Konzert: Anna Calvi Ort: La Fnac- Montparnasse (Showcase) Datum: 15.06.2011 Zuschauer: 200 vielleicht? Konzertdauer: etwa eine halbe Stunde
"Wer in einem Plattenladen spielt, endet bald im Möbelhaus", hatte dereinst Bloggerfreund Eike vom Klienicum geätzt und für Leute wie Tony Marschall oder Ingrid Peters und den deutschen Musikmarkt mag das zutreffend sein. Was die Britin Anna Calvi anbelangt, kann diesbezüglich Entwarnung gegeben werden. Sie spielte zwar heute in einem Plattenladen in Paris (Kulturkaufhaus wäre für die Fnac das richtigere Wort), landet aber demnächst im überaus angesehenen Olympia und wird dann vor 2500 Leuten und nicht wie heute vor 200 einsamen Seelen auftreten.
Trotzdem fragt man sich: warum macht die das? Ihre Konzerte sind regelmäßig ausverkauft, die Locations werden größer und größer, sie ziert sämtliche Titelblätter aller Musikmagazine und trotzdem stellt sie sich nachmittags um 17 Uhr 30 auf eine improvisierte, nicht sonderlich glamouröse Bühne, um gratis 6 Songs zum Besten zu geben.
Nun ja, uns Zuschauern konnten die Beweggründe egal sein, denn zu meckern gab es heute rein gar nichts. Brillanter, schwerer Rocksound, eine wie aus dem Ei gepellte Anna Calvi, eine Begleitband (Gitarre, Schlagzeug, Harmonium), die ihre Sache tadellos machte und Songs, die schon fast so etwas wie moderne Klassiker sind, obwohl das Debütalbum erst Anfang des Jahres erschienen ist.
Keine Frage, die Calvi ist was Besonderes! Da mag der ein oder andere über den Medienhype um die hübsche Blondine meckern, Fakt ist, daß sowohl ihr Gitarrenspiel, als auch ihre Stimme außerwöhnlich sind. Dabei hatte sie es heute gar nicht so leicht mit dem Gitarrenspiel. Ihr Handgelenk ist verletzt (Sehnenentzündung? Bruch? Keine Ahnung) und deshalb bestellte sie sich einen zusätzlichen Gitarristen auf die Bühne. Aber auch trotz dieses Handicaps ließ sie ihr Können an der Elektrischen aufblitzen. Ihr Riffs kamen messerscharf, punktgenau und schufen eine schwül-sinnliche Atmosphäre wie in einem Roadmovie, das in New Mexcio spielt. Schon das ausgeprägte Instrumentalintro zu Beginn des Showcases hatte es in sich. Geradezu knisternd die Spannung, die da aufgebaut wurde. Der Rest dann knackig und überraschend laut. Kein akustisches Set mit halber Lautstärke wie sonst bei solchen Veranstaltungen üblich, sondern ein richtig rockiges Kurzkonzert wurde einem da geboten. Fans erfeuten sich an Suzanne and I,Blackout, dem Elvis Cover Surrender und den vier weiteren Stücken, darunter die Zugabe Jezebel.
Überragend die Mimik und die Bühnenpräsenz der Calvi. Mit weit aufgerissenem Munde zelebrierte das zierliche Persönchen mit den gefährlich hohen Stöckelschuhen ihre Songs, verlieh innen Feuer und Leidenschaft. Die außerhalb der Bühne so schüchterne Engländerin ist live ein Vulkan, das kann man wirklich so sagen.
Kein Wunder also, daß es prima für sie läuft. Sie ist einfach enorm charismatisch und hat in jeder Hinsicht großes Potential. Ob sie wirklich so überragend gut ist, wie uns die Presse mittels ihrer lobhudelnden Artikel einbläuen will, kann uns deshalb auch egal sein. Lassen wir ihr die Zeit, sich zu entwickeln, schreien wir nicht sofort nach einer neuen PJ Harvey, sondern erfreuen uns einfach an ihrem Talent und ihrer Ausstrahlung.
Nächster Halt: Olympia. Wie ihre großen Vorbilder Edith Piaf Und Jeff Buckley. Wann genau? Keine Ahnung. Bisher wohl nur ein Gerücht, freilich eines mit hoher Prognosesicherheit.
