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Montag, 1. Juli 2013

Gravenhurst, Berlin, 27.06.2013

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Konzert: Gravenhurst (Foreign Affairs)
Ort: Berlin, Haus der Berliner Festspiele (Foyer)
Datum: 27.06.2013
Zuschauer: sehr gut gefüllt
Dauer: ca. 75 Minuten





Was treibt mich an, dass ich mitten in der Woche zu einem Konzert radel, welches für mich am anderen Ende der Stadt liegt und erst um 23 Uhr beginnen soll?
Dafür gibt es mindestens zwei Gründe. Zum Einen, Gravenhurst, dessen Musik ich sehr schätze und dessen Auftritt mich vor (fast auf den Tag genau) einem Jahr hellauf begeisterte und zum Anderen, dass ich Konzerte an ungewöhnlichen Orten liebe. Der ungewöhnliche Ort wurde in diesem Fall mit dem Foyer der Berliner Festspiele angekündigt.


Viel zu früh vor Ort, kam ich in den Genuss von kostenlosem Käse, Brot und Wein, welcher wohl für das Premierenpublikum spendiert wurde. Aber warum soll ich davon nicht auch profitieren? Gut gestärkt und gut gelaunt, platzierten wir uns anfangs auf den seitlichen Podesten im Foyer - hinter der eigens improvisiert aufgebauten kleinen Bühne. Unheil vorahnend, bedienten wir uns der reichlich vorhandenen weißen Sitzsäcke und kuschelten uns vor der Bühne in selbige hinein.
Wer wird denn noch  - außer ein paar Hartgesottenen - den Weg nach Charlottenburg finden? Wie wird sich das Publikum verhalten? Mit welcher Stimmung wird Nick Talbot die Bühne - dieses Mal solo - betreten? Alles Fragen, die in mir entstanden und je weiter die Zeit fortschritt, desto erleichterter war ich, um das angenehme Publikum, das schöne Ambiente -  trotz des Foyers. Als Nick Talbot in seiner ganz speziellen schüchternen Bescheidenheit die Bühne betritt, da war sie wieder, diese ganz eigene Stimmung, die solche Konzerte in mir auslösen.

 Viele Sympathien erntete Nick, als er - völlig nachvollziehbar - die Personen bat sich umzusetzen, welche sich hinter ihm platzierten. Gott sei Dank haben wir das vorhergesehen.
"I´m really sorry but i have to ask you to move but it´s too weird - it´s really really strange"..."I feel a thousand times more relaxed now"
Das Konzert geht weiter mit dem mir unbekannten und wohl auch unveröffentlichten Entertainment. Dann Nicole.
Oh Nicole - from the moment we met we let it get out of control. 
Wem ist das nicht schon so gegangen? Nick schafft es auf dem schmalen Grat zwischen Romantik und Kitsch gut zu balancieren. Das Publikum lauscht andächtig und hat sich gut eingefunden. Ob es alles Gravenhurst Fans sind? Kann gut sein, dass es auch viele vom eigentlichen Premierenpublikum in die obere Etage gelockt hat. Wenn dem so wäre, so gelang es Nick auch die Neugierigen mit in seinen Bann zu ziehen.
Bei Blackbeard habe ich mir überlegt, was wohl seinen besonderen Zauber ausmacht. Es ist für mich wohl seine unaufdringliche Art und Weise, die es schafft seine Melodien und Texte so eindringlich zu vermitteln.
Es ist diese Unaufgeregtheit, diese positive Traurigkeit. Diese tiefsinnige Verspieltheit. Er kann zwischen den Liedern immer für Schmunzeln sorgen - und sei es nur verkleckertes Wasser über die Elektronik, die er humorig kommentiert.
2004 war er das erste Mal auf einer deutschen Bühne - ein Jubiläum, welches er wohl im kommenden Jahr zelebrieren wird. Wir dürfen gespannt sein. Gravenhurst solo lässt keinen Mangel erkennen - wobei ich seine beiden Begleiterinnen bei der letzten Tour sehr zu schätzen wusste. Aber sie fehlen nicht. Zu stark sind seine Lieder. So auch Damage.
Dann eins meiner Lieblinge: The Foundry vom aktuellen Album. 
and you won´t know when evil comes
evil looks just like anyone
Nick spielt an diesem Abend einen schönen Querschnitt durch seine Alben. Black Holes In The Sand von 2004 kannte ich bis zu diesem Abend noch nicht, kommt mir aber sehr vertraut vor. Was wohl auch daran liegt, dass Gravenhurst in all den Jahren sich und seinem eigenen Stil ziemlich treu blieb. 
Mitten bei The Prize dann: Fucking - fucking - i´ve forgotten the fucking words... Er wäre nicht Nick, wenn er nicht auch diese Situation zu seinem Gunsten "moderieren" könnte. Der zweite Versuch gelingt und eines meiner Lieblingslieder kommt zur vollen Geltung.
Richtig gezähmt wird Velvet Cell. Kleine stimmliche Schwächen seien ihm bei Tunnels verziehen, was aber der ausgedehnten Version nicht schadete. 
Tja - was macht ein Künstler, wenn die Bühne fast mitten im Saal ist und man nicht ins Backstage "flüchten" kann? Er fragt einfach kurzerhand das Publikum, ob sie noch einen Song hören wollen - und  mit Grand Union Canal die erste Zugabe gespielt.
Das Publikum in Wünsche einzubinden, ist gar nicht so leicht, wenn die Wünsche doch zu anspruchsvoll werden. 

