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Freitag, 11. März 2016

Entertainment for the Braindead, Karlsruhe, 10.03.16

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Konzert mit Entertainment for the Braindead
Ort: Karlsruhe-Waldstadt
Datum: 10. März 2016
Dauer: 80 min
Zuschauer: 11

(c) Guido
Ich weiß, dass ich ziemlich gut dran bin. Nicht FriedeFreudeEierkuchen-mäßig, aber die wichtigen Sachen - da habe ich einerseits Schwein gehabt und andererseits starrsinnig genug meine eigene Rinne gezogen. Aber wissen im Kopf ist längst nicht in der Seele fühlen. Besonders wenn die Tage voll sind und sich nicht jeder Müll vermeiden lässt. Aber dann gibt es solche Abende...
 
 Das neue Baby! (c) Guido
Schon lang hatte mir die immer wieder im Hinterkopf aufflackernde Vorfreude auf das geplante Konzert als Licht gedient. Und nun war es tatsächlich soweit und Julia Kotowski aka Entertainment for the Braindead wieder zu Gast in der Waldstadt. Ein klarer Fall von hach! Das personifizierte Understatement auf der Bühne... Dafür hatten wir sogar Gäste aus Stuttgart und Saarbrücken (ihr ebenso verfallen wie ich).


 

Sie hatte ihr neues Baby mitgebracht und einen Koffer voll Tastendingser und eine kleine Gitarre. Vor allem aber ihre Lieder und ein paar Geschichten. Und auch wenn sich unsere Wege ja eher so alle Jubeljahre kreuzen und es auch dazwischen immer so ein wenig still um Julia scheint (*), im Konzert, in der Musik da fühlt sich mein Herz im tiefsten verstanden und berührt und ich werde auch in meiner Seele gewahr, dass mich mein Leben reich beschenkt.


Musikalisch war es eine Mischung aus eher traditionell bezeichenbaren Liedern zur kleinen Gitarre, die aber auch alle diese eftb-Zutat hatten, die mich so bezaubert. Das genaue hinschauen, spiegeln und brechen des Gesehenen und Erlebten. Das Zeugnis ablegen in leisen und nachdenklichen aber so präzisen Facetten. Und andererseits kamen auch die schon erwähnten Tastendingser zum Einsatz und malten jeweils einen weiten Horizont, der sich ständig veränderte, mich dabei anlockend und verzaubernd. Beim verabschieden später trugen viele ein Funkeln in den Augen, das mich auf ein funkelndes Herz schließen ließ.


(*) Ich musste feststellen, dass mir ganz entgangen war, dass sie zwischenzeitlich sieben musikalische Postkarten geschickt hatte, die erst jetzt (also mit ziemlicher Verzögerung) bei mir angekommen sind.


Aus unserem Archiv:
Entertainment For The Braindead, Karlsruhe, 27.02.14
Entertainment For The Braindead, Köln, 25.11.12
Entertainment For The Braindead, Köln, 16.08.12
Entertainment For The Braindead, Köln, 17.01.12
Entertainment For The Braindead, Köln, 12.08.09
Entertainment For The Braindead, Westfalde, 26.07.09
Entertainment For The Braindead, Köln, 25.07.09
Entertainment For The Braindead, Köln, 21.07.09
Entertainment For The Braindead, Köln, 12.06.09
Entertainment For The Braindead, Paris, 18.01.09 





Mittwoch, 5. März 2014

Entertainment for the Braindead, Karlsruhe, 27.02.14

0 Kommentare
Konzert mit Entertainment for the Braindead 
& Rowan Coupland
Ort: Karlsruhe-Waldstadt
Datum: 27. Februar 2014
Dauer: 35 min & 70 min
Zuschauer: 21
 
alle Fotos von Guido E.-Danke!!

Dieses Konzert war mir beiläufig zugerollt. Und nachdem ich den Ball gefangen hatte, musste ich noch eine Weile nach Luft schnappen und mich kneifen. So lange wollte ich schon das Projekt eftb von Julia Kottowski erleben. Schon Eikes Einladung nach Ampfing kam der unerwarteten Erfüllung eines Traumes gleich. Und dann klopfte Julia sogar bei mir an...  Als wir um den Tisch saßen, haben wir sehr geschunzelt, wie es schlußendlich dazu gekommen war.


So waren meine Erwartungen hoch gespannt. Ohne ihm Unrecht tun zu wollen, war Rowan Coupland in dieser Konstellation eine Art Mitbringsel oder Gastgeschenk von Julia. Nach Eikes Bericht war ich aber schon gespannt darauf, was mehr poetische Überhöhung ist und was er bei uns im Konzert zeigen würde. Die Zeit vor dem Konzert hatten wir jedenfalls viele gemeinsame Themen gefunden und ich konnte ein Entzücken bei ihm hervorrufen darüber, dass Diane Cluck bald bei uns im Wohnzimmer auftreten wird.. 


Nach etwas Beratschlagung über die verschiedenen Möglichkeiten wurde eine etwas ungewöhnliche Bühne bereitet. Auf der Mitte der langen Seite des Zimmers hatte Julia es sich zwischen den Stereoboxen bequem gemacht mit allerlei niedlichen Gerätschaften, die mit vielen Kabeln verbunden waren. Der Soundcheck war dafür erstaunlich schnell erledigt.


Dann füllte sich das Zimmer schön und in großer Runde saßen wir um die Bühne versammelt - die meisten in der ersten Reihe und mit großen und neugierigen Augen schauten wir auf die geheimnisvollen Dinge in unserer Mitte.

Rowan Coupland begann schließlich den Abend. Sein Spiel hatte etwas von einem Troubadour, einem Rufer, einem Verkünder von Neuigkeiten und Erzähler von Geschichten - aus der Zeit gefallen, fast als würde er sich auf seinen Wanderreisen noch Gespräche mit anderweltlichen Gestalten verstehen. Reduziert auf das Wesentliche (Gesang und akustische Gitarre bzw. Harfe) waren die Lieder zum Teil sehr roh aber nie schroff. Manches ein wenig schräg aber immer zugänglich.

Die Körpersprache von Rowan war ein wichtiger Aspekt, der das Liveerlebnis besonders machte. Lang und schlaksig von Natur aus - ließ er sich von seiner Musik mitunter regelrecht durch den Raum katapultieren. Er saß nur selten ruhig, sprang, tänzelte und brach manchmal förmlich vor uns zusammen. Ein Wunder, dass er nicht einen Unfall hatte - auf dem Holzfussboden ausgleitend oder mit den Möbeln oder Julias Geräten zusammenstoßend. 