Setlist Anna Calvi, Showcase, Fnac Montparnasse, Paris: 01: Instrumental 02: Suzanne & I 03: Surrender 04: Desire 05: Love Won't Be Leaving
06: Jezebel
Ausgewählte Konzerttermine Anna Calvi (alle Daten findet man hier):
12.06.2011: Festival Art Rock, St Brieuc, Frankreich 25.06.2011: Glastonbury 1.07.2011: Roskilde, Dänemark 2.07.2011: Eurockénnes de Belfort, Frankreich 04.07.2011: Montreux Jazz Festival 17.07.2011: Lattitude Festival 11.08.2011: Haldern Pop Festival 12.08.2011: Brotfabrik, Frankfurt 14.08.2011: Kampnagel, Hamburg 20.08.2011: Frequency Festival, Salzburg 28.08.2011: Festival Rock en Seine bei Paris 05.10.2011: Luxor, Köln 07.10.2011: Heimathafen, Berlin 19.10.2011: Rockhouse, Salzburg 26.10.2011: Backstage,München 27.10.2011:Manufaktur, Schorndorf
Konzert: James Vincent McMorrow Ort: Fnac-Montparnasse, Paris Datum: 02.04.2011: 16 Uhr Zuschauer: bestimmt 150 Konzertdauer: etwa 25-30 Minuten
Chronique en français en bas de page.
Paris, 2. April 2011, gegen 16 Uhr. Draußen scheint wunderbar die Sonne, die wintergeplagten Pariser frequentieren bei 23 ° Celsius die Straßencafés, aber meine Frau und ich sitzen bei Schummerlicht in einem Kulturkaufhaus namens Fnac. Grund ist der Showcase des Iren James Vincent McMorrow, von dem wundersame Dinge berichtet werden. Er sei der neue Justin Vernon (Bon Iver) und die Chorgesänge seiner Band schöner als jene der Fleet Foxes. Die Marketingmaschinerie ist gut geölt, erst kürzlich hat der Senkrechtstarter auf Anhieb das 600 Leute fassende Café de la Danse ausverkauft. Ich hatte einen Gästelistenplatz für diese Veranstaltung, auf Grund meiner Teilnahme am Festival les femmes s'en mêlent musste ich ihn aber verfallen lassen.
Heute nun die Gelegenheit Verpasstes (?) zumindest halbwegs nachzuholen. Ein Showcase ist kein richtiges Konzert, aber allemal dazu geeignet, sich einen Eindruck zu verschaffen. Und dieser fällt auf Anhieb negativ auf. Schon nach dem ersten Lied blökt mich meine Frau an: "die Stimme nervt total!" Obwohl wir musikalisch nicht unbedingt die gleiche Meinung haben, muss ich ihr recht geben. Was mich vor allem stört, ist, daß James anscheinend krampfhaft versucht, den Falsett-Gesang von Bon Iver zu imitieren. Natürlich und authentisch kommt das für mich nicht rüber und außerdem geht er sogar noch höher in der Tonlage, drückt noch mehr auf die Tränendrüse. Das Ganze wirkt auf mich wie eine Masche, ausgetüftelt von cleveren Marketingstrategen. Ein Geschäftsplan nach dem Motto: Die Leute stehen seit Justin Vernon auf eunuchenhaft hohe Männergesänge voller Wehmut und Weltschmerz? Also geben wir ihnen Nachschub, solange die Nachfrage hoch ist! Musikfans in aller Welt fahren auf harmonische Chorgesänge im Stile der Fleet Foxes ab? Na, dann spingen wir doch gerne auf den fahrenden Zug auf! Bitte sehr, Chöre wie in der Kirche, geboten von James Vincent Mc Morrow und seinen drei Mitstreitern, darunter eine hübsche Blondine!
Es liegt mir fast auf der Zunge, mitten in ein Lied reinzurufen und den Sänger als KT zu beschimpfen. Copy and Paste jetzt also auch in der Musik! Nun gut, neu ist das ja nicht. Ich lasse das also mit dem Reinrufen, KT kennt man ja sicherlich weder in Dublin noch in Paris.
