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um
23:35
Konzert: Minor Victories
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 17.06.2016
Dauer: 55 min
Zuschauer: ziemlich volles Zelt
Ich bin kein großer Freund von Supergroups, weil bei denen meist eben nicht 1+1=2 gilt. Sind allerdings Stuart Braithwaite von Mogwai und Rachel Goswell in einer gemeinsamen Band, interessiert mich das schon. Dummerweise wäre meine einzige Chance, Minor Victories zu sehen, das Maifeld Derby gewesen, das findet aber mittlerweile parallel zum Primavera-Festival statt und ist in Mannheim und nicht in Barcelona, was gerade im Juni einen Unterschied ausmachen kann.
Glücklicherweise gibt es seit ein paar Jahren auch in der Nähe von Tilburg ein hervorragend besetztes Festival, das Best Kept Secret. Und da Minor Victories da am Freitag spielten, würde ich sie also doch sehen können (der Grund, zum Festival zu fahren, war aber ein anderer - siehe nächster Bericht).
Seit meinem letzten BKS vor zwei Jahren (am Tag, als Deutschland gegen Ghana gespielt hat, hatte ich da Slowdive, Mogwai und Amatorski gesehen) hat sich einiges getan. Die für ein so großes Festival herrlich einfache Anreise gibt es nicht mehr. Damals parkte man zwischen ein paar Birken, bekam an einem Büdchen das Bändchen und war zwei Minuten später an Bühne zwei, einem offenen Zelt, in dem bisher all meine BKS-Highlights gespielt haben (auch Portishead im ersten Jahr). Diesmal brauchten wir rund zwei Stunden von der Ankunft in Hilvarenbeek bis zur Ankunft auf dem eigentlichen Gelände. Auch was das Parken angeht, ist es jetzt ein großes Festival. Unser Parkplatz lag auf einer Viehweide auf der anderen Seite des Sees. Von da sind es gut 2,5 km Fußmarsch bis zur Musik. Das ist alles nicht dramatisch, wenn man es weiß (und alles andere - das Eß- und Trink-Angebot, die erstaunlich komfortablen Toiletten, das freundliche Personal und natürlich das irre Lineup - ist immer noch perfekt).

Minor Victories spielten natürlich auch in "meinem" Zelt. Die Zelt- und die Hauptbühne werden exakt abwechselnd bespielt und sind dicht beieinander. Wir hatten aber keine große Lust, rumzulaufen, dafür war das Wetter zu schlecht und verbrachten unseren Tag im Festzelt.
Minor Victories spielten um 17:45 h. Wie schon bei Slowdive vor zwei Jahren klang die Band brillant. Sie benutzt den Slowdive-Soundmann, las ich irgendwo. Neben Rachel und Stuart gehören die Brüder James (Bass) und Justin (Editors) Lockey zur MV. Am Schlagzeug saß mit Martin Bulloch ein weiterer Mogwai-Mann. Nach Give up the ghost, mit dem auch das Album beginnt (alte Regel: Lied eins ist immer Lied eins) kam das erste Highlight des Konzerts, The thief, ein langsam dramatischer werdendes Stück, das in der Mitte diese wundervollen Mogwai-Gitarren hat! Gottseidank gab mir das Gelegenheit, ab da vor allem auf Stuart zu achten. Denn der Bassist auf der anderen Seite der Frontfrau fiel mir vor allem wegen seines schlimmen Posens auf. James stand breitbeinig da, das war seine Ausgangsposition. Danach hüpfte, tanzte, poste er über die Bühne - als Bassist. Stuart ging ans Mikro, wenn er singen musste. Sonst stand er einen Meter weiter hinten und bewegte seine Hände und bei besonders schnellen Gitarrensachen seinen Oberkörper nach unten. Daß James nicht noch Purzelbäume und Sprünge durch brennende Reifen machte, fehlte ein wenig. Überrascht hätte es mich nicht. "Guck da nicht hin!"
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| Justin Lockey (links) nutzte die ganze Breite der linken Bühnenhälfte, während Stuart Braithwaite (rechts) nur zum Singen nach vorne kam. |
Der Bassist konnte es nicht versauen. Sein Bruder von den Editors auch nicht. Meine Haltung zu meinen ehemaligen (2006) Lieblingen ist nach dem Ausstieg des brillanten Chris Urbanowicz leider sehr eindeutig, ich mag sie nicht mehr. Justin ist nach der Chris-Trennung bei den Editors, ich habe ihn also nur einmal mit seiner Hauptband gesehen, beim Traumzeit-Festival. Das war so schlimm, daß ich sie seitdem meide.