Das Publikum liebte jedenfalls, was es da geboten bekam. Es gab viel Applaus. Nach einer kleinen Verschnaufpause nahm uns anschließend Julia mit auf die Reise. Trotz der oben schon erwähnten Gerätschaften war auch sie eher minimalistisch ausgestattet. Aber im Gegensatz zu Rowans Set mischte sie die feinen Zutaten per Loop und so kam ihre Musik zwar auch  transparent aber voller schmeckend und doch erdig daher. Im hier und jetzt verankert, aber mit dem Blick auf die kleinen Besonderheiten unserer Welt weisend und uns damit einladend, diese mehr zu würdigen. Julias Stimme war warm und ganz da. Sie füllte den Raum und sie füllte unsere Herzen. Sie war letztlich auch ihr "Hauptinstrument". Es gab immer wieder Lächeln und Gelächter zu den sehr sparsam dosierten Ansagen und viele musikalische Überraschungen. Klar, dass sie den Abend nicht ohne Zugabe abschließen durfte.

Ich hatte mir tatsächlich nicht zu viel versprochen, sondern fand das Konzert bezaubernd und einzigartig. Fast könnte man ihr zutrauen, einen Hirntoten damit zum Leben zurück holen zu können.



Konzertvorschau eftb im März:
09.03. mit Rowan Coupland @Laika, Berlin
21.03. mit Charlie Rayne @Oliver Peel Session, Paris
22.03. mit Charlie Rayne @Atelier Sainte Marthe, Paris


Aus den Archiven:
Entertainment For The Braindead, Köln, 25.11.12
Entertainment For The Braindead, Köln, 16.08.12
Entertainment For The Braindead, Köln, 17.01.12
Entertainment For The Braindead, Köln, 12.08.09
Entertainment For The Braindead, Westfalde, 26.07.09*
Entertainment For The Braindead, Köln, 25.07.09
Entertainment For The Braindead, Köln, 21.07.09
Entertainment For The Braindead, Köln, 12.06.09
Entertainment For The Braindead, Paris, 18.01.09*

* als Oliver Peel Sessions

Bericht von Eikes Wohnzimmerkonzert, 22. 02.14 
bezaubernder Konzertvideokonzertmitschnitt von  Orange 'Ear



Montag, 26. November 2012

Wild Nothing, Köln, 25.11.12

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Konzert: Wild Nothing
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 25.11.2012
Dauer: Wild Nothing genau 60 min, EFTB gut 25 min
Zuschauer: knapp 100



Was ist das beste Mittel gegen ein doofes Wochenende? Ein versöhnlicher Konzertabschluß am Sonntagabend. Wild Nothing aus Virginia kamen heute gerade recht, Dreampop funktioniert nämlich bei mir so gut wie Eigenblutinfusionen bei Radfahrern.

Ich war früher als geplant im Gebäude 9, weil der eigentlich angesetzte Support eine Panne hatte und absagen musste und dafür kurz vorher Entertainment For The Braindead als Ersatz angekündigt worden war. EFTB ist Julia Kotowski, eine Kölner Singer / Songwriterin, die mittlerweile in Berlin lebt. Sie ist zur Zeit in Köln und spielt da Wohnzimmerkonzerte - auch heute abend - konnte aber das heutige nach hinten verschieben und im Gebäude 9 einspringen (Julia hat auch bereits zwei Oliver-Peel-Sessions gespielt, Links sind unten!).


Irgendwie war auch das heute ein Wohnzimmerkonzert, es waren während ihres Auftritts nämlich leider nicht viel mehr Leute da, als in eine übliche Stube passen. Außerdem habe ich langsam das Gefühl, dieses Jahr häufiger im Gebäude 9 als auf meinem Sofa zu sein. Wohnzimmerkonzert also in jeder Hinsicht.

Julias Lieder werden mit vielen Instrumenten und mit einer Loop-Maschine erzeugt. Ihr leiser Gesang und die Instrumentschichten sind sehr sehr schön und wirkten auch nicht allzu verloren im weitestgehend leeren Saal. Ich kannte bei weitem nicht alles von ihren sechs Liedern, am besten gefiel mir das vorletzte Stück, bei dem sie Banjo spielte (und auf ihm klopfte)!


Unmittelbar nach Ende des Tatorts erschienen Wild Nothing. Obwohl es mein drittes Konzert der Amerikaner war, hatte ich keinerlei optische Erinnerungen. Beim Debüt im King Georg war es so rappelvoll, daß wir in einer Ecke standen, die zwar nur vier, fünf Meter von der Bühne weg war, aber überhaupt nichts gesehen habe. Mit hochgerecktem Fotoapparat konnte ich viele schöne Hinterkopf-Bilder und einige wenige von der Band machen, es war aber eher ein Radiokonzert. Beim zweiten Mal supporteten Wild Nothing im Urlaub die Stars, aber obwohl ich da gute Sicht hatte, sind meine Erinnerungen dürftig. So wusste ich nicht, daß Wild Nothing zu fünft sind. Ich erinnere mich (naja, ich musste nachlesen), daß jemand mit Sicht im King Georg von vier Musikern sprach. Beim Stars-Support war der längerhaarige Bassist nicht dabei, weil er seine Ausbildung zu dieser Zeit beendete. Da Wild Nothing offiziell nur aus Sänger Jack Tatum besteht, ist diese spannende Diskussion um mehr oder weniger Livemitglieder aber eh vollkommen sinnlos.


Wirklich spannend im engeren Sinne ist die Musik von Jack und seinen Begleitern auch nicht. Vorher liefen Yuck und die Pains Of Being Pure At Heart* vom Band. Wie deren Stücke lebt Wild Nothing nicht von unglaublich abwechslungsreichen Songs oder Überraschungsmomenten, ihre verträumten Gitarrenmelodien sind schönster Pop mit leisem, verhutschelten Gesang, vor allem hochmelodiös! Schlecht sind solche Konzerte eh nur, wenn der Soundmann seinen Job nicht macht, heute war alles super, das Konzert also wundervoll!


Leider hat sich offenbar nicht rumgesprochen, wie toll Wild Nothing sind, obwohl sie bereits zum vierten Mal in Köln waren. Das behauptete Jack jedenfalls, im Publikum gab es Widerworte. Die kleine Zuschauerzahl machte sich vor allem in den Pausen bemerkbar. Es war wahnsinnig still, passend zum Totensonntag.

Wild Nothing spielten Stücke von beiden Alben, mehr vom aktuellen, und die Single The golden haze. Mir gefällt das Debüt wohl besser, wenn ich gefragt würde, aber außer dem etwas langweiligen Nocturne war alles gut, ganz besonders Only Heather (Nocturne), die Zugabe Summer holiday und der große Hit Live in dreams (beide von Gemini).


Daß trotz des andächtigen Publikums vor der Bühne doch etwas los war, lag an dem enorm betrunkenen amerikanischen Wild Nothing Fan Jay (zumindest rief er immer "jay!"), der sich bei seinen wilden Tänzen und wackeligen Gängen zur Bar viele neue Freunde machte. Als er bei Gemini herzhaft auf die Bühne spuckte, dachte ich kurz, das ginge schief aber Jay rettete sich durch die paar verbleibenden Stücke und hatte wahrscheinlich den besten Abend seit langem.

Meiner war auch sehr gut! Was so eine Portion Dream Pop doch alles hinbekommt! Tolles Wochenende, toller Abend!
  
