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Montag, 31. August 2009

Festival Rock en Seine bei Paris, 30.08.09

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Konzert: Festival Rock en Seine bei Paris, 3. und letzter Festivaltag

Ort: Domaine Nationale de Saint Cloud bei Paris
Datum: 30.08.2009
Zuschauer: ausverkauft



Sonntags komme ich nie gut aus den Federn. Dennoch raffe ich mich irgendwann auf, fange aber an, noch Fotos vom Vortag auszusortieren. Damit verplempere ich soviel Zeit, daß ich erst gegen 14 Uhr aufbreche. Metric sind aber bereits um 14 Uhr 30 angesetzt und die wollte ich eigentlich auf keinen Fall verpassen. In der Metro Richtung Pont de Saint Cloud treffe ich gleich mehrere Pariser Freundinnen, ein Beleg dafür, daß Paris indiemusiktechnisch eigentlich ein Dorf ist. Aber was sage ich, die Welt ist ein großes Dorf! In der U-Bahn lerne ich nämlich auch noch eine entzückende junge Deutsche kennen, die aus Würzburg stammt. Dort habe auch ich einen Teil meiner Wurzeln. Wir plaudern angeregt und plötzlich habe ich es nicht mehr soo eilig, schnell auf das Festivalgelände zu kommen. Doch irgendwann erreiche ich schließlich die Scène de La Cascade, wo Metric schon in voller Aktion sind.

Metric:

Das erste Lied, was ich halbwegs mitbekomme ist Gimme Sympathy vom neuen Album Fantasies. Ich stehe aber noch sehr ungünstig, auf der Anlage wimmelt es bereits jetzt vor Menschen und keiner will seinen Platz preisgeben, der ihm den Blick auf die hübsche Emily Haines garantiert. Ich kann mich aber doch langsam nach vorne durcharbeiten und sehe die wilde Frontlady nun über die Bühne wirbeln. Sie ist noch blonder, als ich sie mir vorgestellt hatte und ihr Kleid sitzt auf ihrem schlanken Körper tadellos. Mit Dead Disco kommt dann bald auch schon ein Lied, das ich gut kenne, denn das alte Album Old World Underground, Where Are You Know habe ich im Gegensatz zu Fantasies oft und gerne gehört. Zwar bot es mit seiner Mischung aus Post-Punk und New Wave im Stile von Blondie nichts wirklich Neues, aber die zahlreichen Hits hatten schon starken Suchtcharakter. Auch Monster Hospital, was nun folgt, ist alt und nach wie vor zugkräftig. Unzählige Hände fliegen nach oben, das Publikum amüsiert sich wie Bolle. Schade bloß, das zum Abschluß mit Stadium Love ein ziemlich platter Song das Set beendet.

Setlist Metric, Festival Rock en Seine 2009:

01: Help I'm Alive
02: Gold Gun Girls
03: Gimme Sympathy
04: Sick Muse
05: Empty
06: Dead Disco
07: Monster Hospital
08: Stadium Love

Lilly Wood And The Prick:

Mit Lilly Wood & The Prick folgt dann eine exzentrische Französin, die mir aber zu soulig rüberkommt. Ziemlich schnell verlasse ich die Scène de L'Industrie und treffe auf dem Gelände etliche Freunde und Bekannte. Ich plaudere mich irgendwann fest und verpasse bis 18 Uhr das gesamte musikalische Programm, das mich ohnehin nicht wirklich reizte (Macy Gray, Robin Mc Kelle, Hindi Zahra, zum Teil kenne ich die Künstler gar nicht). Dafür habe ich soziale Kontakte gepflegt, mir von den hübschen flanierenden Mädchen den Kopf verdrehen lassen und ein wenig Sonne getankt. Festivals besuchen heißt nicht, daß man 10 Stunden hintereinander nur starr auf die Bühne glotzt. Finde ich zumindest.

Sammy Decoster:

Der Bursche entspricht eigentlich meinem Beuteschema. Er ist Franzose und gehört zu neuen Folkszene. Zudem hat er gute Kritiken für sein letztes Album Tucumcari bekommen. Schon nach ein paar Liedern wird aber deutlich, daß die Chemie zwischen uns irgendwie nicht so 100%ig stimmt. Ich hatte ihn schon einmal 2008 im EMB Sannois gesehen und fand ihn dort auch nur mittelprickelnd. Also verschwinde ich Richtung Eagles Of Death Metal die auf der Hauptbühne spielen. Ganz nach vorne komme ich aber nicht durch, weil ich mich mit einem Freund festquatsche. Es geht um die nächste Oliver Peel Session und die Terminabsprache für den hochtalentierten französischen Folksänger Lepold Skin. Warum haben sie den eigentlich nicht zu Rock En Seine eingeladen??

Les Petits Pois:

Die Eagles Of Death Metal habe ich also nicht so richtig mitbekommen, dafür gibt es aber mit Les Petits Pois (auch unter dem Namen Them Crooked Vultures agierend) Kumpels von Jesse Hughes auf der Scène de la Cascade zu sehen. Deren Besetzung ist absolut hochkarätig: Kein Geringerer als Josh "Queens Of The Stone Age" Homme spielt Gitarre und greint seinen bluesigen Gesang, John Paul Jones (Led Zeppelin!) zupft den Bass und am Schlagzeug wütet Dave "Foo Fighters ex Nirvana" Grohl!!! Zusammen mit Alain Johannes (QOTSA) heizen sie dem Publikum mächtig ein. Als sei es nicht schon heiß genug! Josh parliert sogar ab und zu ganz passabel auf französisch und zeigt sich von dem ganzen Festival sehr angetan. Gut gelaunt und mit viel Spielfreunde ballern sie in der Folge aus allen Rohren und reißen Weicheiern, die vorher an gleicher Stelle Sliimy gesehen haben, mal so richtig den verpoppten Arsch auf. Die Heißsporne haben eine diabolische Freude dabei, die Belastbarkeitsgrenze der Fanohren zu testen. Nie nehmen sie den Fuß vom Gaspedal und kredenzen eine schwere, psychedelisch gewürzte Suppe à la Homme. Die Titel kenne ich nicht (sie werden nachgreicht, Josh hat viele Namen erwähnt), aber der letzte Song allein, war es wert, hier zu verharren. Fast 10 Minuten lang drehen jaulende Gitarren Endlosschleifen, poltern böse klingende Bässe gespenstisch über die Wiese und vermöbelt Dave Grohl seine Schießbude wie ein Besessener. Ein Knaller!

