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Dienstag, 13. November 2007

Joe Lean And The Jing Jang Jong, u.a., Paris, 11.11.07

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Konzert: Joe Lean And The Jing Jang Jong & You Say Party! We Say Die! & The Teenagers
Ort: La Boule Noire, Paris (Festival Des Inrocks)
Datum: 11.11.2007
Zuschauer: voll


"Essen kannst Du später, jetzt geht es erst mal ohne Pause weiter", befahl mir mein französischer Freund Philippe, nachdem die letzten Töne der Editors in der Cigale verklungen waren. Er meinte es gut und wollte nur bezwecken, daß ich seine MySpace - Topfriends "Joe Lean And The Jing Jang Jong" nicht verpasse. Die englische Band mit dem seltsamen Namen spielte nämlich gleich im Anschluß in der Boule Noire, der schwarzen Kugel. Der Name passt aber gar nicht zu dem Club, der länglich und nicht rund ist. Wie auch immer, die Newcomer hatten die Ehre, The Enemy zu ersetzen, die leider abgesagt hatten. In ihrer Heimat England werden sie schon heiß gehandelt, Sänger Joe Lean ist in der "Cool List" des NME vertreten und sie supporten so ganz nebenbei die Babyshambles und die Kaiser Chiefs im Winter in UK. Was steckt also musikalisch dahinter? Ich sollte es bald erfahren: für mich klang das eindeutig nach den Strokes! Bloß live schrammeliger und garagiger. Das erste Lied "Though Terrible" allerdings, hätte dem Film "Pulp Fiction" entsprungen sein können. Irgendein markantes Lied auf dem Soundtrack des Kultstreifens hört sich genauso an. Was den Look anbetrifft, waren die unglaublich dünnnen Spargeltarzane genauso angezogen, wie es der Kleidungskodex der Leute, die in und cool sein wollen vorschreibt: an den Beinen klebende Skinny-Jeans auf unfaßbar dünnen Beinchen, die passenden spitzen Schuhe dazu und im Falle des Sängers ein tailliertes Hemd mit einer hauchdünnen schwarzen Krawatte. Für den Look verteile ich schon einmal 8/10 Punkten, der Punkt für die Kotelletten des einzigen fülligeren Musikers der Band ist hierbei schon eingepreist! Bei den Liedern kann ich noch keine Note verteilen, dazu müßte ich erst einmal das Album abwarten und mir die oft sonnig erscheinenden Kompositionen in Ruhe anhören. Live war das kurzweilig und flott.

Setlist: Joe Lean And The Jing Jang Jong

01: Tough Terrible
02: Lucio Starts Fire
03: I Aint Sure
04: Baby
05: Dear Rose
06: In Competition
07: Teenagers
08: Lonely Boy
09: Where Do You Go?

Mehr Photos von Joe Lean und Band hier

Über die nachfolgenden Kanadier You Say Party! We Say Die! wird in der Musikpresse oft genörgelt, man wirft ihnen vor allem fehlende Originalität und Kreativität vor. Da mag was dran sein, aber live hat mich die Bande um die extrovertierte Becky Ninkovic immer bestens unterhalten. Im Vorprogramm zu We Are Scientists hatte ich sie vor ziemlich genau einem Jahr zum ersten Mal erlebt und auch beim Furia Sound Festival 2007 in Cergy-Pontoise bei Paris wurde ich Zeuge eines dynamischen Sets der Kandier.

Ursprünglich war für den heutigen Abend Lavender Diamond vorgesehen, aber die hatte genau wie The Enemy die Segel gestrichen. Von dem ersten Line -Up, bestehend aus The Enemy, Lavender Diamond und den Teenagers blieben somit nur noch letztgenannte übrig. Wie schlugen sich also nun die "eingewechselten" Nordamerikaner an jenem Abend in der Boule Noire? - Klare Antwort: gut wie immer!

