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Donnerstag, 30. Mai 2013

Prag, Köln, 28.05.13

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Konzert: Prag 
Datum: 28.05.2013 
Ort: Werkstatt, Köln 
Zuschauer: Ca. 150 
Dauer: Ca. 105 Minuten 


von Ursula von neulich als ich dachte


Seit letztem Freitag bin ich Besitzerin einer Bahncard 100, was mich dazu befähigt, ohne weitere Kosten ein Jahr lang innerhalb Deutschlands jeden Zug zu nehmen. Das befähigte mich, vorgestern nach dem Büro mal eben in den Schnellzug nach Köln zu steigen und dort in der Ehrenfelder Werkstatt ein Konzert der Band Prag zu besuchen. 

Prag sind vor allem dafür bekannt, dass ihr prominentestes Mitglied die Schauspielerin Nora Tschirner ist. Leser des Konzerttagebuchs konnten sich aber schon in nicht weniger als drei positiven Rezensionen darüber informieren, dass die Band nicht nur ein Promi-Vehikel ist. 

Kennt man diese Berichte, stellt man fest, dass am Dienstag vieles "wie sonst" war, insbesondere die Setliste, die ist nämlich bei allen Konzerten der aktuellen Tournee gleich. Los ging es also auch in der Werkstatt mit dem Instrumentalstück "Leisetreter", für das zunächst eine aus drei Streichern (Geige, Bratsche, Cello), einem Trompeter, einem Keyboarder, einem Schlagzeuger und einem Bassisten bestehende, komplett schwarzweiß gekleidete Band einlief, dann auch die drei Protagonisten Erik Lautenschläger, Tom Krimi und Nora Tschirner. 

Nach dem ersten Lied mit Text, "Zeit", forderte Nora Erik auf, jetzt mal etwas
zum Publikum zu sagen, worauf wir kurz angeleuchtet wurden, damit die Band uns sehen konnte. Nora erzählte, in Köln habe es letztes Jahr bereits ein Prag-Konzert gegeben, und forderte die Besucher, die dort gewesen waren, auf, sich zu melden - was drei auch taten. 

Bei dem recht ausführlichen Geplänkel, vor allem von Nora, zwischen den einzelnen Liedern blieb es den ganzen Abend lang, was dazu führte, dass Prag es trotz ihres übersichtlichen Gesamtwerks auf eine Spiellänge von ca. 105 Minuten brachten. So ging es auch viel um einen Stuhl, den die ziemlich fortgeschritten schwangere Nora vorsorglich auf die Bühne gestellt bekommen hatte, und zu dem sie erklärte, sie habe ihn zwar ursprünglich haben wollen, er stehe aber eigentlich bloß im Weg. So bekam das Publikum den Stuhl ausgeliehen, um ihn abwechselnd zu nutzen, den frei gewordenen Platz nutzte Nora dann demonstrativ zum Tanzen. Erst für die erste Zugabe ("Einkauf") wurde er dann, wiederum mit vielen Scherzen, kurz zurück gefordert. 

"Wieder gut" wurde - auch das kann man bereits in anderen Berichten lesen - in einer neuen Countryversion dargeboten, von der Erik erzählte, sie sei von Tom arrangiert worden, um ein für alle Mal einen Streit mit Nora zu gewinnen - sie sei nämlich der Meinung, das Lied sei traurig gemeint, während Tom überzeugt sei, das der Text positiv zu verstehen sei. Was nun stimmt, verriet der Liedautor Erik nicht, allerdings meinte er scherzhaft, so, wie es jetzt klinge, sei das Lied sicher nicht gemeint gewesen. 

Extra für den Country-Teil setzte Nora einen Cowboyhut auf, und zwei Kölner Gäste fühlten sich dazu inspiriert, vor der Bühne besonders wild zu tanzen - auch zu "Warten", das sich ohne Unterbrechung anschloss. Diese Kölner! Sobald man irgendwo den Hauch einer Verkleidung sieht, denken sie, es sei Karneval! 

Der Band gefiel das Gehopse sehr gut, später gesellte sich Nora sogar kurz zu den vor der Bühne Tanzenden - um danach allerdings festzustellen, dass diese Begegnung hinsichtlich der selbst und vom Publikum empfundenen Peinlichkeit irgendwie wie "Schuldisco unter Fünfzehnjährigen" gewesen sei. Auch der Rückweg auf die Bühne fiel etwas beschwerlich aus, nachdem die Bandkollegen mit dem Kommentar "Nun sieh zu, wie du da wieder hoch kommst!" ihre Mithilfe verweigert hatten. 


Ein weiteres Kompliment erhielt Köln dann, als vor "Und jeder hält die Luft an" von Erik festgestellt wurde, die Bar am Rande des Publikums sei ungewöhnlich leise. Normalerweise nutzt die Band wohl das Gläserklirren als Einleitung zum Song ("Sie steht dort an der Bar und nippt kühl an ihrem Wein"), was angesichts der Abwesenheit von typischen Bargeräuschen nicht so recht klappen wollte. 

Bereits ein Klassiker der aktuellen Tournee ist die Einleitung zum letzten Lied
des Hauptteils, "Argumente 1000fach". Anscheinend war das kurze Intro, das Nora bei diesem Lied auf der Gitarre spielt, so ziemlich das erste, was sie für die Band eingeübt hatte, und sie beherrschte es lange Zeit perfekt. In letzter Zeit hat sich aber eine Blockade eingeschlichen, so dass sie versucht, sich während des Spielens abzulenken, damit sie es nicht verpatzt. Und so wurde das Publikum gebeten, Vorschläge zu machen, wen Nora während des Intros nachmachen könnte. Wir erfuhren auch, dass in den vergangenen Tagen bereits Angela Merkel und Farin Urlaub verwendet worden seien. Til Schweiger lehnte sie ab, weil sie keine Freunde imitieren wolle. Letztlich versuchte sie es mit Helge Schneider - und verhaute das Solo dennoch. Also wurde ein neuer Vorschlag gesucht, und mit Louis de Funes klappte es dann doch noch. 

