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00:02
Konzert: Simon Love and the Old Romantics
Ort: MOTH Club, London (20 Years Of Trouble)
Datum: 22.03.2017
Dauer: knapp 40 min
Zuschauer: rund 100
Die große Abschiedsgala des wundervollen FortunaPOP! Labels hatte Roxy Brennan als Two White Cranes mit Coversongs von Labelkumpels (vor allem Martha) eröffnet. Der MOTH Club in Hackney war am Mittwoch nur "season ticket holders" vorbehalten. Trotzdem hatten wir mit einem vollen Club gerechnet. Und erstaunlicherweise wurde es nach dem Auftakt noch eine Spur leerer, obwohl die Band um Simon Love bereits um neun auf die Bühne kam.
Simon Love and the Old Romantics stammen aus Wales und hatten im vergangenen Sommer beim Indietracks und kurz vorher (wenn ich mich recht erinnere) bei Indiewohnzimmer in Stuttgart gespielt. Ein großer Teil des Charmes der Band besteht aus dem Humor des Pilzkopf-Sängers. Dummerweise geht ein Großteil von Simons Sprüchen in seinem schlimmen Genuschel unter.

Zwischen meinen drei Konzerten der Band habe ich Simons Platte It seemed like a good idea at the time nie gehört. Mir ist der Pop etwas zu... ja zu was? Zu bluesig? Zu altbacken? Zu hüftsteif? Zu männlich? Ich weiß es nicht genau. Aber einige der Lieder sind sehr schön, Motherfucker, Not if I see you first und Tennis fan vor allem. Wahrscheinlich sollte ich die Platte und die seiner früheren Band The Loves einfach häufiger hören.

Im Mittelpunkt der guten halben Woche standen aber eh nicht die Bands, im Mittelpunkt stand FortunaPOP!-Chef Sean Price. Jeder Künstler, jede Band dankte ihm - in der Regel dafür, daß es seine Band überhaupt gab. Simon Love, der im echten Leben gar keinen poetischen Job hat, ließ es sich aber nicht nehmen, der Abschied von Sean Price etwas spezieller zu gestalten. Mit seinen vier Begleitern (dazu gab es einen Trompeter, der ab und zu auf die Bühne kam) stimmte er einen Song an, den sie für Sean geschrieben hätten "Goodbye indie's rose... And it seems to me you lived your life like a candle in the wind." Und danach: "This next song is called Elton John." Mein Humor!
Simon Love sollte Samstag noch mehrere Auftritte haben, vor allem mit den zu einer Allstar-Band umfunktionierten The Loves. Aber das kommt später.
Setlist Simon Love and the Old Romantics, MOTH Club, London:
01: God bless (?)
02: The new Adam and Eve
03: Tattoo girl
04: Golden boy
05: Motherfuckers
06: Candle in the wind (kind of) (Elton John Cover)
07: Elton John
08: Tennis fan
09: Not if I see you first
10: I fucking love you
Links:
- aus unserem Archiv:
- Simon Love and the Old Romantics, Ripley, 29.07.16
um
12:05
Konzert: Two White Cranes (20 Years Of Trouble)
Ort: MOTH Club, London
Datum: 22.03.2017
Dauer: knapp 20 min
Zuschauer: ca. 100
Als wir im vergangenen Sommer auf unserer Picknick-Decke vor der Hauptbühne des Indietracks' saßen und auf eine uns unbekannte zukünftige Lieblingsbands warteten, lasen wir das Programmheft des Festivals, das - was auch sonst - ein Fanzine ist. Darin war ein Interview mit Sean Price, dem Kopf hinter FortunaPOP!, in dem er verkündete, daß nach 20 Jahren, 200 Veröffentlichungen und einem Haufen Schulden Schluß sei. FortunaPOP! sei Geschichte.
FortunaPOP! hat in den vergangenen beiden Jahrzehnten nicht nur brillante Platten von Bands wie Comet Gain, den Pains Of Being Pure At Heart, Flowers, Allo Darlin', den Lucksmiths, Chorusgirl, The Ballet, Tullycraft (und wie sie alle heißen) veröffentlicht, der Katalog des Labels war auch wichtigster Pool für das Booking des wundervollen Indiepop-Festivals - und seit vergangenem Jahr meiner kleinen Konzertreihe. Da hört also nicht bloß ein Label auf, da verschwindet deutlich mehr.
