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Samstag, 30. Mai 2009

Malajube, Frankfurt, 29.05.09

2 Kommentare


Konzert: Malajube
Ort: Sinkkasten, Frankfurt
Datum: 29.05.2009
Zuschauer: nicht furchtbar viele; 100 vielleicht
Dauer: 72 min


Frankfurt ist als Indie-Konzertstadt ziemlich komisch. Weil es für mich gut zu erreichen ist, informiere ich mich regelmäßig, welche Bands im Rhein-Main-Gebiet
auftreten. Und dabei habe ich in den vergangenen Jahren allerlei sehenswerte, meist aber auch mächtig skurrile Clubs kennengelernt. Entweder haben die sonderbare Namen (Das Bett, Clubkeller) oder sehen nach allem, nur nicht nach Musikkneipen aus (Cooky's). Aber das, was der Sinkkasten bot, stellte alles andere ganz locker in den Schatten!

Der Laden liegt in unmittelbarer Nähe der Zeil, der großen Frankfurter Einkaufsstraße, die auch nach Geschäftsschluß noch sehr belebt war (und uns beim Flucht-vor-der-Vorgruppe-Spaziergang fast eine ordentliche Prügelei geboten hätte). Praktisch für nicht-Frankfurter schien trotz dieser Innenstadtlage das direkt gegenüber liegende Parkhaus einer dahin dümpelnden Kaufhauskette zu sein. Vor der Schranke fanden wir aber heraus, daß es um 21.30 h schließt... der Laden ist nicht systemrelevant.

Der Club selbst ist köstlich. Geschnitten ist der Raum wie eine dieser Junggesellenabschieds-Kneipen mit mehreren Theken, vielen Säulen, Sitzgelegenheiten und einer mit Stahlgittern geschützen DJ-Kabine. Die Tanzfläche vor der Bühne hat einen Boden aus Metallplatten und ist umsäumt von Kinostühlen! Wie in einer südhessischen Dorfdisko! Die Vorstellung, auf diesen Sitzen eines der kommenden Programmhighlights zu sehen (THE 80's & more – Disco Party, THE 80's & 90's PART I – Disco oder die 8ZIGER DISCO Party...), ist irgendwie reizvoll...

Der Landdisko-Charme wurde dadurch verstärkt. daß enorm viele sehr jung aussehende Leute mit dazugehörenden Eltern durch den Laden liefen - Angehörige oder Freunde einer der beiden (!) Vorgruppen, ähh Special Guests (laut Ankündigungsflugblatt der Frankfurter Sparkasse 1822 - ich hatte erwähnt, daß es skurril war?). Beim Versuch, Bier und Cola zu bestellen, wurde ich von der einen Theke an die andere geschickt (die erste hatte nur eine andere Biersorte) und fragte den dortigen Barkeeper, wann es anfangen würde. Es erschien plötzlich eine besonders gute Idee zu sein, den Vorgruppen aus dem Weg zu gehen! Er schickte mich "zum Mischer" (oder zum "Micha", in Hessen weiß man das nicht so genau), der wie alle sehr nett war, leider aber auch nicht endgültig weiterhelfen konnte ("eigentlich sollten die schon lange spielen, oder meinst du die Franzosen, äh Kanadier, die nachher noch kommen?"). Nach der ersten der Taunusgruppen (The Seven Lost Cities Of Gold (gleich Abendessen)) setzten sich andere Eltern in die erste Reihe und zückten die Kameras. Als dann ein "Ausdrucks""tänzer" die zweite Band (The Mystic Onehand) durch einen Rudolf-Steiner-Gedächtnis-Tanz einleitete und begleitete, entschieden wir uns für eine zweite Flucht und malten uns aus, daß Malajube anschließend vermutlich vor leerem Saal spielen würden.

Schlechtes Timing ließ uns dann zu früh wieder im Saal sein. "Danke, daß ihr alle unseretwegen* gekommen seid! Sollen wir zum Abschluß noch was jammen?" Hilfe!

Endlich durften um halb elf Malajube ihre Instrumente aufbauen. Bei einer unserer Fluchten vorher waren wir der Band fast in die Füße gelaufen, als sie neben ihrem
Tourbus Footbag spielten (diese Mischung aus Fußball und Kleinkunst mit kleinen mit Sand gefüllten Bällen). Auch auf der Bühne schienen die vier viel Spaß zu haben, schon beim Aufbau lachten sie viel. Als sie schließlich um kurz vor elf anfingen, fielen mir zwei Sachen auf, die vollkommen ungewöhnlich waren: Sänger Julien Mineau hatte nichts auf dem Kopf, keine Kappe, kein Stirnband, keine Kaputze, und er sprach viel und war zu verstehen!

Reden musste er allerdings auch, denn es galt, Lücken zu überbrücken. Das Schlagzeug seines Bruders Francis wanderte nämlich. Erst fiel das Mikro der
Bassdrum von dem offenbar viel zu kleinen Podest, dann eines der anderen. Francis war vollkommen genervt, während der emsige Roadie runterfallende Teile auffing. Julien und Keyboarder Thomas (im lilafarbenen und aktuellen T-Shirt) redeten währenddessen in ihren herrlichen Singsang-Tonlagen mit uns. "Now I can play the Popeye Song for you!" - Thomas: "Popeye, why not?" - "You know Popeye? We love Popeye in Canada!"

Das Schlagzeugproblem löste sich nicht. Bei 333, einem der großen Hits der aktuellen Platte, fehlte in großen Teilen die Bassdrum, bei anderen Stücken spielte Francis merkbar zurückhaltend. Aber all das änderte nichts daran, daß Malajube so gut waren, wie ich sie noch nicht erlebt habe (es war mein sechstes Konzert, alle anderen waren schon ausgezeichnet).