Setlist Wild Nothing, Gebäude 9, Köln:

01: Shadow
02: Confirmation
03: Counting days
04: The golden haze
05: Only Heather
06: Chinatown
07: Nocturne
08: This chain won't break
09: Live in dreams
10: Rheya
11: Gemini
12: The blue dress
13: Paradise

14: Summer holiday (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Wild Nothing, New York, 24.09.10
- Wild Nothing, Köln, 07.08.10
- Entertainment For The Braindead, Köln, 16.08.12
- Entertainment For The Braindead, Köln, 12.08.09
- Entertainment For The Braindead, Westfalde, 26.07.09
- Entertainment For The Braindead, Köln, 25.07.09
- Entertainment For The Braindead, Köln, 21.07.09
- Entertainment For The Braindead, Köln, 12.06.09
- Entertainment For The Braindead, Paris, 18.01.09


* die viel zu lange nicht mehr in Köln waren!




Montag, 20. August 2012

Entertainment For The Braindead, Köln, 16.08.12

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Entertainment For The Braindead
Ort: Baustelle Kalk, Köln-Kalk
Datum: 16.08.2012
Zuschauer: etwa 70
Konzertdauer: ungefähr 50


von Oliver


Julia Kotowski alias Entertainment For The Braindead hatte ein paar Stunden vor ihrem Konzert auf ihrer Facebook Seite von einer total abgefahrenen Location geschwärmt und damit nicht übertrieben. In der Tat war die Baustelle Kalk sehr ungewöhnlich und heimelig. Durch einen unscheinbaren privaten Innenhof gelangte man zu dieser verrückten Spielstätte, deren Hauptraum wie ein Wald angelegt war. Auf dem Boden lag Baumrinde, die den Geruch von Holz ausströmte und an der Betondecke hingen ein paar Äste runter. Ich vermute, daß der Raum ursprünglich eine Garage war, bin mir da aber nicht ganz sicher. Auch eine Bar gab es, an der eine nette blonde Bedienung sehr günstiges Kölsch (2 Euro die 0, 5 Liter Flasche) und selbstgebackenen Kuchen (1 Euro) verkaufte.

Julias Konzert begann um kurz nach 9 und wir waren, die Vorgruppe wieder einmal verpassend, gerade noch rechtzeitig gekommen, da wir uns in Kalk nicht auskannten.

Entertainment For The Braindead spielte alleine und nur mit ihrer Akustikgitarre (die ihr ein Freund, der auf Weltreise gegangen war, geliehen hatte), einem Banjo (das nur bei einem überaus tollen Stück zum Einsatz kam) und ihrer obligatorischen Loop-Maschine, zum Widergeben von gesampelten Sequenzen. Eine Ukulele hatte sie aber erstaunlicherweise nicht dabei, obwohl das eigentlich ihr Paradeinstrument ist.

Ungemein behutsam und zart begann sie und sang (bzw. flüsterte) so leise, daß man die englischen Texte kaum verstand. Ihre fragile Stimme klang betörend schön, es fühlte sich an, als würde man von einer Feder gestreichelt. Mir fiel auf Anhieb nur Vashti Bunjan als Vergleich ein, die ebenfalls hauchzart intoniert und Worte wie rohe Eier behandelt, damit sie nicht zerbrechen. Aber das Werk von Entertainment For The Braindead ist eigentlich frei vom Ballast klassischer Referenzen, sie hat sich nie sonderlich mit Singer/Songwriterinnen wie Joni Mitchell, Judee Sill oder eben Vashti Bunjan beschäftigt, sondern tüftelt ganz unvoreingenommen an ihrem selbstgebastelten Lofi- Sound. Ganz persönlich sind auch ihre teils autobiografischen Texte, die eine erstaunlich reife und intelligente Persönlichkeit offenbaren, die mit viel Sanftmut, aber auch Ironie, Weltklugheit und Güte schreibt und singt.

In der schwülen Hitze des künstlichen Waldes in der Baustelle Kalk war es allerdings gar nicht so leicht, sich zu konzentrieren. Im Nu war ich durchgeschwitzt und atmete schwer. Wie gerne wäre ich kurz in den Hof gegangen, um Luft zu schnappen! Aber das ging natürlich nicht, denn es wäre auch verdammt schade gewesen, auch nur eine Minute dieses bewegenden Konzertes zu verpassen. Es setzte sich zum Großteil aus neuen, noch unveröffentlichten Liedern zusammen, von denen eines ein absolutes Juwel war. Es ging um ein «Bycicle» und die ängstlich sorgenvolle Aufforderung »you should were a helmet», was darauf hindeutete, daß es ein Lovesong war. Die Melodie jedenfalls geht mir jetzt schon nicht mehr aus dem Kopf und der liebliche Gesang von Julia jagte mir eine Gänsehaut über den Rücken. Auch ein Cover wurde zum Besten gegeben, aber ich erkannte es leider nicht. Textlich ging es um «sharks», was mir jedoch nicht weiterhalf, um es zu identifizieren. In Darmstadtbei einem vorigen Konzert hatten es die Leute übrigens auch nicht erkannt, was Julia schmunzelnd als «Armutszeugnis» bezeichnete...

Schließlich wurde an eine der heutigen Gastgeberinnen (ich glaube bei der Baustelle Köln handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein) ein Geburtstagsgeschenk überreicht und dann wurde es kurzfristig gefühlsduselig, aber keineswegs kitschig. Im Gegenteil, so wurde der private und intime Charakter dieser Show noch einmal verstärkt und man fühlte sich wie auf einer Party bei Freunden.

Das Konzept ging in jedem Falle voll auf und sowohl die immens talentierte Seelentrösterin Entertainment For The Braindead (die mit einem alten Lied von Hydrophobia von 2008 endete) als auch eine Veranstaltung in der Baustelle Kalk würde ich liebend gerne wiedersehen!



Donnerstag, 13. August 2009

Entertainment For The Braindead, Köln, 12.08.09

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Konzert: Entertainment For The Braindead
Ort: Galerie Seidel, Köln
Datum: 12.08.2009
Zuschauer: gut 20
Dauer: 42 min


Irgendwann am Vormittag hatte ich gesehen, daß heute auch Entertainment For The Braindead in Köln spielen würden. Meine Mitblogger Oliver hatte ich das noch empfehlen wollen, falls er doch nicht zu Beirut mitkommen wollte. Ich würde auf dieses Konzert des Kölner Projekts verzichten müssen, die Philharmonie ging vor. Man kann schließlich nicht alles haben.

Kann man doch, wie sich während des langanhaltenden Schlußapplauses im Kölner Konzerthaus zeigen sollte. Im Publikum war nämlich auch Julia, die hinter EFTB steckt. Oliver erfuhr von ihr, daß ihr Konzert erst in wenigen Momenten in einer Galerie Seidel, gleich hinter dem Museum Ludwig stattfinde. Auch wenn alle Entertainment For The Braindead Konzerte bisher vorzüglich waren, hätte ich nicht noch einen weiteren Programmpunkt gebraucht, Oliver wollte aber (zurecht) einen Freund unbedingt noch Julias Auftritt zeigen. Und da ich als zumindest braintired eindeutig zum Entertainment-Objekt gehörte, ließ ich mich schnell überzeugen.

