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Donnerstag, 27. Februar 2014

Motorama, Luxemburg, 26.02.14

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Konzert: Motorama
Ort: Exit07, Luxemburg
Datum: 26.02.2014
Dauer: gut 60 min
Zuschauer: rund 100



Gäbe es bei Indiebands die schöne Tradition der Spitznamen wie im Boxsport, für Motorama gäbe es nur einen Beinamen: "The Russian Sensation!" 

Wie bei so vielen meiner Lieblingsbands sind die Platten der russischen Band schon hervorragend, ihre Konzerte aber erst herausragend (The Organ waren die einzige Band aus dem Kreis meiner großen Lieblinge, die live deutlich bescheidener als auf Platte waren).


Und obwohl Motorama seit 2012 einige Male in Westeuropa waren, muß man jede Gelegenheit beim Schopfe packen, sie zu sehen. Motorama kommen schließlich aus Rostow am Don, und der liegt 2.800 km vom Rhein entfernt, und da wäre es unhöflich, nicht zu allen erreichbaren Konzerten zu fahren, wenn die Band sich schon einmal die Mühe einer Weltreise macht. Wenn man sich das Livevideo der Russen aus Lima anguckt, das neulich im Internet auftauchte, besteht zusätzlich die Gefahr, daß Motorama sich auf Südamerika konzentrieren werden. Es machte also vollkommen Sinn, neben dem fest eingeplanten Auftritt am Freitag in Wiesbaden auch den in Luxemburg zwei Tage vorher anzusehen.



Das Exit07 in Luxemburg-Stadt ist ein schöner kleiner Laden, der heute nicht ganz ausverkauft war. Als ich reinkam, begann gerade die französische Vorgruppe Clockwork Of The Moon, die mich an irgendeine angenehm anzuhörende Band erinnerte, auf die ich aber partout nicht komme, die mich aber nicht genug fesselte, um schrecklich aufmerksam zuzuhören. Es war bereits nach halb zehn, als die Franzosen anfingen, Motorama sollten um 22.15 h beginnen - jedes Support-Lied ging also unmittelbar gegen meinen Schlaf - und war dafür nicht gut genug.


Motorama konnten ihr Programm schließlich um kurz nach halb elf beginnen. Vermutlich verursachte auch die kurze Umbaupause die großen Soundprobleme in der ersten Konzerthälfte. Wir standen zwar vor bzw. neben den großen Boxen (von der Bühne aus), allerdings war Vlads Stimme so wenig zu hören, daß das zwei Reihen hinter uns nicht besser gewesen sein kann. Erst bei Young river, dem sechsten Lied wurde es besser. Wirklich gut wurde der Klang aber nie, was bei einer Band wie Motorama besonders tragisch ist, da der Gesang des kurzhaarigen Frontmanns ein extrem wichtiges Element der Stücke ist. Bei meinen beiden ersten Motorama Konzerten war der Klang glücklicherweise weitaus besser abgemischt. Wäre das heutige mein erstes Konzert der fünf Russen gewesen, vermutlich hätte ich die große Aufregung, die dieses Konzerttagebuch um die Band macht, nicht ganz nachvollziehen können.


Aber die Probleme lagen ausschließlich am Klang der Nummer, also an der zu leisen Stimme. Die verspielten Melodien (deutlich schneller als auf Platte), die Ausbrüche des Sängers, die wundervollen Gitarren, all das war wie immer!

Weil ich Motorama am Freitag in Wiesbaden wiedersehe, und weil es da sicher besser klingen wird, fasse ich mich kurz (nach der ellenlangen Einleitung ist dasleicht gesagt).


Motorama spielten eine tolle Mischung von Stücken von beiden Alben Alps und Calendar, von der 2008er EP Horse und der aktuellen Single Eyes. Dazu kam mit She is there ein Stück, das sie auch im Dezember schon in Paris gespielt hatten und zwei mir unbekannte Stücke. Besonders das erste nach Eyes, bei dem Vlad irgendwann laut brüllte, gefiel mir sehr!

