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Dienstag, 16. März 2010

Bosque Brown, The Rodeo, Josh T.Pearson,u.a., Paris, 15.03.10

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Konzert: Josh T Pearson present: West Country Night, mit Josh T Pearson, Bosque Brown, The Rodeo, Mark Trecka und Tom Cooney
Ort: Crêperie West Country Girl, 6 passage Saint Ambroise, Paris
Zuschauer: knackig voller Laden, schätze um die 80
Konzertdauer: pro Künstler je drei Lieder


Was macht man, wenn am gleichen Abend zwei Konzerte in unterschiedlichen Locations stattfinden (Under Byen in der Maroquinerie* und Los Campesions! im Point FMR), die einen beide interessieren? Klarer Fall, man besucht ein drittes Konzert und pfeift auf die beiden anderen Gigs!

Erwan Broussine, seines Zeichens Labelchef von Waterhouse Records und inzwischen ein Freund geworden, hatte mich gestern abend über eine sehr spannende Veranstaltung informiert. In einer Crêperie im 11. Arrondissement würde ein amerikanischer Countrysänger ein akustisches Konzert mit verschiedenen musikalischen Gästen organisieren. Josh T Pearson (aus Denton, Texas) heißt der rauschebärtige Knabe mit dem schwarzen Hut, der über der Crêperie West Country Girl seine Wohnung haben soll. Da musste ich hin! Die coolste Veranstaltung in ganz Paris, zumindest an jenem März-Montag. Obwohl cool eigentlich so gar nicht passte, den in dem Laden war es brechend voll und dementsprechend warm und auch die Atmosphäre und die gebotene Musik würde ich eher als herzerwärmend und nicht als kalt und abweisend bezeichnen. Genau das richtige für mich also. Zudem kein Eintritt* aber viele bekannte Gesichter von Sympathen, die auch schon bei Oliver Peel Sessions auf unserem Teppichboden gekauert oder gefilmt (Benoit, auch heute im Einsatz!) haben. Und Laurent Orseau von den Hinah Sessions habe ich auch kennengelernt. Schön!

Aufgrund des großen Andranges hatte ich den ersten Musiker des Abends nicht zu Gesicht bekommen. Ich hielt mich im vorderen Teil der Bar auf und hatte keine Chance, einen Blick auf die kleine improvisierte Bühne zu erhaschen. Vermutlich spielte Tom Cooney, aber sicher bin ich mir nicht, da das ursprüngliche Line-Up kurzfristige Veränderungen erfahren hatte.* So war beispielsweise die Pariser Countrysängerin The Rodeo eigentlich nicht vorgesehen. Dorothée, wie die mir bestens bekannte Musikerin bürgerlich heißt, wurde ganz spontan mit in den Kreis der performenden Künstler aufgenommen und sie spielte drei Songs, die ich bereits von früheren Konzerten her kannte, als da wären Little Soldier, das Pete Seeger Cover If I Had A Hammer und Modern Life. Eigentlich war alles wie immer bei Dorothée, knarzig-launische Stimme, französischer Akzent beim Singen der englischen Texte und viel Herzblut. Schön, daß ihr der plötzliche Ruhm nicht zu Kopfe gestiegen ist und sie immer noch die Alte ist. Man muss nämlich wissen, daß ihr kürzlich erschienenes Debütalbum Music Mealström, daß vom amerikanischen Produzenten Stuart Sikes (Cat Power, White Stripes, The Walkmen) gemixt wurde, so einige Wellen in der Indielandschaft geschlagen hat, The Rodeo inzwischen zweimal als Vorgruppe das legendäre Olympia bespielt hat und sie mehrfach im Kulturblatt Les Inrockuptibles positiv besprochen wurde. Zudem steht eine Deutschland Tour an, wo sie unter anderem auch im Ampere in München Station machen wird (Termine unten). Bitte Hingehen!