Becky, die heute in einen güldenen Umhang gehüllt war und hierzu auch die passenden Schüchen trug, ließ erneut die durchgeknallte Punk-Lady raushängen und heizte dem Publikum mächtig ein. Ihr Bassist war auch wild drauf, er stellte sich oft an den Bühnenrand, wo ich mich postiert hatte und blies mir förmlich die Ohren weg. Obwohl ich sehr häufig zu Konzerten gehe und nicht immer Stöpsel in meine Lauscherchen stecke, war ich heute hinterher regelrecht taub. Kein Wunder bei dem Höllenlärm, der die kleine Boule Noire erschütterte! Und auch das Tempo war durchgängig atemberaubend, zum Verschnaufen kam die Band nur in den kurzen Pausen zwischen den Titeln, die der extrem gutaufgelegte Drummer Devon Clifford dadurch überbrückte, daß er in einem nicht immer sattelfesten französisch witzige Anekdoten erzählte. Er war kaum zu stoppen und spuckte alle möglichen Phrasen aus, die er so draufhatte.

Was die gespielten Stücke anbelangt, gab es eine Mischung aus alten Liedern vom ersten Album "Hit The Floor!" und dem neuesten Output "Loose All Time". "Stockholm Syndrome Part 2" fetzte gewohnt sehr ordentlich, aber auch "Five Year Plan" hatte mächtig Dampf unter dem Kessel. Man konnte also wirklich nicht sagen, daß nur die bekannten Hits zogen. Das Publikum und vor allem Photograph Robert Gil waren jedenfalls von dem punkigen Set ziemlich angetan. Becky Ninkovic rockte aber auch wirklich gut ab, keine Frage!

Setlist You Say Party! We Say Die!, Paris, Boule Noire, Festival Des Inrocks:

01: Quiet World
02: Five Year Plan
03: Stockholm Syndrom Part 2
04: Cold Hands! Hot Bodies!
05: Downtown Mayors
06: (You Did it?)
07: Love In The New Millenium

08: The Gap (Between The Rich And The Poor) (Z)

Photos You Say Party! We Say Die! hier

Photos The Teenagers hier



Donnerstag, 5. Juli 2007

Rückblick: Furia Sound Festival, Cergy-Pontoise, 01.07.2007

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Konzert: Furia Sound Festival

Ort: Cergy-Pontoise bei Paris
Datum: 01.07.2007
Zuschauer: ein paar Tausend


Heute gab es für mich eine Premiere zu feiern, allerdings keine musikalische, sondern lediglich eine verkehrstechnische. Zum ersten Mal in meinem Leben (eigentlich unglaublich!) stieg ich in Paris in einen RER-Zug (vergleichbar mit der deutschen Straßenbahn), um von Paris zum Festivalgelände von Cergy-Pontoise zu gelangen, wo wieder das Furia Sound Festival ausgetragen wurde. Schon letztes Jahr war ich dabei und erfreute mich an hochklassigen Acts, wie z.B. den Editors, Art Brut oder den Young Knives.

Dieses Jahr stammten die für mich interessanten Künstler aber eher aus den USA, als aus England, denn Sonic Youth und QOTSA gaben sich am heutigen Sonntag, dem dritten Festivaltag die Ehre. An den Tagen zuvor hatten in meiner Abwesenheit u.a. die Rakes, Frank Black (Pixies) und die brasilianischen Newcomer Bondo Da Role für Stimmung gesorgt.

Vor und nach diesen großartigen Headlinern hatten die Veranstalter aber auch vernünftige "Lückenfüller" aufgeboten, damit keine Langeweile aufkam.

Als erste Gruppe des Tages sahen Cécile und ich auf einer der beiden Nebenbühnen die spannende Tuareg-Band Tinariwen aufspielen. Bei den Tuaregs handelt es sich
um einen nordafrikanischen Nomadenstamm, der in der Wüste lebt. Die Band wurde bereits 1982 gegründet, nahm aber sämtliche Aufnahmen zunächst nur auf Cassetten auf. Erst in den 2000-er Jahren erschienen auch außerhalb von Afrika die beiden Alben "Amassakoul" (2004) und das aktuelle "Aman Iman"-Water is life. Von diesen beiden Alben stammte dann auch der Großteil der heute gespielten Lieder.