Schade, daß das Konzert soundbedingt nicht so gut war, wie es hätte sein können! Aber Freitag kommt ja Nachschub! Und wer sie da nicht sehen kann, sollte sie spätestens beim angeberhaft gut besetzten Maifeld-Derby angucken! Denn da spielt The Russian Sensation auch!

Setlist Motorama, Exit07, Luxemburg:

01: Northern seaside
02: Image
03: White light
04: To the south
05: Sometimes
06: Young river
07: Rose in the vase
08: She is there
09: Eyes
10: Another day
11: Winter at night
12: Ghost
13: During the years
14:Anchor

15: Warm eyelids (Z)
16: ?


17: Alps (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Motorama, Paris, 13.12.13
- Motorama, Köln, 25.09.13
- Motorama, Paris, 19.09.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Esslingen, 05.03.13
- Motorama, Paris, 25.02.13
- Motorama, Paris, 27.11.12





Dienstag, 13. August 2013

Austra, Luxemburg, 07.08.13

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Konzert: Austra
Ort: exit 07, Luxemburg
Datum: 07.08.2013
Dauer: 65 min (plus 30 min Plankton Waves)
Zuschauer: vielleicht 200 (ausverkauft)



Warum genau ich mitten in der Woche nach Luxemburg fahren wollte, um Austra zu sehen, weiß ich nicht mehr. Der Reiz des Neuen war es nicht, ich hatte die Kanadier mindestens dreimal gesehen. Da mich das letzte Konzert noch dazu gar nicht mehr begeistert hatte, wäre ein Abend zu Hause nachvollziehbarer gewesen. Vielleicht wollte ich mich einfach mal überraschen.

Mein letztes Austra-Erlebnis war deren Support von The xx im November ebenfalls in Luxemburg. "... die Musik dagegen ließ mich deutlich kälter als bei unseren ersten Begegnungen. Da saßen einige der hohen Töne nicht richtig, und vielleicht ist der Witz beim dritten Mal einfach nicht mehr komisch genug, um den Auftritt mehr als ok zu bewerten," war mein Urteil damals. 



Naja, jedenfalls saßen wir - Oliver aus Paris auf Haldern-Besuch und ich - abends im Auto nach Luxemburg. Ich mit Karte, Oliver ohne aber mit der telefonischen Zusage, es gebe noch reichlich Tickets und Reservierungen seien nicht nötig, um neun sei Einlass. Als wir um 20.45 vor der Tür des exit 07 standen, befestigte ein Mitarbeiter gerade ein Schild "Sold out" neben dem Eingang. Der nette Türsteher verstand, daß das ein wenig doof für Oliver wäre, vor der Tür auf die 105 minütige Rückfahrt zu warten, wir durften beide rein.

In dem kleinen, schönen Club, der so hoch wie breit und tief ist (also ein Würfel), lief erst einmal Musik vom Band - und keine Klimaanlage. Es war laut und warm. Nach 40 Minuten erschien die Vorgruppe Plankton Waves, die am Anfang Englisch sprach und erst gegen Ende mit einem Lied auf Deutsch und einer Ansage in Landessprache verriet, daß sie aus Luxemburg stammt. "Klingt wie Fever Ray," urteilte Oliver von rechts, "die könnten auch beim Amphi Festival spielen," und "langweilig!" der Popclub-Saar von links. Das stimmte alles. Allerdings klangen Plankton Waves aber auch so, als könnten sie mit ihrer Musik Karriere machen. So etwas - also düsterer Pop - funktioniert sicherlich, nur nicht unbedingt bei mir. Die 30 Minuten waren ganz unterhaltsam, auch weil im Hintergrund Videos liefen, u.a. eines mit Kriegsszenen, in denen spektakulär getroffene Soldaten in der Normandie und Vietnam durch die Gegend flogen (naja, wahrscheinlich eher in der Stuntschule Hürth).


