Dienstag, 7. Juli 2015

Oyama, Keflavik, 03.07.15


Konzert: Oyama
Ort: Atlantic Studios, Keflavik, Island (ATP Iceland)
Datum: 03.07.2015
Dauer: gut 40 min
Zuschauer: etwa 60



Keflavik liegt rund 40 Fahrminuten westlich von Reykjavik. Da wir lieber in der Haupstadt als auf einer konvertierten Airbase wohnen wollten und das ATP mit jeder neu bestätigten Band bei mir nur noch Reaktionen wie "ach, Scheiße" hervorrief, wurde aus dem Festival mit Urlaub ein Urlaub mit etwas Musik. Daß ich nachmittags um zwei Oyama sehen wollte und dafür gerne die 40 minütige Anfahrt durch ein marsesques Lavafeld hinnahm, lag aber nicht an dem verzweifelten Wunsch, aus der Tüte vergammelter Trockenfrüchte wenigstens noch eine weitere essbare Rosine rauszupicken. Nach kurzem Reinhören versprach ich mir vielmehr ein gutes Konzert einer mir unbekannten isländischen Band. Oyama schienen nämlich Musik zu machen, für die ich mich auch außerhalb eines Festivals ins Auto setzen würde.


Als ich kurz vor zwei an den Atlantic Studios ankam, warteten dort noch nicht schrecklich viele andere. Beim Konzert waren wir etwa 60 in der riesigen Halle, in der das ein oder andere Spaceshuttle parken könnte. 



Oyama kommen aus Reykjavik und sind ein Quintett: Keyboarderin Júlía Hermannsdóttir, Gitarrist Úlfur Alexander Einarsson, Schlagzeuger Rúnar Örn Marinósson, Bassist Bergur Thomas Anderson und Gitarrist Kári Einarsson (v.l.n.r.). Júlia, Úlfur und Bergur singen abwechselnd, manchmal zu zweit, manchmal alle drei gemeinsam. 


Mir gefiel das Konzert auf Anhieb. In dem wild zusammengewürfelten Lineup, in dem bereits Belle & Sebastian wie ein Fremdkörper zwischen dem Grunge, Hip Hop und Hardcore-Zeugs hatte ich vieles erwartet aber keine isländische Shoegaze-Band, die von Lied zu Lied brillanter wurde. Die meisten Stücke stammten von der im November erschienenen Debütplatte Coolboy. Und sie waren alle toll. Von den ersten Lieder gefiel mir The cat has thirst besonders. Es erinnerte an Slowdives Golden hair. Júlia sang - oder hauchte - den Anfang, bevor ein wundervoller Gitarrenlärm ein- und sie sich hinsetzte.

Die stärksten Stücke kamen am Ende. Lung breathers, eine Single mit Video, The right amount und vor allem Sweet ride waren überwältigend gut! Und viel zu gut für eine Band, die erst seit 2012 existiert. Aber da kommt die Island-Karte ins Spiel. Das Land ist so reich an musikalischem Talent, daß sicher alle bereits vorher aktiv waren. Gitarrist Úlfur ist es zum Beispiel mit Útidúr, die einige Male in Deutschland waren.

Neben den wunderbaren Liedern (auch die beiden neuen Stücke Handsome devil, das sie zum zweiten Mal spielten und der noch namenlose Song, für den Bassist Kári um Titelvorschläge bat, waren sehr gut) gefielen mir die trockenen Ansagen und Erklärungen der Band. "The next song is called The right amount. It's about finding the right amount in life" oder ..."Sweet ride. And it's about taking a sweet ride with your friends." Bei Sweet ride sangen sie alle und wenn ich einen Grund für die Fahrt raus zur Airbase, ach für die Tour nach Island gebraucht hätte, das wäre er gewesen! Band des Festivals.

Setlist Oyama, ATP Iceland, Keflavik:

01: Another day
02: The cat has thirst
03: Siblings
04: Handsome devil (neu)
05: Lung breathers
06: The right amount
07: (neu)
08: Sweet ride

Links:

- Útidúr, Mannheim, 02.06.13
- Útidúr, Karlsruhe, 03.07.12 



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