Nach The Rodeo stand eine junge amerikanische Folksängerin auf dem Programm, die stimmlich gar nicht weit von der Pariserin entfernt war. Bosque Brown der (Künstler)- Name der dunkelblonden Chanteuse mit den schicken milchkaffebraunen Schaftstiefeln. Ein tolles Mädel, daß Moderator Josh T Pearson mit Witz und Ironie ankündigte. Sie käme aus Dallas, was die kesse Dame sofort mit den Worten: "Forth Worth, bitte schön!", konterte. Köstlich! Bosque erschien zusammen mit einem männlichen Begleitmusiker und setzte sich auf ein Stühlchen in meiner unmittelbaren Nähe. Ich saß nämlich mit auf (!) der Bühne, ohne Scheiß! Jaja, eine abgefahrene Sache! Im West Country Girl war es nämlich so eng, daß auf dem Boden kein Platz mehr frei war und da auf der improvisierten Bühne drei Stühlchen standen, bekam ich einen davon zugewiesen und saß gleich neben den Musikern. Einmal stieß mir gar der Gitarrist seine Klampfe gegen meinen Ellenbogen. Mittendrin statt nur dabei! Oder so. Und zu meinen Füßen saß die ehemalige Bassistin der Punk Pop Band CSS. Ira heißt sie, wohnt in Paris, ist inzwischen Modedesignerin und sehr nett. Sie war völlig perplex, als ich ihr erzählte, daß ich vier Shows ihrer Band in der Vergangenheit gesehen und sie sofort wiedererkannt hätte. Intimer konnte die Atmosphäre also nicht sein und die drei Songs von Bosque Brown gefielen mir auf Anhieb. Ich brauche ihre CD, die auf dem vorzüglichen französischen Label Fargo erschienen ist. Und am Freitag spielt sie im Vorprogramm von Clare & The Reasons im Café De la Danse. Auch da muss ich hin!

Nächster Musiker war dann Mark Trecka aus Chicago, der mehrfach rumalberte, daß er eigentlich kein Countrymusiker sei, aber versuche so countrylastig wie möglich zu klingen. Seine Lieder waren ebenfalls nicht übel.

Letzter in der Runde war dann der Chef persönlich, Josh T. Pearson. Ein Hüne mit Rauschebart, der seine Körpergröße durch seine hohen schwarzen Cowboystiefel und seinen Hut noch einmal um satte fünf bis 10 Zentimeter steigerte. Ein sehr witziger Bursche, der eine Kellnerin aus Scherz auf deutsch (!) anschnauzte: "Hey, halt jetzt mal Deinen Mund! Raus jetzt!" blöckte er meine Landsfrau hinter dem Tresen mit lustigem Akzent an. Danach herrschte in der Tat absolute Ruhe und man hätte eine Stecknadel fallen hören. Seine zwei oder drei Lieder waren ewig lang, aber nicht langweilig und sein Gitarrespiel hätte nicht dezenter ausfallen können. Ich muss mich mit diesem Pariser Original aus Texas mal näher beschäftigen, ich denke es lohnt sich.

Alles in allem eine wunderbare Veranstaltung. Wenn hier wieder eine Session stattfindet, stehe ich auf der Matte, darauf kann man einen lassen!


* tolle Photos vom Konzert von Under Byen in der Maroquinerie hat Robert Gil. Klick!
* wichtig, da Paris laut einer ganz neuen Studie die teuerste Stadt der ganzen Welt sein soll!
* Ich glaube Ladybug hat auch gespielt, ich konnte sie aber nicht sehen.

Links:

- Laurent Orseau bei Last Fm. Da erfährt auch mehr über die Hinah Sessions, die man sich gratis im Netz ziehen kann.

- Deutsche Konzerttermine von The Rodeo:

16.04.2010: Bang Bang Club (Festival Les femmes s'en mêlent), Berlin
16.05.2010: Kampnagel, Hamburg
17.05.2010: Centralstation, Darmstadt
18.05.2010: Tollhaus, Karlsruhe
19.05.2010: Ampere, München




Freitag, 27. März 2009

The Rodeo, Paris, 26.03.09

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Konzert: The Rodeo
Ort: L'Européen, Paris
Datum: 26.03.2009
Zuschauer: ausverkauft (ca. 350)
Konzertdauer: ca. 75 Minuten