Genau wie Francis hatte auch Bassist Mathieu nicht den einfachsten Auftritt seiner Karriere. Der Bewegungsdrang des großen Musikers wurde durch eine an der Decke hängende Box massiv eingeschränkt. Immer wenn er nach links (von sich aus) gehen wollte, war da dieser Lautsprecher. Am Ende schob er ihn verächtlich aus dem Weg,
aber seiner Laune schien das nicht zu schaden. Denn auch Mathieu lachte dauernd ins Publikum - vollkommen neu bei dieser tollen Band, sie menschelten richtig! Was so eine fehlende Kopfbedeckung alles bewirken kann.

Nicht nur der Gesamteindruck (oder auf Deppendeutsch "das ganze Paket") überragte, auch musikalisch waren Malajube perfekt. Vielleicht liegt das aber auch daran, daß mir die neuen Lieder mittlerweile wahnsinnig gut gefallen. Die Stücke der ersten beiden Platten sind ohnehin großartig, so bestand der Abend für mich nur aus Hits. Ich könnte jetzt auch nicht mehr sagen, was mein Liebling war, vor ein paar Wochen wären das sicher Stücke vom zweiten Album gewesen, heute nehmen sie sich nichts mehr.

Einer der alten Favoriten, Montréal
-40°C, schien mir verändert, mit mehr Keyboards. Richtig anders war aber dann die eigentlich sehr kurze Zugabe Le robot sexy vom ersten Album. And die anderthalb Minuten Lied schloß sich nämlich eine sicher fünfminütige Instrumentalverlängerung an, nicht schlecht!

Ich hätte nie gedacht, daß aus dem Abend noch etwas werden könnte, zu absurd war der Beginn. Aber es wurde! Die Band aus Québec ("we come from far away!") wird erstaunlicherweise immer besser! Wie schade, daß die Tour jetzt wieder vorbei ist, denn ich warte noch auf den Popeye Song! Julien klimperte (auch neu!) zwar beim ersten Verlassen der Bühne eine Melodie auf Thomas' Keyboards, ich bin aber nicht sicher, ob er es war; die Popeye Remake-Serie habe ich nie gesehen.

Es tut mir leid, das
vor allem denen sagen zu müssen, die die Band wegen des ausgefallenen Münster-Konzerts nicht sehen konnten, aber das war eine der Gruppen, die man 2009 erleben musste!

Setlist Malajube, Sinkkasten, Frankfurt:

01: Ursuline
02: Porté disparu
03: Casablanca
04: Casse-cou
05: 333
06: Fille à plumes
07: Etienne d'août
08: Collemboles
09: Pâte filo
10: Montréal -40°C
11:
La maladie
12:
Le crabe
13: Christobald
14: Keyboardvariationen

15: Luna (Z)
16: La monogamie (Z)
17: Le robot sexy (incl. "Frankfurt Jam") (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Malajube, Köln, 13.05.09
- Malajube, Berlin, 20.09.07
- Malajube, Köln, 11.09.07
- Malajube, Frankfurt, 06.08.07
- Malajube, Haldern, 04.08.07
- Malajube, Paris, 10.05.07
- Malajube, Paris, 21.03.07
- mehr Fotos aus dem Sikkasten!

Die aktuellen Tourtermine von Malajube:

30.05.09 Jubez, Karlsruhe
31.05.09 Paradiso, Amsterdam
(Quelle: myspace-Seite der Band)


* Das "unseretwegen" hat er nur gedacht, nicht ausgesprochen - aber es stimmte ja auch




Donnerstag, 14. Mai 2009

Malajube, Köln, 13.05.09

7 Kommentare

Konzert: Malajube
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 13.05.2009
Zuschauer: wenige (unter 100)
Dauer: 65 min


2007 war Malajube eine Art Running Gag bei uns. Über das Jahr verteilt sahen wir die Kanadier immer wieder, mal in Frankreich, mal in Deutschland - aber vor allem mit immer größerer Begeisterung.

Im vergangen Jahr war es dann ruhiger um die Québecer; sie arbeiteten an ihrem
dritten Album, das Anfang des Jahres erschien. Offenbar hat sich aber immer noch nicht rumgesprochen, was für eine großartige Band Malajube sind, denn das Gebäude 9 war anfangs erschreckend leer. Um neun, viertel nach neun, sollten die Kanadier ohne Vorgruppe auf die Bühne gehen, man verschob den Beginn aber auf halb zehn, mit Erfolg, es fanden sich dann doch noch einige Leute mehr ein (schrecklich verschachtelter Satz).

Ich hatte schon wieder vergessen, daß irgendwann zwischen meinem letzten Malajube-Konzert im September 2007 und heute der zweite Gitarrist der Band, Renaud Bastien, die Gruppe verlassen hatte. Sie waren also heute zu viert (Sänger
und Gitarrist Julien Mineau, Keyboarder Thomas Augustin, Bassist Mathieu Cournoyer und Schlagzeuger Francis Mineau).

Thomas hatte eine sehr beeindruckende Batterie aus Keyboards und Samplern aufgebaut und erschien als erster, um ein paar Knöpfe zu drücken. Das Konzert begann wie die aktuelle Platte mit
Ursuline - ich muß hier ein wenig ausholen. Das Lied geht vermutlich auf die Écoles des Ursulines de Québec zurück, eine der ältesten Schulen Nordamerikas, die ausschließlich Mädchen unterrichtet. Ob die Bandmitglieder die gemischte Schwesterschule (haha!) in Loretteville besucht haben, weiß ich nicht, jedenfalls paßte das Lied ganz hervorragend nach Köln, stammte die Heilige Ursula doch schließlich aus Köln, sollte sie gelebt haben.

