Donnerstag, 24. Oktober 2013

The Thermals, Köln, 23.10.13

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Konzert: The Thermals
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 23.10.2013
Dauer: gut 65 min
Zuschauer: ca. 400 



Mensch-Lieblingsband-Beziehungen sind etwas schrecklich Kompliziertes, kaum eine funktioniert langfristig. Das mag daran liegen. daß das Fan-Band-Konstrukt enorm instabil ist und durch viel zu viele Einflüsse gestört werden kann. Da ist zum einen der Punkt, an dem die Platten der Gruppe schlechter werden. Irgendwann danach funktioniert das Schönreden nicht mehr, die Liebe geht vor die Hunde. Da einen die wenigsten Künstler mit einem schwachen Album erobern und dann immer stärkere nachlegen, verläuft dieser Liebesverfall fast schon gesetzmäßig gleich: große Liebe, alte Liebe, keine Liebe. Altern in Würde funktioniert bei diesen Beziehungen nur auf einem Wege: die Band muß sich rechtzeitig auflösen und der Chance beraubt werden, mies zu werden. Acht von zehn* meiner Lieblinge haben das so gehandhabt - well done!



Dummerweise spielt in meiner Musikwahrnehmung das Konzert aber die mit Abstand wichtigste Rolle. Das Dilemma liegt auf der Hand... Bands, die es nicht mehr gibt, spielen selten live. Ideal wäre also eine Gruppe, die keine schlechten Alben veröffentlicht, ihren Stil nicht ändert, oft tourt und deren Konzerte trotz gleichen Stils nie langweilig werden, sodaß der Junkie in mir auch mal zwei pro Tour ohne Reibungsverluste gucken könnte.


Daß die Thermals diese Band werden könnten, hatte ich vor sieben Jahren noch nicht geahnt. Da hatte ich sie erstmals gesehen - wie heute im Gebäude 9. Und wie damals bauten die Musiker aus Portland selbst auf. In der kargen Indieszene Starallüren zu besitzen, ist hochgradig irre; das Wasser von Helfern hinstellen und die Kabel am Boden festkleben zu lassen, hat aber nichts mit Aufgeblasenheit zu tun. Die Thermals machen es trotzdem schön selbst. Auch musikalisch hat sich nicht furchtbar viel in den letzten Jahren geändert. Irgendwann kamen in meiner Wahrnehmung ein, zwei Balladen ins Repertoire (und Lieder, die länger als drei Minuten lang sind), die Grundrichtung blieb aber gleich: lo-fi Garagenrock, knackig kurze, ungemein melodiöse Stücke, die live schön laut und schnell ohne Pausen gespielt werden. Weniger als 20 Lieder spielen die Thermals nie bei Clubshows. 20 sind rund eine Stunde Spielzeit, das passt.



Ich habe vor keiner meiner neun Thermals-Shows seit meinem ersten Angst gehabt, enttäuscht zu werden. Angst davor, daß sie jetzt den Bluesrock für sich entdeckt hätten, mit Geigerin oder ohne Lust aufträten. Angst habe ich regelmäßig nur, daß es irgendwann vorbei sein könnte, daß die Säle leerer werden, die Meute weiterzieht. Das wäre unsinnig, weil die Amerikaner kein schleches Lied haben und nie schlechte Konzerte spielen. Aber hip sind sie ja nicht, die Thermals. Bei der früh angesetzten Vorgruppe Volley (den Namen werde ich nicht mehr vergessen, den hat der Sänger zigmal wiederholt - bestes Lied Wanna wanna, bei dem die Zweitstimme der Keyboarderin toll war und mich an die Vaselines erinnerte) war das Gebäude 9 noch ziemlich leer. Auch in der Umbaupause sah es nicht unbedingt nach vollem Hause aus. Als Hutch, Kathy und Westin um Viertel vor zehn auftraten, war der Raum fast voll. Puh!


