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02:14
Konzert: The Gossip & Wet Dog
Ort: Cooky's, Frankfurt
Datum: 28.08.2007
Zuschauer: restlos ausverkauft
Von The Gossip habe ich vor zwei, drei Jahren zum ersten Mal gehört. Das Lied, das ich da im Radio gehört habe, klang gut, ich habe der Band aber nicht mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Bis The Gossip bekannter wurde, verging auch noch etwas Zeit, spätestens seit der Veröffentlichung des aktuellen Albums "Standing in the way of control" 2006, das Nummer eins der Indie Charts in Großbritannien war, sind Beth Ditto und Kollegen einer größeren Öffentlichkeit ein Begriff. Vorläufiger Höhepunkt dabei war sicher, daß Frontfrau Beth es aufs Cover des NME geschafft hat - nackt...*
Vor ihrem Ruf, sich bei Konzerten gerne mal bis auf die Unterwäsche auszuziehen, hatte ich wirklich ein wenig Angst. Das Cooky's, vor allem wenn es knackvoll ist, bietet so wenig Fluchtmöglichkeiten. Daß es voll würde, hatte ich vorher geahnt. The Gossip sind eben gerade sehr hypig, da war das kein Wunder. Ein riesiges Gedränge
vor dem Cooky's hatte ich bisher aber noch nicht erlebt, auch keine Leute, die noch verzweifelt nach Karten suchen. All das gab es diesmal.
An der Merchandising-Garderobe sah ich, daß es eine Vorgruppe namens Wet Dog geben sollte, kein furchtbar verlockender Name. Wet Dog sind drei Frauen aus England, die eigentlich gar nicht richtig nach Band aussahen. Vor allem aber nicht nach einer Band, die wie
ein frühes, rohes Demotape von Siouxsie & the Banshees klingt. Die Stimme von Sängerin und Gitarristin Rivka Gillieron war leider für meinen Geschmack zu leise, darunter litt der Auftritt ein wenig. Interessant war die Musik auf alle Fälle, es gab plötzliche Rhythmuswechsel und es war mächtig punkig. Nur sahen die drei Frauen eben nicht so richtig nach Punkmusikerinnen aus. Sängerin Rivka trug einen schwarzen Hosenanzug und eine Gitarre, die aussah, als sei sie selbstgebastelt und Schlagzeugerin Sarah Datblygu ein türkisfarbenes Kleid.
Nur Bassistin Sophie Politowicz (das ist ein Künstlername, oder?) sah mit ihrem Shirt mit aufgedruckten Schlagzeugen eher nach Musikerin als nach Publikum aus.
Wet Dog sind gar nicht so neu und unbekannt. Frühpunk Vic Godard war so angetan von Rivka und Sophie, daß er sie in seine wiederbelebte Band Subway Sect, die ursprünglich im Taumel der ersten Sex Pistols Konzerte gegründet worden war, aufnahm. Warum er dabei Sarah übersah, kann ich mir nicht erklären. Die Schlagzeugerin war alleine deshalb schon sehenswert, weil sie ihre
Trommeln wie ein Spielzeug-Roboter bediente. Eine solch lustige Technik habe ich bisher noch nicht gesehen. Sophie war auch nicht die, die die Stücke anspielte, das übernahmen Bass und Gitarre, das Schlagzeug stieg dann ins laufende Lied ein.
Während des folgenden kurzen Umbaus zog schon Beths Hofstaat über die Bühne in eine kleine, direkt an die Bühne angrenzende Sitzecke. Das sah so ein wenig nach englischem
Junggesellenabschied aus. Die drei Gossips, die dann die Bühne betraten, sind schon etwas fürs Auge. Sängerin Beth trug ein weitausgeschnittenes Glitzerding, das wohl strenggenommen ein Kleid war. Schlagzeugerin Hannah Blilie (die Schwester eines Sängers der Blood Brothers) trägt viele lustige Tattoos auf den Armen und Gitarrist und Bassist Brace Paine eine sehr abgefahrene Brille.