Bei Minor Victories war natürlich nichts schlimm! Nicht alle Lieder sind brillant wie The thief oder Breaking the light. Beim ruhigen Cogs fehlten mir die flirrenden Gitarren. Die gab es auch nicht bei dem popigen Scattered ashes (Song for Richard), einem Duett von Justin und Rachel, das ein wenig an Dancing in the dark erinnert, trotzdem war das Stück toll!
Minor Victories sind eine Supergroup, die Sinn macht. Sie ist natürlich nicht besser als ihre Bestandteile (wie auch, bei Mogwai und Slowdive als Beteiligten?). Bei meinem nächsten Mal (im November) werde ich mich nur eher nach rechts stellen. Ganz bezeichnend waren übrigens die unterschiedlichen Wege, sich von uns zu verabschieden. Bassist James machte breitbeinig ein paar Fotos, während Rachel ihren Becher hob und mit einem "cheers" die Bühne verließ.
Setlist Minor Victories, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:
01: Give up the ghost
02: The thief
03: A hundred ropes
04: Cogs
05: Breaking my light
06: Folk arp
07: Scattered ashes (Song for Richard)
08: Higher hopes
09: Out to sea
Links:
- aus unserem Archiv:
- Minor Victories, Mannheim, 04.06.16
um
17:28
Konzert: Releasekonzert in großer Besetzung
Nadine Maria Schmidt und Frühmorgens am Meer
Ort: Neues Schauspiel in Leipzig
Datum: 21. Mai 2016
Dauer: 120 min
Zuschauer: knapp 200
Unfassbar: Es ist tatsächlich schon vier Jahre her, dass ich mich zuletzt auf den Weg ins Neue Schauspiel nach Leipzig gemacht habe. Auch 2016 ist der Grund ein Release-Konzert in großer und besonderer Besetzung für eine Platte von Nadine Maria Schmidt. In der Zwischenzeit ist freilich auch viel passiert. Vor vier Jahren noch hatte sie sich z.B. etwas zweifelnd daran gemacht, einen nicht von ihr selbst stammenden Text in Musik zu kleiden. Es sei wie einen fremden Schlüpper anzuziehen. Doch diesmal stand ein ganzer Liederreigen in den Startlöchern für den Nadine sich die Worte von den besten Wortkünstlern angeeignet hatte.

Als ich schließlich sehr erwartungsfroh wieder in der schnoddrig schönen Bühne in Leipzigs Westen Platz genommen hatte, wurde mir klar, dass ich gar nicht recht wusste, was mich erwarten würde. Ein wenig putzig, nachdem ich zwei Neu-Leipziger Freunde überredet hatte, mich zu begleiten und sich das keinesfalls entgehen zu lassen. Auf einer Ebene ganz und gar berechtigt, sind doch die Konzerte von Nadine immer ganz besonders und von einer Haltung geprägt, die meine Freunde ansprechen würde. Erst recht in der großen Besetzung mit der ganz persönlichen Stimmung voller Herzen im Publikum.

Aber mir wurde auf einmal erst recht bewußt, dass ich von den neuen Liedern noch kaum etwas kannte und über die neue Platte quasi nichts wusste. Als ein bester Fan der Welt hätte ich eigentlich das Privileg gehabt, auch vor dem offziellen Release-Tag am 3. Juni "meine" Platte schon in Händen zu halten, aber ich hatte Nadine gebeten, den Brief nicht zu schicken, weil ich ihn mir persönlich abholen würde. Viele der anderen im Saal hatten sich schon ein paar Tage in die neuen Lieder versenken können und ich war mir auf einmal nicht recht klar darüber, ob es so klug gewesen war, das Porto zu sparen...

Aber natürlich sind solche Gedanken müßig. Das Konzert würde für sich sprechen und ein besonderer Abend werden. Warum also nicht Freundschaft mit den neuen Liedern schließen im besten aller denkbaren Settings?! Nadine begann dann - als hätte sie meinen inneren Dialog gehört - mit einem mir sehr vertrauten Stück: Aluna. Das ganz ohne große Besetzung sondern nur mit Ukulele auf die Bühne gebracht wurde. Als stiller Anker oder auch um den Ton für das Konzert zu setzen: Ernsthaft und ehrlich - aber doch mit dem typischen Funken Hoffnung und tiefer Zärtlichkeit für alles menschliche. So weit der Plan. In Wirklichkeit musste sie mehrfach ansetzen und dann doch noch eine Ansage vom Herzen reden, bevor ihr innerer Pegel richtig eingestellt war für den Abend. Was aber gut aufgehoben war und erst recht die herzliche und erwartungsfrohe Stimmung fühlbar machte.