Setlist Les Petits Pois, Rock en Seine 2009 (danke an Rockerparis)

01: Elephants
02: Dead End Friends
03: Gunman
04: Mind Eraser
05: Bandoliers
06: Caligulove
07: Daffodils
08: New Fang
09: Nobody Loves Me And Neither Do I
10: Warsaw



MGMT:

Viele der unzähligen trendigen Mädels, die man heute ausmachen kann, sind offensichtlich nur wegen MGMT gekommen. Die Wiese vor der Hauptbühne ist restlos überfüllt und ein Durchkommen nach vorne nur unter schwersten Kraftanstrengungen möglich. Irgendwann sehe ich die wuscheligen Neo-Hippie Schönlinge aber doch von Nahem und auch der Sound ist hier präziser. Ihre zahlreichen Hits (Weekend Wars, Time To Pretend, Electric Feel) vom letztjährigen Debütalbum (und ein paar Neulige wie beispielsweise A Song For Dan Treacy) ziehen nach wie vor unglaublich gut und die Festivalveranstalter sind wahrscheinlich froh, daß sie das As MGMT nach der Absage von Oasis noch im Ärmel hatten. Der Abschluß traditionell mit Kids und natürlich gibt es jetzt kein Halten mehr...

Klaxons:

Bericht morgen

Patrick Wolf:

Ein Wolf im Schafspelz ist Patrick Wolf sicherlich nicht. Würde ihm auch gar nicht stehen, so ein stinkender Schafspelz. Wie man den Fummel, den er trägt, allerdings beschreiben soll, weiß ich auch nicht so recht. Am besten ihr guckt Euch in Ruhe die Fotos an und bemerkt dann mit Sicherheit auch die häufigen Kostumwechsel des extrovertierten, extrovangten und exzentrischen Briten an. Den stürmischen Burschen hatte ich zuletzt im Juli beim Melt! Festival gesehen und dort hinterließ er auf der Hautpbühne performend einen starken Eindruck. Heute in Paris wurde ihm zwar nur die kleinste Festivalbühne gegönnt, aber der Eindruck war hinterher der Gleiche: stark! Aber was macht ihn so besonders? Ist es die frivole und provokative Show, die er abzieht? Nein, das ist es nicht. Zumindest spielt das für mich nur eine untergeordnete Rolle, denn ich habe ihn vor ein paar Jahren über das Album Wind In The Wires kennen-und schätzen gelernt und da wußte ich nochgar nicht, wie er sich live gebärd. Vielmehr waren es dynamische und catchy Songs wie Tristan, die mich hellhörig werden ließen. Inzwischen sind ein paar Jahre ins Land gegangen, Tristan spielt er (zumindest heute) nicht mehr und der Sound ist elektronischer und üppiger geworden. Auch das neue Album The Bachelor liegt seit ein paar Monaten in den Regalen und davon stammten dann natürlich heute auch die meisten Titel, die Hälfte um genau zu sein. Besonders angetan war ich von dem dramatischen und majestätischen Damaris, bei dem sich auch die braungelockte Geigerin in Szene setzen konnte. Überhaupt die Band von Patrick Wolf: erlesen! Thomas White von The Electric Soft Parade an der Gitarre und auch Nick Heyward, eine New Wave Ikone der 1980er Jahre (Haircut 100) war mit von der Partie. Welch ein Line-Up! Fehlte eigentlich nur Marc Almond, bekanntermaßen ein Idol für Patrick. Von ihm ist er auch äußerlich inspiriert, aber heute mit den wasserstoffblonden Extensions im Haar, sah er eher aus wie Samson. Oder so. Aber kommen wir wieder von den Äußerlichkeiten weg und loben stattdessen lieber Abraümer wie das eingängige Accident & Emergency oder den größten Hit des neuen Albums, nämlich Hard Times. Kurz vor Ende gebracht, wirbelte dieser teilweise orientalisch angehauchte Stampfer gewaltig Staub auf und brachte das Publikum in Ekstase. Patrick ließ es sich auch nicht nehmen, Tuchfühlung mit seinen Fans aufzunehmen, in einer Szene stand er gleich vor mir! Er kostete die Zuneigung voll aus, parlierte zurück auf der Bühne ganz passabel französisch und leitetet den Abschluß noch mit einem Intro von Madonnas Like A Virgin ein. Bei The Magic Position gab es dann kein Halten mehr. Ein famoses Konzert, eines der besten von Rock en Seine 2009!

Setlist Patrick Wolf, Rock en Seine 2009:

01: Who Will
02: Bluebells
03: Accident & Emergency
04: Damaris
05: The Bachelor
06: The Libertine
07: Hard Times
intro: Like A Virgin (Madonna Cover)
08: The Magic Position

Exkurs: Setlist Patrick Wolf, Melt! Festival 2009:

01: Kriegsspiel
02: Vulture
03: Oblivion
04: Bluebells
05: Who Will?
06: Damaris
07: Tristan
08: The Libertine
09: Battle
10: Hard Times
11: The Magic Position

- Mehr Fotos von Patrick Wolf hier





Donnerstag, 13. November 2008

MGMT, Fleet Foxes, Alela Diane, Paris, 12.11.2008

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Konzert: MGMT, Fleet Foxes, Alela Diane, Coming Soon

Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 12.11.2008
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: Coming Soon: 30 Minuten, Fleet Floxes (nur) gut 35 Minuten, Alela Diane 50 Minuten, MGMT 60 Minuten, zusätzlich gab es einen Pausenauftritt vor dem roten Vorhang von J. Tillman, seines Zeichens Schlagzeuger von den Fleet Foxes. Er spielte drei wunderschöne Lieder auf der Gitarre, Dauer: 10-15 Minuten



Das alljährlich im November in Paris und der französischen Provinz stattfindende Festival des Inrocks ist eine ganz feine Sache, gar keine Frage! Allerdings sollte man rechtzeitig seine Karte geordert haben, denn ansonsten läuft man Gefahr draussen zu bleiben, wie unerwünschte Hunde in einer Gaststätte.