Die drei machten von Beginn an klar, was uns erwarten sollte: Es wurde schrill, laut, verschwitzt, eng - aber toll. Die Musik der Band ist Punkpop und lebt zusätzlich von Beths souliger Stimme. Und diese Stimme funktioniert auch live ganz ausgezeichnet. Obwohl die Sängerin eine irre Show ablieferte und jeden Zentimeter der Mini-Bühne nutzte (anfangs), merkte man der Stimme an, daß sie etwas
taugt. Da schadeten auch die großzügig gefüllten Whisky-Gläser nicht, die Beth schnell kippte und lautstark nachorderte. "I am so drunk", teilte sie uns mehrfach mit. Sie erzählte aber auch sonst einiges. Eine ihrer in der "Lounge", also dieser Sitzecke, hockenden Freundinnen z.B. sei "always horny", sie selbst sehr stolz, gay zu sein. Dann erzählte sie von ihren Deutschkenntnissen, sie könne schließlich bis zehn zählen, auf Deutsch und Englisch und fragte dauernd, was
irgendetwas auf Deutsch heiße - sehr redselig die Dame.
Aus musikalischer Sicht war der Abend ohnehin ein Kracher. Auch die unbekannteren Stücke erzeugen prima Stimmung, das täten sie auch, wenn sie von einer weniger extrovertierten Band vorgetragen würden. Es ist also nicht bloß die Hülle, die The Gossip zu einer guten Liveband macht. Nach drei eigenen Liedern folgte mit "Careless
whisper" ein grandioses Wham-Cover! Das war auch mehr als eine Verlegenheitslösung, weil die Band ein zu kleines Repertoire hätte. Es war ein wirklich großer Hit! Später folgte noch ein Aaliyah-Cover, das bei mir nicht den gleichen Eindruck hinterlassen hat. Aber insgesamt ist das Set hochgradig unterhaltsam, die Punkpop-Version von guter Partymusik und vor allem durch die Stimme von Beth originell. Nach "Jason's
basement" folgte ein gleich am Anfang versprochenes "Kinderlied", das sie extra einstudiert habe. "Fleisch und Milch", wohl die eingedeutschte Version eines amerikanischen Kinderlieds. Beth hatte damit so viel Spaß, daß sie in der Folge immer mal wieder "Fleisch und Milch" anstimmte.
Mit steigendem Alkoholpegel stieg auch Beths Tatendrang. Irgendwann war das kleine Persönchen aus dem Blickfeld der meisten verschwunden und tauchte hinter der Bar wieder auf, ohne allerdings mit dem Singen aufzuhören. Dann nahm sie jemanden aus dem Publikum hoch, hob die Person auf
die Hände der anderen zum Crowdsurfen! Kein Witz! Eine Frau in der ersten Reihe hatte das zweifelhafte Vergnügen, von ihr an ihre verschwitzte Brust gedrückt zu werden. Vermutlich guckte die Frau daneben etwas irritiert, Beth fragte sie dann nämlich, ob sie die Freundin sei - und drückte sie auch an die Brust...
Nach einer Zugabe ("Listen up") war das Spektakel leider um halb zwölf beendet. Das Kleid war angeblieben, auch wenn es bei einigen Hüpfeinlagen von Beth bedrohlich weit hochrutschte. Ich glaube sicher, daß das Cooky's gestern der Ort in Frankfurt war, an dem man sein mußte. Sehr schade für die, die vor der Tür standen und keine Karte mehr bekommen haben.