Bereits vor Ende des Hauptteils war uns auch gesagt worden, dass die Band in jedem Fall für Zugaben zurückkehren werde, wenn wir es auch nur ein kleines bisschen wollten, schließlich seien die Lieder eingeübt - und so kam es dann auch, nach nur einigen Sekunden Pause ging es weiter mit "Einkauf", dem neuen Lied "Kein Abschied" und einer Coverversion der französischen Chansonistin Barbara, die angeblich zwischen Ace of Base und Dr. Alban auf Noras iPod vertreten ist. 

Als allerletzten Abschluss - auch das ist ein regelmäßiges Feature bei dieser Tour - wurde das Publikum darauf trainiert, für das Lied "Schicht im Schacht" eben diese Worte zu singen. Wie hier zwischen den Männer- und Frauenstimmen letztlich ein Kanon entstehen sollte, hat sich für mich zwar nicht wirklich erklärt, auch sonst würde ich den Song nicht gerade als Highlight bezeichnen - dennoch blieb ein positiver und unterhaltsamer Gesamteindruck des Abends zurück. Tatsächlich gefällt mir mittlerweile auch Prags Debütalbum immer besser. Sowohl musikalisch als auch unterhaltungstechnisch ein gelungener Abend und ein guter Einstand für meine Bahn-Dauerkarte. 

Setlist Prag, Die Werkstatt, Köln:

01: Leisetreter 
02: Zeit 
03: Sie ham's ja so gewollt 
04: Sophie Marceau 
05: Zweiter 
06: Einfach 
07: Ende 
08: Wieder gut 
09: Warten 
10: Vögel 
11: Und jeder hält die Luft an 
12: Drehbuch 
13: Bis einer geht 
14: Einfach ist gar nichts 
15: Argumente 1000fach 

16: Einkauf (Z)
17: Kein Abschied (Z)
18: Wenn schon sterben (Z)

19: Schicht im Schacht (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Prag, Frankfurt, 13.05.13
- Prag, Tübingen, 11.05.13
- Prag, Köln, 17.10.12



Montag, 13. Mai 2013

Prag, Frankfurt, 13.05.13

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Konzert: Prag
Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 13.05.2013
Zuschauer: rund 250
Dauer: 100 min



Vor ein paar Jahren habe ich während des Studiums einen Tschechisch-Kurs belegt, obwohl mir als Rheinländer schon die Aussprache des Wortes Tschechisch eigentlich unmöglich ist. Einen romantischen Grund dafür gab es leider nicht, ich kann nicht behaupten, daß ich das für eine große Liebe in Prag gemacht hätte, der ich Schmeicheleien wie "strč prst skrz krk"* ins Ohr hauchen wollte. Seit Luzie, dem Schrecken der Straße und einem Ausflug nach Prag in den späten 80ern mag ich Stadt und Land mit der Sprache, die so schön im Hals kribbelt.

Eine Band, die Prag heißt, passte mir da gut in den Kram. Hätten die drei Musiker, die im vergangenen Jahr erste Konzerte gespielt haben (u.a. in der Kölner KulturKirche), sich beispielsweise Leverkusen genannt, wäre ich heute um einen guten Abend gebracht worden!


Daß Gitarrist Tom Krimi sich über die hessische Aussprache des Mitsinglieds Schicht im Schacht, das Prag nach weit mehr als anderthalb Stunden als letzte Zugabe spielten, amüsiert hat - "es heißt 'Schicht' nicht 'Schischt!'" - passte da ganz wundervoll zu meinem Spracherfahrungen mit Prag und war der komischste (auch so ein schlimmes Wort für mich!) Moment von vielen! Gudruns Urteil vom Tübinger Konzert, daß Prag ein hervorragendes Mittel gegen schlechte Laune sind, bewahrheitete sich auch im Bett, denn meine war vorher eigentlich nicht vorzeigbar.

Prag - Bett... wenn ich nicht Wortwitze so hassen würde, wäre heute Feiertag! Alleine die Steilvorlage "ohne Krimi geht der Erik nie ins Bett..." Aber das ist nicht mein Job. Fürs Entertainment sind die Leute auf der Bühne zuständig, und die beherrschen das vorzüglich!


Für 20.15 Uhr waren Prag angekündigt, um 20.45 Uhr traten sie auf, glücklicherweise immer noch zu einer zivilen Zeit. Obwohl die Band aus den drei Mitgliedern Erik Lautenschläger (Gesang und Gitarre), Nora Tschirner (Gitarre, Gesang u.a.) und Tom Krimi (Gitarre) besteht, tritt die Band live zehnköpfig auf. Die sieben Begleiter (ein Trompeter, ein Bassist, ein Schlagzeuger, ein Keyboarder, ein Cellist, eine Bratschistin und eine Violinistin, v.l.n.r.) erschienen zuerst und begannen das Instrumental-Stück Leisetreter, in das die beiden Gitarristen sowie Erik an der Zither einstiegen, nachdem der Trompeter Steffen per Handschlag begrüßt hatte!


Leisetreter ist ein herrliches Stück, das einem Film entsprungen sein könnte. Und es war herrlich laut im Bett, was Nora zur Erkenntnis brachte, sie seien jetzt eine Punkband. Das erste Stück mit Gesang war Zeit, und es war gleich ein richtiger Knüller. Die Stimmen von Erik und Nora passen ganz wundervoll zusammen. Und obwohl der hohe Gesang des Frontmanns, der mich in Köln immer mal wieder gestört hatte, bei vielen Lieder vorkommt und mir heute gut gefiel, sind die Duett-Passagen, die großen Stärken der Band. Noch viel besser wird es allerdings, wenn alle drei singen (Bis einer geht!). Nora charakterisierte den Gesang wissenschaftlich korrekter: "Erik singt so ne komische Kastraten-, Tom hat eine Brummbär- und ich eine Mädchenstimme"


Ich habe das Prag-Debüt (das passenderweise auch so heißt) nicht sehr oft gehört, muß ich gestehen. Ich glaube, das ist so wie bei Fußballspielern. Wenn man den ganzen Tag auf dem Platz oder an der Playstation kickt, guckt man abends nicht noch die Südamerika-Jugendmeisterschaft auf Eurosport. Je mehr Konzerte stattfinden, desto weniger von der irre vielen neuen Musik höre ich auf Platte. Wann denn auch? Also gab es viele dieser "ach genau, das gibt's ja auch!"-Momente.

