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um
17:07
Konzert: Sophie Jamieson
Ort: Theater der Wohngemeinschaft, Köln
Datum: 08.02.2014
Dauer: Sophie Jamieson knapp 60 min, Precious Few 35 min
Zuschauer: etwa 70 (wohl ausverkauft)
"It's the last show of our tour. It has to be perfect!" Eines der ersten Konzerte der ersten Deutschland-Tour der Briten hatte ich vor zwei Wochen in Darmstadt gesehen. Dort galt mein Hauptaugenmerk aber der wundervollen Hauptgruppe Lanterns On The Lake (die früher im Januar auch schon in der Wohngemeinschaft gespielt hatten). Trotz meiner Konzentration auf die andere Band, beeindruckten mich Sophie Jamieson sehr! Das wollte ich noch einmal sehen.

Der Plural bei Sophie Jamieson ist kein Tippfehler. Hinter dem Namen der Sängerin verbirgt sich eine vierköpfige Band - oder wie die junge Londonerin sagte "our name is Sophie Jamieson, which is my name." Und daß diese Aussage Sinn macht, merkte man an den beiden ersten Liedern des Konzerts. Es begann mit Catch you cry, einem unveröffentlichten Stück, bei dem zwar auch der zweite Gitarrist Liam mitspielte, Bassist Alex und Schlagzeuger Amos noch nicht eingriffen. Das Lied war sehr schön, aber durch den Einsatz der beiden zusätzlichen Musiker* wurde es danach richtig fabelhaft. Ich wollte das nicht wieder bemühen, die Arrangements ähneln stilistisch aber dem Songwriting von Daughter, ohne nach einem Abklatsch zu klingen. Die Art, die Gitarre und das Schlagzeug zu spielen, könnte auch von der anderen Londoner Band, die ich so liebe, stammen.

Dieses zweite Lied (Glass) stammt auch nicht von der bisher einzigen Veröffentlichung von Sophie Jamieson, der EP Where. Aber es wird ganz sicher auf einer Debüt-Platte zu finden sein, es war hervorragend! Das dritte, Dinah, ist zur Zeit mein Liebling. Phänomenal schön passen Sophies dunkle Stimme, ihre akustische Gitarre, die hochmelodiöse Gitarre von Liam, das zaghafte Schlagzeug und ein fantastischer Bass zusammen. Das klingt übertrieben? Quatsch, das wird der Liveperfomance kaum gerecht. Dazu kam glücklicherweise noch ein perfekter Sound. Alle meine Konzerte in der Wohngemeinschaft klangen gut, das von Sophie Jamieson ganz besonders!
Man merkte der Band an, daß ihr die euphorischen Reaktionen des sitzenden Publikums Sicherheit gab. Nervös war auch höchstens die Sängerin zwischen den ersten Liedern, ihre Ansagen wirkten so - oder eben sehr schüchtern. Nach und nach kam mehr Sicherheit dazu. Wobei auch kein Grund für Selbstzweifel da war, dafür ist die Musik der jungen Londoner zu gut und sicher!
Gerade unter den Liedern, die nicht auf der EP sind, waren einige reisige Perlen! Take zum Beispiel mit seiner dynamischen zweiten Hälfte ist brillant! Oder das Doppel Stain und Other, das die Band kürzlich aufgenommen hat und in "ein, zwei Monaten" veröffentlichen wird, war toll. Besonders fiel mir dabei wieder das Postrock-Gitarrenspiel von Liam auf! Hervorragend sind auch die Elemente, bei denen der Gitarrist sein Instrument mit einem E-Bow und Alex Bass mit Geigenbogen spielt.
Ein anderer großer Hit beendete das Konzert zunächst. Ode to the east, das Sophie herrlich vernuschelt angesagt hat, mit seiner langsamen Steigerung ist ein Knüller!
Es war ja eine Headliner-Show, es wäre also bei dem langanhaltenden Applaus nicht möglich gewesen, so zu verschwinden. "In London werden wir nie zurückgerufen," sagte die Sängerin. "Aber wir haben noch genau ein Lied!" Das Stück war Give und ist auch unveröffentlicht. Das Lied blieb sehr ruhig ohne große Ausbrüche, durch das hervorragende Zusammenspiel der vier tollen Musiker aber alles andere als eintönig.