Aber vielleicht sind ja die Texte gut? Schließlich sollte man Singer/Sonwriter nicht nur an der Stimme, sondern auch den Lyrics messen. "I see no joy only danger, I see no joy only strangers", heißt es da gerade in einem Lied (Sparrow And The Wolf). Hmm. Große Dichtkunst ist das ja wohl nicht, James Blunt würde so ähnlich texten. Später heißt es: "they are coming from the woods." (Titel: From The Woods). Noch so ein Klischee, der Mann der aus dem Wald kam, der missverstandene Einsiedler, der auf einem Hochsitz traurige Lieder auf seiner Gitarre kratzt, weil ihn seine Freundin verlassen hat.Gähn!
Und dann klingt der Chorus des vorletzten Stückes auch noch genauso wie bei Mykonos von den Fleet Foxes. Frechheit!
Kurzum: nach nur fünf Lieder habe ich schon die Schnauze voll von James Vincent Mc Morrow und seinem Plagiat. Abgeschrieben, durchgefallen!
Hätten wir uns doch lieber in ein Straßencafé gesetzt!
Pour nos lecteurs français:
Est-ce que Justin Vernon (Bon Iver) et Robin Pecknold (Fleet Foxes) ont déjà déposé une plainte pour plagiat contre l'irlandais James Vincent McMorrow? Voix de fausset haut perchée, harmonies vocales dans la tradition des CSN, ça sent méchamment le copié-collé chez James Vincent. Les environ 150 personnes présentes pour ce showcase à la Fnac Montparnasse et le 600 qui ont fait que son dernier "vrai" concert au Café de la Danse a été complet n'ont pas eu de problèmes avec cette ressemblance pourtant évidente. Ils ont l'air impressionnés par ce chant pénible, forcé et envoutés par ses choeurs, formés de trois musiciens dont une jolie blonde. Après deux morceaux je m'ennuie déja ferme. Pire que ça, je suis énervé. Je suis fan de Bon Iver et des Fleet Foxes et cela m'agace que l'industrie du disque se précipite pour fournir des clones afin d'obtenir une part du gâteau. Trop de commerce tue le commerce. Et ce revival folk commence à devenir malhonnête. D'anciens rockers changent subitement de direction, parce qu'ils remarquent que des groupes folk comme Mumford & Sons, Stornoway, Band Of Horses et Fleet Foxes marchent vachement bien en ce moment. Cela donne envie de détester tous les groupes à chemises a carreaux!!
En ce qui concerne James Vincent McMorrow c'est aussi l'écriture qui est faible et pleine de clichées. L'homme des bois attristé, qui écrit des chansons mélancoliques sur sa guitare dans sa cabane, on connait déjà cette histoire.
Heureusement que ce showcase durait seulement 30 minutes! L'avant-dernier morceau est le pompon, les choeurs ressemblent trop à ceux entendu dans Mykonos de Fleet Foxes.
Mais peu importe ce que j'en pense, le succès va lui sourire et je suis convaincu qu'il jouera à La Cigale probablement dès cette année.
Konzert: Agnes Obel Ort: Fnac Montparnasse, Paris Datum: 09.11.2010, Zuschauer: etwa 80 bis 100 Konzertdauer. ungefähr eine halbe Stunde
Agnes Obel hat die schönsten blauen Augen, die man sich nur vorstellen kann! Ich wäre am liebsten in ihnen schwimmen gegangen, so herrlich azurfarben wie sie sind...
Heute hatte ich die Gelegenheit der dänischen Pianistin für ein paar Minuten ganz nahe zu sein. Nach ihrem Showcase im Kulturkaufhaus Fnac nahm sie sich noch Zeit, um mit ihren Fans zu plaudern und CDs zu signieren. Alles war ganz relaxt und angenehm. Und Agnes war erfreulich unkompliziert, nett und herzlich. Das recht strenge Bild, das sie auf manchen Promofotos und beim Performen ihrer Lieder abliefert, ist also nur ein Teil ihrer Persönlichkeit. Der andere Teil lächelt gerne und ist eigentlich sehr locker. Da sie in Berlin lebt, spricht sie auch gut deutsch. In Neukölln wohne sie jetzt, nachdem sie vorher am Prenzlberg war, teilte sie mir mit. Ich musste gestehen, daß ich meine 10 Jahre in Berlin im langweilen Witwenviertel Wilmersdorf verbracht habe, der Nähe zur Fu Berlin wegen.