Es wurde weit nach halb elf, als Austra endlich auftraten. Eine Stunde Konzert, zwei Stunden Rückfahrt, puh, vielleicht doch keine so gute Idee. Noch dazu fehlten die beiden tanzenden Lightman-Schwestern, die ich bisher bei jedem Austra-Konzert gesehen hatte. Und die hatten mit ihrem Ausdruckstanz und ihren bekloppten Outfits beim letzten Konzert vor The xx über die musikalischen Schwächen hinweg gerettet. Diesmal waren Austra nur zu viert: Sängerin Katie Stelmanis, Schlagzeugerin Maya Postepski und zwei Keyboarder (Dorian Wolf und Ryan Wonsiak, denke ich).


Das Konzert begann mit drei Stücken vom neuen Album Olympia, bevor die ersten Hits des Debüts folgten. Auch wenn Olympia zweifellos sehr gut ist, ziehen die Lieder der ersten Platte deutlich besser. Und das liegt sicher nicht daran, daß ich Feal it break so viel häufiger gehört habe. The future, The choke oder The villain sind die größeren Hits, keine Frage!

Als bei The future noch die Klimaanlage anging, war die letzte Hürde für einen guten Abend beseitigt. Einen sehr guten sogar. Denn ganz im Gegensatz zum November-Konzert packte mich Austra wieder wie früher. Katies Stimme saß, die treibenden Rhythmen brachten den Saal in Fahrt. Der Auftritt machte großen Spaß! Auch in der zweiten Hälfte waren es vor allem die alten Titel, die besonders gut waren (und ankamen). Lose it wurde dabei in einer alternativen Version gespielt, die mir unbekannt vorkam. Und als es dann fast Mitternacht war, als das Programm nach zwei Zugaben beendet wurde, war das auch nicht mehr so schlimm. Der lange Abend und die weite Fahrt hatten sich voll und ganz gelohnt - meine kurze Austra-Krise (was nach einem Begriff der internationalen Diplomatie im 19. Jahrhundert klingt) ist beendet. Jetzt weiß ich auch wieder, was ich mir dabei gedacht hatte, mitten in der Woche nach Luxemburg zu fahren.

Setlist Austra, exit 07, Luxemburg:

01: What we done?
02: Painful like
03: Forgive me
04: The future
05: The choke
06: Home
07: The villain
08: Sleep
09: Reconcile
10: Annie (oh muse, you!) 
11: Lose it
12: Beat and the pulse

13: Spellwork (Z)
14: Hurt me now (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Austra, Esch-sur-Alzette, 23.11.12
- Austra, Köln, 24.05.12
- Austra, Saint Cloud, 28.08.11
- Austra, Köln, 25.06.11
- Austra, Paris, 01.04.11
- Austra, Paris, 20.01.11



Sonntag, 11. November 2012

Daughter, Luxemburg, 10.11.12

4 Kommentare

Konzert: Daughter
Ort: Exit 07, Luxemburg
Datum: 10.11.2012
Zuschauer: 250 (ausverkauft)
Dauer: Daughter 55 min, Monophona gut 35 min 



Meinen nicht-Musikfreunden, also den Personen in meinem Umfeld, die keinen an der Klatsche habe, kann ich nicht mehr vermitteln, warum ich 150 km fahre, um eine englische Band zu sehen, die noch kein Album veröffentlicht hat. Ich versuche es dann auch gar nicht mehr und antworte extrem einsilbig auf Fragen nach meiner Abendplanung. "Konzert halt."


Ob ich mir Daughter ansehen würde, wäre eh die falsche Frage gewesen, das hatte ich nie infrage gestellt. "Wo" war es, und das wurde kompliziert, weil meine derzeitige Lieblingsband einen großen Bogen um Köln oder Frankfurt macht. Die Arbeit am Album ließe keine größere Tour zu, sagte mir Gitarrist Igor Haefeli nach dem Konzert. Der kleine Luxemburger Club Exit 07 war die nächstbeste Wahl. Ich mag den Laden und habe da schon zwei sehr gute Konzerte gesehen (Blouse und Veronica Falls).


