Donnerstag, 5. Juli 2007

Rückblick: Furia Sound Festival, Cergy-Pontoise, 01.07.2007

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Konzert: Furia Sound Festival

Ort: Cergy-Pontoise bei Paris
Datum: 01.07.2007
Zuschauer: ein paar Tausend


Heute gab es für mich eine Premiere zu feiern, allerdings keine musikalische, sondern lediglich eine verkehrstechnische. Zum ersten Mal in meinem Leben (eigentlich unglaublich!) stieg ich in Paris in einen RER-Zug (vergleichbar mit der deutschen Straßenbahn), um von Paris zum Festivalgelände von Cergy-Pontoise zu gelangen, wo wieder das Furia Sound Festival ausgetragen wurde. Schon letztes Jahr war ich dabei und erfreute mich an hochklassigen Acts, wie z.B. den Editors, Art Brut oder den Young Knives.

Dieses Jahr stammten die für mich interessanten Künstler aber eher aus den USA, als aus England, denn Sonic Youth und QOTSA gaben sich am heutigen Sonntag, dem dritten Festivaltag die Ehre. An den Tagen zuvor hatten in meiner Abwesenheit u.a. die Rakes, Frank Black (Pixies) und die brasilianischen Newcomer Bondo Da Role für Stimmung gesorgt.

Vor und nach diesen großartigen Headlinern hatten die Veranstalter aber auch vernünftige "Lückenfüller" aufgeboten, damit keine Langeweile aufkam.

Als erste Gruppe des Tages sahen Cécile und ich auf einer der beiden Nebenbühnen die spannende Tuareg-Band Tinariwen aufspielen. Bei den Tuaregs handelt es sich
um einen nordafrikanischen Nomadenstamm, der in der Wüste lebt. Die Band wurde bereits 1982 gegründet, nahm aber sämtliche Aufnahmen zunächst nur auf Cassetten auf. Erst in den 2000-er Jahren erschienen auch außerhalb von Afrika die beiden Alben "Amassakoul" (2004) und das aktuelle "Aman Iman"-Water is life. Von diesen beiden Alben stammte dann auch der Großteil der heute gespielten Lieder.

Beim Blick auf die Bühne erspähte ich sechs nicht mehr ganz junge Männer,
bekleidet mit den wunderschönen traditionellen Kostümen der Wüstenvölker. Die Gesichter der Männer waren verschleiert, lediglich der Sänger und Gitarrist Ibrahim offenbarte sein unverhülltes Haupt der Öffentlichkeit. Es war verblüffend mit anzusehen, wie die Begleitsänger der Band teilweise durch ihren "Mundschutz" hindurch ins Mikro sangen. Um ihren hypnotischen Wüsten-Blues zu produzieren, benötigte die Band drei Gitarren, einen Bassisten und einen weiteren Musiker, der eine traditionelle afrikanische Trommel einsetzte. Wie man aus der Biographie der Band erfahren kann, waren Tinariwen die ersten Tuareg, die elektrische Gitarren einsetzten. Neben diesem Einsatz moderner Instrumente schien mir aber insbesondere der tribalisch anmutende Chorgesang und vor allem die sich im Verlauf immer weiter steigernden Tanzeinlagen des ältesten Bandmitglieds, der auch als Background-Sänger fungierte, wichtig für das Gelingen des Auftritts zu sein. Der "Alte" führte zunächst wie ein Kind seine Hände zum Klatschen zusammen, um schließlich angetrieben von den Reaktionen des Publikums immer mutiger und wilder zu werden. Am Ende tanzte er wie ein Schlangenbeschwörer hin und her und brachte die Franzosen so gehörig in Wallung. Er schien die Leute aus dem Augenwinkel zu beobachten und freute sich diebisch, wenn sie mitklatschten. Ganz schleichend wurde das Tempo der Musik immer schneller und die Gesten der Musiker selbstbewußter, bis am Ende jegliche Scheu abfiel und sie wild hin und her sprangen. Lediglich Sänger Ibrahim blieb stoisch und bewegte sich kaum. Auch seine Mimik war sehr spärlich. Er schien der schüchternste Musiker von Tinariwen zu sein, so etwas hatte ich von einem Sänger auch zuvor noch nicht gesehen.

Was er da so sang, war für mich übrigens logischerweise nicht verständlich, da ich der Sprache Tamashek, der sich Tinariwen bedienen, nicht mächtig bin, aber das machte nichts. Musik muß man fühlen und Emotionen haben Tinariwen nicht nur bei mir ausgelöst. Sicherlich kein Stil für's tägliche Hören, aber wenn man sich auf die für unsere Ohren leicht exotischen Klänge einlässt und sich dabei beispielsweise eine karge Wüstenlandschaft vorstellt (was man aber nicht zwangsläufig muß!), so kann man schnell dem hypnotischen Zauber, der "Aman Iman" innewohnt, verfallen!