Alle waren sie ins Européen gekommen, um Dorothée Hannequin aka The Rodeo zu sehen. Morgane Imbeaud, der weibliche Teil des enorm erfolgreichen Duos Cocoon, die von The Rodeo bei ihrem Triumph im kultigen Pariser Olympia im Januar supportet wurde; Aurélia, neben Dorothée die zweite Sängerin der inzwischen aufgelösten Indierockband Hopper, die zwischen 1999 und 2008 zahlreiche energiegeladene Konzerte gegeben hatte (u.a. auch im Zenith im Vorprogramm von Indochine) und es auf zwei hervorragende Alben brachte; Jean-Yves, Bassist von Syd Matters und am Ende auch Bassist von Hopper; Olivier Marguerit und Rémi Alexandre, die beiden Gitarristen von Syd Matters, die bei einem Lied auch einen Gastauftritt an der Flöte hatten; Ludomatic, der Videofilmer (u.a. Clips für Cyann & Ben), der von Hopper noch im Jahre 2008 einen tollen Dokumentarfilm über deren China-Tournee (!) gedreht hatte und der auch schon Konzerte von Herman Düne und anderen Größen eklusiv auf Zelluloid bannte; Gaspard und Xavier von Justice; Emma Daumas, Sternchen und Sängerin, die bei der Casting Show Star Academy entdeckt wurde und die sich schon sehr früh als Fan von The Rodeo geoutet hatte; die Mutter von Dorothée (eine Japanerin) und zahlreiche Freunde und Weggefährte, die zum Großteil von Beginn an den Solo- Werdegang von The Rodeo verfolgt haben, als Hopper bereits halb im Sterben lag. Und schließlich ich selbst (der Esel nennt sich immer zuletzt!), Fan der ersten Stunde und eifriger Begutachter der Konzerte von The Rodeo, die teilweise in sehr kleinen Räumen stattfanden.

Zu dieser Schar von Eingeweihten und Vertrauten gesellten sich auch noch einige Neufans, die möglicherweise über die nicht zu übersehende Werbung für das Konzert in Pariser U-Bahnstationen gestolpert waren. Kein Zweifel: The Rodeo wird immer bekannter!

So war es dann auch nicht weiter verwunderlich, daß das Européen- ein relativ kleiner, hörsaalähnlicher Raum, in dem ich schon Größen wie Joanna Newsom, die Two Gallants und Bill Callahan gesehen hatte, aus allen Nähten platzte. So dicht waren die Zuschauer hier noch nie zusammengerückt. Normalerweise ist auch die Fläche vor der Bühne bestuhlt, aber heute saßen die Leute statt auf bequemen Stühlchen auf dem nicht unbedingt sauberen Fußboden. Eine Sache, die ich nicht besonders schätze, da mir immer ziemlich bald die Füße einschlafen und ich stattdessen viel mehr Lust habe, mich zu bewegen. Aber ich mußte mich dem Mehrheitsvotum der Leute, die lieber im Schneidersitz kauerten, beugen.

Franz Is Dead hatte die Leute schon einmal gut aufgewärmt (als wäre es in dem brütend heißen Européen nötig gewesen!) und nun fieberten alle dem Auftritt von The Rodeo entgegen. Die ließ sich dann auch pünktlich blicken und wie eigentlich fast immer, war sie auch nicht allein gekommen. Zu ihrer Stammbesetzung gehört Jean, der omnipräsente Drummer, und in vielen Fällen auch ein männlicher Violinist. Mit Jean hatte ich aber nicht unbedingt gerechnet, denn der vielbeschäftigte junge Mann (er spielt in circa 15 Pariser Bands, ohne Übertreibung!) war vor kurzem noch mit der Band Tahiti Boy vier Tage beim texanischen Festival SXSW im Einsatz. Aber Dorothée lässt er nicht so einfach hängen, mit der hat er schließlich bei Hopper schon so manche Schlacht geschlagen! Er war also pünktlich zum heutigen Konzert wieder in Paris und genauso wie der Geiger mit Einsatzfreude dabei.

The Rodeo begann mit altbekanntem Material von ihrer ersten EP, schlicht My First EP by The Rodeo betitelt. Passenderweise hieß das erste Stück People Know, das die meisten hier in der Tat kannten. Die Sängerinnen mit der knarzigen, krazigen Countrystimme war blendend aufgelegt, sie war leichtfüßig unterwegs und nutzte den Raum auf der Bühne voll aus. Sie ist keine, die nur am Mikro klebt, sondern eher eine Raubkatze, die auf und abwandert, um sich freizuspielen. Dieser Einsatz wurde honoriert: Der Applaus, der nach circa. 3 Minuten aufbrandete, war schon fast so groß wie bei einer Zugabe, man unterstützte die Künstlerin vollkommen! Das tat ihr sichtlich gut und sie legte noch mehr Feuer in ihre Performance. Logischerweise hieß der zweite Song dann auch Feel The Fire. Ein Titel, der gut zu der Persönlichkeit der Französin passt, denn hinter dem manchmal etwas bockigem Gesicht versteckt sich eine Frau, in der ein Vulkan brodelt. Zwar ist sie mit ihrem Soloprojekt etwas gezähmter und auch deutlich folkiger als noch bei Hopper, aber die Rockerbraut steckt immer noch in ihr drin. Ein französisches Cowgirl mit Punk- bzw. Grungewurzeln, die genau wie Scout Niblett als Jugendliche viel Nirvana gehört haben dürfte. Heute ist sie aber immer stärker von Folkmusikern beeinflußt, ich traf sie sowohl beim Konzert von Bon Iver als auch bei den Fleet Foxes und Josh Tillman.

