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Freitag, 9. März 2012

The Phenomenal Handclap Band & Field Music, Paris, 08.03.12

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Konzert: The Phenomenal Handclap Band & Field Music

Ort: Le Nouveau Casino, Paris (Soirée Custom)

Datum: 08.03.12

Zuschauer: 100-150

Konzertdauer: Field Music: eine Stunde


(Fast) gähnende Leere bei den Konzerten der Phenomenal Handclap Band aus den USA und Field Music aus England im Pariser Nouveau Casino. 400 Leute passen in den Laden rein und selbst Optimisten hatten Schwierigkeiten das Nouveau Casino als halbvoll zu bezeichnen.

Ob es daran lag, daß es bei der Phenomenal Handclap Band zwar Handclaps gab, die Gruppe aber leider keineswegs phänomenal war? Es sei denn man steht auf Boney M, die Bee Gees und 70 er Jahre Diso Funk à la Donna Summer.

Mein Vergleich mit Boney M kam mir zunächst fast absurd vor, aber als ich gestern eine alte Nummer von Uncut zur Phenomenal Hanclap Band las, wurde genau diese längst verdrängte Gruppe genannt. Okay, man könnte auch moderne und etwas passendere Vergleiche finden. CSS, !!! (chk chk chk) oder Hercules and Love Affair. Aber nun gut, Funk, Soul, Groove, alles nicht meine Stilrichtungen und wenn die Sängerin nicht so extrem hübsch (und die Bassistin auch sehr ansehlich) gewesen wäre, hätte ich mich wohl tierisch gelangweilt. So ging es einigermaßen und die Sache war auch ziemlich schnell vorbei.

Setlist The Phenomenal Handclap Band, Paris:

01: About John
02: Breath
03: Ginger Bread
04: Sex Toys
05: East River
06: City
07: Kicks

Konzert: 10. März 2012: Bi Nuu, Berlin


Nun standen Field Music an. Bekanntermaßen gebildet aus dem Gebrüdergespann Brewis (Mike and Peter) und zwei Mitmusikern.

Handwerklich und musikalisch eine fantastische Band, aber leider nicht charismatisch genug, um auf Titelbildern zu landen und aus der Indie-Ecke rauszukommen. Dabei ist die Musikpresse regelmäßig euphorisch, wenn neue Field Music Alben erscheinen und lässt es Sterne regnen. Der letzte Output Plumb macht da keine Ausnahme, auch dieser wurde sehr gut rezensiert. Ich für meinen Teil muss allerdings gestehen, daß ich nicht mehr vertraut bin mit den letzten CDs. Ich bin beim exzellenten Tones Of Town (mit den auch heute gespielten Hits If Only The Moon Were Up, A House Is Not A Home) stehengeblieben, habe seither den Faden verloren. Aber Konzerte sind ja auch dazu da, einen solchen Rückstand halbwegs aufzuholen.


Von dem Neuling Plumb wurden natürlich einige Songs gespielt. Beispielsweise das im extremen Falsett gesungene A New Town, aber auch das groovige Who'll Pay The Bills? oder das druckvolle A New Thing. Stilistisch hat sich allerdings nicht so viel geändert bei den Sunderlander Brüdern, die immer fein brüderlich (passt ja!) die Gesangesrollen tauschten und auch zwischen Schlagzeug und Gitarre hin und her wechselten. Nach wie vor sind die Stücke mit vielen Brüchen versehen, verzichten auf Bubblegum-Refrains und werden es deshalb schwerlich in die Herzen (und Ohren) von Mainstream- Hörern schaffen. Kenner werden zwar immer sagen: "wow, was für eine smarte, ideenreiche Band!", die anderen werden aber regelmäßig urteilen: "naja, finde ich nicht so berauschend."


Ich für meinen Teil schlage mich auf die Seite der Fans, muss allerdings gestehen, daß mir das neue Material auch nicht sofort ins Ohr ging. Aber das war bei Field Music schon immer so. Hat man eines ihrer Alben mindestens 10mal gehört, wird es immer besser und besser. Schade, daß so wenig Leute da waren!