Weil der Applaus auch danach nicht abriß, kam Sophie noch einmal alleine zurück. Sie könne noch ein Lied (Chase) spielen, von dem es noch keine Bandversion gebe. "Der Song klingt bald anders." Es war ein schöner Schlußpunkt und ein Vorgeschmack auf mehr! Sophie Jamieson wird spätestens 2015 das Haldern-Festival begeistern! Ich bin es nach meinem Konzert vollkommen!
Setlist Sophie Jamieson, Die Wohngemeinschaft, Köln:
01: Catch you cry
02: Glass
03: Dinah
04: I don't
05: Take
06: Stain
07: Other
08: Waterloo
09: Ode to the east
10: Give (Z)
11: Chase (Sophie solo) (Z)
Vorgruppe des Abends war eine Band, die ich 2010 schon einmal als Support von The Wedding Present gesehen hatte. Precious Few kommen aus Bonn und sind ein Duo (Barbara, Gesang und Melodica und Christian, akustische Gitarre). Barbaras Stimme ist tief und bluesig, die Stücke sind sehr reduziert. Einige der Lieder, unter anderem Precious life, das von einem Telefonat von Barbara mit ihrem früheren Chef handelt, in dem sie ihren Job gekündigt hat, hatte ich im Vorprogramm von The Wedding Present auch schon gehört, ich hatte aber wenig Erinnerungen, muß ich gestehen. Das Vorprogramm passte zur Hauptgruppe und kam gut an!
Setlist Precious Few, Die Wohngemeinschaft, Köln:
01: Cliché
02: Barbary Lane
03: Tales
04: The girl
05: Further
06: Virtual love
07: Precious life
08: Follow
Wie toll das Programm der Wohngemeinschaft zur Zeit ist! Nach Moonface und Lanterns On The Lake schon mein dritter hervorragender Konzertabend in dem kleinen Theater. Und es geht so weiter!
Links:
- aus unserem Archiv:
- Sophie Jamieson, Stuttgart, 29.01.14
- Sophie Jamieson, Darmstadt, 25.01.14
- Sophie Jamieson, Darmstadt,
- Precious Few, Köln, 15.10.10
* nach sechs Minuten
um
08:39
Konzert: Sophie Jamieson
Ort: Cafe Galao in Stuttgart
Datum: 29. 01. 2014
Dauer: etwa 60 min
Zuschauer: rappelvoll - etwa 70-80
Quietly, you catch the dark (aus Glass)
Ich sprach hier schon kürzlich darüber, dass ich gerade im siebten Himmel bin. Und nach dem wunderbaren Konzert in Darmstadt nutzte ich natürlich auch die zweite Gelegenheit, Sophie Jamieson mit ihrer Band live zu erleben. Im schönen Café Galao hatte ich außerdem eine nette Weiberrunde dabei. Schon gleich nach der Arbeit hatten wir uns verabredet zum essen und quatschen - und um einen Platz an der Bühne zu haben!
Es war ein wunderbarer Tag gewesen und ich hatte mich sehr auf den Abend gefreut. Als ich im Galao eintraf, war der Soundcheck im Gange. Das gab mir die Gelegenheit zu einem kleinen Hallo und ein paar Fotos, die dann später im Konzert niemanden stören würden. Kurz danach trafen auch die anderen ein und wir stellten fest, dass wohl noch viele andere die gleiche Idee gehabt hatten: Das Cafe war schon zwei Stunden vor Konzertbeginn gut gefüllt.
Ab da wurde es stetig voller und voller und sich zu unterhalten immer schwieriger. Alle verfügbaren Sitzgelegenheiten wurden an den Start gebracht und zur Toilette konnten wir vor dem Konzert nur noch durchs Fenster über den Bürgersteig und zur Tür wieder herein... Schön, als dann 20:40 Uhr endlich die Musik losging.
Nicht nur vor sondern auch auf der Bühne war es einigermaßen eng. Als der Bass gestrichen wurde, musste ich bei mir denken, dass der Bart auch keinen Millimeter länger sein dürfte, um nicht im Stück mitzuspielen.