Ich persönlich hatte auch zu lange mit dem Kauf der heißumkämpften Billets zugewartet und so hatte ich mich schon damit abgefunden, daß ich den grandiosen Abend mit meinen Lieblingen Alela Diane und den Fleet Foxes verpassen würde. In lezter Minute kontaktierte mich aber eine Freundin und fragte, ob ich mich für ihre überschüssige Karte interessiere. Ich zögerte mit der Zusage keine weitere Sekunde und so kam ich sogar noch in den Genuß des regulären Preises! 34 Euro kostete das Scheinchen, das einem Einlass in das altehrwürdige Olympia gewährte. Ein fairer Preis für vier aufstrebende Bands, wenn man bedenkt, daß man für die Oasis-Karte am vergangenen Montag allein schon 39 Euro berappen musste!

Ich kam ungewohnt pünktlich, da ich keine einzige Minute verpassen wollte. Beim Festival des Inrocks herrscht immer eine wunderbar festliche Atmosphäre, das Publikum ist alters- und geschlechtsmäßig bunt gemischt und alle sind in Feierlaune. Man zeigt dem tristen November einfach die kalte Schulter und amüsiert sich wie Bolle, genau wie das sein muss!

Als ich gegen 18 Uhr 30 eintrat, war es aber noch recht leer, viele Besucher stießen erst später hinzu und der Raum vor der noch verwaisten Bühne gehörte sehr jungen und wie immer sehr schönen Leuten. Die große Anzahl an bildhübschen Mädchen (Jungs auch, aber die interessieren mich nicht) in Pariser Konzertsälen verschlägt mir auch nach sechs Jahren Aufenthalt in Paris und fast 14 Jahren Partnerschaft mit einer süßen Französin immer noch den Atem. Gott muss einen sehr guten Tag gehabt haben, als er das französische Volk schuf, nirgendwo anders in Europa (und vermutlich der ganzen Welt) gibt es soviele attraktive Menschen, zumindest kommt das mir so vor. Sehr viele Künstler und Bands, die in Paris aufgetreten sind, haben das auch schon festgestellt. So äußerten sich beispielsweise die Engländer Foals bei einem französischen Festival folgendermaßen: "We just played in Glastonbury, that was great, but you in France look much better!" Und die Amerikanerin Devon Sproule fragte sich bei ihrem Auftritt in der Pariser Flèche d'or bereits, ob das Publikum gecastet sei. Es könne doch nicht möglich sein, daß alle Besucher so gut aussähen...

Auch die blutjungen Franzosen Coming Soon, die heute als erste an der Reihe waren, sind allesamt optisch sehr ansprechend. Jung, schlank, immer bestens gekleidet, da passen Hemd, Hose und Schuhe immer perfekt zusammen. Und vor allem gönnt einem die Multiinstrumentalistin Mary Salomé jedesmal ein Röckchen, oder eine Short, so daß man ihre tollen Beine sehen kann. Also, ich beschwere mich da nicht, auch ihre Figur finde ich sehr gut! Christoph, der kürzlich Aleks von Los Campesinos! als viel zu dürr bezeichnete, würde aber vermutlich sagen, daß Mary untergewichtig sei, denn viel mehr als Aleks wird sie auch nicht auf die Waage bringen...

Aber jetzt weg von den Äußerlichkeiten und rein in die Musik! Gestartet wurde mit dem Coversong Black Betty. Laut Wikipedia wurde das Lied von Huddie "Lead Belly" Ledbetter geschrieben, aber man sagt, daß der Titel eigentlich ein Folk-Song aus dem 18. Jahrhundert war. Wie dem auch sei, die Küken von Coming Soon aus dem französischen Annecy drückten dieser ollen Kamelle ihren eigenen Stempel auf und sorgten gleich für recht gute Stimmung im Publikum. Inzwischen war es deutlich voller geworden und Minute für Minute strömten nun mehr Besucher ins Olympia. Gut so, denn Coming Soon verdienten es, gehört und gesehen zu werden. Zwar kenne ich ihr Set schon fast auswendig, weil ich sie erst kürzlich zweimal hintereinander im Café de la Danse verfolgt habe, aber Langeweile kam trotzdem nicht auf, dafür sind die Youngsters einfach zu quirlig und ihre Lieder zu charmant. An einem Stück wie Broken Heart mit seinem tollen Refrain "We used to have something to share, I lost my life anyway", habe ich mich noch immer nicht satt gehört und Big Boy, daß von dem erst 15 jährigen Schlagzeuger regelmäßig an der Ukulele vorgetragen wird, ist immer wieder köstlich. Den Abstecher ins Publikum des baumlangen und stets Comwboy-Hut tragenden Howard Hughes kannte ich aber bereits von den beiden letzten Konzerten, so daß sich meine Überraschung im Gegensatz zu den anderen Zuschauern in Grenzen hielt.

Alles in allem ein gelungener Auftritt (mit Gastauftritt des Tourmanagers!) und so war es auch zu verschmerzen, daß die ursprünglich eingeplanten She & Him abgesagt hatten.


Auszug aus der Setlist Coming Soon:

- Black Betty
- Wolves In The City
- Broken Heart
- Moon Child
-
-
- Ben Hughes Solo
- Big Boy
- Howard's Mood

