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Montag, 8. April 2013

Nive Nielsen & The Deer Children, Köln, 07.04.13

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Konzert: Nive Nielsen & The Deer Children
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 07.04.2013
Zuschauer: 50 bis 60 (darunter ein Idiot)
Dauer: genau 60 min



Als ich aus dem Stadtgarten kam, hoppelten zwei Kaninchen über einen kleinen Grünstreifen. Auf der abgehetzten Hinfahrt fuhr auf der Autobahn eine Weile ein offenes Cabrio (bei 8° C) neben mir her, Fahrer und Beifahrerin werden morgen Mittelohrentzündungen haben aber hey - es ist jetzt Frühling!

Auch in Südgrönland war es heute mild. In der Region Narssarssuaq lag die sonntägliche Höchsttemperatur bei 12° C, wir hatten also gleiches Wetter, die Grön- und die Rheinländer. Im Studio 672 stand heute mit Nive Nielsen eine der ersten Gruppe auf dem Programm.

Ich hatte vergessen, daß Nive Nielsen und ihre Deer Children heute in Köln Station machen würden, eines meiner sozialen Netzwerke hatte versagt. Bei lastfm hatte ich heute morgen geguckt, ob etwas in Köln stattfände. Nive Nielsen tauchte da bei meinen empfohlenen Konzerten nicht auf. Plattform zwei, Facebook, rettete den Abend. "Liebe Kölner, liebe Münsteraner! Ihr solltet heute bzw. morgen unbedingt diese tolle Musik aus Grönland anhören und -gucken!"

Dummerweise war es da schon kurz vor sieben, und die Website des Stadtgartens, in dessen Keller das Studio 672 liegt, war unerfreulich unpräzise. 20.30 Uhr. War das der Einlass, der Beginn? Gäbe es eine Vorgruppe? So schrecklich schwer ist es doch gar nicht, ein paar grundlegende Informationen auf die eigene Webseite zu stellen. Jedenfalls hätte ich es mir um zwanzig nach sieben fast anders überlegt, weil mir das Risiko, in ein schon laufendes Konzert reinzukommen, zu groß war. Naja, ich bin (Überraschung!) hingefahren, habe einen Parkplatz und eine Karte gefunden und war kurz vor Beginn des vorgruppenlosen Abends im Kellerclub. Hätte ich mich nicht hungrig abgehetzt und auf eine Vorgruppe spekuliert, wäre der Abend ein riesiger Flop gewesen. Als das erste Lied (Room) vorbei war, war er das Gegenteil! Lange habe ich kein so wunderschönes Stück mehr gehört. Für diese drei Minuten hatte sich jede Abhetzerei gelohnt!


Nive Nielsen hatte fünf Begleiter mitgebracht, einen Schlagzeuger, einen Bassisten, einen Keyboarder (der aber auch Autoharp, Glockenspiel, Schlagzeug und Gitarren spielte) und zwei weitere Gitarristen (die als Zweit- und Drittinstrument Banjo bzw. Keyboard und Klarinette spielten). Die enorm sympathische Sängerin wechselte zwischen Gitarre und einer knallroten Ukulele. Manchmal waren vier Gitarren im Einsatz, es war also nicht der ruhige Folkabend, den ich eigentlich erwartet hatte.

Das (teil)bestuhlte Studio, das (haha!) gesetztere Publikum, die nach Rockpalast aussehenden Begleitmusiker und das erste Stück hatten noch auf eine ruhige Veranstaltung hingewiesen. Im Verlaufe des Konzerts dominierten aber durchaus die lauteren Stücke. Sehr oft begannen Lieder leise, steigerten ihre Lautstärke aber nach und nach sehr deutlich. Circumstances, das dritte Stück, ist ein Beispiel dafür. Es wurde richtig krachig gegen Ende und bescherte mir eine (absurd klingende) Assoziation der Musik der Grönländerin. Nives Titel erinnerten mich an Element of Crime mit weiblicher Stimme und ohne Trompete (dafür gab es ab und zu eine Klarinette). Vermutlich braucht man dafür schon arg viel weit hergeholte Phantasie, je mehr Lieder ich live hörte, umso mehr fühlte ich mich bestätigt.

