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Freitag, 12. Januar 2018

2017 - meine Alben des Jahres (Michael)

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Unter den besten Alben sind einige, von deren Interpreten ich bisher nichts gehört hatte. Ihr werdet staunen, aber ich freue mich immer, wenn ich auch nach so vielen Jahren des Musikkonsums noch Neues entdecke. Auch Neues, was es eigentlich schon lange gibt, aber in meinen 41 Jahren aktiven Musikgenusses habe ich eben manche Strömungen weggelassen, spät entdeckt oder auch wieder verschüttet.

Nun also meine 2017er Liste der für mich besten und schlechtesten Alben - diesmal in der Reihenfolge des Gefallens oder Missfallens.

Die Auswahl aus mehr als 120 Platten fiel dann doch nicht so schwer, wie es bei der Anzahl zu erwarten gewesen wäre. Es ist wohl eher ein Zeichen dafür, dass es für Bands und Künstlerinnen wie Künstler nicht mehr so einfach ist, wirklich aus der Masse herauszustechen. Und bei bekannten Bands lege ich die Messlatte hoch, weil ich mich mehr über Weiterentwicklung freue als über Verwalten des eigenen Stils. Deshalb habe ich eine Liste der größten Enttäuschungen angefügt.


Die Besten

LCD Soundsystem - American Dream


Typisch: dieses Projekt habe ich aus dem Radio (Tonart meist auf dem Weg vom Büro nach Hause). Habe ich vorher nie bewusst wahrgenommen und dieses Werk macht Lust auf die alten.






Ibeyi - Ash


Die beiden Schwestern mit kubanischen Wurzeln kenne ich seit ihrem Debütalbum. Dieses hier ist ein absolute Empfehlung, genial reduzierte Songs und nebenbei großes Artwork!







Dhani Harrison - IN//PARALLEL


Was macht der Sohn von George? Das Radio erzählte mir die Geschichte, dass seine Mitmusiker von Fistful of Mercy ihm diesmal verweigert haben, unter dem Bandnamen zu veröffentlichen. Er solle sich endlich trauen, das Album unter seinem eigenen Namen herauszubringen. Es ist ein eigenständiges und grandioses Werk geworden.


Slowdive - Slowdive


Ich habe wohl in den 1990er Jahren Shoegaze verpasst bzw. bei der Nennung der Genreschublade an komplett andere Musik gedacht und nie reingehört. Bin sehr froh über die Entdeckung wie auch über Cocteau Twins und Jaguwar aus Dresden, die gerade heute (12.01.2018) ihr Debüt veröffentlichen.


Steven Wilson - To The Bone


Hier muss ich nicht viel schreiben. Einer meiner Helden nach der Nach-Rock-Ära und ein kreativer Kopf und Workaholic wie sie selten sind heutzutage. Ich hoffe auf noch viele Werke in all seinen Projekten, die er betreibt.





St. Vincent - Masseduction


Auch eine Empfehlung des Radios, passt für meine Ohren.











Albin Lee Meldau - Lovers (EP)


Eine weitere Quelle für Neuentdeckungen sind die NPR Tiny Desk Konzerte. Dort stellt der Sender neue und bekannte Musiker vor. Diese Entdeckung war besonders spannend wegen der sparsamen Instrumentierung und der dazu im Kontrast stehenden Intensität des Auftritts.




Hello Piedpiper - The Raucous Tide


Als Freund der Scala haben wir uns hier riesig über Fabios 2. Album gefreut und darüber, dass er es mit Band aufgenommen und dann auch bei uns gespielt hat.







Caspian Sea Monster - Caspian Sea Monster


Chemnitz hat auch eine Post- und Progrockgemeinde. Aus verschiedenen Bands hat sich diese Formation gegründet und ein bemerkenswertes Debüt abgeliefert. Das Googeln nach dem Bandnamen fördert Kurioses zu Tage.





Nick & June - My November My


Leider hat es noch nicht mit einem Wohnzimmerkonzert geklappt. Das Album gefällt mir ausnehmend gut.