Die Galerie Seidel ist unterhalb der Domplatte auf Bahnhofsniveau gelegen und in einem der Brückenbögen oder was auch immer untergebracht. Eine ungewöhnliche aber sicher sehr hippe Location für Konzerte. Als wir ankamen, begann EFTB gerade. In dem kleinen Raum hatten sich einige Leute eingefunden, die standen und saßen aber alle am Rand. Richtig gut geeignet ist der Laden mit seiner großen Bar (hinter der irgendwelche Coctails ausprobiert wurden) für Musik sicher nicht - nicht nur wegen des komischen Schnitts der Galerie.

Auch die Technik schien nicht konzertgeeignet. Relativ schnell bekam Julia Stromschläge von Gitarre und Mikro. Wie schmerzhaft das war, konnte man der Künstlerin deutlich anmerken. Ein anderes Problem war vorher entstanden, ihre Gitarre war kaputt, sie spielte also mit einem Leihgerät. Vieles - so sagte sie - mußte also improvisiert werden. Diejenigen, die ihre Musik und Konzerte noch nicht kannten, haben sicher nicht gemerkt, daß nicht alles so lief wie es sollte, die Begeisterung nach den Liedern war groß und ehrlich.

Ich habe EFTB in den letzten Wochen ein paar mal gesehen (und oft gehört), aber auch dieser Auftritt war trotz der widrigen Umständen sehr toll! Schade nur, daß zum einen nicht mehr Zuschauer da waren (ihr vor der Tür habt etwas verpasst!) und die Technik so versagt hat!

Setlist Entertainment For The Braindead, Galerie Seidel, Köln:


01: Goodbye
02: It flew away
03: Cracks
04: Will you miss me
05: ?
06: Resolutions
07: ?
08: Animals

Links und Bilder folgen!



Montag, 27. Juli 2009

The Wind Whistles & Entertainment For The Braindead, Oliver Peel Session # 11, 26.07.09

1 Kommentare

Konzert: The Wind Whistles & Entertainment For The Braindead
Ort: nicht weit von Köln, Oliver Peel Session # 11
Datum: 26.07.2009
Dauer: The Wind Whistles 55 min, Entertainment For The Braindead gut 65 min


Irgendwann kommt man in ein Alter, in dem Geburtstage lästig werden. Wenn man sie allerdings wie mein Mitblogger Oliver gestaltet, würde ich gerne jede Woche ein Jahr älter...

Zu einer geburtstaglichen Session waren nicht nur das fabelhafte Projekt
Entertainment For The Braindead von Julia Kotowski aus Köln, über das wir hier schon mehrfach und voller Überzeugung geschwärmt hatten, sondern auch die vorzüglichen The Wind Whistles aus Vancouver gekommen. EFTB und Wind Whistles sind Labelkollegen bei aaahh-records, einem Netlabel, dessen Slogan "nice and free music" ist. aaahh-records vertreibt die Musik seiner Künstler über Creative Common Lizenzen, das heißt, wer sich für die Platten der aaahh Bands interessiert, kann sie beim Label gratis runterladen - aber dazu später mehr.

Beide Bands waren am Samstag in Köln aufgetreten
(Bericht folgt), so daß sich die Möglichkeit ergab, diese exquisite Mischung zu einer kleinen Session einzuladen. Von Entertainment For The Braindead muß mich niemand mehr überzeugen. Zweimal hatte ich die Kölnerin vorher sehen dürfen und mich jeweils gefragt, warum sie noch nicht einem viel größeren Publikum bekannt ist. Die Wind Whistles aus Vancouver hatte ich dagegen noch nicht gehört. Erst unmittelbar vor ihrer Ankunft spielte Oliver mir ein paar Titel ihrer aktuellen CD Animals are people too vor, die mir genügten, um hin und weg zu sein. Nicht nur die CD selbst sieht wundervoll twee aus, auch die beiden Stücke, die Oliver mir vorspielte, klangen nach C86 und allerfeinstem Twee-Pop.

Liza und Tom, das Duo, das hinter den Wind Whistles steckt, brachte akustischen Bass und akustische Gitarre mit. Obwohl beide (wie jeder anständige Kanadier) in
einigen anderen Bands spielen oder gespielt haben, die allesamt laut und härter sind, spielten Liza und Tom als Wind Whistles ganz wundervolle akustische Folk-Pop Lieder. Ohne Mikro und nur mit Bassverstärker hätte das sicher auch schrecklich schiefgehen können. Beide verstehen aber etwas von ihrer Kunst und haben tolle Stimmen, die ganz perfekt harmonieren - es war hinreißend! Tom singt Leadstimme und Liza steigt meist kanonartig in die Stücke ein. Dadurch entstehen ganz ausgezeichnete Harmonien. Mein Gott, machte das Spaß, den Kanadiern zuzuhören! Denn es stimmte wirklich alles, die wunderschönen Melodien, die harmonischen Stimmen mit dem tollen kanadischen Akzent... Perfekt!

"Sollen wir eher längere oder kürzere Lieder spielen? Die Stücke von unserer neuen Platte sind alle so zwei Minuten lang, die älteren
dreieinhalb?" Wir wollten beides, also spielten die Wind Whistles eine bunte Mischung aus beiden Veröffentlichungen. Schwer zu sagen, was mir am besten gefiel... Sicher waren Gold fever und Communication's dead und Judo ("das ist ein Lied über Karate, obwohl es 'Judo' heißt") besonders großartig. Aber welcher Titel war das nicht... Über meinen Wind Whistles Liebling muß ich nachdenken. Glücklicherweise kann ich die Band in drei Wochen in Frankfurt wiedersehen (ihr auch! siehe unten).

Nach einer knappen Stunde beendete das fabelhafte Duo sein Programm mit einer Zugabe von ihrem Secret Album. Das Konzept hinter dieser Platte ist charmant. Da Tom und Liza ihre beiden regulären Platten zum freien Download zur Verfügung stellen (und damit nichts an ihrer Musik verdienen), wollten sie einen Anreiz für diejenigen schaffen, die sie durch Plattenkäufe unterstützen. Das geheime Album bekommt, wer 8 € spendet; bei der Qualität der nicht-geheimen Alben ein sicherer Deal für uns Hörer!

Setlist The Wind Whistles, Konzerttagebuch-Session:

01: Turtle
02: Jim & Ruth
03: Communication's dead
04: Judo
05: House for a mouse
06: Gold fever
07: Making your own stuff
08: Somedays
09: Happy birthday
10: Coming back
11: Art and work
12: Good friends won't rip you off

13: Ottoman's march (Z)

Entertainment For The Braindead-Julia hatte mehr Equipment als ihre kanadischen Labelmates dabei. Ihre Lieder kann man in zwei Kategorien zusammenfassen; akustische und geloopte Stücke. Über das Loopen von Instrumenten hatten wir bei meiner zweiten Lieblingsband des Jahres, Dear Reader aus Südafrika, auch schon mehrfach geschrieben; über diesen riesengroßen Charme, den sich scheibchenweise aufbauende Songs mit sich bringen. Julia beherrscht diese Kunst meisterhaft! Durch
diese Technik baut sie Lieder mit so vielen Instrumenten auf, daß man nicht ansatzweise darauf käme, daß eine einzelne Person diese komplexen Titel spielt - bis man das einmal live erlebt hat.