In der folgenden Stunde gab es zwei kleinere Pausen, in denen Sänger Hutch Roadieaufgaben wahrnehmen musste, einmal wechselte er ein Kabel aus. Ansonsten gab es das gewohnte Bild, ein Riesenhit nach dem anderen, keine Ansagen. Wundervoll! Was sie spielen, ist dabei im Prinzip egal, Trotzdem habe ich natürlich Lieblinge. St. Rosa zum Beispiel, No culture icons, It's trivia oder Back to gray, eine der drei Zugaben. 

Es hat wieder unendlich viel Spaß gemacht. Ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendwer das Gebäude 9 verlassen hat mit dem Gedanken "war nett, habe ich aber jetzt mal gesehen, brauche ich nicht noch mal." Oben auf der Bühne schien das Konzert ähnlich anzukommen: die Band wirkte enorm gut gelaunt (gelangweilt habe ich die drei auch noch nie erlebt).

Die Thermals und ich, da ist kein Ende in Sicht! Mit denen will ich alt werden!

Setlist The Thermals, Gebäude 9, Köln:

01: You will find me
02: Returning to the fold
03: Born to kill
04: You will be free
05: I might need you to kill
06: An ear for baby
07: How we know
08: Faces stay with me
09: The howl of the wind
10: It's trivia
11: Brace and break
12: No culture icons
13: Our love survives
14: Where I stand

15: The sunset
16: I don't believe you
17: St. Rosa and the swallows
18: A pillar of salt
19: Now we can see
20: Here's your future

21: Back to gray (Z)
22: The sword by my side (Z)
23: Overgrown, overblown! (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Thermals, Rüsselsheim, 13.07.13
- The Thermals, Dortmund, 30.07.11
- The Thermals, Frankfurt, 15.04.11
- The Thermals, Köln, 03.04.11
- The Thermals, Bochum, 23.10.09
- The Thermals, Haldern, 15.08.09
- The Thermals, Berlin, 08.08.09
- The Thermals, Rüsselsheim, 21.07.07
- The Thermals, Köln, 19.12.06
- The Thermals, Paris, 02.12.06

* spontane Schätzung



 


Mittwoch, 23. Oktober 2013

Ödland, Karlsruhe, 21.10.13

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Konzert mit Ödland
Datum: 21. Oktober 2013
Dauer: 55 min
Zuschauer: 18


Ich bin ja für etwas abseitige Musik immer offen. Deshalb habe ich mich ganz besonders auf Ödland aus Lyon gefreut. Die Schwestern Léa und Alizée Bingöllü waren zusammen mit Lorenzo Papace schon für einige Wochen in Deutschland unterwegs gewesen und in Leipzig hatten sich unsere Weg schon einmal fast gekreuzt. Sie waren nämlich nur einen Abend nach Boho Dancer im Noch besser Leben. Der Abend in Karlsruhe war der Abschluss der aktuellen Tour und Station für die Heimkehr nach Lyon am nächsten Morgen.


Aber - so richtig vorbereitet war ich dann doch nicht. Eingestellt hatte ich mich auf spielerischen Freakpop mit englischen Texten (gefärbt mit charmant französischem Akzent). Gespielt wurde dann aber überwiegend orientalische Musik mit französischen Texten  - nämlich das neuste Album Galaktoboureko. Und die meisten Ansagen waren in einem hervorragenden und ebenfalls charmanten Deutsch!
 

Die drei nahmen uns mit auf eine Traumreise an magische und fremdartige Orte. Auch dort singt man Wiegenlieder und hat Ärger mit der Obrigkeit. Aber die ausgedrückte Lebenswirklichkeit ist schon sehr verschoben zu zentraleuropäischer Musik und hatte für mich etwas märchenhaftes mit Abgründen,  gutem wie erschreckendem Zauber und Wundern. 


Zu allen Liedern gab es jeweils eine sehr nette und erhellende Einführung und so wurde auch viel gelacht oder wenigstens geschmunzelt während im Fernseher eine Videoinstallation mit den Bildern zu den Songs lief. 