Später am Nachmittag heizten dann die Franzosen von Superbus dem Publikum
vor der Hauptbühne ein. Die fünfköpfige Band wird angeführt von der bildhübschen und äußerst stylishen Jennifer Ayache, die ein paar Jahre ihres Lebens in den USA verbracht hat. Die tollen schwarzen Haare, die super Figur von Jennifer und ihre modischen roten Lackschuhe waren leider aber auch schon das Beste am Set der in den Charts extrem erfolgreichen Lokalmatadoren, denn ihre Musik ist leider höchstens Mittelmaß. Mit ihrem auf kommerziell getrimmten Allerweltsrock, den sie zum Großteil auf französich singen, schafften sie es zwar für ordentliche Stimmung zu sorgen, aber nicht mein Indie-Herz zu gewinnen. Im Grunde genommen ziehe ich charmant gemachten Pop diesem Pseudo-Rock allemal vor, auch wenn das abschließende Stück "Butterfly" durchaus das Zeug zu einem sog. guilty-pleasure hat (guilty pleasure = Lieder aus den kommerziellen Charts, die man eigentlich hassen will, aber klammheimlich unter der Dusche singt...).

Der Abend war schon eingefallen, als der schwedische Singer/Songwriter Peter von Poehl sein Set auf der zweiten Nebenbühne begann. In Frankreich ist der Mann
spätestens seit dem Erscheinen seines 2006er Albums "Going Where The Tea Trees Are" in Insiderkreisen eine Art Star. In der Jahresbestenliste 2006 der renommierten Zeitschrift "Les Inrockuptibles" (Inrocks) erreichte der Longplayer einen der vorderen Plätze.

Im Grunde genommen ist Peter ja auch schon ein bißchen ein Franzose, denn er lebt schon lange in Paris, beherrscht die Sprache folglich sehr ordentlich und musizierte bereits als Gitarrist in der Band von Bertrand Burgalat, AS Dragon. Ob seine Solokarriere wohl auch in Deutschland
in die Gänge kommt? Zu wünschen wäre es ihm, schließlich ist das Album inzwischen in Germany erschienen und Herr von Poehl wohnt sogar neuerdings in Berlin.

Heute hatte er sogar eine richtige Band dabei, mit Tropeter, Saxophonist und Klarinettist, was den Sound
deutlich aufmöbelte. Leider war der junge Schwede stimmlich dieser Hintergrundmusik nicht völlig gewachsen, denn oft hatte er gerade in den hohen Lagen so seine Probleme, sich gegen seine Musikerdurchzusetzen. Ich denke, Peter von Poehl sollte man lieber in kleiner intimer Atmosphäre in einem kuscheligen Club genießen, als auf einem Festival. Allerdings wurde er im Verlaufe des Konzerts immer sicherer und besser und setze mit dem flotten "Broken Skeleton Key" ein echtes Highlight. Fast noch schöner war gleich im Anschluß das wundervolle "Going Where The Tea Trees Are", bei dem der Saxophonist seinen großen Einsatz hatte. Auch "The Story Of The Impossibel" und das abschließende "Lost In Space" gefielen mir, aber als es gerade am Schönsten geworden war, mußte man sich Richtung Hauptbühne bewegen, um nicht den Beginn der Queens Of The Stone Age" zu verpassen.

Hier ist die Setlist von Peter von Poehl vom Furia Sound Festival:

01: Little Creatures
02: Travelers
03: Scorpion Grass
04: Tooth Fairy Part 2
05: The Lottery
06: A Broken Skeleton Key
07: Going Where The Tea Trees Are
08: The Story Of The Impossible
09: Lost In Space