Natürlich hat sie aber auch den Hitparadenkram aus den 80 ern gehört, ihre ganz eigene Coverversion von Boy Georges Do You Really Want To Hurt Me ist dafür ein guter Beweis. Bis zu jenem Kulthit hatte sie nur altes Material gespielt, nun aber zauberte sie die neuen Sachen reihenweise unter dem nichtvorhanden Hut hervor. Das tolle On The Radio ist wohl jetzt schon für das Ende 2009 erscheinende Album gesetzt, die anderen Neuheiten wie Modern Life, Hand Shadows oder Bird landen möglicherweise auf der zweiten Ep, die schon im Mai veröffentlicht werden wird. Die Sachen gefielen mir schon jetzt sehr gut und weisen auch Unterschiede zu dem alten Stoff auf. Die Dame wiederholt sich nicht, sondern feilt ständig an neuen Ideen und Strukturen, das ist sehr positiv zu werten.

Little Soldier hingegen ist zwar auf der ersten Ep nicht drauf, hat aber schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Die countrylastige Nummer, bei der man wie ein Cowboy durch den Saloon hüpfen konnte, wurde auch schon einmal in einer charmanten ,
abgespeckten Akustiksession mit der berühmten Blogothèque eingespielt (hier zu bewundern), die The Rodeo schon früh entdeckt hat.

Mein absolutes Lieblingslied bleibt aber nach wie vor das tiefmelancholische Winterlands, das auch heute seine nahegehende Wirkung bei mir nicht verfehlte. Dorothée greinte, hauchte, keifte, was das Zeug hielt, sie gab sich heute besonders viel Mühe, wollte niemanden enttäuschen. Und das wurde mit sehr viel warmem und langanhaltendem Applaus belohnt. Auch ihre Band machte eine gute Figur, Jean, der Barfuß agierte, spielte nicht nur Schlagzeug, sondern glänzte auch am Akkordeon und der Ukulele und Olivier und Remy von Syd Matters steuerten sogar gemeinsam mit dem Geiger ein richtige Flötenpassage bei. Toll!

Aber wie das nun einmal so ist.: Alle schönen Dinge gehen irgendwann zu Ende und mit I'm Gonna Leave You (womit auch sonst?), verließ uns The Rodeo das erste Mal. Solo performte sie dann noch einen der besten Songs des Abends My Ode To You Cha Cha Cha, bei dem sie völlig neue und faszinierende Facetten ihrer Stimme zeigte. Zusammen mit der Band gab es dann noch die Weisheit Love Is Not On The Corner mit auf den Weg und das Européen tobte minutenlang. Gerührt wurden Verbeugungen vollführt, Kusshände ins Publikum geworfen und schließlich der Abgang vollzogen.

Eine rundum gelungene Performance, vollbracht in einem Saal, der nur Zwischenstation sein kann. Auf dem Weg in... die Cigale!

Setlist The Rodeo, L'Européen, Paris:

01: People Know
02: Feel The Fire
03: Your Love Is Huge
04: Hard To Say
05: Do You Really Want To Hurt Me (Boy George Cover)
06: On The Radio
07: Modern Liefe
08: Hand Shadows
09: Little Soldier
10: High Resolution World
11: Bird
12: Winterlands
13: I'm Gonna Leave You

14: My Ode To You Cha Cha Cha
15: Love Is Not On The Corner Or In The Neighborhood




Donnerstag, 16. Oktober 2008

Garda, Mina Tindle, The Rodeo, Paris, 15.10.08

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Konzert: Garda, Mina Tindle, The Rodeo
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 15.10.2008
Zuschauer: im Laufe des Abends wieder recht voll
Konzertdauer: wie immer jeweils 30-40 Minuten pro Gruppe



Ein wunderbares Programm heute abend in der Pariser Flèche d'or. Nicht die großen Namen wie noch gestern mit Calexico und Get Well Soon, dafür aber mit viel Charme und Liebe zum Detail gemachter Folkpop.

