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Samstag, 8. Juli 2017

Kesselhaus Acoustics, Berlin, 04.07.17

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Konzert: Kesselhaus Acoustics mit 
      Joel Havea (35 min)
      Bender & Schillinger (30 min)
      AVEC (35 min)
Ort: (ausnahmsweise, da von der Fashion week vertrieben im) Biergarten des Frannz in Berlin (Kulturbrauerei Prenzlauer Berg)
Datum: 4. Juli 2017
Zuschauer: 100 - 200


Als Karlsruherin singe ich oft freiwillig wie gezwungenermaßen das Loblied auf die Kultur in der Provinz. Nun könnte ich noch eine Strophe anhängen, dass die Berliner echt die Klappe halten können, wenn an zwei Juliabenden in ganz Berlin nicht mehr als eine Veranstaltung stattfindet, die so einigermaßen in mein musikalisches Beuteschema passt.... Aber das ist natürlich nur unwichtiges Geplänkel und verblasst neben der Erinnerung an einen sehr gelungenen Abend mit einem mich absolut überzeugenden Konzept - den Kesselhaus Acoustics jeden 2. Dienstag im Hof der Kulturbrauerei in Berlin (die Idee ist aus Hamburg geborgt).
 

Diverse nicht primär musikalische Pluspunkte wären dabei zu nennen: Ein sehr einladender Ort (mit Bonuspunkt: Nur sieben Gehminuten von meinem Quartier entfernt), eine Uhrzeit zu der ich sehr gut aufnahmefähig bin, Bekanntmachung der Abendplanung und auf 15 min genaues einhalten des Planes. Passendes Wetter: Freundlich, trocken und nicht zu warm. Darüber hinaus hatte ich eine Verabredung für den Abend und schließlich statt einem sogar zwei sehr nette Begleiter (auch wenn ich meine Fotos diesmal selbst machen musste). Als Sahne obenauf gab es noch ein unverhofftes Treffen und viel zu lachen mit einem Musikliebhaber-Quintett eine Generation jünger als ich, das ich die letzten Jahre auf dem Alinae lumr Festival traf...


Dieser Gemütlichkeitsbonus war gleichzeitig auch ein gewisser Nachteil, weil die Musik darin zum großen Teil Background-Berieselung wurde und von vorne bis hinten durchgequatscht wurde. Normalerweise hätte mir das alles verleidet, aber was soll's das ist halt ein Teil des Konzeptes, zu dem auch gehört, sich auf die angebotene Musik einzulassen oder eben auch nicht. Der erste Künstler des Abends - Joel Havea - war zum Beispiel eher kein Kandidat mit dessen Musik ich mich weiter intensiv beschäftigen werde. Er war aber für so einen Sommerabend auch ganz passend und ertrotzte sich sogar eine Zugabe.


Die flapsige Bemerkung, ich sei wohl auf der Suche nach Neuentdeckungen traf für mich am ehesten auf das Mainzer Duo Bender & Schillinger zu, die mich bezauberten in der musikalischen Vielgestaltigkeit und mit den beiden Stimmen von Linda Bender und Chris Schillinger. Das war mal Liedermachermäßig mit den zwei akustischen Gitarren, aber es gab auch Rhythmus und eine Saite blieb gar auf der Strecke, als die zweite Akustikgitarre als Schlagwerk diente. Sanfte Klavierklänge schmiegten sich bei Rendevous an mein Ohr. Das war so recht meins und hat mir viel Spaß gemacht.
 

Die österreichischen Gäste AVEC setzten dann den Schlußpunkt für den frühen Abend. Sie reizten den akustischen Rahmen aus und spielten in voller Bandformation: Miriam Hufnagl (Gitarre und Gesang), Andi Häuserer (Gitarre und Tasten),  Lukas Klement (Schlagzeug), Ross Stanciu (Bass) ordentlich druckvoll auf. Da wippten die Zehen. Wir hatten einigen Spaß dabei, dass häufig der Bass das letzte Wort hatte und warteten auf ein Solo von ihm (das es aber dann doch nicht gab...). Bestimmend war dabei die markante Stimme von AVEC. Bei dem wohl bekanntesten Song Granny ging schließlich im Publikum richtig die Post ab, obwohl es ja eher melancholisch ist.

Kesselhaus Acoustics Pläne 2017
18.07. Serafyn (SUI), Nosoyo (NL), Klan
01.08. Phela, Lasse Matthiessen (DK), Hanna Leess
15.08. A Tale Of Golden Keys, Sarah Lesch, Lukas Meister
29.08. Lilly Among Clouds, Meadows (S), Lukas Droese & Band


Tourdaten Joel Havea
08.07. Lübeck Kultur-Sommer-Festival    
15.07. Stein Tatort Hawaii    
17.07. Kiel Forstbaumschule    
22.07. Hamburg Bistro Tati – Zweierabend mit Andy Fite!    
29.07. Hemer Sauerland Park    
30.07. Hamburg Altes Mädchen    
05.08. Gifhorn Open Air KultBahnhof    
02.09. Kiel Frock Summer Festival 




