Sonntag, 8. November 2015

Tourankündigungen Giant Sand und John Grant

0 Kommentare

Nach Redaktionsschluss für die Novemberliste kamen mir noch zwei Schwergewichte ins Visir, die hier ihren eigenen Beitrag bekommen sollen, damit die gute Nachricht nicht im Rauschen verloren geht.


Howe Gelb ist ein alter Hase und hat - neben dem Soloprojekt mit diesem Namen - mit unterschiedlichen Mitstreitern Projekte gestaltet, die einerseits im Stil minimalistisch andererseits überbordend in der Größe des beteiligten Musikerkollektivs Leere und Verzweiflung musikalisch verarbeiten. Manche nennen das Wüstenrock. Mit dem neusten Werk Heartbreak Pass  ist er nun zu einer Jubliläumstour (30 Jahre Giant Sand) in Europa unterwegs.  Der Schwerpunkt liegt hierbei erfreulich eindeutig im deutschsprachigen Raum. Im Konzerttagebuch haben wir schon Berichte von Mitstreitern, die auf eigenen musikalischen Wegen die Wüstenmusik in die Welt tragen: Calexico und Marianne Dissard zum Beispiel. Höchste Zeit also für das Original.

DACH-Tourdaten Giant³ Sand

22.11. Kantine, Köln
23.11. Knust, Hamburg
24.11. Pavillon, Hannover
25.11. BiNuu, Berlin
26.11. Werk 2, Leipzig
27.11. Bluebird Festival, Wien
28.11. Posthof, Linz,

02.12. Le Romandie, Lausanne
03.12. Grabenhalle, Sankt Gallen
04.12. Jazzhaus, Freiburg
05.12. El Lokal, Zürich
06.12. Franz K, Reutlingen
07.12. Forum, Bielefeld


John Grant ist auch so eine feste Größe im alternativen Universum. Berichte im Konzerttagebuch liegen aber schon peinlich lange zurück. 2011 lockte das Airwaves-Festival in Reykjavik ihn auf die Insel im Nordmeer, der er sofort heftigst verfiel. Seitdem läuft er immer wieder mal durchs Bild, z.B. wenn er als Übersetzer von Asgeir Traustis isländischem Album ins englische auftaucht oder sich Amanda Palmer als Gesangspartnerin holt. Höchste Zeit dafür, dass ich ihn mir auch einmal ganz persönlich und mit seinen Livequalitäten ansehe. Leider streift seine Tour Deutschland nur und es wird wohl eine längere Anfahrt für mich nötig sein... Und leider war die Variante mit Symphonieorchester auch nur für das Airwaves-Festival reserviert.

Tourdaten John Grant

15.11. La Cigale, Paris
17.11. Botanique, Brüssel
20.11. Den Atelier, Luxemburg
21.11. Kaufleuten Klubsaal, Zürich
24.11. Bürgerhaus Stollwerck, Köln
25.11. Uebel & Gefährlich, Hamburg

26.11. Postbahnhof, Berlin

Aus unserem Archiv:
John Grant, London, 07.09.11
John Grant, Paris, 14.06.10



Donnerstag, 5. November 2015

Beach House, Köln, 04.11.15

1 Kommentare

Konzert: Beach House
Ort: Gloria Theater, Köln
Datum: 04.11.2015
Dauer: Beach House knapp 90 min, Dustin Wong gut 30 min
Zuschauer: 400 - 500 (nicht ausverkauft)