Aber wenigstens eine Erwartungshaltung von mir wurde erfüllt: Das Publikum des Abends war ganz und gar bezaubert und ließ sich bereitwillig entführen. Enthusiastischer Applaus am Ende entlockte dann auch noch eine Zugabe mit englischem Text... So war unser deutsch-französischer Freundschaftsabend ein Erfolg auf der ganzen Linie und ich denke, die nachbarschaftlichen Beziehungen haben davon nur profitiert (auch wenn es eine Schande bleibt, dass dies die erste französische Band bei uns war...).


Die Band war unterwegs in einem Fiat 500 - so hatten nur die allerkleinsten Instrumente ein Ticket für die Tour bekommen: Bratsche, Ukulele und eine Mini-Bouzouki, zwei Glöckchen und ein Tamburin.


Nachdem wir sicher wieder in heimischen Gestaden gelandet waren, gab es noch eine lange und angeregte Gesprächsrunde über verschiedene Lebensentwürfe und Ödland musste sehr viele Fragen beantworten.

Soundcheck noch ohne Zuhörer


Aus dem Archiv:
Ödland in Paris am 26. Juli 2010

Das Klienicum zu Ödland



Montag, 21. Oktober 2013

Les concerts de la semaine à Paris du 21 au 28.10.13

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Les concerts de la semaine à Paris du 21 au 28 octobre 2013


Belle semaine de concerts avec quelques grands noms comme Tindersticks, Editors, Sebadoh, P.I.L. et les Buzzcoks, mais plein de groupes parisiens très chouettes aussi comme les Colettes (photo), Athanse Granson, Walter's Carabine, Rivkah ou Exsonvaldes. Donc sortez un peu et amusez vous bien!


21.10.2013: Editors & Balthazar, Trianon, complet  (update: il reste des places à la caisse du Trianon)
21.10.2013: Tindersticks, Olympia, complet (update: il reste des places à la caisse de L'Olympia)
 21.10.2013: Moneke et Cocofka et Bogan Via, le 114
21.10.2013: Les Colettes, Les Trois Baudets
22.10.2013: Wall Of Death, Point Ephèmère 
22.10.2013: Scanners, Espace B 
22.10.2013: Athanase Granson, Le Pop In
22.10.2013: Piers Faccini, Maison de la Poésie
22.10.2013: The Rumour Said Fire & Bombay Show Pig & Old Mountain Station, La Flèche d'or
22.10.2013: Walters Carabine, La Miroiterie
23.10.2013: Piers Faccini, Maison de la Poésie 
23.10.2013: The Last Morning Soundtrack et Third Mirror, Le Pop In
23.10.2013: Exsonvaldes, Petit Bain
23.10.2013: Soirée Believe Rec # 1, Pan Piperavec Gavon James, James Vincent McMorrow et Breton
23.10.2013: Public Image Ltd, Cité de la Musique, complet
23.11.2013: Hospital Ships et Loved Ones, International
23.01.2013: Russian Circles & Chelsea Wolfe, Divan Du Monde, complet 
24.10.2013: Buzzcocks & Frustration, Cité de la Musique, complet
24.10.2013: Japanther, Glazart
24.10.2013: Rivkah at China 
24.10.2013: Automelodi, Showcase @ La Fabrique Balades Sonores, reservez par mail showcase@baladessonores.com
24.10.2013: Sebadoh et My Name Is Nobody, La Maroquinerie
25.10.2013: Anna Calvi, Showcase Fnac Ternes, 13 h
25.10.2013: Porcelain Raft, Espace B 
25.10.2013: Erevan Tusk & H-Burns & Sioux, Les Trois Baudets
25.10.2013: Pins, Point Ephémère, déplacé à L'International
25.10.2013: Angil and The Hiddentracks et Michale Wookey, OPA
25.10.2013: Daniel Bachman, Les Instanst Cahvirés, Montreuil
25.10.2013: Klangfeld, Boardrider Quicksilver Bercy Village
25.10.2013: Jackson And His Computer Band, La Gaité Lyrique
26.10.2013: Holgrams & Cheveu, Cité de la Musique
26.10.2013: Parquet Courts et Mazes, La Maroquinerie 
26.10.2013: Washed Out, Nouveau Casino
26.10.2013: Bored Nothing, Espace B
26.10.2013: Soirée Spirit Of Pierre-Louis au Trabendo avec entre autres Money, Apollo et Juana Molina
26.10.2013: Courtney Barnett (+ David Caroll et Joseph Leon), La Flèche d'or 