Setlist The Gossip Cooky's Frankfurt
01: Eyes open
02: Yr magled heart
03: Fire sign
04: Careless whisper (Wham-Cover)
05: Coal to diamonds
06: Jealous girls
07: Swing low
08: Are you that somebody (Aaliyah-Cover)
09: Jason's basement
10: Keeping you alive
11: Yesterday's news
12: Standing in the way of control
13: Listen up (Z)
* grandioser ist aber das Cover-Cover von Art Bruts Eddie Argos
Links:
- mehr Fotos
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07:02
Konzert: Malajube
Ort: Cooky's Frankfurt
Datum: 06.08.2007
Zuschauer: keine 60
"By the way: Thank you! Thank you for coming in such great numbers", überbrückte Malajube Keyboarder Thomas eine Gitarrenstimmpause seines Kollegen Julien, und das schien mir eher Zeitgewinnfloskel als Zynismus zu sein. Schlagzeuger Francis fragte auch gleich verwundert "Great numbers?" Viele waren nicht gekommen, um die hochgelobten Kanadier im Cooky's zu sehen. Ohne die Leute, die auf Gästelisten standen, waren vielleicht 40 Zuschauer da. Dabei sollte man meinen, daß sich im Rhein-Main-Gebiet selbst an einem Montagabend mehr Leute für eine wirklich sehr spektakuläre Band interessieren. Zumal das Cooky's der perfekte Ort für solch ein Konzert ist. Es fanden sich nicht mehr, das war verdammt schade, machte den Auftritt der Kanadier aber keinen Deut schlechter.
Zwei Tage vorher hatten wir Malajube in Haldern gesehen. Das Konzert da war klasse. In einem kleinen, dunklen Club wirkt die Musik (sie bezeichnen sich bei myspace als "progressive, grindcore jam band") aber natürlich viel direkter
(wunderschöne Musikjournalisten Floskel, juchuuu!). Die Minibühne im Cooky's bot wieder kaum genug Platz für die fünf Musiker und ihre zahlreichen Instrumente (eines der Keyboards war schon in der angrenzenden Sitzecke untergebracht) und nachdem Julien uns aufgefordert hatte, näherzukommen, standen einige Zuschauer fast näher an den Instrumenten als die Bandmitglieder. Das macht das Cooky's zu einem meiner absoluten Lieblingsorte für Konzerte!
Los ging es schon ziemlich ungewöhnlich. Die Hintergrundmusik (die immer sehr hörenswert ist) lief noch, es schien, als stimmten die Québecer ihre Instrumente, allerdings schon vollkommen aufeinander abgestimmt. Dann wurde
die Musik vom Band leiser und Malajube spielten ihr Intro weiter. Das war schon mal ein echter Genuß! Um dann gar nicht erst Zweifel aufkommen zu lassen, daß das Konzert die bessere Abendgestaltung als der DFB Pokal war, folgten mit "Etienne d'août", dem Knaller "Montréal -40° C" und "Pâte filo" gleich drei riesige Hits.
A propos "Montréal -40° C": Von -40° war der Club so weit
entfernt wie von ausverkauft. Julien trug aber trotzdem eine ausgewachsene Woll-Pudelmütze. Und war barfuß... Vermutlich wollte er einfach nicht überhitzen...
Die Musik der Kanadier zu beschreiben fällt mir ziemlich schwer (ihnen ja offenbar auch, "progressive, grindcore jam", sag ich nur). Viel des besonderen Charakters macht Juliens Stimme aus, die ähnlich wie die von Polarkreis' Felix klingt. Dazu kommen mal zarte, mal extrem krachende Passagen, tolle Keyboards und ein gestern wahnsinnig intensives Schlagzeug. Die Melodien sind phänomenal, auch wenn Malajube, wie hier im Cooky's viel lauter und heftiger spielen, als noch in
Haldern.
Ich mag sonst nichts besonders hervorheben, die Lieder sind alle toll. Von den 13 gespielten Stücken stammten sieben vom aktuellen Album und fünf vom Debüt. "Pirate" war wohl neu. Nachdem sie uns eineinviertel Stunden zugekracht (im guten Sinne des Wortes) haben, war die Themenwoche "Tolle Haldern-Bands im Cooky's" leider beendet. Die Frankfurter Indiehörer, die nicht da waren, haben zwar heute kein Summen in den Ohren aber wirklich etwas verpasst.