Weil schon die Mutter der Indiepop-Label, Sarah Records, mit einer Party das Ende gefeiert hat, kommen die (meisten meiner) nächsten Berichte aus London. 20 Years Of Trouble, der FortunaPOP!-Abschluß, ist so fantastisch besetzt, daß daran nun wirklich kein Weg vorbei führte.
Ursprünglich sollte das Festival in Londoner Indieclubs von Donnerstag bis Sonntag stattfinden, für die Dauerkartenbesitzer kam irgendwann aber noch der Mittwoch dazu. Man hatte wohl nicht genug Platz für all die Bands, die spielen wollten. Auch ein zweites Sonntagskonzert (mittags um 12 Uhr), reichte nicht, als begann das Ende mit Simon Love and the Old Romantics, einem Überraschungsgast und als Eröffnung mit Two White Cranes im MOTH Club in Hackney.
Im MOTH hatten wir im Dezember die ersten beiden Allo Darlin' Abschieds-Shows gesehen und uns in den wundervollen kleinen Saal des ehemaligen Offiziersclubs verliebt. Hier wieder hinzukommen - toll! Als wir kurz vor dem angekündigten Beginn ankamen, waren wir die ersten, die ihre Festivalbändchen bekamen (von Sean Price und Sarah, die bei meinem Kölner Flowers-Konzert das Merch gemacht hatte).
Knapp 30 min hinter dem Zeitplan kam Roxy Brennan auf die Bühne. Roxy stammt aus Bristol und war zuletzt Sängerin bei Joanna Gruesome, die Sonntag spielen werden (mit Rachel Kenedy von Flowers als Nachfolgerin). "Ich bin so froh, hier sein zu dürfen und spiele einige Martha-Songs."
Im letzten Jahr hatten die vielen auf dem Camping-Platz übernachtenden Indietracks-Künstler ein Spontankonzert zwischen den Zelten veranstaltet und vor allem Martha-Songs gecovert, Roxy war eine der beteiligten Musikerinnen. Ich war neidisch, als ich als Nicht-Zelter davon gehört hatte. Zurecht, wie ich jetzt weiß.
Roxy hat eine wundervolle Stimme, die den Martha-Stücken einen neuen Anstrich verlieh. Sie hatte zwar Zweifel - "seht euch Martha an! See them play the songs correctly!" - es war aber herrlich!
Leider war der Spuk nach zwanzig Minuten vorbei. Das letzte Lied (1967, I miss you, I'm lonely) war ihr liebster Martha-Song - allerdings seien alle Lieder der Band aus Durham ihre Lieblings-Martha-Lieder.
Setlist Two White Cranes, 20 Years Of Trouble, MOTH Club, London:
01: Present, tense (Martha Cover)
02: Chekhov's hangover (Martha Cover)
03: Christine (Martha Cover)
04: Hackney (Milky Wimpshake Cover)
05: 1997, passing in the hallway (Martha Cover)
06: 1967, I miss you, I'm lonely (Martha Cover)
um
18:16
Konzert: Allo Darlin' (mit The Hayman Kupa Band)
Ort: MOTH-Club, London
Datum: 10.12.2016, 20 Uhr Show
Dauer: Allo Darlin' 90 min, The Hayman Kupa Band knapp 35 min
Zuschauer: 300 (ausverkauft)
Wenn ich mir vorher ausgemalt hätte, wie das perfekte Abschieds-Konzert am Allo Darlin'-Wochenende aussehen müsste, das wäre dabei herausgekommen:
Um halb sechs hatten wir die letzten Töne des ersten Konzerts gehört, um acht standen wir wieder vor der Bühne. Support des zweiten Teils der Abschieds-Veranstaltung war The Hayman Kupa Band. Auch dies war eine ausgezeichnete Wahl, da die beiden Hauptpersonen - Darren Hayman und Emma Kupa (eigentlich Cooper) - zum nahen Umfeld von Allo Darlin' gehören.