Anschließend wurde im Dunkeln eine Lesung eingespielt und dann füllte die Bühne schließlich die angekündigte große Besetzung. Mit Cello, Bratsche, Posaune, Klarinette, Klavier, Gitarre, Bass, Percusssion, Schlagzeug, Background-Gesang und einer leuchtenden Nadine dazwischen, davor und von allen getragen (später gab es auch noch Hackbrett und Melodika).
Auch hier war wie ein Bonus für mich der erste Song einer, den ich per Video kurz zuvor kennengelernt hatte: Ich bin der Regen. Dazu noch mit dem Text einer Lyrikerin, die mir durch ein sehr emotionales Konzert mit Hermann von Veen ins Herz gepflanzt wurde. Allein dieses Lied wäre mir die Reise nach Leipzig wert gewesen. So viele Gedanken und Gefühle wurden in mir aufgewühlt und freigesetzt und eingesponnen. Und ich spürte, wie auch bei meinen Sitznachbarn der Funken übersprang und alles war einfach nur herrlich.
Was stach an dem Abend noch heraus? Ich kann es gar nicht so einfach benennen, um nicht dann doch alles aufzuzählen. Ich liebte die Posaune. So etwas herrlich hymnisches brachte sie in die Musik und war doch ganz geerdet, oder das Cello. Ebenso die vielen Frauenstimmen auf der Bühne - so wunderbar aufeinander eingestimmt und in der Fülle des Abends so reich.
Oder vielleicht doch der herrliche Übermut inmitten all der Ernsthaftigkeit, die Spontan-Vertonung des Ringelnatz-Gedichts mit dem hingebungsvoll mitgesungenen Die Löcher sind die Hauptsache in einem Sieb (und wer wollte das bestreiten oder für unwichtig erklären?). Es gab Zugaben mit geliebten und bekannten Liedern und das Bitten und Betteln des Publikums brachte noch ein allerallerletztes Lied hervor, welches den Abend auf mit Nadine Solo beendete, wie er begonnen hatte.
Musiker:
Nadine Maria Schmidt - Gesang, Gitarre
Till Kratschmer - Klavier
Chris Turrak - Bass, E-Cello
Susann Großmann - Gesang
Tanja Haberland - Gesang
Tim Köhler - Gesang
Ralf Bauer - Posaune
Moritz Brümmer - Cello
Filip Sommer - Bratsche
Johannes Ziemann - Schlagzeug
Andreas Krödel - Klarinette
Torsten Philip - Hackbrett
Setlist:
01. Aluna
02: Ich möchte leben (gelesen)
03: Ich bin der Regen (Selma Meerbaum-Eisinger)
04: Denk es o Seele (Eduard Mörike)
05: Vorfrühling (Hedwig Lachmann)
06: Frische Fahrt (Joseph von Eichendorff)
07: Das Karussell (Rainer Maria Rilke)
08: Die Stadt (Theodor Storm)
09: Der Panther (Rainer Maria Rilke)
10: Mein blaues Klavier (Else Lasker-Schüler)
11: Leise sprich, leis geh (Oscar Wilde)
12: Sophie Scholls letzter Brief
13: Herbstbaum (Jochen Arlt)
14: Drei Jahre später (Jochen Arlt)
15: Winter (Annette von Droste-Hülshoff)
16: Ich hab Dich so lieb (Joachim Ringelnatz)
17: Das Leben ist schön
18: Und keiner hats gemerkt
19: Bitte lob mich
20: Sommerlied (noch ohne Namen)
Tourdaten
Trio-Tour
28.05. Dresden, Club Passage
29.05. Meißen, 2. Internationales Sing & Song Klosterfestival
03.06. Zwickau, il Tavolino (mit Polis)
04.06. Plauen, Malzhaus
07.06. Bayreuth, Sübkültür
08.06. Weimar, Other Music Academy
10.06. Oranienburg, Kulturkonsum
Nadine Maria Schmidt & Susann Grossmann - Tour
22.06. Lübeck, Tonfink - Kulturcafé & Bar
23.06. Dierhagen, Kirche
24.06. Greifswald, Kulturzentrum St. Spiritus
01.07. Weil der Stadt, Straßenmusikfestival
02.07. Tübingen, Club Voltaire
06.07. Carwitz, Kirche
08.07. Schwerin, tba
09.07. Bad Wilsnack, Schloss
Aus unserem Archiv:
Nadine Maria Schmidt, Karlsruhe, 10.10.14
Nadine Maria Schmidt, Adorf, 12.01.13
Nadine Maria Schmidt, Karlsruhe, 14.09.12
Nadine Maria Schmidt, Leipzig, 01.06.12
Nadine Maria Schmidt, Karlsruhe, 03.05.12
um
19:09
Konzert: Sigur Rós
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 04.06.2016
Dauer: knapp 90 min
Zuschauer: tausende
Sigur Rós ist eine dieser Bands, denen man verfallen sein muß, um sie zu lieben. Man geht nicht zu Sigur Rós, um mal reinzuhören und sich eine Weile unterhalten zu lassen. Dafür ist die Musik der größten isländischen Band viel zu nervig, wenn man sie eben nicht extrem gerne mag.
