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um
11:54
Kirchenkonzert der Bedroomdisco Darmstadt
mit Musée Méchanique und Einar Stray Orchestra
Datum: 16. Mai 2015
Dauer: 50 min + 80 min
Zuschauer: knapp 300
Alle wunderbaren Bilder von Guido - vielen Dank!
Das Jahr 2014 hatte ich mit einem ganz besonderen Neujahrskonzert in Berlin begonnen. Seitdem war für meinen Geschmack viel zu viel Zeit vergangen ohne ein Konzert mit Einar Stray (bzw. dem Einar Stray Orchstra). Irgendwie waren wir im Herbst 2014 nicht mehr zusammengekommen und beim lesen der Mai-Tour Stops hatte ich das Gefühl, dass das wieder nichts wird. Aber dann hatte meine Schwester zugesagt, dass wir das zusammen machen können und damit war Darmstadt der gesetzte Ort. Auch, weil wohl die Darmstädter Kirche einfach die beste Location und das beste Publikum der Tour bieten würde.
Vor Einar Stray hatte das Team der Bedroomdisco noch Musée Méchanique auf dem Programm des Kirchenkonzertes, die ich während ihrer aktuellen Tour eigentlich bequem in Karlsruhe hatte sehen wollen. So trafen wir uns also auf ihrer ersten deutschen Station 2015 und mit (wie sich später herausstellte) längerem Zeitslot. Sie waren auf der Bühne mit vier (nicht fünf) Personen. Wahrscheinlich in der Besetzung
Sean Ogilvie & Micah Rabwin: Gitarre, Piano und Gesang
Matt Berger: Schlagzeug
Brian Perez: Glockenspiel, Synthie, Glocken, Steelgitar, Tasten.
Man liest schon aus der Instrumentenliste heraus, dass mit Klangfarben nicht gespart werden sollte und die Songs sehr sorgfältig möbliert waren. In O, Astoria sorgte auch gleich ein sehr filigraner Beat-Teppich für ein aufhorchen meinerseits. Es wurden vor allem die Stücke der aktuellen Platte From Shores of Sleep geboten und die Live-Fassungen waren denen auf der CD bei mir zu Hause sehr ähnlich.

Ein bisschen musste ich schmunzeln, weil natürlich Sean und Brian so eine Vielzahl an Instrumenten zu spielen hatten, dass sie mitunter hoch konzentriert sein mussten und auch nicht klar war, ob die Arme von Sean mit der Gitarre vorm Bauch noch auf das hintere Keyboard reichen. So holte er sich im dritten Song The open sea mit dem Akkordeon die Tasten näher heran... Es war ein etwas verwegener (aber typischer) Stilmix mit triumphalem Finale. Ganz das, was man an der Band lieben muss. Die Ansagen teilte sich die Band auf mit etwas Deutsch und Spanisch eingemischt. Sie sorgten dafür, dass wir die Musiker als nette Zeitgenossen kennen lernten, die wohl auch den besonderen Ort sehr genossen.

Im letzten Drittel wurde für A wish we spoke auf das aktuellste Video von Rachel Blumberg hingewiesen. Für mich persönlich am überraschendsten war das Bekenntnis, dass das letzte Stück des Sets The old Shaker's Cask direkt durch Robert Schumanns Kinderszenen angeregt ist (konkret durch Der Dichter spricht). Die knappe Stunde mit Musée Mécanique war gut und unterhaltsam und ich kann also die Konzerte nur wärmstens ans Herz legen, wenngleich es auf Dauer vielleicht auch zu wenig abwechslungsreich ist.