I´m gonna play one i can play easily.
So spielt der sich schon mit 36 sehr alt fühlende Nick I Turn My Face To The Forest Floor, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Auch solo ein großartiges Lied. Ach was wäre es schön, wenn er mal in meinem Wohnzimmer auftreten würde. Aber ehrlich gesagt fühlte ich mich an diesem Abend - eingekuschelt in diverse Kissen - fast so wie in einem großen Wohnzimmer. Das ausgezeichnete Publikums, dass sich völlig dem Konzert hingab, bin ich zu Dank verpflichtet. Vielleicht liegt es an dem Ort, an der Uhrzeit oder an der Musik, aber es ist schon ein besonderer Abend der uns da geboten wird. Als wirklich allerletzte Zugabe wird dann noch Cities Beneath The Sea gespielt. Ein Konzertabend, der fesselte - und entfesselte. Der besinnliche Gefühle und Gedanken entlockte, ohne Schamgefühl zu erzeugen oder im Kitsch zu ertrinken. 

Ich habe an diesem Abend einen neuen schönen Konzertort kennengelernt und bin wieder einmal glücklich, dass ich in Berlin die Gelegenheit habe, solche besonderen Momente erleben zu dürfen. So wurde aus dem Foyer ein Wohnzimmer, dass ich gerne mitgenommen habe.

http://www.youtube.com/watch?v=cEIJp4PnPsM

Setlist:
Entertainment
Nicole
Bluebeard
Damage
The Foundry
Black Holes In The Sand
The Prize
Velvet Cell
Tunnels
Grand Union Canal
I Turn My Face To The Forest Floor
Cities Beneath The Sea

Aus dem Archiv:
Berlin 2012
Haldern 2008

Paris 2008

Donnerstag, 28. Juni 2012

Gravenhurst, Berlin, 25.06.12

3 Kommentare

Konzert: Gravenhurst
Ort: Magnet Club
Datum: 25.06.2012
Zuschauer: geschätzt 200
Konzertdauer: 90 Minuten


von Markus aus Berlin

Berlin grau in grau. Ich mache mich an diesem Tag auf den Weg zum Gravenhurst-Konzert. Ich verweile mit meiner Begleitung noch ein Weilchen vor dem Gebäude und die Szene-Touristen flanieren an uns vorbei. Nicht wenige suchen aber auch den Eingang zum Magnet Club, wohin der Auftritt aufgrund der hohen Nachfrage verlegt wurde. Soll mir recht sein, da beide Clubs direkt nebeneinander auf einer Fabriketage liegen.

