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Samstag, 26. Februar 2011

Allo Darlin' & Please Don't Blame Mexico & La Féline & The Airborne Toxic Event, Paris, 25.02.11

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Konzert: Allo Darlin' & Please Don't Blame Mexico & La Féline & The Airborne Toxic Event

Ort: la Flèche d'or, Paris

Datum: 25.02.11

Zuschauer: mittlerer Andrang, etwa 250

Konzertdauer: pro Band rund 40 Minuten



Ich habe vor diesem Konzert darüber nachgedacht, wie Musiker und auch das Konzertpublikum mit emotionalen Tages- Schwankungen umgehen.


Wie ist das eigentlich, wenn eine Band fröhliche, stimmungsvolle Musik macht, am Tage des Konzertes aber hundemüde und eher niedergeschlagen ist? Geht man dann trotzdem raus, setzt ein breites Grinsen auf und tut so, als könne man die ganze Welt umarmen? Oder spult man das Programm ein wenig lustlos runter und hofft, daß die Leute das nicht so merken?

Und ist es nicht leichter, traurige und langsame Musik zu schreiben, so daß man sich nicht verstellen muss, wenn man schlapp und ausgebrannt ist?

Ähnliche Fragen für die Konzertgänger. Was wenn man eigentlich Bock auf saftigen, lauten Rock hat, genau an dem Tag an dem man ein niedliches softes Twee Pop Konzert gebucht hat? Stellt man sich dann vor die Bühne und sagt: "oh guck mal wie putzig und charmant?!" Oder denkt man innerlich: " Metallica (auf dem Foto) oder Slayer, das wär's jetzt?

Auf den heutigen 25. Februar 2011 bezogen. Ich hatte eigentlich Bock auf laute, fies jaulennde Gitarren und hörte auf dem Weg zur Location in der Metro Queens Of The Stone Age und Foo Fighters auf meinen Kopfhörern. Verzweifelt suchte ich nach Slayer, aber die hatte ich komischerweise nicht auf meinem I-pod. Angel Of Death wäre so geil gekommen. Zu dumm nur, das heute vor allem mit Please Don't Blame Mexico und Allo Darlin' eher Süßwarenpop als Metal auf dem Programm stand.

La Féline - Mystery Train from marthetmartin on Vimeo.



Aber los ging es erst einmal mit der Französin Agnès Gayraud aka La Féline. Ein großgewachsenes brünettes Mädel mit E-Gitarre und schöner Stimme. Sophie Marceau mit Jane Birkin Kehlchen. So in etwa. Ich hatte sie vor ein paar Monaten schon einmal im Trois Baudets gesehen und war nicht 100 % überzeugt von ihr. Heute aber gefiel sie mir ausgezeichnet. Zusammen mit zwei männlichen Bandmitgliedern am Synthesizer und am Schlagzeug zelebrierte sie sinnlichen, melancholischen und melodieverliebten Gitarrenpop, abwechselnd auf englisch und französisch vorgetragen (und zwar oft innerhalb des gleichen Liedes!). Es war zum mit der Zunge schnalzen! Ihr Songmaterial war variabel und entsprach ziemlich genau ihrer stilistischen Selbsteinschätzung auf Myspace: Folk Rock, New Wave, Pop. Von allem etwas. Blondie, Blonde Redhead, Calexico, François Breut, Stereolab, Metric, verschiedenste Einflüsse vermengten sich und ergaben eine prickelnde Mischung, die mit viel Authenzität dargeboten wurde. La Féline hat zwei EPs auf ihrer Habenseite, Wolf & Wheel ist davon der letzte Output.



10 Minuten später machten sich die Australier/Engländer Allo Darlin' bereit. Deren australische Sängerin schien vom Touren müde und kauerte eine ganze Weile auf der Bühne, bevor es losging. Sie hatte sich ihrer Schuhe entledigt und performte auf weißen Strümpfchen, die Löcher hatten und den Blick auf einen rotlackierten Zehennagel freigaben.

