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Mittwoch, 23. Oktober 2013

Ödland, Karlsruhe, 21.10.13

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Konzert mit Ödland
Datum: 21. Oktober 2013
Dauer: 55 min
Zuschauer: 18


Ich bin ja für etwas abseitige Musik immer offen. Deshalb habe ich mich ganz besonders auf Ödland aus Lyon gefreut. Die Schwestern Léa und Alizée Bingöllü waren zusammen mit Lorenzo Papace schon für einige Wochen in Deutschland unterwegs gewesen und in Leipzig hatten sich unsere Weg schon einmal fast gekreuzt. Sie waren nämlich nur einen Abend nach Boho Dancer im Noch besser Leben. Der Abend in Karlsruhe war der Abschluss der aktuellen Tour und Station für die Heimkehr nach Lyon am nächsten Morgen.


Aber - so richtig vorbereitet war ich dann doch nicht. Eingestellt hatte ich mich auf spielerischen Freakpop mit englischen Texten (gefärbt mit charmant französischem Akzent). Gespielt wurde dann aber überwiegend orientalische Musik mit französischen Texten  - nämlich das neuste Album Galaktoboureko. Und die meisten Ansagen waren in einem hervorragenden und ebenfalls charmanten Deutsch!
 

Die drei nahmen uns mit auf eine Traumreise an magische und fremdartige Orte. Auch dort singt man Wiegenlieder und hat Ärger mit der Obrigkeit. Aber die ausgedrückte Lebenswirklichkeit ist schon sehr verschoben zu zentraleuropäischer Musik und hatte für mich etwas märchenhaftes mit Abgründen,  gutem wie erschreckendem Zauber und Wundern. 


Zu allen Liedern gab es jeweils eine sehr nette und erhellende Einführung und so wurde auch viel gelacht oder wenigstens geschmunzelt während im Fernseher eine Videoinstallation mit den Bildern zu den Songs lief. 


Aber wenigstens eine Erwartungshaltung von mir wurde erfüllt: Das Publikum des Abends war ganz und gar bezaubert und ließ sich bereitwillig entführen. Enthusiastischer Applaus am Ende entlockte dann auch noch eine Zugabe mit englischem Text... So war unser deutsch-französischer Freundschaftsabend ein Erfolg auf der ganzen Linie und ich denke, die nachbarschaftlichen Beziehungen haben davon nur profitiert (auch wenn es eine Schande bleibt, dass dies die erste französische Band bei uns war...).


Die Band war unterwegs in einem Fiat 500 - so hatten nur die allerkleinsten Instrumente ein Ticket für die Tour bekommen: Bratsche, Ukulele und eine Mini-Bouzouki, zwei Glöckchen und ein Tamburin.


Nachdem wir sicher wieder in heimischen Gestaden gelandet waren, gab es noch eine lange und angeregte Gesprächsrunde über verschiedene Lebensentwürfe und Ödland musste sehr viele Fragen beantworten.

Soundcheck noch ohne Zuhörer


Aus dem Archiv:
Ödland in Paris am 26. Juli 2010

Das Klienicum zu Ödland



Dienstag, 27. Juli 2010

Mia Doi Todd & Ödland, Paris, 26.07.10

4 Kommentare

Konzert: Mia Doi Todd & Ödland

Ort: L'International, Paris,
Datum: 26.07.10
Zuschauer: bestimmt 300
Konzertdauer: jeweils gut eine Stunde


Zum ersten Mal seit langer Zeit feierte ich meinen Geburtstag (ich bin 28 geworden!) in Paris und das hatte einen speziellen Grund: zusammen mit zwei Freuden habe ich im Club International ein Konzert ausgerichtet. Mon Petit Club heißt unser Veranstaltungs-Projekt und bisher läuft es wie geschmiert. Nachdem wir im Mai bei unserem ersten Gig bereits volle Hütte vermelden konnten, toppten wir heute trotz stickiger Temperaturen und Sommerferien die Zuschauerzahlen noch einmal locker. Das International platzte aus allen Nähten! Zu meiner Freude ließen sich viele Freunde und Bekannte blicken, die schon oft zu meinen Oliver Peel Sessions gekommen waren. Auch Promis wurden gesichtet. Die Kanadierin Coeur de Pirate, der in Frankreich ungemein erfolgreiche Engländer Charlie Winston (Hit: Like A Hobo), Saul Williams, Kultfilmer Vincent Moon, Schauspielerin Lizie Brochéré (auf dem ersten Foto), alle waren sie gekommen, um an dem Fest teilzuhaben. Die französische Girlgroup Ödland (na ja fast Girlgroup, drei Mädchen, ein Junge und der ist natürlich der Boss) bezauberte mit hochcharmantem und originellem Kammerpop, der mit unzähligen Spielzeuginstrumenten und Geige vorgetragen wurde. Allein schon die in ein blütenweißes Hochzeitskleid gehüllte Sängerin Alizée war optisch eine Augenweide. Oder wie es ein (mir nicht bekanntes) deutsches Mädchen im Publikum ausdrückte: "Die ist voll schön, ey". Voll schön waren auch die kuriosen Stücke, die man stilistisch nur schwierig in eine Schublade stecken konnte. Sprechgesang auf französisch und englisch (unglaublich niedlich der starke Akzent!), vielfältiger Einsatz von Geräuschen, die mit den Toys erzeugt wurden, Ukulele und Geige im Wechsel und ein Vintagekeyboard, das aus der Tiefe kam. Ein paar Tags bei last fm kommen mit den Begriffen Neofolk, Experimental und Avant-Garde begrifflich zur Hilfe, können aber dem Leser nur schwerlich vermitteln, was die verblüfften Zuschauer im International haben. Das war mehr als nur Musik, das war ein Theaterstück, ein modernes Märchen, eine traumverwunschene Inszenierung ersten Ranges! Ganz zu schweigen von den bizarren Texten: von Vintage Porno war irgendwann einmal die Rede, was immer das auch sein soll! Ein Fest für alle Sinne, betörend, verstörend, romantisch, infantil, märchenhaft, von einer anderen, schöneren Welt!

Die Kalifornierin Mia Doi Todd schließlich begeisterte mit ihrem teilweise brasilianisch angehauchtem souligen Folk und sie widmete mir sogar den neuen Titel Rising Tide (vom demnächst erscheinenden Album Magic Ocean Ship) Ich war sehr gerührt, zumal es sich bei der betörenden Ballade um einen meiner Lieblinsglieder im umfangreichen Repertoire der Folkeuse handelt. Mia bedankte sich auf der Bühne gleich mehrfach bei mir, aber meine beiden Kollegen Vincent und Camille hatten mindestens genauso großten Anteil am Gelingen des Abends, der zumindest für mich unvergesslich bleiben wird. Wahnsinn, wie lange und ausgiebig Mia spielte (14 Lieder, darunter 5 Zugaben!), ein schönes Lied reihte sich an das Nächste und am Ende wollte sie das begeistere Publikum fast gar nicht mehr gehen lassen. Auch zur Zeit selten live performte Songs wurden uns gegönnt, allen voran My Room Is White, ein Klassiker zu dem es auch einen Videoclip gibt. Insgesamt: ein voller Erfolg! Danke an Alle! Merci tout le monde! Thanks everybody!

Aftershow: Zufriedene Gesichter bei allen Beteiligten. Die Zuschauer plaudern schweißgebadet noch vor dem International und rauchen, bis die Lunge fetzt. Die Mädels (und der eine Junge) von Ödland räumen ihren ganzen Kram (unzählige Spielzeuge mit denen man Musikmachen kann, Wahnsinn!) in Boxen und verstauen alles in einem Transporter. Sie posieren sogar noch für ein Gruppenfoto für mich. Diese Band ist wahrlich ein schöner Anblick! Die Lyoner werden ihren Weg gehen, dessen bin ich mir sicher. Und wir können dann immer sagen, daß wir sie als allererste nach Paris geholt haben. Haha! Ich traue denen alles zu, sogar einen Auftritt im Olympia. Wenn Ödland eine Aktie wäre, würde ich wie blöd kaufen. Aber das sind sie natürlich nicht, sondern herzliche Menschen aus Fleisch und Blut, die sich auf ein Gläschen Champagner auch noch in die enge und stickige Kabine des International locken lassen. Mia Doi Todd, die vorher mit ihren Freuden Saul Williams und Vincent Moon geplaudert hat, gesellt sich hinzu. Welche Frau könnte schon ein Glas Champagner abschlagen? Eben! Was schon wesentlich ungewöhnlicher ist: Mia Doi Todd hat eine Pittbull-Mischung zu Hause in Kalifornien! Hilfe! Dabei wollten wir sie doch so gerne besuchen kommen. Jetzt nehmen wir wohl lieber ein Hotel, was? Sie ist mir ans Herz gewachsen und so Gott will, kommt sie im November nach Paris zurück. Was für ein Talent!

Setlist Ödland, Soirée Mon Petit Club # 2 @ International, Paris:

01: The Queen Of Hearts
02: The Caterpillar
03: La Chanson Du Parasite
04: Sextilis Fugitif
05: Sur Les Murs De Ma Chambre
06: Hype
07: Oiseau
08: The Well
09: Introduction à 31 Egarements
10: Train

11: Twinkle Twinkle
12: Drink Me

Setlist Mia Doi Todd, Soirée Mon Petit Club # 2 @ International, Paris:

01: Paraty
02: Summer Lover
03: Under The Sun
04: Skipping Stones
05: La Havanna
06: River Of Life
07: Rising Tide
08:
Open Your Heart
09: My Baby Lives In Paris

10: Sleepless Nights
11: In The End
12: My Room Is White
13: What If We Do?
14: Autumn



Video by Rockerparis (merci!): Mia Doi Todd- My Baby Lives In Paris






 

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