Im Vergleich zum Samstag erwartete ich, dass die Band hier wohl ein bisschen mehr Zeit für ihr Set haben würde. Das erwies sich als zutreffend, wenngleich ich gern noch 1-2 mehr Lieder gehört hätte. Angenehm fiel mir auf, dass Sophie deutlich selbstbewusster - mehr angekommen - schien. Die Ansagen waren alle verständlich und mitunter richtig witzig und mit einem verschmitzen Lächeln garniert. Das Publikum umarmte sie von Anfang an mit Welcome und reichlich Applaus, als sie erzählte, dass sie sich das erste mal von ihrer britischen Insel runter getraut hätten...

Das Set hatte für mich viele Stellen, die mir in ihrer Vertrautheit schmeichelten, aber auch interessante Neuentdeckungen wie Glass und Take. Bei Glass notierte ich mir die Zeile These are the wars that I can win vom Text und dachte - die lyrics muss ich doch noch einmal anschauen. Welche Kriege traut sie sich hier zu? Das The weight comes zeigte sich ein wenig getriebener als auf der CD, aber nicht weniger schwermütig, Dinah bestach durch die innige Melodie (fast als wäre es ein Wiegenlied für ein Baby). Bei I don't beglückwünschte ich mich schließlich endgültig, nach Stuttgart gekommen zu sein. Emotionaler und stärker geht es wirklich nicht!
Beim als neues Stück angekündigtem Take war ich wieder ganz bezaubert vom expressiven Schlagzeug (wie ja schon in Darmstadt) und während Other kam es fast zum Schwertkampf der Gitarrenhälse, als die Gitarre massiert und verhauen wurde und das nur Zenitmeter neben dem Bass.
Bei Ode to the East war mein live-Faszinosum zuerst der gestrichene Bass. Eigentlich ist ja in diesem Song alles ganz, ganz ruhig und lebt von ganz verinnerlichten Emotionen, aber wie sich der Song live ins hymnische steigerte, war Wahnsinn, zumal es dabei gar nicht laut sondern nur intensiver und intensiver wurde. Und als es schließlich kurz vor Ende einen Moment ganz still wurde war die wieder einsetzende Stimme von Sophie messerscharf im Ziel und schnitt mir das Herz heraus. Was diese schüchterne Frau da mit sparsamsten Pinselstrichen vermag! Und wie eindrucksvoll es mit diesen Bandgenossen funktioniert.
Es gibt noch Konzerttermine in Deutschland. Mehr muss ich hier sicher nicht sagen...
Setlist:
01: The weight comes
02: Glass
03: Dinah
04: I don't
05: Take
06: Stain
07: Other
08: Ode to the east
09: Give (Z)
Aus unserem Archiv:
Einladung zu den Konzerten (Oliver)
Sophie Jamieson, 25. Januar in Darmstadt (Christoph)
Sophie Jamieson, 25. Januar in Darmstadt (Gudrun)
um
17:09
Kirchenkonzert der Bedroomdisco mit
Sophie Jamieson und Lanterns on the Lake
Ort: Friedenskirche in Darmstadt
Datum: 25. Januar
Dauer: 40 min + 65 min
Zuschauer: knapp 400
Im September 2013 habe ich mich verliebt. Die Stimme von Sophie Jamieson war in mein Leben getreten und seitdem lief die wundervolle Musik der EP Where immer und immer wieder zum morgendlichen Tee. Wir hatten schon angefangen Pläne zu machen für ein Wohnzimmerkonzert in Karlsruhe, als sich herausstellte, dass es Anfang 2014 tatsächlich einige Konzerte in Deutschland geben würde. Die Termine in Darmstadt und Stuttgart hatte ich mir fest vorgemerkt und als klar wurde, dass es sogar ein gemütliches Kirchenkonzert geben würde, konnte ich auch Begleitung mit Auto besorgen und mich ganz und gar auf den Darmstädter Abend freuen.

Christoph war scharf auf Lanterns on the Lake, ich voller Vorfreude auf das Liveerlebnis mit Sophie Jamieson - wir trafen uns schließlich in Darmstadt, um uns beide unsere Wünsche von der Bedroomdisco erfüllen zu lassen. Und die Friedenskirche erwies sich als ein wunderbar einladender Ort mit besten Voraussetzungen für einen schönen Abend mit Musik. Alle standen unter dem Eindruck, dass dies ein besonderer Abend werden würde.