Courtney Barnett & Kurt Vile - Lotta Sea Lice


Kurt Vile kenne ich seit seinem 2009er Album „Childish Prodigy“ und habe mich bei NPR Tiny Desk concerts über die Performance mit Courtney Barnett gefreut.








Feist - Pleasure


Ein Album wie ein ungeschliffener Diamant.











Father John Misty - Pure Comedy


Dieses Werk erschließt sich mir immer noch. Ich höre es in Abständen und finde es immer interessanter. Und entdecke immer andere Ecken in den Songs. Kein Ohrwurm dabei - gut so!







Woods of Birnam - Searching For William


Die Reste von Polarkreis 18 fanden sich zusammen und schrieben ein Album, mit dem sie im Dresdner Schauspiel einen Shakespeare-Abend gestalteten. Ein Kleinod moderner Popkunst.







Le-Thanh Ho - Staub


Tolle und nahegehende deutsche Texte. Le-Thanh Ho zu erleben war auch ein Höhepunkt unserer Wohnzimmerkonzertreihe.









Die schlimmsten Alben

We Invented Paris - Catastrophe


„Rocket Spaceship Thing war 2014 eines meiner Lieblingsalben auf dem Plattenteller, die Tour dazu ganz toll und ein Erlebnis auf dem Parkett des Beatpols in Dresden. Was die Jungs Geräten hat, diesen Synthipop aufzunehmen, erschließt sich mir nicht. Der Albumtitel sehr wohl, vielleicht hatte jemand in der Band schon so eine Ahnung…




U2 - Songs of Experience


Ich gebe zu, ich habe der Band überlange die Treue gehalten, nämlich bis 2009 und „No Line On The Horizon“. Ab dann ging es bergab und mit diesem Album besonders steil. Einfallslos und uninspiriert. Wer bezahlt noch für sowas?






Portugal.The Man - Woodstock


Dieses Album steht hier, weil es gegenüber den Vorgängeralben so abfällt und beliebig wirkt. So verliert man Fans, gewinnt sicher auch neue. Ich hoffe, dass dies ein Album zum Sammeln von Erfahrungen ist. Das nächste wird wieder besser.


Montag, 4. Juli 2016

Down the Rabbit Hole Festival, Nimwegen, 24.-26.06.2016

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Konzert: Down the Rabbit Hole Festival
Ort: Nimwegen
Datum: 24.-26.06.2016
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: 20.000 ausverkauft



Nachdem ja schon vier Berichte vom diesjährigen "Down the Rabbit Hole" Festival in unserem Archiv zu finden sind, hier noch der Überblick vom restlichen Wochenende: Das "Down the Rabbit Hole" ist die kleine Schwester des beliebten "Lowlands"-Festival in den Niederlanden.

Hier wurde schon vor mehr als zehn Jahren demonstriert was ein Festival an Komfort und Esprit neben einem extrem variablen Line-Up alles Leisten kann. Doch die Zeiten für das "Lowlands" änderten sich. Mit 55.000 Menschen immer ausverkauft konnte es kein reines "Indie"-Festival bleiben, der Schwerpunkt verlagerte sich auf Pop und Dance und es wurde für den Veranstalter Mojo Zeit für ein neues, kleineres Lieblingskind.

Gut für uns, denn das "Rabbit Hole" liegt viel näher an der deutschen Grenze in Nimwegen, ist mit immerhin 20.000 Zuschauern dieses Mal  ausverkauft, vermittelt aber trotzdem einen extrem entspannten Eindruck ohne Gedränge und Anstehen. Der Trick ist so einfach wie genial. Biete den Leuten auf einem tollen Gelände am See einfach mehr Anlaufpunkte als nötig und alle haben Spaß. 

Wie beim "Lowlands" könnte man auch hier den ganzen Tag von einer Mini-DJ-Bühne zur nächsten Aktion (Hula-Hoopen mit DJ), Kino, Yoga oder Stijldansen im Spiegelzelt flanieren, ohne überhaupt eines der großen Bühnenzelte zu betreten. Drei davon gibt es, von der Kapazität Headliner (10.000), Stadthalle (5.000) bis Clubact (1.000) ist alles dabei. 