Ein Wirbelwind mit Ukulele, diese Elizabeth, die heute aber zu kämpfen hatte. Der Tourbus der Band war kürzlich zu Schrott gegangen und die Sorgen um das finanzielle Heil, schienen ihr zuzusetzen. Dennoch- und das ist ihr sehr hoch anzurechnen-, gab sie ihr Allerletztes, hopste auf den Zehenspitzen, wirbelte hin und her und gab so dem Publikum was es erwartete: Entertainment, gute Laune, Stimmung. Und hier sind wir beim oben angerissenen Thema. Wie fühlt es sich für eine fröhliche Musik machende Band an, wenn man eigentlich totmüde und down ist und lieber Bock hat, zu schlafen? Bestimmt nicht so gut, aber da muss man in der Showbranche durch.

Allo Darlin' schaften es jedenfalls trotz der Nöte um ihr Transportmittel, den Gästen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern und ein paar Leute zum Tanzen zu bringen. Im Set gab es sogar zwei nagelneue Lieder, (Europe, You're Still Young) die mir auf Anhieb gut ins Ohr gingen und den Kurs des letzten Albums fortsetzten. 60 ies Pop mit jeder Menge Charme, Romantik und Catchyness. Eine Weile gab ich mich Tagträumen hin, bekam ob der frischen Musik Frühlingsgefühle und stellte mir vor, wie ich, 18 jährig, mich mit einem hübschen Mädchen treffe, auf einer blühenden Wiese halt mache und wir uns zärtlich küssen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich ihre kleinen festen Brüste streicheln, so daß sich bei ihr die Knospen aufrichten, ehe ich jäh in die Realität zurückgeholt wurde: fast vierzigjärig, fett geworden und längst verheiratet (zumindest immerhin mit einer tollen Frau, ich glückspilziger Bastard!). You're Still Young sangen indess Allo Darlin' auf der Bühne, aber ich hatte Probleme, das in meinem Falle zu glauben...

Setlist Allo Darlin', La Flèche d'or, Paris:
01: If Loneliness Was Art
02: The Polaroid Song
03: Silver
04: Europe
05: Kiss Your Lips
06: Dreaming
07: Still Young
08: SP Say
09: Drummer


Die Jungs von (Please) Don't Blame Mexico, die nun auf dem Programm standen, haben allerdings die Jugend noch auf ihrer Seite, wenngleich auch sie keine Küken mehr sind. Mitte bis Ende zwanzig dürften Maxime Chamoux und seine Begleitband (Thomas Pirot-Schlagzeug, Raphael Ankierman- Bass) alt sein und Maxime hat in den letzten Jahren auch bei anderen Projekten viel Erfahrung gesammelt. Der Pianist und Sänger gehört zu den bei Cityslang gesignten Toyfight, ist aber auch Klavierspieler und Backgroundsänger der hinreißenden Mina Tindle. Und so ähnlich klingen dann auch (Please) Don't Blame Mexico. Hier wie dort frischer, unschuldiger und melodienverliebter Pianopop der berauschenden Sorte mit dem Hauch French Touch, der die Sache so liebenswürdig macht. Die englischen Texte werden natürlich auch bei PDBM nicht wie bei Shakespeare ausgesprochen, sondern mit dem typisch fanzösischen Akzent versehen. Das hat Witz, das hat Pfiff und so ist es auch kein Wunder, daß das gerade erschienene Debütalbum Concorde sehr gute Kritiken (Magic, Voxpop) eingefahren hat. Ein paar (wenn man's genau nimmt eigentlich ziemlich viele) der darauf enthaltenen Tracks kennt man als Fan schon von früheren EPs (Carolina Now 2009, Michel Foucault 2007), aber es wäre auch zu schade gewesen, stimmungsvolle Kracher wie Durango, Bribing Lonesome Drivers oder The Behinders außen vor zu lassen, zumal die EPs in winziger Stückzahl erschienen waren.

Schade bloß, daß trotz einiger guter Songs der Funken nicht so richtig überspringen wollte. Das Gute-Laune-Paket fand in mir heute nicht den richtigen Empfänger, mir fehlte der Dampf, die Spielfreude, die ich bei Toyfight so zu lieben gelernt hatte. Gegen Ende des Sets wurde es dann aber stimmungsvoller, denn kein Geringerer als Olivier Marguerit (der Gitarrist der famosen Syd Matters) spielte Trompete und es gab sogar noch einen Geiger, der die Sache zusätzlich aufpeppte. So wußte dann auch der letzte Titel The Protocol so richtig zu überzeugen und sorgte dafür, daß mein Interesse an (Please) Don't Blame Mexico intakt bleibt, zumal das Album ohnehin uneingeschränkt empfehlenswert ist. Demnächst spielen sie als Support der Shout Out Louds, schau' mer mal, ob ich da dabei sein werde...