Wie sage ich es am besten?
Beach House, das franko-amerikanische Duo aus Baltimore, hat sich in den letzten Jahren immer mehr in mein Herz gespielt. Wundervolle Platten, vor allem aber atemberaubend schöne Konzerte hatten da keine große Mühe. Als für 2015 ein neues Album angekündigt wurde, nahm ich also sehr vorfreudig auf. Bei den meisten Neuveröffentlichungen bin ich lahm. Ich höre keine Streams vorab, lasse mich nicht "bemustern" (schreibe ja auch nicht über Platten - das kann ich nämlich noch weniger) und brauche auch, wenn ich die Platte schließlich in der Hand halte, oft noch ewig bevor ich sie höre. Neue Musik auf Konzerten kennenzulernen, ist ja eh viel spannender (und spart Zeit), da sind wir Konzertjunkies uns wohl einig. Das Ende August erschienene Album Depression cherry habe ich daher zunächst einmal über viele Kritiken kennengelernt. Die meisten dieser Urteile waren wenig euphorisch, was meine Motivation hemmte, die Platte endlich zu hören. Bei Herzensangelegenheiten, bei denen man ahnt, daß es nicht mehr so passt, verdrängt man ja gerne mal alles weg. Bevor ich mich dann wirklich mit dem Album mit dem Samt-Cover beschäftigen konnte, erschien plötzlich im Oktober schon wieder eines (mit schönerem Cover und dem Titel Thank your lucky stars). 


Thank your lucky stars erhielt in meinem Umfeld bessere Noten, selbst habe ich die Platte bisher nur ins Regal geräumt. Ich muß auch beim Hören die Reihenfolge beachten.

Mein Konzertabend war also weniger von beachhousetypischer Vorfreude als von Skepsis geprägt. Daß noch dazu meine Konzertverabredungen nach und nach absagten ("wissen die mehr als ich?"), verkleinerte meine Unsicherheit nicht. 

Als ich um kurz vor acht im Gloria ankam, war der Saal noch sehr leer. Auf der Bühne stand ein Stuhl, auf dem ein einzelner Musiker mit Gitarre Platz nahm und etwas später anfing, ein Lied mit immer wieder aufgenommenen Gitarrenloops aufzubauen. Ich mochte das am Anfang (R.E.M.-Phase des Auftritts), irgendwann glitt der eine Song, den Dustin Wong spielte, aber immer mehr in die Gitarrenversion eines Mike Oldfield Megamixes ab. Ich war mit 13 (oder so) riesiger Mike Oldfield Fan, bin es aber nicht mehr, wie ich beim Vorprogramm feststellen musste. Gegen Ende des halbstündigen Sets sang Dustin noch (wortlos und sehr laut).

Der Umbau zu Beach House bestand vor allem darin, Beamer auf der Bühne aufzubauen bzw. auf den Hintergrund auszurichten. Als die Band um neun auftrat, bleib es auf der Bühne aber zunächst stockdunkel. Victoria Legrand und Alex Scally wurden von zwei weiteren Musikern begleitet, einem Keyboarder und Bassisten und einem Schlagzeuger (Skyler Skjelset und Graham Hill?).

Viele der ersten Lieder stammten von den beiden neuen Alben. Am Anfang war mit Walk in the park nur ein alter Liebling dabei. Es klang an diesem Abend alles restlos großartig, der Sound im Gloria war brillant. Und die (mir) neuen Stücke hatten sehr viel Beach House in sich, es war ein harmonisch-schönes Konzert, das ich sehr geliebt hätte, hätte ich die Band nicht vorher schon gesehen. Der Fluch der frühen Platten ist nämlich, daß Beach House Konzerte bisher eine Aneinanderreihung von Riesenhits war. Natürlich ist es unfair und vermutlich auch unseriös, wenn ich über Lieder urteile, die ich vorher noch nie gehört hatte. Aber von den vielen mir unbekannten Stücken bleib keines hängen, wie das Myth, Lazuli, Norway, Zebra, New year, Irene, Wishes, 10 mile stereo und die vielen anderen taten. Es war nicht etwa so, daß die Beach House Ästhetik  bei den Stücken der beiden 15er Platten fehlte, sie klangen alle sehr schön, keines hatte aber den besonderen Pfiff, um es irgendwann in die Reihe oben einzuordnen.