Das dritte Lied Sie ham's ja so gewollt, konnte ich aber nicht kennen, es ist unveröffentlicht und wurde "noch nie" (Prag) gespielt. Das danach kennten wir wohl alle, sagte Erik an, was Nora zum ersten hoffnungsvollen "Billie Jean?" brachte. Im Laufe des Abends versuchte sie immer wieder, das olle Ding unterzubringen und drohte es für die nächste Tour an. Sophie Marceau kannten wirklich alle, was sich an der ausgelassenen Mitklatscherei zeigte. Die aber schnell wieder vorbei war (wie auch der Streit zwischen zwei Männer ein paar Reihen vor mir, die darum stritten, wer weiter vorne stehen dürfte - kurz hatte ich Angst, daß das eskalieren würde). Daß fehlendes Mitklatschen nicht gleichbedeutend mit mieser Stimmung ist, muß ich nicht betonen, die war im Bett durchgängig hervorragend. So schlechte Laune mag ich mir auch gar nicht vorstellen, die sich nicht durch die urkomischen Phasen zwischen den Stücken wegjagen ließe. Ich habe schon oft viel bei Konzerten gelacht, Prag werden mir aber in besonderer Erinnerung bleiben! Ein paar Beispiele?


Vor Ende, das Erik als das beste Stück, das er geschrieben habe ankündigte, und das dazu hätte führen können, daß er aufgehört hätte, Musik zu machen, erzählte er von den Aufnahmen in Prag. "Immer wenn die Bassstreicher eingesetzt haben, hat Nora giggelnd in der Ecke gesessen. Sagt man eigentlich 'giggelnd'?" - Nora: "Wenn man 'giggelnd' sagen will, sagt man das." 


Vögel kündigte die Gitarristin mit dem Matrosenkleid als "Lied über Tiere" an. "So habe ich das verstanden. Erik schreibt die Texte und erklärt uns nie, worum es geht." Der Sänger lachte (giggelte) während der ersten Zeilen und zischte ein "so geht das nicht" dazwischen. Später im Lied kam Tom Erik immer näher und legte seinen Hinterkopf auf dessen Schulter, was ihm den Rest gab. "So kann ich nicht singen." 

Argumente 1000fach, leitete Erik damit ein, daß Nora das Intro dazu spiele, das aber regelmäßig verpatze und dabei (für andere) lustige Gesichter ziehe (Nicole Kidman, Keira Knightley, Angela Merkel).

Als der erste Zugabenblock mit einem Cover der Französin Barbara enden sollte, einen Lied mit der schönen Zeile "wenn schon geh'n, dann schon geh'n, noch jung und ohne Klagen", erklärte Nora, daß das ja für sie nicht stimme. Sie würden zwar nur über Sachen singen, die auch für sie zuträfen (wobei das ja ein wenig im Gegensatz dazu steht, daß Tom und Nora Eriks Texte nicht verstehen), man müsse aber auch mal eingestehen, über Dinge zu singen, die man anders sehe. 


Und als sich dann alle noch an die Vorgabe beim gemeinsamen Singen von Schischt im Schacht hielten "und es gibt keinen Grund, das jetzt zu verkacken" endete ein hochunterhaltsamer Abend nach deutlich mehr als anderthalb Stunden.

Auch wenn ich lieber über Konzerte als über Musik schreibe... beste Stücke des Abends waren Bis einer geht, Warten und Zeit. Warten spielte die Band übergangslos nach Wieder gut, für das sie eine "fetzige Liveversion" geschrieben hätten. Der Bruch zu dem fabelhaften, sehr ruhigen Warten war sensationell!

Ein toller Abend!


Setlist Prag, Das Bett, Frankfurt: 

01: Leisetreter 
02: Zeit 
03: Sie ham's ja so gewollt (neu)
04: Sophie Marceau 
05: Zweiter 
06: Einfach 
07: Ende 
08: Wieder gut ("fetzige Liveversion")
09: Warten 
10: Vögel 
11: Und jeder hält die Luft an 
12: Drehbuch 
13: Bis einer geht 
14: Einfach ist gar nichts 
15: Argumente 1000fach

16: Einkauf (Z) 
17: Kein Abschied (neu) (Z) 
18: Wenn schon sterben (Barbara Cover) (Z)

19: Schicht im Schacht (Z)

Tourdaten Prag: 

14.05. Uhingen, Uditorium 
15.05. Heidelberg, halle02 
20.05. Kiel, Die Pumpe 
21.05. Lübeck, Kolosseum 
23.05. Dresden, Scheune 
24.05. Leipzig, Werk2 
25.05. Cottbus, Gladhouse 
27.05. Hamburg, Knust 
28.05. Köln, Die Werkstatt 
29.05. Wuppertal, Live Club Barmen 
30.05. Osnabrück, Rosenhof 
31.05. Krefeld, Kulturfabrik 
01.06. Erfurt, Dasdie Live 
02.06. Berlin, Heimathafen Neukoelln 
06.06. Schweinfurt tba

Links:

- aus unserem Archiv:
- Prag, Tübingen, 11.05.13
- Prag, Köln, 17.10.12

* "steck' den Finger durch den Hals"



Sonntag, 12. Mai 2013

Prag, Tübingen, 10.05.13

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Konzert: Prag
Ort: Sudhaus in Tübingen
Datum: 10.05.2013
Zuschauer: etwa 300
Dauer: etwa 95 min



Und Du weißt, dass das Leben so bleibt, wie es ist, doch der Einkauf, der Einkauf macht's weniger trist.