Vom Auftritt der Queens Of The Stone Age hatte ich ja ausführlich berichtet, aber noch nicht von der anschließenden Performance der Kanadier von You Say Party! We Say Die! Angeführt von der quicklebendigen Becky Ninkovic gab das Punk-Quintett von Beginn an mächtig Gas und sorgte so für einen gelungenen Abschluß des Abends. Gerade ist ihr zweites Album "Lose All Time" erschienen und schon setzt es wieder herbe Kritik von Seiten der Musikjournalsiten. Der NME verteilte z.B. nur fünf Punkte und schließt sich somit der Schaar der Lästerer an, die YSP!WSD! für banal und wenig originell halten. Vielleicht sollten sich die Schreiberlinge die Kandier erst einmal live zu Gemüte führen, bevor sie urteilen, denn wie schon bei meinem ersten Konzert, enttäuschte mich die Gruppe keineswegs. Bereits der Opener "The Gap" vom Debütalbum ging gewaltig in die Beine und bestätigte mich in der Auffassung, daß die Band einfach unterschätzt wird. Zwar mag die Musik der Nordamerikaner über eine gesamte Albumlänge etwas monton sein, live ist aber auf jeden für Kurzweil gesorgt. Die neuen Titel wie "Downtown Mayors", "Quite World", oder "Opportunity" zogen schon sehr gut, aber selbstverständlich war das alte "Stockholm Syndrom" Abräumer des Abends. Überhaupt schien die Kapelle im siebten Himmel zu sein, denn sie spielten auf dem gleichen Festival wie ihre großen Vorbilder Sonic Youth. "A dream came true, we can die now", kommentierte Becky dieses Ereignis. Außerdem: "We never played on a festival at night, normally we have to perform in the early afternoon". So kann es gehen, heute fielen Ostern und Weihnachten halt eben zusammmen! Sogar eine Zugabe (relativ ungewöhnlich bei Festivals) durfte sie noch abfeuern, denn schließlich solle man ja nicht ohne "Midnight Snack" nach Hause gehen. Stimmt, aber das Lied reichte nicht, um meinen leeren Magen zu füllen, vor der Heimreise würgte ich noch einen relativ ekligen Döner hinunter, um die Rückfahrt nach Paris zu überstehen...

Auszug aus Der Setlist You Say Party! We Say Die! : (in der richtigen Reihenfolge)

- The Gap
- Five Year Plan
- Cold Hands! Hot Bodies!
- Downtown Mayors
- Quiet World
- Opportunity
- Stockholm Syndrom
- Giant Hands

- Midnight Snack (Z)


Mittwoch, 4. Juli 2007

Sonic Youth, Cergy-Pontoise, 01.07.07

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Konzert: Sonic Youth
Ort: Cergy-Pontoise (Furia Sound Festival)
Datum: 01.07.2007
Zuschauer: ein paar Tausend


Am frühen Abend warteten dann etliche Fans auf den heißersehnten Auftritt der amerikanischen Indie-Ikonen Sonic Youth. Die Veranstalter hatten am heutigen Sonntag wirklich den Vogel abgeschossen, denn wer kann schließlich schon am gleichen Tag Queens Of The Stone Age und eben Sonic Youth aufbieten?

Die Photographen, die wie immer das Privileg hatten, im abgesperrten Bereich vor der Bühne zu knipsen, scharrten schon ungeduldig mit den Hufen.

Dann war es endlich soweit: Kim Gordon, Thurston Moore und die drei anderen Bandmitglieder marschierten unter riesigem Applaus auf die Bühne und legten los mit "The World Looks Red". Kim, die mit einem weißen Sommerkleidchen erschienen war, hielt sich zunächst in tanztechnischer Hinsicht zurück, sie bewegt sich nur im Takt auf und ab. Thurston hatte sich am rechten Rand der Bühne aufgebaut und behandelte seine Gitarre interessanterweise mit einem Geigenstab. Diese Technik hatte ich schon neulich von einem Musiker von Rickie Lee Jones gesehen, aber auch Sigur Ros brillieren in dieser Disziplin. Mich erstaunt dies trotzdem immer wieder auf's Neue.

Bei "Incinerate" wurde Frau Gordon schon lebhafter und zur Mitte des Sets hin wurde sie immer ausgelassener und tanzte wild von links nach rechts, wobei sie sich mit ausgebreiteten Armen im Kreise drehte. Alleine vom Zusehen wurde mir schlecht, was aber nicht am Tanzstil der für ihr Alter unglaublich gut konservierten Blondine lag, sondern an der Vorstellung, ich würde mit meinem ekligen Döner im Magen jetzt an ihrer Stelle Kreise drehen...

Ich fand die Tante aber auf jeden Fall unglaublich cool, sinnlich, sexy, obwohl man an ihrem Gesicht durchaus ihre Jährchen ablesen kann.

Geredet wurde zwischen den Liedern erwartungsgemäß wenig, Sonic Youth ließen lieber ihre Gitarren und Bässe sprechen und beschränkten sich auf kurze Dankesbekundungen ("merci beaucoup") und Titelansagen.