Als wir dann den Club betreten, ist die Vorband schon eifrig zugange. Wir hören ein paar Minuten rein und entscheiden uns dann doch für den Rückzug und widmen uns Longdrinks. Das Berliner Publikum ist an diesem Abend angenehm entspannt.

Es ist dann schon 22 Uhr als Gravenhurst die Bühne betritt. Er kommt in Begleitung von zwei jungen Frauen, die Bassgitarre (und Midi-Controller) (Rachel Lancaster) sowie das Schlagzeug (Claire Adams) übernehmen. Alle drei wirken auf Anhieb sympathisch und die gelöste Stimmung setzt sich fort. Nach einem kurzen Hello und Good Evening beginnt der Abend mit dem einem alten Lied von ihm aus dem Jahr 2004. I Turn My Face To The Forest Floor. Großartig. Alles passt zusammen - das monotone Schlagzeug, Nick Talbots Stimme sowie der mehrstimmige Gesang mit seiner Band. Es folgen Damage und Nicole. Wieder alte Lieder. Und wieder singt die Band gekonnt und stimmig mit. Die Stimmen fügen sich so harmonisch in die Lieder ein, dass mir eine Gänsehaut kommt.

Nick Talbot ist optisch eher unscheinbar. Mit seiner schwarzen Brille wirkt er wie ein älter gewordener Lausbub. Jemand den man auf Anhieb mag und sofort auf seine Party einladen würde. Ein unaufdringlicher und interessanter Mann. Bevor mit The Ghost Of Saint Paul das erste Stück von neuen und schönen Album gespielt wird, macht er sich noch mit einer gehörigen Portion Witz und Selbstironie über diverse Rockposen lustig. Er selbst beherrsche nur vier, die aber so knuffig sind, dass man gerne darauf verzichten mag. Mitten im Lied hört er dann plötzlich auf zu spielen. Schweiß tropft ihn ins Auge und er kann sich nicht mehr aufs Lied konzentrieren. Das ist so herrlich ehrlich, dass er damit noch mehr Sympathien erntet als er eh schon besitzt. Mit Hourglass ein weiterer Höhepunkt für mich auf dem Konzert, welcher gleich vom wohl bekanntesten Stück des neuen Albums The Prize abgelöst wird. Mittlerweile steht er alleine auf der Bühne, was atmosphärisch kein Verlust ist. Dennoch fand ich die Begleitung der beiden Musikerinnen sehr angenehm.

Immer wieder mal muss Nick Talbot seine Gitarren nachstimmen. Das macht neugierig. Ungeduld kommt beim Publikum nicht auf, seine Gelassenheit wirkt dabei so beruhigend und dass das was folgt wertvoll ist. Das dauert seine Zeit und so kommentiert er das gelassen mit dem Hinweis, dass seine Show zwar 1.5 Stunden dauern würde, es aber nur 40 Minuten Musik gibt. Das Publikum dankt seine Musik mit viel Applaus und Johlen. Gott sei Dank stehe ich recht weit vorne an der Bühne, so dass der Krach der Bar dort kaum hörbar ist. Nicht nur die Musik ist großartig. Seine Texte sind es ebenso. Und so schwelge ich oft in Gedanken umher und lasse mich völlig auf die Musik ein. Blue Beard wird gespielt.

Nicht wenige im Publikum kennen auch seine alten Lieder. Kein Wunder, denn seit Jahren ist Gravenhurst in Berlin zu Gast. Dennoch ist es an diesem Abend mein erstes Konzert von ihm. Seine Band kommt wieder zurück auf die Bühne. Ich bin erfreut. Nicht, dass ich Nick Talbot solo nicht mögen würde, aber mit seiner Band wirkt es vollkommener. Bei The Foundry bin ich hin und weg. Mit Black Holes In The Sand wird das normale Set würdig beendet. Es ist schön mit anzusehen wie sehr sich die Band miteinander harmoniert. Die beiden Musikerinnen achten sehr auf das was Nick Talbot vorgibt. Und so unscheinbar und zurückhaltend er auch auftritt, so sehr steht er gerade deswegen im Mittelpunkt. Er schafft es dadurch Neugierde zu wecken, die sich vielleicht bei typischen Rockposen in Desinteresse und Langeweile im Publikum wandeln würde. Das Publikum erjubelt sich dann doch noch weitere Zugaben, die wiederum solo dargebracht werden. Darunter auch Grand Union Canal. Wieder machen Schweisstropfen das Weiterspielen unmöglich - was er aber charmant und neckisch verpacken kann und das Publikum dankt es mit Schmunzeln und Heiterkeit. Mit Cities Beneath The Sea, einem Lied welches mich zum Abschluss noch mal tief bewegt, endet das Konzert.