Das Konzert der beiden, die von einer Schlagzeugerin und einem Bassisten begleitet werden, begann wunderschön. Das erste Lied Reach out sang nur Emma, Darren begleitete sie mit ruhigen Gitarrenklängen. Emmas Stimme ist speziell, keine klassisch-schöne Popstimme. Und genau das macht sie so toll! Darrens Gesang passt ganz wunderbar dazu. Das nächste Lied Let's do nothing war das erste Duett mit voller Band. Darren, bekannt durch seine Zeit bei Hefner, trug dem Anlaß des Konzerts angemessen einen dreiteiligen Anzug. "Das ist etwas, das ich von James Hetfield von Metallica gelernt habe. My guitar matches my tanktop and my tie!"

Emma und Darren sind Frontleute, die Situation in der Hayman Kupa Band sei aber besonders. "Everyone is in five bands, I'm in five bands, nothing special." Die THKB sei aber die einzige seiner Bands, in der er Gitarrensoli spielen dürfe, erklärte Darren nach dem tollen Draw the line. Das Solo da war nicht schlimm, er drohte aber mehr an! "They think it's too much, you think it's too much, I think it's too much!"
Viertes Lied, vierter Knüller: A tent of blankets, ein perfekter Pop-Song, wieder von beiden gesungen. Das übernächste Stück war mein Liebling des Konzerts: Then we kissed, das ich auf keine Veröffentlichung gefunden habe. Dabei hatten sie dabei vorher ein paar Abstimmungsprobleme. "It's la la laa la?" - "No, it's more like laaaa laaa la la la." "This is normal." Emma und Darren waren trotzdem zufrieden. "I'd say it's in the Top-5 gigs - out of six."
Vor No more bombs (super!) schlug Darren ein Bühnen-Bingo mit Bandfloskeln vor: "This is a new song!" - "We haven't done this one many times before (we haven't)" - "How are you doing?" - "Hello Hackney!"
Als Hayman Kupa Band haben Emma und Darren bisher zwei Singles veröffentlicht. Die zweite (Someone to care for) war das letzte Lied des kurzen aber fantastischen Konzerts. "I'm an asshole, I forget names, I forget faces."
Vor dem letzten Lied lobten die beiden Allo Darlin', Darren: "2016! Why? One more thing! I love Allo Darlin' too. Kind of."
Setlist The Hayman Kupa Band, MOTH-Club, London:
01: Reach out
02: Let's do nothing
03: Draw the line
04: A tent of blankets
05: Overs now overdue
06: Then we kissed
07: No more bombs
08: Someone to care for
Als Allo Darlin' auftraten, war deren Bühnenoutfit nicht mehr überraschend. Die "Allo", "Darlin'", "Herzchen" und "you"-Shirts trug die Band auch schon bei der frühen Show. Aber natürlich war den vier, die wie viele aus der Indiepop-Szene auch Musikfans sind (Bill Botting ist jedes Jahr Gast beim Indietracks), bewußt, daß ein guter Teil des Publikums mindestens zwei der Shows sehen würde. Daher gab es natürlich nicht die gleiche Setlist. Statt mit If loneliness was art begann das späte Konzert mit Wonderland, bevor mit We come from the same place das erste "neue" Stück gespielt wurde. Beim Matinee-Konzert hatte Elizabeth manchmal bei Ansagen und Liedern eine leicht flattrige Stimme, sie schien extrem bewegt zu sein. Beim zweiten wirkte es auf mich so, als würde die Band den Auftritt noch mehr genießen. Das ist aber vermutlich Unsinn.

Vor dem ersten Lied hatte die Frontfrau gebeten, nicht mit dem Mitsingen zu warten, dafür sei jetzt keine Zeit mehr, es sei das vorletzte Konzert. Wir sollten also bitte von Beginn an mitsingen!
Nach dem großen Mitsing-Hit Capricornia spielte Elizabeth mit der Tatsache, daß sie wußte, daß viele auch am Nachmittag schon da waren. "Das nächste Lied singt Bill, vermutlich zum letzten Mal! Bitte bejubelt ihn, immer wenn er singt!", die gleiche Ansage wie mittags und dadurch urkomisch! Der Jubel für den schnauzbärtigen Bassisten war riesig, Dreaming wunderschön. Dummerweise blieb aber kaum Luft, dies zu genießen, weil gleich danach Bright eyes, das Duett mit Gitarrist Paul kam, das eines meiner Wunschlieder (neben History lessons) für das Abschieds-Wochenende war.