Es war der erste Abend der Tour außerhalb der britischen Insel für Sophie und ihre drei Männer Liam Hoflay, Alex Betancourt and Amos Memon. Ich glaube, sie waren ein bisschen geplättet, dass es gleich mit einem so großen Format begann und alle Ansagen von Sophie waren ganz verhuscht, weil sie sich wohl am liebsten verkrochen hätte.
Aber musikalisch gab es nichts zu verstecken. Im Gegenteil passte die spröde und sich Minute um Minute entfaltende Musik wunderbar in diesen Rahmen. Das Publikum war ganz aufmerksam und honorierte das gehörte mit enthusiastischem Applaus.
Überraschend für mich war es, wie sehr mich beim Liveerlebnis die Beiträge der Mitmusiker fesselten. Ihre Beiträge höre ich nun auch von Konserve ganz deutlich: Das behutsame Spiel des Schlagzeugers mit einer bemerkenswerten Frisur; den Mann am Bass, der bei einigen Stücken, die Saiten strich und die ganze Zeit wie ein guter Junge rüberkam und den Mann an der E-Gitarre, der ganz kunstvoll und filigran seine Akzente setzte. Sie alle machten die Stücke erst so intensiv, dass es die Balkendecke der Kirche immer wieder mal ein Stück weit anhob, obwohl es nie wirklich laut wurde.
Nach für meinen Geschmack etwas zu langer Pause ging es schließlich mit Lanterns on the Lake weiter. Es begann mit einem zünftigen Walzer und die gestrichene Gitarre rechts vorn war der Hingucker. Man sollte für ihn den Preis des hingebungsvollsten Gitarristen einführen!
Später wurde es ordentlich laut, es rumste und krachte. Zum Teil intensiv, zum Teil für mich auch zu Schlagzeug-betont. Was ich besonders schade fand bei der eigentlich sehr filigran zusammengebauten Musik. Damit wurde nämlich z.B. die exzellente Geige zugedeckt, die in den leiseren Stücken für mich einfach nur wunderbar anzuhören war. Aber das ist jammern auf hohem Niveau, denn natürlich haben mich die fünf Musiker mit diesem Konzert ganz für sich eingenommen und damit einen neuen Fan gewonnen.
Liebe Bedroomdisco - bitte weiter so!
Aus unserem Archiv:
Lanterns on the Lake, Darmstadt, 25.01.14 (Christoph)
Lanterns On The Lake, Köln, 23.01.14
Lanterns On The Lake, Köln, 09.11.11
Lanterns On The Lake, Paris, 05.11.11
Lanterns On The Lake, London, 07.09.11
Mehr Bilder:
um
15:52
Konzert: Lanterns On The Lake & Sophie Jamieson
Ort: Evangelische Friedensgemeinschaft Darmstadt (Bedroomdisco)
Datum: 25.01.2014
Dauer: Lanterns On The Lake knapp 65 min, Sophie Jamieson 40 min
Zuschauer: 370 (ausverkauft)
"You're a little bit scary!" Sophie Jamieson, die junge aus London stammende Musikerin, die das erste Kirchenkonzert der Bedroomdisco eröffnete, war sichtlich beeindruckt von der vollen Kirche der evangelischen Friedensgemeinde. Sie habe mit ihrer Band schon ein paar Konzerte in Kirchen gespielt, dies sei das größte - und überhaupt das größte Publikum.
Sobald die Lieder begannen, war von Sophies Nervosität nichts mehr zu spüren. Ihre Stücke, die an Daughter erinnern, leben von der ungewöhnlich tiefen Stimme der Sängerin und den enorm spannenden Arrangements.
So hatte das Spiel des Schlagzeugers Amos immer wieder Pausen. Er trommelte kaum wirklich lange Passagen. Mir fallen Schlagzeuger selten auf, da bin ich recht ignorant, Amos' Art, seine Instrumente zu bedienen, faszinierten mich aber sehr. Vielleicht hat er aber auch ein wenig betrogen, um Aufmerksamkeit zu bekommen, die abstehenden Fasern seines Wollpullovers wurden von einem Strahler hinter ihm nämlich angestrahlt, sodaß er eine Art blaue Auro um sich hatte.