Beim Blick auf die Bühne erspähte ich sechs nicht mehr ganz junge Männer,
bekleidet mit den wunderschönen traditionellen Kostümen der Wüstenvölker. Die Gesichter der Männer waren verschleiert, lediglich der Sänger und Gitarrist Ibrahim offenbarte sein unverhülltes Haupt der Öffentlichkeit. Es war verblüffend mit anzusehen, wie die Begleitsänger der Band teilweise durch ihren "Mundschutz" hindurch ins Mikro sangen. Um ihren hypnotischen Wüsten-Blues zu produzieren, benötigte die Band drei Gitarren, einen Bassisten und einen weiteren Musiker, der eine traditionelle afrikanische Trommel einsetzte. Wie man aus der Biographie der Band erfahren kann, waren Tinariwen die ersten Tuareg, die elektrische Gitarren einsetzten. Neben diesem Einsatz moderner Instrumente schien mir aber insbesondere der tribalisch anmutende Chorgesang und vor allem die sich im Verlauf immer weiter steigernden Tanzeinlagen des ältesten Bandmitglieds, der auch als Background-Sänger fungierte, wichtig für das Gelingen des Auftritts zu sein. Der "Alte" führte zunächst wie ein Kind seine Hände zum Klatschen zusammen, um schließlich angetrieben von den Reaktionen des Publikums immer mutiger und wilder zu werden. Am Ende tanzte er wie ein Schlangenbeschwörer hin und her und brachte die Franzosen so gehörig in Wallung. Er schien die Leute aus dem Augenwinkel zu beobachten und freute sich diebisch, wenn sie mitklatschten. Ganz schleichend wurde das Tempo der Musik immer schneller und die Gesten der Musiker selbstbewußter, bis am Ende jegliche Scheu abfiel und sie wild hin und her sprangen. Lediglich Sänger Ibrahim blieb stoisch und bewegte sich kaum. Auch seine Mimik war sehr spärlich. Er schien der schüchternste Musiker von Tinariwen zu sein, so etwas hatte ich von einem Sänger auch zuvor noch nicht gesehen.

Was er da so sang, war für mich übrigens logischerweise nicht verständlich, da ich der Sprache Tamashek, der sich Tinariwen bedienen, nicht mächtig bin, aber das machte nichts. Musik muß man fühlen und Emotionen haben Tinariwen nicht nur bei mir ausgelöst. Sicherlich kein Stil für's tägliche Hören, aber wenn man sich auf die für unsere Ohren leicht exotischen Klänge einlässt und sich dabei beispielsweise eine karge Wüstenlandschaft vorstellt (was man aber nicht zwangsläufig muß!), so kann man schnell dem hypnotischen Zauber, der "Aman Iman" innewohnt, verfallen!

Später am Nachmittag heizten dann die Franzosen von Superbus dem Publikum
vor der Hauptbühne ein. Die fünfköpfige Band wird angeführt von der bildhübschen und äußerst stylishen Jennifer Ayache, die ein paar Jahre ihres Lebens in den USA verbracht hat. Die tollen schwarzen Haare, die super Figur von Jennifer und ihre modischen roten Lackschuhe waren leider aber auch schon das Beste am Set der in den Charts extrem erfolgreichen Lokalmatadoren, denn ihre Musik ist leider höchstens Mittelmaß. Mit ihrem auf kommerziell getrimmten Allerweltsrock, den sie zum Großteil auf französich singen, schafften sie es zwar für ordentliche Stimmung zu sorgen, aber nicht mein Indie-Herz zu gewinnen. Im Grunde genommen ziehe ich charmant gemachten Pop diesem Pseudo-Rock allemal vor, auch wenn das abschließende Stück "Butterfly" durchaus das Zeug zu einem sog. guilty-pleasure hat (guilty pleasure = Lieder aus den kommerziellen Charts, die man eigentlich hassen will, aber klammheimlich unter der Dusche singt...).

