Donnerstag, 26. April 2012

Happy New Year, Paris, 24.04.12

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Konzert: Happy New Year

Ort: La Fabrique des Balades Sonores, Paris
Datum: 24.04.12
Zuschauer: etwa 20-25


Sehr coole Sache schon wieder. Happy New Year, ein spannendes Noisepop Trio aus New York machte in der winzigen Fabrique der Balades Sonores wahnsinnigen Krach und sorgte sogar dafür, daß sich Nachbarn telefonisch beschwerten. Das führte zwar nicht zum Abbruch, wohl aber zu einer Verkürzung des tollen Auftritts.

Auf winzigem Raume hatten die Amis ihre vielen Apparaturen aufgebaut und sogar ein richtiges Schlagzeug Kit untergebracht. Angeführt von der massiv am Arm tättowierten sexy Frontlady Eleanor Logan begeisterten Hapy New Year mit düsterem, experimentellen und bisweilen klaustrophob klingenden Avantgarde Pop.

Besonders gelungen war ihre auch auf Vinyl erhältliche Single Gold Medaillon, die einen New Orderschen Bass, wummernde Synthies und verhallten Gesang in die Wagschale zu werfen zu hatte.




Twins hingegen klang deutlich verzerrter, metallischer, sperriger, aber nicht weniger faszinierend. Irgenwie schafften es die Amerikaner kleine Melodien in den reichen Klangteppich mit einzubauen.




Das Iggy Pop Cover The Endless Sea fiel aber leider dem vorzeitigen Konzertabbruch zum Opfer. Man kann es sich jedoch in Ruhe auf Bandcamp (oder gleich hier bei uns!) anhören.




Eine aufregende Band, diese Happy New Year, obwohl es wohl eher das alleinige Projekt von Elanor Logan ist.

Das Trio spielt übrigens auch in Deutschland. Am 25. April 2012 in München, am 26. April 2012 im Berliner King Kong Club.

Setlist Happy New Year, Fabrique des Balades Sonores, Paris

01: Cranes
02: Summer
03: Gold Medaillon
04: Winter Sun
05: Movies



Laura Gibson, Frankfurt, 25.04.12

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Konzert: Laura Gibson
Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 25.04.2012
Zuschauer: 120
Dauer: gut 70 min


Oh war das gut!

In den ersten ein, zwei Minuten wäre ich noch nicht unbedingt zu diesem Schluß gekommen, ich brauchte ein wenig, um mich auf Laura Gibsons Stimme einzulassen, die nicht nur dann ungewöhnlich klang, wenn die Amerikanerin das neben dem normalen befestigte verzerrende Mikro besang. Daß das Konzert mit jedem Stück besser, aufregender und kurzweiliger wurde, war sicher Resultat dieses Einlassens auf ihre Musik und nicht das einer besonders brillanten Dramaturgie. Gestern beim guten Maps & Atlases Konzert im Gebäude 9 war ich nach 70 Minuten einverstanden, als das letzte Lied verklang, heute hätte ich gerne viel länger zugehört, als die Sängerin mit ihren Begleitern nach der selben Zeit die letzte Zugabe beendete.

Das Bett ist ein eher kühl eingerichteter Club, mit einer bestuhlten Einrichtung (doofe Formulierung; mit Bestuhlung...) hatte ich nicht gerechnet. In der Mitte waren Sessel, Stühle und Bierbänke und einige Couchtische aufgestellt. Es passte nicht so richtig, machte aber bei Lauras Musik absolut Sinn. Durch die Möblierung wirkte der große Saal auch angenehm gefüllt, ohne die Sitzgelegenheiten hätten sich die vielleicht 120 Zuschauer im Bett verloren.

Bei den Vorbereitungen der Band die nächste Überraschung: ein Fagott wurde auf der Bühne abgelegt. Ich bin nicht sicher, ob das einer musikwissenschaftlichen Überprüfung standhalten würde, ich liebe aber Fagott und Oboe, während ich deren schmutzige Halbschwester Klarinette so gar nicht leiden kann. Oboen sieht man ab und zu bei Konzerten, aber ein Fagott? Wow!