Setlist Malajube Frankfurt:
00: Intro
01: Etienne d'août
02: Montréal -40° C
03: Pâte filo
04: Le métronome
05: La monogamie
06: Le crabe
07: Casse-cou
08: Fille à plumes
09: Pirate (neu?)
10: La Valérie
11: La conclusion
12: La maladie (Z)
13: Le jus de citron (Z)
Links:
- Malajube in Haldern (folgt)
- (kaum) mehr Fotos
- Malajube in Paris
- Malajube nochmal in Paris
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07:33
Konzert: Voxtrot
Ort: Cooky's Frankfurt
Datum: 05.08.2007
Zuschauer: Leider nicht ganz ausverkauft
Um eine Band innerhalb von zwei Tagen zweimal zu sehen, muß die entweder fabelhaft sein oder man selbst ziemlich verrückt. Teil zwei stimmt nicht die Spur, Teil eins schon, denn Samstag in Haldern bestätigten Voxtrot alles, was ich mir von ihnen nach dem zigfachen Hören ihrer EPs und ihrer CD ("Voxtrot") erhofft hatte. Also bereute ich es überhaupt nicht, schon vor Wochen eine Karte für das Frankfurter Konzert der Amerikaner gekauft zu haben. Dazu kam der Club, in dem das Konzert stattfand - das Cooky's in Frankfurt - das mir nach zwei Besuchen schon sehr ins Herz gewachsen ist.
Das erste, was wir erfuhren, als wir im Cooky's ankamen, war, daß es keine Vorgruppe geben sollte. Ich hatte schon ein wenig davon geträumt, The Taste zu
sehen, die da Jamie T. supportet haben. Aber es gab keine, also auch nicht die Gefahr, erst eine schlechte Band sehen zu müssen.
Die fünf Musiker aus Austin (laut Tourmanager die einzige Stadt in Texas, in der man leben kann) wirkten erst noch ein wenig müde. Das legte sich aber in dem Moment, als sie die winzige Bühne betraten. Am Anfang war es so wie in Haldern: Das erste Lied war "Raised by wolves", eine der Vorab-EPs, die Voxtrot bekannt gemacht hatten. Dabei fiel mir auf, wie perfekt die Stimme des Sängers Ramesh auch live funktioniert. Die große Überraschung kam dann beim zweiten
Stück, meinem Liebling "Kid gloves": Mitten im Lied wurden die Texaner plötzlich schneller und deutlich härter! Und das war richtig toll! So ging es dann auch weiter. Hatten wir Samstag noch ein Pop-Konzert in der strahlenden Sonne von Haldern gesehen, war es heute ein Rock-Konzert mit den gleichen wundervollen Melodien. Ramesh hatte uns vorher verraten, daß er Haldern toll fand, bei Tageslicht aber nicht so gerne spielt. Vielleicht machte das den Unterschied zu Samstag aus, vielleicht kam daher die zusätzliche Portion Energie.
Die ersten fünf Lieder waren die von Haldern. Danach kam mit "Steven" vom Album der erste für mich neue Livesong. Kurz später folgte eine
Premiere: "Firecracker" spielten die Texaner erstmals live. Zumindest behauptete Ramesh das. Überhaupt machten sie alles Mögliche in Deutschland gerade zum ersten Mal, Haldern sei ihr erstes Festival gewesen, im Cooky's waren sie auch erstmals.
In Haldern gab es aber wohl auch ein paar Probleme: Das Equipment hat den Ausflug an den Niederrhein wohl nicht komplett überlebt, es fehlte ihnen einiges, sagte der Sänger. Daher müßte er jetzt dem anderen Gitarristen seine Gitarre geben. "Das ist doch eh meine", antwortete der sofort. Ramesh zickte aber auf der Stelle zurück:
"Dafür hast Du meinen Bass. Und was ist jetzt besser?" Herrlich!