"The next song is called Rats" entfuhr es Thurston beispielsweise gegen Mitte des Konzerts. Wie so viele Stücke des Abends entstammte der Song dem letzten als erstaunlich poppig und zugänglich eingestuftem Longplayer "Rather Ripped". Da ich dieses 2006-er Album aber mag, war das für mich überhaupt kein Problem, im Gegenteil, ich schätze insbesondere "Incinerate", "Reena" und "Do You Believe In Rapture?". Der überwiegende Rest der anderen Stücke kam von "Daydream Nation", schließlich wird gerade die aktuell erscheinende Deluxe-Edition dieses Albums promotet. Beim Festival im französischen St. Malo im Auguts werden Sonic Youth gar ausschließlich Stücke dieses Werkes spielen. Insofern war ich erfeut über den Klassiker 100 % von "Dirty" und dem Opener "The World Looks Red" (von "Confusion Is Sexy"), vielleicht hört man diese Songs von den Amerikanern eine Weile nicht, wer weiß...

Ebenfalls relativ selten zu Ohren bekommt man normalerweise die Zugabe des heutigen Abends, "Eliminator Jr." Im Internet findet man schon irgendwo Mitschnitte davon, da ich aber selten so etwas anschaue (der Klang ist mir meistens doch zu mies!), kann ich keinen Link dorthin nennen.

Berichten kann ich auf jeden Fall von dem härtesten und rohesten Titel des Sets, der die Fans auf der schönen hügeligen Wiese des Geländes noch einmal in Extase versetzte. Auch ich hab noch lange nicht genug von Kim und Thurston und erwäge nach St. Malo zur Route Du Rock zu fahren! Kommt da doch auch alle hin, schließlich spielen unter anderem noch die Smashing Pumpkins! Wer kann da schon widerstehen?

Setlist Sonic Youth Furia Sound Festival:

01: The World Looks Red
02: Incinerate
03: Reena
04: Hey Joni
05: What A Waste
06: Do You Believe In Rapture
07: 100 %
08: Rats
09: Candle
10: Jams Run Free
11: Pink Steam

12: Eliminator Jr. (Z)



Arctic Monkeys, Paris, 03.07.07

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Konzert: Arctic Monkeys & The Coral

Ort: Zénith, Paris
Datum: 03.07.2007
Zuschauer: 8.000 (ausverkauft)


Bevor ich durch Olivers Berichte auch andere Konzertsäle in Paris kennen gelernt habe, kannte ich namentlich nur das Olympia und den Zénith. Im Olympia standen gestern die Kooks auf dem Programm, heute waren wir im Zénith, um die Arctic Monkeys zu sehen. Der Zénith befindet sich inmitten eines Parks, in dem einige andere Konzertsäle liegen, eine sehr coole Einrichtung, mit dem Nachteil allerdings, daß die U-Bahn, die dahin fährt, hemmungslos überfüllt war.

Nach der wieder sehr mauen Eingangskontrolle (schon gestern hätten wir alles Mögliche mit reinnehmen können) kamen wir in das Gebäude, das mich an eine Sporthalle erinnerte. An den sehr großen Innenraum schließen sich Tribünen mit Sitzplätzen an, so daß es wirkte, als seien wir in einer halben Basketballhalle, auf deren Mittellinie die Bühne war.

Vorgruppe des Abends waren die fabelhaften The Coral aus Liverpool. Als die Band anfing, war der Innenraum schon gut gefüllt, auch auf den Tribünen waren die meisten Plätze besetzt. Und das, obwohl es erst acht Uhr war, denn in der Weltstadt Paris fangen Konzerte um acht an! The Coral kamen glücklicherweise besser an, als wir erwartet hatten, denn eigentlich ist die Musik der Band nicht großhallentauglich. Aber es schienen sogar viele Leute da zu sein, die die Lieder der Liverpooler kannten, denn vor allem bei den älteren Stücken wie "In the morning", "Pass it on" oder "Dreaming of you" sangen viele mit. Für eine Band, die trotz toller Musik nur in der zweiten Reihe der englischen Indie-Bands steht, ist das sicher besonders schön, vor 8.000 begeisterten Leuten zu spielen. Nach gut 40 Minuten und einem besonders inbrünstig dargebotenen Abschluß "She's got a reason" war das Programm von James Skelly & Kollegen beendet. Ein großartiger Auftakt!