Der Abend war schon eingefallen, als der schwedische Singer/Songwriter Peter von Poehl sein Set auf der zweiten Nebenbühne begann. In Frankreich ist der Mann
spätestens seit dem Erscheinen seines 2006er Albums "Going Where The Tea Trees Are" in Insiderkreisen eine Art Star. In der Jahresbestenliste 2006 der renommierten Zeitschrift "Les Inrockuptibles" (Inrocks) erreichte der Longplayer einen der vorderen Plätze.

Im Grunde genommen ist Peter ja auch schon ein bißchen ein Franzose, denn er lebt schon lange in Paris, beherrscht die Sprache folglich sehr ordentlich und musizierte bereits als Gitarrist in der Band von Bertrand Burgalat, AS Dragon. Ob seine Solokarriere wohl auch in Deutschland
in die Gänge kommt? Zu wünschen wäre es ihm, schließlich ist das Album inzwischen in Germany erschienen und Herr von Poehl wohnt sogar neuerdings in Berlin.

Heute hatte er sogar eine richtige Band dabei, mit Tropeter, Saxophonist und Klarinettist, was den Sound
deutlich aufmöbelte. Leider war der junge Schwede stimmlich dieser Hintergrundmusik nicht völlig gewachsen, denn oft hatte er gerade in den hohen Lagen so seine Probleme, sich gegen seine Musikerdurchzusetzen. Ich denke, Peter von Poehl sollte man lieber in kleiner intimer Atmosphäre in einem kuscheligen Club genießen, als auf einem Festival. Allerdings wurde er im Verlaufe des Konzerts immer sicherer und besser und setze mit dem flotten "Broken Skeleton Key" ein echtes Highlight. Fast noch schöner war gleich im Anschluß das wundervolle "Going Where The Tea Trees Are", bei dem der Saxophonist seinen großen Einsatz hatte. Auch "The Story Of The Impossibel" und das abschließende "Lost In Space" gefielen mir, aber als es gerade am Schönsten geworden war, mußte man sich Richtung Hauptbühne bewegen, um nicht den Beginn der Queens Of The Stone Age" zu verpassen.

Hier ist die Setlist von Peter von Poehl vom Furia Sound Festival:

01: Little Creatures
02: Travelers
03: Scorpion Grass
04: Tooth Fairy Part 2
05: The Lottery
06: A Broken Skeleton Key
07: Going Where The Tea Trees Are
08: The Story Of The Impossible
09: Lost In Space