Als erste am Start waren die Dresdener Garda und die erfreuten mit intimen und melancholischen Songs, die Künstler vom amerikanischen Saddle Creek Label nicht besser hingekriegt hätten. Zu dritt waren sie in die Stadt der Liebe gekommen, obwohl sie eigentlich sechs Musiker sind und erwärmten früh am abend mein Herz mit ihren unglaublich filigranen und wunderschönen Kompositionen. Schade nur, daß noch nicht all zu viele Leute in der Flèche d'or waren, um diese kleinen, feinen Meisterwerke zu genießen, die aus der Feder von Sänger und Textschreiber Kai Lehmann stammen. Herr Lehmann ist also ab jetzt nicht mehr nur mit dem unterhaltsamen Roman von Sven Regener in Verbindung zu bringen, sondern auch mit einem jungen Musiker, der nicht nur eine außergewöhnliche Stimme hat (mal flüstert er fast, dann geht er aber auch ab und zu ganz schön aus sich heraus!), sondern auch ein hochsympathischer Kerl ist, wie ich hinterher bei einem Plausch an der Bar feststellen konnte, bei dem er mir nicht nur verriet, daß die Band mit Robocop Kraus dick befreundet ist, sondern daß er auch die Mädels in Paris bildhübsch findet.

Sag ich doch, diese Dresdener haben Geschmack!

Hinterher war klar: Ich musste das Album Die Technique Die unbedingt haben, daß gerade erschienen ist und auf ihre im Eigenvertrieb veröffentlichte EP Go On Dance And Explode! folgte.

Also mein Appell an allle Leute mit Geschmack: Hört Euch Garda an! Kauft ihre CDs! Es lohnt sich sehr...

Setlist Garda, La Flèche d'or, Paris:

01: Die Technique, Die
02: Mistakes & Failures
03: This City Is Ours
04: Maps & Maths
05: Chest
06: Yeah, Keep It Up And Dance!
07: Frwd/Reverse/Stop
08: Black
09: My Heart Is Empty

Garda auf Tournee, Konzerttermine (Hingehen!):

17.10.2008: Nun, Karlsruhe
18.10.2008: Motoki, Köln
22.10.2008: Alter Schlachthof, Dresden, im Vorprogramm von Calexico!
12.11.2008: Schwarzwaldhalle, Appenweier, mit Kettcar
03.01.2009: Projekttheater, Dresden

Danach kam mit der charmanten und sehr hübschen Französin Mina Tindle ein riesiges Talent auf die Bühne. Ihr Lächeln war ebenso umwerfend wie ihre Stimme, die manche hier an Feist denken ließ. Da wippte selbst ihr Mentor JP Nataf im Takt mit und auch die inzwischen zahlreich versammelten Zuschauer (Garda hätte ich zuvor auch diese Kulisse gewünscht!) waren angetan vom Talent des neuen Sterns am Pariser Folkhimmel. Auf ihrer MySpace Seite hat sie eine ellenlange Auflistung von zum Großteil vorzüglichen Künstlern veröffentlicht, darunter Yo La Tengo, Elliott Smith und Karen Dalton, am ehesten traf es dann aber doch der Vergleich zu Feist, aber auch Anthony & The Johnsons und The Innocence Mission hörte ich heraus.

Insgesamt eine wunderbare Entdeckung, gar keine Frage! Und begleitet wurde die junge Frau, die mit bürgerlichem Namen Pauline heißt, zumindest phasenweise von einem Pianisten, einem Melodicaspieler und dem Drummer Thomas, der auch in den Diensten von Nelson und Please Don't Blame Mexico (eine wundervolle Band, unbedingt entdecken!) steht. Demnächst soll die erste Ep von Mina Tindle erscheinen. Sie wurde in Austin/Texa, in Zusammenarbeit mit Jared Van Fleet von der Gruppe Voxtrot aufgenommen.