Wenn man sich anschaut, wie entspannt die Menschen auf eine liebevolle Gestaltung des Geländes und des Programms reagieren, fragt man sich wirklich, warum es so etwas in Deutschland (trotz erster Versuche) immer noch nicht gibt. 

Nach "Sun Kil Moon" (siehe Bericht) und den "Pavement"-Jüngern von "Parquet Courts", die von einem vollen Zelt erstaunlich viel Anerkennung erhielten, war es Zeit für "Courtney Barnett". Vielfach als "Album des Jahres" ausgezeichnet ist sie immer noch auf Tour, wirkt gegenüber dem fantastischen Nachtauftritt in Haldern letztes Jahr jetzt aber natürlich schon wesentlich routinierter.



Immer noch etwas schüchtern hat sie den Set jetzt voll im Griff, alles ist genau auf die genormte Festival länge arrangiert und scheppert trotzdem herrlich schrammelig daher. Das lustige "Life, be in it" T-Shirt mit seinen Comicfiguren ist Programm. Textsicher singen und tanzen die Niederländer schon am frühen Freitag bei einen ihrer Highlights. Diesmal ist sogar eine Coverversion mit im Programm: Grateful Deads "New Speedway Boogie" dürfte der ein oder andere eher beim "The National" Gig am Samstag erwartet haben. 

"Mac Demarco", in Holland wohl eine Riesennummer füllt das große Zelt fast vollständig, während "Everything Everything" mich persönlich nicht überzeugen können. Ich ertappe mich dabei, die ganze Zeit auf "Distant Past" zu warten, was aber garantiert der letzte Song sein wird, und da war dann der grandiose Auftritt von "PJ Harvey" (siehe Bericht) zurecht wichtiger.  

Der zweite Tag beginnt mit den holländischen "My Baby" durchaus vielversprechend, aber hier wäre ein kleineres Zelt sicher schöner gewesen, tolle Live-Band allemal. "Whitney" und "Rhodes", beides für mich zu poppig und nicht fesselnd genug, da bietet der Elvis-Imitator auf einer Waldbühne aus alten Kühlschränken und Elektroschrott noch mehr Abwechslung.

"The Cinematic Orchestra" gibt es auch noch. Aber so richtige Begeisterung kann bei den zum Teil anstrengenden Jazz-Klängen am Nachmittag auch nicht aufkommen. Somit sind "Savages" zum genau richtigen Zeitpunkt da, um einem nach dem zweiten Pulled-Pork Sandwich wieder etwas Leben einzuhauchen. 

Die Band spielt sich quer durch beide Alben und ist einfach eine Augenschmaus. Nicht, weil es vier Damen sind die hier dem Postpunk frönen, sondern weil es nie langweilig oder gestellt wirkt. Auch wenn der Überraschungseffekt beim mehrmaligen besuchen der Konzerte natürlich nachlässt, können Song wie "Husbands" oder "Fuckers" einfach nicht ihre Wirkung verfehlen. Besonders gut ist heute die lange und extrem gelungene Version von "Adore", die sich zum Finale hin immer weiter steigert und vor "Fuckers" eigentlich schon den Höhepunkt darstellt.



Direkt danach spielt "Glen Hansard" zum Tanz auf. Seit langer Zeit erstmals wieder mit großer Band (Streicher und Bläsern) unterwegs, kann er einerseits seinem Sound alle Details entlocken, auf der anderen Seite ging dadurch die Spontanität etwas dahin. Zudem lag der Schwerpunkt der Songs bei seinen Soloalben, so das einige Klassiker seiner diversen Bands trotz der langen 90minütigen Spielzeit keinen Platz fanden. 