Sonst gab es aber keine Probleme, es war schlicht umwerfend. Mich hat sehr gefreut, wie gut die Band ankam. Voxtrot spielten gut eine Stunde, mit einer Zugabe. Nach dem "letzten Lied" waren sie wegen des engen Raums am Rand der Bühne stehengeblieben, daher dauerte es auch nicht lange, bis sie zu "Missing pieces" (wie passend!) wieder "auftauchten".
Oliver stellte nachher fest: "Wer sind eigentlich Tokyo Police Club?" Das trifft es perfekt. Voxtrot sind die Band der Stunde!
Setlist Voxtrot Frankfurt:
01: Raised by wolves
02: Kid glove
03: Mothers, sisters, daughters & wives
04: Your biggest fan
05: Ghost
06: Steven
07: Soft & warm
08: Wrecking force? Rise in the dirt?
09: Firecracker
10: Brother in conflict
11: The start of something
12: Missing pieces (Z)
Links:
- Voxtrot in Haldern
- mehr Fotos
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11:03
Konzert: Tokyo Police Club
Ort: Cooky's Frankfurt
Datum: 25.06.2007
Zuschauer: etwa 70
Im Februar habe ich die kanadische Band Tokyo Police Club im Kölner Underground gesehen. Damals hatte ich einen Narren an ihrer EP und vor allem einigen der Hits der Band gefressen, vor allem das fabelhafte "Nature of the
experiment" war Anfang des Jahres eines meiner absoluten Lieblingslieder. Das Konzert im Underground war wild, laut und schnell - und auch schnell vorbei, denn die Band spielte die vierzehn Stücke sehr flott runter. Allerdings war es trotz der Kürze ein riesiges Vergnügen, denn der Einsatz, mit dem die Band ihre Stücke vorträgt, ist herrlich unterhaltsam.
Auf den Tag genau vier Monate später war Gelegenheit, Tokyo Police Club mit etwas Distanz noch einmal anzusehen. Die Band kam ins Cooky's in Frankfurt, nachdem sie am Wochenende beim Southside- und Hurricane-Festival aufgetreten war (sogar zu prominenter, nämlich recht später Uhrzeit). Im Gegensatz zu meinem ersten
Konzert im Cooky's (Jamie T. und The Taste) war der Kellerclub diesmal ziemlich leer. Als Vorgruppe spielte eine Band namens Velveteen, die aus Frankfurt kommen soll (mindestens der Sänger ist aber Franke, zumindest nach der Art, wie er "ch" ausspricht, zu urteilen). Die vier Musiker spielen amerikanisch klingenden Indierock, der wie Sachen klingt, die man schon mal gehört hat. Das war sicher nett, hat mich aber nicht umgeworfen. Rechte Stimmung kam auch nicht auf, das lag aber sicher nicht an der Band, sondern am leeren Club.
Setlist Velveteen Frankfurt:
01: After the k.m. tapes
02: The loyalty report
03: Surprise, surprise...
04: The getaway
05: Northern song
06: I'm so tired
07: One with the merchants
08: Better be somewhere
09: And you miss the money
10: Your dead friend
Den Umbau erledigten die Bands selbst. Umbau heißt bei Tokyo Police Club in erster Linie, allerlei Spielzeug auf die Bühne zu stellen (Trommeln für nicht-Schlagzeuger,
Rasseln, unfassbar viele Drumsticks, was man eben so braucht, um Lärm zu machen). Neben vielem gutklingendem Krach, sind viele kurze Lieder typisch für Konzerte der Kanadier. Diesmal waren es 17 Stücke, die in 35 Minuten gespielt waren. Neben den sieben Stücken der EP "A lesson in crime" (bzw. acht, mit dem Bonus-Lied "Cut cut paste") spielten TPC viele mir neue Lieder, u.a.
die Single "Your english is good". Beim ersten (und eben schnellen) Hören war darunter aber kein so großer Hit wie "Nature of the experiment", "Cheer it up" oder "Be good". Aber das mag täuschen, denn viele Lieder sind eben schon vorbei, bevor man irgendetwas bemerkt, was ein gutes Lied ausmacht. In der Zeit, in der man den CD- oder mp3-Spieler noch mal zurückschalten würde, hat die Band live schon mindestens ein weiteres Stück gespielt.