Heute war alles ein wenig anders. Julia hatte angekündigt, halbakustisch zu spielen, eine Premiere außerhalb ihres Proberaums. Der Beginn war aber ohnehin eines ihrer rein akustischen Lieder, It flew away, das es mir schon bei den beiden anderen Auftritten, die ich gesehen habe, sehr angetan hat.

Mit Resolutions folgte der erste Multi-Instrument-Song, dessen Grundmelodie Julia erst einspielte, aufnahm und dann wiederholen ließ, während sie mit Gitarre und Flöte weitere Melodieteile spielte. Man ist also als Zuschauer live dabei, wie ein Titel entsteht - einfach großartig! Wer sich das nicht vorstellen kann (das könnte ich wegen meiner hervorragenden Beschreibung verstehen), sollte sich gefälligst Entertainment For The Braindead schnellstmöglich ansehen!

Aber es ist nicht die Art, wie Julia vorträgt, die den Reiz ihrer Musik ausmacht. Sie ist sicher wichtiger Bestandteil. Auch dröge Stücke könnten vermutlich kreativ gespielt sehenswert sein. Die Stücke der Kölnerin sind aber eben auch extrem hörenswert
und wirklich exzellent! Kein Wunder, daß die Künstlerin bei allen Gelegenheiten, die ich erlebt habe, ausführlich gefeiert wurde, sei es im kleinen Rahmen wie gestern, in der Vorstadtprinzessin vor einiger Indieprominenz oder im Gebäude 9 vor Fachpublikum der Cologne Commons Messe.

Einige Stücke seien mit dem abgespeckten Bühnensetup (nunja, wo schon keine Bühne ist...) echte Experimente, warnte uns Julia. Maybe zum Beispiel bot sie uns sicher und abgespeckt oder voll und riskant an. Wir waren experimentierfreudig ...und Maybe brillant!

Auch Teil zwei des Abends ging viel zu schnell vorüber! Denn auch Julias Set war durchgehend großartig, egal ob akustisch, geloopt, traurig, gecovert (One great city von den Weakerthans) oder fröhlich, wie ihre Zugabe ("mein fröhliches Lied!"), es war begeisternd!

Tausend Dank für diesen perfekten Konzertabend, Julia, Liza und Tom!

Setlist Entertainment For The Braindead, Konzerttagebuch-Session:

01: It flew away
02: Resolutions
03: What you get
04: A-String
05: Will you miss me*
06: Maybe
07: Cracks
08: One great city (The Weakerthans Cover)
09: Coming home
10: Weightless & innocent*
11: Animals

12: ?? (Z)

Links:

- Entertainment For The Braindead & The Wind Whistles im Kölner Limes
- EFTB vergangene Woche in der Vorstadtprinzessin
- und beim Cologne Commons Festival im Gebäude 9
- und schließlich im Rahmen einer Oliver Peel Session in Paris

Tourtermine The Wind Whistles:

28.07.2009, Akkoestisch Podium w/ Paper Tiger, Gorichem
31.07.2009, Willemeen, Arnhem
01.08.2009, House Concert, Stuttgart
07.08.2009, LaCatrina, Zurich
11.08.2009, Clubkeller, Frankfurt

Konzerttermin(e) Entertainment For The Braindead:

06.09.2009, Solingen, Cobra w/ Halo of Pendor

* einige der neuen Lieder haben noch Arbeitstitel



Sonntag, 26. Juli 2009

Entertainment For The Braindead & The Wind Whistles, Köln, 25.07.09

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Konzert: Entertainment For The Braindead & The Wind Whistles

Ort: Limes, Köln
Datum: 25.07.2009
Zuschauer: ca. 60-70
Konzertdauer: EFTB ca. 30 Minuten, The Wind Whistles etwa 60 Minuten


Der selbsternannte King of Blog (Augenzwinker) diesmal nicht in Pariser Spekulunken, sondern in Mühlheimer Kneipen unterwegs, um die beiden Top Acts des wunderbaren Netlables aaahh- Recors unter die Lupe zu nehmen. Julia Kotowski aka Entermainment For The Braindead hat mir sogar das abschließende The Cure Cover Lullaby gewidmet, worüber ich mich enorm freute, während das tolle kanadische Pärchen von den Wind Whistles eine Stunde lang besten Indie/Rock/Folk mit hohem Charmefaktor bot.

Ein glänzender Konzertabend, von dem ich demnächst gerne mehr berichten möchte...

Achso: Die erwähnten Künstler werden am heutigen 26. Juli eine Oliver Peel Session im Westerwald spielen. Bei Interesse bitte melden. Der King Of Blog feiert Geburtstag.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Entertainment For The Braindead, Köln, 21.07.09

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Konzert: Entertainment For The Braindead
Ort: Vorstadtprinzessin, Köln
Datum: 21.07.2009 (Mondtag)
Zuschauer: ca. 40 beim Konzert (voll)
Dauer: 70 min


Zauberhaft! Dem Reiz der wundervollen Lieder der Kölnerin Julia Kotowski (Entertainment For The Braindead) kann man sich wirklich nicht entziehen. Wie viele Ideen in jedem Stück stecken, ist verblüffend. Am Samstag die nächste Chance, Julia zu sehen (im Kölner Limes), geht hin, es lohnt sich!

Ein wacherer Bericht folgt in Kürze!

Auszüge Setlist Entertainment For The Braindead, Vorstadtprinzessin, Köln:

00: Intro
01: ?
02: It flew away
03: A-String
04: Animals
05: Plea from a cat named Virtute (The Weakerthans Cover)
06: Resolutions
07: ?
08: Cracks
09:
Maybe

10: ? (Z)


Samstag, 13. Juni 2009

Entertainment For The Braindead, Köln, 12.06.09

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Konzert: Entertainment For The Braindead
Ort: Gebäude 9, Köln (Cologne Commons Festivals)
Datum: 12.06.2009
Zuschauer: gut 150
Dauer: 60 min


Was es alles gibt! Gestern sah ich einen Bericht über
eine internationale Twitter-Konferenz; heute war ich beim Festival der Cologne Commons Konferenz, einer Tagung über Creative Commons-Lizenzen oder allgemein über freie Musikkultur. Allerdings wollte ich weniger über Formen der legalen Weitergabe von Musik diskutieren, auch wenn das sicher horizonterweiternd gewesen wäre (meine Fotos z.B. sind mit CC Lizenzen versehen - wenn ich nicht vergesse, das so einzustellen), als vielmehr Julia Kotowski bzw. Entertainment For The Braindead sehen.