Darren Hayman war natürlich noch da, also brachten Allo Darlin' dem Sänger ihr Ständchen Darren (als 7" Picture disc erschienen - mit einem gezeichneten Darren auf der Platte). "Let's make Darren feel very awkward!"
Emma bekam danach einen Gastauftritt bei Silver Dollars, fabelhaft! Auch Geiger Dan, der am Vormittag immer mal wieder auf die Bühne kam (und auf zwei Platten mitgearbeitet hat), wurde zum Beispiel für Some people say hochgerufen.
Gegen Ende des Sets bekam dann auch Darren Hayman seinen richtigen Gastauftritt. Er sang gemeinsam mit Elizabeth das Allo Darlin' Cover Wu Tang Clan seiner Band The French (B-Seite von Darren).
Die letzte Single Hymn on the 45 beendete wieder den Hauptteil des Konzerts. Dazu kam die Saxophonistin auf die Bühne - "The one and only other Emma Cooper."
Tallulah - ergänzt um Country roads ("Central Queensland, beautiful beaches") war wieder die erste Zugabe, My heart is a drummer mit kompletter Band die zweite. Diesmal kamen die Allo Darlins noch zu einem dritten Lied (Kiss your lips) zurück.
An das Wochenende werde ich mich lange zurückerinnern, an dieses Konzert besonders. Immer wenn ich denke, musikalisch alles gesehen zu haben, kommen solch weltbewegende 90 Minuten! Das wäre ein würdiges letztes Konzert der Bandgeschichte gewesen, aber es kam ja noch eines.
Setlist Allo Darlin', MOTH-Club, London:
01: Wonderland
02: We come from the same place
03: Crickets in the rain
04: Capricornia
05: Dreaming
06: Bright eyes
07: Some people say
08: Darren
09: Silver Dollars (mit Emma Kupa)
10: Still young
11: Europe
12: Let's go swimming
13: Wu Tang Clan (The French Cover) (mit Darren Hayman)
14: Hymn on the 45
15: Tallulah (Elizabeth solo) (Z)
16: My heart is a drummer (Z)
17: Kiss your lips (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Allo Darlin', London, 10.12.16 (15 Uhr)
- Allo Darlin', Köln, 01.12.14
- Allo Darlin', Ripley, 25.07.14
- Allo Darlin', Köln, 21.11.12
- Allo Darlin', Paris, 10.07.12
- Allo Darlin', Wien, 04.03.11
- Allo Darlin', Paris, 25.02.11
- Allo Darlin', Köln, 28.07.10
- Allo Darlin', Paris, 27.07.10
- Mammoth Penguins, Köln, 20.10.16
um
23:05
Konzert: Allo Darlin' (mit Night Flowers)
Ort: Moth-Club, London
Datum: 10.12.2016, 15 Uhr Show
Dauer:Allo Darlin' 90 min, Night Flowers knapp 35 min
Zuschauer: rund 300 (ausverkauft)
Als ich Allo Darlin' 2009 oder 2010 zum ersten Mal wahrnahn, war die australisch-englische Band eine sehr nette Indiepop-Gruppe mit vielen guten Liedern. Je mehr Stücke, Platten und Konzerte dazu kamen, desto größer wurde meine Liebe für Elizabeth, Paul, Bill und Michael. Allo Darlin' waren nicht mehr bloß eine von vielen Indiepop-Bands, sie waren DIE Indiepop-Band.
Nach dem wundervollen Debüt Allo Darlin' erschien 2012 der wundervolle Nachfolger Europe und 2014 dessen wundervoller Nachfolger We come from the same place. Das dritte Album war bereits schwierig, weil Sängerin Elizabeth Morris, die der Musik wegen aus Queensland nach England gezogen war, mittlerweile nach Italien gezogen war. Irgendwann in dieser Phase entstand wohl die Idee, Allo Darlin' zu beenden.
