Konzert: Recoil (& Client B)
Ort: Alter Wartesaal, Köln
Datum: 27.03.2010
Dauer: Recoil 65 min, Client B 75 min (denke ich)
Zuschauer: vielleicht 600 (nicht ausverkauft)
Alan Wilder und ich haben einiges gemeinsam. Wir mögen zum Beispiel Tasteninstrumente viel lieber als
Gitarren, Depeche Mode spielte früher in unserem Leben eine große Rolle, bis wir ausstiegen, um die Band vor ein paar Wochen zum ersten mal nach vielen Jahren wieder live zu sehen. Und früher hatten wir wohl auch den gleichen Musikgeschmack.
Als Alan Wilder nämlich noch als Depeche Mode Mitglied seine ersten Platten unter dem Projektnamen Recoil veröffentlicht hatte, begeisterten die mich sehr. Irgendwann habe ich das nicht weiter verfolgt, und dann vor ein paar Tagen gemerkt, daß ich die drei ersten Alben sogar noch nicht einmal digitalisiert hatte. Das Konzert sollte also eine Katze im Sack werden.
Als ich in den Alten Wartesaal kam, fühlte ich mich wie jemand, der in einem Steakhaus in Houston ein veganisches Gericht verlangt - mit einem hellen Hemd war ich vollkommen falsch gekleidet.
Um halb neun ging die laute Musik vom Band in laute Musik vom Band mit Liveunterstützung über. Sarah Blackwood, die als Client B mit der Band Client
elektronische Musik macht, stand im Rücken des Publikums an einem Mischpult, legte Musik auf und sang live zu manchen Stücken. Manchmal klang das nach schönem Retro-Elektropop im Stile von Saint Etienne mit härteren Beats. Manchmal waren es auch nur die schnellen, elektronischen Rhythmen, und Sarah tanzte nur dazu. Egal wie, der Auftritt, dieses Konzertkaraoke - oder Karaokekonzert - war reichlich skurril! Ich weiß nicht, ob mir Client (die einige Indie-Anknüpfungspunkte haben: live tritt Charlotte Hatherley, das Girl from Ash, mit Client auf; in deren Videos haben schon Carl Barât, Peter Doherty und Tim Burgess mitgespielt) noch einmal auf einer Bühne begegnen werden, einen Platz in meinem Kuriositätenkabinett hat Sarah Blackwood sicher!
Sarahs besungenes DJ-Set ging nahtlos in den Hauptact über; die "Strange hour with
Alan Wilder & Paul Kendall" begann gegen 22.45 Uhr. Auf der Bühne des Wartesaals war rechts ein Tisch aufgebaut, auf dem zwei Notebooks, eine Menge Kabel und jede Menge Knöpfe standen. Erst erschien Paul Kendall, ein Musiker aus dem Umfeld des Depeche Mode Labels Mute, den ich bisher nicht kannte, zumindest nicht bewußt. Kurz danach kam dann auch Alan Wilder ans Notebook. Die Musik lief da schon und ließ sich nicht vom Erscheinen ihres Komponisten verunsichern.
Obwohl ich früher viel Recoil gehört habe, erkannte ich keinen der Titel. Entweder war ein Großteil des Sets neu oder mein Gedächtnis schlecht. Vermutlich gehört Faith healer zum Programm, in Berlin hatten Recoil das gespielt, bewußt wahrgenommen habe ich das Stück allerdings nicht. Nur Alan Wilders Never let me down again Mix erkannte ich dann gegen Ende des Auftritts. Soviel zum Set...
Wenn ich versuche, mich in einem Hardcore-Fan elektronischer Musik zu versetzen, war das Programm vielleicht faszinierend. Aber auch nur vielleicht... Die ineinander
übergehenden Stücke fingen schnell an, mich zu langweilen, weil ich, während ich die beiden Musiker beobachtete, keinerlei Abwechslung erlebte. Es gab eine Leinwand mit Videos, die ich aber nicht sehen konnte. Aber auch das hätte nichts daran geändert, daß zwei ältere Männer, die ein paar Knöpfe drücken, für mich nichts spannender sind als eine Platte, die ich höre. Natürlich bin ich heilfroh, die Legende Alan Wilder einmal gesehen zu haben, alleine dafür hat sich der Abend vollkommen gelohnt. Ich muß der Fairness halber auch klarstellen, daß Recoils Musik heute absolut nicht mehr meinem Geschmack entspricht, so elektronisch-experimentell ist der nicht. Aber Geschmack hin oder her: konzerttauglich ist Musik wie die von Recoil nicht. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, daß Alan Wilder mit Recoil vor 2010 niemals auf Tour war.
Ob meine Einschätzungen, bloß ein DJ Set zu sehen, vielleicht aber doch nur ausgemachter Blödsinn sind, fragte ich mich gegen Ende des Konzerts. Denn da griff Alan Wilder nach einem Handtuch und wischte sich den Schweiß ab. Das war dann wieder Konzert, wie ich es kenne!
Ort: Alter Wartesaal, Köln
Datum: 27.03.2010
Dauer: Recoil 65 min, Client B 75 min (denke ich)
Zuschauer: vielleicht 600 (nicht ausverkauft)
Alan Wilder und ich haben einiges gemeinsam. Wir mögen zum Beispiel Tasteninstrumente viel lieber als
Als Alan Wilder nämlich noch als Depeche Mode Mitglied seine ersten Platten unter dem Projektnamen Recoil veröffentlicht hatte, begeisterten die mich sehr. Irgendwann habe ich das nicht weiter verfolgt, und dann vor ein paar Tagen gemerkt, daß ich die drei ersten Alben sogar noch nicht einmal digitalisiert hatte. Das Konzert sollte also eine Katze im Sack werden.
Als ich in den Alten Wartesaal kam, fühlte ich mich wie jemand, der in einem Steakhaus in Houston ein veganisches Gericht verlangt - mit einem hellen Hemd war ich vollkommen falsch gekleidet.
Um halb neun ging die laute Musik vom Band in laute Musik vom Band mit Liveunterstützung über. Sarah Blackwood, die als Client B mit der Band Client
Sarahs besungenes DJ-Set ging nahtlos in den Hauptact über; die "Strange hour with
Obwohl ich früher viel Recoil gehört habe, erkannte ich keinen der Titel. Entweder war ein Großteil des Sets neu oder mein Gedächtnis schlecht. Vermutlich gehört Faith healer zum Programm, in Berlin hatten Recoil das gespielt, bewußt wahrgenommen habe ich das Stück allerdings nicht. Nur Alan Wilders Never let me down again Mix erkannte ich dann gegen Ende des Auftritts. Soviel zum Set...
Wenn ich versuche, mich in einem Hardcore-Fan elektronischer Musik zu versetzen, war das Programm vielleicht faszinierend. Aber auch nur vielleicht... Die ineinander
Ob meine Einschätzungen, bloß ein DJ Set zu sehen, vielleicht aber doch nur ausgemachter Blödsinn sind, fragte ich mich gegen Ende des Konzerts. Denn da griff Alan Wilder nach einem Handtuch und wischte sich den Schweiß ab. Das war dann wieder Konzert, wie ich es kenne!