Ursuline folgte mit Porté disparu direkt ein weiterer Liebling von Labyrinthes. Dieses Lied hatte es am heutigen frühen Abend sogar in eine ARD-Soap geschafft, ein
weiterer schöner kleiner Zufall. Der häufiger im Gebäude 9 anwesende Hauptdarsteller der Serie war jedoch heute nicht da.

Auch ohne Renaud klingen Malajube nicht weniger komplex oder gut. Das wurde beim direkten Vergleich, bei den älteren Stücken ziemlich schnell deutlich. Auch an Lautstärke haben sie nichts eingebüßt. Aber es gab trotzdem ein paar offensichtliche Unterschiede!* Zum einen redete Julien mehr als je zuvor. Irgendwas hat er zwar immer schon dahergesprochen, viel war es aber nie. Heute gab es einige Ansagen und
Kommentare. Nicht geändert hat sich dabei aber, daß sie vollkommen unverständlich sind. So wie er singt, spricht er eben auch. Dabei war Kaputze vor seinem Gesicht keine Ausrede, die ließ nämlich viel vom Gesicht offen, das gab es auch schon anders. Auch hat sich Thomas' T-Shirt geändert. Vor zwei Jahren habe ich ihn grundsätzlich nur in roten Shirts gesehen (der Plural ist nett gemeint und mein Wunsch), heute hatte er ein lilanes an.

Musikalisch beeindruckten mich die Québecer wieder sehr! Die neuen Stücke sind mir noch nicht so vertraut wie die Perlen der ersten beiden Alben (Montréal -40°C, Etienne, Casse-cou, Monogamie, Pâte filo...), sie werden aber immer besser. Und sie funktionieren live schon ganz hervorragend.

Naja, fast zumindest. Das Konzert war nach Brüssel das zweite in Europa. Collemboles und Luna machten Malajube wohl noch ein paar kleinere Probleme. Bei beiden Liedern gab es am Ende kleinere Pannen, die zu Lachern innerhalb der Band sorgten. Am Schluß von Luna improvisierte Thomas
wohl auf seinen Keyboards (er spielte generell den ganzen Abend mindestens vier Tastendingse pro Lied!), das Ende kam dann ein wenig plötzlich und ließ Julien breit grinsen!

Die Highlights der neuen Platte waren für mich die beiden ersten Stücke und natürlich 333. Aber vielleicht sind es kommende Woche schon wieder neue, wenn ich sie in Frankfurt sehe.

Malajube sind immer noch eine Lieblingsband, daran haben sie mich heute eindrucksvoll erinnert. Wenn sie doch bloß mehr Aufmerksamkeit bekämen... Denn auch außerhalb der Musik geben sie sich solche Mühe. Thomas' rotes Keyboard verrutschte dauernd. Der Roadie kam sofort und klebte es fest. Mit rotem Klebeband... Das hat Stil!

Wieder eines der besten Konzerte des Jahres! Und mir ist gestern auch endlich aufgefallen, welchen Regeln die folgen: die besten Konzerte, die ich sehe, spielen Bands, für die gilt:

  • sie stammt aus einem Land, das schon Curling-Weltmeister war oder
  • in dem es freilebende Flußpferde gibt oder
  • ihre Sängerin heißt Katie

Testet das. Es funktioniert!

Setlist Malajube, Gebäude 9, Köln:

01: Ursuline
02: Porté disparu
03: Casablanca
04: Casse-cou
05: 333
06: Fille à plumes
07: Etienne d'août
08: Collemboles
09: Pâte filo
10: Montréal -40°C
11: Le crabe
12: La maladie
13: Christobald

14: Luna (Z)
15: La monogamie (Z)
16: Le robot sexy (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Malajube, Berlin, 20.09.07
- Malajube, Köln, 11.09.07
- Malajube, Frankfurt, 06.08.07
- Malajube, Haldern, 04.08.07
- Malajube, Paris, 10.05.07
- Malajube, Paris, 21.03.07
- mehr Fotos aus dem Gebäude 9

Ausgewählte Tourtermine von Malajube:

14.05.09 Vera, Groningen
15.05.09 Merelyn, Nijmegen
16.05.09 Tivoli Oudegracht, Utrecht
19.05.09 Point Ephemère, Paris
22.05.09 B72, Wien
23.05.09 Seewiesenfest, Kleinreifling
24.05.09 Orange House/Feierwerk, München
26.05.09 Gleiss 22, Münster
27.05.09 Magnet, Berlin
28.05.09 Muz Club, Nürnberg
29.05.09 Sinkkasten, Frankfurt a.M.
30.05.09 Jubez, Karlsruhe
31.05.09 Paradiso, Amsterdam
(Quelle: myspace-Seite der Band)

* alle aus der wichtigen Kategorie Indietratsch



Freitag, 21. September 2007

Malajube, Berlin, 20.09.07

10 Kommentare

Konzert: Malajube (City Slang Night auf der PopKomm)

Ort: Fritz Club im Postbahnhof, Berlin
Datum: 20.09.2007
Zuschauer: sehr viele


Eigentlich sollte die PopKomm bei mir folgendes Motto haben: "Keine Los Campesinos!, kein Christoph." Die walisische Sensationsband war nämlich der Hauptgrund, ein Ticket für den City Slang Labelabend im Postbahnhof zu kaufen. Die Stars und Malajube waren zwar auch angesetzt, hätten mich aber nicht extra nach Berlin gelockt. Los Campesinos! sind allerdings leider mit den Arbeiten an ihrer Platte nicht fertig geworden und arbeiten weiter in Kanada, statt nach Berlin zu kommen. Um noch kräftig Salz in die Wunden zu kippen, hatten die Veranstalter auf einer Leinwand Videos der Bands des Labels laufen lassen. Da lief dann auch "We throw parties, you throw knives", na toll!