Setlist:
01: O, Astoria
02: The Lighthouse and the Hourglass
03: The open sea
04: Like home
05: Castle walls
06: A wish we spoke
07: The man who sleeps
08: The old Shaker's Cask
Tour Musée Méchanique
16.05. Darmstadt – Bedroomdisco
17.05. Karlsruhe – Jubez
18.05. Dresden – Beatpol
21.05. Hasselt – Muziekodroom
22.05. Beverungen – Orange Blossom Special
23.05. Mannheim – Maifeld Derby
24.05. Hamburg – About Songs
25.05. Jena – Glashaus
26.05. Leipzig – Goldhorn
27.05. Nürnberg – MUZ
28.05. Hannover – Feinkostlampe
29.05. Köln – Die Wohngemeinschaft
30.05. Nijmegen – Merleyn
31.05. Leuwarden – Fries Straatfestival
01.06. Zürich- Bogen F
02.06. Freiburg – White Rabbit
03.06. St.Gallen – Folk Café
04.06. Le Port Franc
Nach dem nötigen Umbau begann schließlich der Teil des Abends auf den ich so gespannt war. Die Bühne nahmen nämlich
Maja Gravoermoen Toresen: Violine & Gesang
Ofelia Østrem Ossum: Cello & Gesang
Einar Stray: Piano/E-Gitarre & Gesang
Lars Fremmerlid: Schlagzeug & Gesang
Simen Aasen: E-Bass guitar & Gesang
in Beschlag und damit die mir schon wohlbekannte Besetzung von Einar Stray. Den starken Auftakt durfte das acapella Stück For the Country liefern. Damit war in wenigen Sekunden auch das letzte Schwatzen oder Flüstern im Raum erstorben.
Anschließend folgte Pockets full of Holes, das Lied wo ich unwillkürlich den vor dem Berliner Konzert noch geübten Refrain wieder mitsingen musste: Will I die inside before I die. Was für ein expressives Stück! Leider wurde spätestens im dritten Stück klar, dass wir vom Bass eigentlich nichts hörten. Das änderte sich auch über den Abend nicht. Für Politricks wechselte Einar an die Gitarre und nutzte den Moment für eine erste Ansage. Die Stücke des aktuellen Albums Politricks würden den Abend prägen und davon handeln, was sie für Erfahrungen mit dem
erwachsen werden machen.

Für Aleksander gab es ein herrliches Geigenintro, in das zunächst das Cello einstimmen durfte und erst dann entwickelte sich der Song in der Livefassung. Anschließend setzte Chiascuro einen brillianten Glanzpunkt im Programm. Welche Dynamik und welche Energie! Schließlich gab es als besonderes Geschenk noch ein als Experiment bezeichnetes neues Stück Last light, das sehr elegisch und mit wie ein Metronom schlagendem Beat gleich mein Herz eroberte.
Auch wirklich grandios das letzte Stück des Sets: We were the core seeds. Da ging mir das Herz ganz auf. Zum Glück aber gab es noch zwei Zugaben und der Abend endete auf einer jubilierenden Note mit einem wunderschönen Caressed nach eigentlich zu schnell vergangenen 80 min. Die Fahrt nach Darmstadt hatte sich mal wieder mehr als gelohnt!
Setlist
01: For the country
02: Pockets full of holes
03: Honey
04: Politricks
05: Aleksander
06: Chiaroscuro
07: Thrasymachus
08: Last light (neu)
09: Montreal
10: We were the core seeds
11: Teargas Plateglass
12: Caressed
Tour Einar Stray
14.05. Waldsee, Freiburg
16.05. Bedroomdisco, Darmstadt
17.05. Bedroomdisco, Nürnberg
18.05. FZW, Dortmund
20.05. Schon Schön, Mainz
21.05. Rosenkeller, Jena
23.05. MAU, Rostock
24.05. About Songs Festival, Hamburg
18.06. Schillertage Festival, Mannheim
23.06. Bremen, Lagerhaus
24.06. Berghain Kantine, Berlin
Aus unserem Archiv:
Musée Mécanique, Paris, 24.09.10
Musée Mécanique, Paris, 16.03.10
Musée Mécanique, Heerlen, 07.03.10
Einar Stray, Berlin, 01.01.14
Einar Stray, Köln, 20.06.12
um
16:41
Concert: Musée Mécanique
Lieu: Le Point Ephémère
Date: 24 septembre 2010
Spectateurs : 150 à 200 Durée : environ 1h30
Par Philippe D. (merci beaucoup!)
La magie de Musée Mécanique a encore opéré : six mois après leur première partie de Get Well Soon à la Cigale, qui avait fait un triomphe alors que le groupe n’était qu’en formation réduite (trois sur cinq), les américains de Portland se sont retrouvés vendredi 24 septembre au complet (à une substitution de bassiste près), en tête d’affiche au Point Ephémère.
