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Sonntag, 12. Mai 2013

Prag, Tübingen, 10.05.13

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Konzert: Prag
Ort: Sudhaus in Tübingen
Datum: 10.05.2013
Zuschauer: etwa 300
Dauer: etwa 95 min



Und Du weißt, dass das Leben so bleibt, wie es ist, doch der Einkauf, der Einkauf macht's weniger trist.

Dein Leben ist trist? Ich empfehle als Gegenmittel einen Konzertabend mit der Band Prag. Seit Freitag Abend frage ich mich, was das eigentlich war, was sie mit uns, ihrem Publikum, gemacht haben. Ich mag keine Schlager, ich bin bei deutschen Texten urst kritisch und bei ausschweifenden Arrangements erst recht. Trotzdem wusste ich schon nach Christophs Bericht vom Oktober, dass ich mir diese Band unbedingt auch einmal live ansehen wollte. Und das war noch bevor der Groschen fiel, dass die Frau in der Band Nora Tschirner ist!


Meine Zeitleiste und der lang im Voraus bekannte Tourplan ließen sich am besten am Termin in Tübingen in Einklang bringen. Das war frühzeitig klar und es war mir gelungen, den Tag mit verschiedenen Belangen in dieser Stadt zu füllen und den Abend für das Sudhaus zu reservieren. 


Das liegt etwas außerhalb und ich hatte mich (sozusagen im Finish meines so vorbildlich organisierten Tagespensums) mit der Entfernung etwas verschätzt. Statt der eingeplanten 20 min dauerte der Weg 40 min und so kam ich schließlich ziemlich abgekämpft nur 10 min vor dem geplanten Beginn an. 

Leider war das für ein Happy End noch nicht ganz ausreichend. Es gab Probleme mit meinem Ticket und endlose Zeit (es waren am Ende 15 min) versuchte ich mit meinem Smartphone ins Netz zu kommen und zu beweisen, dass ich hier richtig bin. Als ich die Hoffnung fast aufgegeben hatte, gelang es mir endlich: Ich durfte hinein und fand einen Platz ganz vorn, obwohl der Saal wirklich gut gefüllt war. Hier wurde anscheinend ein respektvoller Abstand zur Bühne gewahrt. Das kam mir sehr gelegen, wo ich nur noch deshalb rechtzeitig im Saal war, weil es nicht ganz pünktlich losging! 

Auf der Bühne waren sehr viele Instrumente aufgebaut. Ein Schlagzeug, ein Keyboard und noch mehr Mikros in der zweiten Reihe. Vorn waren Gitarren bereit gestellt, diverse Glockenspiele und verwandte Instrumente. Außerdem die Mikros für die Sänger. Die Band würde wohl ähnlich groß sein wie bei den Konzerten im Herbst.

Gerade als ich mein Handy ausgemacht hatte, der Saal dunkel wurde und ich von der Aufregung runtergekommen war, wurde ich links gezupft. Ich sollte noch einmal vor die Tür kommen, die Beweise auf meinem Smartphone einer weiteren Person vorzeigen. Ich konnte es wirklich nicht fassen. Natürlich hatte sich die Qualität des mobilen Netzes in der Zwischenzeit nicht verbessert und quälende 5 min dauerte es, bis ich ein zweites Mal hinein durfte und wenigstens zum zweiten Song zurecht kam.


Dort waren inzwischen alle Mikrophone besetzt und 10 Musiker auf der Bühne: Trompete, E-Bass und Cello rahmten Schlagzeuger und E-Piano ein. Rechts davor standen zwei Streicherinnen an Bratsche und Violine und direkt vor mir war Nora, rechts von ihr Erik und für mich ganz weit rechts Tom. 

Im Moment, wo ich meine Tasche zwischen meinen Füßen abstellte, sprach Nora erst das Publikum an und tändelte mit dem Fotographen kurz links neben mir. Beides in so einer überzeugenden und ehrlichen Warmherzigkeit, dass ich ihr gern glaubte dieser Abend hier zusammen ist wirklich wichtig für sie.


Was ja vielleicht auch ein Stück weit das Geheimnis um den Zauber der Musik von Prag für mich lüftet: Ich nehme es den dreien auf das letzte Prozent ab, was sie singen und worum es geht. An dem Konzertabend trat dazu noch deutlicher als auf den mir bis dahin bekannten Videos in den Vordergrund, dass sie einfach begnadete Entertainer sind. Noch während der ersten 10 Minuten hatte ich all meinen Ärger und die fassungslose Enttäuschung darüber,  dass Leute Macht in Musik Venues haben dürfen, denen es anscheinend gar nicht um Musik geht, ganz und gar vergessen!

Auch wenn Nora Tschirner einfach ein Hingucker ist und in der Kommunikation mit dem Publikum ein Trumpf der immer sticht, letztlich war die Balance auf der  Bühne eine zwischen allen dreien und Erik ist die Person, auf die sich die Lieder als Erzähler beziehen. Trotzdem bleibt wohl als lustigste Erinnerung des Abends wie Nora ein "Keira Nightly Duckface" mimte als Vorbereitung darauf, einen Gitarrenlauf  nicht zu verkacken, der bei den anderen beiden Konzerten nicht gesessen hatte...