Trotzdem ist Glen natürlich ein perfekter Bandleader und Gastgeber, der alleine mit seinem Charme das Zelt sofort im Griff hat. Die Ansage "Summer, crazy festival time, i will catch that beer" (in Anspielung auf den letztjährigen, holländischen Festivalmoment des Jahres als "John Coffey" während des Crowdsurfens einen halbvollen Bierbecher fängt und austrinkt,  gerät  hier natürlich zum vorhersehbaren Eigentor und Glen bricht das Experiment nach zwei Bierduschen aus den ersten Reihen lachend ab. 

Als Cover sind diesmal eine fantastische Version von Van`s "Astral Weeks", Marvin Gaye´s "Don`t do it" und Daniel Johnston`s "Devil Town" an Board. Eine weitere musikalische Glanzvorstellung von Hansard der noch bis Ende des Jahres mit dieser Band auf Tour sein wird.

"TV Segall" fallen leider wegen der Überschneidung mit "The National" (siehe Bericht) aus, wären aber vielleicht nachträglich die bessere oder zumindest spannendere Wahl gewesen. 

Der Sonntag beginnt für uns wegen der nervigen Schauern später. "Frightened Rabbit" und "Alex Vargas" fallen somit aus, dafür ist aber pünktliches Antreten bei der Indie-Sensation des Jahres (gibt ja nicht mehr so viele) Pflicht: "Car Seat Headrest", deren Sänger wie ein Sohn von "E" ausschaut, spielen einen sich ständig steigernden, tollen Auftritt mit vielen Songs des neuen Albums "Teens of denial". 

Zehn wunderschöne, kleine Indieperlen mit am Ende voll aufgedrehten Gitarren und herrlichem 90er Sound. Nichts neues, aber immerhin etwas sehr gutes. 


Über "Daughter" haben wir ja schon wirklich alles geschrieben. Es zeigt sich aber, wie bei der letzten Tournee, dass die Band Monate benötigt um den Versionen die Lockerheit und Länge zu bieten, die das Ganze anders als auf CD klingen lassen. Nach fast sechs Monaten klingt jetzt alles rauher, spontaner und lustvoller als noch auf den eigenen Konzerten am Anfang des Jahres. 

Die armen "Suede" kommen am frühen Abend dann leider auf der größten Bühne unter die Räder, nicht einmal halbvoll ist das Zelt. Trotzdem gibt die Band alles, aber heute soll es einfach nicht sein. Dafür ist die Konkurrenz des modernen Pop, hier in Form von "M0" einfach zu groß. 

Die "DMA`s" sind, nachdem man den Gag einmal gesehen hat, leider nicht mehr witzig, also ab zu Anohni (siehe Bericht), dem trojanischen Pferd des Festivals, die mit Politik, Kunst und diversen wichtigen Botschaften die Zuschauer staunend zurücklässt. 



Was bleibt ist ein tolles Festival, dass in allen Bereichen punkten kann. Drei völlig verschiedene und doch allesamt fantastische Headliner, ein unfassbares Rahmenprogramm und eine tolle Organisation machen das "Rabbit Hole" zu einem Festival für Leute, die nie auf Festivals gehen würden.

Fotos: Michael Graef








Mittwoch, 19. August 2015

Courtney Barnett, Haldern, 15.08.15

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Konzert: Courtney Barnett
Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 15.08.2015
Zuschauer: volles Spiegelzelt


von Dirk aus Mönchengladbach

Es ist genau 0:00 Uhr als Courtney Barnett pünktlich die alte Holzbühne im Spiegelzelt betritt. Eigentlich ein guter Zeitpunkt für was Neues, denke ich. Doch die Musik, die jetzt gleich aus den Boxen dröhnt, ist eigentlich alles andere als neu. 

Courtney Barnett hat ein tolles Album gemacht. Sie stammt aus Australien, ist 27 Jahre alt und hätte sie dieses Album in einer Zeit veröffentlicht, in der Indierock nicht völlig am Boden liegt, wäre sie vermutlich ein Star. So aber ist sie zur Zeit ziemlich alleine mit dem, was sie tut. Auf dem Haldern-Pop dieses Jahr könnte man höchstens noch die US-Amerikaner von The Districts dem Indierock zurechnen. Gerade deshalb ist das Zelt aber voll froher Erwartung. Erstens hat Courtney bisher nur sehr wenige Konzerte in Europa gespielt und zweitens: Gitarrenmusik live, das geht immer. 