Das Konzert, das unserer kurzen Unterhaltung vorangegangen war, hatte sich wirklich gelohnt. Zwar fehlte die tolle Cellistin Anne Ostsee, aber Fräulein Obel alleine am Klavier war auch nicht zu verachten. Wer unsere Seite regelmäßiger liest, weiß, daß ich das erste Konzert der Dänin in der Pariser Flèche d'or nicht ganz so überragend fand. Die Rahmenbedingungen waren schwierig, es war heiß, stickig und überfüllt und ich selbst müde und griesgrämig. Inzwischen habe ich die Songs aber ein paar Mal gehört und bin drin in der Materie. Die Stücke gefallen mir jetzt richtig gut. Brother Sparrow und vor allem Riverside gehen mir schon nicht mehr aus dem Ohr. Diese feine Klaviermelodie bei Riverside ist einfach zu einschmeichelnd, als daß man an ihr langfristig vorbeikäme. Und die Stimme von Agnes klingt nach Samt und Seide, ein Genuß! Schade, daß mit dem dramatischen On Powdered Ground dann schon relativ schnell Schluss war. Aber die Künstlerin ist auf Tournee, muss weiterziehen und andere Menschen mit ihrer Musik beglücken...
Konzert: Two Door Cinema Club Ort: Fnac Montparnasse, Paris Datum: 22.03.2010 Zuschauer: 40-50 Konzertdauer: spärliche 13 Minuten
Man muss schon ein notorischer Nörgler sein, wenn man über das Pariser Konzertangebot lästert. Bereits um 12 Uhr nachmittags gaben Noah & The Whale (in meiner Abwesenheit) ein vierzigminütiges Gratiskonzert bei La Defense und um 15 Uhr 30 ging es in der Fnac Montparnasse weiter. Kein Eintritt, allerdings auch nur gerade einmal 13 Minuten (es gibt Nerds, die so etwas stoppen, ich gehöre nicht dazu, wurde aber anschließend über die Konzertdauer auf die Minute genau unterrichtet) Spielzeit. Etwas dürftig! Aber gut, wir wollten ja nicht nörgeln! Schließlich haben wir eine akustische Kostprobe von der Band der Stunde bekommen. Two Door Cinema Club heißen die jungen Iren (nicht Irren) und die sind in Frankreich zur Zeit in aller Munde. Das liegt sicherlich auch daran, daß sie beim französischen Label Kitsuné unter Vertag stehen und sich schon desöfteren in der Seine Metropole haben blicken lassen. Für mich war es eine Premiere, für meinen Freund Philippe (ein echter Fan!) bereits der fünfte Gig mit den Jungspunden. Was man von den drei Jungs zu hören bekam (zwei Akustikgitarristen & 1 Glöckchenspieler), war durchaus hübsch und launemachend, aber zu wenig aussagekräftig, um sich ein fundiertes Urteil zu bilden. Gesanglich lag das irgendwo zwischen den Maccabees und den Good Shoes und in der elektrischen Variante dürfte man von den genannten Bands auch nicht allzu weit entfernt sein. Nichts weltbewegend Neues bei Two Door Cinema Club also, aber frischer Indie-Pop, der zumindest 2010 auf einigen Ipods landen wird, bevor man 2012 wie die ganzen anderen jungen Bands aus Großbritannien und Irland wieder in der Versenkung verschwinden wird. Nicht, daß ich ihnen das gönnen würde. Von mir aus dürfen sie viel länger bleiben! Bloß kennt- bzw. hört etwa heute noch jemand Musik von The Bravery, den Good Books oder Cajun Dance Party, die bei Plattentests.de als ähnliche Bands aufgelistet werden?