Video: Coming Soon, Broken Heart

Dann schloß sich der rote Vorhang und eine zwanzigminütige Pause wurde angekündigt. Diese wurde aber dadurch verkürzt, daß ein langmähniger Bartträger vor dem Rideau Lieder auf seiner Akustikgitarre vortrug. Ich hatte den Burschen sofort erkannt, es handelte sich schlicht und einfach um J. (für Josh) Tillman, den famosen Drummer der danach auftretenden Aufsteigerband Fleet Foxes. Über Eike's Klienicum bestens und wie immer enorm früh informiert, war mir bekannt, daß der Bursche an der Klampfe sein eigenes Projekt am Start hat. Die anderen Leute im Olympia fragten sich allerdings, wer denn der Kerl sei. Ich hätte es ihnen sofort gesagt, aber daß wäre nur störend gewesen, zumal ohnehin schon ungeniert geplappert wurde. Ich musste einen Wutanfall unterdrücken und der jungsche Labersack neben mir hatte Glück, daß mich die melancholische Gitarrenmusik, die da vorne gespielt wurde, besänftigte, sonst hatte ich ihm nur allzu gerne eine geklebt! Unerzogene Schnösel, MGMT- Fans, oder was weiß ich was für ein Gesocks da den traumhaften Vortrage störte! Ein Jammer, denn selten habe ich betörendere und einnehmendere Lieder an der Gitarre gehört. Die Stimme von Josh war einfach unbeschreiblich schön (ein wenig wie die von Ray LaMontagne) und spätestens jetzt weiß ich, warum die Chorgesänge bei den Fleet Foxes so dermaßen phantastisch sind. Tillman und Pecknold zusammen, das ist als würden Genies wie Roder Federer und Pete Sampras zusammen auf der gleichen Seite des Netzes spielen. No Occasion war atemberaubend und als Josh Sätze wie I don't want this life to end intonierte, hatte ich einen Klos im Hals. Opener When I Light Your Darkened Door war genauso umwerfend und mit dem letzten Lied - ich glaube es war Firstborn hatte er mir endgültig einen Pfeil durchs Herz geschossen. Wow! Was für eine Einleitung für den gleich im Anschluß folgenden Gig der Fleet Foxes!

Tillman's Band ließ sich circa. 10 bis 15 Minuten später blicken. Von den zwei Konzerten die ich in diesem Jahr miterlebt hatte, Paris, Flèche d'or und Haldern Pop Festival im August kannte ich die Gesichter der Musiker schon.

Bartträger und Chef Robin Pecknold ist natürlich am auffälligsten, auch wenn er noch gar nicht seinen Mund geöffnet hat und seine sensationelle Stimme erklingen lässt. Man kann einfach nicht glauben, daß dieser kauzige Kerl erst 21 Jahre alt ist, so reif sieht er bereits aus! Dann gibt es den blonden Gitarristen Skyler Skjelset, der die wunderschönen kleinen, aber hochfeinen Melodien beisteuert, den dunkel gelockten Pianisten Casey Wescott, den stämmigen Bassisten Christian Wargo, der heute sogar rasiert erschien und natürlich den vorhin beschriebenen singenden Drummer J. Tillman.

Diese fünf Haudegen haben innerhalb weniger Monate die Musikwelt im Sturm erobert und mit ihrer EP Sun Giant und dem Album Ragged Wood Musikkritiker und Folkfans gleichermaßen verzückt. Kein Wunder, finden sich doch auf den beiden Werken unzählige phänomenale Lieder, die jetzt schon wie moderne Klassiker klingen. Ich persöhnlich kann seit Monaten gar nicht genug bekommen, von Hochkarätern wie Mykonos, Your Protector, oder Blue Ridge Mountains, dermaßen ohrwurmig und berauschend sind diese geraten!

Und mit der Sun Giant EP ging es thematisch auch gleich los. Ein Einstieg den die Fleet Foxes gerne wählen, schon in der Flèche d'or und in Haldern war das so. Auf Sun Giant folgte Drops in The River, bevor das English House besungen wurde. Aber da wären wie schon beim ersten Kritikpunkt: die Fleet Foxes variieren ihre Setlist nicht sonderlich stark. Bei allen drei Konzerten waren die ersten Lieder in ihrer Abfolge gleich, da könnte man sich wirklich ein bißchen mehr Mühe geben. Und wo wir gerade beim Kritisieren sind: Es war kaum zu übersehen, daß die Burschen vom langen Touren müde und ausgelaugt waren. Der blonde Gitarrist und Mandolinspieler schien geradezu gelangweilt und der Bassist war statisch wie ein Felsklotz. Jeder spielte seinen Part herunter, ohne mit dem anderen zu kommunizieren und Bewegung gab es in der Band auch fast überhaupt keine. So war es dann auch kaum verwunderlich, daß die Stimmung im Publikum während der atemberaubend schönen Lieder recht mau war. Der anschließenden Beifall fiel aber dennoch regelmäßig sehr stürmisch aus, weil einfach jeder von der unfassbaren Stimme von Sänger und Gitarrist Robin Pecknold angetan war. Der eher schüchterne Jüngling begeisterte besonders, wenn er bei einigen Passagen den Mund ganz weit aufriss und regelrecht die Zähne fletschte. Sein Gesang gehört definitiv zum Schönsten, was man in den letzten 20 Jahren hören konnte und J. Tillman im Background, aber auch der Bassist und der Pianist vervollständigten diese perfekte chorale Harmonie. Wenn da bloß nicht dieser störende Eindruck der Müdigkeit bei der Band gewesen wäre! Herrje, mit ihrem Songmaterial könnten die Füchse doch wirklich etwas dicker auftragen, sprich das Ganze dynamischer und schwungvoller umsetzen! Ärgerlich, wenn man bedenkt, daß oft sehr mittelmäßige Garagenbands biedere Songs mit mehr Verve und Überzeugung spielen...

Aber bleiben wir gelassen! Die Fleet Foxes sind so jung und talentiert, daß es mit dem Teufel zugehen müsste, wenn sie mir nicht in den nächsten Jahren eines der besten Konzerte meines Lebens servieren würden. Heute war dies allerdings nicht der Fall. Der Auftritt war zudem mit gerade einmal 35 Minuten enttäuschend kurz und auf glänzende Lieder wie den Tiger Mountain Peasant Song oder He Doesn't Know Why wartete ich heute vergeblich. Aber zum Trost gab es ja wengstens noch Blue Ridge Mountains mit auf den Weg und ich werde wohl nie in meinem Leben die traumhafte Mandoline auf diesem Knüller vergessen!

Das Publikum im Olympia verabschiedete die Fleet Foxes schließlich mit einem extrem langanhaltenden und stürmischen Applaus, der gar nicht mehr abreißen wollte. Pecknold guckte ganz verlegen zu und als der rote Vorhang endgültig fiel, hatte er wohl endlich kapiert, daß die Pariser die Band aus Seattle über alles lieben und sie adoptiert haben. Ich glaube jeder Musikfan in der französischen Metropole wartet nun darauf, daß das Quintett 2009 mit frischen Kräften wiederkommt und uns das Konzert des Jahres 2009 beschert, wie es angesichts der Qualität der Lieder nur normal wäre...