Victoria und Alex verzichteten offenbar ganz bewußt auf viele ihrer Standards. Ein Beach House Konzert ohne Zebra oder Lazuli erschien mir bisher unmöglich zu sein.  Ob es daran lag, daß die Tour keine bloß zu einem Album ist oder an bewußtem Verzicht auf die immer gleichen ollen Kamellen, kann ich natürlich nicht beurteilen. Daß aber gerade die in meiner Wahrnehmung größten Hits fehlten, fand ich komisch.

Den jüngeren Lieder gegenüber war es ungerecht, ans Ende des Abends - als zweite Zugabe - Irene zu setzen. Der Song von Bloom (2012) war herrlich lang, wurde immer lauter und machte deutlich, was für große Songschreiber Victoria und Alex sind. 

Noch etwas war komplett anders als bei meinen ersten Beach House Konzerten... Sängerin Victoria sprach. Bisher hatte ich die lockige Frau wortkarg in Erinnerung, in Köln sprach die Frau dauernd. Sie war blendend gelaunt, antwortete auf Zurufe, fragte, ob das Gloria wirklich früher ein Pornokino gewesen sei und welche Filme da gelaufen seien (auf die Antwort eines Zuschauers reagierte sie mit "you teach me dirty stuff") und überbrückte technische Probleme mit Geplauder über Sprachen in anderen Ländern.

Nein, das war nicht mein bestes Beach House Konzert. Objektiv (bin ich nicht) war es sicher ein gutes, mir fehlte all der verhutschelte Zauber (puh...) früherer Auftritte.

Setlist Beach House, Gloria, Köln:

01: Levitation 
02: Beyond love 
03: Walk in the park 
04: PPP 
05: All your yeahs 
06: Silver soul 
07: Space song 
08: Gila 
09: 10 mile stereo 
10: The traveller 
11: Master of none 
12: Sparks 
13: One thing 
14: Myth 

15: 10:37 (Z) 
16: Irene (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Beach House, Esch-sur-Alzette, 21.03.13
- Beach House, Köln, 16.11.12
- Beach House, Frankfurt, 29.08.12
- Beach House, Duisburg, 28.08.12
- Beach House, Paris, 26.08.12
- Beach House, Barcelona, 03.06.12
- Beach House, Paris, 29.05.12
- Beach House, Köln, 14.11.10
- Beach House, Paris, 04.11.10
- Beach House, Frankfurt, 16.08.10
- Beach House, Paris, 03.06.10
- Beach House, Paris, 20.02.10
- Beach House, Paris, 24.05.08



Mittwoch, 4. November 2015

Les concerts de la semaine du 2 au 8 novembre 2015

2 Kommentare

Les concerts de la semaine du 2 au 8 novembre 2015

02.11.2015: Les Innocents, Le Trianon
02.11.2015: Low, Le Divan Du Monde 
02.11.2015: Halo Maud en premièere partie de Perez, La Maroquinerie
02.11.2015: Louise Lhermitte et Théo Lawrence & Victor Mechanik, La Loge
02.11.2015: Peter Kernel, Petit Bain
03.11.2015: Purity Ring et Empress Off, La Gaité Lyrique
03.11.2015: The Wombats, Trabendo
03.11.2015: Sally Ford et The Rodeo, Petit Bain
03.11.2015: Tropic Of Cancer, Batofar
04.11.2015: Half Moon Run, Trabendo, complet
04.11.2015: The Phoenix Foundation, La Flèche d'or
04.11.2015: Rhum For Pauline, Badaboum
04.11.2015: Boy and Bear, Pop Up Du Label, complet
04.11.2015: Nadja, Espace B 
04.11.2015: Matthilde Fernandez, La Gaité Lyrique, 19h19
04.11.2015: New Order, Casino de Paris, complet
05.11.2015: Mono, Trabendo 
05.11.2015: Nicolas Godin et Laetitia Sadier, La Gaité Lyrique
05.11.2015: Vendège, OPA
05.11.2015: Pagan Poetry, La Scène du Canal
06.11.2015: Alma Forrer @ La Gaité Lyrique
06.11.2015: Mike Noga, Delmar et Hugo Race & The True Spirit, Olympic Café
07.11.2015: Garbage, Le Zénith
07.11.2015; Home Collective, Festin Nu
07.11.2015; The Wendy Darlings et Colour Me Brittle, La Mécanique Ondulatoire
07.11.2015: Pharaon de Winter, showcase chez Ground Zeo, 18h30
07.11.2015: Roedelius & Muraglia, Petit Bain
08.11.2015: Ane Brun, L'Alhambra 
08.11.2015: Nina Hagen, Bataclan
08.11.2015: Caspian, Le Divan Du Monde
08.11.2015: The Soft Moon, La Machine du Moulin Rouge