Wenn man mit riesigen Erwartungen an einen Abend rangeht, geht der oft schief. Heute hatte ich davor keinerlei Angst. Daughter hatte ich im August in Haldern gesehen, ich wusste also schon, daß das junge Londoner Trio auch auf der Bühne den Zauber verbreitet, der auf seinen wenigen Veröffentlichungen so eindrucksvoll zur Geltung kommt. Ganz ganz selten hat mich eine Band mit ihren ersten Liedern so sehr fasziniert. Der Auftritt im Halderner Spiegelzelt war der mit Abstand beste des Festivals. Seit Sommer sind die beiden EPs der Band meine meistgehörten Platten, ohne daß die Stücke irgendetwas an Reiz eingebüßt haben. Auf den Haldern Auftritt hatte ich mich schon gefreut, auf das heutige Konzert ungleich mehr. Unterschiedliche Erwartungshaltung hin oder her, das Ergebnis ist gleich: das Konzert war vorzüglich, die Band, vor allem Frontfrau Elena Tonra (die den gleichen Frisör wie Charlatans Frontmann Tim Burgess hat) hochgradig liebenswert und alles andere vollkommen egal!


Daughter fingen erst um 23.10 Uhr an. Das Vorprogramm bestritt eine Luxemburger Band namens Monophona, die mich manchmal an die Rainbirds erinnerte. Erwähnenswert bei ihrem Auftritt war eine nette Idee: die Sängerin hockte sich bei einem der Lieder auf den Boden und tippte etwas auf einer alten Schreibmaschine, die auf der Bühne stand. Das Getippte gab sie anschließend einer Frau im Publikum. "Man versteht nie, was ich singe, also habe ich es aufgeschrieben."* 


Daughter begannen mit einer B-Seite, mit Run von der aktuellen Single Smother. Bei anderen Bands fände ich einen solchen Auftakt arrogant, hier wäre das eine vollkommen falsche Interpretation, weil Run kein Lückenbüßer aus Verlegenheit sondern ein großer Hit ist. Außerdem ist das Stück ganz typisch für die Musik der Gruppe. Elenas tiefe verträumte und extrem klare Stimme, die etwas gelangweilten Gitarren (wundervoll!) und das ruhige Schlagzeug erzeugen Lieder, die wie keine der oft zitierten Referenzen klingen. Besonders gut gefiel mir bei Run, daß Schlagzeuger Remy während des Lieds zusätzlich Gitarre spielte, mit dem Drumstick in seiner anderen Hand. Ich bin sehr sicher, daß Run auf der Debütplatte des Trios sein wird, alles andere wäre eine riesige Verschwendung, das Lied ist fabelhaft!


Blöderweise hatte ich mich aus dämlicher Rücksicht ganz an den Rand gestellt, um niemandem im Weg zu stehen. Von meinem Platz in der Bühnenecke kam ich leider nicht mehr weg und hatte da das Vergnügen, einer jungen Frau mit riesigen Handy bei den Versuchen zugucken zu dürfen, sich und den Lover auf eines ihrer überflüssigen Fotos zu bekommen, natütlich mit Blitz und ekelhafter Penetranz. Pausen machte sie nur, um an den falschen Stellen im falschen Rhythmus mitzklatschen. Normalerweise nimmt mir das jeden Spaß am Konzert, Daughter waren dafür eine Ecke zu gut, den Rest machte der aufmerksame Ordner neben mir, der sagte, ich solle mich doch auf die Bühne setzen. Spätestens von da an war alles gut!


Daughter spielten etwas länger als erwartet. Viel mehr als 35 Minuten hatte ich ihnen nicht zugetraut, auch weil der späte Start dafür sprach, daß spätestens um Mitternacht Schluß sein sollte. Es wurde eine knappe Stunde, dabei spielten die Londoner neben Stücken von den beiden EPs und der Single die (wohl) unveröffentlichten Tomorrow und In the shallows. Auch Tomorrow ist in vielerlei Hinsicht herausragend und typisch. Das Stück fängt sehr langsam und ruhig an, zum Ende hin werden die Gitarren immer lauter. Dazu der betörende Gesang und der rabenschwarze Text, was für eine tolle Musik! Das andere sehr laut endende Lied Home beendete das Set ohne Zugaben.

Es gibt nichts hervorzuheben, Daughter haben keine schlechteren oder besseren Lieder. Mein Liebling ist zur Zeit Candles, das ist aber wie bei basisdemokratischen Parteien, da ist jeder mal dran.

