Samstag, 10. Dezember 2016

Gabby Young, Karlsruhe, 09.12.16


Konzert: Gabby Young
Ort: Tollhaus in Karlsruhe
Datum: 9. Dezember 2016
Dauer: 90 min
Zuschauer: etwa 150


Manche Konzerte leuchten ja ganz besonders nach, obwohl ich nicht mit dem Finger darauf zeigen könnte, warum eigentlich. Beim Konzert von Jay Chakravorty aka Cajita (*) im letzten Winter war mir aber gleich klar, was mich - neben seiner einnehmenden Art - so beeindruckt hatte: Er arbeitet mit fantastischen Frauen zusammen und spricht darüber wunderbar enthusiastisch. Durch ihn wurde ich auf A seated craft aufmerksam und auf Gabby Young. Ich wußte, dass er auch mit  She makes war musiziert hatte und für sie Songs remixed hat wie erst kürzlich noch für Pollyanna. Ich freue mich immer neu über solche Spuren durch meine Musikwelt, wenn alles etwas mehr verbunden erscheint...
 

Gabby Young trat sonst auf als Gabby Yound and other animals (was auch einen gewissen Vorgeschmack auf die zu erwartende Performance gibt - finde ich). Nach der Beschreibung auf den Seiten des Tollhauses klang aber die als Gabby Young Konzert angekündigte Show in Karlsruhe nach einer intimen Sache: Frauenstimme mit Ukulele. Weshalb ich auch erst einmal zweifelnd nachfragte, ob Jay mit von der Partie sein würde. Seine Antwort kam zum Glück promt: Ja, klar und es wäre doch toll, sich bei der Gelegenheit zu sehen (und wohl auch, mir Gabby Young in voller Pracht und Schönheit zu zeigen...). Damit war die Entscheidung über mein musikalisches Programm am Freitag Abend gefallen.



Und ich wäre wohl auch tot umgefallen, wenn ich der Ankündigung geglaubt hätte, denn als ich eintraf, war auf der Bühne so viel vorbereitet, als wollte ein Kammerorchester auftreten: Ich zählte spontan fünf Gitarren (eine stellte sich später als fünfsaitiger E-Bass heraus), 4 Ukulelen, ein E-Kontrabass, ein Schlagzeug, ein E-Piano, ein Synthiestation, ein Glockenspiel, ein großes Glockenspiel und später kam noch ein Akkordeon mit auf die Bühne. Den letzten i-Punkt setzte ein Grammophon am linken Bühnenrand. In ihrem Kontext waren die vier Begleitmusiker vielleicht auch eher die Kammerbesetzung, denn in der Beschreibung ist von 5-7 Bandmitgliedern und Bläsern die rede.


Aber mit diesen vier Herren wurde eine opulente Show inszeniert. Jahreszeitlich mit einem kleinen weihnachtlichen Einschlag. Aber selbst das eigentlich abgenudelte Winderwonderland hatte in der live-Version in halber Geschwindigkeit ein ganz überraschendes Gewand. Was fiel mir besonders auf an diesen rauschhaften 90 Minuten? Gabbys Stimme ist der Wahnsinn. Wirklich und wahrhaftig kraftvoll in allen Stimmlagen und mir fällt auch kein Vergleich ein zu einer ähnlich klingenden Sängerin. Auf der Bühne herrschte eine einzigartige Spielfreude und das Wechseln zwischen den Instrumenten gehörte einfach dazu. 




Besonders hübsch waren dabei vielleicht die vier-Ukulelen-Version von Smile (die mit einem Wadenkrampf für Gabby endete) oder auch die Variante mit den geschlagenen Klangstäben bei Stille Nacht, bei der die drei Musikanten zwischen voller Konzentration und bübischem Lächeln hin und her gerissen wurden. Oder die Tanzeinlage? Wo es Gabbys Mann gelang, sein Schnapsglas umzustoßen durch die Wellen, die er im Bühnenboden schlug mit seinem wilden Gehopse... 


Das ist wirklich schwer zu sagen, weil es in Summe ein herrliches Feuerwerk von Höhepunkten war unterbrochen durch intimere Momente mit Gabby allein auf der Bühne (Male verson of me und We're all in this together), die aber mindestens genauso toll waren. Die Bühnenpräsenz von Gabby und aller beteiligten war so, dass sie sicher auch das unbeteiligste Publikum mitgerissen und zum mehrstimmigen Mitsingen animiert hätten. Hier aber gab es noch Bonus dadurch, dass dies nicht der erste Besuch in Karlsruhe war und es im Publikum auch Gastgeber eines Wohnzimmerkonzertes mit Gabby gab. So ging ich mit einem vollem Herzen ein paar Umarmung bei Jay abholen und werde wohl noch lange beim Denken an diesen Abend sofort ein lächeln und ein warmes Gefühl im Herzen haben.


(*) ein Projekt, das er leider gerade für beendet erklärt hat. 

All meine Bilder vom Abend.

Setlist:
01: Sur la lune
02: Ladies of the lake
03: Open
04: Male version of me
05: Another ship
06: The answer in the question
07: Winter wonderland
08: Smile
09: Coming through the trees
10: One foot in front of the other
11: Fear of flying
12: Silent night
13: Neither the beginning nor the end
14: The devil has moved in
15: Honey
16: Steal or borrow
17: Time
18: Segment

19: We're all in this together (Z)

Tourdaten:
15.12. Aschaffenburg Colos Saal
16.12. Bad Homburg Kulturbahnhof

Aus unserem Archiv:
Cajita, Karlsruhe, 16.02.15 



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