Dienstag, 3. November 2015

Best Coast, Köln, 02.11.15

0 Kommentare

Konzert: Best Coast
Ort: Luxor, Köln
Datum: 02.11.2015
Dauer: Best Coast 70 min, PINS 30 min
Zuschauer: vielleicht 200 (nicht ausverkauft) 



Die meisten der obskuren kleinen Bands, über die ich schreibe, sind nur in unserem kleinen Indie-Reservat überhaupt bekannt. Die durchschnittliche Zuschauerzahl meiner Konzerte eines Jahres wird irgendwo zwischen 200 bis 400 liegen. In Deutschland sind die meisten dieser Bands kleiner als in ihrer Heimat (mit Ausnahme von Adam Green und solchen Phänomenen wie Katzenjammer - vermutlich) aber es bewegt sich alles in den gleichen Sphären. Best Coast - das wurde mir erst in den vergangenen Tagen klar - sind da eine große Ausnahme. In seiner Heimat wird das kalifornische Duo als Pop-Band, die durchaus im Mainstream stattfindet, wahrgenommen. Best Coast Stücke laufen im Radio - und zwar in dem, in dem auch Madonna oder Taylor Swift laufen. Vor gut zwei Wochen erst hatte die Band alt-j in der ausverkauften Hollywood Bowl supportet. Vor 17.000 Zuschauern.*


Bei uns ist Best Coast in meiner Wahrnehmung eine der vielen kleinen, sehr liebenswerten Indiebands, die in viel zu kleinen Clubs spielt. Oder genauer: die gar nicht erst nach Deutschland kommt, weil der Aufwand für die paar Zuschauer einfach zu groß ist. Zuletzt hatten Bethany und Bobb nur in Berlin gespielt. Ihr einziges Köln-Konzert bisher fand 2010 im mtc statt. Warum ich das verpasst habe (zumal die wundervollen Sky Larkin Support waren), kann ich mir nicht mehr erklären. Eines meiner beiden Best Coast Konzerte bisher fand aber ein paar Tage später beim ATP von Belle & Sebastian (Bowlie 2) statt, für eine weitere Gelegenheit, das ungleiche kalifornische  Duo zu sehen, mussten wir nach Brüssel fahren.

Ich war also sehr euphorisch, Best Coast endlich in Köln zu sehen. Als der Support bekanntgegeben wurde, stieg meine Vorfreude noch weiter. PINS aus Manchester sind eine der tollsten Bands, die ich im vergangenen Jahr kennengelernt habe. Aus Verlegenheit hatte ich die punkige Frauenband beim Best Kept Secret Festival gesehen und war angetan. Als Vorgruppe von Sleater-Kinney überzeugten mich PINS mit vielen neuen Songs und einer deutlich krachigeren Ausrichtung endgültig. Da auch PINS so eine Band sind, die eigentlich groß sein müsste, die es aber vermutlich nicht wird, ist die Chance gering, die Britinnen regulär, also mit einer eigenen Show bei uns zu sehen (uns: außerhalb Berlins). Perfekt also, sie auf diesem Wege nach Köln zu schicken.