Malajube und die Stars an einem Abend sind ja auch nicht so schlecht...

Vor Malajube traten allerdings noch zwei andere Bands auf: Ein Kanadier namens Gentleman Reg, der als Los Campesinos! Ersatz gebucht worden war. Das war eine schöne Idee, die allerdings nicht funktioniert hat, ich fand Gentleman Reg wenig
berauschend.

Nächste Band war Caribou, wobei Band falsch ist, denn
Caribou ist der Projektname des kanadischen Musikers und Doktors der Mathematik Daniel V. Snaith. Live wird Snaith aber von einer Band begleitet, heute standen drei Musiker mit ihm auf der Bühne. Die Musik der Band war sehr ungewöhnlich, schon der Bühnenaufbau war komisch: Vorne standen zwei Schlagzeuge, die bei einigen Liedern auch von zwei Drummern gespielt wurden. Die Lieder waren recht experimentell, erinnerten mich anfangs ein wenig an Battles, das paßt ja auch, schließlich wird deren Stil ja oft als Math Rock bezeichnet. Später wurden die Lieder dann etwas popiger, sogar mit Gesang. Das war interessant, hat mich aber nicht richtig überzeugt.

Im großen Saal begann dann ohne große Pause mein
erstes Highlight: Malajube aus Montreal. Was soll ich über eine Band schreiben, die ich in den letzten zwei Monaten bereits dreimal gesehen habe? Vielleicht, daß auch das vierte Mal hochgradig originell und faszinierend war? Oder daß Sänger Julien diesmal keine Wollmütze und keine Stirnband sondern eine Kaputze auf dem Kopf hatte? Keyboarder Thomas wohl viele identische rote T-Shirts hat, denn er trug wieder eines?

Auch wenn ich mich also wiederhole: Auch diesmal waren Malajube wahnsinnig gut! Die Band spielte zwar nur sieben Stücke, darunter wie schon in Köln das vollkommen brillante Instrumentalstück, das vermutlich "Contrôle" heißt und "Pirate d'Hochelaga", das auch bisher unveröffentlich ist. Die anderen fünf Lieder waren perfekt wie immer, leider spielten die Kanadier bei diesem Showcase keine Stücke von ihrer ersten CD, die mit jedem Hören besser wird.

Ich finde bei Malajube toll, wie präzise die Band spielt, vor allem dann, wenn es
schnell und wild wird, Thomas tief über seinem Keyboard hängt und heftig drauf haut, der Schlagzeuger (mit Manowar* T-Shirt) mit fliegender Mähne an den Hund der Muppet Show erinnert (das ist treffender als der Vergleich mit Muppet Show Tier), der Bassist und zweite Gitarrist wippend, Julien auf der Bühne sitzend spielen. Diesmal saß der Sänger nicht nur, er lag sogar eine Weile Gitarre spielend auf der Bühne. Thomas erklärte das damit, daß die Tour damit zu Ende sei und Julien vermutlich müde sei.

Schade, daß ich damit Malajube wohl eine Weile nicht sehen werde, ich hätte nämlich
jetzt schon wieder Lust auf die Band!

Setlist Malajube PopKomm:

01: Etienne d'août
02: Pâte filo
03: Montréal -40° C
04: Contrôle (?) (instrumental)
05: La monogamie
06: Casse-cou
07: Pirate d'Hochelaga

Links:

- Malajube in Paris im März 07
- bei den Inrocks in Paris
- Malajube auf dem Haldern-Festival
- und im August im Cooky's in Frankfurt
- sowie im September in Köln
- mehr Fotos

* nein, Christina hat natürlich recht, er trug ein Menomena T-Shirt!





Mittwoch, 12. September 2007

Malajube, Köln, 11.09.07

2 Kommentare

Konzert: Malajube

Ort: Studio 672 Köln
Datum: 11.09.2007
Zuschauer: unter 100


Daß Malajube aus Montreal zu den Lieblingsgruppen dieses Blogs gehören, können wir sicher nicht verbergen, schließlich haben wir die Kanadier seit März jetzt bereits fünfmal gesehen. Glänzende Festivalauftritte in diesem Sommer haben die Band in Deutschland sicher bekannter gemacht, leider aber nicht bekannt genug, um das Studio 672 an einem Dienstag auszuverkaufen. Das ist hoffentlich in Berlin am kommenden Donnerstag besser, denn da treten die Québecer im Rahmen der City Slang Nacht bei der PopKomm im Fritz Club am Postbahnhof auf (gemeinsam mit unseren anderen Lieblingen Los Campesinos! und Stars).

Voll war es also leider bei weitem nicht in dem kleinen Club, der im Keller des Stadtgartens untergebracht ist. Kurz nach nach halb zehn begannen die fünf Malajubes ihr Set - wie üblich mit einem Instrumental-Intro. Das nächste Lied
schon, "Etienne d'août", einer meiner Lieblinge", ist ganz typisch für die Musik der Band. Das Stück fängt langsam an, wird von einer Keyboard-Melodie beherrscht und dann im Verlauf immer lauter und rockiger, dazu die Gesangsparts von Sänger Julien und Keyboarder Thomas.

Julien hat in seiner Kindheit vermutlich nie Wollmützen tragen müssen. Anders ist es für mich nicht zu erklären, daß er auch in der Hitze des Studio 672 eine dicke Mütze trug, die so weit über die Augen gezogen war, daß er außer nach unten an der Nase vorbei wirklich nichts sehen konnte. Aber erkennen mußte er wohl auch nichts, denn all seine
Gitarrenparts saßen so präzise, die Gesangseinlagen paßten genau, überhaupt spielt die Band live so perfekt, obwohl einiges auch immer wieder improvisiert wirkt. Die meisten Lieder werden von zwei Keyboards getragen. Neben Thomas spielt Renaud das zweite Keyboard, bei einigen Liedern übernimmt er aber auch den Part der zweiten Gitarre. Bassist Mathieu wirkt auf mich eher zurückhaltend, während Schlagzeuger Francis wie von der Tarantel gestochen und mit fliegenden Haaren auf seine Trommeln einprügelt - zumindest in den späten, lauten Phasen der Lieder.