Après une première partie sympathique assurée par Lisa Li-Lund (la sœur des frangins Herman-Dune) en solo, Musée Mécanique a enchaîné l’ensemble des titres de leur premier album Hold This Ghost. Les deux piliers du groupe, Micah Rabwin et Sean Ogilvie se sont succédés au chant. Les titres de Hold This Ghost, déjà somptueux sur disque, prennent une dimension supplémentaire en live où le groupe parvient à reproduire la minutie des arrangements grâce à de multiples instruments (scie musicale, slide guitar, mini pianos, accordéon..).
Un peu avant le début du concert, Micah et Sean m’avaient indiqué qu’ils sont en cours de préparation de leur nouvel album (pour une sortie en2011) et que certains nouveaux morceaux allaient être joués ce soir : ce fut le cas avec trois superbes nouveaux titres. Cerise sur le gâteau de ce concert, deux fantastiques reprises de deux titres des BeachBoys (issus de leur meilleur album, Pet Sounds): un Sloop John B d’anthologie (j’oserai presque dire meilleur que l’original !) et un très beau God Only Knows (comme quoi Micah Rabwin n’a pas peur des’attaquer à l’Everest).
En deux mots : peut-être le meilleur concert de l’année en ce qui me concerne…
Anmerkung: Bei den Bildern handelt es sich um Archivfotos von Oliver Peel.
um
01:47
Konzert: Musée Mécanique & Get Well Soon
Ort: La Cigale Paris
Datum: 16.03.2010
Zuschauer: fast ausverkauft
Konzertdauer: wird demnächst mitgeteilt
Live report en français ci dessous!
"Man kann nicht alles haben." Schon als Kind habe ich diesen Satz gehasst. Und heute hat Glück, Schicksal, oder was auch immer dafür gesorgt, daß dieser Spruch ad absurdum geführt wurde. Ich habe nämlich wirklich alles bekommen, was ich mir gewünscht hatte. In Demut danke ich dem lieben Gott.
Ein sehr emotionaler Abend für mich geht zu Ende. Sean und Micah von Musée Mécanique wollte ich bei ihrem Support-Konzert für Get Well Soon auf keinen Fall verpassen, denn die Jungs hatten am 12. Dezember zusammen mit Laura Gibson eine wundervolle Oliver Peel Session bei uns gespielt. Laura hat absolut netterweise persönlich dafür gesorgt, daß ich auf die Gästeliste kam.
Sean ist nämlich ihr Lover. Zusammen mit Micah und einem dritten Musiker spielten sie ein traumhaftes schönes Konzert, das mir sehr naheging. Das erste Lied hatte ich verpasst und amüsanterweise war es ausgerechnet Konstantin Gropper, der mich darüber informierte. Ich traf ihn zufällig im Publikum und fragte aufgeregt, bei dem wievielten Lied die Amis sind. Als ich hörte, daß sie gerade erst ihren zweiten Song spielen, war ich beruhigt. Ich sollte also in den Genuß des fast vollständigen Sets kommen. Der Stil von Musée Mécanique gefiel mir ganz ausgezeichnet. Eigentlich fast eher Dream Pop als erdiger Folk,
aber dermaßen einschmeichelnd und tröstlich, daß ich mit der Zunge schnalzte. Mal sang der hochaufgeschossene Sean, mal der eher stämmige Micah. Sean klang stimmlich ungefähr nach Sufjan Stevens (vor allem beim wundervollen Nothing Glorious, während Micahs Gesang eher an Guy Garvey von Elbow erinnerte (Beispiel Things That I Know). Abgerundet wurde das Ganze durch sphärische, ja fast esoterisch zu nennende Keyboardklänge. Das erinnerte mich an die Franzosen Syd Matters, die mich mit einer ähnlichen Rezeptur regelmäßig dahinschmelzen lassen. Die Stücke stammten fast ausschließlich vom hochgelobten Album Hold This Ghost, aber mein Lieblingsstück des Abends war ein Non-Album Track.