Ob die neuen Sachen jetzt ähnlich gut ziehen oder nicht,
wird sich bald zeigen. Sicher ist jedenfalls, daß Konzerte von Tokyo Police Club trotz der Kürze unterhaltsam sind. Keyboarder Graham zum Beispiel hat ein herrlich engagiertes Gesicht, während er auf sein Keyboard einprügelt. Gitarrist Josh hat eine eigene Trommel, auf die er ab und zu eindrischt, als ginge es um Leben oder Tod. Bei einer dieser Aktionen flog ein abgebrochener Drumstick quer durchs Publikum, das Geschoss traf aber glücklicherweise niemanden. Bei einem Lied nahm Josh die Trommel auch unter den Arm, um darauf rumzuprügeln.
Auf das Album bin ich sehr gespannt. Live war es wieder sehr lustig. Nicht umsonst waren Tokyo Police Club vergangenen Freitag auch auf der John-Peel-Stage in Glastonbury.
Setlist Tokyo Police Club Frankfurt:
01: La ferrassie
02: Cheer it up
03: Elephant
04: Sixties remake
05: Box
06: If it works
07: New song
08: Nursery
09: Cut cut paste
10: Harrowing
11: Citizens of tomorrow
12: Shoulders & arms
13: Centennial
14: Your english is good
15: Nature of the experiment
16: Famous
17: Be good
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01:04
Konzert: Jamie T. & The Taste
Ort: Frankfurt Cooky's
Datum: 03.06.2007 Zuschauer: voll
Vor ein paar Wochen habe ich im Spiegel über eine psychische Besonderheit gelesen, über Menschen, die sich in Gegenstände verlieben. Ich hielt das für sehr exzentrisch und die betroffenen Leute für bemitleidenswert, bis ich mich gestern ein kleines bißchen in einen Club verliebt habe. Dieser Club ist das Cooky's in Frankfurt - und dieser Club ist der perfekte Ort für Konzerte. Es geht erst eine Treppe runter, dann um ein paar (verspiegelte) Ecken - und dann steht man unmittelbar vor der Bühne. Die Bühne ist winzig und wird hinten von einer Wand, rechts von einer abgetrennten Sitzecke (von der Sorte gibt es ein paar), links von der großen Bar und vorne von einer 3x3 m großen Tanzfläche begrenzt. An die Tanzfläche schließen sich wieder zwei Sitzecken an. Diejenigen, die wie ich um kurz vor neun vor dem Cooky's waren und dann um neun eingelassen wurden (auf meiner Karte stand Beginn 21 Uhr, Einlaß 21 Uhr), wurden erst noch Zeuge einer badesalzesquen Auseinandersetzung zwischen dem Einlasser und dem Security Mann, durften dann aber die besten (Sitz-) Plätze vor der Bühne auswählen. Ich entschied mich gegen die erhöhte Sitzecke am Ende der Tanzfläche und setzte mich an die Bar und damit in die erste Reihe vor der Bühne.
Der winzige Laden füllte sich schnell, viele hatten vermutlich die gleichen Schwierigkeiten wie ich, den genauen Startzeitpunkt herauszufinden. Ich wollte eines auf keinen Fall, nämlich die Vorgruppe The Taste verpassen, die ich in Köln vor den Noisettes gesehen hatte. The Taste aus München hatten mich damals vollkommen überzeugt, sodaß ich mich sehr darauf freute, die Band noch einmal zu sehen.
