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Freitag, 2. Januar 2015

Get Well Soon, Köln, 22.08.14

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Konzert: Get Well Soon
Ort: Alter Wartesaal, Köln (c/o pop)
Datum: 22.08.2014
Dauer: knapp 70 min
Zuschauer: fast ausverkauft  



Daß ich knapp zwei Jahre vorher mein letztes Get Well Soon Konzert gesehen hatte, ist jetzt nichts, was in den RTL2-Nachrichten erwähnt würde, in meinem kleinen musikalischen Universum aber eine Sensation. Die Tour zum letzten Album hatte ich verpasst, das Maifeld Derby 2014 fand parallel zum Primavera Festival statt (und da waren Slowdive). Auf dem Weg zum Wartesaal fragte ich mich, ob ich die Band überhaupt wiedererkennen würde. Seit 2007 habe ich wohl von keiner Gruppe mehr Konzerte gesehen, da fallen solche Pausen auf.

Der Auftritt im Alten Wartesaal, bzw. in "Alfred Bioleks Jugendstil Dungeon" (Konstantin Gropper) fand im Rahmen der c/o pop statt und war das letzte der Band in 2014. Sie hätten nicht viel Zeit eingeräumt bekommen, daher gebe es weniger Comedy Gold und mehr Musik, erklärte der trotzdem redselige Frontmann am Anfang. 

Das Konzert begann mit dem Welthit I sold my hands for food so please feed me (naja, das sollte er jedenfalls sein!). Und ich war wieder in der richtigen Ecke meiner Musikwelt. Leider nicht unbedingt in der richtigen Ecke des Saals - es war schrecklich laut, weil sich Flaschen leider nicht leiser anstossen lassen. Bei diesen c/o pop Konzerten ist die Bandauswahl meist herausragend. Allerdings interessiert viele von denen, die zum Networken kommen, das nicht so sehr wie das Networken. Für die Leute außenrum ist das doof. Aber da geht es um Jobs, da will ich also nicht spießig sein. Ein wenig laut war es dennoch.

Das Set bestand aus Liedern quer durchs Werk. Wegen meiner Pause hatte ich The world's worst shrink noch nicht live gehört. Trotz der Konzentration auf die Musik erklärte Konstantin immer wieder Dinge, die in der Regel nichts mit den Stücken selbst zu tun hatten. Die einheitlich schwarze Kleidung beispielsweise sei ihm aufgefallen. Das sei nicht abgesprochen und ungewöhnlich (ich dachte bis dahin, daß Get Well Soon bisher immer schwarz gekleidet waren). Schwarz könne nur zwei verschiedene Motivationen haben: es könne ein existenzialistisches Statement sein - oder der Versuch, nicht fett zu wirken. 

Roland, I feel you entstamme genau wie das nachfolgende Werner Herzog gets shot dem Zyklus "Namen, die aus den Babynamen-Bestenlisten verschwunden sind." Ob die hervorragende Laune des Sängers an dem vielen Bier lag, das es backstage gegeben habe oder sogar "an den absurd vielen Eiern", es war jedenfalls enorm komisch. Ich habe kein tolles Gedächtnis (das ist auch der Grund, diese Seite ins Leben zu rufen, wenn ich mich recht erinnere), wie gut die Musik sein würde, wusste ich aber noch! Es war wieder einmal ein hervorragendes Konzert der Groppers und ihrer Freunde. Besonders toll waren die letzten Stücke, Demons und das wundervolle Ticktack! Goes my automatic heart.

Die alljährliche Torschlußpanik, Konzertberichte von schönen Abenden endlich fertig zu schreiben, hat auch etwas Gutes. Jetzt kann ich mich schon auf das nächste Get Well Soon Konzert in knapp drei Wochen freuen. Juchu!

Setlist Get Well Soon, Alter Wartesaal, Köln:

01: I sold my hands for food so please feed me
02: The last days of Rome
03: Seneca's silence
04: Roland, I feel you
05: Werner Herzog gets shot
06: A gallows
07: Listen! Those lost at sea sing a song on Christmas Day
08: The world's worst shrink
09: Angry young men
10: A burial at sea
11: You cannot cast out the demons (you might as well dance)

12: Ticktack! Goes my automatic heart (Z)
13: We are ghosts (Z)

Livetermine Get Well Soon:

- 20.01. Leipzig, UT Connewitz
- 21.01. Berlin, Heimathafen
- 22.01. Bochum, Bhf. Langendreer
- 23.01. Frankfurt, Brotfabrik
- 28.01. München, Freiheiz
- 29.01. Wien, Porgy & Bess
- 30.01. Innsbruck, Weekender
- 31.01. Stuttgart, Wagenhallen
- 01.02. Baden / Zürich (CH), One In A Million Festival


Links:

- Chronologisch-thematisches Verzeichniss sämmtlicher Aufführungen Konstantin Gropper's. Nebst Angabe der verloren gegangenen, angefangenen, übertragenen, zweifelhaften und unterschobenen Auftritte desselben:
- Get Well Soon, Karlsruhe, 29.07.14
- Get Well Soon, Rovereto, 27.07.14
- Get Well Soon, Mannheim, 31.05.14
- Get Well Soon, Mannheim, 31.05.14
- Get Well Soon, Reutlingen, 26.07.13
- Get Well Soon, Neuhausen ob Eck, 21.06.13
- Get Well Soon, Frankfurt, 21.01.13
- Get Well Soon, Frankfurt, 21.01.13
- Get Well Soon, Esch-sur-Alzette, 14.10.12
- Get Well Soon, Düsseldorf, 04.10.12
- Get Well Soon, Düsseldorf, 04.10.12
- Get Well Soon, Paris, 24.08.12
- Get Well Soon, Dortmund, 28.07.12
- Get Well Soon, Frankfurt, 22.06.12
- Get Well Soon, Mannheim, 21.05.11
- Get Well Soon, Mannheim, 21.05.11
- Get Well Soon, Wien, 23.11.10
- Get Well Soon, Rüsselsheim, 09.07.10
- Get Well Soon, Dortmund, 05.05.10
- Get Well Soon, Paris, 16.03.10
- Get Well Soon, Heerlen, 07.03.10
- Get Well Soon, Frankfurt, 02.03.10
- Get Well Soon, Paris, 26.01.10
- Get Well Soon, Wiesbaden, 22.08.09
- Get Well Soon, Bonn, 04.07.09
- Get Well Soon, Paris, 06.05.09
- Get Well Soon, Nijmegen, 25.04.09
- Get Well Soon, Paris, 14.10.08
- Get Well Soon, Wiesbaden, 30.08.08
- Get Well Soon, Melt!, 20.07.08
- Get Well Soon, Evreux, 28.06.08
- Get Well Soon, Frankfurt, 15.04.08
- Get Well Soon, Köln, 09.04.08
- Get Well Soon, Berlin, 21.09.07
- Get Well Soon, Haldern, 02.08.07

Foto: Konserve
 




Dienstag, 11. Juni 2013

Phoenix, Köln, 10.06.13

2 Kommentare

Konzert: Phoenix (Einslive Radiokonzert)
Ort: Alter Wartesaal, Köln
Datum: 10.06.2013
Zuschauer: gut 800 (ausverkauft)
Dauer: 72 min



War es bei Euch im Radio auch so laut? Meine Ohren dröhnen noch trotz Schutz.

Das Einslive Radiokonzert mit Phoenix, für das es erstaunlicherweise sehr einfach war, regulär im Vorverkauf Karten zu kaufen, zeigte die große Stärke der Franzosen, die regulär sehr viel größere Hallen füllen (im November die alle zwei Wochen umbenannte Philipshalle in Düsseldorf), ihre sagenhaften Livequalitäten. Sänger Thomas Mars ist eine Rampensau, wie sie im Buche steht. Er lief durch den Saal, kletterte auf alles, auf das man klettern konnte, legte sich auf den Boden und sah am Ende aus, als habe er einen Ironman bestritten.

Aber das alles konnte man am Radio ja leider nicht mitbekommen. Daher hier gerade als Platzhalter, bevor ein echter Bericht folgt, die Sachen, die die Radiohörer verpasst haben:

- schon beim dritten Lied (Lisztomania) fiel Thomas vom Bühnenrand, rappelte sich aber schnell auf und sang souverän weiter

- beim Instrumental-Stück Sunskrupt! hatte der Sänger nichts zu tun, also legte er sich auf den Boden und wippte mit den Füßen mit


- "you have a face for the radio" singen The View. Bei Phoenix sitzen die beiden Vollbartträger trotzdem auch bei Radiokonzerten ganz hinten

- Thomas lief zweimal länger durchs Publikum, wickelte sein Mikrokabel dabei auch mal unglücklich um eine Säule

Die Stimmung des knapp einstündigen Konzerts (plus Zugaben, die wahrscheinlich nicht mehr übertragen wurden) war sagenhaft, vermutlich viel besser als bei Rock am Ring. Das Feuilleton des Express schreibt in seiner Onlineausgabe über einen Flashmob beim Eifelfestival:

"Dann intonierten die Festival-Besucher völlig ohne Vorbereitung diverse Rap- und Chart-Hits (etwa von Snoop Dogg) - und begeisterten damit die Fans vor der 'Alterna Stage'. Stellenweise hörten mehr Zuschauer der Bläser-Truppe zu als den parallel spielenden Rock-Band 'Phoenix'."

Perlen vor die Säue geworfen, wie man hier sagt.