Denn Teil der Cologne Commons war eben auch ein zweitägiges Festival im Gebäude 9. Die meisten der auftretenden Künstler sagten mir nichts, muß ich gestehen. Allerdings lag der gemeinsame Nenner der Festival-Acts auch in deren Vertriebsform; musikalisch spannte sich das Spektrum von Techno über "Chip- und 8-Bit-Musik" (was auch immer das sein mag) bis hin zu Folk-Pop.

Mich interessierte nur Entertainment For The Braindead. Die Musik der Kölner Sängerin Julia
Kotowski, die sich hinter diesem Pseudonym verbirgt, hatte ich kennengelernt, nachdem mir Oliver im letzten Herbst erzählt hatte, daß Entertainment For The Braindead in seinem Pariser Wohnzimmer spielen würde (Oliver Peel Session #3; die spektakuläre Vorgeschichte dazu findet sich hier).

Da ich nirgendwo einen Zeitplan gefunden hatte - nur den Hinweis Beginn 21.00 h pünktlich - und auf gar keinen Fall das vermutlich kurze Konzert verpassen wollte, war ich um Punkt neun in Deutz. Vor dem Gebäude 9 standen Grills, Bierbänke und jede Menge Leute, nichts deute aber darauf hin, daß das erste Konzert jetzt beginnen sollte. Erst nach einem einstündigen DJ Set von Sven Swift & Mo. verlagerte sich das Geschehen langsam in den Konzertraum.

Das Publikum in der Halle konnte man in drei Kategorien einteilen: es gab professionelle Fotografen, die vorne standen (zehn vielleicht?), eine große Masse an Leuten, die das vordere Viertel das Saals mieden wie Morrissey eine Grillparty, und die alle als Berufsbezeichnung "was mit Musik" angeben, und mich.

Julia hatte einen Tisch neben sich stehen, auf dem sich allerlei Instrumente befanden. Das sah bereits sehr vielversprechend aus. Als sie dann das erste Stück damit begann, einige Töne und Geräusche zu loopen, war ich bereits hin und weg! Goodbye spielte die junge Kölnerin auf ihrer blauen Ukulele. Begleitet wurde sie dabei aber von den zahlreichen vorher aufgenommenen Tönen und Rhythmen. Julias Stimme ist ruhig, aber auch sehr einprägsam und fest.

Besonders begeisterte mich, wie professionell die junge Künstlerin ihre Lieder vor solch einem großen Publikum wiedergab. Es ist ja eine Sache, ein paar mit Gitarre begleitete Stücke zu spielen. Aber komplexe Titel, bei denen Stimme und Instrumente liv
e aufgenommen und wieder zusammengesetzt abgespielt wurden, ohne daß irgendein Zeichen von Nervosität zu spüren war, beeindruckte mich! Aber dabei fehlte jede professionelle Abgezocktheit, es war also die perfekte Mischung aus fabelhaft vorgetragenen Liedern und einer großen Menge Charme!

Das erste Stück, das ich kannte, war Resolutions, das auf der Platte Hydrophobia auf ihrem Netlabel aaahh-Records erschienen ist. Zusätzlich zu ihrer akustischen Gitarre kam dabei eine Querflöte zum Einsatz. Ein ganz und gar wundervolles Lied! Flöten
kamen häufiger vor. Beim nächsten Stück war es aber eine Blockflöte, vermutlich eine Altflöte, sie klang nämlich so anders als das Ding, das ich im Schulunterricht spielen durfte.

Hinter der Sängerin liefen auf einer Leinwand Animationen des britischen Künstlers VJ Ultra. Ich war während des Programms sicher, die Animationen wären auf Julias Lieder speziell abgestimmt, so gut passte die visuelle Unterstützung.

Ich kannte bei weitem nicht alle Lieder des Abends - das (Fach)publikum sicher auch nicht; die Reaktionen waren aber auf alle Stücke gleich, der Saal war begeistert!
Schwer zu sagen, was mir am besten gefiel. A string, das Lied über die abgerissene A-Saite ihrer Gitarre, gehörte ganz sicher dazu! Ein extrem schönes und trauriges Lied, das hoffentlich auch irgendwann veröffentlicht wird!

What you get war auch ausgezeichnet, ebenso Mi
corazón... Vermutlich mochte ich aber Will you miss me? und Maybe am meisten. Will you miss me? spielte Julia auf einer E-Gitarre, als einziges Stück des Abends, wenn ich mich recht erinnere. Maybe, wieder auf der blauen Ukulele vorgetragen, hatte dann mit einem mehrfach geloopten Glockenspiel (diesem roten mit den bunten Metallplatten) die wundervollste Instrumentierung.

Obwohl es mir höchstens wie eine halbe Stunde vorgekommen war, hatte das Programm von Entertainment For The Braindead eine knappe Stunde gedauert,
bevor es mit Maybe endete. Da noch drei andere Livebands auftreten sollten, hatte ich vorher höchstens mit vierzig Minuten pro Künstler gerechnet. Trotz des sicher straffen Zeitplans, mußte Julia selbstverständlich eine Zugabe spielen, Animals von ihrer Tour EP Seven +1.

Von Entertainment For The Braindead werden wir noch viel hören, daran besteht überhaupt kein Zweifel! Und wir werden ganz sicher noch häufig über diese großartige Künstlerin schreiben!


Setlist Entertainment For The Braindead, Cologne Commons, Gebäude 9, Köln:

01: Goodbye
02: It flew away
03: Resolutions
04: Weightless & innocent
05: What you get
06: Coming home
07: Mi corazón
08: A string
09: Will you miss me?
10: Maybe


11: Animals (Z)*

Links:

- Oliver Peel Session mit Entertainment For The Braindead in Olivers Wohnzimmer in Paris
- (mehr) Fotos aus dem Gebäude 9


* vielen Dank an Julia für die Setlist!




Montag, 19. Januar 2009

Entertainment For The Braindead, Paris, 18.01.09

1 Kommentare

Konzert: Entertainment For The Braindead
Ort: Ein Wohnzimmer, irgendwo in Paris, Oliver Peel Session # 3
Datum: 18.01.2009
Zuschauer: 15 + ein Ragdoll Kater
Konzertdauer: 40 Minuten


"Das klingt wunderschön! Will Julia nicht mal in meinem Wohnzimmer spielen, nachdem mich Syd Matters so lange warten lassen?" (Kommentar von Oliver Peel bei Plattenvorgericht, 30.Okt. 2008)

"Wo ist denn dein Wohnzimmer und mit welchen Argumenten würdest Du sie zu überzeugen suchen? Wer weiß, vielleicht hat sie ja tatsächlich Lust :P" (Antwort von Julia, 01.Nov. 2008)

So fing die ganze Geschichte an. Ich hatte damals gerade einen Streifzug durch die neuen CD-Veröffentlichungen bei Plattenvorgericht - einem sehr guten und mir wohlbekannten Blog- gemacht und stieß beim Anklicken der eingebundenen Youtube-Videos auf eine Stimme, die mich auf Anhieb in ihren Bann zog. Wer sang da so lieblich und herzerweichend? Ich war hin und weg und sah mir die Live-Videos gleich in Dauerschleife an!