Ausgewählte Konzerttermine von Two Door Cinema Club:
26.03.2010: Paradiso (mit Phoenix) 27.03.2010: AB (mit Phoenix), Brüssel 28.03.2010: Den Atelier (mit Phoenix), Luxemburg 08.04.2010: Gebäude 9, Köln 08.04.2010: Atomic Café, München 09.04.2010: Rosi's, Berlin 10.04.2010: Molotow, Hamburg
Video von Rockerparis (merci!). Two Door Cinema Club performen Undercover Martyn:
Konzert: Bad Lieutenant Ort: Forum Fnac Montparnasse, Paris Datum: 04.11.09 Zuschauer: recht großer Andrang Konzertdauer: 15 Minuten
"Fängt man in der Fnac an, endet man wie Roberto Blanco im Kaufhof", hatte Eike einst geätzt, als ich über Mareva Galanter geschrieben hatte.
Mag teilweise stimmen, aber heute musste der Satz richtigerweise lauten: "Fängt man nachmittgas in der Fnac an, endet man abends im legendären Pariser Olympia! Jawohl! Vorraussetzung ist natürlich, daß man Bernard Sumner heißt, mal in der besten Band aller Zeiten namens Joy Division gespielt hat (Fans der allerersten Stunde nennen immer noch den Vorläufer Warsaw) und mit New Order nicht nur mainstreamtechnisch viel bekannter geworden ist, sondern auch ordentlich Kohle gemacht hat.
Nun also sein neues Projekt Bad Lieutenant. Umringt von zwei Akustikgitarristen (Phil Cunningham, Jake Evans) betritt der alternde Indiestar die Bühne und setzt sich auf sein Stühlchen. Er trägt Brille, kurze Haare und Gesundheitsschuhe. Nie würde man ihn für eine Ikone der Postpunk Ära halten, wenn man es nicht genauer wüsste! Er sieht aus wie der Herr Kaiser und könnte einem sicher nicht nur eine Versicherung verkaufen. So vertauenswürdig und gutherzig wie er erscheint, würde man ihm sogar sein Geld anvertrauen, damit er es in Lehman-Brothers Zertifikaten anlegt. Oder so.
Dabei hat er jahrelang mit dem besessenen Ian Curtis zusammengespielt, ihn permanent gesehen. Unglaublich! Wenn er seine Memoiren schreibt und über Ian auspackt, könnte er sicher eine hübsche Stange Geld verdienen. Aber ich vermute, Fragen zu Hern Curtis nerven ihn gewaltig. Wenn er in Interviews gelöchert wird, wie die ganze Bandgeschichte verlaufen wäre, wenn Ian nicht Selbstmord begangen hätte, antwortet er immer nur, daß Ian krank war und eh nicht mehr lange hätte weitermachen können. Aber er, der Bernardo, ist immer noch im Geschäft! New Order ist abgewickelt, aber er macht munter weiter. Gut so! Sein kurzes Konzert war nämlich unglaublich charmant und berauschend. Ich habe jede einzelne Sekunde in vollen Zügen genossen und mit leuchtenden Augen meinem Helden aus Jugendtagen zugesehen. True Faith von New Order war damals eines meiner Lieblingslieder und auch in meiner Studentenzeit habe ich noch sehr gerne New Order gehört (stimmt's Cecile?). Seit ein paar Jahren habe ich die Band aber nicht mehr weiterverfolgt. Die letzten regulären Alben (vor den ganzen Deluxe Reeditionen) waren mir regelrecht schnuppe. Und dann heute solch ein Flashback! Kaum zu glauben, mir zitterten regelrecht die Knie, als ich Sumner singen hörte. Gespielt wurden zwei Tracks von Bad Lieutenant (auf jeden Fall das tolle Sink Or Swim und zu 90 % sicher Dynamo) und... Bizarre Love Triangle! Eine Sensation! Nie hätte ich gedacht, heute etwas von New Order zu hören zu bekommen! "Every time I see you falling, I get down on my knies and pray, I'm waiting for that final moment you'll say the words that I can't say", ich sang die Zeilen still und andächtig mit. Eine Mitdreißigern in der ersten Reihe war derartig gerührt, daß ihr Tränen die Wange runterkullerten. Ich konnte ihr gut nachempfinden, denn diesen Song in einer herrlichen Akustikversion zu hören, war einfach ergreifend. Bernard gab sich richtig Mühe, hing sich rein und man merkte, daß in ihm wieder viele Erinnerungen hochkamen.