Bender & Schillinger am 26./27.08. in Trier Überall und hier

AVEC on the road



Freitag, 18. Mai 2012

Beth Jeans Houghton, Berlin, 09.05.12

3 Kommentare

Konzert: Beth Jeans Houghton
Ort: Frannz Club Berlin

Datum: 09.05.2012
Zuschauer: ca. 70
Konzertdauer: 1 Stunde


Bericht und Fotos von Markus aus Berlin


Ich sitze mit Freunden im Biergarten, bevor ich mich auf den Weg zum naheliegenden Frannz Club in der Kulturbrauerei mache. Die Sonne hat mich den Tag über heiter gestimmt und so betrete ich gut gelaunt die Räumlichkeiten. Mir persönlich ist der Frannz Club zu unpersönlich und nach der Sanierung hat er auch an Charme eingebüßt. Das versuche ich weitgehend auszublenden, denn an diesem Abend ist steht dort die großartige Beth Jeans Houghton auf der Bühne. Eine Vorgruppe ist nicht angekündigt, was ich auch nicht traurig finde. Als die Band die Bühne betritt, bin ich anfangs doch recht irritiert. Sie passt so gar nicht zu der Musik und auch Beth Jeans Houghton sieht alles andere als glamourös aus. Sie selbst trägt eine hautenge ausgewaschene Jeans dazu ein leicht bauchfreies T-Shirt. Ihre blonde Mähne hat sie hochgesteckt. Insgesamt eine optisch recht eigenwillige Mischung. Ihre Band setzt diese Linie fort. Es hat eher den Charakter einer Truppe, die sich Mittwoch Abend im Proberaum trifft als auf der Bühne einer Metropole aufzutreten. Das ist jetzt nicht unbedingt abstoßend, sondern auch beruhigend, dass nicht jede aufstrebende Band sich gleich als Möchtegern-Hipster verkleidet.





Gut gelaunt erzählt Beth Jeans Houghton die Geschichte vom Vorabend, als sie auf der Reeperbahn in Hamburg für eine Prostituierte gehalten wurde. Nach dem phantastischen Atlas und Humble Digs folgt mit Dodecahedron eines meiner Lieblingslieder. Sie schafft es auch live ihre Stimme in allen Variationen zu präsentieren. Dabei kommen die Stimmen der Band deutlich mehr zur Geltung als auf dem Studioalbum. Auch die Trompete ist schön stimmig live eingebunden. Mit California folgt das erste bislang unveröffentlichte Lied und es reiht sich stimmig in die bekannten Klänge ein. Eingebunden mit einer schönen Geschichte eines Traumes der vergangenen Nacht als sie wegen einer zweiten Vagina zum Arzt geht. Das wirkt alles nicht vulgär oder unangenehm, sondern ist sehr unterhaltsam. Der 1990 geborenen Britin merkt man ihr junges Alter nicht an. Sie steht souverän und selbstbewusst auf der Bühne - mitten in dem bunten Mix der Band. Diese harmoniert nicht nur im Zwischenmenschlichen, sondern schafft eine runde und tragende Atmosphäre rund um die Stimmakrobatik von Beth Jeans Houghton. Das macht unheimlich Laune und die wirklich exzellente Laune der Band überträgt sich direkt auf das sehr motivierte und interessierte Publikum. Eigentlich würde Liliputt zum Tanzen animieren, aber mehr als Wippen ist zu diesem Zeitpunkt nicht herauszukitzeln. Das Berliner Publikum auch nicht dafür bekannt, dass es zur Ekstase neigen würde. Live hat die Band einen ganz eigenen und dennoch vertrauten Klang. Beth Jeans Houghton ist kein Studioprodukt, sondern sie ist live noch intensiver und intimer als auf ihrem schon herausragenden Album. Ihre Musik verkommt live nicht zur Karikatur, sondern entwickelt eine eigene Dynamik. Der rauere Live-Sound steht dem temporeichen Franklin Benedict gut zu Gesicht. Sehr gut gefällt mir auch Before I Go Away. Mitten im Konzert sollen wir dann alle laut Kreischen und diese Schreitherapie klappt besser als das Tanzen. Sie spielt nicht einfach nur ihr 2012er Studioalbum runter, sondern auch viele noch unveröffentlichte Songs, die sehr gut ins Set passen und Lust auf weitere Konzerte und Alben machen. Je weiter das Konzert fortschreitet, umso mehr bewegt sich auch das Publikum tanzend, wippend mit viel Freude und Lust auf die temporeichen und abwechslungsreichen Lieder. Gelangweilt habe ich mich bei Beth Jeans Houghton keine Sekunde lang. Dazu lässt sie es auch nicht zwischen den Lieder kommen, denn ihre Zwischenbemerkungen sind amüsant und haben ihren ganz besondern Charme. Nach ihrem Hit Sweet Tooth Bird zeigt die Band mit Prick (auf dem Studioalbum als Anhang des Liedes Carousel zu hören) beeindruckend, dass sie auch Punkrock gut beherrscht. Optisch würde sie dort wohl gut aufgehoben sein. Schließlich beendet sie das Konzert mit ihrer Version von „Like A Prayer“ von Madonna. Für mich das schwächste Lied des Abends. Leider hat sie mein Lieblingslied Nightswimmer an diesem Abend ausgelassen. Vielleicht habe ich bei einem ihrer nächsten Konzerte mehr Glück. Beth Jeans Houghton machte an diesem Abend eine großartige Figur. Ihre Band war eine klanglich und atmosphärische Unterstützung und Bereicherung. Nach dem Konzert nahm ich mir noch ein paar Minuten, um mit meinem begrenzten Englisch-Kenntnissen meine Verzückung über das Erlebte mitzuteilen. Ich stand da nicht alleine und so glaube ich, dass die Band Berlin in positiver Erinnerung behalten wird. Das Publikum dankte ihr das Konzert mit viel Applaus, Jubeln, Lachen und Feiern. Ein so tolles Publikum für so eine großartige Sängerin habe ich selten erlebt.

Setlist:

Atlas
Humble Digs
Dodecahedron
California
Liliputt
Skinny Bone
Franklin Benedict
Shampoo
Before I Go Away
Honey Comb
Your Holes
Grope
I Will Return I Promise
Sweet Tooth Bird
Prick
Like A Prayer (Madonna Cover)



 

Konzerttagebuch © 2010

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