Entertainment For The Braindead, aha, so nennt sich also das traumhaft singende Mädchen mit der Gitarre", dachte ich laut vor mich hin und nur zwei Minuten später ertappte ich mich selbst dabei, die eingangs zitierten Sätze in den Computer zu hacken. "Willst Du nicht in meinem Wohnzimmer spielen?" - war ich da nicht etwas zu naßforsch? Leichte Selbstzweifel überkamen mich. Diese verwischte ich jedoch schon sehr bald, da ich mir insgeheim dachte, daß höchstens die Schreiberlinge von Plattenvorgericht meinen Spruch mitbekommen würden. Nie im Leben hätte ich daran gedacht, daß Julia aka Entertainment For The Braindead, also die Künstlerin selbst, mein Gekritzel lesen, geschweige denn kommentieren würde! Aber manchmal ist das Internet und die moderne Kommunikation ja doch eine unglaublich tolle Sache! Julia hatte mein halb ernstes, halb scherzhaftes Angebot, in meinem Wohnzimmer in Paris zu spielen, tatsächlich gelesen und sie schien noch nicht einmal abgeneigt. Irre! Der Kontakt war hergestellt und jetzt galt es nur noch meine plötzlich vorhandenen Konkurrenten von Plattenvorgericht und auch vom Klienicum in Bayern aus dem Wege zu räumen. Angespornt durch das Feedback von Julia versuchten nämlich auch Dirk und Eike Julia zu einem Wohnzimmerkonzert zu überzeugen und mich zu übertrumpfen. Aber sie hatten letztlich keine Chance, die Anziehungskraft von Paris war deutlich größer als diejenige von Käffern wie dem rheinischen Neuwied oder dem bayrischen Ampfing. Auch mein Kompromissvorschlag, das Ganze doch in unserem Kaminzimmer im Westerwald statfinden zu lassen, blieb unbeachtet. "Paris und sonst nix", muss sich wohl Julia gedacht haben und ich konnte sie schon recht gut verstehen ...

Der Austragungsort stand also fest und jetzt waren nur noch ein paar organisatorische Dinge zwischen mir und der Künstlerin zu klären. Diese wurden aber schnell gelöst und als Julia mir schließlich mitteilte, daß sie ihre Thalys Zugtickets mit der Post erhalten hatte, stand dem abenteuerlichen Unterfangen fast nichts mehr im Wege.

Auch das Mail, daß ich einen Tag vor der Anreise der jungen Sängerin erhalten hatte, konnte das Wohnzimmerkonzert nicht mehr ernsthaft gefährden. Julia hatte mir nämlich mitgeteilt, daß es Probleme mit ihrem Gitarrenverstärker* gebe und daß sie deshalb ihre ganzen tollen Tricks mit dem Loopsampler, den sie ansonsten verwendet, nicht vorführen kann. Halb so wild, "ein rein akustisches Konzert ist auch schön", darauf einigten wir uns sehr schnell...

Im Bemühen trotzdem noch bestmögliche technische Bedingungen herzustellen, wuchtete ich zwar noch einen sauschweren (mindestens 20 Kilo wog das Scheißding!) Verstärker, den mir ein Freund geliehen hatte, durch halb Paris, aber das stellte sich als vergebene Liebesmühe heraus! Ich hätte meinen Rücken schonen können, denn das technische Problem, das von Julias Gitarre ausging, bestand auch in Paris fort...

Am Samstag, dem Vortage des Konzertes, scherten wir uns nicht mehr um solche technischen Details, sondern sahen uns lieber zusammen die Seine-Metropole an. Dank des charmanten Besuchs aus Deutschland entdeckte auch ich noch Dinge, die mir bisher verborgen geblieben waren. Daß man in dem berühmten Buchladen Shakespeare & Co im Austausch gegen aktive Mithilfe eine kostenfreie Schlafgelegenheit geboten bekommt, war mir vollkommen neu! Soll aber ein Geheimtip bleiben, deshalb psst!...

"Psst", sprich Ruhe, war auch von den glücklichen Besuchern, des schließlich am Sonntag stattfindenden Konzertes gefordert. In der Hinsicht kann ich aber meinen Freunden und Bekannten, die klugerweise in unserem heimischen Wohnzimmer erschienen sind, ein großes Kompliment machen! Jeder verhielt sich äußerst diszipliniert und aufmerksam und man hätte wirklich die berühmt- berüchtige Stecknadel fallen hören können. Wenn unser Kater nicht so satt und durch sein Diabetikerfutter ruhiggestellt gewesen wäre, wäre sicherlich auch noch sein Magenknurren vernehmbar gewesen! Zu Entertainment For The Braindead hatte er bereits eine sehr innige Beziehung aufgebaut. Noch nie lag er so nahe an dem bei uns auftretenden Künstler dran, was mit Sicherheit auf die äußerst sanftmütige Art der Kölnerin zurückzuführen war. Das ruhige und zarte Wesen der 22 Jährigen war regelrecht ansteckend. Während ihres wundervollen vierzigminütigen Auftrittes verfiel ich in einen wohligen, hypnoseähnlichen Zustand, aus dem ich am liebsten gar nicht mehr aufgewacht wäre. Wenn Entertainment For The Braindead mit zumeist geschlossenen Augen ihre melancholischen Komposition vortrug, wurde mir ganz warm ums Herz und das Leuchten in den Augen unserer Gäste ließ darauf schließen, daß sie sich in einem ähnlichen Gemütszustand befanden. "C'est magnifique", flüsterten einige meiner französischen Freunde ganz begeistert. Magnifique, also großartig, war es in der Tat, was uns von der jungen Sirene geboten wurde! Ihre Stimme war trotz ihres zarten lieblichen Klanges so fest und eindringlich, daß sich mir sämtliche Nackenhaare aufstellten. Es war noch schöner,als ich mir das in meinen kühnsten Träumen ausgemalt hatte! So dachten wohl alle hier, der verdiente Applaus nach den einzelnen Songs war aufrichtig und kam vom Herzen! Die Künstlerin selbst reagierte hierauf immer sehr bescheiden und bedankte sich höflich. Ihre Ansagen und vereinzelten Erklärungen zu den Songs, verkündete sie in einem perfekten englisch, nur die persönliche Vorstellung hatte sie auf französisch bestritten. Ein paar Titel waren sogar noch nie zuvor live gespielte Exklusivitäten, heute zum ersten Mal während der dritten Oliver Peel Session performt! Welche Ehre! Teilweise hatte das mit den technischen Gegebenheiten zu tun, in anderen Fällen aber auch damit, daß Julia sehr fleißig ist und deutlich mehr als ihre ingesamt 23 auf dem Netlabel aaahh veröfflichten Lieder im Repertoire hat. Aaahhrecords ist übrigens ausschließlich ehrenamtlich tätig, sie betreuen zur Zeit drei Künstler (u.a auch noch die wunderbaren The Wind Whistles) und die Alben ihrer Schützlinge sind allesamt gratis per download zu erwerben.