Fleet Foxes! Fleet Foxes!! Fleeeeeeeet Foxxxxxxxxxxxes! We love you!!!

Setlist Fleet Foxes, Olympia, Paris, Festival des Inrocks

01: Sun Giant
02: Drops In The River
03: English House
04: White Winter Hymnal
05: Your Protector
06: Mykonos
07: Katie Cruel (Pecknold ohne Mikro)
08: Blue Ridge Mountains

Zum Konzert von den Fleet Foxes gibt es noch eine kleine witzige Anekdote zu erzählen. Zwischen zwei Liedern hatte ein Zuschauer hereingerufen: "Hey, where do you come from?" Sänger Robin Pecknold war ob der Nachfrage ein wenig verdutzt, überlegte kurz und antwortete überraschenderweise: "From Nantes (bekanntermaßen eine Stadt in Frankreich, wo das Festival auch stattfindet)!" - "No, actually from Seattle, but where do you come from?" - "From Germany" war die Antwort, es gab also außer mir auch noch andere Deutsche im Saal...

Und die Frage "Where do you come from?" hätte man auch die jetzt auftretende Amerikanerin Alela Diane und ihre musikalischen Begleiter fragen können. Die Antwort wäre in den meisten Fällen Nevada City, California gewesen, denn nicht nur Alela und ihr Dad Tom Menig, sondern auch die permanent auf der Bühne präsente Alina Hardin und die für ein Lied hinzugestoßenen Mariee Sioux und der Drummer Benjamin Oak Goodman kommen daher (im übrigen auch Joanna Newsom, aber um die geht es hier nicht). Banjospieler Matt Bauer gibt seine Adresse allerdings mit Greenpoint, Brooklyn an. Nevada City, dieses sonnige Nest scheint ein guter Nährboden für fabelhafte Folk-Musiker zu sein! Und das Schönste am Erfolg der von dort stammenden Musiker ist, daß wir sie in Europa nun ziemlich oft genießen dürfen. Alela ist ja fast schon eine kleine Französin geworden, dermaßen oft ist sie 2008 in Frankreich vor vollen Rängen aufgetreten. Mitbeteiligt an dem riesigen Erfolg ist das in Paris ansässige Label Fargo, das sich überwiegend auf Folk und Country spezialisiert hat und neben Alela Diane so famose Künstler wie Andrew Bird, Chris Garneau, The Innocence Mission, Joseph Arthur und Ron Sexsmith unter Vertrag hat. Die Jungs und Mädels von Fargo haben ganze Arbeit geleistet und Alela im Winter 2007 bei einem Labelabend in der Pariser Flèche d'or den französischen Folkfans vorgestellt. Seitdem geht es für die natürliche Schönheit mit der festen Stimme nur noch bergauf. Fast schon beängstigend wie schnell der Erfolg kam! Aber die Kalifornierin ist auf dem Teppich geblieben, wozu vermutlich auch ihr Vater, der Gitarre - und Mandolinspieler Tom Menig beiträgt. Er sieht zu, daß seine Tochter nicht abhebt und im Übrigen liebe ich ihn dafür, daß er eine so talentierte und hübsche Tochter gezeugt hat!

Alela war zur Feier des Tages ganz festlich gekleidet. Sie trug ein schlichtes, aber wundervolles Kleid, dazu passende schwarze Schuhe und eine niedliche Schleife im Haar. Den traditionellen indianischen Schmuck,
der normalerweise ihre Ohren verschönert, hatte sie genauso wie die sonst üblichen braunen Schaftstiefel zu Hause gelassen. Alela wirkte also wie ein französische Prinzessin, der die Pariser von Anfang an zu Füßen lagen. Wie sollte man sich aber auch dem Charme der 25 jährigen Frau entziehen? Ihr Lächeln zwischen den Liedern ist so ansteckend wie sonst kaum etwas auf der Welt und wenn sie in die Runde fragte: "Ca va?", konnte die Antwort nur "Très bien" lauten. Mensch, Alela, Du wickelst mich um Deine schönen Finger, mit denen Du so gekonnt Gitarre spielst! Da vergissst man auch seine müden Füße, selbst wenn der Song My Tired Feet heißt! Und wenn dann bei dem traditionellen Folklied The Cuckoo auch noch Freundin Mariee Sioux hinzustößt und zusammen mit Alina Hardin ihre sirenhafte Stimme im Background erklingen lässt, ist es um mich geschehen!

Bezaubert von der Schönheit des Vortrages fiel mir auch nicht sonderlich auf, was Bekannte von mir hinterher monierten. Dass Alina Hardin nämlich ziemlich gelangweilt und meist kerzengerade in der Mitte der Bühne rumstand und Alela außen agierte und somit nicht die ansonsten übliche Bühnenpräsenz hatte.

Schwung in die Geschichte brachte aber der lustig behütete Drummer Ben, der nicht bei jedem Lied spielte, sondern nur vereinzelt mittrommelte. Wenn er aber dabei war, gab es mehr Bewegung, denn er agierte halb im Stehen und "duellierte" sich mit Alela's Vater Tom Menig.

Im Set gab es etliche Stücke, die nicht auf dem Album The Pirate's Gospel vertreten sind.
Neben Dry Grass & Shadows und My Brambles, die von dem 2006 er Album Songs Whistled Through White Teeth stammen, wäre da das wundervolle Tatted Lace zu nennen, bei dem Alela ihre ganzen stimmlichen Fähigkeiten ausspielte. Neben ihrer Stimme beeindruckte die junge Amerikanerin immer wieder durch ihre würdevolle, stolze Haltung, wenn sie sang. Ihre Züge wirken dann entschlossen und fast ernst, was einen interessanten Kontrast zum spontanen Lächeln nach den Songs darstellt. Eine verblüffende Persönlichkeit diese Alela, die sich vermutlich vor Heiratsanträgen kaum retten kann. Ich hätte nichts dagegen ,wenn sie einen Franzosen, am liebsten aus Paris wählen würde, denn dann hätten wir sie noch viel öfter hier und könnten den Pirate's Gospel, der wieder einmal beim Publikum am besten zündete zusammen singen!