Zunächst blieb das tolle Instrument aber liegen, Laura wurde von einem Bassisten, einem Schlagzeuger und einem Keyboarder begleitet. Den Auftakt bildete der Titelsong ihres aktuellen Albums, ein Stück, das ich mir auch in Musikclubs der 20er Jahre vorstellen könnte. La grande klingt nach Schellack und gedämpften Trompeten (die im Laufe des Abends wirklich immer wieder vorkamen). Spätestens beim dritten Lied des Konzerts, Skin warming skin, hatte es mich endgültig gepackt. Eine Theorie für den zögerlichen Beginn ist, daß Lauras Stimme nicht zu ihr passt - man (ich) erwartet zu einer solchen Stimme eine andere Person.

Zum übernächsten Song rief Laura ihren Tourbegleiter Fritz auf die Bühne. Der Gastmusiker habe ihr bislang verheimlicht, daß er Fagott spiele, diese Fähigkeit wolle man jetzt auf Tour nutzen. In der Studioversion kommen leise Bläser vor, ich kann aber nicht erkennen, ob das nicht doch eher ein Horn ist.

Beide Blasinstrumente kamen im Anschluß bei Milk-heavy, pollen-eyed zum Einsatz. Das Stück war aber nicht deshalb eines der schönsten des Abends! Milk-heavy... ist einfach von wundervoll getragener Schönheit. Wenn man jemanden erklären will, warum auch viele Musikzeitungen von Laura Gibson schwärmen, empfehle ich, dieses Lied stattdessen laufen zu lassen!

Bis dahin hatte die Sängerin aus dem Nordwesten der USA nur Lieder von La grande gespielt. Hands in pockets vom 2006er Debüt If you come to greet me war der erste Sprung zurück. Danach schickte die Sängerin die Band von der Bühne. "They'll play Angry birds on their phones!" - Laura spielte Sleepers von ihrer zweiten Platte. In einer der Pausen zwischen den Strophen krachte ein Glas auf den Boden, im Takt. Ansonsten war es glücklicherweise meist (angemessen) ruhig, quatschendes Volk hätte heute wirklich ganz besonders gestört.

Die Band spielte noch ein weiteres Level Angry birds, und Laura coverte (wie Nirvana) In the pines, das wegen ihrer besonderen Stimme wie ein eigenes Lied klang!

Lauras Begleiter hatten das Level endlich geschafft und kamen zurück. Gemeinsam spielten sie Spirited und die drei La grande Lieder Time is not (toll!) und The fire, um zum Abschluß das extrem reduzierte aber um die mitbrummenden Zuschauer ergänzte
The rushing dark vorzutragen. Ich bilde mir ein, auf solche inszenierten schönen Momente nicht zu reagieren, es klappte aber nicht.

Zur ersten Zugabe kam Laura wieder alleine. The longest day stammt auch von ihrem ersten Album und verzückte mich sehr! Die Sängerin spielte das Lied unverstärkt am Bühnenrand, die Cowboystiefel halb über der Kante. Wieder so ein geplantes Highlight, und wieder wäre es herzlos gewesen, dies zu kritisieren!

Die Band kam zurück - mit Fritz und dem Fagott - und beendete den Abend mit dem fehlenden Song von La grande. Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, einen solch tollen Auftritt zu erleben. Umso schöner!

Setlist Laura Gibson, Das Bett, Frankfurt:

01: La grande
02: Lion/lamb
03: Skin warming skin
04: Red moon
05: Feather lungs
06: Milk-heavy, pollen-eyed
07: Hands in pockets
08: Sleeper (Laura Gibson solo)
09: In the pines (Lead Belly Cover) (Laura Gibson solo)
10: Time is not
11: Spirited
12: The fire
13: The rushing dark

14: The longest day (Z)
15: Crow/swallow (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Laura Gibson, Paris, 16.04.12
- Laura Gibson, Paris, 18.01.12
- Laura Gibson, Paris, 20.04.10
- Laura Gibson, Olivers Wohnzimmer, 12.12.09