Aber Schluß mit meinen Phantasien.


Es kam zwar keines der Stücke mehr an das am hellsten strahlende Room gleich zu Beginn ran, aber auch das restliche Programm überzeugte mich restlos. Circumstances, Wrong und das erste der beiden auf Grönländisch gesungenen Lieder gefielen mir dabei besonders. Wie dieser Song in Nives Heimatsprache hieß, weiß ich leider nicht mit Gewißheit. Sie sagte seinen Titel nicht an (bei Aqqusernit tat sie das, auch wenn meine aufgeschriebene Version davon abenteuerlich abweicht). Auch ein Blick auf ihren linken Oberarm half leider nicht. Da stand zwar Nives Setlist, ich stand aber zu weit weg, um sie lesen zu können.

Ich stand auch eigentlich wit genug von dem oben erwähnten Idioten in der letzten Reihe weg, der das Konzert seiner Freundin erklärte. Er tat das so laut, daß ich dauernd im rechten Ohr Sachen wie "die Gitarre ist kaputt" hören musste. Es war der Bass, nicht die Gitarre, geschenkt! Er war auch nicht kaputt, ein Kabel war es offenbar. Aber dieses penetrante (und viel zu laute) Kommentieren von Sachen, die jeder sieht, war schrecklich. Ich wette, Kollege Nervensäge ist auch der, der "Telefon" sagt, wenn irgendwo eines klingelt. Vielleicht waren Nive und die Deer Children auch seinetwegen so herrlich laut, genutzt hat es aber wegen der vielen ruhigen Passagen wenig.


Einer der Gitarristen (der mit den Banjo - ich habe nur seinen Nachnamen Petersen verstanden) sagte irgendwann in einer Stimmpause, daß wir ruhig (alle bis auf Ihrwisstschon) und dunkel seien. Er gucke in einen schwarzen Raum. Daraufhin drehte der Techniker etwas Licht im Zuschauerraum an, der Musiker entdeckte eine Discokugel. "Gibt es einen Motor?" - "Elektromotor?" bemühte er sich auf Deutsch. Und der Motor ging an, die Kugel drehte sich. "Fine for a Greenlandic disco song!" - Aqquesernit (der Name ist so toll, daher schreibe ich ihn so oft), bei dem Nive ein Kazoo spielte!

Ich habe mich gestern auf der Rückfahrt im offenen Cabrio gefragt, ob die Ebay-Erfinder, dieses Pez-Figuren sammelnde Paar, auch noch Dinge über ihre Website kaufen und verkaufen. Daß ich das Konzerttagebuch täglich (auch passiv) nutze, hat sich heute mal wieder ausgezahlt. Ohne Gudruns und Olivers Berichte wäre ich vielleicht nie bei Nive Nielsen gelandet- ganz schön doof!

Setlist Nive Nielsen & The Deer Children, Studio 672, Köln:

01: Room
02: Pirate song
03: Circumstances
04: Easily
05: Uulia (?)
06: Dear Leopold
07: Granma
08: Vacuum cleaner killer
09: Done & gone
10: Wrong
11: Rock 'n' roll (for Abner Jay)
12: In my head
13: Aqqusernit

14: Good for you (Z)

Links:


- Nive Nielsen And The Deer Children, Paris, 12.06.12 
- Nive Nielsen And The Deer Children, Beverungen, 27.05.12 



Freitag, 15. Juni 2012

Nive Nielsen And The Deer Children, Paris, 12.06.12

0 Kommentare

Konzert: Nive Nielsen And The Deer Children
Ort: Le Carmen, Paris
Datum: 12.06.2012

Zuschauer: 80-100
Konzertdauer: etwa 45-50 Minuten


Der Rahmen für dieses Konzert war ungewöhnlich prachtvoll. Le Carmen liegt im 9. Pariser Arrondissement unweit des anrüchigen Pigalle-Viertels mit seinen Sex Shops und dem berühmten Moulin Rouge, aber es ist mit seiner etwas versteckten Lage doch für Touristen kaum zufällig auffindbar. Hier hat Georges Bizet 1875 seine Oper geschrieben, worauf auch eine hölzerne Tafel stolz verweist.