Setlist Alela Diane, Olympia, Paris, Festival des Inrocks

01: Sister Self
02: My Tired Feet
03: The Cuckoo
04: Tatted Lace
05: The Rifle
06: Dry Grass and Shadows
07: White As Diamonds
08: To Be Still
09: Matty Groves
10: My Brambles
11: The Pirate's Gospel

Video: Alela Diane singt Tatted Lace in einer Privatwohnung
- Alela Diane Dry Grass And Shadows live
- Alela Diane My Brambles live

Noch ein paar Worte zum Merchandising für Alela Diane und ihre Freunde. Man konnte bereits jetzt die in Kürze erscheinende CD Headless Heroes - The Silence Of Love käuflich erwerben, auf der Alela Coverversionen von solch unterschiedlichen Künstlern wie Jesus And Mary Chain (Just Like Honey), I Am Kloot (To You), Vashti Bunyan (Here Before) und vielen anderen besungen hat. (komplettes Tracklisting hier). Darüber hinaus gab es auch von Alina Hardin eine Mini-CD und sogar der Drummer von Diane, Benjamin Oak Goodman, hat schon sein eigenes Soloprojekt auf den Markt gebracht. Alles spannende Geschichten!

Spannend für mich zumindest, bei den jungen Leuten, die jetzt sehnlichst auf den Auftritt ihrer Helden MGMT warteten, bin ich mir da nicht so sicher! Bei den zuvor stattgefundenen Auftritten von den Fleet Foxes und Alela Diane schienen sie teilweise gelangweilt und nicht besonders angetan. Wahrscheinlich hielten sie das alles für öde Musik für Lehrer, Psychologen und Menschen, die in sozialen Berufen tätig sind. Darauf hatten sie sichtlich merkbar keinen Bock, denn spätestens als die fetzigen Kerle von MGMT die Bühne betraten, waren sie wie ausgewechselt. Besonders das Verhalten ein junges Mädchen, die hinter mir stand, war mir aufgefallen. Bei den Foxes und Alela zog sie ein Gesicht, als müsse sie bei einer Beerdigung ihrer ihr völlig gleichgültigen Tante dabei sein, beim Anblick von Andrew Van Wyngarden und Ben Goldwasser strahlten ihre Augen aber plötzlich. Auch bei den anderen Kids in meinem Umkreis waren die Reaktionen ähnlich, von Beginn an wippten sie ausgelassen im Takt mit und sangen aus voller Kehle die Texte von Pieces Of What und Time To Pretend. Die Stimmung im Publikum war also grandios, aber ich persönlich stand dem Ganzen eher indifferent gegenüber. Um es deutlicher auszudrücken: Das Set von MGMT langweilte mich eher, das Album Oracular Spectacular ist bereits jetzt weitestgehend totgenudelt und insofern kaum noch spektakulär und ein Song wie Electric Feel geht mir mit seinem 70 er Jahre Discobeat ziemlich auf die Nerven. Irgendwie konnte ich mich auch des Eindrucks nicht erwehren, daß das Musik für junge Schickimickis war und der folkige Anstrich im Sound und der Kleidung der gehypten Band eher ein geschickter Marketingcoup war, um auch bei den Alternativen zu landen. So vereint man ganz gezielt Menschen, die in einer sauteuren Disco in Monte Carlo Champagner saufen und zu Weekend Wars auf den Tischen tanzen und 16 jährige Mädchen und Jungs, die MGMT ja ach so cool finden und den Sänger am liebsten als Poster an ihre Wand im Kinderzimmer hängen würden.

Ein ziemlich kitschiger, pseudopsychedelischer Cocktail also, der auf Dauer ungenießbar ist. Und Stammlesern, die jetzt sagen: "Aber Du hast doch ihr erstes Konzert in Frankreich in der Pariser Maroquinerie noch so gelobt", antworte ich mit einem Spruch von Konrad Adenauer: "Was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern!"

Die Kids fuhren natürlich trotzdem auf die letzte Zugabe voll ab und verwandelten das Olympia in ein Tollhaus, aber deshalb heißt ja diese Nummer ja auch so...



Auszug aus der Setlist MGMT (wird vervollständigt), Olympia, Paris, Festival des Inrocks

- 4th Dimensional Transition
- Pieces Of What
- Electric Feel
- Weekend Wars
- Time To Pretend
- The Youth
- Of Moons, Birds & Monsters

- The Handshake (Z)
- Kids (Z)

+ 1 oder 2 neue Lieder

Links:

- Hier schreibt Bloggerpapst Eike über J. Tillman und bietet reichlich MP3s dazu an.
- Unbedingt dieses Video von den Bloggern des Magazins Inrockuptibles angucken, dort sieht man Bilder vom Soundcheck der einzelnen Bands, Interviews mit den Künstlern, u.a. mit der reizenden Alela Diane, ihrem Vater, den Fleet Foxes, und so weiter.
- Chronique de cette soirée à l'Olympia (MGMT, Alela Diane, Fleet Foxes, Coming Soon) en francais de Pierre Sankowski qui écrit pour le blog des inrocks ici


Ausgewählte Konzerttermine der Fleet Foxes (zusammen mit J. Tillman):

16.11.2008: Arena, Wien
17.11.2008: Abart, Zürich
18.11.2008: Ampere, München
21. 11. 2008: Den Haag
22.11.2008: Rock Palast Fest, Essen
24.11.2008: Columbia Club, Berlin

Ausgewählte Konzerttermine von Alela Diane:

19.11.2008: Vooruit, Gent
20.11.2008: Crossing Border Festival, Den Haag
06.04.2008: Bataclan, Paris
25.11.2008: Studio 672 Stadtgarten, Köln
30.11.2008: Rote Sonne, München




Mittwoch, 9. Juli 2008

Kings Of Leon, Paris, 08.07.08

9 Kommentare

Konzert: Kings Of Leon (MGMT)
Ort: Le Zénith, Paris
Datum: 08.07.2008
Zuschauer: nicht ausverkauft
Konzertdauer: ca. 93 Minuten



Die Kings Of Leon haben die bestaussehenden Fans, so viel steht schon einmal fest!