Das wäre alles schon einmal ausreichend für ein großartiges Konzert. Allerdings kommt zur wundervollen Musik noch die charismatische Band. Die Musiker sehen so herrlich verhutschelt aus, gerade Elena unter ihrer Lampenschirmhaaren (natürlich die beste Bandfrisur des Jahres!). Ganz besonders liebenswert sind aber die kleinen Ansagen der Sängerin. Sie hat ein herrlich altmodisches Lachen. Keine Ahnung, ob das nur an der tiefen Stimme liegt, Elena lacht jedenfalls sehr englisch (das macht die Beschreibung auch nicht besser), es ist unglaublich toll! Das war auch ihr Lachanfall während Youth, als sie sich immer wieder selbst unterbrach, das Lied aber souverän zu Ende brachte. Ach, war das alles schön!


Mein einfaches Gemüt braucht nicht viel, um richtig glücklich zu sein. Aber eine auf die Hand geschriebene Setlist begeistert mich dann doch noch einmal besonders!

Solche Bands und Konzerte rechtfertigen nicht nur tiefe Ränder unter den Augen und lange Autofahrten, sondern eben auch, daß Außenstehende nichts davon nachvollziehen können.

Setlist Daughter, Exit 07, Luxemburg:

01: Run
02: Landfill
03: Love
04: Candles
05: Youth
06: The woods
07: In the shallows
08: Smother
09: Tomorrow
10: Home

Links:

- Daughter, Haldern, 11.08.12

* sinngemäß. Sie sprach Lëtzebuergesch.


Samstag, 11. Februar 2012

Blouse, Luxemburg, 10.02.12

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Konzert: Blouse
Ort: Exit07, Luxemburg
Datum: 10.02.2012
Zuschauer: etwa 80
Dauer: 50 min


In der kargen, konzertfreien Zeit Anfang Januar habe ich irgendwann Konzertprogramme von Clubs durchgeklickt, um zu sehen, wo ich die Nächte der kommenden Monate verbringen würde. Dabei stieß ich auf den mir unbekannten Namen Blouse. Die Band klang interessant, ich hörte mir ein paar Lieder im Internet an, war begeistert und kaufte die Platte. Mich erinnerte die Musik der Amerikaner zunächst an Beach House, später auch an Dream Pop Bands - ich mochte das sehr. Und verdammt noch mal, die musste ich mir ansehen!

Dummerweise liegt der Kölner Termin (morgen, also Samstag im King Georg) parallel zum Komzert von Anna Ternheim in der KulturKirche, ich musste also ausweichen. Der "Ersatztermin" fand heute abend im Luxemburger Exit07 statt.

Der Club in der Nähe des Hauptbahnhofs scheint die hippe Konzertadresse in Luxemburg zu sein. Er ist sehr stylish eingerichtet, hat beispielsweise eine riesige Leinwand über der Bar, auf der tanzende Menschen zu sehen waren, zu denen ein DJ Lieder wie Yazoos Nobody's diary spielte.

Erst um kurz nach halb elf erkletterten vier junge Musiker die Bühne. Ich hatte mich vorher nicht informiert, wie groß die Band ist, irgendwie hatte ich aber die Vorstellung, es handele sich um ein Duo. Blouse sind allerdings doppelt so groß, die Band aus Portland besteht aus Sängerin Charlie Hilton, Schlagzeuger Jacob Portrait (tolle Namen!), Bassist Patrick Adams und einer Keyboarderin, deren Namen ich nicht kenne.*

Charlie singt und spielt Gitarre. Und im Gegensatz zu kürzlich erlebten Basslegenden beherrscht sie beides parallel. Allerdings ist die Gitarre nicht wichtigstes Element der Musik der Amerikaner. Das Keyboard und Jacobs elektrisches Schlagzeug prägten meist den Klang der Stücke, aber auch sie stehen im Schatten von Charlies tiefer und wundervoll einprägsamer Stimme.