Zu den Exklusivitäten gehörte Awoke während man tolle Lieder wie Fences, What You Get und die abschließende Zugabe Colours auf dem Machwerk Hydrophobia finden kann.

Hach, allein dieses Fences! Ein unglaublich schönes Lied, das Entertainment For The Braindead im Oktober 2008 bereits bei einem Konzert im Kölner Motoki Kollektiv zum Besten gab. Sanft und reduziert hierbei das Gitarrenspiel, eine melancholische Melodie, die das ganze Stück durchzieht und die man danach nie wieder vergisst und ein autobiografischer Text. Es geht um den Verlust einer geliebten Person, aber ihr lieblicher Gesang hatte dennoch etwas Hoffnungs- und Trostspendendes. Textlich drückt sie in dem Lied ihr Bedauern über ihr Verhalten aus und unterlegt die besinnliche Stimmung eindrucksvoll mit ihrer wehklagenden Stimme: "I should have taken your hand, should have held it as we stumble, but I'd led it go, I'd let it slip away"... Der Kloß in meinem Halz hätte wohl nicht größer sein können, aber mir gelang es irgendwie, Fassung zu bewahren!

Auch das folgende Lied drehte sich um Verluste, bei dem Non-Album Track A String handelt es sich zwar "nur" um eine gerissene Gitarrensaite und das daraus resultierende Bedauern, aber der Song machte eindrucksvoll deutlich, daß man auch zu Recht über den Verlust vermeintlicher Bagatellen betrübt sein kann und zeigt überdies das enge, fast persönliche, Verhältnis zwischen dem Künstler und seinem Arbeitsgerät. Allerdings war das ganze Stück eher ziemlich ironisch gemeint. New Years Eve den letzten Titel des Albums Hypersomnia stimmt Entertainment For The Braindead auf der Ukulele an, aber irgendwann verliert sie den Faden und bricht das Stück in der Mitte ab, weil die Vorbereitung darauf zu knapp war. Das macht aber überhaupt nichts, im Gegenteil, das hat viel Charme und gehört eigentlich zum Liveerleben dazu! Ein Konzert ohne kleinere Pannen ist oft witzlos und ohnehin sind die Künstler in ihrer Selbsteinschätzung immer viel kritischer als das Publikum. Den winzigen Schnitzer, der zum Abbruch führte, hat eigentlich keiner hier bemerkt. Weightless & Innocent, erneut ein Non-Album Track (wir wurden verwöhnt heute!), klappt aber wieder prima und reibungslos. Mit What you Get folgt dann einer meiner absoluten Favoriten von Hydrophobia. Ich mag die Besinnlichkeit und Melancholie des Stückes, aber auch der interpretierbare Text ist sehr interessant und berührend: "I could have told you from the start, that this will make your hole world fall apart", besagt der Refrain und etwas später folgt die Aussage: "Hope you choke on your desires, hope you choke on your despair, on your self inflicted misery... - I really don't care." Ein Lied, das unter die Haut geht, keine Frage!

Dann folgt mit Awoke die zitierte Exklusivität und Livepremiere, bevor mit Plea From A Cat Named Virtute, ein Cover der kanadischen Band The Weakerthans, schon der letzte Song des intimen Sets angekündigt wird. Amüsanterweise ist das Lied aus der Perspektive einer Katze geschrieben worden, wie Julia lächlend erklärt, was zur Konsequenz hat, daß das Lied d'Artagnan, unserem friedlich schlummernden Ragdoll- Kater gewidmet wird. Toll, jetzt gibt es also eine Querverbindung zwischen den Weakerthans und einem 10 jährigen Berliner Kater, der in einem Pariser Appartment lebt. Sachen gibt's!...

So schnell wollen wir aber Entertainment For The Braindead nicht gehen lassen, mindestens eine Zugabe sollte es schon sein. Heftiger Applaus brandet auf und die junge Kölnerin fragt in die Runde, ob sie lieber einen "happy" oder einen "sad song" spielen solle. Vorlaut rufe ich rein, daß sie zunächst den traurigen Song spielen und den fröhlichen gleich hinterherschicken solle. Damit ist die Rheinländerin mit der herzerweichenden Stimme einverstanden und Animals und Colours (interessanterweise eigentlich auch eher traurig klingend) beenden ein traumhaft schönes Wohnzimmerkonzert. Alle Besucher sind tief beeindruckt, gerührt, ja hingerissen und werden diese dritte Oliver Peel Session wohl nicht so schnell vergessen! Die von Julia mit viel Liebe selbst gestalteten CDs gehen anschließend weg wie die warmen Semmeln, kein Wunder! Wer daran interessiert ist, ein Exemplar zugeschickt zu bekommen, wende sich an die Künstlerin selbst. Entertainment For The Braindead hat aber schon angekündigt, daß die Lieferung bis März dauern kann. Bei ihr kommt eben nichts vom Fließband und jede einzelne CD wird von ihr handgefertigt. Soviel Idealismus sollte gewürdigt werden! Ich persönlich fühle mich an jenem Sonntag ohnehin wie ein vom Leben besonders begünstigter Mensch und muss mich erst einmal wieder sammeln!

Versprechen kann ich allerdings, daß die Serie der Oliver Peel Sessions in unserem Wohnzimmer weitergeht. Die Nachbarn haben prima mitgespielt und sich nicht beschwert, so daß einer vierten und fünften Session nichts im Wege steht. Interessierte Künstler können mir einfach eine E-Mail schicken, wenn auch sie das Wagnis auf sich nehmen wollen, ganz in der Nähe einer blutrünstigen Katze (man nennt d'Artagnan auch Montecore) zu spielen...


Setlist Entertainment For The Braindead, Oliver Peel Session, Paris

01: It Flew Away
02: Maybe
03: Fences
04: A String
05: (New Year's Eve)
06: Weightless & Innocent
07: What You Get
08: Awoke
09: Plea From A Cat Named Virtute (The Weakterthans Cover)

10: Animals (Z)
11: Colours (Z)

* Anmerkung für Technikfreaks: Das Problem mit der Gitarre lag nicht am Verstärker, sondern am Tonabnehmer, bzw. dem dort integrierten Vorverstärker.

Links:

- Mehr Fotos von Entertainment For The Braindead hier
- Seite des tollen Netlabels aaahh- records, mit einer ausführlichen Beschreibung zu Entertainment For The Braindead inklusive sämtlicher Pressebesprechungen
- CD Vorstellung Hydrophobia von Entertainment For The Braindead bei Plattenvorgericht
- Eike vom Klienicum war der Erste, der über Entertainment For The Braindead berichtete, bravo!
- Entertainment For The Braindead live in Paris, Oliver Peel Session # 3. Zuhören, genießen, schwärmen!
- Videos von Entertainment For The Braindead, Oliver Peel Session # 3, Paris (Merci mille fois à Benoit!):

- What You Get
- Awoke
- Fences



 

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