Der boudoirartige Ort (hier gibt es tolle Fotos) besteht aus eindrucksvollen Säulen, Statuen, wundervollen Ornamenten, Stuck, Deckengemälden, Lüstern, Kandelabern und ein paar abgetrennten Räumen, in die sich Besucher zurückziehen können. Ich war vor ein paar Wochen bereits hier, hatte Mariee Sioux gesehen und den Abend sehr genossen.

Auch heute wurde es wieder ein Fest für alle Sinne. Die Gäste hatten es sich auf den schönen alten Stühlen gemütlich gemacht und die vielköpfige Band um Nive Nielsen spielte gleich vor uns, was atemberaubend intim war.

Gegen 22 Uhr 30 ging es los. Ohne große Worte vorauszuschicken, performte die hübsche Grönländerin zunächst auf einer kleinen roten Ukule- Gitarre (sechs Saiten, ein Zwischending zwischen Ukulele und Gitarre), bevor sie später auch eine Elektrische zum Schwingen brachte. In ihrer Band gab es aber auch Platz für solch hübsche Instrumente wie Cello, Glockenspiel Banjo, Autoharp, Melodica und auch Pedalsteelgitarre, was der Sache viel Charme verlieh. Das Line Up schien mir trotzdem anders zu sein als noch beim Obs in Beverungen. Vor allem gab es keine Schlagzeugerin, sondern hier in Paris einen Herren, der die Drums bearbeitete. 6 oder 7 Musiker stellten heuer die Deer Children dar.

Was die Band da auf das Parkett legte (im wahrsten Sinne des Wortes) war wirklich hervorragend. Wir Zuschauer bekamen eine spannende Mischung aus Folk, Kammerpop und bisweilen fast Postrock zu hören, die von der süffigen Stimme Nives entscheidend belebt wurde. Ihr Gesangesorgan war so warm, herzlich und nahegehend, daß ich mir auch gut vorstellen konnte, daß Nive in der Lag wäre, die feinen Songs ganz alleine auf einer Akustikgitarre vorzutragen. Aber mit der Band war es eben noch abwechslungsreicher und bunter, keine Frage.

Exzellente Lieder gab es reichlich. Egal ob Pirate Song, Room oder Good For You, alles klang herrlich harmonisch und ausgewogen, sprich genauso wie die junge Frau und ihre Band auch wirkten. Da war im guten Sinne unprätentiös, aber nie flach oder banal, dafür waren allein die Arrangements zu gut.


Ungefähr 45 Minuten lang wurde gefühlvoll und mit Leidenschaft musiziert und das Publikum, das keinen Eintritt gezahlt hatte, erlesen unterhalten. Der Applaus war entsprechend warm und herzlich und ich bin sicher, daß kaum jemand dem Charme der Nive Nielsen und ihren Deer Children widerstehen konnte.

Die sehen wir bald wieder, desssen bin ich mir sicher. Und bis dahin trösten wir uns mit ihrem Debutalbum "Nive Sings."

Setlist: morgen!



Sonntag, 10. Juni 2012

Nive Nielsen And The Deer Children, Beverungen, 27.05.12

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Konzert: Nive Nielsen and the deer children

Ort: Beverungen, OBS 16

Datum: 27. 05. 2012

Zuschauer: vielleicht 1500

Dauer: 14:25-15:25 Uhr



Bericht und Fotos von Gudrun aus Karlsruhe


Durch das Line-up des Festivals angeregt, hatte ich mich schon frühzeitig mit der Musik der Gruppe um Nive Nielsen beschäftigt und festgestellt, dass mir die Musik der Inuit-Frau sehr gut gefällt. Ich hatte mir sogar schon die CD ''Nive sings'' gekauft, weil ich nicht abwarten konnte, bis ich sie im Glitterhouse-Garten am Merchstand finden würde. Vielleicht bin ich ja ein bisschen grüblerisch veranlagt, aber wenn die Erwartungen so hoch gehen, dann schwingt bei mir dann doch leise immer die Angst mit, es könnte vielleicht live enttäuschen. Schließlich kann leicht die filigrane Vielfalt der Musik auf der Platte live ein Problem sein. Diese Ängste stellten sich hier zum Glück als komplett unbegründet heraus. Es wurde mein schönstes Konzert auf dem diesjährigen OBS und das hatte mehrere Gründe.