Setlist The Corals Zénith Paris:

01: Goodbye
02: Simon Diamond
03: Who's gonna find me
04: Jacqueline
05: She sings the mourning
06: Pass it on
07: Remember me
08: Dreaming of you
09: Don't think you're the first
10: In the morning
11: In the rain
12: I remember when
13: She's got a reason

In der Umbaupause entdeckte Oliver den ein oder anderen Pariser Promi: Den Sänger Philippe Katerine zum Beispiel. Oder die Mutter des Sängers der Pariser Band The Tatianas (cooler Job, Rockstarmutter!). Vor allem entdeckten wir, daß - als es dann endlich nach fast einer Stunde weiterging - wie üblich der größte Irre des Saals neben uns stand. Das geht mir immer so (Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an). Diesmal war es ein vollkommen betrunkener Engländer, Mitte 40, der kaum noch gerade stehen konnte, enorm textsicher war, und um den sich ein Kreis von 3 Metern Durchmesser gebildet hatte, in dem niemand sonst stand. Und das recht nah an der Bühne im sonst proppenvollen Innenraum. Als es dann noch voller wurde, kam der Betrunkene immer näher auf uns zu, obwohl jeder versuchte, ihm auszuweichen. Helles Licht wie die Arctic Monkeys zieht eben viele Mücken an.

Und hell war die Band aus Sheffield heute wieder. Nachdem sie vergangene Woche in Glastonbury der Freitagsheadliner vor 177.500 Leuten war, spielten die blutjungen Engländer, die sich in Deutschland diesen Sommer ziemlich rar machen, von Beginn an in einem irren Tempo Hit um Hit. Das Set, das nicht viel von denen in Glastonbury (leider haben sie heute nicht das sensationelle Cover "Diamonds are forever" gespielt) und dem Warmup-Gig in Dublin abwich, wird zurecht vom NME als Klassiker gefeiert. Es waren keinerlei Lückenfüller in dem 20 Lieder umfassenden Programm enthalten. Einige Stücke gingen ineinander über ("Teddy Picker" in "D is for dangerous", das dann auch nicht auf der offiziellen Setlist stand, wie auch z.B. "Mardy bum"), so daß kaum Zeit zum Luftholen war. Auch so ein unspektakuläres Lied wie "Balaclava", das ich zwar immer schon mochte, das aber auf CD eher ein Langweiler ist, war heute ein Kracher.

Es ist schwer, besondere Höhepunkte des Abends auszumachen, weil es eben keine Schwächen gab. Natürlich hat "I bet you look good on the dancefloor" den Saal begeistert. Unfassbar (ich weiß, daß ich das Wort gerne
und oft benutze, heute ist es aber wörtlich zu verstehen), unfassbar war das Ende des Konzerts, wobei das Ende die letzten sechs Lieder umfasste. Mit "Flourescent adolescent", dem traumhaften "Mardy bum", "Do me a favour", "Leave before the lights come on", "When the sun goes down" (da war die Stimmung mit Abstand am besten!) und dem traditionellen Abschluß "A certain romance" war alles gesagt. Ich glaube, daß war das beste Konzertende, das ich bisher erlebt habe. Zugaben brauchte es dann nicht mehr - es gab auch keine. Und mehr ist auch gar nicht über dieses Konzert zu schreiben. Das war ein Klassiker! Nicht mehr und nicht weniger.

Setlist Arctic Monkeys Zénith Paris:

01: View from the afternoon
02: Brianstorm
03: Still take you home
04: Dancing shoes
05: From the Ritz to the Rubble
06: Teddy Picker
07: D is for dangerous
08: This house is a circus
09: Fake tales of San Francisco
10: Balaclava
11: Old yellow bricks
12: You probably couldn't see for the lights but you were staring straight at me
13: I bet you look good on the dancefloor
14: If you were there beware
15: Fluorescent adolescent
16: Mardy bum
17: Do me a favour
18: Leave before the lights come on
19: When the sun goes down
20: A certain romance

Links:

- Arctic Monkeys in Paris (März 07)

Die Fotos sind schrecklich schlecht. Wir hatten damit gerechnet, keine Kameras mitnehmen zu dürfen. Also mußte das Handy aushelfen. Zum ersten und letzten Mal.




Dienstag, 3. Juli 2007

The Kooks, Paris, 02.07.07

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Konzert: The Kooks (+ Herman Dune)
Datum: 02.07.2007
Ort: L'Olympia, Paris
Zuschauer: komplett ausverkauft