Dein Leben ist trist? Ich empfehle als Gegenmittel einen Konzertabend mit der Band Prag. Seit Freitag Abend frage ich mich, was das eigentlich war, was sie mit uns, ihrem Publikum, gemacht haben. Ich mag keine Schlager, ich bin bei deutschen Texten urst kritisch und bei ausschweifenden Arrangements erst recht. Trotzdem wusste ich schon nach Christophs Bericht vom Oktober, dass ich mir diese Band unbedingt auch einmal live ansehen wollte. Und das war noch bevor der Groschen fiel, dass die Frau in der Band Nora Tschirner ist!


Meine Zeitleiste und der lang im Voraus bekannte Tourplan ließen sich am besten am Termin in Tübingen in Einklang bringen. Das war frühzeitig klar und es war mir gelungen, den Tag mit verschiedenen Belangen in dieser Stadt zu füllen und den Abend für das Sudhaus zu reservieren. 


Das liegt etwas außerhalb und ich hatte mich (sozusagen im Finish meines so vorbildlich organisierten Tagespensums) mit der Entfernung etwas verschätzt. Statt der eingeplanten 20 min dauerte der Weg 40 min und so kam ich schließlich ziemlich abgekämpft nur 10 min vor dem geplanten Beginn an. 

Leider war das für ein Happy End noch nicht ganz ausreichend. Es gab Probleme mit meinem Ticket und endlose Zeit (es waren am Ende 15 min) versuchte ich mit meinem Smartphone ins Netz zu kommen und zu beweisen, dass ich hier richtig bin. Als ich die Hoffnung fast aufgegeben hatte, gelang es mir endlich: Ich durfte hinein und fand einen Platz ganz vorn, obwohl der Saal wirklich gut gefüllt war. Hier wurde anscheinend ein respektvoller Abstand zur Bühne gewahrt. Das kam mir sehr gelegen, wo ich nur noch deshalb rechtzeitig im Saal war, weil es nicht ganz pünktlich losging! 

Auf der Bühne waren sehr viele Instrumente aufgebaut. Ein Schlagzeug, ein Keyboard und noch mehr Mikros in der zweiten Reihe. Vorn waren Gitarren bereit gestellt, diverse Glockenspiele und verwandte Instrumente. Außerdem die Mikros für die Sänger. Die Band würde wohl ähnlich groß sein wie bei den Konzerten im Herbst.

Gerade als ich mein Handy ausgemacht hatte, der Saal dunkel wurde und ich von der Aufregung runtergekommen war, wurde ich links gezupft. Ich sollte noch einmal vor die Tür kommen, die Beweise auf meinem Smartphone einer weiteren Person vorzeigen. Ich konnte es wirklich nicht fassen. Natürlich hatte sich die Qualität des mobilen Netzes in der Zwischenzeit nicht verbessert und quälende 5 min dauerte es, bis ich ein zweites Mal hinein durfte und wenigstens zum zweiten Song zurecht kam.


Dort waren inzwischen alle Mikrophone besetzt und 10 Musiker auf der Bühne: Trompete, E-Bass und Cello rahmten Schlagzeuger und E-Piano ein. Rechts davor standen zwei Streicherinnen an Bratsche und Violine und direkt vor mir war Nora, rechts von ihr Erik und für mich ganz weit rechts Tom. 

Im Moment, wo ich meine Tasche zwischen meinen Füßen abstellte, sprach Nora erst das Publikum an und tändelte mit dem Fotographen kurz links neben mir. Beides in so einer überzeugenden und ehrlichen Warmherzigkeit, dass ich ihr gern glaubte dieser Abend hier zusammen ist wirklich wichtig für sie.


Was ja vielleicht auch ein Stück weit das Geheimnis um den Zauber der Musik von Prag für mich lüftet: Ich nehme es den dreien auf das letzte Prozent ab, was sie singen und worum es geht. An dem Konzertabend trat dazu noch deutlicher als auf den mir bis dahin bekannten Videos in den Vordergrund, dass sie einfach begnadete Entertainer sind. Noch während der ersten 10 Minuten hatte ich all meinen Ärger und die fassungslose Enttäuschung darüber,  dass Leute Macht in Musik Venues haben dürfen, denen es anscheinend gar nicht um Musik geht, ganz und gar vergessen!

Auch wenn Nora Tschirner einfach ein Hingucker ist und in der Kommunikation mit dem Publikum ein Trumpf der immer sticht, letztlich war die Balance auf der  Bühne eine zwischen allen dreien und Erik ist die Person, auf die sich die Lieder als Erzähler beziehen. Trotzdem bleibt wohl als lustigste Erinnerung des Abends wie Nora ein "Keira Nightly Duckface" mimte als Vorbereitung darauf, einen Gitarrenlauf  nicht zu verkacken, der bei den anderen beiden Konzerten nicht gesessen hatte...

Was hat mich nun musikalisch am meisten gepackt? Das ist gar nicht so einfach, weil alles gut und vieles sehr gut war. Spontan als Text ist mir die oben zitierte Zeile besonders im Herzen geblieben. Musikalisch wohl das Stück Ende, das im ersten Teil so gar nicht schlagermäßig ist, sondern ganz Indie-melancholisch und damit an dem doch sehr unterhaltsamen Abend eher eine Ausnahme bildete um sich dann in der zweiten Hälfte in ekstatischen Rhythmen zu versteigen. Und - auch wenn es ja das totale sich selbst auf die Schippe nehmen ist - die zweite Zugabe mit Schicht im Schacht. 



Ein Ohrwurm, wie er im Buche steht und der mir im Erinnerungsflash gleich wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert.



Wie gesagt - Tristesse hat keine Chance gegen die Musik und erst recht nicht ein Konzert mit Prag. Das ist schon eine ganz ordentliche Leistung, würd ich jetzt mal so sagen. Bitte hingehen, und eine eigene Meinung bilden!