Wie Sean erklärte, sei es bei einer letztjährigen Tour durch den südlichen Teil Amerikas entstanden, als sie mit Laura Gibson und Damien Jurado auf Achse waren. Das Lied traf mich mit voller emotionaler Wucht, denn ich mußte natürlich auch an unsere Session mit Laura Gibson denken und daran welch gutherziger und liebenswürdiger Mensch sie ist. Mir ging besonders ein Moment jenes wunderbaren 12. Dezember nicht aus dem Kopf: Laura hatte mich um einen Tee gebeten und ich hatte das kochende Wasser fast eine Stunde lang auf der Herdplatte vergessen. Traurig schaute Laura auf den letzten kleinen Rest Wasser und wirkte ganz verloren. Natürlich habe ich ihr einen neuen Tee gemacht, aber dieses Bild der traurig dreinblickenden Laura vergaß ich nicht mehr und es wurde durch den Song von Musée Mécanique wieder wachgerufen.
Innerlich schluchzte ich und das wegen einer Tasse Tee! Natürlich nicht nur deshalb. Vielmehr wurde mir deutlich, welch großes Glück ich hatte, formidable Künstler wie Laura Gibson und Micah und Sean in unserem Wohnzimmer gehabt zu haben. Ich konnte es irgendwie nicht fassen! Und nun standen die beiden Portlander in der Cigale auf der Bühne. Wahnsinn!
Im Anschluß dann Get Well Soon und Gropper und seine Band sorgten für eine fulminante Fortsetzung des aufregenden Abends. Gut 45 Minuten habe ich von ihrem Konzert gesehen und dabei jede menge starker neuer Lieder und tolle Videos geboten bekommen. Die gespielten Songs und die projezierten Bilder waren perfekt aufeinander abgestimmt. so daß man sich fast wie im Kino fühlte.
Schon die ersten Videos waren von verstörender Schönheit. Ein junges Mädchen mit rotem Bonnet, Mäntelchen und niedlichen Zöpfchen, das zu Seneca's Silence in einer Waldlichtung spielt. Kaum zu entscheiden, ob dies eher heiter (die einfallenden hellen Lichtstrahlen), oder bedrohlich (ein kleines Mädchen alleine im Wald, da wittert man Gefahren) wirkte. Dann wurde es deutlich lustiger,
denn die Bandmitglieder bekamen einer nach dem anderen eine Sahnetorte ins Gesicht gepfeffert. Natürlich nur auf der Leinwand, im Publikum wagte sich niemand mit süßen Lebensmitteln Richtung Bühne zu werfen. Und wer bringt schon eine Sahnetorte mit in die Cigale? Vielleicht mal eine Anregung für das letzte Konzert der Vexations Tour: Tortenschlacht mit allen Bandmitgliedern und dem Publikum!
Der Bilderreigen ging munter weiter, man sah in der Folge Astronauten, eine geballte Faust (war Boris Becker da?), eine herrliche Nadelwald-Landschaft, aber auch den krassen Gegensatz, nämlich abgestorbene Bäume, deren dürre blattlose Äste in den Himmel ragten. Eine Metapher für Traurigkeit, Melancholie und Trostlosigkeit. Auch Groppers Lieder enthalten diese Elemente,
aber seine Songs schaffen es immer wieder, sich von den Fesseln der Depression zu lösen, gegen die Tristesse aufzubegehren und in einem exstatischen, euphorischen Finale zu enden. Manisch depressiv würde der Mediziner sagen und gerade diese Bipolarität macht einen Großteil der Faszination von Get Well Soon aus.
Das Pariser Publikum war begeistert und spendete nach jedem vollendeten Stück frenetischen Beifall. Sichtlich gerührt bekannte Konstantin dann auch: "Nous sommes très nerveuses" (eigentlich richtigerweise nerveux, aber egal) de jouer ici. C'est quand même La Cigale!" - Wir sind sehr nervös heute, denn wir spielen ja schließlich in der (legendären ) Cigale. Die angesprochene Nervosität merkte man der vielköpfigen Band aber kaum an. Alles flutschte und Dirigent Gropper hielt auf geniale Weise die Fäden zusammen. Eine perfekt eigespielte Truppe, die auch die neuen Songs schon wie im Schlaf exekutierte. Einer dieser neuen Songs war We Are Free - "Nous sommes libres",
wie Konstantin richtig übersetzte. Ein Stück wie aus einem französischen Spielfilm der 70 er Jahre. Sanft melancholisch, aber für Get Well Soon-Verhältnisse fast heiter und von einem "bambambam" Singalong durchzogen. "It's time to lose it all, cause then we are free" so der Text. Wenn man alles verloren hat, lebt es sich freier, stimmt schon irgendwie...