PINS begannen um Punkt acht. Wie zuletzt bei Sleater-Kinney besteht die Band mittlerweile aus fünf Musikerinnen, zwei Gitarristinnen, einer Bassistin (der ursprünglichen - bei der Sleater-Kinney Tour fiel sie wegen eines Unfalls aus, dafür sprang Becky von Fear Of Men ein), einer Keyboarderin und einer Schlagzeugerin. Auf Platte sind die Stücke der Gruppe vielleicht manchmal brav und popig, live sind es ausnahmslos Kracher! Die halbe Stunde, die PINS hatten, war atemberaubend gut, Oh Lord mit Abstand das beste Live-Lied seit Ewigkeiten! 

PINS wirken auf der Bühne ein wenig wie die Long Blondes. Irgendetwas (vermutlich die Sängerin) löst bei mir immer wieder diese Assoziationen aus. Sobald aber die Schlagzeugerin die Stücke anzählt, ist da nichts mehr von gekünsteltem Casting-Quatsch. Die Musikerinnen mögen sehr jung und sehr cool sein, sie sind aber vor allem sehr gut. Und sie haben verflucht gute Lieder.


Neben Oh Lord waren Dazed by you, Too little too late und Girls like us (mit souveränem und vollkommen unpeinlichen Cindy Lauper Ende) besonders brillant. Das kleine herrlich punkige Misfits-Cover Hybrid moments bildete einen treffenden Schlußpunkt. 

Setlist PINS, Luxor, Köln:

01: Get with me
02: Young girls
03: Oh Lord
04: Too little too late
05: Molly
06: Dazed by you
07: Waiting for the end
08: Girls like us
09: Hybrid moments (Misfits Cover) 

Auch Best Coast klingen live ganz anders als auf Aufnahmen. "Wir verstehen uns als Rockband" hatte mir Bethany Cosentino am Nachmittag bei einem kurzen Interview gesagt. Best Coast sind eigentlich nur Bethany und Gitarrist Bobb Bruno. Zu den Aufnahmen des im Mai erschienenen dritten Albums California nights stieß Schlagzeuger Brady Miller dazu. Live komplettieren ein Bassist und ein weiterer Gitarrist (Brett Mielke und Joe Bautista** von den tollen Whirr) die Band. Joe Bautista spielt zwar auch Keyboard, allerdings nur bei einem Lied. Bei neun der ersten zehn Stücke kamen also drei Gitarren zum Einsatz. Da von "Rockmusik" zu sprechen, ist also nicht weit hergeholt. Ich mag das dritte Album ohnehin sehr gerne, durch die gitarrigere Instrumentierung gewannen Stücke wie Heaven sent noch einmal kräftig dazu. Ausgerechnet das Shoegaze-Lied der Platte (der Titelsong) war mir aus Gitarrenperspektive etwas zu schwach auf der Brust, da spielte Joe Keyboard.

In der zweiten Konzerthälfte legte Bethany ihre Gitarre oft ab. Meist bei den schwächeren Stücken des Abends. Was nun Ursache und Wirkung ist, weiß ich nicht. I don't know how zum Beispiel oder Our deal gehörten zu den Liedern, die nicht gegen die Knüller wie When will I change, In my eyes (trotz fehlender Bethany Gitarre) oder Feeling ok ankamen. Da hatte das Konzert ein paar Längen. 