Heute hatte ich die große Freunde seit langer Zeit mal wieder ein Konzert in meiner Wahlheimat Paris zusammen mit meinem Freund und Mitblogger Christoph zu besuchen. Auch meine Frau ließ sich den Spaß nicht nehmen, die Kooks wiederzusehen.Vor den britischen Lieblingen der Girlies sorgte aber zunächst Herman Dune (Schreibweise neuerdings ohne ü) für gute Stimmung. Eigentlich seltsam, daß die fanzösisch-schwedischen Barden für eine Teenie-Band eröffnen durften, sie hätten sich mit Sicherheit mindestens genausogut als Opener für Bright Eyes gemacht, der ebenfalls heute abend im Pariser Bataclan aufspielte. Zu unserer Überraschung wurde die saucoole Band, mit dem bärtigen David-Ivar Herman Dune an der Spitze (Bruder André hat inzwischen die Band verlassen und arbeitet solo weiter) von den überwiegend 16 jährigen Mädchen (einige waren auch wesentlich jünger!) im Publikum sehr gut aufgenommen. Das freute mich sehr, denn diese Burschen hatten das mit ihrer heiteren und mitreißenden Folk-Musik auch vollkommen verdient. Schließlich haben sie in Paris schon als Hauptgruppe die Cigale gefüllt. Bloß daß dort die Zusammensetzung des Publikums mit Sicherheit anders war...

Wie auch immer, Herman Dune ziehen auch bei der jüngeren Generation und das ist schön so! Wer kann sich auch schon dem leicht schrägen Charme von Knüllern wie "Not On Top" oder "I Wish That I Could See You Soon" entziehen? Selbst ohne weibliche Begleitung, z.B. von Julie Doiron oder Kimya Dawson, die schon bei Studioaufnahmen mitgewirkt haben, war das heute sehr lieblich und liebenswert. Viele Kids klatschten im Rhythmus mit, wenn Thomas Dörflein (wo war Knut?), ähh, ich meine David-Ivar Herman Dune (die Ähnlichkeit mit dem Eisbärpfleger ist frappierend!), seine Gitarre aufheulen ließ - wozu er immer extra vorher den Verstärker aufdrehte - oder der Mann hinter den Bongos lostrommelte. Die Musik war wirklich perfekt, um in Stimmung für den Abend zu kommen. Das Set bestand vornehmlich aus Liedern der beiden letzten Alben "Not On Top" und "Giant". Von letztgenanntem kam auch der Abschlußsong "Your Name My Game", bevor die Herren die Bühne räumten und der Jugend den Platz ließen. Herman Dune sollte man live unbedingt mal erleben, man verbringt mit Sicherheit einen vergnüglichen Abend! Gelegenheit besteht hierzu bei einigen Festivals in Frankreich, in Benicassim und am 28. Juli in Nürnberg beim Badentreffen-Festival.

Setlist Herman Dune (Düne) Olympia Paris:

01: ? (War noch an der Bar!)
02: My Baby is...
03: Not On Top
04: My Home Is Nowhere Without You
05: I Wish That I Could See You Soon
06: You Could Be A Model, Goodbye
07: Good For No-One
08: From San Francisco To San Diego
09: Your Name My Game

Danach blieb der rote Vorhang erst einmal eine ganze Weile geschlossen und eine weibliche Ansagerin vom Tonband verkündete, daß eine Pause von 20 Minuten folge. In dieser wurden Lieder aus James Bond Streifen, aber auch erneut "Peaches" von den Stranglers vom Band laufengelassen. "Peaches" hörte ich heute zum dritten Mal in kurzer Zeit in unterschiedlichen Locations (darunter auch London). Hat man sich etwa europaweit auf dieses Lied als Konsenssong für Konzertpausen geeinigt? Schließlich hörte man Geräusche hinter dem geschlosssenen Vorhang und einige Mädchen schrien schon ganz hysterisch. Luke, der Herzensbrecher mit dem Schlabberhemdchen stimmte sich ein! Wie macht der Bursche das? Versprüht der etwa in den Konzertsälen willig machendes Gas? An seinem Aussehen kann es nicht liegen, oder? Sieht doch aus wie der Sohn von Thomas Gottschalk mit seinen blonden Locken!Einen knackigen Hintern hat er ja in seinen engen grauen Skinny-Jeans, das muß man ihm lassen. Und die Rockstar-Attitüde, frei nach dem Motto: "ich bin der coole Checker, kann Gitarre spielen, bin in 'ner angesagten Band, also rück' schon Deine Handy-Nummer raus, Baby!" Und nett ist der, hab ich ja selbst erfahren beim Festival in Haldern 2006, als er mir bei der Autogrammstunde gleich seine etwas feuchte Hand entgegenstreckte und kess sagte: "Hi, I'm Luke, what's your name?"