Obwohl die erste Platte der Kanadier ("Le compte complet") viele großartige Lieder enthält, spielten Malajube erst nur neuere Sachen. Fest im Programm scheint dabei
"Pirate d'Hochelaga" (Hochelaga war eine Siedlung der St. Lawrence Irokesen in der Nähe des heutigen Montreal). Ein weiteres nicht von "Trompe-l’œil" stammendes Lied war ein Instrumentalstück, daß ich nicht genau einordnen kann. Ich vermute, daß es "Contrôle" heißt und auch in Haldern gespielt wurde. Der Rest des regulären Sets bestand aus den Hits des zweiten Albums, z.B. "Pâte filo", das erst verspielt beginnt (als liefe eine Spieluhr), dann aber immer komplexer wird, "Le crab" mit donnernden (und vielen) Gitarren, "Montréal -40° C", der Überhit, wobei das unfair ist, denn die gespielten Lieder nehmen sich nichts in Brillanz und Komplexität.

Obwohl das Publikum am Anfang sehr verhalten war (es gab keine Reaktionen auf die ersten Versuche der Band, mit uns zu reden "you understand english?"), änderte sich das sehr schnell. Nach ganz kurzer Zeit waren die Zuhörer hin und weg (auch wenn ein paar mit dem Hinweis, mittwochs nicht ausschlafen zu können, nach wenigen Liedern wieder gingen... hmmm....).

"Pirate de Dingsbums" beendete das Set. Die Band verschwand durch die Bar in den Backstagebereich (das erinnerte mich ans Cooky's), kam aber ohne viel Verzögerung
zur Zugabe wieder. Sie spielten da die ersten Lieder ihres ersten Albums "Le métronome" und "Le robot sexy". Auch das war natürlich toll, obwohl mir das zweite Album besser gefällt. Julien saß übrigens dabei immer häufiger auf dem Bühnenboden und spielte sitzend weiter. Der sexy Roboter sollte wohl auch den Abend beenden. Die wenigen Zuschauer machten aber Lärm wie die erste Reihe eines Tokio Hotel Konzerts, so daß Malajube sichtbar überrascht noch einmal wiederkamen. Julien hatte sein verschwitztes T-Shirt schon backstage ausgezogen und kam nur mit Handtuch über den Schultern zurück. Naja, nicht ganz. Die Wollmütze hatte er natürlich aufbehalten. Seine Kollegen hatten ihre Shirts zwar noch an, legten die - vermutlich um ihren Sänger nicht alleine doof dastehen zu lassen - auch ihre Hemdchen ab und spielten das angeblich letzte Lied, das sie spielen könnten ("La Valérie"), das in "La conclusion", des Instrumentalende von "Le compte complet".

Malajube ist eine sensationelle Band, für mich die mit Abstand beste kanadische Band ohne weibliches Mitglied! Die komplex aufgebauten Lieder machen das Hören auch nicht langweilig, ganz im Gegenteil, ich freue mich irre auf kommenden Donnerstag in Berlin!

Setlist Malajube Köln:

01: Intro
02: Etienne d'août
03: Pâte filo
04: Montréal -40° C
05: Casse-cou
06: Le crabe
07: Contrôle (?) (instrumental)
08: La monogamie
09: Fille à plumes
10: Pirate d'Hochelaga

11: Le métronome (Z)
12: Le robot sexy (Z)

13: La Valérie (Z)
14: La conclusion (Z)

Links:

- Malajube in Paris im März 07
- bei den Inrocks in Paris
- Malajube auf dem Haldern-Festival
- und im August im Cooky's in Frankfurt
- mehr Fotos



Mittwoch, 8. August 2007

Malajube, Haldern, 04.08.07

2 Kommentare

Konzert: Malajube

Ort: Rees-Haldern (Haldern-Pop Festival)
Datum: 04.08.2007
Zuschauer: viele


Malajube können sich ja wirklich nicht über mangelnde Aufmerksamkeit unsererseits beklagen. Schließlich haben wir bereits drei mal über die Kanadier berichtet, dies hier wird dann die vierte Konzertreview sein.

Da kann man sich natürlich fragen, was wir an den vier leicht chaotisch wirkenden Typen so toll finden. Nun, vielleicht sollte man das Win Butler und Regine Chassagne von Arcade Fire fragen. Die haben die Newcomer nämlich persönlich ausgewählt, um sie auf ihrer Europa-Tournee zu begleiten. Vor ein paar Monaten, als Arcade Fire im Pariser Olympia ein rauschendes Konzert gaben, hatte ich Malajube noch verpasst und bekam nur die ebenfalls ausgezeichnete zweite Vorgruppe Electrelane mit. Schon einen Tag später konnte ich aber dieses Versäumnis nachholen und sah Julien Mineau (Gesang, Gitarre), Thomas Augustin (Keyboard, Gesang), Mathieu Cournoyer (Bass) und Francis Mineau (Drums) zum ersten Mal live. Die Spielfreude und Kreativität der Band hatte einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, so daß ich beschloss, sie noch öfter zu erleben...