Leider standen wir auf der falschen Seite. Wir konnten nämlich Bobb leider zu schlecht beobachten. Der introvertiert wirkende Gitarrist ist, wenn ich das als Laie richtig beobachten kann, ein grandioser Musiker. Die beiden, Bethany und Bobb, sind nach eigenen Aussagen grundverschieden. Ihr Songwriting funktioniert so, daß Bethany Lieder schreibt, sie Bobb schickt und der sie überarbeitet. Eine Band aus der selben Stadt stellt man sich anders vor, ich wenigstens. Aber auch das Best Coast Modell scheint ausgezeichnet zu funktionieren. Auf der Bühne steht Bobb auch ganz am Rand. Erst als Bethany nach dem letzten Stück When will I change die Bühne verließ, stand der Gitarrist mehr im Mittelpunkt und ließ mit seinen Kollegen einen herrlichen Gitarrenkrach entstehen. Irgendwann gingen auch sie von der Bühne, der Krach blieb, bis Best Coast wieder zu den Zugaben zurückkamen. 



Nach dem wundervollen Boyfriend, der zweiten Zugabe, ging die Sängerin wieder als erste. Bobb und Joe blieben und machten Lärm, ganz herrlich! Ganz zu Schluß bastelte Bobb die Gitarre an die Decke. 



Trotz des Jammerns über ein paar Längen gefiel mir auch der Hauptteil des Abends sehr gut. Der Saal hatte sich nach der Vorgruppe auch noch recht gut gefüllt. Aber leider nicht gut genug, daß solche tollen Bands häufiger nach  Deutschland kommen. Das ist die doppelte Bestrafung für den kollektiven Musikgeschmack bei uns. Wir werden der miesen Musik im Radio ununterbrochen ausgesetzt und dürfen dann gute Musik auch seltener und seltener live sehen, weil zu wenige hingehen. 

Setlist Best Coast, Köln:

01: Heaven sent
02: The only place
03: Fine without you
04: Crazy for you
05: Goodbye
06: So unaware
07: California nights
08: When I'm with you
09: Do you love me like you used to?
10: Dreaming my life away
11: I don't know how
12: Fade away 
13: Fading fast
14: In my eyes
15: Feeling ok
16: Our deal
17: Jealousy
18: When will I change

19: Bratty B (Z)
20: Boyfriend (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Best Coast, Brüssel, 22.09.12
- Best Coast, Paris, 23.04.11
- PINS, Antwerpen, 21.03.15
- PINS, Hilvarenbeek, 21.06.14 





* warum auch immer alt-j die anlocken!  
** ich hoffe, das waren sie auch wirklich! 



Apparat, New Fall Festival + ELECTRI_CITY Konferenz Düsseldorf, 29+30.10.2015

0 Kommentare

Konzert: Apparat, New Fall Festival, ELECTRI_CITY Konferenz
Ort: Düsseldorf, Robert Schumann Saal, NRW Forum
Datum: 30.10.2015
Dauer: 80 min
Zuschauer: 800


Apparat, das musikalische Projekt von Sascha Ring gastierte im Rahmen des New Fall Festivals in Kooperation mit der gleichzeitig stattfindenden ELECTRI_CITY Konferenz im Robert-Schumann-Saal in Düsseldorf.

Die Konferenz besuchte ich am Nachmittag spontan, ich hielt sie nach kurzer Sichtung der Webseite für ein launiges Fantreffen mit nerdigem Charakter. Doch weit gefehlt: Hier waren echte Wissenschaftler am Werk, die vor größtenteils anderen Wissenschaftlern über ihre Arbeit am Projekt der Band Kraftwerk referierten. 


Das war spannend, teilweise lustig und vor allem interessant, kam es doch im Anschluss an jeden Vortrag doch noch zur Konfrontation mit langjährigen Fans, die es zum Beispiel gar nicht wissenschaftlich fanden, wenn man die Fanszene von Kraftwerk in Ermangelung anderer verwertbarer Quellen anhand von You-tube und Facebook-Kommentaren definieren wollte. 

Ein toll gelaunter und gut gekleideter Peter Hook (Joy Division, New Order) plauderte im Anschluss freizügig aus seinem bewegten Leben und wie es sich anfühlt, wenn der eigene Sohn auf der Bühne neben einem steht und genauso Bass spielt wie man selber früher. 