Was hat mich nun musikalisch am meisten gepackt? Das ist gar nicht so einfach, weil alles gut und vieles sehr gut war. Spontan als Text ist mir die oben zitierte Zeile besonders im Herzen geblieben. Musikalisch wohl das Stück Ende, das im ersten Teil so gar nicht schlagermäßig ist, sondern ganz Indie-melancholisch und damit an dem doch sehr unterhaltsamen Abend eher eine Ausnahme bildete um sich dann in der zweiten Hälfte in ekstatischen Rhythmen zu versteigen. Und - auch wenn es ja das totale sich selbst auf die Schippe nehmen ist - die zweite Zugabe mit Schicht im Schacht



Ein Ohrwurm, wie er im Buche steht und der mir im Erinnerungsflash gleich wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert.



Wie gesagt - Tristesse hat keine Chance gegen die Musik und erst recht nicht ein Konzert mit Prag. Das ist schon eine ganz ordentliche Leistung, würd ich jetzt mal so sagen. Bitte hingehen, und eine eigene Meinung bilden!

Setlist: 
Leisetreter
Nutzt aus die Zeit
Sie hams ja so gewollt
Sophie Marceau
Zweiter
Einfach
Ende
Wieder gut
Warten
Vögel
Und jeder hält die Luft an
Drehbuch
Bis einer geht
Einfach ist gar nicht
Argumente 1000fach

(Z) Einkauf
(Z) Kein Abschied
(Z) Wenn schon sterben

(Z2) Schicht im Schacht


Tourdaten:

11.05.    Schwäbisch Hall     Kantine 26   
12.05.    Aschaffenburg     The Sedgwick   
13.05.    Frankfurt     Das Bett   
14.05.    Uhingen     Uditorium   
15.05.    Heidelberg     halle02   
20.05.    Kiel     Die Pumpe   
21.05.    Lübeck     Kolosseum   
23.05.    Dresden     Scheune   
24.05.    Leipzig     Werk2   
25.05.    Cottbus     Gladhouse   
27.05.    Hamburg     Knust   
28.05.    Köln     Die Werkstatt   
29.05.    Wuppertal     Live Club Barmen   
30.05.    Osnabrück     Rosenhof   
31.05.    Krefeld     Kulturfabrik   
01.06.    Erfurt     Dasdie Live   
02.06.    Berlin     Heimathafen Neukoelln   
06.06.    Schweinfurt     tba 



Aus unserem Archiv:
Prag in Köln,     17. 10. 2012

Aus anderen Archiven:

Der Beitrag der  Kollegin neben mir mit tollen Fotos.
Die wohl gewählten Worte der bedroomdisco zum Album



Mittwoch, 13. Februar 2013

Maximilian Hecker und Felix Räuber, Tübingen, 25.0113

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Konzert: Maximilian Hecker und Felix Räuber 
Ort: Löwen, Tübingen 
Datum: 25.01.2013 
Zuschauer: um die 60 
Konzertdauer: 95 Minuten 

Von Jens aus Stuttgart


Maximilian Hecker gilt als sensibler Feingeist, dessen sensitiven, tieftraurigen Liebeslieder nicht in satten Farben gestaltet sind, sondern meist reine schwarz-weiß Malerei betreiben. Man könnte es sich leicht machen und Heckers Pianopop als schlichten Kitsch bezeichnen, doch damit wird man weder dem Künstler noch seinem Werk ansatzweise gerecht. 

Es ist mein zweites Konzert des Berliner Singer-Songwriters. Und das innerhalb von nicht einmal zwei Wochen. Nachdem der Auftritt im Stuttgarter Keller Klub durch äußere Einflüsse zu einem Desaster für Künstler und Zuschauer geriet (Wir berichteten), war es für mich keine Frage, ins nahegelegene Tübingen zu fahren, um in einem angemesseneren Rahmen eine glückliche, bleibende Erinnerung an die gemeinsame Tour Heckers mit Polarkreis 18 Frontmann Felix Räuber mitnehmen zu können. 

Dass meine Hoffnungen auf ein gutes Konzert nicht umsonst gehegt wurden, zeigte sich bereits nach den ersten Songs. Maximilian Hecker wirkte erstaunlich gelöst, agierte gekonnt theatralisch auf der großen Bühne des Tübinger Löwen. Das ehemalige Kino mit seinen roten, plüschigen Sitzreihen, den Samtvorhängen an den Wänden und der theatertauglichen Bühnenbeleuchtung bietet den Akteuren künstlerische Freiräume, von denen man in Stuttgart kaum hätte träumen können. So steht anstelle des unscheinbaren Yamaha-E-Klaviers ein ansprechendes Konzertpiano auf der Bühne, der im Kontrast zu Heckers wispernden, sowohl hohen als auch glasklaren Gesang, umso angebrachter erscheint. Das Fehlen des Kerzenlichts der zur Tour gehörenden Teelichter, auf die man wohl aus Brandschutzgründen verzichten musste, fällt da gar nicht atmosphäreschädigend ins Bild, vielmehr bewahrt es an diesem Abend vor einem tatsächlichen Abdriften ins Kitschige, wie es wohl an solch einem Ort nicht ungewöhnlich ist. So war Bernd Begemanns Auftritt im vergangenen Jahr an gleicher Stelle einer seiner sentimentalsten, die ich bisher erleben durfte. Doch es passt einfach zur samtigen Aura des Veranstaltungsortes.