Aufgebaut war da schon alles. Das Taste-Schlagzeug stand am Rand der Mini-Bühne, vor dem Jamie T Schlagzeug, das mitten in der angrenzenden Sitzecke aufgebaut war. Direkt vor mir - also an der Bar - stand eines der Mikros, denn die Bühne war wirklich sehr eng. An den Platz "an der Bar" stellte sich dann Bassist Frank, der mit Maria (Gesang & Gitarre) und Nick (Schlagzeug) The Taste bildet. Die Gruppe stammt aus
München, hat im vergangenen Jahr aber häufiger in England als in Deutschland gespielt und schon so namhafte Bands wie Forward Russia!, We are Scientists, Duels oder eben die Noisettes supportet. Und daß sie diese Supports nicht gewonnen hatten, haben sie in Frankfurt wieder sehr schnell gezeigt: The Taste ist für mich eine der talentiertesten deutschen Bands, gar keine Frage. Ich hoffe nur, daß sich das schnell rumspricht, damit bald eine Platte der Band erscheinen kann. Die Münchener haben wie schon in Köln acht Lieder gespielt, von denen drei auf einer Single sind, die die Band vertreibt. Die drei machen Alternative Rock, der sofort funktioniert. Auch in Frankfurt war direkt Stimmung da. Marias Stimme ist sehr einprägsam, zusammen mit dem schnellen Gitarrenspiel und einem unfassbar energisch gespielten Schlagzeug entstehen so fabelhafte Lieder. Ich hoffe wirklich sehr, die Band bald einmal als Hauptgruppe zu sehen. Und ich kann mir nicht vorstellen, daß das noch lange dauern kann.
Übrigens sind The Taste wahnsinnig nett. Die Ansagen zwischen den Liedern sind unglaublich sympathisch. Vor "Do you love me?" fragte Maria, ob wir sie denn liebten - und sie war zufrieden mit der Antwort. Nick nannte später die myspace-Adresse und sagte, wir sollten ihnen schreiben, sie würden antworten (stimmt!) und sie wären nett (sag ich doch!). Wenn Ihr Gelegenheit habt, Jamie T in Bremen zu sehen, geht hin, das Ticket lohnt sich schon für The Taste!
Setlist The Taste Frankfurt:
01: Can't get enough of your dang-da-dang
02: 123 what can you see from up the hill when life stands still
03: Do you love me?
04: Everybody but you
05: Contradiction
06: I know that you hate me
07: You should have danced
08: Till there was you
Während des Konzerts habe ich mich an meiner Bar gefragt, wie wohl das Schlagzeug wieder von der Bühne kommt. Vor der Bühne drängten sich nämlich mittlerweile die Leute so sehr, daß da wirklich keine größeren Geräte durchgetragen werden konnten. Das Problem war aber offenbar nicht neu und leicht zu lösen: Die Instrumente wurden durch die Bar transportiert! Das Jamie T Schlagzeug blieb in der Sitzecke und einer der Roadies nach dem Umbau auch gleich, denn da waren ja einige Sitzgelegenheiten neben seinem Schlagzeuger. Was mich ein wenig gewundert hatte, waren die Wasserflaschen, die die Helfer auf die Bühne gestellt hatten. Das paßte nicht so ganz zu dem Bild, das ich mir gemacht hatte. Kurz vor Beginn, wurde das Wasser dann auch noch gegen Bier ausgetauscht. Damit stimmte das Weltbild wieder!
Auch durch die Bar kamen dann erst die Pacemakers, die zu Jamie gehörende Band. Jamie T stieß sich erst mal den Kopf an der Bar und kam dann mit Windjacke, einem karierten Hemd und einer Washington Redskins Kappe (richtig rum und gerade) bekleidet auf das Bühnchen und legte gleich ordentlich los, um nach dem ersten Lied erst einmal das Tempo wieder rauszunehmen, denn das zweite Stück spielte er solo mit einer normalen Gitarre. Sein Gitarrist nutze die Gelegenheit, sich auf die Bühne zu setzen und seinem Sänger zuzusehen. Die Pacemakers sind übrigens neben dem Gitarristen ein Keyboarder, der wie eine jüngere Version von Iggy Pop aussah, dem Schlagzeuger in der Sitzecke und einem Bassisten.