Nick Talbot alias Gravenhurst ist ein großartiger Musiker, der eine so positive Stimmung verbreiten konnte, dass einem die besinnlichen Lieder nicht zu viel wurden. Sollte er wieder nach Berlin kommen (wovon auszugehen ist), werde ich auf jeden Fall im Publikum stehen.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Gravenhurst, Haldern, 09.08.08
- Gravenhurst, Paris, 15.04.08




Sonntag, 10. August 2008

Gravenhurst, Haldern-Festival, 09.08.08

1 Kommentare

Konzert: Gravenhurst (solo)

Ort: Spiegelzelt des Haldern Pop Festival
Datum: 09.08.2008
Zuschauer: einige
Konzertdauer: 35 Minuten


"Steven!"

Ich war derjenige, der diesen Namen ausrief. Wie kam ich auf Steven? Der Mann, der hinter dem Projekt Gravenhurst steht, heisst doch Nick. Nick Talbot.

Deshalb war der englische Sänger von meinem Zwischenruf auch ganz irritiert: " I don't have a song called Steven". Ich machte den Patzer aber gut, indem ich Nichole rief. " I do have a song called Nichole!", freute sich Nick und natürlich spielte er diese schöne Ballade gegen Ende seines leider recht kurzen Sets.

Steven, ähh, ich meine natürlich Nick, war ohne Begleitband nach Haldern gekommen, was möglicherweise damit zusammenhing, dass Gravenhurst erst als Nachrücker zu dem Festival am Niederrhein stießen und die Zeit vielleicht zu knapp bemessen war, um spontan die anderen Musiker zusammenzutrommeln. Aber egal, der Boss ist eh Mister Talbot und der kann auch ohne ausgewachsene Band ein tolles Konzert geben! Er braucht dazu nur seine sanfte, melancholische Stimme, eine Gitarre und ein paar eingesampelte sphärische Geräusche. Mit diesen spärlichen Mitteln erzeugte er eine wunderbar feierliche und intime Atmosphäre im warmen Spiegelzelt.

Auf den englischen Ausnahmemusiker Nick Talbot war ich schon 2004 gestoßen, als er sein erstes Album "Flaslight Seasons" veröffentlichte, dass in einer sehr schönen Kartonhülle mit hübschem Druck zu haben ist. Quasi unmittelbar war ich fasziniert von der wundervollen Stimme, den interessanten Texten und der dichten Atmosphäre, die von den Liedern ausgeht. Zu meiner Freude stammten gleich die ersten drei Stücke des heutigen Sets von jenem "Flaslight Season", wahrscheinlich weil es sein folkigstes Album ist, daß man am Besten solo spielen kann. "You're only a stone throw from all the violence you burried years ago, sang Nick auf "I Turn My Face To The Forest Floor" und seine Stimme klang fast noch klarer und präziser als auf der Scheibe. Nicht nur wegen der Wärme im Zelt hätte man eine Gänsehaut bekommen können! Bei "Tunnels" und "Bluebeard", ebenfalls von "Flashlight Season" gilt das Gleiche, eine schöne Ballade jagte hier die nächste! Dabei kann Nick, wenn er mit seiner Begleitband auftritt, richtig Lärm machen, weshalb man Gravenhurst in der Musikpresse auch desöfteren mit den Noiserockern My Bloody Valentine vergleicht. Dafür waren heute aber nicht die richtigen technischen Möglichkeiten gegeben, obwohl Nick seine Gitarre beim abschließenden "Black Holes In The Sand" (entnommen von der gleichnamigen EP) ordentlich lärmen liess. Zwei Lieder vorher erfüllte er mir aber meinen persönlichen Wunsch und spielte das sentimentale Liebeslied "Nichole", das er so hingebungsvoll in sein Mikro hauchte, dass es eine regelrechte Wonne war. Wunderschön hierbei erneut seine hervorragende Stimme und sein reduziertes, aber punktgenaues Gitarrenspiel. Kein Wunder, daß dieser Schmachtfetzen für einen Film ("This Is England") verwendet wurde! "Ouhh Nicole, ouhh Nicole", diese Zeilen werden wir wohl auch lange nach Ende des Festivals nicht so schnell aus dem Gehörgang gehen...