Vom Auftritt der Queens Of The Stone Age hatte ich ja ausführlich berichtet, aber noch nicht von der anschließenden Performance der Kanadier von You Say Party! We Say Die! Angeführt von der quicklebendigen Becky Ninkovic gab das Punk-Quintett von Beginn an mächtig Gas und sorgte so für einen gelungenen Abschluß des Abends. Gerade ist ihr zweites Album "Lose All Time" erschienen und schon setzt es wieder herbe Kritik von Seiten der Musikjournalsiten. Der NME verteilte z.B. nur fünf Punkte und schließt sich somit der Schaar der Lästerer an, die YSP!WSD! für banal und wenig originell halten. Vielleicht sollten sich die Schreiberlinge die Kandier erst einmal live zu Gemüte führen, bevor sie urteilen, denn wie schon bei meinem ersten Konzert, enttäuschte mich die Gruppe keineswegs. Bereits der Opener "The Gap" vom Debütalbum ging gewaltig in die Beine und bestätigte mich in der Auffassung, daß die Band einfach unterschätzt wird. Zwar mag die Musik der Nordamerikaner über eine gesamte Albumlänge etwas monton sein, live ist aber auf jeden für Kurzweil gesorgt. Die neuen Titel wie "Downtown Mayors", "Quite World", oder "Opportunity" zogen schon sehr gut, aber selbstverständlich war das alte "Stockholm Syndrom" Abräumer des Abends. Überhaupt schien die Kapelle im siebten Himmel zu sein, denn sie spielten auf dem gleichen Festival wie ihre großen Vorbilder Sonic Youth. "A dream came true, we can die now", kommentierte Becky dieses Ereignis. Außerdem: "We never played on a festival at night, normally we have to perform in the early afternoon". So kann es gehen, heute fielen Ostern und Weihnachten halt eben zusammmen! Sogar eine Zugabe (relativ ungewöhnlich bei Festivals) durfte sie noch abfeuern, denn schließlich solle man ja nicht ohne "Midnight Snack" nach Hause gehen. Stimmt, aber das Lied reichte nicht, um meinen leeren Magen zu füllen, vor der Heimreise würgte ich noch einen relativ ekligen Döner hinunter, um die Rückfahrt nach Paris zu überstehen...

Auszug aus Der Setlist You Say Party! We Say Die! : (in der richtigen Reihenfolge)

- The Gap
- Five Year Plan
- Cold Hands! Hot Bodies!
- Downtown Mayors
- Quiet World
- Opportunity
- Stockholm Syndrom
- Giant Hands

- Midnight Snack (Z)


Freitag, 17. November 2006

You say party! We say die!, We are Scientists, Paris, 16.11.06

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Konzert: You say party! We say die! & We are Scientists
Datum: 16.11.2006
Location: La Maroquinerie, Paris
Zuschauer: ausverkauft


Eigentlich hatte ich mich pünktlich in meine ultracoolen texanischen Cowboystiefel von Lucchese geschwungen, aber die durch den Aufriß der kompletten rue de menilmontant entstandenen Bauarbeiten, die für Verspätungen im Busverkehr sorgten, verhinderten wieder einmal ein rechtzeitiges Eintreffen.

Somit mußte ich den ersten Act des jeden 3. Donnerstag stattfindenden Inrocks-Indieclub ausfallen lassen, es handelte sich um Tchen Tchen. Wenigstens war ich aber pünktlich für die aus Vancouver, Kanada stammenden You say party! We say die! Der heutige Abend stellte ein wenig ein Kontrastprogramm zu meinem gestrigen dar, den ich auf dem Hausboot Batofar verbracht hatte. Dort spielten durchweg französische Dreampop-Gruppen, wie z.B. Chateau Marmont, Tahiti 80 und Fugu. Heute war eher rockigeres bis punkigeres angesagt. Punk ist das Stichwort, denn den Stil der Kanadier kann man als Punk-Pop bezeichnen, der im Moment ziemlich angesagt ist, was erfolgreiche Gruppen wie die Yeah Yeah Yeahs, Be your own pet und Love is all belegen. All diese Gruppen eint wohl mehr oder weniger, daß sie Abkömmlinge von Blondie sind. Los ging es mit "Stockholm Syndrome Teil 1 und Teil 2", um dann schon den bisher größten Hit "You did it" folgen zu lassen. Dem Publikum gefiel's, mir auch. Damit hatte die Band um die braungelockte, freche Sängerin Becky aber bereits ein paar der besten Lieder verbraten. Nicht, daß der Rest des Sets schlecht war, nein, nein, aber man merkte doch so langsam, daß sich die Songs alle ein wenig ähneln. Vielleicht deshalb auch der Kommentar von Becky: "Wir spielen heute einige neue Stücke, einige der alten langweilen uns schon." Ich fragte mich, was alt bedeutet, denn das Debütalbum ist gerade erst erschienen. Die "neuen" Titel waren auf jeden Fall nicht übel, genannt seien hier "Poison Preachers" und "Sugar Monster". Den Kanadiern selbst machte es sichtlich Spaß in der französischen Hauptstadt zu spielen. "It's our first time in Paris, we are so excited." Ein paar der Zuschauer fragten bereits, wann sie denn wiederkämen. "Oh, frühestens im Frühjahr, leider.." Vielleicht werde ich dann auch dabei sein, denn was hier geboten wurde, war zumindest kurzweilig, wenngleich nicht sonderlich originell. Aber es muß ja auch nicht alles immer innovativ sein, um die Leute aufzuwärmen hat es allemal gereicht.

