Ort: Essigfabrik, Köln
Datum: 02.12.2012
Zuschauer: viel zu voll - aber nicht ausverkauft
Dauer: Grizzly Bear knapp 105 min, Villagers fast 40 min
Draußen vor der Tür der Essigfabrik war es noch ein Witz. "Kirmes oder Grizzly Bear?" Natürlich wäre ich nie auf die Idee gekommen, den Konzertabend gegen Riesenrad, Autoscooter und "junger Mann zum Mitreisen gesucht"-Schilder einzutauschen. Auch wenn der Rummel am Deutzer Ufer mit Blick auf den Dom sicher einer der besseren ist, wollte ich die amerikanischen Folkrocker sehen. Zwei Minuten später auf der anderen Seite der Tür hielt ich die Kirmes-Idee nicht mehr für abwegig. Wir waren um fünf nach acht in der Halle - die Villagers spielten gerade ihr zweites Lied - und kamen schon nicht mehr über die letzte Reihe hinaus. Die seelenlose Halle war bis zum Anschlag vollgestopft, und es strömte in den kommenden vierzig Minuten ordentlich weiter. Als ich im August mit 80.000 anderen sehr weit vorne Blur im Hyde Park erlebt habe, wurde ich seltener angerempelt, rumgeschubst und auf die Füsse getreten als heute.
Der Saal der Essigfabrik gleicht dem der Live Music Hall. Rechts und links befinden sich langgestreckte Bars, dazwischen die Mischpulte. Allerdings ist die Fläche des Raums anders. Die Essigfabrik ist breiter aber kürzer als die Live Music Hall, der Platz, den die Mischpulte einnehmen enorm groß, der Merchbereich auf der gegenüberliegenden Seite der Bühne.
Als wir in den vollen Saal kamen, war die einzig mögliche Entscheidung, nach rechts oder links zu gehen. Wegen der mit Gittern abgesperrten Mischpulte war der Weg durch die Mitte versperrt. Wir stellten uns an den linken Rand und hofften, dort noch etwas näher nach vorne zu kommen, was sich schnell als naiv herausstellte. Wir kamen bis zum hinteren Ende der Bar und fanden einen kleinen Platz. Dummerweise war dieser Platz dann auch die einzige Möglichkeit für andere Wanderer, nach vorne zu kommen. Das es unglaublich eng war, bedeutete jeder Toilettengang von Leuten vorne, jedes gekaufte Bier und jede neu ankommende S-Bahn eine weitere Runde viel zu großer menschlicher Nähe.
Ich weiß nicht, wie viele lecker nach nassem Hund riechende Daunenjacken mit Teddy-Pelz* ich im Gesicht hatte. Mein Liebling waren aber die beiden Pärchen an der Theke, die sich zur Begrüßung umarmten, dabei aber so wenig Platz hatte, daß ich bei einer der Umarmungen noch dazwischen stand.
Nach ein paar Liedern Grizzly Bear (die ich vor zwei, drei Jahren schon einmal wundervoll erlebt hatte) suchte ich mein Glück anderso (leider nicht auf der Kirmes). Langsam kannte ich die meisten Leute schon, die an und durch mich durch zur Bar oder Toilette wollten; Zeit also für einen Tapetenwechsel. Der Platz hinter dem Mischpult - hinter den Mischpulten, sehr eindrucksvoll! - erschien mir geeignet. Da erstaunlich viele Leute auch während des Konzerts raus und rein gingen, änderte sich nichts daran, daß ich, trotz der Enge enorm in Bewegung war, weil Leute durchwollten, wo keine Leute durchpassten. Dabei einer Band konzentriert zuzuhören, gelang mir nicht, machte mir auch keinen Spaß mehr, wurde aber dann spätestens durch die besonders rücksichtsvollen Menschen mit Puff Daddy T-Shirts beendet, die zu dem Schluß kamen, daß Plätze hinten perfekt für angeregte Gespräche sind.