Im Gegensatz zu meinem bisher einzigen Konzert im Exit07, den musikalisch eigentlich nicht weit entfernten Veronica Falls, war der Sound brillant abgemischt. Dem schläfrig klingenden Gesang der jungen Sängerin und den verträumten Melodien täte ein mieser Klang nicht gut; es gibt Bands, bei denen schlechte Rahmenbedingungen weitestgehend egal sind.
Dreampop Künstler wie Blouse gehören nicht dazu. Das Schläfrige in Charlies Stimme übrigens macht einen großen Teil des Reizes der Band aus. Dazu kaltes blaues Licht, perfekt!

Blouse haben bisher eine Platte veröffentlicht. Von dem selbstbetitelten Debüt spielte die Band alle Stücke. Dazu kamen zwei mir unbekannte Lieder, Shadow und die
Zugabe Nights and days. Im Gegensatz zu den beiden kenne ich die Platte mittlerweile sehr gut. Herausragendes Stück ist Videotapes, das am Anfang herrlich leiert, so wie Videokassetten, die in der Sonne lagen. Durch das Stück kamen vermutlich auch meine Assotiationen zu Beach House, deren Norway das gleiche Stilmittel benutzt. Auch live war Videotapes eine Perle. Ein anderer Liebling war Time travel, ein riesiger Ohrwurm, der von Ladytron stammen könnte. Allerdings fiel auch der Rest der Stücke gegen die beiden kaum ab.

Blouse machen sicher keine Musik, die man noch nie gehört hat. Sie begeistern mich deshalb aber nicht weniger. Eine tolle Band, die meine hohe Meinung live noch weiter verbessert hat.

Wer Samstag in Köln ist, sollte sich Blouse im King Georg nicht entgehen lassen!

Setlist Blouse, Exit07, Luxemburg:

01: Firestarter
02: Time travel
03: Controller
04: Shadow
05: White
06: Ghost dreams
07: They always fly away
08: Fountain in rewind
09: Videotapes
10: Roses
11: Into black

12: Nights and days (Z)

* Blouse sind wohl wirklich zu dritt. Die Keyboarderin scheint nur für die Tour dazuzugehören



Freitag, 11. November 2011

Veronica Falls, Luxemburg, 10.11.11

5 Kommentare

Konzert: Veronica Falls
Ort: Exit 07, Luxemburg
Datum: 10.11.2011
Zuschauer: knapp 100
Dauer: 42 min


Ich frage mich häufig, ob die immer neuen Schichten von Einlaß-Stempelfarbe auf der gleichen Handstelle irgendwann bleibende Veränderungen an der Haut hinterlassen. Unter dem "Rappel" von heute sind noch Reste von gestern zu sehen - der c/o pop Stempel von Dienstag ist zumindest sichtbar weg.

Die Konzertnächte hinterlassen aber auch andere Spuren, meine Augenringe werden wieder tiefer. Das ist eben der Preis für die Neugierde, neue Bands nicht verpassen zu wollen. Das war gestern der Grund, Lanterns On The Lake nicht sausen zu lassen, und das war er auch heute, obwohl der Aufwand dafür größer war.

Veronica Falls sind eine der Bands der Saison. Eigentlich hätte ich die Engländer vergangenen Freitag als Vorgruppe der Dum Dum Girls gesehen, sie (oder andere) sagten diesen Support aber ab. Vermutlich sind sie zu schnell größer geworden, so daß sie diese Rolle nicht mehr übernehmen konnten. Also mußte eine Alternative her, Luxemburg war das einzig erreichbare Konzert.

Im Exit 07 war ich vorher noch nicht. Der sehr schöne Club, der Teil eines Kultur- und Ausstellungszentrums ist, liegt nah beim Atelier, das wiederum nicht weit vom Bahnhof. Offiziell passen 250 Zuschauer in den luftigen Raum, es standen aber einige Sitzgelegenheiten im Saal, man rechnete also nicht mit ausverkauftem Haus.