Setlist: 
Leisetreter
Nutzt aus die Zeit
Sie hams ja so gewollt
Sophie Marceau
Zweiter
Einfach
Ende
Wieder gut
Warten
Vögel
Und jeder hält die Luft an
Drehbuch
Bis einer geht
Einfach ist gar nicht
Argumente 1000fach

(Z) Einkauf
(Z) Kein Abschied
(Z) Wenn schon sterben

(Z2) Schicht im Schacht


Tourdaten:

11.05.    Schwäbisch Hall     Kantine 26   
12.05.    Aschaffenburg     The Sedgwick   
13.05.    Frankfurt     Das Bett   
14.05.    Uhingen     Uditorium   
15.05.    Heidelberg     halle02   
20.05.    Kiel     Die Pumpe   
21.05.    Lübeck     Kolosseum   
23.05.    Dresden     Scheune   
24.05.    Leipzig     Werk2   
25.05.    Cottbus     Gladhouse   
27.05.    Hamburg     Knust   
28.05.    Köln     Die Werkstatt   
29.05.    Wuppertal     Live Club Barmen   
30.05.    Osnabrück     Rosenhof   
31.05.    Krefeld     Kulturfabrik   
01.06.    Erfurt     Dasdie Live   
02.06.    Berlin     Heimathafen Neukoelln   
06.06.    Schweinfurt     tba 



Aus unserem Archiv:
Prag in Köln,     17. 10. 2012

Aus anderen Archiven:

Der Beitrag der  Kollegin neben mir mit tollen Fotos.
Die wohl gewählten Worte der bedroomdisco zum Album



Donnerstag, 18. Oktober 2012

Prag, Köln, 17.10.12

3 Kommentare

Konzert: Prag
Ort: KulturKirche Köln
Datum: 17.10.2012
Zuschauer: sehr gut gefüllt aber nicht ausverkauft
Dauer: gut 70 min 



Heute mittag habe ich die letzte Platte der wundervollen Sky Larkin endlich einmal wieder gehört und enorme Sehnsucht nach dieser fabelhaften Band aus Leeds entwickelt. Mein Lieblingsstück auf Kaleide ist Anjelica Huston. Lieder über Schauspielerinnen sind nicht selten, ein besonders eingängiges verfolgt mich seit ein paar Wochen und war der Grund, heute in die KulturKirche nach Nippes zu fahren.

"Wir waren alle so verliebt in Sophie Marceau, sag nicht, es war nicht so, und alle Mädchen standen auf Pierre Cosso." Einfach, aber sehr wahr!


Diese Zeile stammt von Erik Lautenschläger (Erik & Me), der mit seinen Kollegen Tom und Nora die junge Berliner Band Prag bildet (doof zu googeln, aber daran denken Musiker ja nie). Ob Prag schon Prag hießen, bevor sie die Stücke für ihr im Januar erscheinendes Debüt dort mit dem Czech Film Orchestra aufnahmen, weiß ich nicht - wie ich überhaupt wenig von Prag (Band) weiß - außer, daß Nora und Erik sich aus dem Schulchor kennen und Tom u.a. bei Stereo Deluxe gespielt hat. Also quasi ein Blinddate, nachdem man mal ein zerknittertes Foto gesehen hat, das aber vielversprechend war. "Sag nicht, es war nicht so."


In der Nippeser Lutherkirche war groß aufgebaut. Die Instrumente und Stationen hätten für drei Bands gereicht, als Gemeindepfarrer Thomas Diederichs herzlich wie immer die Besucher begrüßte. Keine Vorgruppe, also gehörten all die tollen Instrumente zu Prag!

Bevor die dies aber bewiesen, ging erst einmal der Fernseher an, um in einem zehnminütigen Film von den Arbeiten am unveröffentlichten Album zu berichten. Das war neu und sicher aus Marketing-Gesichtspunkten sehr clever, wirkte aber auch ein wenig merkwürdig.


Nachdem wir dann also auf dem neuesten Stand über Prag (in Prag) waren, erschienen die ersten der reichlich vielen Musiker. Drei Streicherinnen (Violine, Bratsche, Cello), Schlagzeuger, Trompeter, Bassist und Keyboarder kamen zunächst, bevor Nora, Erik und Tom auftraten. Das erste Lied (Leisestreichler) war noch instrumental aber enorm schmissig. "Opulent", habe ich in mein Notizbuch geschrieben. Aber als Einordnung der Pragschen Musik reichte dies noch nicht, es fehlte der Gesang.

Das zweite Stück Zeit sang Erik. Es handelte von Leonard Cohen und den Beatles, löste bei mir aber Assoziationen zu Bands wie Wolke oder Erdmöbel aus. Auch wenn die Bandbreite der Musik der Berliner von Chanson über Pop bis zu Jazz-Anleihen reichte, war Wolke-Erdmöbel immer wieder der Referenzrahmen, der mir in den Sinn kam (und auch einmal Karel Gott, ganz unabhängig von dessen Heimatstadt - und diese Assoziation ist gar nicht böse gemeint). Je höher Erik sang, desto weniger gefiel es mir (zum Beispiel bei Sie ham's ja so gewollt).


Toll wurde es, wenn Erik und Nora Duette sangen (mit unterstützender Stimme von Tom). Warten, Zweiter und Einfach (ist gar nichts) sind Beispiele dafür und nach dem ersten Hören die stärksten Stücke der Band! Neben dem Ohrwurm natürlich! Sophie Marceau wurde erstaunlich früh angestimmt, als viertes Stück. Erik erklärte das damit, daß sie unsicher gewesen seien, wie die unbekannten Lieder ankämen. Daher sollten wir früh das einzig bekannte Stück hören (der andere veröffentlichte Titel Wieder gut, die B-Seite, stand nicht im Set).


Vermutlich bekamen wir die ganze Platte serviert. Nicht alles davon eignet sich als Singles. Das komplexe Jeder hält die Luft an, das sie gar nicht mit auf Tour nehmen wollten, weil es zu kompliziert sei, wie Erik sagte, enthält einen radikalen Bruch und geht dann in New Orleans Jazz über. Warten dagegen, das die zweite Single werden soll, war sehr catchy.