Aber was noch viel wichtiger ist: er hat einen souligen Schmelz in der Stimme und ein Händchen für gute Melodien ganz in der Tradition der Beatles. Beatles? Da war doch was? Genau, Hysterie, Euphorie, kreischende Mädchen, wo immer die Pilzköpfe auftraten! Bei den Kooks (ausgespochen Kiks) scheint mir das nicht anders zu sein, als bei den berühmten Musikern aus Liverpool, denn viel lauter können kleine Mädchen ja wohl nicht schreien, als zu dem Zeitpunkt, als sich der rote Vorhang lüftete und die Band den Opener "Seaside"anstimmte, der dann wie immer schnell in das treibende "See The World" umschlug. Das unglaubliche Gekreische bei den Fans sollte sich bis zum Ende des Konzerts im Grunde genommen nie legen, noch nie zuvor war ich bei einem Konzert mit einem dermaßen hohen Geräuschpegel im Publikum, es war einfach ohrenbetäubend! Die Mädels schrien oft so laut, daß man Luke Pritchard kaum noch singen hören konnte.

Erster Höhepunkt der Euphorie: "Ooh La"! Wie schon zuvor wurden sämtliche Strophen laut mitgesungen, und bei diesem Hit erfreut auch immer wieder aufs Neue die Songzeile "Your pretty, pretty, petticoat". Aber auch "She Moves In Her Own Way" erzielte hohe Kreischwerte, vor allem, wenn sich Luke vor den Fans aufbaute und dem Publikum aus der Nähe einheizte. Die ersten Lieder stammten übrigens samt und sonders von dem Debütalbum, möglicherweise um die Leute nicht gleich mit neuen Titeln zu überfordern, was aber gar nicht der Fall war, denn auch der erste neue Song "Oil" schlug ein wie eine Bombe. Unterschied zu den bekannten Hits, was die Zugkraft anging: null! Mit "Sway" und "Always Where" verhielt es sich ähnlich, auch diese Neuheiten wurden kräftig umjubelt. Im Grunde genommen wurde bis zum Ende des offiziellen Sets nie der Fuß vom Gaspedal genommen, es war durchweg Tempo angesagt. Vor allem auch noch mal zum Ende mit "You Don't Love Me" (the way I do...).

Zwischen den Liedern hatte Herr Pritchard immer mal wieder kleine Sätzchen auf französisch zum Besten gegeben, die frenetisch gefeiert wurden. So leicht schafft man sich in Frankreich Freunde, da muß ich schon mehr für tun...

Eine Stunde Spielzeit waren in etwa absolviert, als die Grünschnäbel die Bühne zum ersten Mal verließen. Natürlich kamen sie zurück, allerdings zunächst nur Luke ganz alleine mit seiner Klampfe, um den leicht chauvinistischen Titel "Jackie Big Tits" unplugged darzubieten. Selbst Mädchen mit kleinen Brüsten sangen hierzu lauthals mit... Bei dem neuen "Make Love" gab es ebenfalls noch ein paar Textzeilen, die begeistert aufgenommen wurden, vor allem die Stelle mit der Aufforderung "I Want To Make Love To You". Ob es wohl nach dem Konzert eine junge Dame in das Hotelbett der Britrocker geschafft hat? Wer weiß, wer weiß? Mir persönlich war das allerdings egal, denn ich gab lieber bei "Sofa Song", dem letzten Lied des denkwürdigen Abends, noch mal alles. Wow, das muß sich cool anfühlen, Teil der Kooks zu sein! Ob sie einen 35-jährigen auch mal mitspielen lassen, nur mal so zwischendurch? Ich verpreche auch Gitarre zu lernen!

Setlist The Kooks Paris:
01: Seaside
02: See The World
03: Eddie's Gun
04: Matchbox
05: Ooh La
06: Time Awaits
07: She Moves In Her Own Way
08: Oil
09: Sway

10: I Want You Back
11: Naive
12: Always Where
13: You Don't Love Me

14: Jackie Big Tits (Z)
15: Make Love (Z)
16: Sofa Song (Z)

von Oliver


Montag, 2. Juli 2007

Queens of the Stone Age, Cergy-Pointoise, 01.07.07

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Konzert: Queens Of The Stone Age
Datum: 01.07.2007
Ort: Cergy-Pointoise bei Paris, im Rahmen des Furia Sound Festivals
Zuschauer: ein paar Tausend