Der Look beim ersten Eindruck ist schon mal klasse. Stilsicher in Doc`s, Röhrenjeans und Schlabberhemd. Dazu wuselige, schwarze Haare bis über die Schultern. Immer hat sie ein Lachen fürs Publikum und ihre kleine Band, bestehend aus Bass und Schlagzeug. Der Chef im Ring aber ist ganz klar Courtney selber. Immer wieder schauen die Musiker zu ihr, schon die ersten Songs bringen heftige Gitarrenriffs und unbändiges Spiel hervor. 

Courtney folgt im Aufbau ihrer Stücke einer kleinen Minderheit von Musikern. Sie hat meistens kein klassisches "Strophe, Refrain, Strophe" Konzept, sondern die Worte werden eher wie eine Erzählung verwendet, schwer das zu erklären. Manchmal gleicht es, obwohl es sich um eine völlig andere Art von Musik handelt, den Streets oder Sun Kill Moon. Beschrieben werden nämlich wie auch bei diesen beiden Musikern eher Alltagssituationen als ausgefeilte Storys oder Liebesgeschichten. 

Das macht die Texte aber in keinem Fall weniger interessant, im Gegenteil. Sätze wie: "Give me all your money, and I make some origami, honey" (um mal den bekanntesten zu nehmen) waren seit Donnerstag auf dem Festival immer wieder zu hören. Dieser Song Pedestrian at best wird am Ende den lauten Schlusspunkt setzen, und ein schweißnasses Publikum tanzend zurücklassen. 

Courtney schwankt also in den Texten zwischen diesen Alltäglichkeiten und bissiger Ironie, besonders wenn es um Trennungen oder Ex-Freunde geht.  

"My internal monologue is saturated analogue. It´s scratched and drifting, I`ve become attached to the idea it`s all a shifting dream bitter sweet philosophy. - Underworked and oversexed I must express my disintrest, the rats are back inside my head what would Freud have said ?" 

Sie spielt mit der Sprache und den Melodien. Wer würde Texte wie diesen in Songs vermuten, die daherkommen wie einfacher Rock. Aber selbst der ist toll, etwas staubiger und texanischer als auf Platte, aber wie sie die Gitarre und ihren Körper windet, für mich als Neil Young Fan ein großer Spass. Endlich jemand, der nicht jede Note seiner 10 Monate Arbeit im Studio genauso live reproduzieren möchte. 

Letzter großer Pluspunkt, Courtney hat Charme und Ausstrahlung. Alles in allem ein kurzer, aber perfekter Mitternachtssnack, den ich mir gerne im November in Köln nochmal in ganzer Länge ansehen werde. 

Setlist Courtney Barnett, Haldern-Pop Festival:

01: Elevator Operator 
02: Lance Jr 
03: An Illustration of Loneliness (Sleepless in New York) 
04: Small Poppies 
05: Dead Fox 
06: Depreston 
07: Nobody Really Cares If You Don't Go to the Party 
08: Avant Gardener 
09: History Eraser 
10: Pedestrian at Best

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Courtney Barnett, Köln, 17.11.14
- Courtney Barnett, Barcelona, 31.05.14



Dienstag, 18. November 2014

Courtney Barnett, Köln, 17.11.14

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Konzert: Courtney Barnett
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 17.11.2014
Dauer: gut 65 min
Zuschauer: fast ausverkauft



Daß ich auch am Montagabend wieder in einem vollen, krachigen Club stehen musste und nicht gemütlich auf dem Sofa liegen und die neue Auto. Motor, Sport lesen durfte, habe ich der kanadischen Band Islands zu verdanken. Und meinem schlechten Gedächtnis. Islands kamen mir bekannt vor, als ich über dem Lineup des Primavera-Festivals brütete und meinen Tag plante. Ich war überzeugt, die Band 2007 beim Wireless-Festival gesehen zu haben und gemocht zu haben. Als ich am Primavera-Samstag vor der Bühne stand und der Gruppe zuhörte, wunderte ich mich über meinen schlechten Musikgeschmack. Die wollte ich unbedingt sehen? Erstaunlich!