Man merkte den drei Prags an, daß sie trotz unterschiedlicher Bühnenerfahrung diese neue Bandsituation noch ungewohnt finden. Das war überaus sympathisch, auch wenn es ein paar mal kurz davor war, daß der Fluß zwischen den Stücken verloren ging. Das ist nicht ganz leicht zu beschreiben. Während der Lieder saß alles, auch wenn es beim ersten Stück eine Panne gab und bei Drehbuch Nora und Erik in einen Lachanfall ausbrachen. Insbesondere die Sängerin war hochbeschäftigt, weil sie bis zu vier Instrumente pro Lied spielte (Gitarre, eine sehr eindrucksvolle riesig große - 50 cm vielleicht - Mundharmonika, Glockenspiel, Hackbrett, Vibraphon). In den Pausen war die Routine dann verflogen, es kam etwas Unsicherheit durch. Aber auch das mochte ich.


Daß Prag schon vor den Zugaben knapp eine Stunde spielten, empfand ich als sehr ungewöhnlich. Noch keine Platte aber 55 min Konzert, das ist nicht selbstverständlich. Darauf packten die zehn Musiker noch drei Zugaben (die ersten allerdings ohne die drei Streicher). Drehbuch, die erste, war wieder eines dieser schönen Duette, das mich ein wenig an Rue Royale erinnerte.

Zum Abschluß Schicht im Schacht kamen die Streicher zurück, allerdings singend. Sie seien dazu überredet worden, "die sind eigentlich sehr unmusikalisch."


Ich tue mich schwer damit, einzuschätzen, wie die Karriere von Prag verlaufen wird. Der Auftritt in Köln wirkte (alleine wegen der vollen KulturKirche) enorm professionell, obwohl die Band noch nicht viele Konzerte gespielt haben kann (bei lastfm gab es nur zwei vorher). Dabei blieb aber der Charme von fehlender Routine oder besser Abgezocktheit immer präsent. Am Merch-Stand gab es neben einer Sophie Marceau 7" Vinylsingle (mit von Eric gemaltem Bandporträt auf dem Cover) Postkarten und Prag-Briefmarken, damit wir nicht nur per Facebook zu Hause erzählen sollten, wie das Konzert war (meine Patenkinder werden staunen!). Das alles sieht zwar viel zu clever für eine DIY Band aus, aber genauso ist es. Prag vertreiben ihre Musik auf einem eigenen Label, der Marketingapparat, den man hinter den vielen guten Ideen vermuten könnte, sind die Bandmitglieder.

Ich hoffe sehr, daß Prag mit ihrer Platte Erfolg haben werden. Die Musik legt ihnen da auch sicher Steine in den Weg. Ich habe heute einige sehr schöne Stücke gehört, über die ich mich im Radio freuen würde. Es war also kein enttäuschendes Blinddate. So richtig "blind" war es auch nicht, Erik erinnerte mich nämlich frappierend an eine jüngere Version von Steve Buscemi!

Setlist Prag, KulturKirche, Köln: 

01: Leisestreichler 
02: Zeit 
03: Sie ham's ja so gewollt 
04: Sophie Marceau 
05: Zweiter 
06: Einfach (Du liebst es einfach) 
07: Ende
08: Jeder hält die Luft an 
09: Vögel 
10: Bis einer geht 
11: Warten 
12: Einfach (ist gar nichts) 
13: Argumente 1000fach 

14: Drehbuch (Z) 
15: Einkauf (Z) 
16: Schicht im Schacht (Z)



Mittwoch, 11. Juli 2012

Warpaint, Prag, 10.07.12

2 Kommentare

Konzert: Warpaint

Ort: Palác Akropolis in Prag
Datum: 10. Juli 2012
Zuschauer: etwa 400
Dauer: 75 min


von Gudrun aus Karlsruhe

Wenn in Prag ein Veranstaltungsort Akropolis heißt, sollte man sich vielleicht nicht zu sehr wundern, wenn der Weg dorthin nicht nur durch das Prag, das die Touristen normalerweise nicht sehen, sondern auch noch bergan, bergan und nochmals bergan führt...

Diesmal bin ich zum arbeiten eine Woche in Prag. Im Vorfeld hatte ich geschaut, welche Konzerte Prag in dieser Woche zu bieten hat. Bruce Springsteen in der großen Arena begeisterte mich spontan nicht so sehr (nichts gegen den Boss), aber am
Dienstag gab es Warpaint in fußläufiger Entfernung zu meiner Unterkunft. Das sah vielversprechend aus.

Schon beim Eintreffen ganz oben auf dem Hügel war klar, dass hier ein paar Hardcore Fans ihren Idolen huldigen wollten. Eine Warpaint-Fahne wurde geschwenkt und es herrschte eine ausgelassene Stimmung in der angeschlossenen Bar.

Der Palác Akropolis ist ein großes Haus aus den 1920er Jahren. Dem Überschwang des Jugendstils entwachsen, aber sichtbar als ein Ort für Vergnügungen gebaut evt. von einem Verein (es gibt in Deutschland manche Gewerkschaftshäuser, die so aussehen)?

Ich entschied mich für einen Platz auf dem Balkon in der ersten Reihe. Es war noch genug Zeit um im Bistro auf dem Bürgersteig vor dem Akropolis etwas zu Abend zu essen. Für 89 Kronen (*) hatte ich einen ordentlichen Teller mit Käse, Brot und Paprika (alles sehr lecker) und einen halben Liter Bier. Dagegen fand ich den Eintritt von 550 Kronen für das Konzert nicht gerade Studenten-tauglich. Aber ich würde sagen, in der Summe von geistiger und körperlicher Nahrung war es ein guter Deal für mich an diesem Abend und der Saal war anschließend auch sehr gut gefüllt.