Danach gab er noch bereitwillig Autogramme und zeigte so gar keine Starallüren, die man vielleicht hätte erwarten können. Später lockerte sich bei Freibier und kleinen Snacks die Runde nochmals und bei einem von Klaus Fiehe geleiteten Podiumsgespräch wurde die Bedeutung von "Düsseldorf für die elektronische Musik" im allgemeinen beleuchtet. Hans Nieswandt und Thomas Venker plauderten locker mit dem Autor des Buches Electr_city (Rüdiger Esch) und der Produzentenlegende Mark Reeder über alte und neue Zeiten in der Musik. Ob dabei Düsseldorf wirklich einen größeren Einfluss hatte, außer das die KlingKlang Studios eben dort standen und Kraftwerk eigentlich überhaupt keinen Bezug zu den sonstigen Musikern der Stadt pflegten, blieb letztlich unklar.

Fakt ist aber, dass mit Apparat mit Sicherheit einer der interessantesten Künstler der aktuellen elektronischen Musik vertreten ist, jedoch die anderen Live-Acts der Konferenz (mit Heaven 17 und Michael Rother) mehr der geschichtlichen Aufarbeitung verschrieben waren. Apparat füllen mit ihrem Equipment die nicht gerade kleine Bühne des Saals fast vollständig. Dahinter eine ebenso imposante Leinwand die den ganzen Set über live produzierte Filme zeigen sollte. Diese wurden von einem imposanten Gebilde mit Monitoren und Kameras verfremdet und direkt an den Beamer weitergeleitet. 


Leider war es ansonsten auf der Bühne so dunkel, dass man diesen und viele andere Prozesse kaum verfolgen konnte. Das war umso bedauerlicher, da extrem viele Instrumente zum Einsatz kamen. Von Blockflöte bis zu Geige und Kontrabass war alles vertreten. In der Mitte Sascha Ring am Keyboard, mit Gitarre und selten auch mit Gesang. Das ganze beginnt mit sphärischen Stücken, noch ohne Bass und Beat, der Tourname "Soundtracks" scheint wirklich Programm zu sein. 


Nervig erweisen sich die Strobolichter auf dem Boden der Bühne, sie zielen leider genau in Augenhöhe in die bestuhlten Reihen und unterbrechen so leider oft den Genuss der Musik, da man sich halbblind abwenden muss. Die Stille und Ehrfurcht des Publikums ist etwas übertrieben, erst nach ca.45 Minuten bricht der erste Applaus los und die Musiker sind sichtlich erleichtert. Zum Ende des rechten kurzen Sets hin schwillt der Sound immer mehr an, jetzt werden die Stücke fast tanzbar, und durch jetzt eingesetzte Schlaginstrumente auch rhythmischer. Nach einer kurzen Zugabe ist dann auch schon das Ende erreicht, die Band verbeugt sich artig und tritt ab.


Eine Show wie diese zeigt wie innovativ deutsche Musik sein kann und daher ist es auch kein Wunder das Apparat damit in der ganzen Welt ausverkaufte Theater bespielen können. Im eigenen Land gilt man da eher noch als Exot, Nils Frahm teilt ein ähnliches "Schicksal". Genau dies war auch in der Talkrunde immer wieder Thema, egal ob Nirvana in Seattle oder Kraftwerk in Düsseldorf. Im eigenen Land haben es die Propheten immer schwerer.


Es bleibt ein tolles Konzept, teilweise ohne Eintritt bekam man viel Prominenz und geballtes Wissen auf der Konferenz geboten. Abends dann noch ausgewählte Künstler die nicht jede Woche in NRW zu bewundern sind. Eingebettet in das ohnehin sehenswerte New Fall Festival entsteht so in Düsseldorf hoffentlich eine neue "Düsseldorfer Schule".


 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates