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Sonntag, 3. November 2013

Woodkid, Düsseldorf, 31.10.13

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Konzert: Woodkid
Ort: Tonhalle Düsseldorf (New Fall Festival)
Datum: 31.10.2013
Dauer: ca. 75 min
Zuschauer: 1854 (ausverkauft)



von Ursula von neulich als ich dachte

Diese Woche ging das New Fall Festival in Düsseldorf in die dritte Runde. Bereits vorletztes und letztes Jahr hatte ich die Veranstaltung besucht und dabei Auftritte von Jens Lekman, Get Well Soon, Dear Reader und The Notwist gesehen. Das Motto der Veranstaltungsreihe, "besondere Künstler an besonderen Orten", lockte mich auch ein drittes Mal an den Rhein, denn dieses Mal sollte unter anderem Woodkid mit einem Orchester auftreten. In der Tonhalle, einem ehemaligen Planetarium, hatte ich letztes Jahr bereits The Notwist gesehen und freute mich, dort ein weiteres Konzert besuchen zu können. 

Weitere Künstler der diesjährigen Festivalauflage waren unter anderem Tocotronic, Birdy, Billy Bragg und Element of Crime - offenbar könnte man dieses Jahr mehr größere Namen verpflichten als in der Vergangenheit, und zum ersten Mal gab es auch drei ausverkaufte Konzerte. Gut, dass ich meine Woodkid-Karte bereits seit dem Frühjahr hatte. 

Als herausfordernd erwies sich lediglich das Problem, nach einem Arbeitstag pünktlich vom Westerwald nach Düsseldorf zu kommen, noch dazu im Feierabendverkehr vor einem Feiertag. Tatsächlich war die Autobahn völlig verstopft, und bei Köln schwanden unsere Hoffnungen, das Konzert noch rechtzeitig zu erreichen. Dazu kam noch die Furcht, dass man klassische Konzertsäle wie die Tonhalle ja meistens als Zuspätkommer nicht einfach so betreten darf. Irgendwie hat es dann zum Glück trotzdem geklappt und wir waren vor 8 am Ziel und konnten unsere fest gebuchten Sitzplätze in Reihe 4 einnehmen. 

Woodkids Debütalbum The Golden Age ist mit seiner bombastischen Emotionalität möglicherweise meine Platte des Jahres - obwohl ich mich, seit ein Lied nach dem anderen in Werbespots auftaucht, auch ein wenig frage, ob die Musik nicht vielleicht doch allzu gefällig und massenkompatibel ist. Yoann Lemoine stammt ja selbst aus der Werbebranche, vielleicht steht er somit der Weiterverwendung seiner Lieder deshalb offener gegenüber als andere? Aber egal, es gefällt, was gefällt, auch, wenn andere es ebenfalls mögen. 


Als wir also leicht außer Atem unsere Plätze eingenommen hatten, betrat zunächst Veranstalter Hamed Shahi die Bühne und begrüßte das Publikum. Er erklärte, dass wir einen einmaligen Auftritt mit insgesamt 20 Musikern "und mehr Scheinwerfern als Bon Jovi" vor uns hätten und dass Eins Live das Konzert aufzeichnen werde. Im Hintergrund, unterhalb der zwölf mal acht Meter großen Leinwand nahmen die zwölf Musiker des Jugendsinfonieorchesters der Tonhalle Platz. Es handelte sich ausschließlich um Streicher, drei Bläser hatte Woodkid alias Yoann Lemoine selbst dabei, ebenso zwei Trommler und zwei Keyboarder. Nach diesen und nach einem instrumentalen Eingangsstück betrat auch der kleine Mann aus Frankreich die Bühne, freute sich über den beeindruckenden Auftrittsort und sagte, er sei froh, nach eine Reihe von Auftritten in den USA wieder in Europa zu sein. 

Im Gegensatz zu den komplett schwarz gekleideten Musikern trug Yoann Lemoine etwas seltsam anmutende Hiphopkleidung, die nicht recht mit der sonst von ihm bevorzugten Ästhetik harmonieren wollte. Grundsätzlich kleine Menschen sollten eigentlich auch nicht unbedingt Dreiviertelhosen (und riesige, klobige Schuhe) tragen, weil das den Körper optisch noch mehr staucht. 


Hinter der Bühne wurden auf der Leinwand jeweils zu den Liedern passende Animationen gezeigt, etwa Sternenhimmel, seltsame Waben, Kathedralen oder auch der Junge mit dem Wikingerhelm aus den Videos. Dass für Woodkid die aus seinen Videos bekannte Symbolik wichtig ist, konnte man auch an den beiden auf seine Unterarme tätowierten Schlüsseln sehen. 