Setlist Mina Tindle, La Flèche d'or, Paris:

01: Lone Rider
02: Apple
03: Sister
04: Lovely Day
05: To Garry
06: The Kingdom

Last but not least der Auftritt von Dorothée aka The Rodeo, über die ich an dieser Stelle schon mehrfach berichtet hatte. Heute war aber alles ganz anders, als noch vor ca. 2 Wochen, denn anstatt eines reduzierten Solo-Akustikkonzerts stieß heute eine ganze Band, die coolen John Waynes, mit hinzu. Eine Frau an der Gitarre, drei Männer an solch tollen Instrumenten wie Geige, Ukulele, Klarinette, und Pedal- Steel. Das Contry-Feeling in Paris war perfekt! Und heute gab es sogar drei nagelneue Songs im Programm, die selbst ich noch nicht kannte, obwohl ich The Rodeo schon mindestens fünfmal live gesehen habe. Höhepunkt davon war gleich der Opener And Shadows, ein Laune machendes Stück mit Ukulele, arrangiert von Remi Alexandre, der ansonsten bei Syd Matters Gitarre und Keyboard spielt. Aber auch die Klassiker im Set wie People Know oder Your Love Is Huge durften natürlich nicht fehlen, genauso wenig wie das tolle Culture Club Cover Do You Really Want To Hurt Me.

Stimmlich war The Rodeo in Höchstform, sie traf sowohl die gehauchten Töne, als auch ihre typisch kratzbürstigen Vocals. Man muss die junge Pariserin deshalb unbedingt im Auge behalten und kann mit Freude dem ersten richtigen Album entgegensehen, daß schon im Dezember aufgenommen werden soll, bevor es dann endlich Anfang 2009 erscheinen wird.

Fazit: Gleich drei spannende Newcomer, die mir mit modern interpretierter Folkmusik viel Freude bereitet haben!

Setlist The Rodeo morgen!


Links:

- Video Mina Tindle live zusammen mit Orouni- The Perfume Conspiracy, sehr charmant
- Video Minda Tindle Apple live @ Le Motel, sehr schön und intim
- Video Mina Tindle live (ausgezeichnete Bildqualität) beim Festival Génériq
- Videos von Garda: This City Is Ours und Chest live @ Schokoladen, unbedingt angucken!





Sonntag, 5. Oktober 2008

The Rodeo, Underground Railroad, Paris, 04.10.08

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Konzert: The Rodeo, Underground Railroad
Ort: Galerie Issue (The Rodeo), Le Truskel (Underground Railroad), Paris
Datum: 04.10.2008
Zuschauer: jeweils ca. 70-80




In Bayern gibt es nicht nur ehemalige Tenniscracks, die Jahr für Jahr ihre jeweils neuste Eroberung im Dirndl (bzw. mit seltsamen Hüten) über die Wiesen führen, Nationaltorhüter, die im P1 ihrer Frau fremd gehen und hochbezahlte Trainer, die mit ihrem Team gegen keinen noch so kleinen Verein drei Punkte holen, sondern auch Leute, die wirklich was auf dem Kasten haben. Bloggerfreund Eike zum Beispiel. Der Kerl weiß sogar Wochen vor mir, welche Garagenband wann gratis in einem kleinen Club in Paris spielt. Irre! Ohne seine Terminhinweise auf dem Klienicum wäre ich manchmal völlig ahnungslos. Und Underground Railroad, die eigentlich Pariser sind, aber seit geraumer Zeit in London leben, kannte er schon wieder vor mir (hier seine ausführliche Albumbesprechung).

Wie ich persönlich allerdings auf die Idee kam, daß die Band um 17 Uhr im Truskel auftreten würde, weiß ich selbst nicht mehr so genau. Mir schien, als hätte ich das irgendwo so gelesen. Deshalb machte ich mich auch schon am Nachmittag zum Truskel auf, nur um vor verschlossenen Türen zu stehen. Sogar das Gitter vor der Eingangstür war noch runtergelassen. Zum Glück traf ich etwas später Laurent, den Patron, der mir sagte, daß sie um 19 Uhr aufmachen würden, mit dem Konzert aber nicht vor 20 Uhr 30 zu rechnen sei. Was mit der Zeit anfangen? Ein Besuch in dem CD-Laden Virgin, der in der Nähe liegt, schien mir zu riskant. Ich hatte Angst, ich würde wieder viel zu viel Geld für Musik ausgeben...