Auf dem Programm war als Beginn 19:30 Uhr angegeben. Einlass begann auch 19:00 Uhr, aber der Kartenverkäufer wiegelte schon ab: ich hätte noch zum essen Zeit, heut ginge es erst gegen 20:00 Uhr los.
In Wirklichkeit wurde es 20:15 Uhr und die Hardcore-Fans, die sich vor der Bühne schon um sieben die Plätze gesichert hatten, taten mir ein bisschen leid. Sie scharrten sichtbar mit den Hufen als ich oben kurz vor acht meinen Platz einnahm. Auf dem Balkon fand ich es sehr angenehm. Ich hatte alles gut im Blick und konnte meine Beine schonen. Der Anblick des Publikums unter mir war auch nicht ohne, denn von dem Moment an, wo die vier Mädels auf der Bühne erschienen, wurden sie konsequent abgefeiert. Die ersten beiden Reihen Zuschauer waren unübersehbar im siebten Himmel. Da ich selbst das von oben beobachten konnte, war es einfach nur schön. Wenn ich unten dazwischengeklemmt hätte, wäre meine Einschätzung ziemlich sicher eine andere gewesen. Der kleine Aufpreis für den Balkon war eine sehr weise Investition gewesen!

Zunächst schien die Band die Euphorie gar nicht wahr zu nehmen (denn es wurde nicht von der Bühne her quittiert) aber nach einiger Zeit gab es einen ''Sieg'' für die Verliebten vor der Bühne: die Fahne fand Aufmerksamkeit und bekam einen Platz auf der Bühne. In der zweiten Hälfte des Konzertes nahmen sie die Huldigungen etwas sichtbarer an und freuten sich, wenn das Publikum schon mit dem ersten Basslauf oder den ersten Gitarrentönen zufrieden aufjaulte oder klatschte.
Die Musik von Warpaint finde ich schwer zu beschreiben. Ich habe schon lange ihr Debut ''The Fool'' im CD Regal stehen, hole es aber eher selten hervor. Manches erinnert mich an Konstruktionen bei The Cure (die ich sehr mag). Aber anderes bleibt mir zu anstrengend und
abstrakt.

Im Liveset war es in jedem Fall druckvoller, was mir gefiel. Andererseits aber so laut, dass ich die Ohren schützen musste (finde ich stets doof).

In jedem Fall ist es eine Musik, wo die Energie eher verdeckt zirkuliert. Einen in der richtigen Stimmung aber total umhaut. Als Filmmusik zu einem Post-James-Bond-Krimi im Kopf bestens geeignet.

Ich bin ja vielleicht ein bisschen eigentümlich, aber auch hier hatte es mir besonders die Drummerin angetan (zuletzt fand ich die Schlagzeugerin bei Nive Nielsen so toll!). Sie saß wie eine Königin inmitten ihrer Werkzeuge, war häufig im Augenkontakt mit den drei Frontfrauen und von ihr ging auch fast stets ein zufriedenes Lächeln aus. Sie genoss in vollen Zügen den ganzen Abend. Die anderen Frauen wirkten meist sehr angespannt, die Bewegungen und Ansagen waren sehr sparsam und wie nicht richtig anwesend. Es entstand der Eindruck, sie spielten mehr für sich als für das Publikum.

Als Abschlußgeschenk des eigentlichen Sets gab es aber eine tolle Solo-Version von Baby. Sehr leise und intim, aber auch sehr intensiv in einer Weise, die die lauten Stücke so nicht hatten. Und die Sängerin verlor auf einmal ihre Unnahbarkeit. Und wie Christoph aus Lüttich berichtet hat, wurde ''unterwegs'' der Patti Smith Klassiker ''because the night'' eingeflochten. So etwas öffnet mein Herz.
Als das Konzert nach 55 min zu Ende sein sollte, waren die Fans noch nicht zufrieden. Sie feierten und riefen nach mehr. Die Damen ließen sich ganz schön bitten, lieferten dann aber noch zwei Songs. Aus der Setlist ist ersichtlich, dass diese schon eingeplant waren. Aber es war abzusehen, dass sich das Publikum immer noch mehr wünschen würde und dass man dem nicht unendlich nachgeben kann. Schließlich wurde dieser Widerspruch dadurch aufgelöst, dass es ein besonderes Geschenk als Abschied gab. Alle vier Frauen kamen vor an den Bühnenrand, setzten sich auf die Monitorboxen und spielten akustisch ein Lied, das nicht auf der Setliste stand und für mich emotional am stimmigsten war.

Hier war nichts verhuscht, hier wurde tatsächlich mit dem Publikum musiziert. Aus dem Rund wurde der Rhythmus klatschend und schnipsend spontan ergänzt und um lustige Sequenzen erweitert. Es wurden von einzelnen Gesangsparts beigesteuert. Die vier Frauen schauten das erste Mal an diesem Abend so richtig froh und zufrieden aus.

Das war wirklich ein besonderes Erlebnis.

21:30 Uhr war der Zauber schon vorbei. 400 glückliche Menschen strömten den Berg im letzten Tageslicht hinab. Auch wenn Warpaint nun immer noch nicht zu meinen Lieblingsbands zählt, war der Abend ein rundum schönes Erlebnis.

Setlist Warpaint, Palác Akropolis, Prag:

01: Intro
02: Bees
03: Stars
04: Beetles
05: Composure
06: Undertow
07: Majesty
08: Elephants
09: Baby

10: Burgundy (Z)
11: Billie Holiday (Z)

12: ? (Z)

Links:

- aus unserem Warpaint-Archiv:
- Warpaint, Lüttich, 05.07.12
- Warpaint, Haldern, 13.08.11
- Warpaint, Köln, 28.06.11
- Warpaint, Amsterdam, 19.06.11
- Warpaint, Barcelona, 28.05.11
- Warpaint, Frankfurt, 11.11.10
- Warpaint, Paris, 06.11.10
- Warpaint, Brüssel, 16.05.10
- Interview mit Warpaint



(*) 1 Euro sind etwa 25 Kronen



Sonntag, 30. August 2009

Radiohead, Prag, 23.08.09

6 Kommentare

Konzert: Radiohead

Ort: Výstaviště Incheba Expo, Prag
Datum: 23.08.2009
Zuschauer: 12.000-15.000
Konzertdauer: ca. 2 Stun
den


von Julius aus Wien

„Meeting people is easy“ ist eine der Grundphilosophien von Radiohead, einer Band, die einfach nur schwierig sein will, und wirklich: kaum, dass wir unser Auto auf dem Parkplatz abgestellt hatten (nicht ohne davor einen tschechischen Polizisten um 30€ wegen angeblichen Fahrens gegen die Einbahn reicher zu machen) entdeckten wir direkt neben uns ein Fahrzeug mit dem Kennzeichen unseres Nachbarortes. Viel Zeit, um ins Gespräch zu kommen blieb aber nicht, da die Vorband Moderat (bestehend aus den zwei Herren von Modeselektor und dem bekannten Soundtüftler Apparat) bereits um 18.00 beginnen sollte.