Heute also mein erstes Konzert mit Malajube auf deutschem Boden und dies ausgerechnet bei einem meiner Lieblingsfestivals in Haldern. Würden sie auch hier in ihrem herrlichen Québecer Akzent französisch reden? Oder alles ins Englische übersetzen, vielleicht gar deutsch reden? - Nun, letzlich sprachen sie alle drei Sprachen gleichzeitig, wenn sie Ansagen machten, im Deutschen beschränkte sich dies allerdings logischerweise auf Hallo und Danke, oder ähnliche Wortfetzen...

Der Gesang allerdings war selbstverständlich rein französisch. Eigentlich gar nicht so leicht in dieser Sprache international zu reüssieren, aber bei Malajube scheinen Sprachbarrieren kein Hindernis zu sein, im Gegenteil, das Französische trägt nicht unwesentlich zum Charme des Quartetts bei.

So auch heute wieder, wenn sie in dem fabelhaften Lied "Montréal -40° C" über ihre Heimatstadt singen und Schimpfwörter wie "putain", (übersetzt eigentlich Nutte, wird aber ähnlich dem deutschen Wort "Scheiße" verwendet) oder "fait chier" (sinngemäß: das kotzt mich an) raushauen, ohne daß ihnen jemand dies übel nehmen könnte. Gäbe aber auch keinen Grund dafür, schließlich benutzt jeder Franzose diese Wörter bis zu hundert mal am Tag...

Schelme sind sie also, diese gutaussehenden Burschen, allen voran Sänger Julien Mineau, der heute ein Stirnband trug, das so cool war, daß Tennisspieler wie Roger Federer ihm gegenüber blaß aussehen würden. Hat natürlich auch irgendwas vom Charme der Eighties, als Stirnbänder total hip waren. Aber auch musikalisch gibt es gewisse Parallelen zu diesem Jahrzent, dem man zu Recht oder Unrecht Geschmacklosigkeit vorwurft. Was Maljube so machen, hat aber mit Geschmacklosigkeit nicht viel zu tun, selbst wenn sie manchmal ihrem ansonsten knackigem Rock eine gehörige Portion Zucker beimischen, so daß dann nur haarscharf an der Kitschgrenze vorbeigeschrammt wird. Auch heute gaben sie es den Leuten wieder süß-sauer, gerade wenn man zum sinnlichen Gesang von Julien ein wenig schmachten wollte, heulten urplötzlich schrägste Gitarren auf und Mitsänger Thomas schrie wie am Spieß. Ich amüsierte mich hierbei gewohnt köstlich...

Höhepunkte waren neben dem bereits erwähnten "Montréal -40° C", das glänzende "Pâte Filo", "La Monogamie" und das kurz vor Schluß gebrachte Etienne d'Aout. Mit dem abschließenden "Pirate" setzten sie dann dem kurzweiligen Gig ein Ende und weckten damit bereits die Vorfreude auf das Konzert im Frankfurter Cooky's.

Setlist Malajube Haldern-Pop:

01: Casse-Cou
02: Le Crabe
03: Montréal -40° C
04: Pâte Filo
05: Le Métronome
06: La Monogamie
07: Controle
08: Etienne D'Âout
09: Pirate

Links:

- Malajube in Frankfurt
- Malajube in Paris
- Malajube auch in Paris
- Bilder aus Haldern
- mehr Bilder aus Haldern
- und weitere Bilder aus Haldern



Dienstag, 7. August 2007

Malajube, Frankfurt, 06.08.07

8 Kommentare

Konzert: Malajube

Ort: Cooky's Frankfurt
Datum: 06.08.2007
Zuschauer: keine 60

"By the way: Thank you! Thank you for coming in such great numbers", überbrückte Malajube Keyboarder Thomas eine Gitarrenstimmpause seines Kollegen Julien, und das schien mir eher Zeitgewinnfloskel als Zynismus zu sein. Schlagzeuger Francis fragte auch gleich verwundert "Great numbers?" Viele waren nicht gekommen, um die hochgelobten Kanadier im Cooky's zu sehen. Ohne die Leute, die auf Gästelisten standen, waren vielleicht 40 Zuschauer da. Dabei sollte man meinen, daß sich im Rhein-Main-Gebiet selbst an einem Montagabend mehr Leute für eine wirklich sehr spektakuläre Band interessieren. Zumal das Cooky's der perfekte Ort für solch ein Konzert ist. Es fanden sich nicht mehr, das war verdammt schade, machte den Auftritt der Kanadier aber keinen Deut schlechter.

Zwei Tage vorher hatten wir Malajube in Haldern gesehen. Das Konzert da war klasse. In einem kleinen, dunklen Club wirkt die Musik (sie bezeichnen sich bei myspace als "progressive, grindcore jam band") aber natürlich viel direkter
(wunderschöne Musikjournalisten Floskel, juchuuu!). Die Minibühne im Cooky's bot wieder kaum genug Platz für die fünf Musiker und ihre zahlreichen Instrumente (eines der Keyboards war schon in der angrenzenden Sitzecke untergebracht) und nachdem Julien uns aufgefordert hatte, näherzukommen, standen einige Zuschauer fast näher an den Instrumenten als die Bandmitglieder. Das macht das Cooky's zu einem meiner absoluten Lieblingsorte für Konzerte!

Los ging es schon ziemlich ungewöhnlich. Die Hintergrundmusik (die immer sehr hörenswert ist) lief noch, es schien, als stimmten die Québecer ihre Instrumente, allerdings schon vollkommen aufeinander abgestimmt. Dann wurde
die Musik vom Band leiser und Malajube spielten ihr Intro weiter. Das war schon mal ein echter Genuß! Um dann gar nicht erst Zweifel aufkommen zu lassen, daß das Konzert die bessere Abendgestaltung als der DFB Pokal war, folgten mit "Etienne d'août", dem Knaller "Montréal -40° C" und "Pâte filo" gleich drei riesige Hits.