Vom vielen Weiber-Glotzen konnte man glatt einen Steifen, ähh,... ich meine natürlich einen steifen Nacken bekommen. Wohin das Auge auch blickte, eine Mieze war schärfer als die andere!

Aber das war ja keine neue Erkenntnis, die erfreulichen Anblicke kannte ich schon vom Bataclan und dem Auftritt von Kol bei Rock en Seine. Fraglich war eher, ob die Band auch eine ausreichend grosse Fanbasis hat, um den Zénith zu füllen, der eine Kapazität von 6000 Plätzen aufweist. Die Amerikaner und ihr Mangement zeigten sich im Vorfeld diesbezüglich optimistisch und pochten darauf, in dem nach dem Bercy grössten Saal (das Stade de France und den Parc de Prince lasse ich hierbei mal aussen vor) aufzutreten. Der Konzertveranstalter Alias war da schon skeptischer. Alias hielt das Risiko eines Flopps für zu hoch und zog sich aus dem Geschäft zurück. Mit Nous Production fand sich aber ein Ersatzpartner, der sich sicher war, dass die Kings Of Leon den Raum ausverkaufen werden.

Sie hatten sich getäuscht. Selbst die nachträgliche Verpflichtung der unglaublich gehypten Newcomer MGMT konnte nicht verhindern, dass etliche Sitzplätze ungenutzt blieben und sogar mit einer Plane abgedeckt wurden, damit es vorne links nicht so gähnend leer aussah.

Machen wir uns nichts vor: eine Riesenenttäuschnung für die drei Brüder Followill (Caleb, Jared, Nathan) und ihren Cousin Matthew!

Schlimm genug, dass sie schon MGMT brauchten, um den Vorverkauf anzukurbeln und damit nicht genug: es gab mit den britischen Whigs sogar noch eine zweite Vorgruppe.

Deren Auftritt bekam ich aber nicht mehr mit, was hauptsächlich daran lag, dass ich meine Eintrittskarte partout nicht finden konnte. Ich hatte sie schon vor Monaten gekauft und hatte inzwischen einen anderen Stapel mit Konzerttickets angesammelt, wo aber das Kärtchen, das ich heute brauchte dummerweise nicht dabei war. Irgendwann fand ich aber dann doch den Fetzen Papier, er hatte sich versteckt und nichts gesagt...

Auf dem Gelände von La Villette angekommen, wo der Zénith liegt, herrscht unter den Schwarzhändler kein reges Treiben. Schon einmal ein schlechtes Zeichen. Aus der Halle dröhnt mir - jetzt da ich näher komme - aber schon "Weekend Wars" von MGMT entgegen. Ich erfahre kurz später, dass ich zuvor nur ein Lied verpasst hatte, welches konnte mir aber auch niemand sagen. Es hat wohl keinen bleibenden Eindruck hinterlassen...

Die Jungs von MGMT mühen sich redlich, der Sound ist klar und druckvoll und die Lieder wirken live wuchtiger und rockiger als auf dem Album. Bereits "4th Dimensional Transition" schmettert hart und psychedelisch durch die Boxen. Das Tempo ist unerhört hoch, was auch an dem Drummer mit dem Stirnband liegt. Der war mir bei anderen Konzerten nicht aufgefallen, vielleicht ist er nur Ersatz oder ein Neuling, keine Ahnung. Ohnehin verwundert es immer wieder, dass die drei Typen, die nicht zur Band gehören, am expressivsten sind. Der Gitarrist mit den langen Haaren zum Beispiel, der am linken Bildrand agiert, wirbelt wie ein Aufziehmännchen rum und auch der lockenköpfige Bassist spielt sich oft in den Vordergrund. Keyboarder Ben Goldwasser, immerhin einer der beiden Bandleader, bleibt hingegen stets diskret am rechten Bühnenrand und bedient seine Knöpfchen.

Sein Kollege Andrew Van Wyngarden, zweiter "Chef" von MGMT, beansprucht den Platz in der Mitte. Er fällt nicht nur durch seine brüchige Falsettstimme, sondern auch sein Äusseres auf. Immer irgendwie hippiesk und engelhaft zugleich. Auch das lange Tuch, das er zum Stirnband umfunktioniert hat, darf nie fehlen. Es scheint sein Markenzeichen zu sein.

Der Kerl hat Charisma, keine Frage! Würde mich nicht wundern, wenn die Frauen auf ihn flögen, er hat das gewisse Etwas. Und seine Stimme ist absolut markant, ich könnte auf Anhieb keinen anderen Sänger zitieren.

Auch die Songs der Newcomer sind stark, "Pieces Of What" ist herrlich hippiehaft, folkig und modern zugleich und bei dem funkigen "Electric Feel" fühlt man sich an Musik erinnert, die in den 70ern in szenigen und noblen Discos lief. "Handshake Drugs" wiederum wird im zweiten Teil richtiggehend heavy, Black Sabbath lassen grüssen.

Der grösste Hit bleibt aber weiterhin "Time To Pretend" der das recht kurze Set nach circa einer halben Stunde beschliesst. Die Jungs von MGMT haben noch nicht einmal Zeit, das leicht trashige "Kids" nachzuschieben, das ansonsten immer das ekstatische Finale ihrer Konzerte darstellte. So bleiben dann auch heute die T-Shirts der Bandchefs an und auch ins Publikum wird Andrew nicht springen, so wie er das noch vor ein paar Wochen im Bataclan getan hatte.

Schade! Die Amerikaner haben aber bewiesen, das ihre Musik druckvoll und energisch genug ist, um auch ein Stadion in Wallung zu bringen. Bloss interessierten sich hier zumindest nicht alle Leute im Zénith dafür.

Setlist MGMT, Le Zénith, Paris:

01: ?
02: Weekend Wars
03: 4th Dimensional Transition
04: Pieces Of What
05: Electric Feel
06: Handshake Drugs
07: Time To Pretend

Danach wartete ein sehr hübsches und stylishes Publikum auf die Gebrüder (und den Cousin) Followill. Etliche Amerikaner waren unter den Zuschauern und sogar aus Australien waren zwei dunkelhaarige Schwestern angereist. Sehr international, oft weiblich und recht jung (allerdings doch oft älter als bei den Kooks, wo die Mädchen 16 sind) war also die "Crowd".