Setlist Gravenhurst, Haldern Pop Festival:

01: I Turn My Face To The Forest Floor
02: Tunnels
03: Bluebeard
04: Nichole
05: Saints
06: Black Holes In The Sand


Mittwoch, 16. April 2008

Young Knives & Gravenhurst, Paris, 15.04.08

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Konzert: The Young Knives & Gravenhurst
Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 15.04.2008
Zuschauer: nicht besonders volles Haus


"I think we are the fattest band on this festival!"

Mit diesem herrlich selbstironischen Spruch hatten die leicht molligen Young Knives im Nu meine Sympathien auf ihrer Seite. Zitierter Satz fiel allerdings nicht heute, sondern beim Furia Sound Festival 2006 in Cergy - Pontoise bei Paris.

Damals waren die lustigen Briten außerhalb Englands noch recht unbekannt und wurden deshalb auf die kleinste Bühne -ein winziges, offenes Zelt - verbannt (während der deutsche "Reggae- Star" Gentleman und seine Far East Band auf der großen Hauptbühne herumhampeln durfte!). Völlig zu Unrecht natürlich, denn sie spielten ein gutes und unterhaltsames Set und hätten mehr Publikum verdient gehabt.

Im Grunde genommen hat sich aber seitdem kaum etwas geändert, denn nach wie vor sind die Young Knives nicht sehr vielen Franzosen ein Begriff und so spielen sie weiterhin in kleinen Locations wie dem Nouveau Casino und füllen dieses noch nicht einmal gänzlich. Schlimmer noch: Sie mußten heute als Erste ran und waren somit nicht Headliner. Diese Ehre wurde vielmehr Kritikerliebling Gravenhurst zugestanden.

Davon lassen sich die drei Komiker (eigentlich zwei, der Schlagzeuger hält sich immer dezent im Hintergrund und läßt die beiden anderen herumblödeln) allerdings nicht den Spaß verderben. Sie reißen nach wie vor einen Witz nach dem anderen und veralbern sich dabei oft selbst. Kostprobe: " I just wanted to express that we are good, without saying that we're good, you know what I mean?" ( Gitarrist Henry Dartnall) - "No, not really!" But anyway, come on junkie, let's play!" ( Bassist House Of Lords) So geht das oft hin und her zwischen den beiden Musikern und ich lache mich dabei dann immer kaputt, weil diese Art von Humor so typisch britisch ist und der Sänger noch dazu aussieht wie Otto Walkes, bloß mit anderer Frisur und ein paar Kilo mehr auf den Rippen. Und dann erst dieser Bassist: House Of Lords nennt er sich (bescheiden der Herr, sich nach der Kammer in England zu bezeichnen) und mit seiner Hornbrille, die die Kasse bezahlt hat, sieht er aus wie der typische Streber, der dem Lehrer immer die Tasche trägt. Aber seine zackigen Bassläufe haben es in sich. In bester Andy "Gang Of Four" Gil-Manier reißt er die Saiten nur kurz scharf an und sorgt so im Duett mit den schnellen Gitarrenriffs von Henry Dartnall für einen astreinen Post-Punk Sound. Kein Wunder allerdings, wenn man weiß, daß der legendäre Andy Gil, der Halbgott am Bass der genialen Gang Of Four (zweitbeste Band aller Zeiten hinter...Joy Division!) die Young Knives produziert. Und das Post Punk -Revival ist für mich längst noch nicht ausgelatscht, auch wenn inzwischen beim Indie-Publikum ein Favoritenwechsel stattgefunden hat. Bands wie Art Brut oder eben die Young Knives läßt man links liegen und wendet sich gräßlichen Nu-Rave Gruppen wie den Klaxons zu, oder aber neuen Lieblingen wie MGMT oder Vampire Weekend. Mich persönlich ficht das nicht an, denn " (Post) Punk never dies!"