Kraftwerk, Eindhoven, 18.10.13

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Konzert: Kraftwerk
Ort: Evoluon, Eindhoven
Datum: 18.10.2013
Dauer: 125 min
Zuschauer: ca. 1.000 (ausverkauft)



In Berichten über die Kraftwerk 3D Konzerte liest man immer wieder, daß die Band sich die Auftrittsorte selbst aussucht. In Düsseldorf bestand Ralf Hütter auf der Grabbehalle, obwohl es größere Räume gegeben hätte. Im Evoluon, so liest man, wollten Kraftwerk unbedingt spielen. Und als ich las, was sich hinter dem merkwürdigen Namen verbirgt, wollte ich sie dabei unbedingt ansehen. Obwohl ich mit dem Gesamtkatalog im Januar schon eine ganze Menge Abende mit Kraftwerk verbracht hatte...

Das Evoluon ist ein in den 60er Jahren im Auftrag von Philips gebautes Museumsgebäude, das wie eine gelandete fliegende Untertasse aussieht, so wie man sich die damals vorstellte. Eine Linse auf Stelzen. Im Inneren sind der Traktorstrahl und die Untersuchungsräume für die Entführungsopfer entfernt; die Untertasse besteht aus einem riesigen Foyer und mehreren in den oberen Bereichen rundlaufenden Galerien. Auf einer dieser Galerie war die Bühne aufgebaut, die Zuschauer standen auf der darunter und auf denen auf der anderen Seite des Rundbaus. Das - die 3D-Brillen und über uns eine wabenartige Dachkonstruktion - es wirkte alles wie ein Dokumentarfilm aus den 50er Jahren über das Jahr 2000.


Natürlich tauchte die Band nicht einfach aus einem Backstagebereich auf (den es hinter der Bühne auch gar nicht geben konnte). Irgendwann deutete großes Geraune von der gegenüberliegenden Empore darauf hin, daß etwas passiere. Einen Augenblick später kam der gläserne Röhrenaufzug mit den vier Musikern in unserem Stockwerk an. Mit ihren eng anliegenden linierten Taucheranzügen wirkte auch das, als entspringe es einen Science-Fiction Film.


Ich hatte einen Großteil des Gesamtwerks der Band (ab Autobahn) im Januar bereits gesehen, rechnete also nicht mit Überraschungen. Eine große, extrem liebevoll gemachte kam aber gleich im ersten Stück. Kraftwerk spielten Spacelab und zu den bekannten 3D Animationen im Hintergrund gab es eine Ergänzung. Irgendwann schwebte nämlich nicht nur die Raumstation durchs Bild, es flog auch das Evoluon, das UFO, in dem wir standen, durch die All-Landschaften. Später flog die Kamera auf die gelandete Untertasse zu, das Gebäude war endgültig ins Konzert integriert!


Auf Spacelab folgten zwei weitere Lieder von Mensch-Maschine: The robots und Metropolis. Von The Man-Machine ist richtiger, da alle Lieder (soweit vorhanden) in der englischen Version vorgetragen wurden. Auch das rundete mein Kraftwerk-Gesamterlebnis weiter ab, da bei den Katalog-Konzerten in Düsseldorf die deutschen Versionen gespielt wurden. Auch wenn alle Man-Machine Lieder auf der Setlist standen, war das Konzert anders gegliedert als die Abende in der Kunstsammlung NRW. Dies war ein echtes Best-Of ohne chronologische Sortierung. Zwar wurden Lieder, die zusammen gehören, blockweise gespielt (Computer world, Home computer, It's more fun to compute, Computer love - oder die Radioactivity-Stücke), in Düsseldorf wurden die Lieder im Best-Of-Teil des Abends aber Platte für Platte gespielt.

Auch waren einige Lied-Versionen anders. Autobahn war beispielsweise deutlich kürzer. Trotzdem war das Konzert noch ein Stück länger als die Anfang des Jahres, 125 Minuten! Und das, obwohl die vier Musiker nach einer kurzen Pause noch ein zweites Konzert spielen sollten. Wie wichtig Kraftwerk für die Musik der letzten 30, 40 Jahre gewesen sind, hätte die Band auch mit einem kürzeren Auftritt verdeutlichen können. Das einmalige Erlebnis, diese Band in solch einer Umgebung zu sehen, auch nach 80 Minuten Konzert hätte niemand gemotzt. Die Musiker um Ralf Hütter, der immerhin 67 Jahre alt ist, haben da aber offenbar (genau wie bei der Saalsuche) höhere Ansprüche. Noch ein zweiter Auftritt nachher? Na und? Wir spielen zwei Stunden!


Nach der Trilogie Boing boom tschak, Techno pop und Musique non-stop von Electric Café kamen Ralf Hütter, Fritz Hilpert, Henning Schmitz und Falk Grieffenhagen noch zu drei jüngeren Zugaben zurück. Um fünf nach neun endete das Konzert, achtzig Minuten später sollte das nächste beginnen.


Auch nach acht Konzerten im Januar hat Kraftwerk live keinen Deut Faszination eingebüßt. Wobei ich gestehen muß, daß in Eindhoven das Gebäude der Band ein wenig die Show stahl. 


Kraftwerk sind ein weltweites Kunstereignis, das hat die Band mit ihrer Konzertreihe im MoMa und in der Tate Modern bewiesen. Weltweite Kunstereignisse sind aber eigentlich etwas, um das man besser möglichst große Bögen macht. Nicht so in diesem Fall. Und auch dafür war Eindhoven der perfekte Ort: das Publikum war wohltuend "normal", es fehlte komplett das Schickeria-Pack, das sich von solchen Ereignissen (ähh, Events) normalerweise angezogen fühlt.

Hoffentlich gilt das Mantra aus Techno pop auch für die Band selbst. "Es muß immer weitergehen..." Bin dabei!

Setlist Kraftwerk, Evoluon, Eindhoven:

01: Spacelab
02: The robots
03: Metropolis
04: Numbers
05: Computer world
06: Home computer
07: It's more fun to compute
08: Computer love
09: The man machine
10: The model
11: Neon lights
12: Autobahn
13: Tour de France
14: Tour de France 2003 
15: Airwaves
16: Intermission
17: News
18: Geiger counter
19: Radioactivity
20: Ohm sweet Ohm
21: Trans-Europe Express
22: Metal on metal
23: Boing boom tschak
24: Techno pop
25: Musique non-stop

26: Aerodynamik (Z)
27: Expo 2000 (Z)
28: Planet of visions (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Kraftwerk, Düsseldorf, 20.01.13 (Tour de France)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 19.01.13 (The Mix)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 18.01.13 (Electric Café)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 17.01.13 (Computerwelt)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 16.01.13 (Die Mensch-Maschine)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 13.01.13 (Trans Europa Express)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 12.01.13 (Radioaktivität)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 11.01.13 (Autobahn) 

Mehr Fotos folgen!



Martin & James, Köln, 19.10.13

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Konzert: Martin & James (Jim Kroft)
Ort: Luxor, Köln
Datum: 19.10.2013
Dauer: ca. 2 1/2 Stunden
Zuschauer: ca. 300 - 400



von Petra aus der Nähe von Köln

Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, wie oft ich Martin & James in den vergangenen Jahren live on stage gesehen habe. Es war wirklich interessant den Weg, dieser in Berlin lebenden Musiker, die ursprünglich aus Coatbridge, nahe Glasgow stammen, zu verfolgen. Zum ersten Mal hörte ich von ihnen vor einigen Jahren, wenn ich mich recht erinnere war es wohl 2007, auf Myspace. In diesem damals sehr beliebten Social Network bekam ich immer sehr viele Nachrichten von mir völlig unbekannten Musikern, die ich ehrlich gesagt meistens nicht weiter verfolgte. Martin & James jedoch hatten mir eine so charmante und witzige Mail geschrieben, das ich neugierig wurde und mir ihre Musik anhörte. Und sie gefiel mir auf Anhieb sehr gut. 

Im Nachhinein muss ich sagen, es war schon beeindruckend zu sehen wie sie mit ihrem enormen Fleiß und einem unerschütterlichen Glauben an ihre Musik immer bekannter wurden. Bis schließlich auch die Musikindustrie auf sie aufmerksam wurde. 

Martin & James sind zwei exzellente Musiker. Mit einem Gespür für sehr melodische Harmonien, die sie mit ihren sich perfekt ergänzenden Stimmen vortragen, schreiben sie ganz einfach wunderschöne Songs. Mit oft sehr tief gehenden Lyrics. Hat man sie einmal live erlebt, vergisst man sie nicht mehr. Ganz nebenbei sind es auch noch zwei verdammt nette Kerle, ausgestattet mit einem guten Sinn für Humor, die sich ihre freundliche Art im Umgang mit ihren Fans zum Glück über all die Jahre hinweg bewahrt haben. Auf der Bühne wie auch nach den Konzerten haben sie einen sehr engen und herzlichen Kontakt zu ihren Fans. Und ich mache mir schon manches Mal etwas Sorge ob sie den ganzen Andrang nach der Show überhaupt noch bewältigt bekommen. Aber egal wie anstrengend es auch sein mag, man hat das Gefühl die beiden sind immer mit großer Freude dabei und haben für jeden ein offenes Ohr. 


Im Luxor gab es heute Abend die geballte schottische Ladung aus Berlin. Denn als Support hatten Martin & James ihren langjährigen Freund Jim Kroft dabei. Welcher ein nicht minder netter Schotte ist! Mit viel Spaß und großer Aufmerksamkeit habe ich auch seine musikalische Entwicklung in den letzten beiden Jahren verfolgt. Ich habe ihn bereits einige Male live erlebt und es immer wieder sehr genossen, seinen teils sehr rockigen, teils ruhigen und berührenden Liedern zu zuhören. Berührend, weil Jim sehr ehrliche und persönliche Musik mit seinem Publikum teilt. Seine Lyrics sind vom Feinsten und eine wahre Inspiration. Mal ist er mit seiner kompletten Band, mal alleine mit seiner Akustikgitarre unterwegs. Heute Abend begleitet ihn der virtuose Ben Barritt gesanglich als auch an der Gitarre. 

Mit ein paar neuen Songs im Gepäck, wie Like A Human Heart zum Auftakt, legen die beiden los. Nachdem ich einige Vergleiche heranziehen kann fällt mir sofort auf, wie ausdrucksstark und sicher Jims Stimme heute Abend klingt. Und sie wird ganz wunderbar von Bens Gesang ergänzt. Tell Me, die erste Single aus dem Album Lunatic Lullabies setzen die beiden dann auch echt klasse mit Gitarrenbegleitung um, gefolgt von Blue Sky, einem neuen Lied. Spannend zu hören, wie Lieder, die ich in einer ganz bestimmten Version (meist der auf der CD) im Kopf habe, neu arrangiert wieder völlig anders und erfrischend klingen! Jim und Ben sind mit sichtlich viel Spaß dabei dem Publikum die Songs in dieser Form zu präsentieren. I Hope You Know, ebenfalls auf Lunatic Lullabies zu finden, widmet Jim an diesem Abend Martin & James. „I hope you know, it’s easier to fall than it is to rise...” – ja, ich denke mal diese Erfahrung ist keinem der drei Musiker fremd! Diamonds In The Rough höre ich diesen Abend zum ersten Mal und finde es sehr schön. 


Es folgt ein etwas älteres Lied, das ich total gerne mag. Cracked Polaroid, das leider nur als B-Seiten Titel zu finden ist, kommt beschwingt und leicht daher. Zum nächsten Titel, dem absolut bewegenden I Will Wait möchte ich erwähnen, das er zu einem Projekt gehört, das Jim Kroft auf Anfrage für Spotify gemacht hat. Dazu hat Jim seine Fans eng mit einbezogen. Jeder, der wollte, konnte ihm eine Geschichte aus seinem Leben zuschicken, Jim wählte aus und ganz der kreative Kopf, der er ist, hat er daraus ein paar tolle Songs gemacht. I Will Wait ist einer davon. So wurde aus einer berührenden Geschichte ein bewegender Song. Einfach nur schön! 