Erstens natürlich die Musik an und für sich, die es versteht Leichtigkeit zu vermitteln, und dabei auch in alltäglichen Themen über Morgenkaffee und Staubsauger nie flach ist. Sie ist zeigt das Einfache, was doch so schwer herzustellen ist. Man hat im hören das Gefühl, man könnte nächstens auch die Gitarre zur Hand nehmen und sich mit einem Lied den Ärger und die Traurigkeit davonspielen, wenn man es nur mal richtig versuchte.

Besonderen Spaß hatte ich am ''pirate song'' (in das Ahahahahah möchte
man dann doch zu gern einstimmen) und ''aqqusernit'' (mit Tuba und Triola ''hinten'' und einigem Spaß von Seiten Herrn Pinters vorn, der zunächst den Eindruck erweckte, er könnte mit seiner Stimme eine Tuba so täuschend echt nachahmen).

Zweitens war es die frische Darbietung durch die Hirschkinder. Die vielen Musiker auf der Bühne genauer drei Frauen und vier Männer, an Kontrabass & Tuba, Cello & Triola, Gitarre & Ukulele, Keyboard Glockenspiel, Schlagzeug, E-Gitarre, E-Bass und anderes mehr.

Jeder einzelne von ihnen verstand es mich zu fesseln und die Aufmerksamkeit zu binden. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Frau am Schlagzeug, die mich echt restlos begeistert hat. Aber auch der lange junge Mann (Tim Vandenbergh) am großen Kontrabass, der Herr an der E-Gitarre, der sie auch mal locker auf den Schoss legte und als Steelguitar spielte,dann Jan De Vroede (das personifizierte Understatement), der an allen Ecken und Enden mittat und Tom Pintens vorn der zu allerlei Späßen aufgelegt war. Die Dame am Cello war die meiste Zeit für mich verdeckt.


Das Publikum war begeistert und in vielen andere Festivalberichten vom OBS wird dieses Konzert ebenfalls als eines der hervorstechenden und besonders in Erinnerung bleibenden Sets herausgestellt.

Nive hat eine besondere Ausstrahlung. Sie ist da und es entsteht fast automatisch ein Lächeln im eigenen Gesicht. Sie erzählte zwischendurch darüber, wie die Lieder entstanden sind und was sie heute darüber denkt und hatte dabei eine wirklich erstaunliche Bühnenpräsenz.


So wie man vielleicht geneigt ist, die Einfachheit der Musik mit poppiger Beliebigkeit zu verwechseln wird wohl die zarte Frau vom Rand der Welt meistens unterschätzt. Sie hat schon einiges geleistet und ist gut in der Welt herumgekommen. Mich hat das schon im Konzert nachdenklich gemacht (ausgelöst durch die flapsige Einführung) woran es wohl liegt, dass die Newcomer-Jungsbands da mit anderem Respekt behandelt werden als die junge Frau mit ihrer bunten Truppe.


Für die Entstehung der Scheibe ''Nive sings'' zeichnen u.a. solche Namen mit verantwortlich:

Eric Craven,

Patrick Carney,
John Parish,
Alain Auger,
Alden Penner,

Matt Bauer,
Howe Gelb,
Giselle Webber,
Ralph Carney

Für eine interessante Übersicht auf Nives Hintergrund verweise ich auf:
http://www.girlieaction.com/client.php?id=192

In die Musik kann man auch von daheim bequem hineinhören:
http://nivenielsen.bandcamp.com/album/nive-sings

Setlist (war auf Nives Unterarm notiert, deshalb hatte ich hinterher eine Chance, sie
vom Foto zu rekonstruieren):

Room

Good for you
Pirate song
Circumstances
Dear leopold
My Coffee boy
Uulia
Done and gone
Vacuum cleaner killer
??
Aqqusernit
In my head



 

Konzerttagebuch © 2010

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