Mittwoch, 25. April 2012

Arlt & Mariee Sioux, Paris, 22.04.12

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Konzert: Arlt & Mariee Sioux

Ort: La Fabrique des Balades Sonores
Datum: 22.04.2012

Zuschauer:mindestens 30, für den kleinen Laden waren das sehr viele
Konzertdauer: jeweils etwa 35-40 Minuten



Arlt gehören zu jener kleinen Gruppe französischer Bands, die ich noch nie gesehen hatte. Viele French-Poper- und Folker sind mir in den letzten Jahren nicht durch die Lappen gegangen und wenn dann hatte ich in der Regel keinen Bock ihre Konzerte zu besuchen.

Bei Arlt war das anders. Die Musik, die ich von ihnen kannte, mochte ich, ich kam lediglich nie dazu, einen ihrer Auftritte zu sehen.

Heute nun endlich die Gelegenheit Versäumtes nachzuholen. Tatort war der kleine Laden der Ballades Sonores, in dem immer häufiger kurze Gratiskonzerte veranstaltet werden. Viele Leute passen in den CD-und Klamottenshop nicht rein und so war es auch heute wieder proppenvoll in der "Fabrique." Aber Arlt bewiesen sehr viel Talent beim Performen auf engem Raum. Sängerin Eloise Decazes sang sogar oft genau vor oder zwischen den Leuten, wobei ihre verträumten Blicke anscheinend ins Leere gingen. Sie verstand sich auf ein sehr theatrales Spiel, agierte wie im Halbschlaf bzw. wie eine Traumwandlerin. Ihre hübschen blaßblauen Augen waren weit geöffnet, schauten aber niemand Bestimmten an. Auch ihr männlicher Partner Sing Sing sang und konterte jeweils ihre Parolen, so daß ein verführerisches Spiel entstand, daß wie ein Liebeswerben erschien. Man neckte und man bezirzte sich, näherte sich an, um dann wieder auf Distanz zu gehen und so weiter und so fort.

Die beiden Franzosen sangen in ihrer Landessprache und erinnerten mitunter an alte Größen des Chanson wie Brassens, Brigitte Fontaine, Barbara oder auch Serge Gainsbourg, obwohl ihrer folkig/bluesigen Musik auch eine moderne und internationale, bisweilen gar noisige Note innewohnte. Sie hatten auch noch einen dritten Musiker dabei, keinen Geringeren als Mocke Depret, der männliche Part des berühmten gemischten Duos Holden, der ganz im Hintergund E-Gitarre spielte, während Sing Sing vorne auf der Akustischen zupfte. Eloise spielte kein Instrument, sie konzentrierte sich auf ihren Gesang und ihre ausdrucksvolle Gestik und Mimik.

Gespielt wurden Chansons von beiden Alben, dem Erstling La Langue (2010) und dem nagelneuen Werk Feu La Figure, dessen Erscheinungstermin auf den 23. April festgelegt ist. Eher spartanisch instrumentierte Lieder, die deshalb auch unter den heutigen Konditionen gut reproduziert werden konnten. Arlt brauchen nicht viel technischen Schnickschnack um ihre Musik zu spielen, da lebt vieles von den beiden Stimmen (ihre sinnlich hoch, seine tief brummelnd), der sinnlich- melancholischen Grundstimmung, dem akutischen Guitarpicking von Sing Sing.


Aber ihre neuen Stücke schienen mir rauer, aggresiver zu sein, mehr Drive zu haben. Le Pistolet z.B, kam ganz schön gepeffert rüber. Die Lieder zum Schwofen wie Chien Mort, Mi Amor sind allerdings geblieben,obwohl die Elektrische von Mocke im Klangbild immer wichtiger zu werden scheint.

Arlt - Chien Mort, Mi Amor (7'' version) by AlmostMusique



Eine älteres Lied namens Je voudrai être mariée hatte einen ganz besonderen Text zu bieten. Da sang Elise eindringlich von dem Wunsch verheiratet und schwanger zu sein, sagte aber hinter schmunzelnd, daß sei nicht umbedingt auf sie anzuwenden.

