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Montag, 6. Juni 2011

The Rural Alberta Advantage, Paris, 01.06.11

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Konzert: The Rural Alberta Advantage (Polock, Botibol)
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 01.06.2011
Zuschauer: relativ viele
Konzertdauer: The Rural Alberta Advantage eine Stunde


Botibol aus Frankreich verpasst, Polock aus Spanien schauderhaft, The Rural Alberta Advantage aus Kanada grandios, so das Fazit des Konzertabends.

Aber blicken wir doch noch einmal auf den überaus schwungvollen Auftritt von The Rural Alberta Advantage (The RAA) zurück. Was war das für eine überschwängliche Lebens-und Spielfreude, die uns diese drei Sympathen da vermittelten! Gerade von einer kleinen Deutschlandtournee an die Seine gekommen, die sie durch Münster, Berlin, Hamburg und Köln (wo warst du an jenem Tag, Christoph?) geführt hatte, gaben die Kanadier bei ihrem letzten Konzert in Europa noch einmal alles. Als hinge ihr Leben vom Gelingen dieser Show ab, sprinteten sie von Anfang bis Ende durch ihr knackfrisches einstündiges Set und feuerten einen Indiehit nach dem anderen ab. Mann war das fetzig, tight und jubilierend! Meine Müdigkeit von vorher? Wie weggeblasen! Der Euphorie, der von den Lofi-Ohrwürmern von The RAA ausging, konnte man sich einfach nicht entziehen. Und meine Augen konnten nicht von der bildhübschen Keyboarderin lassen! Was für eine Zuckerschnitte! Rehaugen, feinste Gesichtszüge und ein Lächeln, mit dem sie Eisberge zum Schmilzen bringen könnte. Ein Girl zum Verlieben! Wie ein Wirbelwind huschte sie über die Bühne, spielte Tambourin, Glockenspiel und Orgel und stellte ihre beiden männlichen Kollegen optisch klar in den Schatten. Aber auch die Männer wussten auf ganzer Linie zu überzeugen. Mit seiner leicht rauchigen Stimme intonierte der fast kalhköpfige Nils Edenloff mit einem höllischen Drive die Lyrics der famosen Songs, die von den beiden Alben Hometowns und dem Neuling Departing stammten. Und der dreitagebärtige Drummer Paul Banwatt trommelte mit einem solch rasanten Tempo und einer solchen Hingabe, das man sich fragte, wie der diese Geschwindigkeit über eine Stunde halten konnte, ohne zu kollabieren.

Das aus vielen Amis und Kanadiern bestehende Publikum honorierte die immensen Bemühungen der Band auf der Bühne sehr schnell. Schon bald wurde ohne Unterlass getanzt und wer texsicher war, sang auch mit (oder beschränkte sich ansonsten auf das Mitsummen der Singalong-Passagen). Selten hatte ich in der sonst recht kühlen Flèche d'or eine solch ausgelassene Stimmung erlebt.

Hit reihte sich an Hit und fast klang es, als würde hier eine altgediente und berühmte Band ein Best Of ihrer bekanntesten Lieder spielen. Angesichts des überragenden Songmaterials war es verblüffend, das The RAA erst zwei Alben auf ihrer Habenseite vorzuweisen haben und noch weitestgehend unentdeckt sind. Andererseits war man aber auch ganz froh, eine solch famose Kapelle noch fast für sich alleine zu haben. Die drei Musiker taten dann auch alles dafür, die letzten Barrieren zwischen ihnen und dem Publikum aus dem Wege zu räumen und begaben sich zur letzten akustischen Zugabe mitten in die johlende Menge. Sie performten Good Night, das einzige ruhige Stück des Abends und wurden hierbei von unzähligen iphones abgelichtet.

Nach sechzig furiosen Minuten war klar, daß wir hier eine Band gesehen hatten, die zu Größerem berufen ist. Diese Kandier werden noch so manche Indielocation stürmen, da kann man einen drauf lassen!



Setlist The Rural Alberta Advantage, La Flèche d'or, Paris:

01: Luciana
02: Muscle Relaxants
03: Don't Haunt This Place
04: Knife
05: Rush Apart
06: Tornado '87
07: Two Lovers
08: The Breakup
09: Eye Of The Tiger (Survivor)
10: Four Night Rider
11: Edmonton
12: Frank, AB
13: In The Summertime
14: Drain The Blood
15: The Deadroads
16: Stamp
17: North Star
18: Barnes Yard
19: By The Dethbridge...

20. Good Night

Aus unserem Archiv:

The Rural Alberta Advantage, Paris, 30.11.10



Mittwoch, 1. Dezember 2010

The Rural Alberta Advantage & Roken Is Dodelijk, Paris, 30.11.10

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Konzert: The Rural Alberta Advantage & Roken Is Dodelijk

Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 30.11.10
Zuschauer: so gut wie ausverkauft, also etwa 350 Leute
Konzertdauer: Roken Is Dodelijk etwa 75 Minuten, TRAA etwa 45-50 Minuten


Meine derzeitige Müdigkeit spottet jeder Beschreibung. Bereits in der U-Bahn auf dem Weg ins Nouveau Casino bin ich eingenickt, verfiel in einen narkotösen Kurzschlaf und hatte große Mühe, frühzeitig auszusteigen und nicht einfach bis zum Ende der Linie durchzufahren.