Zu Sophies Band gehören außerdem Gitarrist Liam und Bassist Alex, die sicher genausoviel Aufmerksamkeit verdient gehabt hätten! Bei Stain (einem wohl unveröffentlichten Stück, es ist jedenfalls nicht auf der Debüt EP Where) spielte Liam eine ganz großartige Gitarre, sehr toll!
Sophies Stücke sind melancholisch und sicherlich nicht so (im Indierahmen) massentauglich wie die von Daughter, um noch einmal diesen vielleicht arg konstruierten Vergleich zu bemühen. Aber sie sind vor allem wunderschön und kamen sehr zu recht beim furchterregenden Publikum (und mir) hervorragend an!
Setlist Sophie Jamieson, Bedroomdisco, Darmstadt:
01: The weight comes (?)
02: Dinah
03: I don't
04: Stain
05: Other
06: ?
07: Ode to the east
08: Waterloo
Bei Lanterns On The Lake wusste ich, was mich erwartet. Am Donnerstag hatte ich die Band aus Newcastle in Köln gesehen und war begeistert. 2011 hatte ich schon einmal ein Lanterns On The Lake Konzert in Köln erlebt, ohne vorher viel von der Band zu kennen. Eine weitere englische Folkband hatte ich erwartet, die Postrock-Elemente, teilweise mit drei Gitarren gespielt, hatten mich überrascht und umgeworfen!

In den letzten zweieinhalb Jahre hat die Band einiges erlebt. Zwei Gründungsmitglieder, die beiden Brüder Adam und Brendan Sykes, verließen die Gruppe, die anderen entschieden sich, ihre Jobs aufzugeben und sich ganz auf ihre Musik zu konzentrieren. Adam war einer der Sänger. Auf der ersten Platte gab es Lieder, bei denen er die erste Stimme singt. Also änderte sich auch der Stil der Musik ein wenig. Zwar singen auch Schlagzeuger Oliver und Gitarrist Paul. Vor allem Paul macht dies aber sehr ungern bei Konzerten. Und weil er auch beide Platten produziert hat, regelt er auch auf Platte seine Stimme runter, wie mir Sängerin Hazel und Oliver vor dem Konzert in einem Interview verrieten. Ich mag Duett-Elemente bei Bands enorm gerne, die der Nordengländer erinnerten mich manchmal an The xx beim ersten Konzert. Das gibt es jetzt nicht mehr, es fehlt mir aber zu meiner großen Überraschung gar nicht. Sowohl die zweite Platte, als auch die beiden Konzerte in neuer Konstellation gefielen mir noch besser als die ersten.

Das Konzert in dem großen, sehr schlichten aber eleganten Kirchengebäude begann gleich wie das in dem winzigen Theater der Wohngemeinschaft in Köln. Nur saß Hazel Wilde nicht am Klavier sondern am Keyboard. Picture show stammt vom im vergangenen Jahr erschienenen Album Until the colours run und ist auf den ersten Blick nicht eines der zwei, drei auffälligsten Lieder der Platte. Aber es wird immer besser, vor allem live. Die Gitarre von Paul, die das Klavierspiel begleitet, ist grandios! Nach meinem ersten Konzert hatte ich die Ausbrüche, in die einige der Lieder münden und bei denen drei Gitarren zum Einsatz kamen, mit Bands wie Explosions In The Sky vergleichen, obwohl dies absurd erscheint. Allerdings sind diese Postrockelemente durchaus ähnlich. Aber auch bei einem eher ruhig verlaufenden Stück wie Picture show klingt Pauls manchmal wahnwitzig schnell gespieltes Instrument so gar nicht nach einer Band, die man irgendwie mit Folk verbindet (was ich getan hatte, bevor ich sie live gesehen habe). Lanterns On The Lake klingen durch die Kombination stillerer Elemente, Hazels wunderbare Stimme, das meist sehr zurückhaltend gespielte Schlagzeug und die schnellen Gitarren - und natürlich die immer wieder eingesetzten Krachelemente - vollkommen eigen und enorm toll! Je häufiger ich die Band höre, desto spannender wird sie. Und das ist wirklich eine Seltenheit.

Natürlich überraschte es mich nicht, als ich neulich gelesen habe, daß Lanterns On The Lake Explosions In The Sky in Großbritannien supportet haben.