Dann war aber leider abrupt Schluß, schließlich mussten die drei Jungs zu ihrem Konzert im Olympia. Trotzdem gaben sie noch geduldig Autogramme, ließen sich ablichten und waren sehr bescheiden und höflich. Bernard ist ein Gentlemen , soviel steht fest. Er hat von einem Fan eine Flasche Rotwein bekommen und bedankte sich aufrichtig und mit einem Strahlen im Gesicht. Schön!
Und morgen berichte ich dann vom "richtigen" Konzert im Olympia. Natürlich war es großartig und erneut wurden drei Titel von New Order geboten!
Setlist Bad Lieutenant, Olympia, Paris:
01: This Is Home 02: Summer Days 03: Ceremony (New Order) 04: Sink Or Swim 05: Shine Like The Sun 06: Phoisonous Intent 07: Crystal (New Order) 08: Twist Of Fate 09: Tighten Up (Electronic) 10: Out Of Control (Sumner/ Chemical Brothers) 11: Temptation (New Order)
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Ort: Fnac-Montparnasse (Showcase), Paris Datum: 27.10.2007 Zuschauer: ca. 200
Heute Morgen hatte ich Post in meiner Mail-Box . Meine extrem fleißige Konzertgänger-Freundin Marguerite wies mich darauf hin, daß die französische Band Rhesus ein kleines Konzert in der Fnac Montparnasse geben würden. Eigentlich war ich zu müde und wollte mich lieber ein bißchen ausruhen, aber dann entschloß ich mich doch, zum Ort des Geschehens aufzubrechen. Schließlich brauchte ich ja auch noch eine Speicherkarte und Showcases in der Fnac sind zudem gratis.
Meine Entscheidung zu kommen, sollte sich schließlich dann auch als lohnend herausstellen, denn die Franzosen von Rhesus, die ihre Wohnsitze mit Paris, Grenoble, Berlin(!) angeben, spielten ein äußerst frisches, powerpoppiges Set, das zudem elektrisch war. Meistens gibt es in der Fnac lediglich rein akustische Sets zu hören, insofern war es besonders schön, ein Konzert zu fast regulären Bedingungen miterleben zu können.
Gestartet wurde mit "No Directions", einem flotten und launemachenden Song, bei dem die niedliche Bassistin Laura Rosello die Back Vocals beisteuerte und hierbei fast wie Régine "Arcade Fire" Chassagne auf "Rebellion" klang. "Just Let Go" war danach der einzige Titel des alten Albums "Sad Disco", bevor es mit frischer Ware von "The Fortune Teller Said" weiterging. "Black Cat/White Cat" sorgte für mächtigen Dampf und Drummer Simon Nodet trommelte hierbei wie ein Wilder. Die drei jungen Leute auf der Bühne schienen mächtig Spaß zu haben und auch im Publikum gab es einige Regungen, ziemlich selten für ansonsten recht sterile Showcases. Mit "Little Things" wurde dann zum ersten Mal das Tempo runtergefahren und auch Sänger Aurelien Marie konnte ein wenig Luft holen. Spätestens mit "I Suppose" ging es dann aber wieder in die Vollen, bevor "Someday" und die aktuelle Single "Hey Darling" das schwungvolle und kurzweilige Set beschlossen. Bassistin Laura hat mir mit ihrem bezaubernden Lächeln einen schönen Nachmittag bereitet, zu dessen Gelingen auch die beiden Männer in der Runde kräftig mitgeholfen haben!
Setlist Rhesus: 01: No Directions 02: Just Let Go 03: Black Cat/White Cat 04: Little Things 05: Will You Follow Me Out 06: I Suppose 07: Someday 08: Hey Darling
Konzert: Elvis Perkins Ort: Fnac Montparnasse (Showcase), Paris Datum: 15.10.2007, 17 Uhr 30 Zuschauer: ca.30-40
Einen sog. Showcase in der Fnac Montparnasse gab es erst kürzlich, genauer gesagt am vergangenen Samstag. Vor zwei Tagen waren dort die Engländer Dead 60s zu Gast.* Da die Franzosen aber ihrem liebsten Volkssport, dem Demonstrieren, nachgingen, fuhr unser Bus nicht wie gewohnt und die Metro brachte uns zu spät an den Ort des Geschehens.