Setlist Field Music, Nouveau Casino, Paris:

01: Trilogy
02: Rockist
03: Choosing Sides
04: Let's Write A Book
05: Is This The Picture?
06: If Only TheMoon Were Up
07: Them That Do Nothing
08: A New Town
09: Who'll Pay The Bills
10: A House Is Not A Home
11: Something Familiar
12: Share The Words
13: How Many More
14: Just Like Everyone Else
15: New Thing

15: Effortlessly



Dienstag, 19. Oktober 2010

Yoav, Paris, 15.10.10

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Konzert: Yoav

Ort: Le Nouveau Casino, Paris

Datum: 15.10.2010

Zuschauer: etwa 200-250

Konzertdauer: gut 45 Minuten



Da ich heute auf kein Konzert gehe, bliebt etwas Zeit auf den Soirée Custom des 15. Oktobers zurückzublicken. Ich hatte von den feschen Mädels von The Like und ihrem frischen 60iesPop berichtet, aber kein Wort über einen jungen, aus Südafrika stammenden Musiker namens Yoav verloren. Ein Versäumnis, das es nachzuholen gilt, denn der Bursche ist sehr talentiert und richtet lediglich mit seiner Akustikgitarre ein paar verblüffende Dinge an. Seine Technik erinnerte mich an die famose Kaki King. Er bearbeite seine Akustische auf jede erdenkliche Art und Weise, zupfte, klopfte, loopte was das Zeug hielt und schuf so einen kinsternden Wüstenfolk mit Shoegaze-Einschlag. Ein prickelndes Gebräu! Auch sein Gesang gefiel mir. Mal war er trocken und nüchtern, mal glitt er ins himmelhochjauchzende Falsett ab. Jammerschade, daß das Publikum wieder einmal zu ungeduldig und unkonzentriert war und einige Leute behaupteten, das Gebotene sei langweilig gewesen. Diesen Langweile-Vorwurf kann ich ohnehin nicht mehr ertragen. Bei etlichen Folkkünstlern kommt er wie das Amen in der Kirche: "Langweilig!", stöhnen sie dann diese entertainmentgeilen Mitbürger. Das nächste Mal ziehe ich ihnen mal kräftig an den Hammelohren, das erhöht ihre Pulsfrequenz!

Kurzum: Yoav eher spannend, als langweilig. So! Ich bleibe jedenfalls am Ball.


Donnerstag, 24. Juni 2010

Clinic & Anna Calvi & Chief, Paris, 22.06.10

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Konzert: Clinic & Anna Calvi & Chief (Soirée Custom du label Domino)

Ort: Le Nouveau Casino Paris
Datum: 22.06.10
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft


Fußball interessiert mich bekanntlich nicht, ich habe von der WM noch kein einziges Spiel gesehen. Stattdessen war ich gestern als Deutschland gegen Ghana lief im Nouveau Casino. Wie die Bands sich geschlagen haben, berichte ich in Kürze...

Achso: Auf der Rückfahrt mit der Metro habe ich das Ergebnis des Soccer Matches erfahren. Drei Deutsche unterhielten sich lautstark (einer davon in diesem häßlichen weißen Trikot mit den schwarzen Streifen und den Bundesfarben) und sagten, daß es nun gegen England gehe. 1 Minute später stieg ein anderer Deutscher hinzu, bekam die Unterhaltung mit und fragte wie das Match ausgegangen sei: 1:0. Aha. Wieviel Säcke Reis sind gestern in China umgefallen?

Kommen wir zum Konzertbericht:

Bands, die Masken tragen sind ja grundsätzlich schon mal etwas Gruseliges. Slipknot, Lordi, Kiss, jeder kennt sie, diese vermummten Ekelmetaller. Bloß ihre Gesichter bekommt kaum jemand zu sehen. Auch Clinic aus Liverpool verbergen ihre Antlitze und so ist sichergestellt, daß man sie nach dem Konzert in Ruhe lässt. Trotzdem habe ich hinterher sofort den Sänger wiedererkannt, als er "oben ohne" vor der Tür des Pariser Nouveau Casino kauerte und darauf wartete, daß der Tourbus sie aus der Gegend wegfährt. Seine stechend blauen Augen verrieten ihn, denn diese konnte ich durch die Schlitze der Chirurgenmaske während des Gigs ganz genau sehen. Irgendwie traurig wirkten sie und auch recht müde. Augen eines Mannes, der vom Leben recht enttäuscht und desillusioniert ist. Zu der pechschwarzen, fast suizidalen Musik von Clinic passte das wie ein Handschuh. Ein faszinierendes Gemisch aus messerscharfen Basslinien, treibenden Drums und Vintagekeyboards -und Melodicas hatten sie vorher zu einer dunklen Masse angerührt, über die Sänger Ade Blackburn mit seiner spitzen, durch Mark und Bein gehenden Selbstmörderstimme drübersang. Antiseptisch kühl das Auftreten der Chirurgen, die so gut wie nie etwas sagten und stattdessen ihre düsteren Songs operieren ließen. Manchmal wirkte das, als würden sadistische Chefärzte zusammen mit etwa 200 Pariser Indiefans eine gothische Messe feiern. Schaurig schön, besonders die Melodicaparts. Bewegung gab es indessen nicht besonders viel, weder auf noch vor der Bühne. Die erste Hälfte des Sets bestand aus eher langsamen bis mittelschnellen Nummern, die die Liverpooler statisch und fast regungslos vortrugen. Gegen Ende aber wurde das Tempo massiv beschleunigt. Alle fetzigen Titel hatten sich Clinic für das Ende aufgehoben und entsprechend fulminant ging es nun zur Sache! Shopping Bag donnerte mit 320 Sachen durch das Nouveau Casino, wobei die Hand des Sänger und Gitarristen mit einem mörderischen Tempo über die Saiten flog. Was für ein Killersong! Das muss man schon Roland von Interpol zitieren, um einen ähnlich guten Post-Punk Revival Hit aufzubieten. Die Meute hatte jetzt Blut geleckt und der bisher statische Haufen bewegte sich nun immer wilder im Takt. Besonders in der Mitte des Raumes gab es einen Pulk, der anfing, Pogo zu tanzen, meine gute Freundin Marie mittendrin. Clinic gaben Vollgas und nahmen den Fuß nicht mehr von der Pedale. Ein Schlußfinish der besonderen Art! Auch die beiden Zugaben hatten es in sich. Children Of Kellog begeisterte mich auf ganzer Linie. Alles daran war toll, die Gitarren, das Vintage- Keyboard, der Rhythmus, die Melodica und der Tempowechsel am Ende, als das Lied nach hektischem Beginn sanft und melancholisch ausklang. Monkey On Your Back setzte den endgültigen Schlusspunkt unter ein beeindruckendes Konzert, das erstaunlich vielseitig und abwechslungsreich und qualitativ 100 mal besser war, als der vom auf den ersten Blick ähnlich gelagerte Kram, den die Kommerzpunker Placebo abliefern.

Zuvor wußten auch die beiden Supportacts zu überzeugen. Chief sagte mir vorher dem Namen nach gar nix, entpuppte sich aber als ein äußert feiner Folkact im Stile der Fleet Foxes. Zwei langharige Burschen, die lediglich mit ihren Gitarren (eine elektrische, eine akustische) angetreten waren, entzückten durch wunderbaren Harmoniegesang, hübsche Melodien und ein zeitloses Songwriting. Nichts grundlegend Neues, aber so harmonisch arrangiert, daß die halbe Stunde wie im Fluge verging. Mit Chief muss ich mich nun einmal näher beschäftigen, sie spielen dieses Jahr auf den wichtigsten Festivals (Glasto, Lattitude...). Und dann sicherlich mit der kompletten Band und nicht akkustisch und als Duo wie heute.

Auch die hübsche Blondine Anna Calvi ist auf dem aufsteigenden Ast. Zusammen mit einer Harmoniumspielerin und einem Drummer bot sie einen geheimnisumwobenen Indierock, irgendwo zwischen PJ Harvey, Siouxsie and The Banshees und den Howling Bells. Das schick gekleidete Mädel hatte Klasse und Temperament, in vielen Szenen riß sie ihre Gitarre steil in die Höhe und schrie dazu aus voller Kehle. Eine schöne, sehr sinnliche Stimme, abwechslunsgreiche Lieder und viel Charisma, da könnte karrieretechnisch was gehen! Die Frau muss man auf jeden Fall im Auge behalten!

Insgesamt ein richtig guter Konzertabend, den die Labelleute von Domino France da veranstaltet haben. Wann gibt es den nächsten? Und wie stehen die Chancen der Bundeskicker gegen England? Nicht, daß das wichtig wäre, aber Expertenmeinungen hätte ich schon einmal gerne gehört, wenn hier schon keiner mehr meine Konzertberichte kommentiert...

Setlist Clinic, Le Nouveau Casino, Paris:

01: Bubblegum
02: Gentle Lady
03: I'm Aware
04: Welcome
05: Baby
06: Memories
07: Linda
08: Forever
09: Harvest (Within You)
10: Lion Tamer
11: I.P.C. Subeditors Dictate Our Youth
12: Freemason
13: Milk & Honey
14: Shopping Bag
15: Evelyn
16: Saffire

17: Children Of Kellog
18: Monkey On Your Bag



 

Konzerttagebuch © 2010

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