In Barcelona wollte ich sie nach zwei Liedern nicht mehr hören. Auf der Nachbarbühne begann ein paar Augenblicke später Courtney Barnett, die ich für eine Folktante hielt und eigentlich nicht hatte sehen wollen. Aber besser als Islands wäre sie sicher, also wechselte ich Plätze und wurde in der kommende Dreiviertelstunde umwerfend gut unterhalten! Die Folktante entpuppte sich als Band, die ein knackiges, enorm packendes Konzert spielte, das viele als das (zweit)beste des Festivals empfanden.*



Courtney Barnett ist Australierin und veröffemtlichte 2012 und 2013 zwei EPs (die als A sea of split peas noch einmal aufgelegt wurden). Ihren Stil kann ich auch nach einem halben Jahr noch nicht beschreiben. Mit Folk hat die Musik der damals drei, heute vier Musiker jedenfalls nichts zu tun. Auch nichts mit Singer-Songwriter-Zeugs. In die Kategorie passten vielleicht die letzte Zugabe Depreston, die Courtney solo spielte. Depreston (oder doch Depressed, wie ich ursprüglich verstanden hatte?) wird auf dem ersten - die Sängerin sagte, auf dem nächsten - Album erscheinen. Auch einige andere Stücke waren mir neu und erscheinen vermutlich auf dem Debüt. 

Alle Lieder - alt und neu - hatten gemeinsam, daß sie mitreißend melodiös und toll instrumentiert sind. Die vier Musiker (neu für mich war der Keyboarder) schmetterten uns ein Stück nach dem anderen dicht hintereinander um die Ohren. Lance jr. und Canned tomatoes (whole) verschmolzen zu einem Lied. Es war flott, es war laut und es war wundervoll! Auch wenn es nicht von großem musikalischem Sachverstand zeugt, die immer gleiche (noch dazu unbekannte) Referenzband zu bemühen, auch Courtney Barnett erinnerte mich ein wenig an die fabelhaften Babies um Kevin Morby.

Was mir mit offenem Mund beim Barcelona-Konzert gar nicht richtig aufgefallen war, ist Courtneys fabelhafte Stimme. Die Stücke funktionierten vermutlich auch von anderen gesungen gut, aber ihr Gesang macht auch einen guten Teil des Reizes aus. Leider waren für mich die Stimmen der anderen kaum auszumachen. Beim Primavera spielte mehrstimmiger Gesang eine deutlich größere Rolle. Vielleicht war dies heute der großen Lautstärke des Konzerts geschuldet (lauter als Thurston Moore am Vorabend).

Am Ende fragte die Sängerin, was sie sich denn morgens noch in Köln angucken solle. Hoffentlich war der Dom-Tipp so gut, daß sie schnell wiederkommt. Das Konzert war ein Knüller und Knüller sehe ich gerne wieder!

Die Einleitungs-Islands waren übrigens The Little Ones. Warum mein Gedächtnis da so viel Phantasie entwickelt hat, weiß ich wirklich nicht. Aber es hat seinen Zweck erfüllt.