Zwei weitere Neulinge ließen mich besonders aufhorchen. A Voice In The Louvre passt natürlich nirgens besser als in Paris und Werner Herzog Gets Shot war schon allein des Titels wegen ein Aufhorcher.
Zu A Voice In the Louvre sah man wieder das junge Mädchen mit den Zöpfen auf der Leinwand, daß uns schon ganz am Anfang begegnet war. Die Bilder schauten das Mädchen an nicht umgekehrt, erfuhr man da. Hmm, interessant! Ich hingegen schaute Verena Gropper an, die abwechselnd bunte Glöckchen erklingen ließ, um dann auf die Geige umzusatteln.
Das schleppend begonnene Lied nahm immer mehr Fahrt auf, ruderte dann aber wieder zum Ausgangstehema zurück und Verena wechselte nun wieder von der Geige zu den Glöcken. Dieses Spielchen wiederholte sich ein paar Mal, bevor beim Finale alle Zügel gelockter wurden und Konstantin und Maxi wild abrockten.
Bei Werner Herzog Get Shot dominierten die schwermütigen Geigen und das Lied hatte sanfte, dreampoppige Züge. Eines der scönsten Lieder im Set mit der markanten Songzeile "There's no excuse, let's try and fail and be winning still" und einer operettenhaft singenden Verena.
That Love und der alte Klassiker If That Hat's Missing I've Gone Hunting folgten, aber die Zeit drängte immer mehr. Ich wollte nun die Cigale verlassen, um zu Mohna zu eilen, die im Scopitone als Headliner angesetzt war. Auf dem Weg nach draußen traf ich zufälligerweise Micah von Musée Mécanique, der mich herzlich begrüßte und mich in den Backstagebereich führte, wo Sean abhing. Backstage in der Cigale, das war für mich eine ganz neue, spannende Erfahrung! Micah hat mir sogar noch die feine CD geschenkt und gerne wäre ich noch bei ihnen verweilt,
aber ich musste ja jetzt zu Mohna. Ich hastete wie ein Irrer und kam tatsächlich in dem etliche U-Bahnstationen und einen langen Fußweg entfernten Club pünktlich an, um noch das gesamte Konzert der deutschen Pianistin zu genießen. Viele bekannte Gesichter im Publikum und ein unglaublich berührendes, fragiles Konzert. Hinterher hieß es Abschied von Mohna, ihrer Schwester Marina und dem dritten Begleitmusiker Sebastian (und der lieben Freudin Cora) zu nehmen. Innerlich schluchzte ich, weil mir die Hamburger ganz schnell sehr ans Herz gewachsen sind. Wahnsinnig liebenswürdige, natürliche Menschen!
Mein Feuereifer trieb mich dann noch ins Baron, wo die Kanadierin Caroline Keating aufspielte.
Ebenfalls Pianistin und auch sie sehr talentiert. Schönes Konzert einer feurigen jungen Dame, die sich völlig zu Recht darüber beklagte, daß das Publikum zu laut schnatterte. Auch sie schenkte mir ihre CD, weil sie sagte, daß dies ihr letzter Auftritt der Tour gewesen sei und sie nicht mit Tonträgern zurückkehren wolle. Dennoch zückte ich mein Portemonnaie und bezahlte ihr 10 Euro, was angemessen war. "Geben und nehmen" besagt das Sprichwort und ich hatte an diesem irren Dienstagabend so viel bekommen, daß ich auch mal etwas zurückgeben musste. Glück, Zufall oder der liebe Gott waren sehr gnädig zu mir. Ich bin dankbar und hoffe, daß ich es verdient hatte...
Setlist Get Well Soon, La Cigale, Paris: (merci à Marguerite!)
