Montag, 4. November 2013

Konzerttips München für den November 2013

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Konzerttips München für den November 2013 zusammengestellt von Eike  Klien, Erstveröffentlichung im klienicum.



die livepräsenz von bands bzw. künstlern hat an bedeutung gewonnen. dem wollen wir gern rechnung tragen, indem wir immer mal wieder etwas deutlicher hinweise auf entsprechende veranstaltungen geben. das können tourdaten einzelner künstler sein, aber auch wie heute übersichten nur für eine stadt. dass uns münchen dabei am herzen liegt, dürfte auf der hand liegen. gleichsam bemühen wir uns nicht um einen kompletten überblick, sondern picken uns die perlen heraus. wenn Ihr etwas ergänzt haben wollt, gebt bescheid oder nutzt die kommentarfunktion. (und bitte, verlasst Euch nicht auf die angaben hier, sondern lasst sie Euch vom veranstalter vorab bestätigen, danke!)

01.11. martin and james with band, ampere
01.11. chk chk chk, hansa 39
02.11. snarky puppy, unterfahrt
02.11. austra, atomic cafe (ausverkauft)
02.11. bat society, kafe kult
02.11. chuckamuck, milla
03.11. john parish, kranhalle
03.11. bruce cockburn, ampere
03.11. johannes falk & band, milla
03.11. thees uhlmann, muffathalle
04.11. holograms, strom
04.11. kids in glass houses, orangehouse
04.11. tocotronic, muffathalle
05.11. david murray infinity quartet, unterfahrt
05.11. gerard, hansa 39
05.11. the haxan cloak, orangehouse
05.11. theodore, paul & gabriel, milla
05.11. yo la tengo, muffathall
05.11. de staat, strom
05.11. queens of the stone age, zenith
06.11. london grammar, atomic cafe
06.11. poppy ackroyd, sunny red
06.11. 30 seconds to mars, olympiahalle
07.11. motek, milla
07.11. team hegdal, unterfahrt
07.11. schwervon, südstadt
07.11. half moon run, ampere
07.11. n.r.f.b., atomic cafe
08.11. majmoon (und gäste), strom
08.11. sound of munich now - electronic music, kranhalle
08.11. hi5, milla
08.11. okta logue, atmic cafe
08.11. torres, hansa 39
08.11. crystal fighters, theaterfabrik(ausverkauft)
08.11. kink, rote sonne
09.11. sun of moon, milla
09.11. this is arrival, atomic cafe
09.11. emiliana torrini, theaterfabrik
09.11. sound of munich now, kranhalle/hansa 39
10.11. the heavy, strom
10.11. alice russell, atomic cafe
10.11. katharina kamilla (u.a.), sunny red
10.11. the naked and famous, theaterfabrik
11.11. rakede, orangehouse
11.11. simon kempston, stoa
11.11. the moons, ampere
11.11. scott matthew, kammerspiele
12.11. eliott sharp meets gunnar geisse, unterfahrt
12.11. white lies, theaterfabrik
12.11. the icarus line, atomic cafe
12.11. artic monkeys, zenith
12.11. amanda palmer, ampere (ausverkauft)
12.11. carl verheyen / jeff aug, orangehouse
12.11. passenger, tonhalle (ausverkauft)
12.11. the inspector cluzo, kranhalle
13.11. zbigniew namysłowski quintet, unterfahrt
13.11. nicolas sturm, milla
13.11. swim deep, atomic cafe
13.11. the answer, strom
13.11. the eclectic moniker, kranhalle
14.11. billy bragg, strom
14.11. ms mr, theaterfabrik
14.11. left lane cruisers, milla
14.11. paper beat scissors, kranhalle
15.11. mykungfu, milla (soundbeispiel)
15.11. doreen shaffer & the steadytones, atomic cafe
16.11. tigerskin, rote sonne
16.11. dot dash / crystal soda cream, kafe kult
16.11. hans unstern, milla
16.11. the slackers, hansa 39
16.11. sarah sophie (u.a.), kranhalle
17.11. russian circles, kranhalle
18.11. alunageorge, strom
18.11. year of the goat, orangehouse
19.11. phoenix/haim, zenith
19.11. the great park, südstadt
19.11. suede, theaterfabrik
19.11. placebo, olympiahalle
19.11. the growlers, atomic cafe (soundbeispiel)
19.11. u.s.bombs, backstage club
20.11. goodman-bordenave quintet, milla
20.11. jackson scott, unter deck
20.11. drenge, sunny red
20.11. johnny flynn, atomic cafe
21.11. simeon soul charger, milla
21.11. wampire, strom
21.11. lester, sunny red
21.11. nick cave & the bad seeds, zenith
22.11. albert vila quartet, unterfahrt
23.11. lali puna / the pastels, hansa 39
23.11. volxtanz, milla
23.11. pardon ms. arden, atomic cafe
24.11. roosevelt, kranhalle
24.11. titus waldenfels, dschungelpalast
24.11. mine/soki green, milla
25.11. savages, strom
25.11. matthew e. white, kranhalle
25.11. gogol bordello, tonhalle
25.11. les yeux d`la tete, ampere
25.11. tim neuhaus und max prosa, lustspielhaus
25.11. radical face, backstage halle
25.11. ludwig two, milla
25.11. tv smith & the bored teenagers play the adverts, orangehouse
26.11. tigran - shadow theater, unterfahrt
26.11. the sounds, backstage werk
27.11. j.cole, kesselhaus
27.11. deap vally, atomic cafe
28.11. lovers / beißpony, kafe kult
28.11. miss li, atomic cafe
29.11. third reel, unterfahrt
29.11. night beds, kranhalle
29.11. tempers, orangehouse (soundbeispiel)
29.11. eric burdon & the animals
29.11. fiddler's green, backstage werk
30.11. melt trio, unterfahrt
30.11. emma sunset, atomic cafe
30.11. motörhead, zenith (ausverkauft)
30.11. lake street dive, milla



Sonntag, 3. November 2013

Woodkid, Düsseldorf, 31.10.13

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Konzert: Woodkid
Ort: Tonhalle Düsseldorf (New Fall Festival)
Datum: 31.10.2013
Dauer: ca. 75 min
Zuschauer: 1854 (ausverkauft)



von Ursula von neulich als ich dachte

Diese Woche ging das New Fall Festival in Düsseldorf in die dritte Runde. Bereits vorletztes und letztes Jahr hatte ich die Veranstaltung besucht und dabei Auftritte von Jens Lekman, Get Well Soon, Dear Reader und The Notwist gesehen. Das Motto der Veranstaltungsreihe, "besondere Künstler an besonderen Orten", lockte mich auch ein drittes Mal an den Rhein, denn dieses Mal sollte unter anderem Woodkid mit einem Orchester auftreten. In der Tonhalle, einem ehemaligen Planetarium, hatte ich letztes Jahr bereits The Notwist gesehen und freute mich, dort ein weiteres Konzert besuchen zu können. 

Weitere Künstler der diesjährigen Festivalauflage waren unter anderem Tocotronic, Birdy, Billy Bragg und Element of Crime - offenbar könnte man dieses Jahr mehr größere Namen verpflichten als in der Vergangenheit, und zum ersten Mal gab es auch drei ausverkaufte Konzerte. Gut, dass ich meine Woodkid-Karte bereits seit dem Frühjahr hatte. 

Als herausfordernd erwies sich lediglich das Problem, nach einem Arbeitstag pünktlich vom Westerwald nach Düsseldorf zu kommen, noch dazu im Feierabendverkehr vor einem Feiertag. Tatsächlich war die Autobahn völlig verstopft, und bei Köln schwanden unsere Hoffnungen, das Konzert noch rechtzeitig zu erreichen. Dazu kam noch die Furcht, dass man klassische Konzertsäle wie die Tonhalle ja meistens als Zuspätkommer nicht einfach so betreten darf. Irgendwie hat es dann zum Glück trotzdem geklappt und wir waren vor 8 am Ziel und konnten unsere fest gebuchten Sitzplätze in Reihe 4 einnehmen. 

Woodkids Debütalbum The Golden Age ist mit seiner bombastischen Emotionalität möglicherweise meine Platte des Jahres - obwohl ich mich, seit ein Lied nach dem anderen in Werbespots auftaucht, auch ein wenig frage, ob die Musik nicht vielleicht doch allzu gefällig und massenkompatibel ist. Yoann Lemoine stammt ja selbst aus der Werbebranche, vielleicht steht er somit der Weiterverwendung seiner Lieder deshalb offener gegenüber als andere? Aber egal, es gefällt, was gefällt, auch, wenn andere es ebenfalls mögen. 


Als wir also leicht außer Atem unsere Plätze eingenommen hatten, betrat zunächst Veranstalter Hamed Shahi die Bühne und begrüßte das Publikum. Er erklärte, dass wir einen einmaligen Auftritt mit insgesamt 20 Musikern "und mehr Scheinwerfern als Bon Jovi" vor uns hätten und dass Eins Live das Konzert aufzeichnen werde. Im Hintergrund, unterhalb der zwölf mal acht Meter großen Leinwand nahmen die zwölf Musiker des Jugendsinfonieorchesters der Tonhalle Platz. Es handelte sich ausschließlich um Streicher, drei Bläser hatte Woodkid alias Yoann Lemoine selbst dabei, ebenso zwei Trommler und zwei Keyboarder. Nach diesen und nach einem instrumentalen Eingangsstück betrat auch der kleine Mann aus Frankreich die Bühne, freute sich über den beeindruckenden Auftrittsort und sagte, er sei froh, nach eine Reihe von Auftritten in den USA wieder in Europa zu sein. 

Im Gegensatz zu den komplett schwarz gekleideten Musikern trug Yoann Lemoine etwas seltsam anmutende Hiphopkleidung, die nicht recht mit der sonst von ihm bevorzugten Ästhetik harmonieren wollte. Grundsätzlich kleine Menschen sollten eigentlich auch nicht unbedingt Dreiviertelhosen (und riesige, klobige Schuhe) tragen, weil das den Körper optisch noch mehr staucht. 


Hinter der Bühne wurden auf der Leinwand jeweils zu den Liedern passende Animationen gezeigt, etwa Sternenhimmel, seltsame Waben, Kathedralen oder auch der Junge mit dem Wikingerhelm aus den Videos. Dass für Woodkid die aus seinen Videos bekannte Symbolik wichtig ist, konnte man auch an den beiden auf seine Unterarme tätowierten Schlüsseln sehen. 

Der Anfang erste Teil des Konzertes wurde von ruhigen Songs beherrscht, etwa Baltimore, Where I Live oder The Golden Age. Die Mitglieder des Jungendorchesters kamen hier immer wieder zum Einsatz, allerdings konnte man sie nicht besonders gut hören, teilweise auch, weil die Keyboards, die normalerweise ihren Part spielten, sie übertönten. Neben der bekannten Single I Love You, die besonders viel Applaus erhielt, wurden mit Baltimore's Fireflies und Brooklyn zwei Songs ins Set aufgenommen, die nur auf der Iron EP zu finden sind. 

Erst im weiteren Verlauf des Konzerts folgten die temporeicheren und bombastischeren Lieder Iron, Conquest Of Spaces und The Great Escape. Nachdem alle Musiker zunächst nahezu regungslos an ihren Instrumenten verharrten, wurden diese nun beiseite gelegt und wild über die Bühne gehüpft, was nach kurzer Zeit dazu führte, dass auch der größte Teil des Publikums aufstand und den Rest den Konzertes die Sitzplätze auch nicht mehr einnahm. 

Danach war das reguläre Set beendet, als Zugabe folgte mehr oder weniger sofort Run Boy Run in einer äußerst lang gezogenen, von den Trommeln geprägten Version. Anschließend erklärte Yoann Lemoine, nun käme eigentlich das letzte Lied, wenn wir versprächen, ordentlich mitzugehen, werde nun vorher aber noch ein neuer Song gespielt. Unter allgemeinem Jubel wurde dieser Plan dann umgesetzt, wobei das neue, instrumentale Lied eher kein musikalischer Höhepunkt war. Danach folgte glücklicherweise noch das bessere The Other Side, bei dem es, wie wir jetzt wissen, um den Tod geht. 

Das Publikum wäre anschließend sicherlich noch für weitere Zugaben zu haben gewesen, das Konzert war nun aber vorbei und ließ mich mit etwas gespaltenen Gefühlen zurück. Mir war der zweifellos musikalisch wie ästhetisch gute Auftritt etwas zu stark durchchoreographiert. Natürlich weiß man, dass ein Künstler auf Tournee zwangsläufig meist relativ ähnliche Auftritte abliefert, und eine geplante Licht- und Videobegleitung lässt ohnehin wenig Raum für Spontaneität. Dennoch fehlte mir irgendetwas, das ich auch nicht so recht erklären kann. 

Setlist Woodkid, New Fall Festival, Tonhalle Düsseldorf (ohne Gewähr): 

01: Intro 
02: Baltimore's Fireflies 
03: Falling 
04: Where I Live 
05: The golden age 
06: I love you 
07: Brooklyn 
08: Boat Song 
09: Ghost Lights 
10: Shadows 
11: Stabat Mater 
12: Conquest of Space 
13: Iron 
14: The Great Escape 

15: Run Boy run (Z) 
16: Instrumental (Neu) (Z) 
17: The other side (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Woodkid, Köln, 16.04.13

Fotos: Dirk von Platten vor Gericht

 


Samstag, 2. November 2013

Barry McGuire & John York, Stuttgart, 22.09.2013

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Konzert: Barry McGuire & John York
Ort: Theaterhaus, Stuttgart
Datum: 22.09.2013
Dauer:etwa 140 Minuten
Zuschauer: um die 400 (vermutlich ausverkauft)

 

Dem rauen Protestsong „Eve of Destruction“, der 1965 weltweit die Spitzenposition der Charts erreichte, verdankt Barry McGuire die wenig schmeichelhafte Betitelung als One-Hit-Wonder: Die Güte dieses Songs und die authentische Revue-Show „Trippin' the 60s“ mit Musik und Anekdoten gemeinsam mit dem einstigen The Byrds-Mitglied John York rechtfertigt meine Entscheidung zum Konzert des 77-Jährigen im kleineren Saal 2 des Stuttgarter Theaterhauses zu gehen bereits im Vorfeld. 
Es ist der Tag der desaströsen Bundestagswahl, beim Betreten des komplett bestuhlten Theatersaales sieht es so aus, als erreiche die CDU die absolute Mehrheit der Sitze. Im Auditorium blickt man in enttäuschte, traurige und auch wütende Gesichter der ergrauten 68er Generation. Gefühlt befindet man sich an einem „Eve of Destruction“ – wenn auch ohne apokalyptische Bilder, dafür mit einem Sitzverhältnis der CDU wie zu Zeiten Adenauers. 
Mit Walrossbart, Glatze und leuchtenden Augen betritt kurz darauf Barry McGuire die Bühne und spielt mit wenigen Akustik-Akkorden und tiefer Stimme die düstere Grundstimmung hinweg. Um kurz vor acht verwandelt sich das Theaterhaus in eine Hippie-Kathedrale mit einem Prediger, der um seinen musikalischen Nachlass kämpft. Während McGuire die Selbstdarstellung sucht, Geschichten erzählt, die den Eindruck erwecken, er habe tatsächlich bei der Entstehung zahlreicher Hits der Zeit eine entscheidende Rolle gespielt, glänzt John York am rechten Bühnenrand als heimlicher Star des Abends. Der hagere End-60er mit den langen, schütteren grauen Haaren, der in seiner gerade einmal knapp einjährigen Zeit als Mitglied der Byrds an „Ballad of Easy Rider“ mitwirkte, steuert das Programm mit reizenden Fingerpicking und schönen Harmonien sicher durch den Abend und rettet immer mal wieder allzu nostalgische Situationen vor dem Tritt ins Fettnäpfchen. 
McGuire, der immer ein Vorreiter christlicher Rockmusik war und vor allem in den 70ern-80ern für wirklich scheußlich-kitischige Nummern verantwortlich war, trat Anfang der 60er erstmals mit The New Christy Minstrels in Erscheinung, einer Band so belanglos wie der Name es erwarten lässt. Das Interessanteste an der langlebigen Formation ist der hohe Verschleiß an Musikern: Über 300 Mitglieder habe die bis heute existierende Band Gerüchten zufolge verschlissen, darunter große Namen wie Gene Clark oder Kenny Rogers. „Green, Green“ ist bis heute einer der größten Hits der Band. Gesungen wurde er damals von McGuire, der heute das lange, zweigeteilte Set damit beginnt. 
Man mag auf die Hippie-Folklore schimpfen, doch bezaubert McGuire mit großer Ehrlichkeit und einer aufrichtigen Leidenschaft, wie sie wenige seiner Zeitgenossen heute noch aufbringen können. Auf die Darbietung eigener Songs wird weitgehend verzichtet, Bob Dylans „The Times They Are A-Changin'“ geht fließend in „Blowin' In The Wind“ über. Natürlich ist das unfassbar kitschig, künstlerisch nicht wirklich überraschend oder gar interessant. Die schlichte Schönheit der Konzerts offenbart sich immer wieder erst in McGuires Anekdoten, die unsäglicherweise immer wieder ins Deutsche übersetzt werden. 
Der 77-Jährige gefällt sich in der Rolle des kumpelhaften Oberlehrers, dessen Ausführungen Spaß machen, weil er dabei war. In den 60ern hätten lange Zeit alle Songs gleich geklungen, verallgemeinert der noch immer agile Hüne lächelnd, um die Innovationen der Byrds zu loben, deren Dylan-Cover „Mr. Tambourine Man“ und „Turn, Turn, Turn“ folgen. Der geschickte Zug, „Eve of Destruction“, das man in einem Take aufgenommen habe, im direkten Anschluss zu spielen, passt zu McGuires offensichtlichen Kampf um den eigenen Nachlass. Sich mit Großtaten anderer in eine Reihe zu stellen, erhebt das eigene Werk. Ein wenig geht es ihm da wie Joan Baez, doch hinkt der Vergleich im Hinblick auf die Relevanz. Dass er immer wieder betont, kein Protestsänger gewesen zu sein, erscheint in Anbetracht der Wirkung dieses Songs naiv, aber auch Bob Dylan sperrte sich bekanntlich vehement gegen eine solche Vereinnahmung. 


Natürlich ist nichts an McGuires Schaffen für Nachwelt von Interesse mit Ausnahme seines einen überlebensgroßen Hits, auch wenn seine Beteiligung am Erfolg anderer überraschenderweise immens ist: „California Dreaming“ wurde ursprünglich von ihm aufgenommen, The Mamas And The Papas fungierten damals als Backround-Chor seines Albums, bevor sie selbst eine beispielslose Karriere hinlegten. Aus freundschaftlicher Verbindung zum Komponisten des Stücks verzichtete er auf eine eigene Single-Veröffentlichung, sodass der Weg frei war für den enormen Erfolg der späteren Hippie-Ikonen und ihn auch ihn Creeque Alley, das wenig überraschend Teil des Sets ist, Referenz erwiesen.
Mit Mama Cas Elliot verband ihn seitdem eine enge Freundschaft, die er in rührenden Details schildert. Die aufrichtige Ehrerbietung an die zeitlebens mit ihrem Körper und ihrer Ausstrahlung unglückliche Mama Cas, deren Abmagerungskur – und nicht etwa, wie häufig postuliert, ein verschlucktes Schinkensandwich – ihren Tod herbeiführte, ist ein großer Augenblick. Wo McGuires Drogenanekdoten als glorifizierte Relikte einer vergangenen Zeit antiguiert wirken, ist sein tiefgründiges Lob eine Ode an die Schönheit und die Musik. Wenig verwunderlich bleibt „Dream A Little Dream Of Me“, das die todtraurige Cas nach McGuires Intervention 1968 doch aufnahm, als schönster Moment des Abends in Erinnerung. 
Ansonsten hangelt sich McGuire mit starker Unterstützung Yorks durch Standards der 60er, spielt „San Francisco“, „Johnny B Goode“ und erzählt immer wieder vom Graskonsum, während gealterte Fans Ausdruckstänze aufführen, sich jung fühlen. Das ist dann ein bisschen wie in „Sommer in Orange“ ein ewiger schwäbischer Hippie-Traum. Die 60er scheinen ein einziger Teppich aus grünem Samt gewesen zu sein, folgt man dem heutigen Protagonisten. Für die Aufarbeitung der Schattenseiten der Ära waren andere zuständig. McGuires Weltbild erstrahlt in klaren Kontrasten, für Lou Reed müssen Performer wie er das absolute Feinbild gewesen sein.
Dass nicht alles so rosig war, wie es in der ersten Hälfte erschien, erklärt er erst nach der Pause und einer soliden Version des Creedence Clearwater Revival-Evergreens „Proud Mary“: Er habe viele Freunde durch Drogen und sexuelle Krankheiten verloren, merkt er an und macht sein Überleben, seine erstaunliche Konstitution am geschickten Verzicht auf harte Drogen und Orgien fest. Dass er aufgrund einer gewissen Enthaltsamkeit ein scheinbar differenziertes Bild auf der Zeit zeichnen kann, macht einen weiteren Reiz der Konzerts aus, der in seiner positiven Nachwirkung auch nicht durch „Country Roads“ gänzlich getrübt werden kann. 


Egal wie sympathisch ein Künstler erscheinen mag, Grenzen gibt es immer, die man nicht überschreiten sollte. Einen fast 80-Jährigen dafür weiter schelten, mag ich dennoch nicht. Es sei seine letzte Tour durch Europa gewesen merkt er an, bevor nach tosendem Applaus „Happy Road“ den Abend nach weit über zwei Stunden beschließt. 
McGuire und York verneigen sich, der ausverkaufte Saal steht, McGuire – nun im Tanktop(!) – wirkt glücklich und erschöpft, seine hundertmal erzählte Geschichte kommt immer noch an, der Kampf um das Andenken als One-Hit-Wonder einer längst vergangenen Zeit wird von kleinen Erfolgen gekrönt, die Leute vergaßen für kurze Zeit selbst das Wahlergebnis für wenige Stunden, angenehmer Eskapismus.


Setlist Barry McGuire & John York:

01: Green, Green
02: The Times They Are A-Changin' (Bob Dylan-Cover)
03: Blowin' in the Wind (Bob Dylan-Cover)
04: Mr. Tambourine Man (Bob Dylan- / The Byrds-Cover)
05: Turn, Turn, Turn (The Byrds-Cover)
06: Eve of Destruction
07: California Dreamin' 
08: San Francisco (Scott McKenzie-Cover)
09: Creeque Alley (The Mamas And The Papas-Cover)
10: Johnny B Goode (Chuck Berry-Cover)
11: Dream A Little Dream Of Me (Mama Cas Elliot-Cover)
PAUSE
12: Proud Mary (Creedence Clearwater Revival-Cover)
13: Get Together (Dino Valenti- / Nick Drake-Cover)
14: If I Were A Carpenter (Tim Hardin-Cover)
15: City Of New Orleans (Steve Goodman- / Arlo Guthrie-Cover)
16: Please, Don't Take My Sunshine Away (Traditional)
17: Woodstock (Joni Mitchell-Cover)
18: Dancing In The Street (Martha & The Vandellas-Cover)
19: The Loco-Motion (Little Eva-Cover)

20: Country Roads (John Denver-Cover) (Z)
21: Happy Road (Z) 


Freitag, 1. November 2013

Erdmöbel, Frankfurt, 30.10.13

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Konzert: Erdmöbel
Ort: Mousonturm, Frankfurt
Datum: 30.10.2013
Dauer: 120 min
Zuschauer: ca. 150



von Dirk von Platten vor Gericht

Bin ich also der Versuchung doch erlegen! Eigentlich wollte ich keinen weiteren Auftritt der Band Erdmöbel mehr besuchen, damit meine eigentliche Lieblingsband Oasis, von denen ich in näherer Zukunft keine weiteren Konzerte erwarte, nicht in meiner persönlichen Konzertstatistik von diesen überholt wird. Mein Hilferuf bei der Vorstellung von Kung Fu Fighting von Platten vor Gericht wurde nicht erhört, niemand lud mich gestern zu sich nach Hause oder auf ein alternatives Konzert ein, so dass ich der Dreifachverlockung (keine Champions League im Fernsehen, Erdmöbel im 100-km-Umkreis und ein Platz auf der Gästeliste) nicht widerstehen konnte. 


Über Facebook hatten Erdmöbel noch am gleichen Tag mit den Worten „Kommt alle und bringt alle mit!“ zum Besuch ihres Konzertes aufgefordert. Also habe ich mein Bestes gegeben, um mein kleines Auto bis unters Dach mit Konzertwilligen zu füllen. Die Ausreden lauteten jedoch: Grippe, aufs Kind aufpassen (gleich zweimal) und zu viele Erdmöbel-Konzerte in den letzten Jahren. Bis auf letztere konnte ich alle Argumente akzeptieren, aber meine Freundin steht aktuell bei 3 besuchten Erdmöbel-Konzerten und ist von meinen 14 noch so weit entfernt, wie der Kölner Dom vom Frankfurter Messeturm. 

Beim Betreten des im letzten Jahr neu gestalteten Mousonturms hatte ich große Bedenken, dass es den anderen Besuchern bei der Begleitungsakquise ähnlich ergangen war wie mir, denn 20 Minuten vor dem eigentlichen Konzertbeginn versammelten sich gerade einmal 10 Personen in der Konzerthalle. Doch die Besucher des Künstlerhauses Mousonturm scheinen an die Abläufe der Theaterproduktionen dieses Hauses gewöhnt, strömten erst kurz vor 21 Uhr in den Konzertsaal und füllten ihn noch angemessen. 


Nahezu pünktlich betraten die Musiker die Bühne, deren Hintergrund ein Ausschnitt aus dem aktuellen Plattencover zierte. Passend dazu waren alle Bandmitglieder (größtenteils) rosa gewandet. Diesen Dresscode trieb Wolfgang Proppe (Keyboards) mit seinen rosa Stricksocken auf die Spitze – dachte ich, bis ich seinen pinken Glitzerring sah, der ihm auch prompt den Beinamen „Liberace“ einbrachte. Aber auch Markus Berges (Gesang, Gitarre) Plektrum sowie Ekki Maas’ (Bass) Button waren in dieser Farbe gehalten - eine Liebe zum Detail, die sich auch in der Musik der Band widerspiegelt. 

Das Konzert wurde mit Peng eröffnet, was wirklich kein Knaller-Auftakt war. Danach (oder zumindest nach dem bald folgenden Cardiff) „ging es“ - gegensätzlich zu einem Erdmöbel-Text - „immer bergauf“. Den Großteil des Sets bestritten Erdmöbel mit Songs aus den letzten beiden Alben: Kung Fu Fighting wurde bis auf Zollstockbad komplett dargeboten, Krokus mit immerhin sechs Titeln bedacht. 


Von den neuen Titeln gefielen mir in ihren Live-Versionen vor allem Gefäße, das mit einem langen instrumentalen und sehr rhythmischen Intro zelebriert wurde, so dass Markus das Publikum zum Ausdruckstanz aufforderte, und Henning Beckmann und Christa Becker, die erstmals mit Erdmöbel auf Tour ist, ausreichend Raum für Solos an Posaune bzw. Querflöte gab, sowie Club der senkrecht Begrabenen, das die Besucher zum Mitklatschen und –singen animierte (was weniger fürchterlich war als es hier klingt). 

Bei Kung Fu Fighting wurde das Publikum in Anlehnung an das dazugehörige Video zum Knutsch-Contest aufgefordert, den auf der aktuellen Tournee Münster, die Heimatstadt der Band, mit einer Rate von 70-80% anführte. Da konnte Frankfurt nicht mithalten - vielleicht aber bei der Reaktion des Publikums auf der nach oben offenen Entzückungsäußerungsskala, wenn die Wahl-Kölner ältere Titel wie Dawai Dawai oder In den Schuhen von Audrey Hepburn ankündigten. 


Bei Jede Nacht übernahm Christian Wübben (Schlagzeug) - zumindest im Refrain - den Gesangspart der in Los Angeles weilenden Gastsängerin Désirée Nosbusch. Vielleicht hätte man hier Christa Becker fragen können, ob sie singen und die Flöte einmal zur Seite legen kann. Auch das ursprünglich sehr gitarrige Wurzelseliger war mit diesem Instrument doch etwas gewöhnungsbedürftig. 

Bewegliche Ferien wurde den – wenn auch nicht so titulierten – Assi-Punks von Eisenpimmel gewidmet. Über einen Artikel („Currywurst mit Vollidioten“) in der Intro über die Band musste ich vor Jahren Tränen lachen – hier lohnt sich die Internetrecherche. Die Liedtitel der Duisburger wollte Ekki bei der Ansage nicht preisgeben, so dass ein Zuschauer mit Komma lecka bei mich unten bei aushelfen musste. Ich hätte noch Bier zu mir hinzufügen können. Bier ist ein gutes Stichwort, denn Erdmöbel wollten nach dem Konzert noch alle im „Moseleck“ treffen und fragten sich und uns, ob es in Frankfurt auch ein Oktoberfest gebe und ob dort Äppelwoi getrunken werde. 


Doch zuvor sollten noch Blinker, dessen „blinkt, blinkt, blinkt...“-Textpassagen, die noch deutlich länger ausfielen als auf Platte und die Vorstellungsrunde der Bandmitglieder sehr gelungen integrierte, von Stroboskop-Flackern untermalt wurden, sowie Das Leben ist schön das Hauptset beschließen. 

Auf der Setliste standen zunächst 17 nummerierte Titel und danach noch acht weitere in loser Reihenfolge. Erster Erster wurde noch in den Hauptteil integriert, und man durfte gespannt sein, welche der noch ausstehenden, vermutlich zur Auswahl gedachten Titel, noch gespielt würden. Bis auf Arbeiten alle! Mit gleich zwei Blocks zu je drei Songs belohnten Erdmöbel die lauthals nach Zugabe rufenden Frankfurter. Wobei mir persönlich der erste mit Anfangs Schwester heißt Ende, Vergnügungslokal mit Weinzwang und Dreierbahn besonders gut gefiel. 



Den Abschluss eines schönen Konzertabends bildete die unvermeidliche Coverversion Nah bei dir, die sicherlich allen Anwesenden auch noch auf dem Nachhauseweg im Kopf herumgegeistert ist. 

Am 18. Dezember geben Erdmöbel ein Konzert in der Kulturkirche in Nippes, das liegt auch innerhalb der 100-km-Grenze und Fußball wird dann vermutlich auch nicht gespielt. Selbst wenn ich nicht auf der Gästeliste stehen sollte (gestern habe ich dies zumindest mit dem Kauf von zwei Schallplatten ausgeglichen), so war ich doch noch nie auf einem Weihnachtskonzert von Erdmöbel.... 