Im September eröffnete die Band ihren Fans das Ende: "Dear all,
After eight years of playing, laughing, driving, dancing, singing and generally having the time of our lives, we are calling it a day. We will be playing our last show at the Scala in London, December 11th 2016." Ich stand damals in einer Schlange in der Bank und gab meinen Warteplatz auf, um mein Ticket mit dem Handy zu buchen. Ich wollte um nichts in der Welt dieses letzte Chance verpassen, all die großen Hits noch einmal zu hören, Elizabeths Ukulele und den hüpfenden Bill Botting zu sehen.
Die Band hatte nicht damit gerechnet, daß die Scala ausverkauft werden würde. Bei Facebook kommentierten Allo Darlin' immer wieder, es gebe genügend Tickets für alle. Eine Fehleinschätzung, denn das Konzert im 1.000er Club war ruckzuck ausverkauft. Daß die Band und ihr Label FortunaPOP! nicht damit gerechnet hatten, zeigte sich auch daran, daß es eine Weile dauerte, bis zwei Zusatzshows organisiert waren, sie sollten am Samstag im neuen MOTH Club in Hackney stattfinden. Beide. Eine um 20 Uhr und eine am Nachmittag um drei.
Wenn schon, denn schon. Wir waren natürlich zur Kaffeezeit da und wollten auch schon das erste Konzert sehen.
Der MOTH Club (MOTH steht für Memorable Order Of Tin Heads) war früher ein Club für Südafrika-Veteranen. An den Wänden hängen Rangabzeichen und anderen militärische Erinnerungen, der Club selbst ist zweigeteilt, in eine winzige Bar vorne und einen wundervollen Saal mit Sitzecken am Rand, einer aus goldglitzernd bemalten Decke aus Rundbögen und einer mit Lametta im Hintergrund dekorierten Bühne. Wunderschön!
Die Nachmittags-Show war für uns so attraktiv, weil die fantastischen Night Flowers als Support auftraten. Für Eltern dagegen war das das perfekte Konzert, weil sie ihre Kinder mitbringen konnten. Das nutzen viele, überall standen Mütter und Väter mit teilweise arg jungen Kindern. Ich hatte vorher nie Konzerte besucht, bei denen Kinder gewickelt oder gestillt wurden. Allerdings wäre es schöner gewesen, wenn die Eltern ihren Säuglingen auch Ohrenschutz angezogen hätten. Es war enorm laut und viele der Kleinkinder hatten nichts in den Ohren.
Um 15 Uhr begannen Night Flowers, die ich natürlich auch vom Indietracks Festival kannte, woher auch sonst? Night Flowers kommen aus London und haben bisher nur Singles und EPs veröffentlicht. Die letzte Single Glow in the dark... leuchtet im Dunklen. Die fünf Night Flowers eröffneten das Konzert mit Amy, der B-Seite der neuen Single. Die Band hat zwei Sänger, Keyboarderin Sophia Pettit und Gitarrist Greg Ullyart wechseln sich ab. Ein wenig erinnern Night Flowers an die Pains Of Being Pure At Heart, sie sind live aber weniger krachig als die Pains. Beide Bands verbinden die verträumt-schönen Melodien.
Das kurze Set war sehr schön, die Einladung an Night Flowers geschmackssicher. Allerdings hatte sie noch einen anderen Hintergrund. Greg vertrat Bill Botting als Bassist, als dessen Frau das erste Kind bekam. Er sei ihr fünftes Mitglied, erklärte Elizabeth Morris später.
Night Flowers waren ein perfekter Auftakt unseres Adieu Darlin' Wochenendes. Einzig schade war, daß Wahnsinns-Lieder wie Embers fast ein wenig untergingen, weil danach noch so viel Brillantes folgen sollte.
Setlist Night Flowers, Moth Club, London:
01: Amy
02: Single beds
03: Hey love (neu)
04: Sleep
05: Glow in the dark
06: Embers
07: Sitting pretty
08: Cruel wind
Die kommenden anderthalb Stunden sollten ein Lehrstück werden, wie man sich als Band stilvoll von seinen Fans verabschiedet.
Um vier Uhr kamen die vier Musiker auf die Bühne. Sie trugen T-Shirts mit "Allo" (Paul), "Darlin'" (Michael), Herzchen (Elizabeth) und "you" (Bill).
Wie emotional die Frontfrau war, merkte man ihr bei jeder Ansage und auch beim Singen an. Da war von Lachen bis Kloß im Hals alles vertreten. Dazu die ein wenig absurde Situation, daß die rechte Hälfte des Saals wie eine Krabbelgruppe aussah, es war besonders!
Allo Darlin' begannen mit If loneliness was art und dem Polaroid song vom ersten Album. Elizabeth bat schnell darum, daß wir mitsingen, nötig war das nicht. Auch bei dem nachfolgenden Kings and Queens, das vom schrecklich unaufmerksamen Publikum bei einem Konzert auf Tour mit den Wave Pictures in New Haven handelt (welche andere Band könnte so Lieder schreiben?), nicht.
Ich bin kein riesiger Freund von mitfilmenden Konzertbesuchern. Von Capricornia erhoffe ich mir einen Mitschnitt! 300 Zuschauer und vier Musiker herrlich laut, es war wunderschön! Capricornia handelt von der Hochzeit von Elizabeths Schwester in Australien, zu der Allo Darlin' als Hochzeitsband "gebucht" waren. Es habe ein sehr langes Feuerwerk gegeben ("mein Vater liebt Feuerwerk!") und eine ganze Menge Coversongs von Allo Darlin'.
Den Text zu Woody Allen musste Elizabeth aus einer CD vom FortunaPOP!-Stand nehmen, um ihn wieder zu lernen. Die Band war (muß man leider jetzt sagen) natürlich viel zu stilvoll, um eine 0815-Setlist zu spielen, es fanden sich viele Perlen im anderthalbstündigen Programm.
Einer der kleineren Songs war Angela vom dritten Album, toll! Einer der großen Hits ist dagegen Dreaming, das erste Lied der ersten Platte. "Bill wird das singen. Es könnte sein, daß er dieses Stück jetzt zum letzten Mal singt! Bitte zeigt Bill, wie es Euch gefällt, wenn er singt!" Also gab es lauten Jubel, sobald der Gesangspart des Bassisten einsetzte. Bill grinste unter seinem Schnorres breiter und breiter! Danach kam sofort Silver Dollars, ein anderer Live-Knüller. Beim nachfolgenden Europe war ein Gastgeiger (Dan) auf der Bühne.
Und es ging auf dem Niveau weiter. Nur Hits, keine Füller. Die letzten drei Songs zum Beispiel: erst die erste Single Henry Rollins don't dance, dann My heart is a drummer und zum Abschluß die letzte Single Hymn on the 45, die doch noch auf Vinyl bei FortunaPOP! erschienen war. Dazu spielte Emma Cooper Saxophon, allerdings nicht die Emma Cooper, die unter Künstlername Emma Kupa später mit ihrer The Hayman Kupa Band auftreten sollte.
Nach kurzer Pause kam Elizabeth zurück und sang Tallulah alleine an der Ukulele. Die anderen drei kamen gut gelaunt zurück und spielten gemeinsam Kiss your lips.
Ach, es war ein fantastischer Nachmittag! Ich hatte vorher gedacht, daß es vielleicht keine Top-Idee ist, die gleiche Band zweimal am Tag zu sehen. Um 17:30 Uhr hielt ich es für die beste Idee meines Lebens!
Setlist Allo Darlin', MOTH Club, London:
01: If loneliness was art
02: The Polaroid song
03: Kings and Queens
04: Capricornia
05: Woody Allen
06: Angela
07: Crickets in the rain
08: Wonderland
09: Dreaming
10: Silver Dollars
11: Europe
12: Let's go swimming
13: My heart is a drummer
14: Henry Rollins don't dance
15: Hymn on the 45
16: Tallulah (Elizabeth solo) (Z)
17: Kiss your lips (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Allo Darlin', Köln, 01.12.14
- Allo Darlin', Ripley, 25.07.14
- Allo Darlin', Köln, 21.11.12
- Allo Darlin', Paris, 10.07.12
- Allo Darlin', Wien, 04.03.11
- Allo Darlin', Paris, 25.02.11
- Allo Darlin', Köln, 28.07.10
- Allo Darlin', Paris, 27.07.10