Arlt - Je voudrais être mariée by AlmostMusique

Das dicht an dicht stehende Publikum zeigte sich enorm begeistert und applaudierte regelmäßig lang und ausdauernd und stürzte sich auf die neue CD, die es exklusiv bereits hier einen Tag vorher gab. Ich ging allerdings leer aus, alle Exemplare waren ruckzuck ausverkauft.

Arlt muss ich mir unbedingt noch eimal ansehen! Am 16. Mai im Café de la Danse wird hierzu die Gelegenheit sein.


Danach leerte sich der Shop etwas und ein paar Leute zogen schon ab. Da gerade die Sonne schien, bat man die Kalifornierin Mariee Sioux doch einfach draußen vor der Türe zu spielen. Da wiegelte sie aber sofort ab, sie ist wohl wärmere Temperaturen gewöhnt. Statt in der Pariser Aprilkälte zog es die 27 Jährige vor, im kuscheligen Inneren zu bleiben, wo sie es sich auf einer urigen Kommode bequem machte. Ihre beiden männlichen Mitmusiker halfen ihr erneut bei den meisten Liedern aus. Ihr Lebensgefährte Sean Kae spielte Autoharp, der Halbhandschuhe tragende Jeff Mason Bass. Die performten Songs enstprachen weitestgehend denjenigen, die sie auch in anderen Showcases gespielt hatte, allerdings klang kein Set genau wie das andere. Die jeweilige Interpretation wurde immer etwas variiert, so daß es nie langweilig wurde. Ein Stück, daß ihr offensichtlich sehr wichtig war, war Old Magic. Es sei ihrer Heimat Kalifornien gewidmet und handelte textlich von Delphinen, Elch-Zähnen und Schlangen, was ihren starken Bezug zur Natur-und Tierwelt unterstrich (die Lyrics von Mariie Sioux handeln oft von Schlangen, vermutlich auch im übertragenen Sinne).


Einen besonderen Bonus gab es mit Two Tongues. Dieses wundervolle Stück spielte sie im Rahmen ihrer fünf Paris-Konzerte nur hier heute und tat mir damit einen großen Gefallen, denn ich hatte es besonders beim Auftritt im Café de la Danse vermisst.

Insgesamt ein ganz toller Showcase mit zwei Acts, die beide beim hervorragenden französischen Label Almost Musique unter Vertag stehen.

Setlist Mariee Sioux @ Fabrique des Balades Sonores

01: Homeopathic
02: Ghosts On My Heart
03: Swimming Through Stone
04: Flowers & Blood
05: Old Magic
06: Two Tongues

- Sehr lesenswert: das Klienicum zu Arlt.




Maps & Atlases, Köln, 24.04.12

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Konzert: Maps & Atlases
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 24.04.2012
Zuschauer: ca. 70
Dauer: 70 min


Von Maps & Atlases habe ich hier schon häufiger gelesen, richtig beschäftigt habe ich mich mit der Band aus Chicago aber bislang noch nicht. Ich denke, daß das vor allem
an dem unästhetischen englischen Plural liegt, die Frisur von Sänger Dave Davison kannte ich nämlich da noch nicht. Der Soundmann allerdings schon, denn kurz vor dem Auftritt der Amerikaner schallte Cut your hair aus den Boxen. Subtil war das nicht, aber komisch.

Maps & Atlases bestehen aus vier Musikern: Shiraz Dada* am Bass, Chris Hainey am Schlagzeug, Sänger und Gitarrist Dave Davison sowie Gitarrist und Keyboarder Erin Elders (v.l.n.r.). Dummerweise standen wir dem Bassisten mit den Weinliebhaber-Eltern am nächsten, denn der lenkte mich vom Start weg mit seinen Tanzschrittchen ungeheuer ab. Shiraz trippelte über die Bühne, tänzelte von vorne nach hinten und zurück - und das immer wieder. Von Ironie in Bands verstehe ich nichts. Schnurrbärte, die nun wirklich niemand hübsch finden kann, sind ja offenbar ein Zeichen solchen "Wir nehmen uns nicht so erst" Gehabes. Ich kann nur vermuten, daß auch Shiraz' Tänzeleien aus dem Kapitel Selbstironie des großen Rockstarhandbuchs stammen. Ernst gemeint kann er das wirklich nicht haben.