Bei den letzten Liedern des Primavera-Konzerts stand ein Spanier hinter mir, der jede Zeile mitsang. Jede einzelne. Auch bei den Liedern in Hopelandic, der bandeigenen Phantasie-Sprache. Wenn man die Gruppe mag, dann richtig.
Vor Sigur Rós hatte PJ Harvey ein eindrucksvolles Konzert auf der gegenüber liegenden Heineken-Bühne gespielt. Dabei war schon das Bühnenbild, in meiner Facebook-Timeline perfekt als riesiges Ikea-Expedit-Regal beschrieben, ein Knüller. Bei Sigur Rós waren zuerst nur Metall-Streben, die von der Mitte des Bühnenhintergrunds nach vorne strahlten, zu sehen. Wie eine um 90° gedrehte und sehr hübsch designte Wäschespinne. Als es um Mitternacht losging, war die Bühne vorne von einer Art Metallvorhang bedeckt, auf der bunte Lichtinstallationen zu sehen waren. Die Band - drei Musiker - stand dicht an dicht in der Mitte ganz hinten und war durch diese Metall-Licht-Sache nur schemenhaft zu sehen.
Das erste Lied zu diesem visuell verhutschelten Anfang war etwas Neues. Óveður. Ich kann nicht viel dazu sagen, weil einfach zu viel gleichzeitig passierte, um die Aufmerksamkeit auf ein neues Stück zu lenken. Während dieser Ouvertüre schossen immer wieder Lichtblitze dreidimensional durch die Bühne, es war eindrucksvoll (viel bessere Lichteffekte als bei Joffreys Hochzeit!).
Beim zweiten Stück (Starálfur von Ágætis byrjun) liefen blaue Linien dreidimensional über und durch die Bühne. Es sah aus wie ein gigantischer Windows-Bildschirmschoner, in dem drei Musiker spielten.

Bei Sæglópur (Takk...) fuhr das Gitter nach oben, die drei Musiker verließen ihren winzigen Platz hinten und kamen nach vorne und nutzten dort die ganze Breite der Bühne. Daß Sigur Rós zur Zeit live nur zu dritt auftreten, ohne Orchester, ohne Streicher, ohne Gäste, hatte ich vor dem Konzert gelesen. Jón Þór Birgisson mit seiner gestrichenen Gitarre, Bassist Georg Hólm und Schlagzeuger Orri Páll Dýrason, das war alles. Natürlich bedeutet das, daß vieles vom Band kommen muß, damit die Stücke so klingen wie auf Platte oder groß besetzten Konzerten. Ich empfand das aber nicht als problematisch, ich habe Sigur Rós schon mit unzähligen Musikern erlebt, und egal wie viele Menschen auf der Bühne stehen und Glöckchen bedienen, im Mittelpunkt stehen nun einmal Jónsis Stimme, seine mit Geigenbogen gestrichene Gitarre und das wahnsinnig tolle Schlagzeug.

Das Set war ein klassisches Best-of mit Liedern von allen Platten außer Valtari. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten spielen Sigur Rós auf dieser Tour wieder Starálfur live (zuletzt vorher 2007), der Rest war nicht weiter überraschend. Aber meinetwegen könnten Sigur Rós auch anderthalb Stunden lang Rezepte für Lundi süßsauer vertonen, ich fände es großartig! Und der Mann hinter mir hätte auch die mitgesungen.