Jim holt nun ganz weit aus, nimmt uns mit Typical Day mit zurück in die Zeiten, als es ihn mit seiner damaligen Band Myriad Creatures nach Berlin verschlug. Und katapultiert uns mit The Jailer, bei dem das Publikum gerne mit einstimmt, wieder in die Gegenwart. „Through my weakness I became strong...” Mit einem meiner Lieblingssongs beendet Jim Kroft seinen heutigen Auftritt. Through My Weakness, vom aktuellen Album Lunatic Lullabies, ein wunderschönes Lied, in dessen Lyrics man sich sehr gut hineinfühlen kann!
 

Mit seiner Darbietung hat mich Jim Kroft samt Ben Barritt bestens auf die beiden Musiker eingestimmt, die nun kommen sollten. Die neuen Lieder, denen ich an diesem Abend von ihm lauschen durfte, haben mich neugierig auf das gemacht, was ich in Zukunft noch von ihm hören werde. Und ich bin mir sicher, das wird bestimmt eine ganze Menge an guter Musik sein! 

Setlist Jim Kroft, Luxor, Köln:

01: Like A Human Heart 
02: Tell Me 
03: Blue Sky 
04: I hope you know 
05: Diamonds In The Rough 
06: Cracked Polaroid 
07: I will wait 
08: Typical Day 
09: The Jailer 
10: Through My Weakness 


Martin & James beginnen nach einer kurzen Pause ihr Set, bei dem man so gar nicht das Klischee der „geizigen Schotten“ bestätigt bekommt, denn mit ihren Songs sind sie alles andere als sparsam! Mit sage und schreibe 21 Liedern begeistern sie uns Fans und bieten einen Querschnitt ihres Könnens. Bevor sie 2011 ihr erstes Album Martin and James veröffentlichten, hatten sie, wie heute so üblich, schon ein paar EPs herausgebracht. Martin and James ist für mich ein ganz besonderes Schätzchen, denn darauf ist kein Lied, das ich nicht mag. Beim Anhören wird sofort klar, was die beiden so ausmacht. Lieder, komponiert in kunstvoller Singer/Songwriter Manier, wunderschöne Melodien, anspruchsvolle Lyrics und ihre unverwechselbaren Stimmen. Mit ihrer aktuellen CD Life’s A Show bleiben sie ihrem Stil überwiegend treu und warten mit fast durchweg herausragenden Songs auf, die auch schon mal etwas flotter ausfallen. 

In Begleitung ihrer Band, bestehend aus Stuart am Keyboard, Mark am Bass, Jürgen am Schlagzeug und natürlich Martin & James an den Gitarren (je nach Lied mal E-Gitarre, mal Akustik), starten sie mit dem zeitlos schönen Bloom, einem Song aus ihren frühen Jahren. 



Mit Where I Belong spielen sie das erste von vier Liedern ihres neuen Album und schlagen damit rockigere Töne an. Auch Cold Heart, My Dog Don’t Like The Rain und My Last Prayer begeistern. Wie ich es schon von ihren früheren Auftritten in Köln kenne, haben sie schnell eine Verbindung zu dem Publikum hergestellt und genießen es sichtlich, wieder einmal in der Domstadt zu sein. Was meist in ihrem charmanten, schottischen Akzent beteuert wird, aber auch schon mal in ein paar netten Worten Deutsch. Tides ist wieder ein ruhigeres Lied, gefolgt vom wunderbaren Cynical Skin, das auf ihrer neuen CD zu finden ist. 



Nach Crashing Into Love spielen Martin & James ein paar Stücke ohne Band. Den Anfang macht das melancholische I Know A Girl, das zum Niederknien schön dargeboten wird. Einfach toll! Zwei Männer, zwei Gitarren – mehr braucht es auch nicht um das Publikum mit Maybe It’s Time in seiner sehr ursprünglichen Form zu begeistern. 