Der Anfang erste Teil des Konzertes wurde von ruhigen Songs beherrscht, etwa Baltimore, Where I Live oder The Golden Age. Die Mitglieder des Jungendorchesters kamen hier immer wieder zum Einsatz, allerdings konnte man sie nicht besonders gut hören, teilweise auch, weil die Keyboards, die normalerweise ihren Part spielten, sie übertönten. Neben der bekannten Single I Love You, die besonders viel Applaus erhielt, wurden mit Baltimore's Fireflies und Brooklyn zwei Songs ins Set aufgenommen, die nur auf der Iron EP zu finden sind. 

Erst im weiteren Verlauf des Konzerts folgten die temporeicheren und bombastischeren Lieder Iron, Conquest Of Spaces und The Great Escape. Nachdem alle Musiker zunächst nahezu regungslos an ihren Instrumenten verharrten, wurden diese nun beiseite gelegt und wild über die Bühne gehüpft, was nach kurzer Zeit dazu führte, dass auch der größte Teil des Publikums aufstand und den Rest den Konzertes die Sitzplätze auch nicht mehr einnahm. 

Danach war das reguläre Set beendet, als Zugabe folgte mehr oder weniger sofort Run Boy Run in einer äußerst lang gezogenen, von den Trommeln geprägten Version. Anschließend erklärte Yoann Lemoine, nun käme eigentlich das letzte Lied, wenn wir versprächen, ordentlich mitzugehen, werde nun vorher aber noch ein neuer Song gespielt. Unter allgemeinem Jubel wurde dieser Plan dann umgesetzt, wobei das neue, instrumentale Lied eher kein musikalischer Höhepunkt war. Danach folgte glücklicherweise noch das bessere The Other Side, bei dem es, wie wir jetzt wissen, um den Tod geht. 

Das Publikum wäre anschließend sicherlich noch für weitere Zugaben zu haben gewesen, das Konzert war nun aber vorbei und ließ mich mit etwas gespaltenen Gefühlen zurück. Mir war der zweifellos musikalisch wie ästhetisch gute Auftritt etwas zu stark durchchoreographiert. Natürlich weiß man, dass ein Künstler auf Tournee zwangsläufig meist relativ ähnliche Auftritte abliefert, und eine geplante Licht- und Videobegleitung lässt ohnehin wenig Raum für Spontaneität. Dennoch fehlte mir irgendetwas, das ich auch nicht so recht erklären kann. 

Setlist Woodkid, New Fall Festival, Tonhalle Düsseldorf (ohne Gewähr): 

01: Intro 
02: Baltimore's Fireflies 
03: Falling 
04: Where I Live 
05: The golden age 
06: I love you 
07: Brooklyn 
08: Boat Song 
09: Ghost Lights 
10: Shadows 
11: Stabat Mater 
12: Conquest of Space 
13: Iron 
14: The Great Escape 

15: Run Boy run (Z) 
16: Instrumental (Neu) (Z) 
17: The other side (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Woodkid, Köln, 16.04.13

Fotos: Dirk von Platten vor Gericht

 


Mittwoch, 17. April 2013

Woodkid, Köln, 16.04.13

3 Kommentare

Konzert: Woodkid
Ort: Live Music Hall, Köln 
Datum: 16.04.13 
Zuschauer: ca. 1.200 (ausverkauft) 
Dauer: Woodkid 70 Minuten, Thomas Azier ca. 30 Minuten 


von Dirk von Platten vor Gericht


Ganz großes Kino wurde uns am gestrigen Abend in der ausverkauften Live Music Hall geboten, und das lag nicht nur daran, dass Yoann Lemoine, der hinter Woodkid steckt, eigentlich Graphikdesigner und Regisseur ist. 

Doch zunächst galt es, das Vorprogramm von Thomas Azier und seinen zwei Mitstreitern durchzustehen, die einen optisch wie akustisch zurück in die Mitte der 80er versetzten. Mit durchdringender Stimme sang sich Azier durch eine handvoll Synthiepop-Songs, die an Depeche Mode oder Faithless’ „Insomnia“ denken ließen und bei großen Teilen des Publikums auf Wohlwollen stießen. Der Guardian beschreibt seine Musik als „catchy German and French electro-influenced pop“ und damit war der Niederländer an diesem Abend in Köln im Vorprogramm eines Franzosen auch gut aufgehoben und bekam reichlich Applaus. 