So wurde ich dann auch heute sowohl musikalisch als auch sprüchetechnisch wieder bestens amüsiert und schwang auch das Tanzbein zu Küllern wie "She's Attracted To", dem neuen Hit "Terra Firma" oder "Rumour Mill". In dem ganzen, zwölf Lieder umfassenden Set gab es keinen einzigen Ausfall, jeder Titel wurde präzise auf den Punkt gespielt und warum die Leute nicht mehr abgingen ist mir ein Rätsel. "I'm so sorry for the boring parisian crowd", sagte dann auch aufmunternd eine Französin nach dem Konzert zu dem Bassisten House of Lords, der es sich im oberen Bereich des Nouveau Casino auf der Couch bequem gemacht hatte und in Seelenruhe ein Bierchen schlürfte (" drinking beer makes me sexy", auch so ein Spruch, den er vorher brachte). Der aber verstand aufgrund des Akzentes der Pariserin gar nicht so recht, was sie meinte und entgegnete heiter: "Yeah the crowd was very lovely, indeed, we like playing in Paris". Köstlich!

Setlist The Young Knives, Paris, Nouveau Casino:

01: She's Attracted To
02: Counters
03: Loughborough Suicide
04: Light Switch
05: Terra Firma
06: Here Comes The Rumour Mill
07: Dyed In The Wool
08: Turn Tail
09: Fit 4 U
10: Up All Night *
11: Current Of The River
12: Weekends And Bleak Days (Hot Summer)

Nicht gespielt wurde leider "The Decision", obwohl es laut Setlist vorgesehen war. Schade!

Ausgewählte Konzerttermine der Young Knives:

18.04.2008: Zürich (Abart)
25.04.2008: München (Backstage Club)
26.04.2008: Berlin (Knaack Club)
27.04.2008: Hamburg (Molotow)
29.04.2008: Gent (Vooruit)
30.04.2008: Amsterdam (Paradiso)
01.05.2008: Köln (Luxor)! Hingehen Christoph!

Links:

- sensationell komisches Video: "She's Attracted To". Angucken!
- mehr Fotos von den drolligen Young Knives hier

Konzertbesucher von den Young Knives könnten auch mögen:

- Gang Of Four in Paris, November 2006
- Futureheads in Wiesbaden 2008
- Good Shoes, zuletzt in Paris Oktober 2008

Nachdem sich die knuffigen Young Knives zurückgezogen hatten, wurde es mit Nick Talbot aka Gravenhurst wesentlich düsterer und melancholischer. Schluß also mit lustig! Zunächst einmal wurde jedoch langatmig umgebaut und die Gitarre x-mal gestimmt. Nick scheint da ein Perfektionist zu sein, er ist erst zufrieden wenn seine wunderschöne Les Pauls - Klampfe absolut einwandfrei eingestellt ist. Sein Äußeres passt zu dieser Akribie, mit seiner Brille und dem Seitenscheitel sieht er aus wie ein Informatik-Genie, das hinter seinem Schreibtisch geheime Formeln austüftelt. Auch seine Musik ist hochgradig komplex und filigran strukturiert, was ihm immer wieder glänzende Album-Kritiken in den einschlägigen Musikmagazinen einbringt, zuletzt für sein aktuelles Werk "The Western Lands". Kennengelernt hatte ich Gravenhurst schon recht früh und zwar mit seinem 2004 erschienenen Erstlingswerk "Flashlight Seasons". Spontan war ich dem leicht morbiden Charme und der tiefen Melancholie dieser CD verfallen. Und dann erst diese Stimme! So sanft, so tieftraurig und wehklagend! Fast so bewegend wie diejenige von meinem früh verstorbenen Helden Elliott Smith. Der Musikstil war aber schon immer schwer einzuordnen. Was ist das? Post Rock? Düsterer Folk? Brit-Pop der dunklen Sorte? New Wave? Die Antwort liefert eventuell ihre MySpace Seite bei der Kategorie "Influences":