Die Jungs sind wirklich clever, das muss ich ihnen lassen. Nachdem sie bei ihrem Konzertauftakt in Hannover nach den ersten paar Liedern einen Komplettausfall ihrer Musiktechnik hatten, haben sie die Show einfach mutig, ohne jegliche technischen Hilfsmittel bestritten. Und scheinbar hat ihnen das, und ihrem dortigen Publikum auch, so gut gefallen, das sie heute Abend auch im Luxor einfach mal einen Song unplugged „ohne Strom“, wie Martin sagt, spielen. So ruhig habe ich die Zuhörer in dieser Location selten erlebt. Es ist wirklich Muckmäuschen still als die beiden You’re A Window, mit Martin noch zusätzlich an der Mundharmonika, zum Besten geben. Und es ist ganz wunderbar. Man könnte sagen, etwas ganz Besonderes. Nach Bad Dream, einem älteren Lied, wird die Band wieder auf die Bühne gebeten. Jedoch nicht an ihren Instrumenten, sondern neben Martin & James plaziert. 

Alle zusammen singen nun I Have To Fall und wenn man meinen Bericht bis hierher gelesen hat, kann man sich sicher unschwer vorstellen das die Stimmung im Luxor ziemlich gut war. 


Das rockige See No Land vom neuen Album treibt das Tempo weiter voran und ein begeistertes Publikum geht gerne mit. Die beiden Schotten haben sich scheinbar gerade erst warm gespielt! Mit Wrong Direction und The Rope schlagen sie etwas ruhigere Töne an um dann mit dem, man könnte schon fast sagen Gassenhauer, Matilda erneut Gas zu geben. Erwähnen möchte ich, das die beiden dieses Lied für James’ kleine Tochter geschrieben haben, was ja wirklich sehr herzerwärmend ist! Und zur „Kölner Grundstimmung“ passt es irgendwie auch ganz hervorragend! Das Publikum nimmt es auf jeden Fall mit großer Begeisterung an und stimmt mit ein. 

Das Konzert ist zu Ende und unter tosendem Applaus verlassen die Musiker die Bühne. Lange muss man sie aber nicht bitten zurück zu kommen! Zunächst nur Martin & James um All Over The News, eines ihrer sicherlich bekannteren Lieder zu spielen. 



Mit der kompletten Band folgt noch Little Bits Of Light und als Jim Kroft und Ben Barritt auch noch die Bühne betreten einer der Höhepunkte des Abends. Alle zusammen tragen You’ll Be Gone, I’ll Be Here vor. Ein wunderschönes, ergreifendes Lied, das sehr emotional dargeboten wird. 

Man mag es kaum glauben, aber mit Life’s A Show beenden Martin & James ihr mehr als gelungenes Konzert. Hut ab, das war eine super Leistung! Sie haben mir einmal mehr bewiesen, das sie live einfach toll sind. Und mich neben ihrer musikalischen Darbietung, die mich begeistert hat, auch wieder einmal mehr mit ihren netten Plaudereien zwischen den Songs und ihrem ganz eigenen Humor des Öfteren zum Schmunzeln gebracht. O-Ton James über Martin & James: „We work together, we live together in Berlin – it’s a very romantic story...” Ich hoffe mal diese „romantische Geschichte“ dauert noch ganz lange Zeit an! 



Setlist Martin & James, Luxor, Köln:

01: Bloom 
02: Where I Belong 
03: Cold Heart 
04: My Dog Don’t Like The Rain 
05: My Last Prayer 
06: Tides 
07: Cynical Skin 
08: Crashing Into Love 
09: I Know A Girl 
10: Maybe It’s Time 
11: You’re A Window 
12: Bad Dream 
13: I Have To Fall 
14: See No Land 
15: Wrong Directions 
16: The Rope 
17: Matilda

18: All Over The News (Z)
19: Little Bits Of Light (Z)
20: You’ll Be Gone, I’ll Be Here  (Z)
21: Life’s A Show (Z)



 

Konzerttagebuch © 2010

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