Setlist Phoenix, Einslive Radiokonzert, Alter Wartesaal, Köln:

01: Entertainment
02: Lasso
03: Lisztomania
04: Long distance call
05: Too young
06: Girlfriend
07: Rally
08: Medley (Trying to be cool, Drakkar noir, Chloroform)
09: Sunskript! (instr.)
10: Bourgeois
11: Armistice
12: 1901
13: Rome

14: Countdown (Z)
15: If I ever feel better (Z)


Sonntag, 28. März 2010

Recoil, Köln, 27.03.10

19 Kommentare

Konzert: Recoil (& Client B)
Ort: Alter Wartesaal, Köln
Datum: 27.03.2010
Dauer: Recoil 65 min, Client B 75 min (denke ich)
Zuschauer: vielleicht 600 (nicht ausverkauft)


Alan Wilder und ich haben einiges gemeinsam. Wir mögen zum Beispiel Tasteninstrumente viel lieber als Gitarren, Depeche Mode spielte früher in unserem Leben eine große Rolle, bis wir ausstiegen, um die Band vor ein paar Wochen zum ersten mal nach vielen Jahren wieder live zu sehen. Und früher hatten wir wohl auch den gleichen Musikgeschmack.

Als Alan Wilder nämlich noch als Depeche Mode Mitglied seine ersten Platten unter dem Projektnamen Recoil veröffentlicht hatte, begeisterten die mich sehr. Irgendwann habe ich das nicht weiter verfolgt, und dann vor ein paar Tagen gemerkt, daß ich die drei ersten Alben sogar noch nicht einmal digitalisiert hatte. Das Konzert sollte also eine Katze im Sack werden.

Als ich in den Alten Wartesaal kam, fühlte ich mich wie jemand, der in einem Steakhaus in Houston ein veganisches Gericht verlangt - mit einem hellen Hemd war ich vollkommen falsch gekleidet.

Um halb neun ging die laute Musik vom Band in laute Musik vom Band mit Liveunterstützung über. Sarah Blackwood, die als Client B mit der Band Client
elektronische Musik macht, stand im Rücken des Publikums an einem Mischpult, legte Musik auf und sang live zu manchen Stücken. Manchmal klang das nach schönem Retro-Elektropop im Stile von Saint Etienne mit härteren Beats. Manchmal waren es auch nur die schnellen, elektronischen Rhythmen, und Sarah tanzte nur dazu. Egal wie, der Auftritt, dieses Konzertkaraoke - oder Karaokekonzert - war reichlich skurril! Ich weiß nicht, ob mir Client (die einige Indie-Anknüpfungspunkte haben: live tritt Charlotte Hatherley, das Girl from Ash, mit Client auf; in deren Videos haben schon Carl Barât, Peter Doherty und Tim Burgess mitgespielt) noch einmal auf einer Bühne begegnen werden, einen Platz in meinem Kuriositätenkabinett hat Sarah Blackwood sicher!

Sarahs besungenes DJ-Set ging nahtlos in den Hauptact über; die "Strange hour with
Alan Wilder & Paul Kendall" begann gegen 22.45 Uhr. Auf der Bühne des Wartesaals war rechts ein Tisch aufgebaut, auf dem zwei Notebooks, eine Menge Kabel und jede Menge Knöpfe standen. Erst erschien Paul Kendall, ein Musiker aus dem Umfeld des Depeche Mode Labels Mute, den ich bisher nicht kannte, zumindest nicht bewußt. Kurz danach kam dann auch Alan Wilder ans Notebook. Die Musik lief da schon und ließ sich nicht vom Erscheinen ihres Komponisten verunsichern.

Obwohl ich früher viel Recoil gehört habe, erkannte ich keinen der Titel. Entweder war ein Großteil des Sets neu oder mein Gedächtnis schlecht. Vermutlich gehört Faith healer zum Programm, in Berlin hatten Recoil das gespielt, bewußt wahrgenommen habe ich das Stück allerdings nicht. Nur Alan Wilders Never let me down again Mix erkannte ich dann gegen Ende des Auftritts. Soviel zum Set...

Wenn ich versuche, mich in einem Hardcore-Fan elektronischer Musik zu versetzen, war das Programm vielleicht faszinierend. Aber auch nur vielleicht... Die ineinander
übergehenden Stücke fingen schnell an, mich zu langweilen, weil ich, während ich die beiden Musiker beobachtete, keinerlei Abwechslung erlebte. Es gab eine Leinwand mit Videos, die ich aber nicht sehen konnte. Aber auch das hätte nichts daran geändert, daß zwei ältere Männer, die ein paar Knöpfe drücken, für mich nichts spannender sind als eine Platte, die ich höre. Natürlich bin ich heilfroh, die Legende Alan Wilder einmal gesehen zu haben, alleine dafür hat sich der Abend vollkommen gelohnt. Ich muß der Fairness halber auch klarstellen, daß Recoils Musik heute absolut nicht mehr meinem Geschmack entspricht, so elektronisch-experimentell ist der nicht. Aber Geschmack hin oder her: konzerttauglich ist Musik wie die von Recoil nicht. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, daß Alan Wilder mit Recoil vor 2010 niemals auf Tour war.

Ob meine Einschätzungen, bloß ein DJ Set zu sehen, vielleicht aber doch nur ausgemachter Blödsinn sind, fragte ich mich gegen Ende des Konzerts. Denn da griff Alan Wilder nach einem Handtuch und wischte sich den Schweiß ab. Das war dann wieder Konzert, wie ich es kenne!



 

Konzerttagebuch © 2010

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