Setlist Courtney Barnett, Studio 672, Köln:

01: David
02: Lance jr.
03: Canned tomatoes (whole)
04: Scotty says
05: Don't apply compression gently
06: ? (neu)
07: Out of the woodwork
08: Anonymous club
09: Are you looking after yourself?
10: Blah
11: Pedicure (neu)
12: Avant gardener
13: History eraser

14: Depreston (neu) (Z) 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Courtney Barnett, Barcelona, 31.05.14

* ...Slowdive 

Fotos: Archiv (Barcelona)


Freitag, 6. Juni 2014

Courtney Barnett, Barcelona, 31.05.14

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Konzert: Courtney Barnett
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 31.05.2014
Dauer: knapp 45 min
Zuschauer: recht viele für die frühe Stunde 



Am Samstag fanden allein auf dem Festivalgelände 73 Konzerte statt. 73! Da ich es hasse, hier und da nur mal reinzuschnuppern und Auftritte nur genieße, wenn ich sie ganz sehe, erfordert solch eine riesige Auswahl eine gewisse Vorbereitung. Vor allem dann, wenn das Lineup und der eigene Musikgeschmack so große Überschneidungen haben. Bei Rock am Ring 2014 würde ich - wenn ich teilnehmen müsste - genau vier Konzerte ansehen (u.a. Maximo Park und Gogol Bordello, die ich beim Primavera nicht angeguckt hätte, hätten sie da gespielt). 73:4. Auch deshalb ist mir die Eifel so viel fremder als Katalonien.


Die Zeit für musikalische Vorbereitungen fehlte mir fast vollständig. Das ist im Fall eines Festivals von der Güte des Primavera hochgradig fahrlässig, weil man Gefahr läuft, erst hinterher zu erfahren, welche kommenden Lieblingsbands man verpasst hat. Meine Fein-Planung fand vormittags statt. Als ich Samstagmorgen nachguckte, wie ich die noch vorhandenen Lücken füllen würde, waren Islands ganz klar gesetzt. Ich war recht sicher, sie 2007 schon einmal bei einem Festival gesehen und gemocht zu haben. Daß Teil eins faslch war, merkte ich erst einige Tage später, den Rest innerhalb der ersten drei Lieder. Islands empfand ich als langweilig, wenigstens aber nicht als spannend genug, vor der Ray Ban Bühne länger zu verweilen. Drei Gehminuten weg sollte gleich Courtney Barnett anfangen, mit der ich mich nicht beschäftigt hatte (auch so ein Schutzmechanismus für Festivals: möglichst nie mit den Bands beschäftigen, die parallel zu denen spielen, die man unbedingt sehen will!). Ich ging also vollkommen unbedarft zur Pitchfork Stage und sah eine Frau in flaschengrünem Hemd mit wilder Mähne und Gitarre, einen Bassisten mit lustigem Gesicht und einen Schlagzeuger auf die Bühne kommen.


Ich hatte irgendwie ein ruhiges Folk-Konzert erwartet, wurde aber auch da auf dem vollkommen falschen Fuß erwischt. Der Auftritt der jungen Australierin, die bisher ein Album als Doppel-EP veröffentlicht hat, war sehr viel lauter und wilder als gedacht. Besonders gut gefiel mir das Zusammenspiel der drei Stimmen. Meist, so habe ich es jedenfalls wahrgenommen, sang Bassist Bones Sloane mit aber auch Schlagzeuger Dave Mudie war immer wieder zu hören.


Ich kann gar nicht genau sagen, warum mich das Konzert so in seinen Bann gezogen hat - ich kann überhaupt gar nicht viel über den Auftritt schreiben. Aber immer, wenn ich über die besten Auftritte des Wochenendes nachdenke, kommt mir dieser in den Sinn. Die Lieder sind beeindruckend, die raue Art, sie wiederzugeben (ich bin nicht sicher, ob sie mich auf Platte in gleicher Form begeistern werden), die wundervolle Harmonie zwischen den Stimmen... das war schon alles vorzüglich!

Wie schön, daß mich die Islands so gelangweilt haben, denn sonst wäre ich im Leben nicht über Courtney Barnett gestolpert.



Setlist Courtney Barnett, Primavera Sound Festival, Barcelona:


01: Lance jr
02: Canned tomatoes (whole)
03: Scotty says
04: Don't apply compression gently
05: Are you looking after yourself?
06: Blah (neu)
07: Avant gardener
08: David
09: History eraser





 

Konzerttagebuch © 2010

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