Das Exit 07 ist breit und wird an einer Seite von einer langen Bar begrenzt. Wegen der Quer-Ausmaße des Raums erzeugt die allerdings keine Engpässe wie ihre Kolleginnen in Köln (Luxor, Live Music Hall...). Auch die Bühne war riesig. Freitag sehe ich Owen Pallett mit dem Nordniederländischen Orchester. Ins Exit 07 hätten die sicher auch locker gepasst, für vier (zum Teil kleine und) junge Engländer war die Bühne überdimensioniert.

Während wir auf den Beginn warteten (bei allen nicht in Deutschland stattfindenden
Konzerten wird man am Eingang per Aushang informiert, wann die Bands spielen. Machen wir das nicht, damit Deutschland einen Ruf als spontanes, wildes, rebellisches Land bekommt, das nicht alles starr und pünktlich plant?), spielte ein DJ Team laute Musik von Anika bis Tuxedomoon. Irgendwann kam die Band auf die Bühne, das Vorprogramm stoppte, Sänger James Hoare bat um ein weiteres Lied ("tuning issues"), und es konnte um zehn nach zehn losgehen.

Veronica Falls kommen aus London und bestehen seit 2009. Vergangene Woche erschien ihr selbstbetiteltes Debütalbum bei Bella Union, mit dem sie jetzt touren. Neben James gehören Roxanne Clifford (Gesang und Gitarre), Marion Herbain (Bass) und Patrick Doyle (Schlagzeug und Gesang) zur Band.

Leider war der Gesang nicht schrecklich gut ausgesteuert, das war allerdings der einzige ernsthafte Kritikpunkt des Abends, denn mit ihrer Musik hatten die vier mich sofort. Kein Wunder, denn das, wonach sie klingen, mag ich ausnahmslos. Da war
weniger Pains Of Being Pure At Heart, dafür viel Vaselines, Pastels oder Darling Buds. Als ich noch grübelte, wem sie mehr glichen, kam die Lösung von rechts "ich habe leider nie Talulah Gosh gesehen..." Genau, an die erinnerten mich die Live-Veronica Falls auch ganz besonders. Ich kann mir vorstellen, wie entsetzlich lästig solche Vergleich für eine junge Band sind. Im aktuellen Fall - und immer wenn eine Band nicht nach einem Abklatsch der Referenzen klingt - ist dies aber ausschließlich lobend zu verstehen: Veronica Falls sind toll und absolut sehens- und hörenswert!

Beim "Sehenswert" allerdings kleinere Abstriche wegen James' Outfit. Die 8/9-Hose in Kombination zum häßlichsten Hemd des Konzertjahrs war alles andere als twee aber darüber sehe ich gerne hinweg.

Daß es kurz werden würde, war absehbar. Junge Bands aus England spielen auf der ersten europäischen Tour grundsätzlich zwischen 38 und 43 Minuten. Das steht vermutlich in ihren Plattenverträgen. Dafür hat man ja mit einer Platte auch Material. Veronica Falls spielten aber auch einige Nicht-Albumtracks, was ihnen bei mir weitere Pluspunkte einbrachte.
Last conversation (vermutlich) kannte ich nicht, ebensowenig Bury me alive, bei dem ich nicht sicher bin, ob es ein Cover ist. Starry Eyes ist das ganz sicher, es ist weiterhin B-Seite einer der Singles.

Es ist schwierig (und müßig), Highlights rauszupicken, dafür war das Programm zu kurz und zu homogen.
Found love in a graveyard oder The fountain stachen aber ein wenig heraus, beide gefielen mir ganz besonders.

Ob Veronica Falls die nächste Clubgröße in Europa erreichen, kann ich nicht einschätzen. Ich fürchte, die Band wird in einer Nische bleiben. Aber sicher bin ich, daß sie keine Eintagsfliege ist, und daß ich auch an einem zweiten Album große Freude haben werde.

Setlist Veronica Falls, Exit 07, Luxemburg:

01: Right side of my brain
02: Stephen
03: Beachy head
04: Last conversation (neu)
05: Bad feeling
06: The box
07: Found love in a graveyard
08: Heartbeat
09: Starry eyes (Roky Erickson Cover)
10: The fountain
11: Bury me alive (neu)
12: Wedding day

13: Come on over (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Veronica Falls, Paris, 04.05.11




 

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