Glücklicherweise suchte das Pärchen vor uns unsere Nähe und spielte Hase und Igel
mit uns, wir einen Schritt zurück, und schon waren sie wieder da,** sodaß ich den tanzenden Shiraz nicht mehr gut sehen konnte.***

Maps & Atlases werden gerne als Math Rock Band bezeichnet. Sie selbst nennen sich (bei myspace) Vertreter des Deutsch-Pop, französischen bzw. italienischen Pops. Da ist sie wieder, die Tante Ironie.

Experimentell klingen die Amerikaner schon, ich empfand aber eine deutlich größere Nähe zu den Afrobeat-Sounds von Vampire Weekend als zu den Bands, die ich mit Math Rock verbinde. Die ganz kurzen Gitarrenklänge von Dave vor allem erinnerten mich oft sogar an karibische Klänge, aber auch die haben ihren Ursprung ja auf der anderen Seite des Atlantiks. Natürlich fehlen die großen Hits von Vampire Weekend, auch sind die Stücke von Maps & Atlases deutlich weniger eingängig, sie gefielen mir aber gerade wegen des spürbar experimentellen Einschlags sehr gut, wobei ich Vampire Weekend live immer als zu brav und langweilig empfunden habe.

So fies wie die Bassisten-Tänzeleien, so faszinierend war das Gitarrenspiel des Frontmanns. Dave hatte seine beiden Hände oft unmittelbar nebeneinander und spielte sein Instrument, als sei es eine Zither. Neben seinem hohen Gesang war dies das Hauptstilelement der Band, die schnellen, kurzen Gitarrentöne, die den speziellen afro-karibischen Sound bastelten. Herausragend schien mir aber auch der Schlagzeuger zu sein. Ich habe leider nicht viel Ahnung von gutem Trommeln, weiß
aber, daß Drummer in Bands viel wichtiger sind, als sie es mir als Zuschauer sind. Chris erzeugte sagenhafte Töne mit seinem Schlagzeug, wobei ich manchmal nicht sicher war, ob er wirklich alle Dinge live machte. In fast allen Stücken spielten Kuhglocken eine Rolle, einmal aber kamen sie ganz regelmäßig, während Chris einen anderen Teil seines Instruments bearbeitete. Die Glocken schienen mir da von Band zu kommen, das schmälert aber seine Leistung nicht. Gelogen wird eh bei vielen.

Ob die Bassdrum vor dem Bassisten auch von Chris über die Distanz bedient wurde, weiß ich nicht. Keine Ahnung, ob das überhaupt technisch möglich ist. Manchmal hatte ich das Gefühl, sie scheppere, obwohl Bassist Shiraz nur bei einem Lied auf sie einschlug.

Mir gefiel das unvorbereitete Konzert gut, ich war vorher nicht unbedingt so optimistisch nach den wenigen Liedern, die ich kannte. Es war auch nicht langweilig, davor hatte ich am ehesten Bedenken. Die Zugabe, die in einem minutenlangen stupiden Minirhytmus endete, hätte nicht viel länger sein dürfen, sonst war der Abend durchaus kurzweilig. Der Afrobeat und ich werden zwar keine großen Freunde mehr, so wie heute lasse ich mir das aber gerne immer mal wieder gefallen.

Und Fußball war ja auch nicht spannender, wollte ich jetzt eigentlich noch sagen, aber das stimmt ja nun wirklich nicht.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maps & Atlases, Paris, 03.02.11
- Maps & Atlases, Paris, 14.10.10
- Setlist evt. später, falls mir da meine spärlichen Notizen weiterhelfen
- Fotos folgen!