Umso erstaunlicher, daß bereits eine viertel Stunde später meine Schlaffheit (kurzfristig) wie weggeblasen war. Das kanadische Trio The Rural Alberta Advantage spielte so frisch und rasant auf, daß sie noch Bären aus dem Winterschlaf gerissen hätten. Hei, was war das ein flottes, berauschendes Set! Drei hübsche junge Menschen (Nils Edenloff, Amy Cole und Paul Banwatt) vermittelten Spiel-und Lebensfreude pur und zauberten mir ein Dauerlächeln auf die Lippen. Alle drei waren auf ihre Art und Weise außergewöhnlich. Drummer Paul trommelte druchgängig mit 250 Sachen und riß dabei den Mund herrlich weit auf, Sänger Nils greinte mit krächzig kehliger Stimme im Stile eines John McCauley von Deer Tick und Amy sah nicht nur umwerfend hübsch aus, sondern spielte zudem Schlagzeug, Glockenspiel, Keyboard und alle möglichen Percussioninstrumente. Jeder einzelne Song war ein Knaller. Four Night Rider wirbelte wie ein Tornado (witzigerweise ein anderer Titel der Band) durchs Nouveau Casino und Drain The Blood setzte hinsichtlich Tempo, Catchyness und und Melodienverliebtheit noch einen obendrauf. Soviel Schmiss und Lässigkeit hatte ich zuletzt bei Tokyo Police Club erlebt und die teilen mit The Rural Alberta Advantage nicht nur das famose Label Saddle Creek, sondern auch das Gespür für süchtig machende Indiepop Songs. In dem heutigen Set gab es keinen einzigen Ausfall oder Langweiler, es wurde von der ersten bis zur letzten Minute gesprintet und hinterher fragte ich mich, warum die nicht schon viel bekannter sind. Ace! Totally ace!

Mehr Photos The Rural Alberta Advantage @ Nouveau Casino, Paris, klick!

Setlist The Rural Alberta Advantage, Nouveau Casino, Paris*

01: Luciana
02: Rush Apart
03: Don't Haunt This Place
04: Muscle
05: Frank, AB
06: The Ballad Of The RAA
07: 4 Night Rider
08: Edmonton
09: Tornado
10: Stamp
11: In The Summertime
12: Drain The Blood
13: The Deadroads
14: Knife
15: Sleep All Day
16: The Dethbridge In Lethbridge

* es wurden nicht alle aufgelisteten Lieder gespielt. Vielmehr handelte es sich um einen Pool aus Songs, aus dem man sich auf der aktuellen Tour bedient.

Aber wie waren die Headliner Roken Is Dodelijk aus Frankreich? Konnten sie die wahnsinnig gute Vorgruppe noch toppen?

Genügend Spielzeit bekamen sie zumindest eingeräumt. Opulente 75 Minuten, sehr viel für eine Band, die bisher noch kein richtiges Album, sondern lediglich zwei EPs (R.I.P, The Terrible Things) veröffentlicht hat. Roken Is Dodelijk kommen aus dem nordfranzösischen Lille und hatten mir bereits beim Festival Rock en Seine 2010 vor den Toren von Paris richtig gut gefallen.



Heute ging es um zehn nach 9 los. In der Mitte gleich vor mir agierte der hibbelige, hyperaktive Sänger, der über eine soulig angehauchte Stimme im Stile eines Patrick Watson verfügt, wenn er ins Falsett abdriftet aber auch an Morrissey erinnert. Links außen dann Lena Deluxe, zierliche Keyboarderin und Backgroundsängerin, die auch eine vielversprechende Solokarriere verfolgt und zudem vier andere Musiker, die abgesehen vom Schlagzeuger untereinander ihren Bass, die Elektrische oder die Akustische wechselten. Ein schwungvolles Sextett, das sich anschickt, eine der besten aktuellen Indiebands in Frankreich zu werden. Eingängige Hits haben sie auf jeden Fall zu bieten, King Of This Town oder The Terrible Things seien nur beispielshaft erwähnt. Alles bei ihnen klingt frisch, melodiös und treibend, sie sind so etwas wie die französische Antwort auf Acts wie Fanfarlo, Patrick Watson, Arcade Fire, Modest Mouse und den Magic Numbers und müssen sich vor diesen internationalen Namen wirklich nicht verstecken. Fast mühelos schafften sie es, das Pariser Publikum auf ihre Seite zu ziehen und durchgängig einen hohen Spannungsbogen zu halten.

Schwer zu sagen, ob sie genauso gut wie die hervorragende Vorgruppe des heutigen Abends waren, aber sie standen nicht zu Unrecht im Rampenlicht und werden sicherlich 2011 so richtig durchstarten. Ich drücke ihnen jedenfalls die Daumen!

Auf ihrem Blog kann man sich alle Stücke in Ruhe anhören.

- Die weltberühmte Pariser Blogothèque hat mit Roken Is Dodelijk jede Menge Videos gedreht, klick!

Setlist Roken Is Dodelijk, Nouveau Casino, Paris:

01: Good Enough
02: The Story
03: King Of This Town
04: I Believe
05: The Tribe
06: Cover
07: Even After All
08: Sound
09: The Letter
10: MDC
11: Jogging
12: 75

13: Stereo King

The Rural Alberta Advantage in Deutschland:

02.12.2010: Haldern Pop Bar, Rees-Haldern
03.12.2010: Magnet Club, Berlin

und am 4.12.2010 im Paradiso in Amsterdam

Link: Das Klienicum hat bereits im Februar 2008 über The Rural Alberta Advantage berichtet. Lesenswert wie immer, klick!



 

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