Man darf nicht glauben, Jamie T mache reinen Rap oder Hip Hop. Auch wenn die Platte
eher danach klingt, ist das live viel mehr so wie die Babyshambles (ok, das kann ich nicht wissen...) oder die Arctic Monkeys. Grandios! Sicherlich ist Jamie nicht jedermanns Sache, ich kann mir aber nicht vorstellen, daß man sich der Wahnsinnsstimmung live entziehen könnte. Die Leute tanzten von Anfang an wild vor sich hin. Jamie kommentierte das mit "there are two bars in this room. So there's no excuse not to have fun." Er wolle junge Männer sehen, die mit 45 jährigen Frauen Spaß hätten. Wir wüßten schon.
Highlights im Set gab es eigentlich nicht, alles war toll. Es wurde durch das wilde Rumgezappele zwar immer heißer (Jamies Hemd war klatschnass), das machte aber überhaupt nichts. Irgendwie bestellte auch niemand mehr Getränke (gut, man hätte erst mal zur Bar kommen müssen). Daher standen in der Bar auch hauptsächlich Zuschauer (Jamies Manager oder Tourmanager wohl, ein paar Roadies und The Taste).
Auf mich wirkt dieser Jamie, obwohl er mächtig prollig aussieht, richtig nett. Seine
Version des "Hallo Frankfurt, seid Ihr gut drauf" war zum Beispiel: "I heard the only good thing about Frankfurt is the airport, is that true?"
Nach 12 Liedern endete mit "Sheila" das normale Programm. "Sheila" ist die aktuelle Single und räumte noch mal richtig ab. Danach verschwand die Band in der Bar, der gitarrenstimmende Helfer ließ aber keinen Zweifel zu, ob Jamie noch einmal wiederkommen würde. Er kam, nahm sich eine normale Gitarre und spielte "New England", und ich muß sagen, daß mir die Version, bei der zwar die prägnante Gitarre des Originals fehlte, gut gefallen hat. Im Cooky's gröhlten auch dabei viele mit, die meisten sicher Engländer, von denen einige da waren. Nach dieser Soloeinlage rief Jamie die Pacemakers zurück, um dann noch vier Zugaben zu spielen.
Irgendwann während der Zugaben gab Jamie dem Tourmanager (?) ein Zeichen. Er streckte zwei Finger hoch. Der kapierte und ließ zwei Schnäpse machen, die Jamie und sein Gitarrist zwischendrin tranken.
"Salvador" war die letzte Zugabe und damit das Ende eines tollen Konzerts mit zwei großartigen Bands in einem sensationellen Club.
Setlist Jamie T. Frankfurt:
01: NWA
02: Livin with Betty
03: Brand new bass guitar
04: If you got the money
05: Operation
06: Ike & Tina
07: Calm down dearest
08: Back in the game
09: Alicia Quays
10: So lonely was the ballad
11: Pacemaker
12: Sheila
13: New England (Billy Bragg Cover) (Z)
14: Dry off your cheeks (Z)
15: Northern line (Z)
16: Down to the subway (Z)
17: Salvador
Links:
- Jamie T. in Paris
- The Taste in Köln
Termine:
05.06.2007: Jamie T. in Leipzig
06.06.2007: Jamie T. in Hannover
07.06.2007: Jamie T. & The Taste in Bremen
08.06.2007: The Taste in Hamburg
09.06.2007: Jamie T. in Hamburg
09.06.2007: The Taste in Berlin
21.06.2007: The Taste in Innsbruck
14.07.2007: The Taste in München
03.08.2007: Jamie T. in Haldern