Die halbe Stunde Verspätung, mit der die drei Herren dann schließlich ihr Set begannen war angesichts der Uhrzeit abzusehen und auch jetzt noch wirkten die sphärischen Electronic-Klänge und besonders die vereinzelten drückenden Beats reichlich deplaziert. So wollte auch keine übermäßig enthusiastische Stimmung aufkommen, während langsam die Sonne hinter den Bäumen des kleinen Parks unterging. Mit nettem Beifall wurde das Trio nach einer Stunde schließlich verabschiedet, es bleibt zu hoffen, dass das nächste Wiedersehen zu späterer Stunde und in familiärerer (Club-)Atmosphäre erfolgt.

Somit stand dem Auftritt der Mannen rund um Thom Yorke nichts mehr im Wege und nach einer Dreiviertelstunde, die furchtlose Crewmitglieder damit verbracht hatten, in 15 Metern Höhe die letzten Vorbereitungen für die – dies sei von vornherein gleich verraten: gewohnt geniale – Lichtshow zu treffen, war es denn auch so weit und ein Radiokopf nach dem nächsten fand sich an seinem Platz ein, als Letzter tat dies erwartungsgemäß Thom Yorke, was die geschätzten 15.000 Besucher aus aller Welt, vornehmlich allerdings Engländer und Japaner, zu ersten Begeisterungsbekundungen hinriss.

Nahtlos ging das Intro in den bewährten Opener 15 Step über, gefolgt von There There, das auf der Tour 09 die Rolle der ewigen Nr. Zwei zum Besten gibt und Arpeggi/Weird Fishes. Die ganz große Kunst, die Radiohead so beherrschen wie wohl wenige andere Bands auf dieser Welt, offenbarte sich nach den drei ersten, eher rhytmisch/instrumental veranlagten Songs dann bei All I Need, nämlich die Kunst, mit unglaublich viel Pathos und Emotion an die Sache zu gehen, ohne die Grenze zu Kitsch und unglaubwürdigem Weltschmerz zu überschreiten. Radiohead bewegen sich einfach auf dem schmalen Grat der gefühlsbetonten Musik, die auf hohem Niveau zutiefst authentisch ist, und auf dieser Stellung haben sie sich seit ihrem zweiten Album The Bends einzementiert.

Nach Standards wie Lucky oder Nude folgten dann zwei echte Perlen vom In Rainbows-Vorgänger Hail To The Thief: 2+2=5 und A Wolf At The Door.

In der Folge wechselten sich In Rainbows-Songs mit Klassikern ab, von den neuen Sachen wusste besonders Bangers ´n´ Mash zu gefallen, welches auf dem Frequency Festival leider einer spontanen Eingebung Thom Yorkes und Karma Police zum Opfer gefallen war.

Der erste Zugabenblock, der bereits nach eineinhalb Stunden regulärer Spielzeit erfolgte, enthielt eine bunte Mischung aus Songs älterer Alben, denen als Kontrast das brandneue, wieder einmal nur über Download beziehbare These Are My Twisted Words entgegenstellt wurde.Bis dahin konnte man die Setlist noch als einigermaßen gewöhnlich abtun, als dann Thom Yorke im zweiten Block nach The Bends die live sehr selten dargebotene und wenig bekannte B-Seite True Love Waits anstimmte war für alle, die diese Rarität überhaupt zu erkennen bzw. zu schätzen wussten klar, dass man es mit einem wahrlich denkwürdigen Abend zu tun hatte.

Logischerweise folgte dann Everything In Its Right Place, welches den endgültigen Schlusspunkt eines Konzertes, das psychisch und wider Erwarten auch physisch alles abverlangte und die doch sehr weite Anreise und den hohen Preis absolut rechtfertigte.

Denn wenn man Radiohead etwas vorwerfen kann, dann ist es die gewisse Doppelmoral, die durch die sehr hohen Kartenpreise und die energieintensive Lichtshow entsteht, beides Tatsachen, die der grundsätzlich antikommerziellen Haltung Radioheads und ihrem Bemühen um die Umwelt widersprechen.

An diesem Abend sollte uns das jedoch egal sein und als wir uns schließlich mit geschätzten 10.000 anderen Konzerbesuchern durch die engen Wege des benachbarten Parks wälzten waren wir uns sicher, dass wir gerade eine der wenigen Bands gesehen hatten, die mit einer derart fragilen Schönheit auch vor den größten Massen für pure Gänsehaut sorgen (glücklicherweise wurde uns der entsetzliche Mit-Gröl-Hit Creep in Prag erspart, doch zwei Tage später kam dieser in Polen zum Einsatz).

Und auch wenn es in There There heißt „Just cause you feel it, doesn’t mean it’s there“, waren Gefühle selten so real und unauslöschlich.

Setlist Radiohead,
Výstaviště Incheba Expo, Prag:

01: 15 Step

02: There There
03: Weird Fishes/Arpeggi
04: All I Need
05: Lucky
06: Nude
07: Morning Bell
08: 2+2=5
09: A Wolf At The Door
10: Videotape
11: (Nice Dream)
12: The Gloaming
13: Reckoner
14: Exit Music (For A Film)
15: Bangers + Mash
16: Bodysnatchers
17: Idioteque

18: Pyramid Song (Z)

19: These Are My Twisted Words (Z)
20: Airbag (Z)
21: The National Anthem (Z)
22: How To Disappear Completely (Z)
23: The Bends (Z)
24: TrueLove Waits (Z)
25: Everything In Its Right Place (Z)

Links:

- Radiohead am 24.06.08 in London
- und am 10.06.08 in Paris



 

Konzerttagebuch © 2010

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