(Please) Don't Blame Mexico | A Take Away Show | Part 1 from La Blogotheque on Vimeo.



Setlist (Please) Don't Blame Mexico, La Flèche d'or, Paris:

01: Safari
02: Behinders
03: Weekend
04: Michel Focault
05: Pointillism
06: Elephant Man
07: Distant Trees
08: 1991
09: Durango
10: Panorama
11: The Protocol

The Airborne Toxic Event aus den USA standen als letzte Band auf dem Zettel. Etliche Zuschauer hatten sich schon auf den Heimweg gemacht und so spielte die kommerziell sicherlich erfolgreichste Band des Abends vor den wenigsten Leuten.

Die Amis waren schon seit Anfang Februar in Europa, waren auch durch Deutschland getourt (u.a. Köln/Luxor, Frankfurt/Das Bett) und hatten in Paris in verschiedenen Locations (International, La Machine du Moulin Rouge, La Flèche d'or) drei Konzerte gegeben, bei denen ich aber nicht dabei war.

Mein erster Eindruck: positiv. Die Band spielte tight und druckvoll auf und ich erfreute mich an dem Geigenspiel der einzigen Dame und der whiskeygetränkten Reibeisenstimme des Muskel-Shirt tragenden Sängers. The Airborne Toxic Event vermittelten den Bums, den ich zuvor vermisst hatte.

Dann aber drehte sich das Blatt. Die Attitüde des Sängers (eine Kreuzung aus Bruce Springsteen und Robbie Wilimas) ging mir zunehmend auf die Nerven.
Er machte auf dicke Hose und obercool und auch die anderen Musiker posten affektiert was das Zeug hielt. Nun fiel mir auch auf, wie bombastisch und hymnisch die Songs waren. Bombast, Pathos, Stadionrock, alles Dinge die ich nicht leiden kann. TATE wirkten wie der Missing link zwischen den Kings Of Leon (würg!) und den Killers (noch viel mehr würg!!). Ihre Show fiel ineinander wie ein Soufflé. Vielleicht hatte ich mich zu sehr von dem unglaublich knackigen Po der Keyboarderin blenden lassen, denn als ich die Seiten wechselte und nicht mehr ihr Hinterteil direkt vor meine Augen sah, merkte ich, das im Sound der Band viel heiße Luft drin war.

Daumen also eher runter. Wobei sie definitiv nicht so glatt und banal wie die Killers sind und der Sänger wirklich eine interessante Stimme hat (zumindest live, bei MySpace klingt sie viel weniger rau). Eine Band die man sich geben kann, aber nicht muss.

Setlist The Airborne Toxic Event, La Flèche d'or, Paris, 25/02/11:

01: All I Ever Wanted
02: Wishing Well
03: Numb
04: All For A Woman
05: It Doesn't Mean A Thing
06: The Kids Are Ready To Die
07: Wednesday
08: Sometime Around Mignight
09: All At Once

10: Missy




Montag, 13. April 2009

Please Don't Blame Mexico, Redeye. Paris, 11.04.09

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Konzert: Please Don't Blame Mexico, Redeye

Ort: Le Divan Du Monde, Soirée Les Boutiques Sonores

Datum: 11.04.2009 Zuschauer: mittlere Auslastung
Konzertdauer: jeweils circa 35 Minuten





Am Samstag, den 11.04. gab es im Rahmen des Konzertabend von den Boutiques Sonores nicht nur die gelungenen Auftritte von Alexandra Johnstone aka Monster und Marie-Flore zu bewundern, sondern auch zwei andere Konzerte mit rein männlicher Beteiligung.