Aber ich hatte für später noch ein anderes feines Gratiskonzert auf dem Programm. Dorothée, die Sängerin und Gitarristin von The Rodeo hatte mir nach dem Konzert von Bon Iver am vergangenen Donnerstag gesagt, daß sie in einer kleinen Pariser Galerie spielen würde. 19 Uhr hatte sie in einem MySpace Bulletin als Beginn vermerkt. Ich hetzte mich ab und hatte meine liebe Mühe und Not die Galerie Issue zu finden, die unweit vom modernen Museum Pompidou in einer kleinen Seitenstraße liegt. Als ich um kurz nach 7 dort ankam, war aber von Dorothée noch weit und breit keine Spur. Lediglich eine Gitarre- ich erkannte sie als ihre - und ein verwaistes Stühlchen warteten darauf benutzt zu werden. Ich drehte eine Runde und guckte mir die ausgestelleten Bilder an. Es ging um viele verschiedene Themen: Liebe, Sex, Geld, etc. Am spannendsten fand ich den Spruch von Picasso, den er angeblich zum Thema Kreativität vom Stapel gelassen haben soll: Guter Geschmack ist der Feind der Kreativität! War dies also der Leitspruch der Galerie? Nein, nein, schlechten Geschmack will ich dem Laden nicht unterstellen, sie hatten ein paar wirklich fetzige Plakate zu bieten. Dort mein Favorit: She lost control. Hmm, Joy Division sind auch 28 Jahre nach dem Tod von Jan Curtis immer noch hochaktuell, gerade im Moment.

Joy Division hat Dorothée aka The Rodeo auch in ihrer Jugend gehört, das weiß ich. Hörbar beeinflusst ist sie aber eher von Cat Power, Karen Dalton und Patti Smith und auch noch einigen anderen Größen der Folkszene.

Wer unseren Blog regelmässig liest, kennt The Rodeo gut, ich habe schon oft über sie berichtet. Aber die junge Dame entwickelt sich ständig weiter, war aktiv beim Festival Sout By Southwest in Texas dabei und hat dort auch mit Vincent Moon von der Blogothèque ein paar colle Video - Sessions gemacht.

Und sie hat inzwischen auch einige neue Songs im Programm. Nach der Veröffentlichung ihrer ersten EP, schlicht und einfach betitelt My First EP By The Rodeo , arbeitet sie nun (u.a. mit Musikern von Syd Matters) mit Hochdruck an ihrem ersten Studioalbum. Darüber hinaus hat sie im Sommer zwei Termine in Deutschland absolviert, einen davon beim Fusion Festival im Juni den anderen Ende August in Berlin bei den Monbijoufestspielen.

Von den neuen Songs gab es gleich am Anfang Kostproben. Modern Life ist nicht auf der EP vertreten, hat aber gute Chancen auf dem Longplayer enthalten zu sein. Dorothée legte kurz vor 8 mit weißen Stiefelchen und pinkfarbener Strumpfhose los und sorgte mit ihrer Stimme, die zwischen rauer Rockröhre und sanfter Folkeuse hin und her schwankte, für erstaunte Gesichter bei den Besuchern der Galerie. Diejenigen, die sie noch nie gesehen hatten, wunderten sich über die toughe Person, die man hinter der zierlichen Pariserin nicht unbedingt vermutet. Mit viel Schwung und Elan schmetterte sie Lieder von ihrer EP, darunter Klassiker wie I'm Rude, People Know und das melancholische und wunderschöne I Could (beste Textzeile: I could have sex like a man). Dann kam ein Musiker hinzu, der auf einem wahrlich seltsamen Instrument spielte. Es handelte sich um ein sogenanntes Omnichord der Marke Suzuki, das auch Jim James von My Morning Jacket bei Liveshows verwendet. Schon verrückt, ein elektronisches Instrument mit dem man einen Countrysound erzeugen kann, fast wie mit einer Pedalsteel! Der gespielte Song hieß übrigens Love Is Not In The Corner Or In The Neighborhoord und war ebenfalls neu im Programm. Gleich im Anschluß noch ein Neuling mit I'll Catch The Following Train, bevor sie solo den alten Culture Club Hit Do You Really Want To Hurt Me in völlig neuem Gewande präsentierte. Aus dem Ohrwurm der 80 er Jahre wurde ein knisternder Folksong!

Der Abschluß wurde schließlich gebildet mit dem schwungvollen Your Love Is Huge (I can share it with you), dem unveröffentlichten Little Soldier und meinem Lieblingslied von The Rodeo, nämlich Winterlands. Eine herzerweichende Ballade, die tief unter die Haut geht und auf der EP mit Streichern eingespielt wurde. Heute fehlten die zwar, dafür war aber jede Menge Gefühl mit dabei und der Schmachtsong verfehlte auch heute seine wohlige Wirkung nicht!

Ein gelungener Abschluß eines sympathischen kleinen Konzerts in ungewöhnlichem Rahmen!