The Smiths, My Bloody Valentine, Simon and Garfunkel, Richard Thompson, Low, Flying Saucer Attack, Sandy Denny, Joy Division, Spacemen 3, The Velvet Underground, Mark Knopfler, Broadcast, Fairport Convention, Elliott Smith, The Cure, Brian Eno, Husker Du, Red House Painters, Bert Jansch, Wire, Suzanne Vega, The Auteurs, Sonic Youth, Talk Talk, Yo La Tengo... I think you understand the problem we have here.

"I think you understand the problem we have here" - In der Tat, das ist schwer in eine Schublade zu packen!

Schon der Auftakt war speziell , ein Instrumentalstück, höchtswahrscheinlich "Velvet Cell Reprise", gefolgt von "She Dances" von dem neuen Album, ein Stück, das langsam beginnt und urplötzlich das Tempo wechselt und wild losgaloppiert. Überhaupt: Die Wechsel von laut zu leise, von weich zu hart sind typisch für den Sound des Quartetts und sorgen logischerweise für Vergleiche mit Mogwai oder Explosions In The Sky, mit denen die Gruppe aus Bristol auch touren wird. Aber Gravenhurst sind wirklich sehr eigen und dafür liebe ich sie. Keine leichte Kost natürlich, aber wenn man die Geduld aufbringt, in Ruhe zuzuhörern, sich dem weinerlichen Gesang von Nick hinzugeben, dann wird man am Ende reich belohnt. Besonders stark: Die massiven Gitarrenwände im Stile von My Bloody Valentine, die einem den Atem (und auch das Gehör) rauben. Eines der musikalischen Highlights war das glänzende "Down River" vom Album "Fires In Distant Buildings", das ebenfalls Tempo und Lautstärke stark variiert. Auch die neuen Singles "Hollow Men" und "Trust" stachen hervor und fügten sich nahtlos in ältere Stücke ein, wie z.B. das abschließende "Tunnels" von Flashlight Seasons.

Auch die erste Zugabe, "Damage II" stammte vom Debüt der Engländer, bevor die wundervolle Ballade "Nichole" das Konzert beendete. "Nichole" wurde auch für einen Film verwendet, der gerade in England läuft. Sein Titel: "This is England". Nick konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als er erzählte, daß er den Film, der u.a. von den Thatcher - Jahren handelt, sehr möge, weil nun einmal eines seiner Lieder darin vorkomme. Die Musik von Gravenhurst scheint ohnehin für Soundtracks wie geschaffen zu sein, denn schon in dem deutschen Film "Ein Freund von mir" stammen etliche Titel von Gravenhurst.

Nick und seine Band kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Man kann ihn auch bald live in Deutschland erleben:

Ausgewählte Konzerttermine von Gravenhurst:

20. 04.2008: Gent, Belgien
22.04..2008: Nürnberg (K4)
23.04.2008: Dresden (Puschkin)
24.04.2008: Wiesbaden (Rauchkammer)
25.05.2008: Weinheim (Café Central)
26.05.2008: Hannover (Café Glocksee)
27.05.2008: Bielefeld (Forum)





Mittwoch, 30. August 2006

Setlist Belle & Sebastian Köln

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01: The state I am in
02: Another sunny day
03: Funny little frog
04: Photo Jenny
05: Sukie in the graveyard
06: Electric renaissance
07: The lonliness of a middle distance runner
08: To be myself completely
09: Piazza New York catcher
10: Act of the apostle I
11: If you're feeling sinister
12: We are the sleepyards
13: Your cover's blown
14: Dog on wheels
15: I'm a cuckoo
16: The wrong girl
17: White collar boy
18: Me and the major
19: If you find yourself caught in love
20: The boy with the arab strap

 

Konzerttagebuch © 2010

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