Setlist Erdmöbel, Mousonturm, Frankfurt:

01. Peng 
02. Ausstellung über das Glück 
03. 77ste Liebe 
04. Cardiff 
05. Bewegliche Ferien 
06. Jetzt 
07. Kung Fu Fighting 
08. Vivian Maier 
09. Wurzelseliger 
10. Dawai Dawai 
11. Wort ist das falsche Wort 
12. Gefäße 
13. Jede Nacht 
14. Club der senkrecht Begrabenen 
15. In den Schuhen von Audrey Hepburn 
16. Erster Erster 
17. Blinker 
18. Das Leben ist schön

19. Anfangs Schwester heißt Ende 
20. Vergnügungslokal mit Weinzwang 
21. Dreierbahn

22. Die Devise der Sterne 
23. Snoopy T-Shirt 
24. Nah bei dir 



Weitere Erdmöbel-Konzerte: 

01.11.13: Tübingen, Sudhaus Tübingen 
02.11.13: Karlsruhe Durlach, Festhalle Durlach 
07.11.13: Hannover, Musikzentrum Hannover 
08.11.13: Krefeld, Kulturfabrik Krefeld 
18.12.13: Köln, Kulturkirche Köln 
15.02.14: Lage, Evangelische Dorfkirche Heiden


Juana Molina, Paris, 26.10.13

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Konzert: Soirée The Spirit Of Pierre-Louis mit Money, Juana Molina u.v.a.
Datum: 26.10.2013
Ort: Le Trabendo, Paris
Zuschauer: geschätzte 300
Konzertdauer: jeweils nur eine halbe Stunde pro Künstler


Ist die Anreise von Argentinien aus zu beschwerlich, oder ist es so schwierig, Booker in Frankreich und Deutschland von ihren Qualitäten zu überzeugen? Ich weiß es nicht wirklich, war aber sehr froh, endlich mal wieder von einem Live Date von Juana Molina zu erfahren. Die Sache fand im Rahmen einer Veranstaltung zu Ehren von Pierre-Louis Berlatier statt, einem kulturschaffenden und musikbegeisterten Franzosen, der am 10. August 2013 verstorben ist.

Es traten an jenem Abend im Trabendo mehrere Künstler und ein paar DJs zu seinen Ehren auf, darunter auch der Brite Money, der vor Juana ein schönes Solokonzert mit dem Highlight True Love Will Find You In The End, einem Cover von Daniel Johnston, abgeliefert hatte. Money spielte lediglich Gitarre und  Piano und begeisterte mit seiner Falsetstimme und seiner angenehmen Ausstrahlung. Sein Auftritt  dauerte nur 30 Minuten und auch der von Molina sollte nicht länger werden.

Die knappe halbe Stunde mit der langgelockten Argentinierin war aber allemal die recht lange Anfahrt wert.




Bekannt als kauzige und widerspenstige Persönlichkeit erschien Molina mit finsterer Miene und legte zunächst mit E-Piano und gesampelten argentinischen (nun ja, spanischen natürlich) Texten und dem Stück Un Día los. Kraftvoll und charakterstark ihre Stimme, halluzinatorisch, die Wirkung ihrer Loops. Es hallte bald "one day, one day, one day" aus allen Ecken, die Geschichte war äußerst tanzbar und beinhaltete auch voraufgenommene Saxonfonklänge. Keine Anhnung was die Texte besagten, aber das war nicht so erheblich, denn dieser Umstand sorgte gerade für die exotische Wirkung.



In keine Schublade zu pressen, was Molina in der Folge da kredenzte, der fast jodelartige Gesang erinnerte ein wenig an Tune-yards, die Sounds an Animal Collective, Entertainment For The Braindead, Touchy Mob oder Rio en Meddio zumindest vage. Letztlich klingt nämlich Juana wie kein anderer Künstler weltweit. Ist wirklich ihr ganz eigenes Gebräu, was sie da zusammenmischt und dies schon seit einigen Jahren. Nicht unbedingt leicht genießbar im Übrigen, aber sehr originell und überwältigend in der Wirkung, wenn man sich drauf einlässt.



51 Jahre alt ist die auch schauspielernde Argentinierin inzwischen, 6 Alben hat sie veröffentlicht, rechnet man das brandaktuelle Werk Wed21 mit ein. Davon spielte sie den duften Song Eras, ein schwüles myteriöses Etwas mit mal aggressiven, mal harmonischen Gitarrenklängen, überraschenden Intensitätsteigerungen und einer gewaltigen inneren Wucht. Ein Lied, das gleichzeitig sanft und roh klang, tanzbar und hypnotisch war und eine starke Anziehungskraft auf mich ausübte.


Stücke dieser Güte (beispielsweise Quién, ein Hammer!) hatte Juana gleich mehrere zu bieten und deshalb kann ich es kaum erwarten, die geniale Südamerikanerin am 16 November im Petit Bain in Paris wiederzusehen. In Berlin spielt sie am 1. November im Hau- Hebbel am Ufer. Hingehen, Freunde!!




Juana Molina, Paris, 20.04.09




 

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