A propos "Montréal -40° C": Von -40° war der Club so weit
entfernt wie von ausverkauft. Julien trug aber trotzdem eine ausgewachsene Woll-Pudelmütze. Und war barfuß... Vermutlich wollte er einfach nicht überhitzen...

Die Musik der Kanadier zu beschreiben fällt mir ziemlich schwer (ihnen ja offenbar
auch, "progressive, grindcore jam", sag ich nur). Viel des besonderen Charakters macht Juliens Stimme aus, die ähnlich wie die von Polarkreis' Felix klingt. Dazu kommen mal zarte, mal extrem krachende Passagen, tolle Keyboards und ein gestern wahnsinnig intensives Schlagzeug. Die Melodien sind phänomenal, auch wenn Malajube, wie hier im Cooky's viel lauter und heftiger spielen, als noch in Haldern.

Ich mag sonst nichts besonders hervorheben, die Lieder sind alle toll. Von den 13 gespielten Stücken stammten sieben vom aktuellen Album und fünf vom Debüt. "Pirate" war wohl neu. Nachdem sie uns eineinviertel Stunden zugekracht (im guten Sinne des Wortes) haben, war die Themenwoche "Tolle Haldern-Bands im Cooky's" leider beendet. Die Frankfurter Indiehörer, die nicht da waren, haben zwar heute kein Summen in den Ohren aber wirklich etwas verpasst.

Setlist Malajube Frankfurt:

00: Intro
01: Etienne d'août
02: Montréal -40° C
03: Pâte filo
04: Le métronome
05: La monogamie
06: Le crabe
07: Casse-cou
08: Fille à plumes
09: Pirate (neu?)
10: La Valérie
11: La conclusion

12: La maladie (Z)
13: Le jus de citron (Z)

Links:

- Malajube in Haldern (folgt)
- (kaum) mehr Fotos
- Malajube in Paris
- Malajube nochmal in Paris


Samstag, 12. Mai 2007

Second Sex, Adam Kesher, Malajube, Paris, 10.05.07

2 Kommentare

Konzertbericht "Le printemps des Inrocks" mit Second Sex, Adam Kesher, Malajube
Datum: 10.05. 2007
Ort: Le Cabaret Sauvage, Paris
Zuschauer: wahrscheinlich ausverkauft

Wie angekündigt, hier nun im Folgenden die Schilderung der Ereignisse, die sich vor dem glänzenden Auftritt von Interpol im Spiegelzelt des Cabaret Sauvage abgespielt haben.

Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten erschien ich heute sehr frühzeitig, denn ich wollte mir den Auftritt der frühangesetzten Pariser Jungspunde von Second Sex nicht entgehen lassen.

Als ich gegen 19 Uhr 30 das wunderschöne Zelt betrat, waren die Stehplätze vor der Bühne noch äußerst spärlich besetzt, die meisten Zuschauer zogen es vor, sich auf den Stühlen auf der vorhandenen Terrasse in der Abendsonne zu aalen, oder noch einen Happen zu essen, was im Cabaret Sauvage möglich ist. So konnte ich problemlos zirkulieren und in Ruhe meine Photos von Second Sex schiessen. Photogen sind sie ja zweifelsohne, die vier jungen Burschen Sacha, Tim, Vincent und Sänger Arthur. Wenn man die Bildergalerie ihrer MySpace-Seite besucht, stößt man auf so manchen anhimmelnden Kommentar junger Mädchen. "Ich will ein Kind von Dir", "Mann, bist du sexy" und Ähnliches kann man da lesen. Das ruft natürlich gleich auch Kritiker (Neider?) auf den Plan, die versuchen, junge Pariser Bands wie Second Sex, Naast, Les Shades, The Parisians, oder Plasticine zu demontieren. Ein paar Idioten haben allen Ernstes "Anti-MySpace Profile" erstellt, so gibt es zum Beispiel eine Anti-Plasticine- oder Naast-Seite. Die Feiglinge, die dahinter stecken, bleiben meist anonym, oder kommen auf solch tolle Ideen, wie das Sabotieren von Auftritten in örtlichen Fnac-Läden. Das finde ich sehr schade und armselig! Natürlich handelt es sich nicht bei jeder jungen Pariser Garagenband um die neuen Libertines, aber man sollte diesen Teenagern, die oft noch zur Schule gehen, doch die Aufmerksamkeit lassen, die sie von Magazinen wie Rock & Folk (und neuerdings sogar dem NME, der der Pariser Szene einen ausführlichen Artikel widmete) bekommen. Wie sagt der Kölner so schön: "man muss auch jönne könne".

Ohne diese Voreingenommenheit hörte ich mir also das Set der "Weiberhelden" an und ich muss sagen, dass ich mich keine Sekunde gelangweilt habe. Second Sex gaben von Anfang bis Ende Vollgas und sie haben mit "Lick my Boots" sogar einen richtigen kleinen Garagenrock Hit! Sie singen übrigens abwechselnd englisch und französich, man stößt in der Setlist folglich auf Titel wie "I'm ready", oder "Fille Facile". Lohn dieser Mühe: die Babyrocker dürfen im Juli in Monaco für Muse eröffnen! Das wird bestimmt eine ganz tolle Erfahrung für sie.

Setlist Second Sex:

01: Le Monde Est Silencieux
02: Love's Gone Bad
03: I'm Ready
04: Hitch Hiker
05: Don't Know Why
06: Dis-Moi Qui Je Suis
07: Television
08: Tramp
09: Marylin
10: Mon Autre Coté
11: Fille Facile
12: Lick My Boots
13: Fin Tim

Nach kurzem Umbau folgte dann der Auftritt von Adam Kesher aus Bordeaux. Kein Sänger im Übrigen, sondern eine mehrköpfige Band, die die im Moment so angesagte Mischung aus New Wave und Elektrorock spielt. Wavige Gitarren und Bassläufe wechseln sich ab mit elektronischen Parts und rhythmischen Kuhglocken. Stilistisch sind sie somit nicht weit von Bands wie den Klaxons, LCD Soundsytem, oder The Rapture entfernt, sie selbst bezeichen u.a. Daft Punk, die Gang of Four und Joy Divison als Einflüsse. Hinzu kommt aber auch noch der "Schreihals-Faktor" wie bei The Automatic, oder den Blood Brothers. Kein Wunder, in der Liste ihrer Influences finden sich auch At the Drive-In.