Dann endlich ging es los! Ein Intro mit klassischer Musik (was war das jetz genau?) ertönte und mischte sich unter die spitzen Schreie euphorischer Mädels, die die gutaussehenden Followills standesgemäss begrüssten.

Die Amis legten gleich mit einem neuen Lied los ("Crawl"), das aber ein wenig verpuffte, weil es kaum jemand kannte. "Black Thumbnail " zog hingegen schon besser, aber der Funke sprang diesmal nicht direkt über. Vor ein paar Monaten im kleineren Bataclan war das noch anders, da startete die Party vom ersten Lied an. Das Problem heute war einfach, dass zu wenige Leute da waren, die für Stimmung sorgten. Zwar tanzten zwei Amerikanerinnnen vor mir zu jedem Lied, aber gerade in den hinteren Reihen war es enttäuschend ruhig und lahm.

Auch "Taper Jean Girl" vom zweiten Album "Aha Shake Heartbreak" erzielte nicht den üblichen Effekt, obwohl Sänger Caleb greinte und krächzte wie sonst und der unglaublich muskulös gewordene Drummer Nathan auf sein Schlagzeug einprügelte wie ein Preisboxer! Das mit verzerrter Stimme gesungene "My Party" war danach völlig übersteuert und somit kein Hörgenuss.

Sollte eine der besten Livebands der Welt mich also enttäuschen? Hmm, abwarten...

Aber jetzt bei "Razz" mit seinem polternden Basslauf und dem höllisch schnellen Gitarrensolo da muss doch was gehen, oder nicht? - Ja, schon, aber irgendwie hatte ich das auch schon überzeugender erlebt. Noch war die ganz grosse Stimmung noch nicht aufgekommen, allerdings merkte man, dass mit jedem Lied mehr Spannung und Dichte aufgebaut wurde. "King Of The Rodeo" steigerte das Ganze dann noch weiter. "Wasted Time", der bluesige Stumpfer vom ersten Album kam dann wie gerufen und sorgte für noch mehr Tempo.

"Fans" drosselte dieses zwar dann, war aber tanz-und mitsingtauglich. Warum dann aber das schleppende und träumerische "Arizona" hinterhergeschickt wurde, bleibt mir ein Rätsel. Die mühsam aufgebaute Stimmung sackte wieder ein wenig ab. Machte aber nicht allzuviel aus, denn mit "Milk" kam nun einer meiner Lieblinge und mit "Four Kicks" war endlich der Knoten geplatzt. Bisher das geilste Lied des Abends! Es rumpelte und rockte wie Hölle und die harten Gitarrenriffs wurden einem nur so um die Ohren gehauen. Von nun an gab es kein Halten mehr! "Molly's Chamber" garagenrockte und jeder sang begeistert mit. Mit "California Waiting" schaffte man den perfekten Hattrick.

Sind also doch die Lieder vom ersten Album, die besten von den Kings of Leon? Zumindest live kommt kaum neues Material an diese Klassiker von "Youth And Young Manhood" heran. Wahrscheinlich waren die jungen Männer in dieser Phase noch richtig ungestüm und spürten noch nicht den Druck der Plattenindustrie.

Das heisst aber keinesfalls, dass die beiden folgenden Alben schlecht waren, im Gegenteil! Alle drei CDs sind dufte und weisen kaum Ausfälle auf. Bester Beweis dafür, dass auch das zweite Opus der Amis ein Hammer war, ist und bleibt "The Bucket" das wie wild nach vorne galoppierte und einschlug wie eine Bombe. Und mit "On Call" brachten sie dann gleich danach das beste Lied von Album Nummer drei. Perfektes Timing!

"Mc Fearless" "Pistols Of Fire" und "Spiral Staircase" folgten, bevor dann das ruhige und melancholische "Trani" den offiziellen Teil beendete.

Aber ein paar Kracher hatten sich die Kings noch für den Zugabenteil aufgehoben. Nicht zu Unrecht halten viele "Knocked Up" für das beste Stück, dass die Brüder Followill je geschrieben haben. Auch der Text ist sehr einprägsam : "I don't care what nobody says, we're gonna have a baby... I don't care what nobody says, I'm going to be her lover!" und zu der "Ohuohu - Passage" klatschte jeder begeistert mit.

Auch ein weiteres neues Lied wurde geboten und macht schon einmal auf das vierte Album neugierig, das im September erscheinen wird. Der Song war eher spährisch und höchstens mittelschnell, aber möglicherweise handelt es sich hierbei um einen Grower wie er im Buche steht.

Der endgültige Abschluss mit "Charmer" und "Slow Night, So Long" dann noch einmal stürmisch. Caleb ging zum ersten Mal so richtig aus sich heraus, suchte den Kontakt zu seinen Brüdern und seinem Cousin Matthew und zeigte ein paar richtige Rockergesten. Vielleicht hätte er schon vorher etwas expressiver und wilder sein müssen, um ein nicht in ausreichend grosser Menge anwesendes Publikum (darunter auch die Pariser Folksängerin Soko) mehr durchzuschütteln.

Aber auch so war es ein gutes und ausgeglichen starkes Konzert, das aber nicht an die drei Auftritte herankam, die ich zuvor von den Kings Of Leon geboten bekommen hatte. Vielleicht ist in Frankreich wirlich das Zenith noch eine Nummer zu gross für sie...

Setlist Kings Of Leon, Le Zénith, Paris:

klassisches intro
01: Crawl (neu)
02: Black Thumbnail
03: Taper Jean Girl
04: My Party
05: Razz
06: King Of The Rodeo
07: Waisted Time
08: Fans
09: Arizona
10: Milk
11: Four Kicks
12: Molly's Chamber
13: California Waiting
14: The Bucket
15: On Call
16: Mc Fearless
17: Pistols Of Fire
18: Spiral Staircase
19: Trani

20: Knocked Up (Z)
21: Manhattan (Z)
22: Charmer
23: Slow Night, So Long

Links:

- der neue Song Manhattan live aus dem Pariser Zénith. Ordentliche Qualität!
- mehr Fotos von den Kings Of Leon
- mehr Fotos von MGMT





 

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