Kurz nach 21 Uhr betraten sieben, uniform in schwarz gekleideten Musiker die Bühne: auf der linken Bühnenseite sorgten zwei Bandmitglieder für elektronisch evozierte Klänge, im Hintergrund standen zwei Schlagzeuger hinter jeweils einem Drumkit, neben denen auf Kopfhöhe noch eine Bassdrum befestigt war, und auf der rechten Bühnenseite befanden sich hinter Notenständern drei Mann an Trompete, Tuba und Posaune. Mit einem mehrminütigen, sehr soundtrackhaften Instrumental eröffneten sie das Set und schufen reichlich Spannung für den Auftritt von Yoann Lemoine aka Woodkid. 

Dieser, als einziger nicht in Schwarz gekleidet und mit einer Baseballkappe ausstaffiert, betrat dann zu „Baltimore“ die Bühne. In deren Hintergrund befand sich eine große Videoleinwand, auf die immer wieder, passend zu den einzelnen Songs, schwarz-weiß Videos projiziert wurden. Bilder, die man ähnlich bereits aus den Videoclips kannte, also langsame Kamerafahrten durch lange, kathedralenartige Gewölbe oder über Gletscher und Berge hinweg. Die eigentlichen Videos zu den Songs „Run Boy Run“, „Iron“ und „I Love You“ wurden dabei jedoch ausgespart. Auch die sparsame, aber sehr stilvolle und effektiv eingesetzte Beleuchtung ordnete sich diesem Farbkonzept unter und war ebenfalls nur in weiß gehalten. 

Lemoine erinnerte sich noch an seinen Auftritt im letzten Jahr in der Kulturkirche, war sichtlich begeistert ob der gestiegenen Zuschaueranzahl und versuchte sich immer wieder in der deutschen Aussprache des Wörtchens „Köln“. Seine tiefe, teilweise an Anthony Hegarty erinnernde Stimme klang nicht ganz so sonor wie auf dem Album, trug aber problemlos durch den Abend. 


Vor dem Konzert stellte sich mir die Frage, wie die Setlist wohl aufgebaut sein würde, da der Großteil des Albums „The Golden Age“ aus eher ruhigen, pathetischen Songs besteht. Letztendlich wurden diese Songs größtenteils in der ersten Hälfte präsentiert, etwa „Ghost Lights“, die viel umjubelte Single „I Love You“ oder „Boat Song“. Bei „Brooklyn“, einer Hommage an seinen Wohnort, bei der man sich wirklich fragen muss, warum sie nicht den Weg auf das Album fand, änderte er den Text passend zum Auftrittsort ab: „Here in Cologne the rain is falling, my heart belongs to Brooklyn“


War von der Beleuchtung über die Videoinstallationen bis zur Setliste alles wohl durchdacht und geplant, so trifft dies auf Lemoine Ansprachen und Bühnenchoreografie nicht zu, denn das Repertoire an Gesten war deutlich beschränkt (Lemoine mit weit ausgestreckten Armen und zum Klatschen auffordernd winkenden Fingern oder Lemoine, der beide Hände hinter die Ohren führte, um Jubel herauf zu beschwören), was den Auftritt des Franzosen aber weniger abgeklärt und professionell und dadurch umso sympathischer wirken ließ. 

Erst im zweiten Teil der Setliste präsentierte uns Woodkid die schnelleren, mit treibendem Bass, martialisch-marschierendem Schlagzeug und sinfonisch-epischen Streichern und Bläsern ausgestatteten Songs wie „Iron“ oder „The Great Escape“, das den Hauptteil beschloss. Toll waren vor allem „Iron“, bei dem vier der Mitmusiker ihre Instrumente zur Seite legten, das statische Konzept über den Haufen warfen, wild über die Bühne hüpften und sprangen und dabei Yoann Lemoine Huckepack trugen, sowie das ausufernde „Run Boy Run“, das als erste Zugabe präsentiert wurde. 

Lemoine versprach nach einem tollen Konzert, wieder nach Köln zu kommen und beendete den Auftritt nach 70 Minuten passend mit dem sinistren „The Other Side“, bei dem erstmals an diesem Abend die Bühne blutrot ausgeleuchtet war. 

Setlist Woodkid, Live Music Hall, Köln:

01: Intro 
02: Baltimore 
03: Falling 
04: Where I Live 
05: The Golden Age 
06: Ghost Lights 
07: I Love You 
08: Brooklyn 
09: Boat Song 
10: Shadows 
11: Stabat Mater 
12: Conquests Of Spaces 
13: Iron 
14: The Great Escape 

15: Run Boy Run (Z)
16: The Other Side (Z)


Fotos: Dirk

 

 

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