Gespielt wurden Songs von ihrer EP "Modern Times", z.B. "Pedro Panama" oder "Where's my place. Das war alles in allem kurzweilig und flott, berührte mich aber aufgrund des elektronischen Charakters der Musik nicht hundertprozentig. Dies ändert aber nichts daran, dass man es hier mit einer spannenden, innovativen Band zu tun hat.

Adam Kesher Konzertermine Deutschland:

06.06.2007: Köln (Tsunami)
07.06.2007: Hamburg (Grüner Jäger)
09.06.2007: Berlin (Vice Party)

Mehr Emotionen, ja fast Kitsch bekam das Publikum dann im Anschluss von den Kanadiern Malajube geboten. Die fünfköpfige Band bezeichnet ihren Stil selbst als Progressive/Grindchor/Jam Band. Ihr merkt schon: eine ganz seltsame Mischung! Hört sich aber in meinen Ohren richtig gut an, denn die Band um Sänger Julien Minneau schafft es, schöne Melodien mit krachenden Gitarrenriffs zu verbinden. Die Texte sind ausschliesslich auf französisch, aber gewürzt mit diesem unglaublichen Akzent aus Quebec, wo sie herkommen. Genau wie Arcade Fire im Übrigen, für die sie im Vorprogramm der Tournee schon spielen durften. Ich sah Malajube heute zum zweiten Mal und wurde wieder köstlich amüsiert. Ihr Set garnieren sie immer mit lustigen Ansagen und Kommentaren, so empfahlen sie z.B. dem Publikum, lieb zu den Eltern zu sein und die Finger von den Drogen zu lassen, dass Zeug sei mit zuviel Chemie gestreckt.

Gebracht wurden Lieder von ihrem neuen Album "Trompe-l'oeil", aber auch vom Debüt "Le compte complet". Besucht mal bei Interesse ihre Homepage, dort finden sich die Lieder "Montréal-40" und "Le Metronome" zum freien Download!

Malajube, bald auch in Deutschland und der Schweiz:

02.06.2007: Immergut Festival
04.08.2007: Haldern-Pop Festival
05.08.2007: Zürich
06.08.2007: Frankfurt

von Oliver



Freitag, 23. März 2007

Malajube, Paris, 21.03.07

6 Kommentare
Konzertbericht Malajube
Datum: 21.03.2007
Ort: La Flèche d'or, Paris
Zuschauer: wie immer sehr voll

Gestern hatte ich ja in meiner Lobeshymne auf Arcade Fire angekündigt, daß ich auch die erste Vorgruppe Malajube noch einmal unter die Lupe nehmen werde. Ich habe Wort gehalten und es hat sich gelohnt!

Es war zwar schwer, von der Wolke runterzukommen, auf die mich Arcade Fire gebeamt hatten, aber es muß ja schließlich auch ein Konzertleben nach dem 20.03. stattfinden...

Als ich gegen 22 Uhr in der Flèche d'or ankam, spielten aber zunächst die Franzosen von Bikini Machine. Das war nicht ganz mein Ding, vor allem wegen des Glam-Einschlags in ihrem ansonsten elektro-rockigen Set. Deshalb ging ich erst einmal einen Kebap essen, ich hatte ja noch genug Zeit bis zum Auftritt der Kanadier Malajube, die erst um 23 Uhr 30 angesetzt waren. Der Döner war bestimmt nicht gut für meine Figur und schon gar nicht für meinen Atem, aber ich wollte ja kein Mädchen mehr küssen...(obwohl)

Zurück in dem szenigen Laden stieg dann irgendwann ein junger Typ mit schwarzer Mütze und Arcade Fire T-Shirt durch den roten (aber noch geschlossenen) Vorhang hindurch und gab Bescheid, daß es gleich losgehe. Zum Glück, ich hatte schon keine Geduld mehr!

Zu den Songtiteln kann ich leider nichts sagen, da ich vorher von der Band noch nichts kannte, ich habe mir aber heute mal ihre allererste CD "Le compte complet" von 2004 gekauft, die in Quebec schon für Furore sorgte. Den großen internationalen Durchbruch will das Quintett nun mit dem neuen Album "Trompe l'oeil" schaffen, welches im Mai 2007 in Europa erscheinen soll. An den Albumtiteln könnt ihr schon unschwer erkennen, daß sie auf französisch singen, aber natürlich mit einem starken kanadischen Akzent.

Den Musikstil könnte man als Punk-Pop bezeichnen, mal härter und dann eher Punk, aber ab und an auch ziemlich gezuckert und dann nahe an der Kitschgrenze. Originell und sehr unterhaltsam sind sie aber auf jede Fälle, allein schon ihr Äußeres ist witzig. Einer der Typen trug ein Stirnband mit der Aufschrift "Paris", um sein Haar zu bändigen, der Sänger wie erwähnt eine schwarze Mütze und ein Dritter eine Militärkappe.

Ein verrückter Haufen also, der von Kritikern schon mit allerlei Lob überschüttet wurde.

Arcade Fire hatten also recht, sie in ihr Vorprogramm aufzunehmen. Am 23.03. spielen sie übrigens in Berlin, schaut sie Euch an!

von Oliver



 

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