Please Don't Blame Mexico haben entgegen ihres Namens nichts mit dem mittelamerikanischen Land zu tun*, sondern sind eine vierköpfige Pariser Twee-Pop Band, die unglaublich frisch und charmant klingende Ohrwürmer zu bieten hat. Sie gehören zur Motel-Szene um ähnliche Bands wie Toyfight, Mina Tindle, The Limes, Ourouni und Eldia, mit denen sie in den meisten Fällen auch das kleine Label Sauvage Records teilen. Innerhalb dieser Künstler gibt es auch etliche Überschneidungen, man hilft sich gegenseitig aus, oder spielt gleich in mehreren dieser Bands. Maxime Chamoux, der Sänger und Keyboarder der heute abend nur zu zweit auftretenden Please Don't Blame Mexico ist zum Beispiel auch Mitglied von Toyfight und Mina Tindle und Laurent Blot der heutige Drummer Sänger und Gitarrist bei Eldia und er hat sein eigenes Projekt, Franz Is Dead. Ein wenig verwirrend das Ganze, auch für mich. Aber das Wichtigste ist ohnehin die Erkenntnis, daß diese quirligen Nachwuchsmusiker viel frischen Wind in die Folkpop Szene gebracht haben und im Falle von Toyfight sogar schon bei dem deutschen Label City Slang gesignt sind und demnächst in Deutschland auftreten werden.

Man merkt ihnen die Spiel-und Musizierfreude förmlich an und ihre Songs machen so viel Laune, daß man sich fragt, wie man ohne sie durch den tristen Pariser Winter kam. Musikalische Wurzeln sind bei hochcharmanten Popbands wie Belle & Sebastian, The Divine Comedy, den Go-Betweens, Paul Simon oder Pavement zu finden, die sie schon gecovert haben. Bei Please Don't Blame Mexico werden aber ähnlich wie bei ToyFight diese angelsächischen Einflüssen mit einer unglaublich frischen französischen Duftnote versehen, was ein umwerfendes Ergebnis zur Folge hat. Kaum jemand kann sich der Anziehungskraft dieser fast süchtigmachenden Stücke entziehen, dafür sind sie einfach zu catchy! Bei Bribing Lonesome Drivers konnte ich mir ein heftiges Wippen mit Fuß und Hüften nicht verkneifen und auch Mitklatschen wäre ein probates Mittel gewesen, um seiner Euphorie Luft zu machen.

Ein gut 30 Minutüges Set, vollgepackt mit zuckersüßen, aber nicht süßlichen Schmankerln, die auf der Zunge schmilzen wie das Eis in der Frühlingssonne. The Behinders hätte auch ein Stuart Murdoch nicht viel besser hinbekommen und das abschließende The Protocol begeisterte mit flotten Pianorythmen, einer bezaubernden Melodie und Chorgesängen im Stile der Beatles oder Beach Boys.

Kurzum: Please Don't Blame Mexico wirken besser als ein Antidepressivum und es war wohl kein Zufall, daß einer ihrer ersten Titel für eine Kampagne des Gesundheitsministeriums zur Bekampfung von Depressionen verwendet wurde.

Setlist Please Don't Blame Mexico (Merci à Maxime!)

01: Don't Cry No Tears (Neil Young Cover)
02: Durango
03: Your Haters Society
04: The Speed Of Lies
05: Bribing Lonesome Drivers
06: 1991
06: The Behinders
07: Baby Undertow
08: The Protocol

Nach Please Don't Blame Mexico trat ein Pariser Folk und Indiemusiker, auf der auf den Namen ReDeYe hört. Er hatte eine kleine Band mitgebracht, aber eigentlich ist es wirklich nur ein eigenes Projekt. Seine Stimme würde man einem Franzosen eigentlich gar nicht zutrauen, man würde den dahintersteckenden Künstler eher in Nashville, Tennessee verorten. Live klang er oft wie Colin Meloy von den Decemberists, aber ansonsten war sein Sound eher an Bands wie den Pixies, Pavement oder den Brakes orientiert. Er rockte gut ab und hätte definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Während seines Konzertes plauderten die Leute phasenweise so laut, daß der Veranstalter an das Mikro trat und um mehr Ruhe bat. Schade,schade! Besucht seine MySpace Seite, dort findet ihr weitere Infos. Es lohnt sich!

* der Name stammt vielmehr von einem Song von Prefab Sprout





 

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