Schon wieder ein Sonntag, schon wieder diese seltsamen Sado-Maso Lüster, schon wieder ein Festival und schon wieder die Queens Of The Stone Age auf der Hauptbühne. Ist das jetzt ein klassisches Déjà-vu Erlebnis? Dieses Phänomen soll es ja wirklich geben und die Leute, die davon betroffen sind, leiden anscheinend sehr darunter, alles ist langweilig für sie, weil sie glauben, die gleichen Dinge bereits vorher einmal erlebt zu haben... Aber ich kann beruhigt sein, mit mir ist soweit alles o.k., Josh Homme hat heute im Gegensatz zum letzten Sonntag in Luxemburg ein schwarzes Hemd an und kein rot-weiß kariertes und außerdem bin ich in Cergy-Pointoise bei Paris und nicht wieder im Großherzogtum! Auch das Set der Queens Of The Stone Age beginnt heute anders als vor sieben Tagen, denn anstatt "Sick, Sick, Sick" bekomme ich heute zunächst "Regular John" um die Ohren gehauen. Sehr löblich, daß die Setlisten bei den amerikanischen Stoner-Rockern immer abgewandelt werden, gerade bei englischen Bands wird oft exakt das gleiche Programm runtergenudelt. Erstaunlich: von den ersten vier Liedern ist mit dem hervorragenden 3's And 7's gerade einmal ein neues Stück von dem aktuellen Album "Era Vulgaris" dabei. Das an dritter Stelle gebrachte "Avon" vom 1. Album von QOTSA kündigt Josh an mit: "This is a song from my first Record, it's dance music." Mein erstes Album? Sieht sich Herr Homme nicht als Teil einer Band, sondern als Solokünstler? Oder liegt es einfach an der Tatsache, daß Troy Van Leeuwen (Gitarre) und Joey Castillo (Drums) erst später dazugestoßen sind und bei Erscheinen des ersten Albums noch nicht zur Formation gehörten? Wie auch immer, Josh hat auf jeden Fall eindeutig klar gemacht, daß er der Boss ist, aber wer sollte das auch bestreiten...

"Misfit Love" wird kurze Zeit später passend zum Titel als Lovesong angekündigt, aber in liebliche Stimmung kommt man bei diesem depressiven Schocker mit dem überlangen Gitarrenintro nicht so wirklich. Josh hat sowieso mehr Lust sich zu streiten, zumindest lässt er kurz nachdem "Misfit Love" verklungen ist, wieder den harten Macho raushängen: "Hey you, Tom the Tiger, come on stage, you fucking asshole! You look like my Ex-Girlfriend, Tiger!" Herr Homme hat in der Menge einen Typen in Tigerkostüm ausfindig gemacht und will, daß das falsche Raubtier auf die Bühne kommt. "Ich halluziniere doch nicht, oder? Ich meine, das ist doch ein Tiger, oder etwa nicht", fragt sich der rothaarige Sänger zum Scherz. Kurze Zeit später ist der Tiger auf der Bühne und darf sich zur Belohnung etwas beleidigen lassen: "asshole, fucker, etc." bekommt der Arme zu hören. Standardvokabular bei Josh. Ist wahrscheinlich ein Kompliment aus seinem Munde, wahrscheinlich nennt er auch seine Freunde so. Einige Lieder später bittet er auch Mitarbeiter des Geländes auf die Bühne und macht sich über ihre fluoreszierenden Jacken lustig: "You brightly coloured assholes, you fucker, don't touch me fucker, you fucking assholes...", die ganze Palette an "Komplimenten" bekommen die Herren zu hören. Aber der macht ja nix, der will nur spielen! Und zwar gute Songs spielen, zum Glück.

Besonders gut kommen "Burn The Witch", "Little Sister" und "Battery Acid", das - obwohl neu - schon wie ein Klassiker im Programm der Band wirkt. Alte Klassiker, die nach wie vor ziehen sind dann "Feelgood Hit Of The Summer", welches immer wieder unterbrochen wird, nur um im Anschluß daran um so brutaler zu lärmen und "The Lost Art Of Keeping A Secret". Den größten Abräumer haben sich die Königinnen aber für den Schluß aufgehoben: "No One Knows" hat noch bisher jeden Festivalbesucher aus der Reserve gelockt und tut es auch heute wieder. Die Ordner schwitzen und fertigen die Crowdsurfer ab. Sie müssen dieses Lied hassen, das bringt ihnen die meiste Arbeit, wahrscheinlich hätten sie lieber Singer/Songwriter auf der Bühne, das wäre dann entspannter für sie. Die Zuschauer sind aber gekommen, um sich musikalisch mal richtig den Arsch versohlen zu lassen. Und wer spielt bitte schön besseren "Kick-Ass Rock" als die Queens Of The Stone Age?

Setlist Queens Of The Stone Age Furia Sound Festival:

01: Regular John
02: 3's And 7's
03: Avon
04: Do It Again
05: ?
06: Misfit Love
07: Into The Hollow
08: Burn The Witch
09: Make It With Chu
10: Little Sister
11: Battery Acid
12: Feelgood HIt Of The Summer
13: The Lost Art Of Keeping A Secret
14: No One Knows

von Oliver



 

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