 Die Setlist von Maximilian Hecker und Felix Räuber gleicht der Stuttgarter in weiten Teilen, jedoch muss heute keiner Angst haben, dass die Zugabenblöcke von aufgelegter Discomusik zerstört beziehungsweise im Keim erstickt werden könnten. 

Wie in Stuttgart liest Hecker das erste Kapitel seines autobiografischen Buchs „The Rise And Fall Of Maximilian Hecker“ vor. Diesmal kommen die Pointen an, das Publikum lacht herzhaft. Zurecht. So feinfühlig Heckers Songs sind, ist auch sein Schreibstil. Man leidet mit diesem jungen Mann auf der Suche nach Liebe, der Angst vor Bindung und Verlust. Fraglos ist das Buch ein Schlüssel zum tieferen Verständnis seiner häufig leidenden Liedlyrik. Musikexpress-Redakteur Josef Winkler schilderte treffend in seiner Rezension für die taz, dass man die Ehrlichkeit, die man immer tendierte Hecker abzusprechen, in seiner Biografie findet und mit ihr die Erkenntnis, dass Heckers Leiden echt ist. Schaut man genau hin, führt auch ein Konzertbesuch zum gleichen Schluss. Versteckt hinter seinem Bart, haucht der schlaksige Sänger mit der Britpop-Frisur, der definitiv mehr ist als eine Frisur, seine Texte. Man bemerkt nahezu keine Mundbewegung, fragt sich, ob er tatsächlich singt. Natürlich tut er das. Aber es ist auch immer ein tiefer Schmerz im Gestus des Mittdreißigers, der in Asien der wohl bekannteste deutsche Indiemusiker sein dürfte. Ein deutscher Musiker, der in Deutschland meist vor weniger als hundert Zuschauern auftritt, füllt in Japan oder Südkorea die großen Clubs, sieht seine Songs in Fernsehwerbespots verwendet. 

Die Idee gemeinsam mit Felix Räuber auf Tour zu gehen, dessen klassisch ausgebildete Stimme den Konzerten ausgesprochen gut bekommt, kam relativ spontan zustande, wie Beide betonen. So habe man sich erst im April letzten Jahres kennengelernt. 

 Meist sitzt Hecker hinter seinem Klavier, während Räuber Gitarre, Synthesizer oder Glockenspiel spielt. Es ist ein beruhigendes Bild, wie die in schwarz gekleideten Musiker in ihrer Musik aufgehen, wie das Publikum während der Songs sich selbst schlucken hören kann. 

Neben Songs des aktuellen, für meine Begriffe zu dick produzierten, Albums „Mirage of bliss“ gibt es Perlen aus Heckers Frühwerk wie „Kate Moss“, das eines der Liebelingslieder des Polarkreis 18 Sängers ist, das verträumte „Snow White“ oder „I'll be a virgin, I'll be a mountain“, das Hecker als letzte Zugabe alleine vorträgt. Doch auch Felix Räuber, der heute klar als Frontmann von Polarkreis 18 vorgestellt wurde – was in Stuttgart mit keinem Wort Erwähnung fand -, durfte mit „Running out of time“ einen Song aus seinem kommenden, ersten Soloalbum vorstellen. Dass Räuber eine erfolgreiche Zukunft als Solokünstler in Aussicht haben dürfte, daran lässt bereits dieser erste Appetithappen keinen Zweifel. Einen Radiohit dürfte der sympathische Dresdner damit zumindest sicher haben, womit er auch geschickt kokettierte als er den Titel als „Robbie Williams Nummer“ ankündigte, die so klingen könnte, als hätte sie David Guetta produziert. „Der Geiger?“, fragt Hecker. Genau. Es sind Momente wie dieser. Augenblicke, in denen der subtile Zynismus Heckers zum Vorschein kommt, die einem den Glauben an das Gute im deutschen Pop zurückgeben. Manchmal muss es eben sentimental sein, auch an der Grenze zum Kitsch, um herzlosen Retortenpop überstehen zu können. 

Setlist Maximilian Hecker & Felix Räuber, Löwen, Tübingen: 

01: Mirage of bliss (Part 1) 
02: Mirage of bliss (Part 2) 
03: Summer days in bloom
04: Heavenlies 
05: Silent, lucid flashes 
06: Kate Moss 
07: Treasure trove 
08: The forsakenness of raging love

Lesepassage aus „The Rise and Fall of Maximilian Hecker“

09: If only I could see 
10: Birch 
11: Running out of time (Felix Räuber)
12: Snow White
13: The whereabouts of love  

14: Head up high (Z)
15: I'll be a virgin, I'll be a mountain (Z)


* es fehlen noch zwei Fotos, die kommen etwas später!





 

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