01: Seneca's Silence
02: People Magazine Front Cover
03: We Are Free
04: 5 Steps/7 Swords
05: A Voice In The Louvre
06: Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day
07: Werner Herzog Gets Shot
08: That Love
09: If This Hat's Missing I've Gone Hunting
10: We Are Ghosts
11: A Burial At Sea
12: Tick Tack! Goes My Automatic Heart
13: Angry Young Man
14: Roman Empire
15: Jesus.etc (Wilco), zusammen mit Musée Mécanique
16: Help To Prevent Forest Fires
17: I Sold My Hands For Food So Please Feed Me
18: Christmas In Adventure Parks
Pour nos lectuers francais:
um
01:52
Konzert: Get Well Soon (& Musée Mécanique)
Ort: Nieuwe Nor, Heerlen
Datum: 07.03.2010
Zuschauer: ca. 150 bis 200 (nicht ganz ausverkauft)
Dauer: Get Well Soon 90 min, Musée Mécanique 45 min
Der Ort Heerlen in den Niederlanden verliert für ein Konzert an einem späten Sonntagabend deutlich an Schrecken, wenn man sich in der Euregio Maas-Rhein,
dem Gebiet zwischen Aachen, Lüttich und Maastricht ein wenig auskennt. Heerlen ist von Aachen nämlich gerade mal 20 min entfernt und damit vollkommen akzeptabel als Ausgehstadt. Aber eigentlich bedurfte es dieses Schönredens nicht, weil Get Well Soon schließlich auch weitere Anreisen rechtfertigten.
Als wir im Nieuwe Nor ankamen, waren wir auch nicht die einzigen Grenzgänger, Einheimische schienen sogar in der Minderheit zu sein. Der Club befindet sich in einem Backsteingebäude mitten in der Innenstadt, das früher mal den Gebrüdern Schmitz gehört hatte (keine Ahnung, wer die waren, ihr Name steht aber noch an der Fassade). Hinter eine Kneipe kommt man zum Konzertsaal, der ziemlich klein aber sehr sehr schön ist. Es ist einer dieser Säle, die extra für Konzerte gebaut wurden. Über dem Zuschauerraum verläuft eine kleine Galerie, ansonsten hat der Saal eine herrlich hohe
Decke und ganz offensichtlich eine sehr gute Technik- und Lichtanlage. Nur schien die Bühne ein wenig klein zu sein für das, was kommen sollte.
Es begann erst einmal mit Musée Mécanique aus Portland, Oregon. Irgendwie schafften die drei Musiker es, sich auf der vollkommen zugestellten Bühne Platz zu verschaffen. Überall standen Trommeln, Keyboards, Glockenspiele, Gitarren und Mikros. Der Platzmangel hinderte Micah Rabwin, Sean Ogilvie und Brian Perez aber nicht daran, pünktlich um neun mit ihrem wundervollen Set zu beginnen.
Anders als man bei Portland erwarten würde, ist die Musik der eigentlich fünfköpfigen Band sehr leise und folkig und überhaupt nicht gitarrendominiert. Ganz im Gegenteil: sehr selten kam überhaupt einmal eine akustische Gitarre zum Einsatz, dominiert wurde die Instrumentierung von Keyboards und meinen Lieblingen, also Glockenspielen, einer Melodica und allerlei Rasseln.
Das Was war schon toll, das Wie aber deutlich spektakulärer! Micah und Sean (die beide schon bei
einer Oliver Peel Session Laura Gibson begleitet haben) standen rechts und in der Mitte und tauschten häufig die Plätze. Derjenige, der rechts am Keyboard saß, hatte außerdem ein Glockenspiel, ein Becken und ein paar Rasseln zu bedienen. Der Mann in der Mitte spielte Bassdrum, manchmal Gitarre und Keyboard. Wirklich vollgeladen war allerdings Brian. Er hatte auf dem Schoß eine Steelguitar, vor sich ein Keyboard und mindestens ein Glockenspiel und im Mund den Schlauch einer Melodica. Das waren die Sachen, die ich sicher erkennen konnte...