Setlist:
01: Stockholm Syndrome, Part 1
02: Stockholm Syndrome, Part 2
03: You did it!
04: Mayors (neu)
05: Five year plan (neu)
06: Midnight snack
07: Love in the new millenium
08: Poison Preachers (neu)
09: Sugar Monster (neu)
10: Cold hands, hot bodies
11: Me, She....

12: The Gap (between the rich and the poor)
13: Care (neu)

Die anschließenden Umbauarbeiten dauerten dann ziemlich lange, belustigend war allerdings, daß die Roadies T-Shirts von Metallica, bzw. den Arctic Monkeys trugen.

Um zehne ging dann das Licht aus und zum siebten Male hieß es für mich: "Hello we are Scientists". Eigentlich war es aber eine Premiere, denn die Wissenschaftler hatte ich bisher immer nur als Vorgruppe oder im Rahmen von Festivals gesehen.

Der Beginn war aufgrund der umfangreichen Schilderung von Christoph dann keine Überraschung mehr, denn zur Verblüffung der Nichteingeweihten erklang "Against all odds". Die Amerikaner scheinen vor nichts zurückzuschrecken! Relativ bald verklang aber die schmalzige Nummer und es ging mit meinem Lieblingslied "Cash Cow" gleich in die Vollen. Der Auftakt war also gelungen.

Nach ein paar mäßigeren Titeln wurde ich aber wieder daran erinnert, daß We are Scientists leider nicht beständig gut sind. Mir schwante auch woran das lag: Sänger Keith hat schlichtweg keine überragende Stimme! Die melodiösen Gitarrenriffe, markanten Bassläufe und vor allem das stakkatoartige Schlagzeug sind aber schon was Feines. Diese Stärken kamen dann insbesondere bei "Nobody move..." oder auch "Lousy reputation" zur Geltung. Dazwischen aber immer wieder durchschnittliche Kost, wozu ich auch leider die meisten neuen Songs zählen muß. Ich weiß nicht, ob das zweite Album ein großer Wurf wird. Schaun' mer mal. Immer wieder lustig allerdings die Dialoge zwischen Sänger Keith und Bassist Chris. Erinnerte fast ein wenig an Kienzle & Hauser. So erklärten sie uns z.B. warum sie Bodyguards bräuchten ("wir reden immer so viel dummes Zeug, das könnten ein paar Leute mißverstehen") und daß sie gerne noch in Paris blieben und nicht viel Lust auf den anstehenden Gig in Lille hätten. "Paris ist toll, wir haben schon ein englichsprachiges Kino ausfindig gemacht, das reicht uns schon.." Zum Ende hin wurde aus auch noch mal musikalisch stärker, denn sie brachten die Zugnummern "Inaction" und "The great escape". Dann verließen sie die Bühne und jeder dachte, es sei zu Ende. Zur Überraschung aller kamen sie aber noch mal zurück und beendeten das Konzert, wie sie es begonnen hatten. Mit einer Coverversion nämlich und zwar der Schmonzette "Be my baby" von den Bay City Rollers (oder war das von den Searchers?). Ein versöhnlicher Abschluß eines Konzertes einer passablen Band, die, wenn auch musikalisch nicht ganz in der Champions-League des Indie-Rock spielend, doch zumindest immer wieder sehr unterhaltsam ist.

von Oliver



 

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