Ein Akkustikkonzert einer britischen Rockband dürfte aber für die Location nicht gerade bestens geeignet sein, da fehlt einfach, der Bass, das Schlagzeug und die Elektrische. Ein Singer/Songwriter wie Elvis Perkins scheint mir da schon eher hinzugehören. Schließlich wird er mit Sicherheit oft auch bei regulären Konzerten mit seiner Mundharmonika und seiner Klampfe auskommen, wenn seine Band nicht dabei ist. Bei dem Sohn des Filmschauspielers Anthony Perkins geht es ohnehin eher um Texte, Stimme und Stimmungen. Meist traurige melancholische Stimmungen jedoch, was angesichts seiner Familienbiographie allzu verständlich ist; sein Vater starb in den 90ern an Aids, seine Mutter gehörte zur Besatzung einer Maschine, die am 11. September in einen Tower des World Trade Centers raste. Umso mutiger und tapferer ist es, daß der 30 jährige Mann die Kraft gefunden hat, mittels seiner Musik die Tragödie zu verarbeiten...
"Bonsoir, ça va?" sind seine ersten Worte als er die kleine, improvisierte Bühne betritt. Die Antwort "oui" kommt aber nur zögerlich, es haben sich nur wenige Leute eingefunden und diejenigen, die da sind , sind eher stille Zeitgenossen. Ist ja schließlich auch kein Rockkonzert.
Aber auch keine tieftraurige Veranstaltung, selbst wenn das erste Stück "Emile's Vietnam In The Sky" textlich die Frage aufwirft: "did you ever wonder where you go, when you die?" Diese Frage hat sich jeder sicherlich oft gestellt, genau wie Elvis mit hoher Wahrscheinlickeit sehr oft beantworten muß, wie er mit seiner Familiengeschichte umgeht. Nun, er schreibt bewegende Lieder, die keine Spur kitschig klingen und sich letzlich mit dem alltäglichen Leben beschäftigen. Und das Leben ist oft traurig, manchmal aber auch sehr schön. Herr Perkins jnuior macht demzufolge auch keinen hoffnungslosen, deprimierten Eindruck. Im Gegenteil, seine Natürlichkeit und sein sympathisches Naturell hat etwas Lebensbejahendes, Positives. Ohne Herzschmerz geht es allerdings nie so ganz ab: " I just arrived from America today, and the next song is about how i felt this night." - "All The Night Without Love", sein bisher größter Erfolg des Albums "Ash Wednesday" wird gespielt (nachdem zuvor "While You Were Sleeping" erklungen war) und zieht mich unmittelbar in seinen Bann. Einen schöneren Folksong habe ich seit langem nicht mehr gehört, da muß man schon Klassiker wie Nick Drake, oder Bob Dylan auflegen, um das zu überbieten. Auch das vierte und bereits letzte Stück des insgesamt nur gut zwanzig Minuten langen Auftritts weiß zu gefallen, ohne allerdings an die voher gepielten Stücke heranzureichen. Das Ziel der Veranstaltung wird aber erreicht, ich habe Lust auf das Album "Ash Wednesday" bekommen, kaufe jedoch zunächst nicht die CD, da sich bei mir noch soviel ungehörte CDs stapeln...
Konzerttermine von Elvis Perkins in Deutschland:
26. Oktober Hamburg (Turmzimmer) 29. Oktober Berlin (Festsaal Kreuzberg) 30. Oktober Köln (Gebäude 9)
* Hier die kurze Setlist von Dead 60s vom Showcase Fnac (Dank an Philippe!)
01: Bolt Of Steel 02: Train To Nowhere 03: Beat Generation 04: Riot Radio 05: Stand Up
Und dies ist die Setlist der Dead 60s vom "richtigen" Konzert im Elysée Montmartre (nochmals Dank an Philippe!):
01. Loaded gun 02. Liar 03. Bolt Of Steel 04. Tv & Magazines 05. Too Much Tv 06. Control This 07. A Different Age 08. Red Light 09. We Get Low 10. Riot Radio 11. Beat Generation 12. Dull Towns 13. Last Train Home 14. All Over By Midnight + Jam 15. Cold Soul 16. Stand Up ------------- 17. The Last Resort 18. You're Not The Law 19. Ghostfaced Killer
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
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