* ganz sicher ein Künstlername - ansonsten eine schöne Anregung für werdende Eltern. Ich will bald Shiraz-Autoaufkleber sehen!
** Agoraphobiker vermutlich. Vor ihnen war einfach zu viel Platz.
*** Merkt man eigentlich, daß mir zum Konzert selbst nicht viel einfällt?


Dienstag, 24. April 2012

Lizzie And The Yes Men, Paris, 21.04.12

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Konzert: Lizzie And The Yes Men

Ort: Le Bus Palladium, Paris

Datum: 21.04.12



"Mensch, Bruderherz, du hörst immer so traurige Musik, kein Wunder, daß du schwermütig wirst".

Diesen Spruch meiner Schwester muss ich mir öfter anhören, wenn wir uns denn mal sehen. Und er stimmt irgendwie ja auch, denn ich höre in der Tat oft ziemlich deprimierendeMusik.

Aber ich bin wandelbar und kann auch anders. Am vergangenen Samstag zum Beispiel. Da standen die ungemein frischen, euphorisierenden und wahnsinnig charmanten Briten von Lizzie And The Yes Men im kultigen Pariser Bus Palladium auf dem Programm. Ich hatte ihnen den Vorzug vor dem überaus melancholischen Schweden Loney Dear gegeben, der im Café de la Danse seine Schwermut verbreitete. Statt Katzenjammer also Frohsinn und Frühlingsgefühle. Und das tat mir gut!

Nach der durchaus gefälligen Vorband Secretive aus Frankreich (bei der mir aber vor allem die Blumentattoos der Sängerin an den hinteren Waden in Erinnerung geblieben sind) ging es dann gegen 22 Uhr 30 auch mit Lizzie und ihren Ja- Männern los.


Zunächst spielten die Herren ein längeres Gitarren-Intro, bevor dann die Diva Lizzie die Bühne betrat und mit ihren langen Beinen und ihrem todschicken Kurzhaarschnitt alle Blicke auf sich zog. Was für eine charismatische Frau! Eine neue Twiggy, eine Retro-Ikone! Und sie kann auch singen. Ihre Stimme versetzte uns in die 1960 er Jahre zurück, ließ uns an die Supremes, die Ronettes oder die Shirelles denken, während der flotte Gitarrensound der Männer eher dem Post Punk Revival à la Franz Ferdinand oder den Kaiser Chiefs zuzuordnen war. Alles kam wahnsinnig zackig und Laune machend rüber, Durchhänger oder musikalische Längen gab es nicht.


Ein Highlight an vierter Stelle. You And I Both Know begann mit einem dunklen, markanten Basslauf, bevor Lizzies Gesang und wilde Schrammelgitarren einsetzten und den Song gewaltig nach vorne peitschten.

Hits in diesem Stile gab es reichlich, was meine Vorfreude auf ein Album, das irgendwann im Laufe des Jahres 2012 erscheinen soll, massiv schürte.

Die Single Broadwalk dürfte aber schon vorher für hohe Wellen Sorgen. Der unbeschwerte und unwiderstehliche Pfeifsound, die absolut packende Melodie und die Tanzbarkeit könnten das Lied schon bald auf jeden I-pod, in jede Indie-Disco katapultieren. Man sah so einige Leute im Publikum bei dieser Klasse-Nummer mitwippen, kein Wunder!

Meine Schwester könnte stolz auf mich sein. Keine traurige Musik an diesem Samstag, keine Schwermut, sondern gute Laune pur.

Super Abend, klasse Band!





Setlist Lizzie And The Yes Men, Bus Palladium, Paris

01: Intro
02: Misdemeanour
03: Take What I Can Get
04: You And I Both Know
05: Trouble
06: Nasty Boy
07: Let Me Go
08: Baby No Go
09: Deserts
10: Loneliness
11: Broadwalk

Aus unserem Archiv:

Lizzie And The Yes Men, Paris, 16.04.12


 

Konzerttagebuch © 2010

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