Sigur Rós nachts bei einem Festival... viel mehr geht livemusikalisch nicht. Die erhabene Schönheit der Lieder der Band wirken auf live und vor allem laut so viel besser als auf einer Hifi-Anlage. Am Ende des Konzerts stand eine Zugabe, das fast 15-minütige Popplagið. Perfekt! Ich hätte mir schon noch Moderat sofort im Anschluß angesehen. Aber nach diesem Ende hätte das nicht mehr richtig viel Spaß gemacht.
Setlist, Sigur Rós, Primavera Festival:
01: Óveður
02: Starálfur
03: Sæglópur
04: Glósóli
05: Vaka
06: Ný batterí
07: E-bow
08: Festival
09: Yfirborð
10: Kveikur
11: Hafsól
12: Popplagið (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Sigur Rós, Düsseldorf, 25.11.13
- Sigur Rós, Frankfurt, 24.11.13
- Sigur Rós, Esch-sur-Alzette, 23.11.13
- Sigur Rós, Larmer Tree Gardens, 31.08.13
- Sigur Rós, Rom, 28.07.13
- Sigur Rós, Hilvarenbeek, 23.06.13
- Sigur Rós, Wien, 04.09.12
- Sigur Rós, Paris, 15.11.08
- Sigur Rós, Köln, 11.08.08
um
17:22
Konzert: A.R. Kane
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 04.06.2016
Dauer: 30 min
Zuschauer: 400 vielleicht
A.R. Kane gelten als eine der wichtigsten unterschätzten Bands der späten 80er und frühen 90er Jahre. Ich schreibe das gleich an den Anfang, weil auch mir die Band vollkommen durch die Lappen gegangen ist. A.R. Kane haben den Begriff Dreampop eingeführt, waren bei 4AD zu einer Zeit, als das das Label all meiner Lieblingsbands war und gelten als Wegbereiter des Shoegaze oder auch des Triphop. Und - auch das wusste ich nicht oder nicht mehr - sie waren die eine Hälfte hinter M|A|R|R|S und Pump up the volume, dem größten Erfolg von 4AD (eine Nummer eins in den britischen Singlecharts) und damit auch eine wichtige Kraft für den Erfolg des Acid House in Europa.
All das hatte ich nicht im Kopf, als ich im Innenhof des Zentrums für zeitgenössische Kultur (oder so) in der Innenstadt Barcelonas im Schatten saß, nachdem Die Katapult ihr wundervollen Konzert beendet hatten und eigentlich nur auf Freunde und dann Robert Forster warten wollte.
Was da von der Bühne kam, klang gar nicht schlecht! Das erste Lied war ruhig, sphärisch und passte perfekt zu Tageszeit und Ort. Ich hatte den Auftritt eigentlich ignorieren und stattdessen meinen Festivaltag planen wollen - und wollte dabei nicht zu sehr gestört werden. Aber die Musik da vorne zog mich immer mehr in ihren Bann. Spätestens beim dritten Lied When you're sad hatten mich A.R. Kane. When you're sad von 86 könnte eine Blaupause für so viele Shoegaze-Helden sein und war für mich der beste musikalische Moment des Festivals. Nachmittags um 14:15 Uhr.
A.R. Kane waren ursprünglich Alex Ayuli und Rudy Tambala. Beim Primavera trat Rudy mit seiner Schwester Maggie und einem dritten Musiker (Andy Taylor vermutlich) auf.
Natürlich war eine halbe Stunde viel zu wenig für einen richtigen Eindruck. Aber den "echten" Auftritt hatte ich ja leider verpasst (da hatte ich Air gesehen! Air!). Aber das ist ja einer der vielen Vorteile des Primavera Festivals, es gibt häufig zweite Chancen!
Und ein wenig beruhigte mich hinterher, daß ich erst nach dem Konzert gemerkt habe, was für pophistorisch wichtige Musik ich gerade gehört hatte. Und daß die mich auch ganz unbedarft sehr begeistert hat.
