab und an singenden Bassisten und einem Sänger, der auch mal Gitarre und Kuhglocke spielt. Gesang ist dabei nicht richtig
passend, weil oft die Stimmen verzerrt sind, es manche Rapeinlagen gab, und weil bei einer New Rave Gruppe anderes wichtiger ist, als klare Stimmen und ausgefeilte Texte. Ich habe es eigentlich nicht so mit Bands dieses von den Klaxons "erfundenen" Genres. Aber - wie schon von Reverend and the Makers - ich fühlte mich bestens unterhalten! Und der Saal auch! Es war ein großes Getanze und großartige Stimmung. Sänger Morgan (mit Mickey Maus T-Shirt) und Bassist James (mit Wollmütze) schienen auch riesigen Spaß zu haben, sie grinsten immer wieder und genossen, wie das Gebäude 9 abging. Irgendwann sollte der "Mister Lightman" auch mal das Publikum beleuchten, damit sie es besser sehen könnten. Eigentlich unnötig, denn es waren so viele Leuchtstäbe überall verteilt, daß der Saal strahlte wie ein zentralrussisches Industriegewässer.

40 Minuten spielten die Südengländer, die sich schon einem Namen als Remixer für Bands wie Muse oder Bloc Party gemacht haben. Mir war keine davon langweilig - obwohl ich den Stil eben eigentlich nicht furchtbar schätze. In dem Punkt scheine ich mich aber schlecht zu kennen, wenn mir jetzt schon zwei New Rave Auftritt Spaß gemacht haben... Zum
Schluß reichte Morgan den Leuten in der ersten Reihe noch seine Gitarre aber irgendwie schien keiner der Aufforderung zu folgen, ein wenig auf den Saiten rumzuklimpern.

Dann wurde es dröge. Does It Undsoweiter hatte den überall aushängenden Zeitplan prima eingehalten, der Umbau von MIT dauerte allerdings ewig. Mit dem wichtigsten Instrument des Abends, dem Apple Notebook, gab es offenbar Probleme. Es wurde fast zwanzig nach zehn, als die zweite Band des Abends dann beginnen konnte. Beim Soundcheck der beiden nebeneinander hängenden Mikros bekam ich schon einen Schrecken wegen der windmillartigen Stimme des Sängers Edi (der eine
Art Goofy-Ohren-Mütze trug!). Viel hörte man von der dann während des gut halbstündigen Sets aber nicht, auch bei MIT stehen elektronische Klänge, kombiniert mit dem Beat des Schlagzeugs von Felix im Vordergrund. Wenn Does It Ihrwißtschon die Klaxons des Abends waren, waren MIT die Kölner Battles. Keyboarder Tamer hatte einen Satz Toms vor sich stehen, die er häufiger betrommelte, während Edi oft vor dem Notebook auf den Knien hockte oder einen Effekt, der an das Apple-Gerät angeschlossen war, bediente. Dazu kam dann seine fast falsettartige Stimme, die den MIT Stil für mich origineller aber nicht unbedingt unterhaltsamer als den von Does It Offend You, Yeah? machte. Die Stimmung war wirklich auch bei MIT gut, das ausgelassene Getanze des ersten Teils des Abends fehlte aber. Zumindest Edi ging aber ab wie ein Aufziehmännchen. Irgendwann zündete er sich eine Kippe an, hüpfte und tanzte aber gleichzeitig los - und der Rest der Schachtel breitete sich auf dem Boden aus und wurde anschließend von ihm fachgerecht plattgetanzt.

MIT war sicher aufregend, wenn man seinen Musikmittelpunkt deutlich weiter in der elektronischen bzw. experimentellen Ecke hat als ich. Mir war es zu fad. Denn der untrügliche Indikator für Bands und Musik, die man zum ersten Mal hört, schlug aus, ich habe mich gelangweilt.

Daß mir das beim nächsten Act nicht passieren würde, hatte ich eigentlich schon gedacht. Ein schwedische Pop-Sängerin kann mich nämlich nicht langweilen. Dachte ich zumindest. Wahnwitzig spät (um zwanzig vor zwölf) war aufgebaut (eigentlich war vorher schon alles da, es gab diesmal aber beispielsweise Probleme mit einer Monitorbox). Auf der Bühne standen dann zwei vollwertige
Schlagzeuge (das war ja schon mal was) und ein Keyboard. Robyn, eigentlich Robin Miriam Carlsson, trug ein Kleidchen, das wie eine in die Länge gezogene Anzugweste aussah. Dazu ihre seitlich ausrasiert wirkende blondierte Kurzhaarfrisur, das vermittelte schon einmal 80er Jahre Erinnerungen. Nun gut, sie hatte ja noch nicht gesungen.

Daß eine Sängerin, die nach einer Kinderstarzeit mit 12 (da hätten schon die Alarmglocken klingeln müssen), seit sie 16 ist, Popmusik macht und viele Top 10 Hits in England, Schweden und den USA hatte (bimmelim), und die zuletzt sogar auf eins in England war, vollkommen an mir vorbeigegangen ist, hatte mich schon sehr verwundert. Das war aber offenbar ein unbewußter Schutzmechanismus, denn von Beginn an fand ich es schrecklich, vor allem schrecklich seicht. Als dann bei
einem der ersten Lieder noch furchterregende 80er Italo-Disco Samples auftauchten, war es vorbei. Das klang wie ein etwas aufgepeppter Mel und Kim Klon.

Die Intro, die ja schließlich Veranstalter war, schrieb über die letzte Platte ihres Headliners: "Das klingt jetzt negativer, als es eigentlich klingen soll. Denn auf 'Robyn' gibt es den einen oder anderen ziemlich guten Hit." Ein oder zwei Lieder klangen ganz nett, zugegeben. Aber ein Stück wie "Jack u off", eine
der Zugaben, war schlicht scheußlich. "With every heartbeat", die Nummer eins in England, war eine dieser Ausnahmen, die andere war "Be mine", das Robyn auch noch einmal als zweite Zugabe nur vom Piano begleitet spielte.

Wie der vor einigen Monaten aus Gründen der weiten Entfernung zwischen Dortmund und Köln als Visions Chefredakteur ausgeschiedene Carsten Schumacher den Robyn-Kram fand, weiß ich nicht, große Teile des Publikums schienen von der Schwedin sehr angetan zu sein. Es gab aber auch erstaunlich viele, die schon vorzeitig gingen, obwohl es ja eigentlich dann egal ist, ob man an einem Montag um zwanzig nach zwölf oder um halb eins aus dem Gebäude 9 kommt.

Setlist Robyn Gebäude 9 in Köln:

01: Cobrastyle (Teddybears Cover)
02: Crash and burn girl
03: Who's that girl
04: Bum like you
05: Handle me
06: Keep this fire burning
07: Konichiwa bitches
08: Be mine
09: With every heartbeat

10: Show me love (Z)
11: Jack u off (Z)

12: Be mine (akustisch) (Z)

Links:

- mehr Fotos
- Intro Intim 2006 mit Karpatenhund, Polarkreis 18 und Love of Diagrams



 

Konzerttagebuch © 2010

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