Einer der großen Hits (der besonders großen Hits) folgte danach, Elodie, das einen symphonischen Beginn hat. "Cinematic post-pop" hat das irgendwer mit mehr Ahnung genannt. Mir sind solche Genrebezeichnungen oft vollkommen egal, diese (wenn ich sie richtig verstehe) trifft die Art der Musik aber gut. Und sie klingt toll! Bei Elodie war mir das Schlagzeug bloß einen Tick zu laut (auch schon in Köln), das einzige klitzekleine Haar in der Kirchenkonzert-Suppe.
Eines der besten Stücke des Abends war A kingdom von der ersten Platte. Dabei spielt Hazel Mundharmonika, allerdings auf eine solch zurückgenommene Art, daß ich, wenn ich es nicht gesehen hätte, das Instrument nicht erkannt hätte. Bassist Andrew bediente ein Harmonium (denke ich), und das Stück mündete in einem dieser lauten Enden mit Gitarrist Paul, der auf die Becken einschlug, um am Schluß die drei Altartreppen runterzuspringen, um an seinen Platz zurückzukommen. Großartig!
Ships in the rain, Another tale from another English town, The ghost that sleeps in me... alles wundervolle Lieder, die im Wechsel alles Lieblinge sind.
Im Vergleich zu Köln waren zwei zusätzliche Stücke im Programm, Tricks vom Debüt und The buffalo days vom zweiten Album. Bei The buffalo days hatte ich irgendwann nur noch Augen für Paul, der in einer absurden Geschwindigkeit Gitarre spielte. Dieser sich selbst enorm toll findende Geiger David Garrett ist angeblich der schnellste Violinist der Welt (mit Guinness Rekord). Gegen Pauls Geschwindigkeit ist er nicht nur albern sondern auch lahmarschig.
Wie in Köln war auch das herrliche Sapsorrow (von der Lungs quicken EP von 2010) Teil des Programms ("that's the one, where the drummer sits behind the drumset!"). So weit, so gut. Aber die besten Stücke kamen am Ende...
Not going back to the harbour beendete das reguläre Set. Der Schluß des Lieds war für mich nicht mehr überraschend, aber es war wieder so unendlich schön! Am Ende des Stücks, wenn bei anderen Lieder die Lautstärke explosionsartig ansteigt, wird es in der Liveversion dieses Stücks plötzlich leise. Hazel, Paul und Oliver singen unverstärkt die letzten Zeilen. "I'm not going back to the harbour, I'm not going back to my old life." Der Text entstand, als die Band entscheiden musste, wie es weitergeht und sich Hazel, Geigerin Sarah, Paul und Oliver festlegten, die Band zum Beruf zu machen. Wenn nur alle schwierigen Entscheidungen solch wundervolle Folgen wie dieses Lied hätten!
Die erste Zugabe war Green and gold, ein Solo-Piano Stück, auf dessen Studioversion man laut Hazel den Staubsauger der Reinigungskraft des Proberaums hört. Die Band kam anschließend zurück, um mit Until the colours run und I love you, sleepyhead die (jetzt wirklich) besten Stücke des Abends zu spielen. Die langsame Lautstärken-Steigerung bei I love you... ist das perfekte Ende eines solchen Konzerts!
Das Wagnis, die Wohnzimmerkonzerte des Bedroomdisco in eine mit fast 400 Leuten besetzte Kirche auszudehnen, ist vollauf geglückt. Wieder einmal hat das Darmstädter Team einen wundervollen Konzertabend veranstaltet. Ich kann die Events der Bedroomdisco nur wärmstens empfehlen!
Setlist Lanterns On The Lake, Bedroomdisco, Darmstadt:
01: Picture show
02: Elodie
03: A kingdom
04: Ships in the rain
05: Another tale from another English town
06: The ghost that sleeps in me
07: The buffalo days
08: Sapsorrow
09: Tricks
10: Not going back to the harbour
11: Green and gold (Hazel solo) (Z)
12: Until the colours run (Z)
13: I love you, sleepyhead (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Lanterns On The Lake, Köln, 23.01.14
- Lanterns On The Lake, Köln, 09.11.11
- Lanterns On The Lake, Paris, 05.11.11
- Lanterns On The Lake, London, 07.09.11