Setlist, A.R.Kane, Primavera Festival:
01: Spermwhale trip over
02: So blue
03: When you're sad
04: Sweet dreams
05: Love from outer space
um
12:00
Konzert: Explosions In The Sky
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 01.06.2016
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: einige tausend

Als Kind hatte ich eine Idee für Wetten Dass??? Ich war überzeugt davon, nur anhand des Geschmacks herauszufinden, aus was für einer Flasche oder Dose Fanta stammen würde, die ich vorgesetzt bekäme. Ich fand meine Wette nicht ganz fair, weil es ja wahnsinnig einfach war, Fanta aus Dosen, 0,2 l, 0,33 l oder 0,5 l Glas-, Plastik- oder den großen Glasflaschen, die es damals noch gab, zu unterscheiden. Weil die Sendung zu eklig und mein Sendungsbewußtsein zu klein waren, habe ich mich aber nie beworben. Im kleineren Rahmen haben wir den Fanta-Test Jahr(zehnt)e später an einem Silvesterabend nachgeholt, als das Flaschen- und Dosenangebot bei weitem nicht mehr so groß wie in der goldenen Fanta-Zeit in den 80ern war, als es noch Kräuter- und vor allem Apfel-Fanta gab (deren Verschwinden ein Verbrechen ist!). Mit nur drei oder vier Fanta-Proben war es natürlich vollkommen unmöglich, die nicht unterscheiden zu können! Trotzdem weiß ich bis heute nicht, ob ich das auch wirklich mit sieben oder acht gleichen Fantas aus unterschiedlichen Quellen gekonnt hätte oder ob Limo aus Dosen nur deshalb nach Dose schmeckt, weil unser Kopf das so erwartet. So wie er bei einer 0,2 l Fanta automatisch diesen Geschmack der Flüssigkeit mit dem abgesetzten Kram in den kleinen Flaschen vorhersieht. Am leckersten war Fanta damals übrigens aus den grünen 0,5 l Flaschen.

Mit Explosions In The Sky ist es irgendwie genauso. Ich bin felsenfest davon überzeugt, daß die texanische Band auf dem Primavera-Festival am besten ist. Genau wie Beach House oder The xx. Das sind Bands, die mir in Hallen oder Clubs oder bei anderen Festivals hervorragend gefallen, die aber eben nachts in Barcelona noch drei Nummern besser sind. Auch da kann mein Hirn fantasieren, das glaube ich aber nicht. Die sphärischen Klänge dieser Bands, seien es elektronische (The xx), eine Stimme (Beach House) oder euphorische Gitarren (Explosions In The Sky), passen perfekt zum Primavera-Gelände zwischen den modernen Hochhäusern und dem Meer, zum klaren Himmel, zu den T- und Poloshirts mitten in der Nacht.

Explosions In The Sky spielten nach den langweiligen Air auf der Hauptbühne. Für den frühen Headliner-Slot wieder einmal eine gewagte oder kreative Ansetzung. Eine Postrockband zur besten Zeit auftreten zu lassen und nicht auf eine der eher nerdigen Bühnen zu verbannen, ist typisch Primavera. Weil sich die Massen schon früh für Tame Impala auf der gegenüberliegenden H&M oder dann nach Explosions In The Sky für LCD Soundsystem an der Heineken-Bühne gesammelt hatten, kamen vermutlich auch viele in den Genuß die Instrumental-Amerikaner zu sehen, ohne sie zu kennen. Denen boten sich ein paar Typen, die mit ihren Gitarren atemberaubende Soundwälle erzeugten, dabei das Tempo variierten wie ein guter Radrennfahrer, der seine Gegner zermürben will. In atemberaubender Schönheit!
Sonderlich komplex ist die Musik der Texaner nicht. Aber trotz der Einfachheit der Melodien ist sie nicht banal und wird erstaunlicherweise niemals langweilig. Bei Air hatte ich noch eine Konzertnachbarin, die ihren Kopf an ihren Freund gelegt hatte und weggenickt war. Die Stücke von Explosions In The Sky sind vermutlich viel zu erhaben, um zum Einschlafen zu ermutigen.
EITS spielten viele Stücke ihres letzten Albums The Wilderness, das im April erschienen ist. Ich kannte es natürlich noch nicht, das war aber auch vollkommen egal. Eigentlich war sogar egal, was für Stücke die Band spielte. Alles wäre toll gewesen! Ein ganz besonderer Knüller war aber das Abschlußstück The only moment we were alone mit seinem irren Ende!
Fanta trinke ich seit vielen Jahren nur noch in Ausnahmefällen. Explosions In The Sky werde ich auch bei ihrem nächsten Primavera-Auftritt wieder sehen!
Setlist, Explosions In The Sky, Primavera Festival:
01: Wilderness
02: The birth and death of the day
03: The ecstatics
04: Catastrophe and the cure
05: Colors in space
06: Your hand in mine
07: Disintegration anxiety
08: The only moment we were alone
Links:
- aus unserem Archiv:
- Explosions In The Sky, Paris, 30.01.12
- Explosions In The Sky, Haldern, 13.08.11
- Explosions In The Sky, Barcelona, 27.05.11
- Explosions In The Sky, Paris, 20.05.11