Setlist The Rodeo, Galerie Issue, Paris:

01: Modern Life
02: I'm Rude
03: People Know
04: I Could
05: Love Is Not In The Corner Or In The Neigborhood
06: I'll Catch The Following Train
07: Do You Really Want To Hurt Me? (Culture Club Cover)
08: Your Love Is Huge
09: Little Soldier
10: Winterlands

Links:

Videos von The Rodeo:

- I'm Rude Videoclip. Cool!
- I Could, auf dem Boden kniend während einer dieser charmanten Cargo-Sessions
- Little Soldier, gedreht von der Blogothèque. Countryfeeling made in Paris!
- People Know

Nachdem The Rodeo fertig war, ging die Vernissage in der Galerie Issue natürlich munter weiter. Jetzt war die Zeit für einen Plausch mit den vielen netten und interessanten Leuten, die hier versammelt waren. Mir wurde eine Spanierin namens Flavie Trichet vorgestellt, die eine fabelhafte Fotosession zu Promozwecken mit The Rodeo realisiert hat und ich unterhielt mich auch mit einem jungen Mann, der mit Hopper (der anderen Band von The Rodeo) bereits einen Dokumentarfilm in China gedreht hat und außerdem auch schon einen fabelhaften Videoclip mit Cyann & Ben und zwar zum Song Let It Play.

Aber ich wollte ja noch ins Truskel! Also schnell tschüss sagen und Abmarsch! Ich muss mehrfach umsteigen, düse an der Börse vorbei Richtung Truskel, stoße die Tür auf und sehe, daß Underground Railroad noch zu Gange sind, obwohl es schon nach 21 Uhr ist. Ich habe circa. 10 Minuten und 2 Lieder verpasst, bekomme aber noch den Großteil des Konzertes mit.

Das kleine Pub ist circa. halbvoll, ich schaffe es noch relativ bequem, mich nach vor ne durchzuarbeiten, um ein paar Fotos zu schießen. Natürlich verweilt meine Linse am häufigsten bei der einzigen Frau des jungen Trios. Gitarristin Marion Andrau hat aber auch wirklich zu schöne braune Augen! Das brünette Girl zeigt schnell, daß sie Feuer unter dem Arsch hat, auch wenn es heute nur akustisch zur Sache geht. Sie hält die Gitarre fast wie Kurt Cobain und Grunge hat sie bestimmt in jungen Jahren schon eine Menge gehört. Auch die Pixies, Sonic Youth, My Bloody Valentine und andere Kultbands, genau wie ihre beiden männlichen Mitstreiter, Raphael Mura an den Drums und JB Ganivet am Bass. Bei den Parisern mit Wohnsitz London singt mal Marion, mal der Drummer Raphael, desöfteren auch beide gleichzeitig. Ihr Sound ist schwer und düster und sie machen auch hier und heute ordentlich Krach. Ich will nicht (oder eigentlich doch sehr gerne!) wissen, wie das Ganze elektrisch klingt! Um das zu überprüfen, muß man nächste Woche ins Nouveau Casino pilgern, wo die jungen Leute ihr neues Album Sticks And Stones promoten werden. Man hätte aber auch noch früher Gelegenheit sie wiederzusehen, denn am Diensatg spielen sie im altehrwürdigen Olympia, im Vorprogramm von Nada Surf, mit denen sie auch schon durch Deutschland tourten.

Nada Surf loben sie natürlich verbal, aber ich glaube, daß mir Underground Railroad selbst sogar noch einen Tick besser gefallen. Sie sind wesentlich punkiger, noisiger, psychedelischer, das mag ich. Aber sie haben auch einen softere Seite, die sie mit dem recht poppigen Kill Me unter Beweis stellen. Danach wird es aber wieder deutlich düsterer, da verstehen die drei keinen Spaß! Und das ist gut so, das Truskel rockt! Besonders geil auch noch einmal der Abschluß mit Pick The Ghost. Der Drummer lässt es richtig krachen, der Bass poltert dunkel und gemein und Marion gukct grimmig und gefährlich, während sie auf ihrer mit einem schwarzen Tesastreifen zugeklebten Gitarre schrammelt.

Eine coole Band!

Setlist Underground Railroad:

01: Poems For Freaks
02: 25
03: Sticks And Stones
04: Six Pieds Sous Terre
05: Kill Me Now
06: Stuff In Your Pocket
07: Homeless
08: Idealize
09: Pick The Ghost




 

Konzerttagebuch © 2010

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