Jeffery und Matt, Bassist und Schlagzeuger (und beide auch Glockenspieler) hatten es nicht geschafft, die Tour mitzumachen. "Also muß Brian die Band ersetzen!" Es
war fabelhaft und genau richtig für mich. Überall klingelte es, es gab Glockenspiel-Duette und wundervolle, ruhige Stücke, die hervorragend zur Hauptgruppe passten. Daß eine so instrumentierte Band auch eine singende Säge einsetzt, muß ich nicht extra erwähnen, oder?
Der Umbau zu Get Well Soon dauerte länger als gewohnt. Das hatte seine Ursachen aber nicht in dem wenigen Platz auf der Bühne, es gab vielmehr
Probleme am Keyboard von Marcus Wuest. Mit einigen Minuten Verspätung waren die aber gelöst, zumindest bekam ich nichts mehr davon mit, daß irgendetwas nicht funktionieren könnte.
Die Setlist war natürlich die von Frankfurt, weil die aktuellen Konzerte synchron zu einem Film ablaufen. Es ist also mehr Live-Soundtrack als Konzert, was zu der Musik von Konstantin Gropper ja ganz ausgezeichnet passt.
Weil ich es ja vorher schon einmal gesehen hatte, erlebte ich das Konzert anders, hatte aber - und das ist (auf bankisch) am Ende des Tages wichtig - das gleiche Vergnügen an der ganz ausgezeichneten Darbietung. Wie unglaublich liebevoll Film und Musik aufeinander abgestimmt sind, ist wundervoll. Und mir sind bisher sicher die meisten dieser tollen Details verborgen geblieben. Wenn bei Ticktack! Goes my automatic heart vom "bird from far away" gesungen wird, und der dann wirklich irgendwo zwitschert, der Geisterchor in We are ghosts genau an
der richtigen Stelle singt - dann ist das ganz große Kunst! Oder die Tortenschlacht, die ich schon in Frankfurt beschrieben hatte. Toll!
Musikalisch war das komplette Konzert großartig, die Phase der ganz ganz großen Hits begann aber beim Charlton-Heston-Lied If this hat is missing I've gone hunting. Wen das und die folgenden Stücke kalt ließen, der war wirklich vollkommen fehl am Platz. Davon war allerdings nichts zu spüren, denn trotz des überschaubaren Saals klang es, als spielten Get Well
Soon vor großem Hause.
Die ganz großen Säle (oder Samstagabendshows) werden Get Well Soon sicher auch künftig nicht spielen. Aber wie großartig, daß die beiden außergewöhnlichen Alben so viel Anerkennung erfahren, daß Vexations auf Platz 11 in den deutschen und auf Platz 7 in den griechischen Charts eingestiegen ist! Sehr bald werden amerikanische Bands in unseren Interviews auf die Frage nach deutschen Bands nicht mehr Rammstein, Scooter und Scorpions nennen. Das wäre doch eine wahrhafte Kulturrevolution!
Setlist Get Well Soon, Mousonturm, Frankfurt:
01: Nausea (instr.)
02: Seneca's silence
03: People Magazine front cover
04: We are free
05: 5 steps / 7 swords
06: A voice in the Louvre
07: Listen! Those lost at sea sing a song on christmas day
08: Werner Herzog gets shot
09: That love
10: Aureate
11: If this hat is missing I've gone hunting
12: We are ghosts
13: A burial at sea
14: Ticktack! Goes my automatic heart
15: Angry young man
16: We are the Roman Empire
17: Christmas in adventure parks (Z)
18: Help to prevent forest-fires (Z)
19: I sold my hands for food so please feed me (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Get Well Soon, Frankfurt, 02.03.10
- Get Well Soon, Paris, 26.01.10
- Get Well Soon, Wiesbaden, 22.08.09
- Get Well Soon, Bonn, 04.07.09
- Get Well Soon, Paris, 06.05.09
- Get Well Soon, Nijmegen, 25.04.09
- Get Well Soon, Paris, 14.10.08
- Get Well Soon, Wiesbaden, 30.08.08
- Get Well Soon, Melt!, 20.07.08
- Get Well Soon, Evreux, 28.06.08
- Get Well Soon, Frankfurt, 15.04.08
- Get Well Soon, Köln, 09.04.08
- Get Well Soon, Berlin, 21.09.07
- Get Well Soon, Haldern, 02.08.07